Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-10-22 · Heft 83 (22.10.1929) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 83 (22.10.1929)
Date
1929-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653137--21117-2679176
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 556 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83, 22. X. 1929 Deutsche Juden in Erez-Israel Von Moses Calvary, Ben Schemen (Palästina). So ungefähr ahnten wir es ja schon, als wir noch in Deutschland waren: fremd und daheim dort im Judentum, fremd und daheim hier in der europäischen Kultur, so hieß es damals, — und hier lautet cs ein ganz klein wenig anders: fremd und daheim dort in Europa, fremd und daheim hier im Judentum. Und vielleicht ist selbst diese winzige Aenderung׳ nicht am Platze. Und auch der Gründe waren wir uns — damals vor zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren — wohl bewußt. Wie es auch auftrat, als Acsthetizismus, Intellektualismus, Qelstreichtum, Bildungswesen. Kritik — es war im Grunde jenes Aufsichselbstgestelltsein des einzelnen, wir hießen cs Entwurzelung. Wir beneideten den Ostiuden um seine Ganzheit, die er seiner selbstverständlichen Verknüpftheit mit seinem Volke verdankt. Wir gingen nach Litauen, wir ׳ n nach Erez-Israel, die Hoffnung im Herzen, auch diese. . .1:kes teilhaft zu werden. Und was war der Erfolg? Die Westjuden sind keineswegs mit dem übrigen jiidischeu Volke verwachsen. Ich will hier nur von den Juden deutscher Zunge reden. Sie bilden nicht einmal, wie die Amerikaner, einen Fremdkörper, sie bilden überhaupt keinen Körper, sie sind völlig atomisiert und verleben ihr Dasein in kleinen Kreisen. Sie bilden keinen Fremdkörper, wohl aber einen Fremdgeist. Das gilt weniger von denen, die als Chaluzim herkamen, sic sind ja meist noch jung, sollen sich erst bewähren, und es wäre sinnlos, heute schon Endgültiges über sie auszusagen. Aber es gilt völlig von der Schicht der Intelligenzler, denen, die schon in Europa mehr oder weniger fertige Menschen waren. Ihr Hauptmerkmal: Vereinzelung und Ueberheblichkeit. Man verstehe, mich recht: ein Wille zur Vereinzelung ist im allgemeinen nicht vorhanden und wohl nicht einmal der Wille, gerade in Kreisen von Westlern zu verkehren. 1111 Gegenteil, man sucht Anschluß an weitere Kreise, man will wirsen und Einfluß nehmen, — aber die Isoliertheit schwindet flicht, zur letzten Einheit will es nicht kommen. Und kann es auch schwer kommen. Sehen wir von gewissen äußeren Gründen ab: dem Miß- Trauen der Ostjuden, der Schwierigkeit der meisten dcutscheu Juden, sich mit einfachen Lebensbedingungen und kleinen Gehältern zufriedenzugeben; ein Gehalt von 30 bis 40 Pfund monatlich — und zu unserer Schande gibt es in der Zionistischen Organisation auch noch höhere — hat nicht gerade die Eigenschaft, seinen Empfänger der Masse des Volkes zu verbinden. Es gibt jedoch tiefere Gründe für jene Absonderung. Als \vir noch in Europa an unserer Einsamkeit litten, nährten wir den Glauben, daß der Zionismus uns in unserem Volk« verankern, würde. Aber wir wußten eines nicht. Ein Baum kann nicht in der Erde im allgemeinen Wurzeln schlagen, er braucht seinen bestimmten Platz, und wir können nicht im Judentum als solchem verwurzeln sondern nur in einem bestimmten Kreise der Judenheit. Aber gerade das fällt uns schwer. Soll dieser Kreis die Masse sein, des Proletariats oder des Kleinbürgertums? Unserer Herkunft, unserer Erziehung, unserem heimatlichen Milieu nach empfinden wir die Masse als etwas fremdes. Was hätten wir letzten Endes mit der deutsehen Masse zu tun? Und eine jüdische Masse kannten wir nicht. Unsere Volksversammlungen, unsere