Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 82 (18.10.1929)
- Date
- 1929-10-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 550 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 82* 18. X. 1929 Musik Vortrag Mordechat Sandberg Im Komitee zur Förderung des Jüdischen Musikwesens in PalSstina Zu Beginn der ersten Sitzung des Komitees, die nach dem Tode des Präsidenten, Professor Adolf Weiß mann tagte, sprach Dr. Bernhard Kahn eine Würdigung Weißmanns. Darauf hielt Dr. M. Sandberg, Jerusalem, einen Vortrag, in dem er seine Ziele auseinandersetzte*), bestehend in einem Forschung»« und Lehrinstitut für jü dische und orientalische Musik in Jerusalem, welches als Kern und Grundstein für eine künftige jüdische Musikhochschule gedacht ist. Zuletzt forderte Sandberg die anwesenden Mitglieder und Gäste des Komitees auf, bei der Verwirklichung seiner Pläne mitzuhelfen. Bei der Diskussion, die mm ״ausbrach“, und an der sich Dr. Hugo Leichtentritt, Erich Walter Sternberg, Arno Nadel, Frank Warschauer, Hermann Swet, Hans Gutmann, Frau Dr, Notmann und Alice Jacob-Loewenson beteiligten, ergab sich nach einer Rede Arno N a d e i s, in der er die Bedeutung von Sandbergs Ideen und Persönlichkeit hervorhob, zum Schluß als Grundlage die gemeinsame Anerkennung der Forderung eines solchen Institutes, wie Sandberg es vorgeschlagen hatte. Insbesondere will man sich ernsthaft bemühen, ihm selber die Mittel für seine spezielle Forschungstätigkeit zu verschaffen. Fernerhin wurde der dringende Wunsch laut, daß die Musik — bis heute Stiefkind der Zionistischen Organisation — In Zukunft im Kulturbudget berücksichtigt werde. An Stelle von Adolf Weissmann wurde Dr. Hugo Leichtentritt zum Präsidenten gewählt. A. J.—L Das Instftnt tflr Nene Mnsik In Jern salem Das Institut für Neue Musik wird in Jerusalem wieder er« öffnet und weiter ausgestaltet werden. Wir möchten einiges über Aufgaben und Bedeutung dieses Instituts sagen. Zunächst sei jedoch folgendes betont. ״Neu“ nennen wir nicht die Musik von heute, welche morgen schon eine Musik von gestern sein wird. ״Neu", in unserer Terminologie, ist das ״Ewig- Neue“. Aufgabe aes I. f. N. M. ist demnach die Pflege derjenigen Musik, welche bleibenden Wert beansprucht und die Erforschung desjenigen Gehaltes einer Musik, dessen Bedeutrnig nicht vergeht. Jedoch möchten wir uns nicht beschränken atrf die Meisterwerke der Wiener Klassiker, der Altklassiker und der Romantiker. Im Gegenteil! Diese Werke werden ja auch ohne unser Dazutun aufgeführt, obzwar nicht gut genug•; sie werden studiert, wenn auch nicht — gründlich genug, wir wollen insbesondere das Gute pflegen, welches ganz oder fest ganz vernachlässigt wird, d. h־. wir werden uns in erster Linie zu befassen haben mit modem-europäischer Musik, mit der historischen Musik, mitderorientalischen Musik, zu welcher auch die jüdische gehört, (Die jüdische Musik, welche in Palästina im Entstehen ist, erscheint dazu berufen, ein Bindeglied zu sein, zwischen okzidentaler und orientalischer Musik. Sie vereinigt die differenzierte Melodie der letzteren mit der Polyphonle und Harmonik, welche ihre höchste Entfaltung im Westen erlangt haben.) Selbstverständlich sollen die Werke jüdischer Komponisten aller Linder da ihre Pflegestätte finden. Wenn wir diese zuletzt genannten besonderen Aufgaben ins Auge fassen, welche das I. f. N. M. zu erfüllen hat und wofür Jerusalem geeigneter erscheint als jede andere