Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1929-10-18 · Heft 82 (18.10.1929) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 82 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653062-2653136--21109-2679167
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 82. 18.X. 1929 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 549 Grundsätzliches zur innerzionistischen Diskussion Von Dr. I. L e i b o w i t z (Köln). Die nachfolgenden Ausführungen gehen uns aus den Kreisen der ״Zefre M israchi» jti. Ded. Die durch die Paläslinaereignisse ausgelöste innerzicnistisehe Auseinandersetzung in Deutschland hat allmählich den Charakter eines Streites 11m rein taktische Fragen, um die Nützliclikeit oder Schädlichkeit einer bestimmten äußeren Haltung, angenommen. Ein nur unter diesem Gesichtspunkt auszufechtender Wahlkampf und ein Delegiertentag, der sich auf die Diskussion von Opportunitätsfragen beschränken würde, müßte im gegenwärtigen kritischen Augenblick als überflüssig und schädlich abgelehnt werden. In Wahrheit bedürfen wir eines Wahlkampfes und eines Delcgiertentages, um g r u n d - sätzliche Fragen, Fragen unser inneren jüdischen und zionistischen Haltung, aus der sich eine zionistische Außenpolitik erst sekundär ergibt, aufzurollen. Unsere Bewegung schwebt in der Gefahr, innerlich ausgehöhlt zu werden, so daß künftige äußere Erfolge oder Mißerfolge sinn- und gegenstandslos würden. Es gibt eine Art ״Zionistischer Assimilation“, die das wahre Gegenstück der altbekannten liberalen oder orthodoxen Assimilation darstellt: wollten diese aus dem Judentum nur eine Weltanschau- 1mg neben anderen Weltanschauungen oder eine Konfession neben anderen Konfessionen machen, so versucht jene, das Judentum als Nichts-als-Nation neben den andern Nationen zu konstituieren — eine Abwandlung des alten jüdischen Assimilationsthemas נהיה כגויים כמשפחות הארצות. Diese Tendenz, die im Zionismus immer in Ansätzen vorhanden war, droht jetzt überhand zu nehmen und die Bewegung, die selbst der ahnungslose Herzl — unwissend, aber intuitiv — als ״Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland“ erfaßt hat, zu einer reinen staats- und machtpolitischen Angelegenheit zu degradieren und zu banalisieren. Ich habe liier nicht nur den Revisionismus im Auge, sondern auch diejenigen Gruppen und Strömungen, die — trotz bewußter Ablehnung des ״Nationalistischen Monismus“ der Revisionisten — als Reaktion auf die letzten Ereignisse gefühlsmäßig zur revisionistischen Ideologie und Phraseologie tendieren. Mit Schrecken mußte ich beobachten, daß große zionistische (nichtrevisionistische) Tagesblätter in ihren Berichten und Kommentaren ihre deutliche, wenn auch vielleicht unbewußte Genugtuung und Befriedigung darüber zum Ausdruck bringen, daß wir es auch schon so herrlich weit gebracht hätten, jüdisch-arabische Kämpfe auszutragen, die etwa den ehemaligen deutsch-tsehechischen Kämpfen in Böhmen, polnisch-ruthenischen Kämpfen in Galizien oder bulgarisch-serbischen Kämpfen in Mazedonien analog wären, und damit ein weiteres wichtiges Attribut eines ״echten“ und ״normalen“ Volks- und Staatslebens erworben hätten. Gegen diese traurige Verirrung sollten sich alle diejenigen Zionisten wenden, denen die Schaffung eines irgendwie gearteten jüdischen Balkan- bzw. Levantekleinstaats, eines Alb aniens unter jüdischer Flagge, nicht die ideale Fortsetzung der 4000jährigen jüdischen Geschichte zu sein scheint. Es handelt sich hier nicht um den Gegensatz zwischen ״starker“ und ״schwächlicher“ Politik, zwischen Maximal- und Minimalprogramm, zwischen entschlossener Zukunftshoffnung und defätistischem Kleinmut Wir wollen den klaren Trennungsstrich zwischen uns und dem Revisionismus in allen seinen Schattierungen ziehen, auch wenn manche seiner Forderungen selbst nach unserer Ansicht — keinen unüberwindliehen