Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 84 (25.10.1929)
- Date
- 1929-10-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653138--21123-2679183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Nr. 84, 25. X. 1029 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 561 Jom Kippur - Arabischer Streik (Von unserem palästinensischen Korrespondenten. ) AG. Tel-Awiw, den 17. Oktober 1929. Während sich die palästinensische Judenheit mit schwerem Herzen und unter dem unmittelbaren Eindruck der letzten Ereignisse an die Vorbereitung der Festtage des Tischri und vor allem des Jom Kippur begab, versuchte die Regierung Maßregeln zu treffen, um die Sicherheit im lande .während dieser besonders gefährdeten Tage zu garantieren. Bereits am Vorabend des Jom Kippur war in den verschiedenen Vierteln der Hauptstadt die Wache verstärkt Und bei einem Spaziergang durch die alte Stadt bemerkte man noch vor Einbruch der Dunkelheit ziemlich dicht verteilte englische Patrouillen, hinter denen die arabische Polizei stark in den Hintergrund trat. Auf dem Wege zur Klagemauer vor Beginn des Kol Nidre fand ich w e n i g J u d e n. Der alte Jischuw, der sonst einen beträchtlichen Teil der Beter an dieser Stelle bildet, fehlte fast gänzlich. Und auch vom neuen Jischuw war nur eine geringe Zahl gekommen. Im Laufe des nächsten Tages war ebenfalls das Häuflein der Betenden recht klein, dafür strömte durch die engen winkligen Gassen der alten Stadt eine beträchtliche Anzahl von neugierigen Besuchern, die sehen wollten, wie ״die Dinge an der Mauer liegen“. Und der Eindruck, den dieser Platz während des Jom Kippur und besonders zur Zeit des Kol Nidre machte, war in der Tat sehr seltsam. Dieses enge Durchgangsgäßchen vor der Mauer, das da eingeklemmt ist zwischen ein Gewirr kleiner und kleinster arabischer Häuschen, bildet ja seit jeher eine Mischung von Größe, Verlassenheit und mangelnder Pflege. Am Vorabend dieses Festes aber sah man beim Abstieg in diesen niedriger gelegenen Teil der Stadt die Stellen, wo sonst die Bettler um ihr Almosen bitten, von englischen Soldaten mit Gewehren besetzt. Zehn Schritte von dem Durchlaß vor der Mauer ist eine neue Polizei- Station errichtet mit einem im Freien aufgestellten Feldbett und einem Teiephonapparat. Etwas weiter sitzen ein paar hohe Polizeioffiziere, vertieft In die Lektüre des englischen ״Falastln“. Und an der Mauer selbst die Juden sich zum Gebete sammelnd, darunter eine Menge Journalisten und Touristen. Man spürt, daß die Mauer plötzlich zu einer neuen Art von Sensation geworden ist.. . Von dem Durchlaß vor der Mauer sieht man das neuerbaute Tor, das den Eingang zum Tempelplatz bildet und durch Stufen mit dem Platz an der Mauer verbunden ist. Die beiden Holztürenr, die die Verbindung bilden, sind für die Feiertage von der Regierung geschlossen worden. Und so stehen jetzt die Juden unten an der Mauer und sehen hinauf zu dem Tor, wo der Muezzin des neuerrichteten Bethauses jetzt seine Gläubigen zum Gebet zu rufen beginnt. Hinter ihm sieht man die Gewehrläufe der beiden englischen Soldaten, die das Tor bewachen und hinter den Juden die Helme der Patrouille und der Polizei. Und als der Muezzin fertig ist, beginnt unten der Gesang des Kol Nidre. Ein Gottesdienst, bei dem die Bajonette sehr pointiert dabei stehen. Die Regierung war aber — vielleicht bestimmt durch die Erfahrungen des letzten Jom Kippur — noch auf andere Sicherheiten bedacht Sie hat provisorische Bestimmungen für den Gottesdienst an der Klagemauer getroffen. Dabei scheint ihr die