Stadt der Welt, so könnten wir unser Forschungs- und Lehrinstitut auch nennen: ״Institut für jüdische um! orientalische Musik“. Seine Arbeitsgebiete werden sein: Sammlung der orientalischen und jüdischen Volksmusik im Lande, Erforschung der orientalischen und insbesondere der jüdischen Volks- und Kunsttrnisik, praktische Pflege dieser Musik (Aufführungen in Originalbesetzung), Kompositionskurse, Kurse über orientalische Tonsysteme für Musiker, Gehörbildungskurse für Nicht-Musiker, Kurse für Tondifferenzierung. Es soll efn Zentram für Musik geschaffen werden fn Jerusalem. Ueber die Bedeutung der Musik für die jüdische Aufbautätigkeit in Palästina sowie auch für das jüdische Volk überhaupt: darüber zu reden ist wohl überflüssig. Hingegen scheint es notwendig, einiges über die Bedeutung der Tondifferenzen für die orientalische Musik zu sagen und namentlich über die Instrumente, welche für diese Zwecke in Europa gebaut werden. Wir behaupten, daß diese Instrumente Retter des orientalischen Melos sein können. Denn die technisch vollendeten europäischen Instrumente werden über kurz oder lang die m e i s t e n orientalischen Instrumente verdrängt haben, weil letztere technisch weniger vollkommen sind. Das Instrument hat auf die Melodik großen Einfluß. Erstens wegen der Möglichkeiten, die es bietet; zweijens wegen der Möglichkeiten, die es ausschließt und drittens infolge des fremden Melodienschatzes, welchen es mitbrin״t resp. zu reproduzieren erleichtert. (Nur technisch vollkommene Instrumente, welche nach den Prinrinien der Tondifferenzierung, z. B. nach dem Viertel- oder Sechstelton- System gebaut sind, können das orientalische Melos vor dem Untergänge bewahren.) Verwirklicht das I. f. hl. M. in Jerusalem seinen Arbeitsplan, wie es hier in großen Zügen skizziert ist, so haben wir Juden damit ein Verdienst erworben nicht nur um die jüdische und orientalische Musik, sondern um die Musik der Menschheit. Denn was wir erstreben, ist nichts Geringeres als die Schaffung der Grundlage für eine Musiksprache, welche die gesamte Menschheit umfassen kann. Mordechai Sandberg, Jerusalem. Jüdische Mnsik im Berliner Radio In der ״Berliner Funkstunde“ hörte man einen Ausschnitt aus der Musik-Liturgie der hohen Feiertage. Arno Nadel leitete mit wenigen Worten, durch die er die Inhalte der Gebete andeutete, in die dem nichtjüdischen Hörer gewiß neue Musik-Sphäre hinein. Durch die Mitwirkung Leo Golianins und des Chors der Synagoge Lützovvstraße unter Alexander Weinbäum wurde es eine wohfgelungene und würdige Veranstaltung. Es ist allerdings schade, daß auch bei dieser ausgezeichneten Gelegenheit mit Ausnahme zweier Stücke — einer Kol-Nidre-Bearbeitung von Weintraub und des 150.Psalms des Nicht-Juden Drescher die Musik vonLewandowsky ebenso ungerechtfertigt bevorzugt wurde, wie es in den Beriiner Synagogen geschieht. A. J.—L Das ״Jo h Schimcho" (nach Lewandowsky) — eine Melodie, die deutsche, aber auch jüdische Komponenten aufweist, erschien in einer geschmackvollen Neubearbeitung für Harmonium (bzw. Orgel oder Klavier) und Violine (bzw. Gesang) von Max Wachsraann im Verlag P. Raasch, Berlin- Charlottenburg 2, Berliner Str. 155. *) Die er auf unsere Bitte in untenstehendem kleinen Aufsatz zusammengefaßt hat. Red. Die Sklareks Die Sklareks sind ein Typus, wie er aus einer bestimmten Berufsgruppe und nur im Nachkriegs-Berlin mit seiner Inflation und seiner Deflation emporwuchern konnte. Diese