Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 83 (22.10.1929)
- Date
- 1929-10-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0,2$ Goldmark UDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldtnark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark Au«l3nds.t>onn״m«w» werde« in der Währung dar .inreinen Linder berechne. AnreiKe״rr1״s. 8 e«p. Nonpureillemile 0,50 G.-M, StaUaagaaueh« 0,25 C.-M. Nummer 83 | Berlin, 22. X. 1929 Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15. Meinekettr.iO Telephon: JI Bismarck 7165-70. AmrigenrchluK: Di #*«11 a* du d Frniog nachaittag■ 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Poiucbick.Koaien: Berlin!7392, Basel V 9355. B«lgr*d 60032, Brüssel 394 33. B«d«pe«t 59693, D»n*i?!973, Haag 140 470, Prag 59410, Strasflburg 164 30, Warschau 190 708, Wien 156 030. Bank .Konten: Dartnstädier und Nationalbank, l>epo»iten - Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52: Baues de Est, Cernauti (Rumänien)’, Anglo Paletti**• Co. in Haifa, jemsatem, Tel Aviv. י״ח תשרי' תר«צ | xxxiv. Jahre. Der Zionismus erstrebt fflr das jüdische Volk die Schaltung einer OltsntUeh - rechtlich gesicherten Helmstitte ln Palästina. ״Baseler Programm.״ Das Echo des Einstein-Briefes Die Keren Hajessod - Aktion in Deutschland Die diesjährige Herbstaktion des Keren Hajessod hat im Verein mit der ״Hilfe durch Auf ba u“-Aktion der Jewish Agency einen bemerkenswerten materiellen Erfolg gehabt. An regulären Beiträgen und an Sonderspenden gingen in dir Zeit vom 1. September bis 15. Oktober 260 000 M. bei der Zentrale in Berlin ein. Die Aktion wird fortgesetzt. Die zionistischen Mitglieder des Keren Hajessod werden noch einmal darauf hingewiesen, daß die Keren Hajessod-Kommission der Zionistischen Vereinigung für Deutschland beschlossen hat, den Sonderbeitrag der zionistischen Keren Hajessod-Zahler aut mindestens 25 ihres regulären Jahresbeitrages festzusetzen. Die Jüdischen Gemeinden in Königsberg, Essen, Leipzig, Brandenburg, Bunzlau, Lüneburg und ״Alsfeld haben Sonderbeiträge für die Aktion der Jewish Agency bewilligt. — Das Keren Hajessod-Sekretariat in Breslau hat im September 10 000 M. aufgebracht. Der Verlanf des arabischen Generalstreiks Jerusalem, 17. Oktober. (J.T.A.) Der am 16. Oktober in Jerusalem und ganz Palästina von den Arabern durchgeführte Generalstreik ist, wie bereits kurz gemeldet, überall ohne Zwischenfall verlaufen. Die moslemischen wie die Christliehen arabischen Ladeninhaber hielten ihre Läden geschlossen, ebenso jüdische Ladeninhaber, die ihre Läden in arabischen Vierteln der Jerusalemer Altstadt und in den Bazaren haben. Der Streik hatte ungefähr die gleiche Ausdehnung wie seinerzeit der anläßlich des Besuches Lord Balfours in Jerusalem proklamierte Demonstrationsstreik. Mit Ausnahme der in der Hauptsache von Juden bewohnten Straßen, in denen reges Lehen herrschte, lag die Altstadt verlassen da. Aus den umliegenden Dörfern strömten während des ganzen Vormittags Scharen von Arabern nach Jerusalem zum Besuch der Omar- Moschee. Der Polizeibericht schätzte diese Menge auf etwa 5000 Köpfe. Jeder, der das Jaffa-Tor zur Stadt hinein passierte oder aus der Stadt hinauswollte, wurde streng nach Waffen durchsucht. Die arabischen Chauffeure streikten, nur die jüdischen Autobusführer versahen den Dienst und hielten die ¥|ft>ind«:ag Jerusalems mit den Vororten aufrecht. Viele der Av*״b״s.•״ fuhr״!? unter Pn!hrifc»״rWb1«»jr ״״.,.