Zionistenkongresse waren stets Zusammenkünfte von gehobenen Schichten. Viele von uns hatten einmal im Leben ein Massenerlebnis, bei Kriegsanbruch 1914, und gerade dessen schämten sie sieh nachher. Was Wunder, das wir Scheu vor der Masse haben, sie irgendwie ablehnen: sie und ihre Sprecher sind uns unbehaglich. - Eben haben wir angefangen, den hundertjährigen Leidensweg in Intellektualismus und Individualismus zu vergessen, uns heimzufinden zu einem Volksganzen, und schon bckommen war eine Heidenangst, wir könnten einer Massen- Suggestion erliegen. Wir haben ein tiefes Mißtrauen gegen alles, was mit Masse, mit Macht, mit Kraft zusammenhängt. Zu Einsteins 50. Geburtstag merkten wir uns als Facit aus seiner Lehre, daß nicht die Kraft, sondern der Geist die Weit regiere. Es handelt sich hier ja deutlich um eine rhetorische Wendung, aber es ist sehr bezeichnend, daß gerade sie gcwählt wurde, man hätte *ja wohl auch, wenn man gewollt hätte, von Einstein lernen können, daß Kraft im Grunde Geist ist. Und vvozu hat Achad Haam seine Philosophie entwickelt? Geistiges Zentrum, wie machtabgewandt das klingt! Man bildet sich einen eigenen blutlosen Achadhaamismus, den man als ideal dem ״chauvinistischen“ Herzl-Zionismus gegenüberstellt. O, wir sind so fein, so anständig — ganz una gar ohne Ironie gesprochen, icli habe tiefe Achtung vor der Anständigkeit und reinen Gesinnung fast aller der Mensehen, an die ich hier denke. Sie sind ernsthafte Pazifisten, sind zu Hause und fühlen sich zu Hause auf internationalen Kongressen gegen den Krieg, in Organen, die der Weltverbrüderung dienen, und neigen oft zu einem bürgerlichen Radikalismus, der sie wenig kostet, — nicht umsonst liest man die Weltbühne. Masse oder Geist! Immer riefen zum Geist die Josgclösten, die freieren Menschen. Aber es gibt zwei Arten von Loslösung und Freiheit. Es gibt Menschen, die tief dem Massengefühl verhaftet sind und aus ihm selbst die Kraft schöpfen, auf.seinem Grunde die Idee zu erbauen, — und es gibt solche, die sich im luftigen Raume des Gedankens darum wohlfühlen, weil die tiefen irdischen Kräfte der Masse sie nicht halten. Das Letzte ist der Fall der deutschen Juden. Und noch größere Scheu als vor der Masse selbst hat mail vor allem, was mit Parteiwesen zusammenhängt. Man ist orthodox und Zionist, will sich aller nicht dem Misrachi verschreiben, oder man ist arbeiterfreundlich, mag aber keiner Partei angehören, die an die Notwendigkeit des Klassenkampfes glaubt, jeder Mann sein eigener Ibsen, nur ohne Ibsens Kraft und Eigendasein, — der typische Intelligenzler. Die Intelligenzler aller Welt legen Wert darauf, keiner Klasse verhaftet zu sein, und sehen nicht, wie sehr sie Ausdruck kiassenbestimmter Interessen sind. Eine ähnliche Ersebeinung zeigt sich auch hier. Man predigt uns, daß es nicht gut ist, sich von der Masse fortreißen zu lassen, daß der Einzelne den Mut haben müsse, seine eigene Idee zu betonen, und will nicht sehen, daß jene Ideen von den! reinen Geist doch ebens wenig individuelle Schöpfung derer sind, die sie hier predigen, sondern Ergebnis einer bestimmten zurzeit gemeineuropäischen Stimmung. Was den Mut betrifft, so gehört heutzutage für einen sich einer Verantwortung bewußten Menschen wahrscheinlich sehr viel mehr innerer Mut dazu, sich zu Kampf und Macht zu bekennen als zu reinem Geist und Pazifismus, Ideen, die auf der Straße lagern. Daß sie auf der Straße lagern, besagt nichts gegen und wenig für sie, aber man soll uns doch nicht einreden, daß heute ein besonderes Maß von Sittlichkeit oder geistiger Selbständigkeit dazu gehört, gerade diese Ideen zu vertreten. (Sie zu leben, ja, davor hätte