drei Brüder, die sich aus kleinen Anfängen im Wirbel ״moderner" Geschäftigkeit zu Villenbesitzern emporgearbeitet und sich «)gar Rennställe zugelegt hatten, sind im Grunde völlig belanglos armselige Menschen, die alles was sie taten, immer mit einem Gefühl der Unsicherheit und mit einem Seitenblick auf die alteingesessenen Firmen der ״Branche“ übten. Mit dem Judentum sind die Sklareks nur in äußerst geringem Maße verbunden gewesen. Sie gehörten im Grunde genommen gar keiner Gemeinschaft an. Was das bedeutet, lehrt ein Ausspruch Einsteins in einem Briefe an die ungarischen Juden. Einstein schreibt: ״Die größten Feinde .... sind fette Degeneration, d. h. aus Reichtum und Wohlleben hervorgegangene Gesinnungslosigkeit sowie eine Art innerer Abhängigkeit von der nichtjüdischen Umwelt, welche aus der Lockerung der jüdi* sehen Gemeinschaft erwächst. Das Beste im Menschen kann nur gedeihen, wenn er in der Gemeinschaft aufgeht; wie groß ist also die moralische Gefährdung des jüdischen Menschen, der den Zusammenhang mit dem eigenen Volkskörper verloren hat und von dem Wirtsvolk als Fremder angesehen wird! Oft genug ist schnöder, freudloser Egoismus aus solcher Situation erwachsen.“ Das von Einstein Gesagte bezieht sich allerdings nur insofern auf die Sklareks, Insoweit diese überhaupt sich Rechenschaft über ihr Tun oder über ihre Unterlassungen abgelegt haben. Es liegt vielmehr die Vermutung nahe, daß es sich um Parvenüs handelt, die vor aller Welt den Kotau machen, weil sie sich unsicher fühlen, die Jedermann umschmeicheln und jedermann Gefälligkeiten erweisen, um vor der Konkurrenz mit ihren Bekanntschaften groBtun zu können und unter dem Paravant dieser Bekanntschaften Schiebungen zu verüben. Die Wirkung der Sklarek-Affäre auf die Oeffentlichkeit kann nicht Gegenstand unserer Betrachtung sein. Insofern die Sklareks aber durch ihre zufällige Abstammung von Juden einen Anlaß geben, daß Berufsjudenfeinde wieder einmal vor den Augen einer kritiklosen Menge die Berechtigung erlangen, die Juden als die Wurzel alles Uebels zu bezeichnen, werden sie leider den anderen Juden interessant. Sonst aber verdienen sie kein Interesse, weder als Menschen «och als Juden. Sie sind nichts als kleinliche Schieber mit großen Summen und armselige Parvenüs. m. b. Die badisclie Landessynode Das badische ״Musterland“ ist auch dadurch ausgezeichnet, daß es eine straffe Zentralisierung jüdisch-kirchlicher Einrichtungen besitzt, In dem Organ des Öberrates und der Landessynode. Seit aer Staatsumwälzung herrscht in beiden ein erheblich freierer Geist als früher. Sogar im Oberrat haben die Zionisten eine Vertretung, was früher undenkbar gewesen wäre, und in der Synode bilden die Zionisten zusammen mit den Konservativen eine Fraktion, die zahlenmäßig fast so stark ist wie die liberale Fraktion. Das Zusammengehen der Zionisten mit den Konservativen hat sich durchaus bewährt, es ist schon historische Tradition geworden. Bei der diesjährigen Synode stand die neue Gemeinde- Ordnung zur Verabschiedung, die im wesentlichen das Werk unseres Gesinnungsgenossen Oberrat Dr. Rfaelzer Ist. Von de« Forderungen, die uns Zionisten in erster Linie Interessieren, sind zu nennen: Karenzzeit um! Verhältniswahl. Bei beiden Postulaten haben wir Erfolge zu buchen. Der Entwurf wollte eine Karenzzeit von drei Jahren für Reichsausländer (lies: Ostjuden) vorschreiben. Wir konnten nachweisen, daß diese Beschränkung absolut ungesetzlich