* Auch die Boots! eute in Jaffa und Haifa schlossen sich dem Streik an, ungeachtet dessen konnten 555 Chaluäm und Rückwanderer, die am Mittwoch mit einem Dampfer eintrafen, an Land gebracht werden. Die Banken und großen Tourisfenbüros arbeiteten normal, nur die arabischen Agenten einiger europäischer und amerikanischer Firmen hielten die Büros geschlossen. In allen öffentlichen Instituten, in den Regierungsämtern, im Eisenbahn-, Telephon- und Telegraphen- Dienst "ging die Arbeit normal vor sich. Die Lehrerschaft der unter der Kontrolle der Regierung stehenden arabischen Schulen wurde benachrichtigt, daß gegen streikende Lehrer die gleichen Disziplinarmaßnahmen wie anläßlich des Streiks im Jahre 1925 zur Anwendung kommen werden. Viele Hunderte arabische Tagelöhner gingen trotz Einschüchterungsversuchen ihrer Beschäftigung nach. Die Mittwoch früh erschienenen arabischen Zeitungen nennen den Streiktag ״historisch" und setzen ausführlich die Gründe, die zu dem Streik führten, auseinander: Die neuen Regelungen bezüglich des Verkehrs an der K1 a g e m a u e r, die strengen Urteile gegen Araber im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen, die Verordnung betreffend Kollektivb e st r a f t! n g der Dörfer, angebliche Zurücksetzung arabischer Rechtsanwälte, die angeklagte Araber verteidigten v. a. m. Wie die arabische Presse mittcilt, hat die arabische Exe* kutive fflr Ende Oktober einen Nationalkongreß einberufen, der sich ausschließlich mit der Frage der Klagemaucr befassen soll; viele Araber aus den benachbarten Ländern sind zur Teilnahme an dem Kongreß eingcladen worden. Es wird beabsichtigt, den Kongreß nach dem Eintreffen der Mitglieder der britischen Untersnchnngskommission zu eröffnen. Halsmanit wieder verurteilt Das Innsbrucker Geschworenengericht verurteilte in der zweiten Verhandlung gegen den jüdischen Studenten Halsmann ms Riga, die vom Wiener Kassationshof angeordnet wurde, den Angeklagten wegen Totschlages an seinem Vater. Der Geiichtsliof verhängte nach dem Schuldspruch der Geschworenen über Halsmann eine Strafe von vier Jahren Zuchthaus. Dieser Prozeß Halsmann ist, obwohl auch der Ermordete ein Jude war, doch zu einem typischen ״J u d e n p r o z e ß“ geworden, in welchem der Angeklagte, jenseits von Schuld oder Unschuld, in seiner Eigenschaft als Jude der Verurteilung verfällt. In solchen Judenprozessen macht man nicht nur dem jüdischcn Angeklagten, sondern dem Judentum schlechthin den Prozeß und spricht schuldig. Nach der Beurteilung aller unvor- « ingcroramencn Prozefiteilnchmer scheint Halsmann völlig unschuldig zu sein. Es ist gar kein Motiv vorhanden, weswegen er seinen eigenen Vater getötet haben sollte. Aber er ist Jude und Ausländer, und Tirol ist ein klassisches Land des Hakenkrcuzleriums. Zeugen, Geschworene, Sachverständige und leider auch die Psychologen sind gegen den Juden Halsmann eingenommen. So kam es, daß der jüdische Student zum zweitenmal verurteilt wurde. Die Verteidigung hat Nichtigkeitsbeschwcrdc gegen dieses zweite Urteil eingelegt. Da in der Pro- ״״"führung Formalverstöße vorgekommen sind, wird der Prozeß wahrscheinlich ein drittes Mal durchgeführt werden. Hoffentiich wird es dann gelingen, einen Unschuldigen vor der furchtbaren Verurteilung zu retten, ein Vatermörder zu sein. m. Pressemeldungen zufolge haben die Araber des Libanon bisher für die arabischen Geschädigten Palästinas 247 Pfund gesammelt, in Aegypten wurden 155 Pfund gesammelt. In Palästina selbst sind einige 1000 Pfund aufgebracht worden. Zu dem in der vorigen Nummer der ״Jiid, Rundschau“ vollinhaltlich;»!!gedruckten Brief Prof. Einsteins nimmt