Interpretation d» berühmten Status qua Kopf•« *erbrechen verursacht zu haben. Sie hat alle Einzelheiten des Verboten und Erlaubt festgesteilt Das Resultat ist nur soweit interessant, daß die Araber auch dieses Mal gegen die Regelungen protestierten, während die Juden sich darüber beklagten, daß ihnen das Schofarblasen verboten wurde und sie bei der mangelnden Beleuchtung — es waren zwei Lampen diesseits und jenseits des Platzes, keine an der Mauer selbst gestattet worden — nicht lesen konnten. Immerhin verlief der Jom Kippur im ganzen Lande ruhig. Am zweitnächsten Tag jedoch, Mittwoch, den 16. Oktober, ging eine neue Welle der Spannung durch das Land, verursacht durch den Generalstre ik, der von den Arabern in allen Städten proklamiert und durchgeführt wurde. Er verlief ohne Zwischenfälle. Militär und Polizei waren in großer Bereitschaft Schon am Vorabend des Streiks sah die jaffastraße in Jerusalem wieder einmal ein Panzerauto. Am Mittwoch früh zeigte ein Rundgang durch Jerusalem, daß die Streikparole überall durchgeschlagen hatte. Alle arabischen Läden, moslemische ebenso wie christliche geschlossen. Auch die Arbeit an verschiedenen Bauten stand still. Von den städtischen Arbeitern waren die Regierungsangestellten allein vom Streik ausgenommen. Der größte Teil der jüdischen Läden war und blieb geöffnet und auch die Verkehrsmittel in der Stadt funktionierten zum größeren Teil, da die Juden die Autobuslinien kontrollieren und bedienen. Die Hauptstraßen der Stadt zeigten einen recht lebhaften Verkehr und in der Gegend der Post an der Jaffastraße standen Stunden hindurch Gruppen von arabischen Spaziergangem. In Jaffa und Haifa verlief der Tag ähnlich wie in Jerusalem, auch die kleineren Städte wie Ramallah und Ramleh führten die Streikforderung strikt durch. Charakteristisch war die Verlassenheit der Straße Jerusalem—Tel-Awiw, die sonst zu den meist befahrenen Wegen des Landes gehört, ich traf auf dem Weg von Jerusalem nach Jaffa nicht mehr als zwei Autos, dagegen beim Eintritt in die Ebene Schfela einen langen Zug jener großen Automobile, wie sie für die Wüstenfahrten zwischen Damaskus und Bagdad benutzt werden. Die Wagen standen in einer langen Reihe am Chausseerand und die Passagiere entpuppten sich als englische Soldaten aus Mesopotamien, die gerade ihr Mittagessen kochten. Man hatte anscheinend Verstärkungen aus dem Irak herangeholt. Die sämtlichen Läden von Ramleh lagen verlassen und die Einwohner der Stadt gingen spazieren, da sie nicht wie sonst im Cafehaus sitzen konnten, weil auch dieses geschlossen war. Kurz vor Jaffa wurden wir von einer Patrouille nach Waffen durchsucht, auch eine der Abschreckungsmaßnahmen, Die Idee des Streiks wurde bereits seit Wochen von der arabischen Exekutive erwogen. Es war bereits ein früherer Termin festgesetzt worden, der aber nach einer Rücksprache mit dem High Commissioner nicht eingehaiten wurde. In der letzten Vollsitzung der arabischen Exekutive wurde schließlich der 16. Oktober für den Streik festgesetzt und die Leitung der •Araber machte sich daran, ihn mit Energie durchzuführen. Ihre offiziellen Gründe für den Streik waren vielfältig und aus politischen und religiösen Argumenten zusammengesetzt. Es wurde protestiert gegen die Regelungen an der Klageraauer, die gegen den Status quo verstoßen; gegen die Haltung der Regierung in der Aburteilung der an den Unruhen Beteiligten; Uor der Untersuchung RW., Berlin, 24. Oktober. Heute soll die parlamentarische Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Sir Walter Shaw in Palästina