ich schon Respekt. Harold M. Wiener tat es, — und büßte es mit dem Tode.) Gut, mag man mir antworten, für den Geist einzutreten, Pazifist zu sein, das ist wirklich heute für einen Europäer keine besondere Leistung, aber sollte nicht Mut dazu gehören, sich in Erez-Israel, mitten in der nationalen Spannung, zu diesen ewigen .Werten zu bekennen? Vielleicht, in gewissem Sinne. — aber ein Mut, der doch in seltsamen und unverantwortlich*« Formen auftritt. Sir John Chancellor veröffentlicht, von England zurück, eine Proklamation, voll menschlichen Entsetzens vor den Greueltaten, die Araber verübt haben, — und unser men• schenfreundlichcr deutscher Jude verurteilt diese Oeste der ״starken Hand“, da man die Araber nicht durch Gewalt besiegen könne! jSo in der ״Frankfurter Zeitung“, laut Ueber- Setzung im ״Davar“; die Lesart int Hanoef Hazair ist vorsichtiger frisiert.) Oder: wir werden gleichfalls von einem deutschen Juden, aufgefordert, möglichst bald, am besten morgen, die Greueltaten zu überwinden, die viele Araber uns in den letzten Wochen angetan haben. Man faßt sich an den Kopf: das hat jemand geschrieben, den du als ernsten Menschen kennst. Beneidenswerte Abgeklärtheit! Noch lange wird es mir, wenn ich an Hebron und Safed denke, in den Ohren gellen, dieses: ״am besten morgen“- Den aüertiefstesi Respekt vor jenem Vater der arabischen Sage, der dem Mörder seines Sohnes, den er unwissentlich als Gast aufgenommen hatte, ein Pferd zur Flucht schenkt. Es gibt Menschen, die nationsgebunden sind, und die doch die Größe haben, in einem Konflikte zwischen Nation und Menschheit sich auf die Seite der Menschheit zu stellen. So einer war, scheint es, Jatires, so einer Platon, als er den Gorgias schrieb. Es gilt für die Frage: Nation oder Menschheit dasselbe, was oben zu der Frage: Masse und Geist gesagt ist. Einem deutschen Juden gegenüber habe ich den Verdacht, daß die Deklamation zum Volkerfrieden um jeden Preis ihm darum so leicht fällt, weil es uns an letzter Schieksalsverbundenheit mit unserem Volke seit mehr als hundert Jahren mangelt. So sind wir deutschen Juden nicht nur der Masse und der Partei, auch der Nation sind wir fremd geworden und ihren tiefsten Kräften unzugänglich. Es fällt mir wahrlich nicht leicht, so etwas auszusprechen. Denn dieses Ketzerriechertum erinnert an üble Zeiten des Weltkrieges. Ein Deutscher, der nur auf die Kohlenbecken Belgiens verzichtete, galt schon als Volksfreinder, als nicht hundertprozentig national, — sollen wir in diesen Spuren gehen? Aber ich klage ja nicht an, ich möchte verstehen. Und es muß uns doch zu denken geben, daß Männer von der menschlichen Größe und der zweifellosen nationalen Verbundenheit wie Brenner und Gordon nicht zu dieser Sphäre des Edelmutes gelangten, der augenscheinlich gerade deutschen Juden so leicht fällt. Sollten sie wirklich menschlich so groß sein? Es fallt schwer, das zu glauben. Vermutlich haben wir weniger nationale Hemmungen zu überwinden, unsere Nationsgebundenheit ist blasser, lebloser, sekundär. Wir haben eine Neigung, nicht international zu sein, sondern übernational. Diese Menschen wollen nicht sehen, wie schwer unser Problem und daß es logisch unlösbar ist. Man kann ein jüdischcs Palästina nur aufbauen mit einem Höchstmaß jüdischer Arbeit; dies bedeutet aber de facto einen Boykott arabischer Arbeit. Die sittliche Schwere dieser Alternative lastet seit Jahren so auf der Arbeiter-Organisation wie auf einzelnen national gesinnten Männern bürgerlicher Kreise. Ein Kornpromiß auf Kosten der Nation zu schließen ist leicht — für den, dessen nationaler Instinkt gebrochen ist, aber unmöglich für den, der es mit der Nation ebenso