Manehester Guardian“ in einem Leitartikel vom 12. Oktober Stellung, worin es u. a. heißt: Einstein hat einen Ruf von der Art, die vergessen läßt, zu welcher Menschengruppe er gehört. Er hat nicht einer Rasse, sondern der ganzen Menschheit Dienste erwiesen. Dies gibt seinem Brief ein besonderes Gewicht. In großen Teilen der Welt lebt der Jude heute noch unter einer Wolke von Verachtung, Verdächtigung und Antipathie. Der Fortschritt der Zivilisation hat diese Ungerechtigkeit vielfach gemildert, aber gerade die Ausbildung des modernen nationalen Staatsbewußfseins hat das Gefühl der Heimatlosigkeit der Juden vielleicht noch gesteigert. Auf dieses Problem hat der Zionism us eine Antwort gegeben. Palästina kann den über der Welt verstreuten Juden eine neue Selbstachtung geben. Diese Idee hat nicht nur die Juden aufs tiefste erregt, sondern auch Engländer von George Eliot bis Lord Bai tour begeistert Ein- Steins Brief bringt auch dem kühlsten Leser zum Bewußtsein, wie unlöslich das Glück des jüdischen Volkes mit der Zukunft des Palästina-Staates verbunden ist, aber auch wie unlöslich diese mit der Selbstachtung des britischen Volkes verbunden ist. Viele von den Unternehmungen, in die wir vor zehn Jahren bei Friedensschluß eintraten, können als egoistisch bezeichnet werden. Das Palästina-Mandat jedoch war eine feierliche Verpflichtung. Jede der aufeinander folgenden englischen Regierungen hat sich zu dieser damals übernommenen Aufgabe bekannt. Wir haben sie übernommen nicht in der Meinung, daß die Schaffung einer Heimstätte für das jüdische Volk ein Experiment ist, das man heute versucht und morgen wieder sein läßt, sondern in dem Sinne, daß britische Staatskunst den Grund eines dauerhaften, toleranten und fortschrittlichen Staates legen kann. Ist etwas geschehen, was diese Ansicht erschüttern könnte? Die jüdischen Einwanderer haben das ihre getan, indem sie ihre Energie und ihr Vermögen hergaben für die Entwicklung Jgs Landes und seiner Kultur. Die Aufgabe der britischen Re- ’‘gferüi1g”3s“"1rreül1In'der'7dÄ"V6!kerbuncle*s ist cs, darauf zu sehen, daß dieser Staat gerecht und weise regiert wird, daß Leben und Eigentum gesichert werden, daß alle Völker dort Gerechtigkeit finden und die Traditionen ihrer Religionen und Sitten nicht verletzt werden. Mit Aufgaben dieser Art haben wir in anderen Teilen der Welt Erfolge erzielt. Sie erfordert Eigenschaften, von denen das britische Volk wenigstens einige zu besitzen bewiesen hat. Die Regierung hat klar gemacht, daß unsere Politik unverändert bleibt. Es ist auch wirklich schwer zu verstehen, wie jemand annehmen könnte, daß die jüngsten Unruhen unseren Entschluß, die Sache erfolgreich durchzuführen, erschüttern könnten. Vor der ganzen Welt haben wir eine Verpflichtung übernommen, wir haben einen Auftrag vom Völkerbund, wir haben den Juden unser Wort gegeben und im Vertrauen darauf haben die Juden die von Einstein beschriebenen Anstrengungen gemacht. Es ist nicht immer unrecht oder unwürdig für ein Volk, zurückzuweichen. Im Beginn des Prozesses Jerusalem, 17. Oktober. (1. T. A.) Am 15. Oktober begann vor dem Jerusalemer Gericht der Prozeß gegen den Scheich Abdul Rahem Markah, der beschuldigt ist, am 24. August d. J. die Araber in Hebron zu Massakres gegen die jüdischen Einwohner der Stadt aufgehetzt zu haben. Frau Mazai Misrachi, deren Vater und Bruder bei den Massakres getötet wurden, sagte aus, sie habe gehört, wie der Scheich an eine arabische Menge die folgenden Worte richtete: ״Im Namen des Propheten und des Mufti fordere ich Euch auf, nach Jerusalem zu gehen; vorher aber erschlagt die Juden hier in Hebron, nehmt Euch ihre Weiber und macht mit ihnen, was Ihr wollt!