eintreffen. Die letzten Wochen wurden von Juden und Arabern dazu benützt, das Material vorzubereiten, und es ist anzunehmen, daß die Kommission keine leichte Arbeit haben wird. Auf Drängen beider Parteien wurden deren Vertreter zur Verhandlung zugelassen, und sie sollen auch das Recht haben, Zeugen ins Kreuzverhör zu nehmen. Dadurch wird die Untersuchung den Charakter einer großen Oerichtsverhandlung erhalten. Der Prozeß, der sich vor der Kommission ab spielen wird, ist aber kein einfach juristisches Verfahren, trotz aller Bemühungen, ihn in diesem Rahmen zu halten; er ist ein politischer Akt, da nicht die unmittelbar Geschädigten als Parteien auftreten, sondern die beiden Völker. Es ist hier — von der Oeffentlichkeit fast unbeachtet und jedenfalls in seinen Kon- Sequenzen keineswegs gewürdigt — etwas geschehen, was ein vollkommenes Novum in der Geschichte Palästinas und darüber hinaus sogar eine für das gesamte öffentliche Nationalitätenrecht belangvolle Tatsache ist: die Repräsentanzen der beiden Völker wurden als Vertretungen der nationalen Interessen anerkannt, und ebenso wurde stillschweigend die Auffassung akzeptiert, daß alle Einzelvorfälle der letzten Zeit sich unter dem Titel der Nationalinteressen des einen oder des anderen Volkes subsumieren lassen. & ist also, freilich nur in dieser Sache und nur für diesen einen Anlaß, in Palästina eine offizielle Vertretung der Völker innerhalb des Staates, eine ״Nationsvertretung“ im Sinne Renners verwirklicht worden. Die bedeutendste Neuerung besteht freilich dabei auf arabische r Seite. Denn während die Juden auch bisher in der Jewish Agency eine Instanz besaßen, die schon laut Mandat eine gewisse Vertretungsbefugnis auch für Einzelinteressen von Angehörigen des Jischuw hatte, fehlte auf arabischer Seite vollständig eine derartige Instanz. Die arabische Exekutive war nur ein privater Verein ohne jede öffentlichen Rechte. Z־u den Verhandlungen der Untersuchungskommission aber wird die ״arabische Exekutive“ — als ob sie eine ״Arab Agency“ wäre— in der gleichen Weise und im gleichen Sinne eingeladen wie die Zionistische Exekutive. Niemand wird leugnen können, daß sich hier ein erheblicher Fortschritt in der nationalen Organisation der Araber zeigt. Die arabische Exekutive vertritt heute unwider- Sprochen die arabische Nation des Landes, und die Na- »;t^n111i0n.;׳sGh«i«« .g^pa-jedel, der diese Emleit der' Nation stören will, mit allen Mitteln des Terrors vorzugehen, ähnlich wie es in Aegypten der Fall war. Die arabische Exekutive, die sich natürlich nicht offen dazu bekennt, die Unruhen und vor allem die Massakers in Hebron und Safed angestiftet zu haben, ist dennoch entschlossen, jetzt auch die Untaten in gewissem Maße zu decken. Die Ausbrüche werden von ihr verteidigt als Taten eines religiös und politisch erregten und gereizten Volkes, das in den letzten Jahren vergeblich versucht hat, seine politischen Forderungen durch friedliche Mittel wie Proteste, Petitionen an den Völkerbund usw. zum Ausdruck zu bringen, ln der englischen Ausgabe der arabischen Zeitung ״Falastin“, die äußerst geschickt redigiert und auf die Psychologie des europäischen und vor allem des englischen Lesers abgestellt ist, heißt es am 12. Oktober, nach dem Hinweis auf das allgemeine Interesse der Welt an Palästina und auf die-vielen in Palästina weilenden europäischen Journalisten, es sei sehr erfreulich, daß nun endlich die öffentliche Aufmerksamkeit sich Palästina zuwende: ״Dieses allgemeine Interesse, fährt das Blatt fort, wird schließlich eine gerechte Lösung des Palästina- Problems herbeiführen, sofern es noch Sinn für Gerechtigkeit in dieser Welt gibt In diesem Sinn hat un sere nationale Revolution uns weiter gebracht als zehn Jahr e Klagen, Protestieren und Demonstrieren. Wir sind geradezu geneigt anzunehmen, daß dies die einzige Sprache ist, die der Westen und Westler verstehen.