ernst nimmt wie mit der Menschheit. Und wie viel sie schreiben, unsere deutschen Freunde, wie hurtig sie bereit sind, über alles zu urteilen und ihre Ratschläge zu erteilen, und wie oft' klingt in ihren Worten jener Unterton des Besserwissen*, der Ueberheblichkeit eines Praeceptor Judaeorum, Ein Beispiel, wie es viele gibt, aus einer privaten Aeußerung, etwa tn diesem Ton; wir wissen, was 2p machen ist, schade, daß es nicht alle Juden wissen, ״ich“, ״ihr“, — das wird nicht immer ausgesprochen, wozu hat man schließlich sein stilistisches Feingefühl, aber cs klingt oft genug durch. Ihr, die Chauvinisten, ihr, die ihr nach Blut und Rache dürstet, wir aber, die Friedensbringer, die reinen Menschen. Wie oft hat es selbst der Leser dieser Zeitschrift in den letzten Jahren gelesen. Es ist sogar, wie schon oben gesagt, ein richtiger Kern in diesen Worten, der von niemandem bestritten wird. Wenn nur dieser ״sittliche“ Grundton nicht wäre. Aber gerade er fließt mit Notwendigkeit aus jenem seelischen Zustand der Isoliertheit Die Ueberheblichkeit ist eine Folge der Vereinzelung, des Aufsichselbstgcstelltseins, — unseres Schicksals, des Schicksals des dcutchen Juden in Erez-Israel. Penn wenn ich inmitten meines Volkes ein natürliehes Leben der Verbundenheit führ«, so kann mein seelisches Aufundab normal verlaufen; aber wenn ich vereinzelt bin, losgelöst, so bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Depression bei passiven Naturen, und bei aktiven: Ueberhebiichkeit. Man vergleiche Aeußerungen von Arbeiterführern, vqii bürgerlichen Führern des Landes, Menschen, die auch ihren Verstand haben; es ist darin stets eine andere Verbundenheit zu verspüren, nicht jene überlegene und darum so unfruchtbare Kritik eines Außenstehenden, die dem deutschen Juden eignet, wenn er von Lebensinteressen unseres Volkes spricht. Beide sagen zuweilen dasselbe oder ähnliches, aber bei jenen fühlt man den Herzschlag, den Schmerz, nicht nur die Gedankengäiige des entwurzelten Intelligenzlers. Meine Bemerkungen werden nicht befriedigen. Ich ging aus wie von einer Charakteristik der deutschen Juden und endete schließlich mit Betrachtungen, die im Grunde nur eine Handvoll Menschen treffen. Eine Handvoll, aber darunter unsere besten, die ehrlichen und begeisterten Herzens der Idee dienen wollen. Und meine Ausführungen gelten, mutatis mutandis, auch von den anderen, von denen, die nahe am Lager der Revisionisten stehen »der die einem seibstbewußten Bürgertum das Wort reden. Ihre seelischen Be- Ziehungen zum jüdischen Volke sind ganz ähnlicher Natur. Ich verzichte auf Beispiele. Denn der Anlaß dieser Zeilen war ja nicht der Wunsch, eine wissenschaftliche Analyse zu geben, ich schrieb, das wird man bemerkt haben, aus einer bestimmten Situation heraus, als Freund zu Freunden, in den Stunden eines tiefen Leides und Druckes, da jede Berührung weh tut, (Auch über dieses Leid wäre manches zu sagen, in den Tagen, in denen alle Siege unserer Diplomatie, Balfour־ Deklaration, Jewish Agency, wie Scherze anmuten, gegenüber der plötzlichen Wirklichkeit zwangsweisen historischen Geschehens. Aber selbst, wenn ich das wollte, so doch nicht hier, nicht auf diesen Blättern, nicht in den luftleeren und wärmeleeren Raum des deutschen Judentums, wo es hundert Erschlagene braucht, um die Geister auf kurze Zeit aus ihrem Schlafe zu stören.) Und ist diese seelische Struktur des hiesigen deutschen Juden gleichfalls zwangsbestimmt? Es gibt gewiß einzelne, die das Erlebnis der Masse oder der Volksverbundenheit nachholen, nicht in seiner ganzen Tiefe, als wenn es ein Kindheits- und Jugenderlebnis wäre, aber doch stark genug, daß es ihrem