“ Der Scheich schwang einen Zettel in der Hand und rief, dies sei ein Telegramm des Groß-Mufti von Jen!־ salem, der mitteilt, daß in Jerusalem die Juden die Moslems abschlachten. Er fügte hinzu: jeder, der nach Jerusalem gehen wolle, erhalte freie Fahrt. — Der arabische Anwalt Saleh versuchte die Zeugin durch ein in englischer Sprache geführtes Kreuzverhör zu verwirren. Die Zeugin aber wiederholte in fließendem Arabisch ihre Aussage und ergänzte sie durch die Mitteilung, daß sie und ihr Mann durch einen Moslem gerettet wurden, daß sie keinen Haß gegen die Moslems hege, da sie das Massaker als Prüfung Gottes betrachte. Der Zeuge Leib Schneeurson, Sohn eines Hotelbesitzers, sagte aus, er habe gehört, wie Scheich Taleb an die Menge Araber die folgende Ansprache hielt: ״Tausende von Moslems sind in Jerusalem getötet worden; wir müssen ihr Blut durch das Blut der Juden von Hebron rächen, dann aber laßt uns aufbrechen, um unseren Brüdern in Jerusalem beizustehen." Diese Ansprache hielt der Scheich Taleb Markah am Freitag. Am nächsten Morgen, 8 Uhr früh, besuchte Scheich Taleb den Vater des Zeugen, trank Tee mit ihm und versicherte, man möge ruhig sein, zu Befürchtungen liege keinerlei Grund vor. Ihr braucht Eure Türen nicht zu ver* rammeln, fügte Taleb hinzu, es wird nichts passieren. Aber schon eine Stunde später sah der junge Schneeurson den Scheich Taleb Markah an der Spitze eines Pöbels vor dem Hause des Direktors der Anglo Palestine Bane, Slonim, stehen, und er hörte, wie der Scheich den Pöbel aufforderte, die Türen rinzubrechen und in das Haus einzudringen. Zögert nicht, rief Taleb der Menge zu, Slonim verbirgt in seinem Hause 40 Schüler sowie den Sekretär der Jeschiwah. Diese fremden Leute sind Söhne reicher Juden, sie haben gewiß viel Ge d bei sich. Ihr werdet auch hübsche Mädchen im Hause Gegenteil, es ist richtig und würdig, falls unsere Pflicht gegenüber anderen es erfordert. Aber von einer Aufgabe wie diese zurückzuweichen, weil sie schwierig ist und weil sie kostspielig sein kann, wäre ein Akt der Feigheit, der eine dauernde Schmach auf uns laden würde. % Auf Einsteins Brief nimmt auch die Wochenschrift ״N e a r East and India“ in ihrer Nummer vom 1. d. M. Bezug. In einem ״Zionistische Aengstlichkcit“ überschriebenen Artikel schreibt die Zeitschrift, wenn die Araber die Juden im gegenwärtigen Moment um etwas beneiden können, so sei es ihr Erfolg in der Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Juden und Araber haben beide von England Versprechungen erhalten, und beide meinen, daß diese Versprechungen mehr enthalten, als die britische Regierung darunter verstanden hat. Die Araber glauben, daß ihnen Selbstverwaltung versprochen worden ist, und sie sehen daher mit Aerger, daß der englische Primeminister vor seiner Abreise nach Amerika Zionisten empfängt und gleich bei seiner Landung in Amerika wieder s״ «rinflußreiche jüdische Männer wie Felix Warburg. Aber sie können bei einiger Ueberlegung verstehen, daß diese zionistischen und jüdischen Interventionen an höchster Stelle mehr eine Folge jüdischer Aengstlichkcit bezüglich der Zukunft Palästinas sind als ein Zeichen jüdischen Einflusses auf die künftige Politik. Denn unstreitig sind die Zionisten sehr ängstlich. Sogar ein so kluger Mann wie Prof. Einstein verbirgt nicht seine Unruhe über die scheinbare Gleichgültigkeit Großbriianniens gegenüber der jüdischen Sache In