praktischen Schwierigkeiten gegenüber stünden. Das uns aus der chauvinistischen Presse aller Länder sattsam bekannte Geschrei über Volksverrat und Defaitismus wird uns kalt lassen. Das hypnotische Starren auf den greifbaren außenpolitisehen Erfolg ist bei denjenigen Zionisten verständlich, für die der Zionismus eine vor wenigen Jahrzehnten ad hoc erfundene Nationalbewegung ist. Ganz anders sieht derjenige die Dinge, der den Zionismus als die gegenwärtige Manifestation des von jeher vorhandenen Judentums empfindet So schwierig ein eindeutiges positives politisches Programm des Judentums zu formulieren ist, so klar ist ein Negativum: Judentum wertet Staat und Staatspolitik nicht als Selbstzweck. Daher kann Zionismus nicht identisch sein mit der Idee eines jüdischen Nationalstaates, einer jüdischen Staatsnation, einer jüdischen Majorität in Palästina usw., sondern der Zionismus wird sich dieser staatspolitischen Elemente nur soweit a 1 s Instrumente bedienen, als sie mit den ihm innewohnenden allgemein-menschlichen und jüdischen ethischen Prinzipien vereinbar sind. Er kann unter gewissen Voraus- Setzungen auf diese staatspolitischen Elemente verzichten ohne damifim geringstensein Wesen preiszugeben. Dies bedeutet nicht, daß der Zionismus zu einem intellektualisiisch-ethisierenden Denksport wird; es bleibt klar verstanden, daß es sich um eine Lebensfrage des jüdischen Volkes handelt, und daß wir unser Recht, in Palästina das Nationale Heim des jüdischen Volkes zu errichteii, in dem es sich national-kulturell und -wirtschaftlich frei entfalten kann, niemals zur Diskussion stellen werden. Diese Forderung, die allein das Wesen des Zionismus ist, darf von uns mit gutem Gewissen erhoben werden. Sie ist durch unsere Geschichte und die Tatsache unserer Existenz bedingt und verletzt keinerlei berechtigte Ansprüche anderer. Sie verneint nur den chauvinistischen arabischen Nationalismus in Palästina, die Forderung nach Schaffung eines arabischen Nationalstaates, einer arabischen Staatsnation, der Majorisierung der Juden durch die Araber usw.; wir dürfen diese arabischen Forderungen dann und nur dann verneinen, wenn wir sie nicht für uns erheben. Wir beanspruchen für uns nur diejenigen Rechte und diejenige Stellung im Lande, die wir auch den Arabern konzedieren, und nur dieser Anspruch, aber auch nicht weniger, ist durch die Balfour-Deklaration und das Mandat völkerrechtlich anerkannt worden. Indem wir uns auf diesen Boden stellen, reihen wir den Zionismus würdig in den Kampf für Weltdemokratie und Weltfrieden ein. Verlassen wir diesen Boden und lassen uns auf einen Machtkampf ein, so verzichten wir freiwillig auf unsere stärkste Waffe, unser gutes Recht. Bei der Diskussion unseres Verhältnisses zu den Arabern darf natürlich nicht aus dem Auge gelassen werden, daß es sich um ein gegenseitiges Verhältnis handelt, für das wir nicht alleinbestimmend, sondern nur mitbestimmend sind. Wir kennen kein Rezept, dessen Anwendung die jüdisch-arabische Verständigung garantiert. Wir müssen und dürfen uns darauf beschränken, die auf unserer Seite bestehenden Mindernisse zu beseitigen und damit die Verständigung zu ermögliehen. Nur im Rahmen eines innerlich in der oben angedeuteten Weise fundierten Zionismus hat die vielfach empfohlene Verständigungskleinarbeit einen Sinn. Vielleicht ist ein sofortiger praktischer Erfolg nicht möglich, weil heute maßgebende arabische Kreise Forderungen aufstellen, die zu erfüllen wir weder berechtigt noch imstande sind. Wir glauben aber, daß eine klare und endgültige Abkehr von objektiv und subjektiv unberechtigten machtpolitischen Ansprüchen bei gleichzeitig festem und beharrlichem Bestehen auf unserem Recht die unerläßliche Voraussetzung dafür ist, daß bei geeigneter politischer Konstellation ein Verständigungsfrieden zwischen Juden und Arabern zustande kommt. בית־עם עברי׳ ברלין ביום א,׳ ט״ז תשרי. 20 אוקטובר בשמונה שעות בערב הרצאת ח• נ• ביאליק באולם הגדול רהוב קלייסט 10. ברסיסים ממרק 1,50 קד -,5 מרק בביח־העם׳ רחוב גרולמן 36 ובבוזי מנמר המורים של מס׳ רחוב עס 46׳ ושל גונגר׳ רחוב אורנינבורגר 26 ורחוב גרנדיר 34■ לחברי בית״העם הנחה• ברסיסי הנחה להשיג רק בבית־העם• ההכנסה היא לסובת אגודת הסופריס הקברים בארץ־ישראל• BETH-AM IWRI Sonntag, den 20. Oktober, 8 Uhr abends Vortrag von Ch. N. Bialik im großen Saale des Logenhauses, Berlin W, Kleiststraße 10. Der Ertrag fließt dem Vereine der hebräischen Schriftsteller in Palästina 1a. Eiatrittokftrten von 150 bis 5.— M. eu bekommen im Groim&nstrafte 36, Tel.; Bismarck 3254; in der Buchhandlung־ R. Maas, KaatitmS• 46: Buchhandlung־ Ganzer» Oranienburger Str. 26 und Grenadierstr. 34; am Abend des Vortrages an der Kasse. Die für Mitglieder des Beth-Am ermäßigten Karten sind nur im Beth-Am zu bekommen. Im Sinne der hier gemachten grundsätzlichen Ausführungen ist der Misrachi und Zeire Misrachi es seinem innersten Wesen gegenüber schuldig, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen, die den Zionismus auf seinen wahren menschlichen und jüdischen Gehalt zurückführt. Die Haltung auf dem Delegiertentag soll nicht von Opportunitätsgründen bestimmt werden. Unsere Gegnerschaft gegen die heute allein maßgebende Richtung der Z. V. f. D. hängt nicht von den Tagesereignissen und von den äußeren Erfolgen und Mißerfolgen einer bestimmten Politik ab. Wir standen und stehen von jeher in Opposition zu einem Zionismus, der einen anderen Ausgangspunkt hat als der unsrige, auch wenn wir mit ihm ein gutes Stück Weg Zusammengehen, zu einem Zionismus, der seine unseres Erachtens eigentliche und wesentlichste Grundläge nicht kennt oder verneint und uns daher innerlich schwach und zum schlieBlichen Leerlauf verurteilt erscheint. Die Leitung der Z. V. f. D. soll von einer Koalition aller Kräfte gebildet werden, die die geistig-ethische Grundlage des Zionisrnus im Gegensatz zur nationalistisch-machtpoliiischen bejähen; der Misrachi soll sich an ihr tatkräftigst beteiligen. Wenn die Angriffe auf die Leitung der Z. V. f. D. auch' auf die ״Jüdische Rundschau“ wegen ihres manchmal traditions- und volkstumsfremden Tons ausgedehnt werden, so sollte doch entschieden anerkannt werden, daß sie in diesem kritischen Augenblick der Bewegung die zionistische Linie prinzipiell richtig eingehalten und wesentlich zur Eindämmung der hier gekennzeichneten gefährlichen und auch von uns bekämpften Tendenzen beigetragen hat. Die Hilfsaktion in Palästina Die oberste Leitung der Hilfsaktion und die Verantwortung für die Verwaltung der Hiifsgelder liegt in Palästina in den Händen der Exekutive des Jewish Agency, der eine zentrale Hilfskonimission aus Vertretern aller Kreise des Jischuw (einschließlich der Agudath Israel) zur Seite steht. Ehe Arbeit der Kommission ist in vollem Gange. Das Mitglied der Exekutive, Rabbi Meir Berlin, und Herr Braude besuchten in der vergangenen Woche S a f e d und veraniaßten die Rückkehr zahlreicher Flüchtlinge in ihre Wohnungen. Eine Reihe von Kaufleuten und Handwerkern erhielt Darlehen, um ihnen die Wiederaufnahme der Arbeit zu erleichtern. Auch in Jerusalem kehrt jetzt ein großer Teil der Flüchtlinge in ihre Wohnungen zurück. Viele von ihnen haben durch die Ereignisse ihre Existenz verloren und bedürfen weiterer Hilfe. Eine schwierige Frage bieten die Institutionen des alten Jischuw. Die Vertreter dieser Stellen verlangen, daß ihren Institutionen jetzt größere Beträge zugewendet werden, da infolge der Hilfsaktion ihre Einnahmequellen geschwächt wurden und sie gerade vor den Feiertagen größere Einnahmen zu verzeichnen hatten. Das Hilfskomitee hat es jedoch für richtig gefunden, nur diejenigen Personen und Stellen zu unterstützen, die durch die Unruhen direkt geschädigt wurden und erachtet es gegenwärtig für nicht