Leben eine gewisse Richtung gibt. Verbundenheit in öffentlicher Tätigkeit, mit politischen Parteien, mit wissenschaftlichen Kreisen, mit Jugendlichen, — hier Arbeiterjugend, dort bürgerliche Jugend, — alle diese Einflüsse sind wirksam, und manche fühlen ein Zuhause oder doch einen Ersatz des Zuhause. Freilich, als ich mit Robert Weltsch, während er in Palästina war, diese Frage besprach, warf er mir ein: ״und manche, die die Ueberzeugung haben, hier irgendwo verwurzelt zu sein, sind es vielleicht am wenigsten." Mag sein, daß er recht hat. Und es gibt nur einen Trost: Gottseldank, wir haben Kinder! Bereiten wir ihnen den Weg. Palästina in der französischen Presse Nach ״Matin“ und ״Petit Parisien“ beginnt, wie unser Pariser ar-Korresponofent uns mitteilt, nun auch ״Journal“ eine Artikelreihc seines nach Palästina entsandten Souderberichterstatters. Es ist interessant, daß die drei meist gelesenen Blätter Frankreichs mit einer Auflage von über drei Millionen gleichzeitig Artikelserien über Palästina, Zionismus und jüdische Fragen auf ihrer ersten Seite erscheinen lassen. Die Artikelserien lassen erkennen, daß mit einer Fortsetzung durch mehrere Wochen zu rechnen ist. Ueber die Artikel im ״Matin" wurde bereits an dieser Stelle berichtet. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Artikel des als glänzenden Journalisten bekannten Berichterstatters des ״Petit Parisien“ Albert Londrcs. Londres beschreibt zunächst seinen Aufenthalt in jüdischen Siedlungen des Gallith, und wird erst später über Palästina berichten, interessant ist eine Schilderung aus Iondon, die ein gewisses Licht auf das innere Verhältnis zwischen Juden und Franzosen wirft. Londres beschreibt, wie er ״im Londoner Ghetto zwischen armseligsten Gestalten, Gesten und Gerüchen, die jedem Engländer Entsetzen einjagen, sich plötzlieh heimisch fühlt, und zwar viel heimischer als im übrigen England, weil es hier mehr lateinisch, mehr menschlich zugeht". — Es ist schon bemerkenswert, wenn dies auf der ersten Seite des ״Petit Parisien“ ausgesprochen wird. Araber bei MacDonald New York, 17. Oktober. (J. T. A.) Der britische Ministerpräsident Ramsay MacDonald empfing in New York Ameen R e h a n i, den Autor des Buches ״Der Schöpfer des modernen Arabien“, der vor kurzem die vom Staatssekretär Stimson empfangene arabische Abordnung geführt hat. Rehani erklärte es als ein arabisches Ziel, daß Palästina einem freien Bunde der arabischen Länder angeschlossen werde. Wie Rehani mitteilt, habe ihm MacDonald versichert, Großbritannien werde nicht zulassen, daß der arabischen Bevölkerung ein Unrecht geschieht; man möge mit Zuversicht den Ergebnissen der Arbeit der Untersuchungskommission entgegenblicken. Zar Frage der Verständigung Der ״F e 1 e s t i n“ nimmt zu dem geplanten VcrsÖhnungs- Aufruf des Waad Leumi, dessen Erscheinen die Presse angekündigt hat, Stellung. Er lehnt die Vorstellung, Frieden und Verständigung zu erzielen, solange die Juden Palästina als ״Erez-Israel“ betrachten, mit Hohn ab und erklärt, daß die Einwanderung neuer Immigranten aus Polen, die Forderung auf besondere jüdische Schutztruppen und ähnliche, die alltäglich in der jüdischen Presse vertreten werden, jeden solchen Gedanken als absurd erscheinen lassen. J e r u s a 1 e m , 10. Oktober. (J. T. A.) ״Felestin“, das offizielte Organ der arabischen Exekutive Palästinas, druckt einen Teil der (auch von uns veröffentlichten) Erklärung der ״Brit h S c 11 a 10 m“ ab und knüpft daran die Bemerkung, ״Brith Scha- 10m“ sei zu dem Zwecke gegründet worden, um die Araber irrezuführen und sie über die wirklichen Ziele der Juden zu t ä usch en. Cairo, 17. Oktober. (J.T. A.) Auf Ersuchen palästinensischer Freimaurerlogen haben sich die ägyptischen Freimau rer entschlossen, eine Abordnung nach Palästina zu entsenden, die für Herbeiführung von Frieden und Verständigung unter den verschiedenen Teilen der LancP bevölkerung wirken soll.' Der Abordnung gehören die folgengen Persönlichkeiten an: AU Chawki Pasha, Mohamed Fahmi Pasha, Mohamed Fadl Pasha, Mohamed Afifi B«y, Rifaat Bey und Ccsano. N.