ist, und daß wir das Ministerium nötigenfalls gegen diese ungesetzliche Beschränkung mobil machen würden. Dies Argpiment leuchtete ein, und wir erreichten, daß bei allen, nicht der badischen Religionsgemeinschaft angehörenden Juden, einheitlich eine Wartezeit von eniem Jahre ganz gleichmäßig, für die Wahlen zur Gemeinde eingesetzt wurde. Es gibt also in Baden keine Ausländerkarenzzeit für die Gemeindewählen mehr. Vor wenigen Jahren noch wollte eine liberale Gemeinde eine Karenzzeit von zehn Jahren propagieren. Auch in der Frage der Verhältniswahl können wir ganz zufrieden sein. Die Liberalen wollten nur für die beiden Gemeinden Mannheim und Karlsruhe die Verhältniswahl zugestehen. Also gerade in Mittelgemeinden mit recht erhebliehen Minderheiten sollten diese um ihr Wahlrecht gebracht werden. Wir konnten nach langen Verhandlungen für alle Gemeinden über 800 Seelen, also für alle erheblichen Mittelgemeinden, das Verhältniswahlrecht durchsetzen. Wir konnten wieder die alte Wahrheit feststellen, daß Demokraten in der deutschen^ Politik in jüdischen Angelegenheiten ihre sonstige Demokratie absolut vergessen. Bemerkenswert ist, daß auch die Oeffentlichkeit der Vertretersitzungen beschlossen wurde. Am 17. November finden Neuwahlen zur Synode statt. Die Zionisten sind gerüstet, sie werden dafür sorgen, daß in der badischen kirchlichen ״Innenpolitik“ die Wahrung der Rechte der Minderheiten, verbunden mit einer kraftvoll lebendigen jüdischen Gesinnung, erhalten bleiben werden. Rechtsanwalt Dr. Otto Simon. Dr. SimoB Rosenbanm 70 Jahre alt Dr. Simon Rosenbaum, gc־־׳e׳r־ä big litauischer Konsul in Palästina, der frühere Minister für jüdische Angelegenheiten in Litauen und ehemaliges Mitglied der ersten russischen Duma, der seinerzeit das berühmte ״Wiborger Manifest“ unterschrieben hatte und dann dafür eine längere Gefängnisstrafe verbüßte, ist in diesen Tagen 70 Jahre alt geworden. Dr. Rosenbäum ist einer der ältesten Zionisten Rußlands und spielte sowohl in Rußland wie auch nach dem Krieg in Litauen als jüdischer Führer eine hervorragende Rolle. Rosenbaum, der in seiner Jugend die Jeschiwah besucht hatte, ist in der gesamte« Judenheit des Ostens als einer der geistreichsten und hilfs* reichsten Menschen bekannt. Die ganze zionistische Welt und auch alle anderen jüdischen Partmen drückten Rosenbaum am Tage seines Eintrittes in das biblische Alter in Aufsätze« über seine jüdisch-politische Tätigkeit ihre Hochachtung aus. Auch wir schließen uns der großen Zahl der Glückwünsche«- den an, um so mehr, als Rosenbaum während seiner häufigen Anwesenheit in Deutschland innige Beziehungen zu seinen hiesigen Gesinnungsfreunden unterhielt. p.c. Die beiden Artikelserien des ״Matin" sind noch nicht beendet, und schon beginnt ״PetitParisie n“, das meist gelesene Blatt Frankreichs (mit einer Auflage von 800 0£K)) auf seiner ersten Seite mit Veröffentlichung einer großangelegten Aufsatzreihe von Albert Londres, einem der bekanntesten fratjzösischen Reoorter-Schriltsteller, ״Das Drama des jüdischen Volkes. — Aus den Ghettos Europas ins Verheißene Land“. Ortsgruppen Bremerhaven-WesermUnde. Im Rahmen der Aktion des neutralen Jüdischen Jugendverbandes sprach im hiesigen jy. gendbund am 1. Oktober Herr Kurt Zacharias, Bremen, über die Ereignisse in Palästina. Der Redner berichtete über die Tatsachen selbst und suchte im Anschluß daran die Ur- Sachen und Anlässe der Geschehnisse klarzulegen. Er