“ Es ist deutlich genug, daß in diesen ironischen Worten bereits eine — sehr vorsichtige — Glorifizierung der blutigen Ueberfälle anklingt, denen das Verdienst zufalle, die arabische Nationalbewegung erheblich weiter gebracht zu haben. Die arabische Presse betont auch immer wieder, daß jetzt zum erstenmal eine vollständige Einigung der Araber erfolgt ist. Zeitlich fallt diese Einigung zusammen mit der bekannten Proklamation des High Commissioner, in welcher er dem berechtigten Abscheu vor den arabischen Greueltaten Ausdruck gegeben, aber einen Hinweis auf die politischen Hintergründe des Konfliktes und die Notwendigkeit einer Beilegung dieses Konfliktes unterlassen hat. Die Proklamation des Oberkommissärs wurde bekanntlich unter arabischem Druck nach zwei Tagen durch einen neuen Erlaß erheblieh abgeschwächt, die Araber betrachteten ihn als ein Symptom dafür, daß von keiner Seite beabsichtigt sei, über eine Verständigung zu verhandeln. Nunmehr haben die Araber ihre nationale Bewegung in kurzer Zeit erstaunüch organisiert. Der Boykott jüdischer Geschäfte dauert noch immer an, und der Proteststreik am 16. ds. Mts. wurde mit großer Disziplin durchgeführt. Auf jüdischer Seite gibt es leider noch immer eine Reihe von Gruppen, die das Bestehen einer arabischen Nationalbewegung leugnen, und in hebräischen Zeitungen wird das Wort ״national“, das Wort ״Führer“ u. ä. noch immer in Anführungszeichen gesetzt, wenn es sich um die Araber handelt Wir glauben, daß diese Verkennung der Kraft des Gegners unter keinen Umständen nützlich sein kann, zumal doch die hebräischen Zeitungen nur von Juden gelesen werden und auf diese Weise die Juden die einzigen sind, die über das, was in Palästina vorgeht, kein richtiges Urteil haben, obwohl eine erfolgversprechende jüdische Politik doch zunächst auf klarer Erkenntnis der Tatsachen beruhen muß. Wurde oben gesagt, daß der englische ״Falastin“ sehr geschickt gemacht ist (offenbar unter Mithilfe von Engländern), so kann dasselbe von den jüdischen Publikationen in englischer Sprache nicht behauptet .werden. Wir finden in diesen Organen keine Antwort auf die Fragen, die einzig und allein die Europäer, besonders Engländer, in Palästina heute wirklich interessieren, nämlich die Fragen, wie sich die Juden die politische Zukunft des Landes und das Zusammenleben mit der Landesbevölkerung vorstellen. Statt dessen finden sich immer wieder Aeußerungen der Geringschätzung gegenüber den Arabern, die, wie wir leider annehmen müssen, auf die Leser den gegenteiligen Eindruck machen, als beabsichtigt ist. Leider läßt die jüdische Oeffentlichkeit auch zu, daß minderwertige Publikationen, die geschäftsbeflissene Verleger herausbringen, dem jüdischen Ruf sehr schaden. Diese schändliche Art, aus dem jüdischen Unglück und aus der* Spekulaöon auf gemeine Instinkte ein Geschäft zu machen, kann gar nicht genug verurteilt werden. Unsere Gegner lassen sich natürlich diese Gelegenheit, durch fleißige Zitate solcher Machwerke gegen uns Kapital zu machen, nicht entgehen. Die beiden Völker stehen einander heute mit undurchdringlicher Intransigenz gegenüber. Die nächsten Wochen, in denen die Untersuchungskommission am Werk sein wird, werden diese Haltung wahrscheinlich