Palästina. ״Near East" betont gegenüber Einstein, daß trotz der Kampagne von Lord Rothermere die Zurücknahme des Schutzes des Nationalen Heims niemals von einer englischen Regierung beabsichtigt worden ist, und daß die britische Oeffentlichkeit auch sehr wohl weiß, welche großen Anstrengungen von jüdischen Kolo* nisten, in JpaJistii», gemacht wurden,, Aber diese ׳Affen$$fee. Meinung fragt sich, wie es möglich sei, daß ein solches Werk des Fortschritts die arabische Feindschaft hlfVörgerufen hat. Was also ist der Grund für diese Feindschaft? Ueber die Antwort auf diese Frage, nicht aber über eine etwaige Unwissenheit der Welt bezüglich der heroischen Anstrengungen der jüdischen Kolonisten sind die Zionisten in Wirklichkeit so besorgt. Ist es vielleicht möglich, daß gewisse Juden selbst verantwortlich sind für das Anwachsen einer früher ungeahnten arabischen Gegnerschaft, oder trifft die Araber deren Freundschaft gewinnen zu wollen, die Zionisten erklären, allein der Vorwurf für die letzten Unruhen? Es besteht der Argwohn, daß die Untersuchungskommission keine eindeutig bejahende Antwort geben wird auf diese letzte Frage, welche die englische öffentliche Meinung, die ebenso wie vor 10 Jahren auch heute noch fair sein will und heute mehr über Palästina weiß als damals, so sehr beschäftigt. finden. Schneeurson, der sich in einem arabischen Hause verborgen hielt, habe gehört, wie Taleb, der die Menge in das Hotel seines Vaters führte, vor dem Hotel ausrief: Vorher waren hier (Joch 30 oder 40 Juden, wo sind die hingekommen? Der nächste Zeuge, der Lehrer Chaitn Bejavo, sagte aus, er habe gehört, wie der Scheich Taleb Markah am Freitag nachmittag der Menge zurief: Allah und Mohammed rufen Euch zu, das Blut der Moslems zu rächen, das in Jerusalem vergossen worden ist. Cafferata als Zeug«. Der einzige nichtjüdische Zeuge, der Polizeichef des Hebroner Distriktes, Cafferata, sagte aus, er habe den Scheich Taleb Markah inmitten einer Menge gesehen, die er augenscheinlich beherrschte, er habe ihn Rufe ausstoßen hören, die die Menge wiederholte. Er habe die Worte nicht verstanden, er war aber überzeugt gewesen, daß sie a u f r e i - zender Natur gewesen waren; dies war an den Bewegungen der Zuhörer, die bei jedem Refrain die Stöcke und Säbel.schwangen, deutlich zu erkennen gewesen. Cafferata erklärte, es seien ihm zwar am Donnerstag, dem 23. August, Gerüchte zu Ohren gekommen, daß Uebcrfälle geplant seien, er selbst habe aber nicht geglaubt, daß Ueberfälle stattfinden werden. Aus der Verhandlung ergab sich, daß der Scheich Taleb Abdul Rahem Markah der Vertraute des Groß-Mufti von Jerusalem ist und gegen Bezahlung die Aufsicht über die Moschee in Hebron und über die Höhle Machpelah, dem Begräbnisort der Stammväter und Stammütter führt. Er ist ein prominentes Mitglied des Moslemischen Obersten Rates und ein rühriger politischer Agitator, der schon 1921 wegen Teilnähme an antijüdischen Exzessen verurteilt wurde; dieses Urteil wurde später im Gnadenwege gelöscht. Die jetzige Anklage gegen ihn lautet auf Mord, Aufreizung zum Mord und Aufhetzung zur Plünderung. Auf jedes dieser drei Delikte steht nach den palästinensischen Gesetzen die Todesstrafe. Fünf jüdische Rechtsanwälte, nämlich Auster, Joseph, Ban Ahron, Aboulaffia und Smoira, vertreten die Erben des getöteten Eliezer Dan Slonim und des getöteten Rabbi Hassoun. Sie erheben gegen Taleb Markah die Beschuldigung, daß er selbst im Hause von Rabbi Hassoun eine Summe von mehr als 3000 Pfund in bar entwendet hat. Der Pogromführer von Hebron