stellte die bekannten Forderungen an die Mandatarmacfit aut und wies zum Schluß auf die Notwendigkeit der überparteiischen Unter- Stützung des Palästinawerks durch die Aktion ״Hilfe durch Aufbau" hin. Breslau. Am Mittwoch, dem 9. Oktober, fand die dies• jährige Generalversammlung der ״Breslauer Zionistischen Verelnigung“ statt, die außergewöhnlich zahlreich besucht war. Der bisherige Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt^Jacobsohn, gedachte zunächst mit warmen Worten der im letzten Jahre Heimgegangenen Mitglieder der Ortsgruppe, Frau Professor Badt und Sigismund Cohn, der am Tage zuvor plötzlieh verschieden war. Er berichtete dann über die Entwicklung der Ortsgruppe und ihre Leistungen in der Gemeinde und für die Fonds der Organisation. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder beträgt jetrt 350 ohne die Schekelzahler und ohne die in Sondergruppen Organisierten. Für Keren Hajessod wurden in Breslau 42 000 M. und für Keren Kajemeth 14 500 M. aufgebracht. Besondere Rührigkeit entfaltete die Frauengrappe, Ohne Debatte wurde dem Vorstand Decharge erteilt. Herr Rechtsanwalt Maximilian Weiß schlug alsdann die von einem aus Angehörigen aller zionistischen Richtungen bestehenden vorbereitenden Ausschuß aufgestellte Liste für den neuen Vorstand vor. Herr Hans Klee stellte dieser zugleich im Namen einiger Freunde eine andere Liste entgegen, nachdem er Herrn R.-A. Jacobsohn seinen besonderen Dank für seine unermüdliehe und erfolgreiche Tätigkeit für den K. H. ausgesprochen, im übrigen aber eine scharfe Kritik an der Tätigkeit der bisherigen Leitung der Ortsgruppe geübt hatte. Er schlug eine Reihe von Leitsätzen als Orundlage für die weitere Arbeit vor, die nach einigen im Verlaufe der Debatte sich ergebenden Aenderungen schließlich angenommen wurden. An der Aussprache beteiligten sich eine größere Zahl der Anwesenden, die zu einem Teil den Ausführungen des Oppositionsredners zustimmten, der größere Teil der Redner wandte sich jedoch gegen diese, insbesondere gegen die Vorschläge, die von dieser Seite für die Neuwahl gemacht •wurden. Atige• nommen wurde noch folgende Resolution: ״Die Generalver- Sammlung beauftragt den Vorstand, die Frage der Schaffung einer jüdischen Volkspartei in Breslau erneut zu prüfen. Sie beauftragt den Vorstand, mit Rücksicht auf die in Jahresfrist stattfindenden Gemeinde- und Landesverbandswahlen in kürzester Zeit diese Frage einer Ortsgruppcnversammlung zur Beschlußfassung vorzulegen.“ Bei der zum־ Schluß des Abends vorgenommenen Vorstandswahl wurde die vom vorbereitenden Ausschuß vorgeschlagene Liste mit zwei Ergänrungen aus der Gegenliste teils mit großer Majorität, teils einstimmig gewählt. Danach setzt sich der Vorstand nunmehr wie folgt zusammen: R.-A Jacobsohn (als erster Vorsitzender), R.-A. Dr. Lux (als zweiter Vorsitzender), Dr. Schachtel, Frau Hilde Wolff, Dr. Georg Lewy, M. Bones, M. Nußbaum, Wolfgang Laqueur, Dr. Prager, Dr. Franz Meyer, Dr. Samuel, Dr. Joseph Marcus, Frau Dr. Rabin. Frankfurt a. M. Von der Ortsgruppe der Revisionisten erhalten wir folgenden Bericht: Vor mehreren hundert Zuhörem sprach einer der ältesten deutschen Zionisten, Herr Justizrat Dr. Max Bodenheimer, in dem Hörsaal der Synagoge Unterlindau am 12. Oktober über das Thema ״Das Palästinamandat und der Revisionismus“. Seit 1889 Zionist, hat Bodenheimer, einer der engsten Freunde Henris und führenden Männer der Zionistischen Weltorganisation, in