möglieh, das reguläre Budget dieser Institutionen zu decken. Das zentrale Hilfskomitee hat in Jerusalem, Tel- Awiw, Haifa und Safed Unterkommissionen eingesetzt. Die Mitglieder des zentralen Hilfskomitees, Smiliansky und Hartzfeld, arbeiten zurzeit gemeinsam mit dem Landwirtschaftliehen Departement der Palästina-Exekutive einen Plan für die WiederaufrichtungderzerstörtenSiedlungen Kfar Urie, Beer Tovia, Hulda, Hartuf und Moza aus. Das Jerusalemer Komitee arbeitet einen Plan zur Erweiterung und Be-, festigung der jüdischen Viertel an der Peripherie von Jerusalem aus. Der Kommission liegen Darlehensgesuche von Kaufleuten und Industriellen vor, deren Geschäfte indirekt durch die Unruhen geschädigt wurden. Die Ansicht der Kommission geht dahin, daß solche Anleihen nicht aus dem Hilfsfonds gegeben werden können. Verausgabt wurden aus dem Hilfsfonds durch die Palästina- Exekutive bis zum 29. September nahezu 15000 Pfund, und zwar für Ftüchtiingsfürsorge, Anleihen an Zurückkehrende, Verhaftete und juristische Hilfe. Auf die einzelnen Orte entfielen bis jetzt folgende Beträge: Jerusalem 4600, Tel-Awiw 2660, Haifa 2410, Safed 1980, Hebron 1050, Verschiedene Orte 2300 Pfund. (Ziko.) leberlall aal ein Jüdisches Dort ln Rußland Moskau, 10. Oktober. (J.T.A.) Russische Bauern des Dorfes Strugowo Bude, Kreis Klinfzi, überfielen die jüdischen Kolonisten, die 192t in diesem Dorfe angesiedelt worden waren, zerstörten Häuser und Inneneinrichtung und schlugen auf die Kolonisten, deren Frauen und Kinder ein. Eine Kolonistenfrau mit Namen Zlate Blchowski wurde zuerst blutig geschlagen und dann, als sie aus dem Hause lief und Hilferufe ausstieß, vom Anführer der Pogrombande, Afanasi Schkapa, mit einer Eisen- Stange auf den Kopf geschlagen, bis sie tot hinfieI. Die Mitglieder des Dorfrates, an die sich die Juden um Schutz wandten, verhielten sich gleichgültig. Die jungen Dorfkommunisten sahen untätig dem Pogrom zu. Der Miliz gelang es, am folgenden Tage Schkapa in einem benachbarten Dorfe zu verhaften. Am 11. Oktober hat das Distriktsgericht in Klintzi Schkapa wegen Mordes zum Tode ve rurteilt. Zwei seiner Mitheller wurden zu acht, bzw. sechs Jahren Kerkers und zu Deportation nach Verbüßung der Strafe verurteilt. Die Verwaltung der jfidischen Gemeinde Leningrad zn Zwangsarbeit verurteil» Moskau, 11. Oktober. (J. T. A.) Nach einem Prozeß, der mehrere Tage dauerte, wurden sämtliche elf Mitglieder der Verwaltung der jüdischen Gemeinde Leningrad von dem Leningrader Gericht zu Zwangsarbeit von 4—6 Monaten verurteilt. Unter den Verurteilten ist auch der 77 Jahre alte hebräische Schriftsteller Leon Rabinowitz, der einstige Chefredakteur der großen hebräischen Tageszeitung ״Hameliz“. Der Prozeß begann am ersten Rosch Haschanah-Tage. Die Beschuldigungen lauteten wie folgt: 1. Die Gemeinde- Verwaltung wandte sich an die jüdische Bevölkerung mit einem Aufruf, Gelder für die Renovierung der großen Chor- Synagoge zu spenden. 2. Die Gemeinde hat einen Teil des Verwaltungsgebäudes an eine Produktionsgenossenschaft vermietet, sie hat also Privatgeschäfte gemacht, 3. Die Gemeinde hat mit Kaschruth-Aufsehern, Tempeldienern und anderen religiösen Beamten Abmachungen getroffen, wodurch sie sich administrative Rechte anniaßfe, die ihr nicht zustehen. 4. Die Gemeinde versuchte, die Verteilung von Koscher-Fleisch unter den Gemeindemitgliedern zu beeinflussen. 5. Die Gemeinde stand mit ausländischen jüdischen Organisationen in Verbindung und erhielt von diesen zu den vergangenen Pessach- Tagen 80 P&d Mazzoth. 6. Die Gemeinde erhielt Beträge für die Bestattung jüdischer Leichen auf dem jüdischen Friedhof, obwohl der Staatsowjet sich als Inhaber des Fried- Hofs betrachtet. 