-F.-Tag in London London, 17. Oktober. (J.T. A.) Aut dem am 28• Juli 1928 in der Guildhall zu London stattgefundene« Bankett zugunsten des Balfour-Waklcs wurde Beschlossen, die Stadt London, die Guildhall, den Lord Mayor Sir Kynaston Studd und die Sheriffs der Stadt in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen. Die feierliche Ueberreichung der Diplome geschah am 1C Oktober in dem Mansion-House durch Lord Melchett. Die seit Generationen kahl stehenden Hügel von Judäa, sagte Lord Melchett, werden zur ewigen Erinnerung an den großen Staatsmann und Freund unseres Volkes, Lord Balfour, wieder aufgeforstet. Ich selbst hatte das Vergnügen, zusammen mit Lord Plumer die ersten Bäume dieses Waldes zu pflanzen. Mit 27 000 Bäumen wurde der Wald eingeweiht, im vergangenen Jahre wurden weitere 151000 Bäume hinzugepflanzt, heute ist eine Fläche von 600 Dunam Boden mit 208 000 Bäumen bepflanzt. Dabei ist die Arbeit noch lange nicht vollendet — Auf die Ansprache Lord Melchetts erwiderte der Lord Mayor Sir Kynaston Studd. An Lord Balfour wurde ein von Lord Melchett und dem Lord Mayor unterzeichnetes Telegramm gesandt. Der neue Präsident der JCA Der Verwaltungsrat der Ica bat in seiner letzten Sitzung den bisherigen Vizepräsidenten Leonard L. Cohen zum Präsidenten an Stelle des im Juli d. J. verstorbenen Herrn Franz Philippson, und Professor Salomon Reinach zum Vizepräsidenten gewählt. Leonard L. Cohen wurde in London 1858 als Sohn von Lionel Louis Cohen geboren, der später Mitglied des Unterhauses und Präsident der jüdischen Armenbehörde geworden ist. Lionel Cohen war Mitbegründer der United Synagoguc und Vorsitzender ihres ersten Rates. Er ist Mitglied der Anglo-Jewish Association und des Joint Foreign Committee. Er ist kein Zionist, aber Mitglied des Economic Board for Palestin e. _ Presse «Schau Die ״Jüdisch-Liberale Zeitung“ bringt in ihrer letzten Nummer eine Sonderbeilage zur Diskussion über die Jewish Agency. Ein Artikel von ״einem Bekehrten“ spricht ganz im Stil der ״Erklärung“ gegen die Agency, dann Herr Katzenstein (Bielefeld) in sehr bemerkenswerten, die nichtzionistische Position sehr klar umschreibenden Ausfüimmgen für die Agency. In dem dritten Artikel, Verfasser J. Wolfssohn, Breslau, wird in Zeile 19, Absatz 2 aus dem Aufruf der Jewish Agency noch dazu in Sperrdruck zitiert: ״Zeh n - tausend junge Juden in Deutschland stehen bereit«. .“. Dieses Zitat ist eine Fälschung, im Aufruf heißt es: ״Zehntausende junger Juden stehen bereit, die in das Land gehen wollen“. Die Worte ״in Deutschland“ hat der Artikelschreiber hinzugesetzt. Der Artikel Churchills in ״Sutiday Times“, de! auch von. der ״Jüdischen Rundschau“ vollinhaltlich reproduziert wurde, hat die extremistischen englisch-zionistischen Blätter veranlaßt, gegen Churchill Stellung zu nehmen. Insbesondere ״Jewish World“ greift in einem redaktionellen Artikel, der auch von ״Jewish Chronicle“ abgedruckt wird, Churchill als den Verfasser des bekannten Memorandums an, das in zionistischen Kreisen als das Weißbuch von 1922 bekannt ist. Diejenigen Juden, die an dem Weißbuch festhalten wollen, werden von ״Jewish Chronicle“ nicht gerade schrncichelhaft charakterisiert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.