noch verschärfen. Und doch muß ein Ausweg gefunden werden, muß eine Atmosphäre friedlicher Kooperation wieder geschaffen werden, wenn das Land nicht in eine ununterbrochene Kette von Wirren hineingezerrt werden soll — ein Zustand, der jedenfalls eine normale wirtschaftliche Arbeit unmöglich machen würde. Je früher beide Völker zu der Erkenntnis kommen, daß nicht nur ein Modus vivendi im alltäglichen Leben gefunden werden kann, sondern auch eine politische Form, die beiden Völkern ihre nationale Entwicklung sichert, um so besser für die künftige Entwicklung des Landes. * ״Daily Chronic 1 e“ klagt in einem Leitartikel darüber, daß die Untersuchungskommission mit einer solchen Verspätung nach_ Palästina abgereist ist. Nicht weniger als sechs Wochen sind seit dem Beschlüsse der Regierung verflossen. Durch diesen Aufschub seien die Dinge zweifellos nur kompliziert worden. Die Kommission, so betont das Blatt, soll keine Fragen der höheren Politik behandeln, aber sie soll ieststellen, warum die wiederholten Warnungen von der Regierung unbeachtet blieben, ferner welche Organisationen für die Gewalttaten verantwortlich sind. Man müsse aber auch erfahren, welches System für die Ernennung von Beamten für den Dienst in Palästina gelte, denn es scheint, daß unser Dienst in Palästina schlecht war und ein bedauerlicher Mangel an Urteilskraft in der Behandlung der arabischen und jüdischen Beschwerden zutage trat Daher seien grundlegende Aenderungen unaufschiebbar. ....iiimnnm gegen den Attorney General der Regierung, Herrn Bentwich, den die Araber der Parteilichkeit beschuldigen; und gegen den High Commissioner selbst, dessen Rücktritt gefordert wird. Man erkennt, daß hier in buntem Gemisch politische und religiöse Beschwerden vorgebracht werden und daß die Führer der Araber, die die Initiatoren dieses Streiks sind, völlig in ein extremes Fahrwasser einschwenken. Wenn sich eine andere liberalere Richtung unter den Arabern bildet — und es gibt einige Anzeichen dafür, daß sie besteht — so wagt sie sich nirgends hervor und wird von der heftigen Propaganda, der allgemeinen Erregung und durch Furcht ins Schlepptau der extremen Richtung gezogen. Wir haben in der letzten Woche einen Zwischenfall erlebt, der vielleicht mit diesen Dingen zusammenhängt Der Führer der sogenannten Fellachenpartei, ein Araber, der seit längerem in Opposition zu den leitenden Kreisen steht und Versuche gemacht hatte, gegen den Boykott vorzugehen, wurde am letzten Sonntag von einem Araber in Jerusalem ermordet Man wird vermutlich nicht fehlgehen, wenn man diesen Akt als einen Versuch des Terrors von seiten der extremen Nationalisten im arabischen Lager ansieht, die kein Mittel scheuen, um ihre Ziele durchzusetzen und keine andere Richtung unter den Massen aufkeimen zu lassen. Man muß dieses Moment auch bei der Beurteilung des Streiks im Gedächtnis behalten. Die Tatsache, daß der Streik überall in den Städten fast ausnahmslos durchgeführt wurde — in den Dörfern wurde gearbeitet — beruht auf verschiedenen Gründen. Sicher ist, daß die letzten Monate das ZusammengehörigkeitsgefüM unter den palästinensischen Arabern gestärkt haben und daß heute die Masse durchaus gewillt ist, dem Rufe ihrer Führer, sei es im moslemischen Rat, sei es in der arabischen Exekutive, zu folgen. Außerdem bereitet die allgemeine Erregung den Boden vor für jede derartige Aktion, besonders wenn sie von einer starken und unbedenklichen Propaganda getragen wird. Und schließlich hat wahrscheinlich eine große Anzahl der Araber Furcht, sich der beherrschenden