9er Gottesdienst an der Klagemaner Jerusalem, 10. Oktober. (J. T. A.) Der Großmufti von Jerusalem hat der Regierung einen Protest gegen die neuen Bestimmungen über den jüdischen Gottesdienst an der Klagemauer, nach welchen der Durchgangsverkehr und die Benutzung des neugeöffneten Tores nach der Omar-Moschee während des Gottesdienstes verboten sind, überreicht. Der Mufti erklärt, diese Maßnahmen seien geeignet, neue Unruhen hervorzurufen. Das palästinensische Oberrabbinat, die Zionistische Exekutive and der Waad Leumi haben ihrerseits Protest eingelegt gegen die neuen Verordnungen, die dazu angetan sind, die Abhaltung des Gottesdienstes zu erschweren. Insbesondere wird gegen das Verbot, Stühle für die Andächtigen während des Jom Kippur hinzustellen, protestiert, wo doch an diesem hohen Fast- und Bußetag, an welchem die Andacht den ganzen Tag über andauert, die Andächtigen eine Gelegenheit zum Ausnmen haben müssen. Der Boykott Jerusalem, 10. Oktober. (J.T.A.) Eine Abordnung der jüdischen Kaufmannschaft in Jerusalem erschien heute beim Distriktsgouverneur Major K e i 111 R o a c 11 und ersuchte ihn, Maßnahmen gegen die arabische Boykottpropaganda zu ergreifen, die immer stärker um sich greift. Taglieh mehren sich die Fälle, wo Agitatoren in jüdische Läden eindringen, arabische Käufer gewaltsam herauszerren und die von den Juden gekauften Waren vernichten. Major Keith Roach versprach, gegen diese Agitatoren schäristens vorzugehen. Die Haifaer moslemische Gesellschaft befaßt sich mit dem Plane der Errichtung einer M ü 111 e , die in der Lage wäre, den Rothschildschen Grand Mouüns, gegen welche eine starke arabische Boykott-Propaganda im Gange ist, Konkurrenz zu machen. Der Anwalt der arabischen Exekutive Jerusalem, 15. Oktober. , (J. T. A.) Die arabische Exekutive hat beschlossen, den früheren Oberstaatsanwalt der Leeward Islands und früheren Oberrichter in Barbados und Süd-Nigeria, William Henry Stoker, als ihren Anwalt vor der britischen Untersuchungskommission zu bestellen. Stoker ist 70 Jahre alt. _ Die Chaluz-Wandernng Lemberg, 13. Oktober. (J. T. A.) Am 10. Oktober traten 150 Chaluzim aus Ostgalizien die Reise nach Palästina an. Zur Verabschiedung hatten sich am Bahnhof mehrere Tausende Juden eingefunden. Dr. Leon Reich, Dr. Schreiber und Dr. Federbusch hielten Ansprachen an die Chaluzim. Vertreter der Leinberger Jüdischen Gemeinde und der großen jüdischen Institutionen waren ebenfalls am Bahnhof anwesend, wesend. Am Freitag, dem 10. Oktober, ging ein Dampfer mit über 500 Chaluziin, davon 400 aus Polen und 103 aus Rumänien, von Konstanza nach Palästina ab. Von der C.-V.־ Jugend Die ״C.-V.-Zeitung“ veröffentlicht einen Bericht über eine Tagung des Jugendausschusses des C.-V: am 28. und 29. September. Darin Heißt es: Es fand eine sehr lebendige Aussprache über die innerjüdischen Fragen statt. Es zeigte sich, daß auch hier im Kreise der Jüngeren die Auffassungen über die Stellungnähme zum Palästina- Aufbau weit auseinandergehen. Der Tatsache, daß ein Teil der Jugend sich f ü r die Aufbauarbeit Palästinas verpflichtet fühlt, steht die Tatsache gegenüber, daß ein anderer Teil — der vielleicht nur zufällig bei dieser Zusammenkunft in der Minorität war — diese Aufbauarbeit ablehnt. Beide Gruppen sind sich aber einig über die gemeinsame Arbeit im Rahmen des Central-Verems; beide bejahen die politische Abwehrarbeit des Central-Vereins; beide bejahen auch die Arbeit, die der Erhaltung des Judentums durch Vermittlung von jüdischem Wissen dient. Aus diesem Grunde wurde am Schluß der Tagung eine gemeinsame Resolution gefaßt, in der zum Ausdruck kommt, daß die Fortführung der Aussprache vom Central-Verein aus gefördert werden, und daß diese Aussprache alle Fragen des deutschjüdischen Lebens umfassen soll. Es besteht wohl Einigkeit darüber, daß der jüngeren Generation hier die besondere Aufgabe zufällt, in der Entwicklung der Ereignisse selbständig den ihr richtig erscheinenden Weg zu gehen.“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.