letzter Zeit den Weg zur revisionistischen Bewegung genommen. Es war interessant, gewissermaßen hierbei die Begründung seines Schrittes kennenzulernen. Für ihn ist der deutsche Zionismus nichts anderes als eine Synthese von Achad-Haamismus und Chowewe Zion-Gedanken, mit anderen Worten eine philanthropische Aktion, die nichts mit dem ursprünglichen politischen Zionismus Theodor Herzls zu tun habe. — Die Bekanntgabe früherer persönlicher Verhandlungen in Frankfurt, Hallgarten und Plotke, zur Anfangszeit der zionistischen Bewegung, machten auf die Zuhörerschaft einen außerordentlichen Eindruck. Bodenheimer gab bekannt, daß seinerzeit schon diese Herren bereit gewesen seien, in die Zionistische Organisation einzutreten, wenn man das Basler Programm modifiziere und den Kolonisationsgedanken in den Vordergrund stelle. Damals sei also eine Jewish Agency auf der heutigen Basis möglich gewesen, aber Theodor Herzl hätte jeden Verzicht auf nationale Grundforderungen abgelehnt. Im übrigen sei es keine Frage, daß die heutige Zionistische Exekutive nach allen Mißerfolgen zurücktreten müsse und einer revisionistischen Exekutive Platz zu machen habe. Das revisionistische Programm habe sich in allen seinen Voraussagen als zu Recht bestehend erwiesen. — Nach einer längeren Diskussion, in der u. a. die Herren Dr. Landsberg (Wiesbaden), Dr. Miilner und von revisionlstischer Seite Dr. Arnsberg und Ernst Hamburger sprachen, schloß der Vorsitzende, Herr Ing. Jacobi, kurz nach Mitternacht die Versammlung. Nordhausen. Am 12. September veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe Nordhausen eine Kundgebung anläßlich der Ereignisse in Palästina. Der 2. Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Gottlieb, der die Versammlung leitete, gedachte in seiner Einleitung der hingemordeten Opfer, zu deren Gedenken sich die Anwesenden von ihren Plätzen erhoben. Darauf schilderte der Redner des Abends, Herr Redakteur Waldmann, die traurigen Vorgänge in Palästina und betonte die Notwendigkeit, jetzt In verstärktem Maße unsere Pflicht Palästina gegenüber zu erfüllen. Herr Rabbiner Dr. Pfingst erklärte sich auch als Nichtzionist mit den meisten Punkten einverstanden, Herr Waldmann riet in seinem Schlußwort noch einmal alle Juden zur Mitarbeit an dem großen Werke auf. Persönliches. Aus der Schweiz wird uns geschrieben: Am 20. Oktober 1929 feiert Herr Dr. Camille Levy In Biel seinen 60. Geburtstag. Der älteren Generation unter den Zionisten ist der Jubilar als regelmäßiger Teilnehmer der elf ersten Kongresse noch in lebhafter Erinnerung, als einer der erste« und tätigsten, als der wahre Prototyp des Schweizer Zionisten. Mehrere Jahre lang gehörte er als Vertreter der Schweiz dem damaligen ״großen Aktions-Comitc“ an. Mehr als zwei Dezennien war Dr. Levy das ständigste Mitglied im Landeskomitee des Schweizerischen Zionistenverbandes, dessen geistige Führung er anerkanntermaßen inne hatte; über ein Jahrzehnt fungierte er als Nationalfonds-Kommissär. Dr. Levy steht, als Zionist und als Arzt, noch in der Vollkraft seines Schaffens. Ad multos annos! Und herzlichste Wünsche! Gj». Samuel Haarpuder, der Vorsitzende des Verbandes der Ostjüdischett Organisationen in Deutschland und Abgeordneter des Preußischen Landesve Landes jüdischer Gemeinden feierte unlängst seinen 50. Geburtstag, aus welchem Anlaß er der Gegenstand herz'i her Ccg'.ü.kvvünschungen seiner zahlreichen Freunde u״ci Vc.e' rer war.