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Jüdische Rundschau · 1929-10-18 · Heft 82 (18.10.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 82 (18.10.1929)
Date
1929-10-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 548 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 82, 18. X. 1929 williger Leistung für den Aufbau hinausgehend, einen Zwang?- beitrag von 10 Pfg. pro Mitglied und Monat von allen 12000 dein Verbände angesclilossenen jungen Juden erheben, der dem Keren Hajessod zuzuführen ist. Die beachtliche, hierdurch dem Aufbauwerk zuzuführende Summe, darüber hinaus aber die moralische und erzieherische Bedeutung dieser Maßnahmen scheint den Unterzeichneten die einzig würdige und stolze Antwort aut jene ״Erklärung“ zu sein. Mit herzlichem Verbandsgruß ErnstHoIzer. Jakobjacobs. Palästina vor der Mandatskommission Eine außerordentliche Session geplant Genf, 13• Oktober. (J.T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes wird, wie alljährlich, auch ln diesem Jahre Im Monat November zu Ihrer ordentlichen Session zusammentreten. Die erste Sitzung wird am 6. November stattfinden. Wie der JTA.-Vertreter erfährt, werden in dieser Session die letzten Ereignisse in Palästina nicht zur Behandlung kommen, weil die Mandatskommission erst nach Erhalt des Berichte* der britischen Untersuchungskommission sich der Behandlung der Palästina-Fragen zuwenden will. Bekenntlich hat der Völkerbundrat In seiner Sitzung am 6. September 1929 beschlossen, daß alle Materialien, die im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Palästina stehen, der Mandatskommission zur Verfügung gestellt werden sollen, die sie dann in ihrer ordentlichen oder, wenn nötig, in einer außerordentlichen Session behandeln wird. Da es nicht anzunehmen ist, daß der Bericht der Untersuchungskommission schon am 6. November in den Händen der Mandatskommission sein wird, so besteht in den Kreisen der Mandatskommission und des Völkerbundsekretariats die Absicht, ln den ersten Tagen des Januar 1930 eine außerordentliche Session der Mandafskommisslon zur ausschließlichen Behandlung der Palästinafragen abzuhalten. Auf diese Weise wird die Mandatskommission in die Lage kommen; ihren Palästina- Bericht dem am 20. Januar 1930 zusammentretenden Völkerbundrat zuzusteilen. Vandervelde erwidert Karl Kantsky (Von unserem Prager Korrespondenten.) hi, Prag, 9. Oktober 1929. Sonntag, den 6. d. Mts. veranstaltete die Liga für das arbeitende Erez-Israel in Prag eine große Kundgebung, die einer vielhundertköpfigen Zuhörerschaft die Stellungnahme führender sozialistischer Politiker vermittelte. Der Hauptredner des Abends, der Vorsitzende der zweiten Internationale und ehemalige belgische Ministerpräsident Vandervelde trat in entschiedener Weise für die Verwirklichung der zionistischen Idee ein, in der allein er die Lösung der Judenfrage erblickt. Zu den Unruhen in Palästina nahm er folgendermaßen Stellung: Der Nationalismus der Juden ist nicht agressiv und verfolgt keine imperialistischen Ziele. Wenn (He jüdischen Arbeiter aus den arabischen Arbeitern, welche unter viel ärgeren Bedingungen leben müssen, als sie selbst, Menschen machen wollen, so ist das kein Imperialismus, sondern ein Kulturwerk, zudem man sich stolz bekennen kann. Aufgabe des Zionismus sei es auch weiterhin, über alle Widerstände hinweg, seine Verwirklichung fortzusetzen. Die Aussichten des Zionismus — und hier wandte sich Vandervelde gegen den einige Tage vorher in der ״Wiener Arbeiterzeitung“! «rschlfpenen Artikel K-a r l Kautakys ~י seien ungemindert die gleichen. Noch ist Sturm über Palästina; aber es wird sich bald wieder aufheitern und der Tag kommen, an dem der Zionismus seine große historisehe Aufgabe in Palästina erfüllt haben wird: eine Brücke zu sein zwischen der europäischen und asiatischen Zivilisation. In dieser Hinsicht können die Zionisten auf die moralische Hilfe des größten Teiles der europäischen und der Sozialisten der ganzen Welt rechnen. Nach Vandervelde, dessen Ausführungen des öfteren von stürmischem Beifall unterbrochen wurden, sprach der Führer der tschechischen Sozialdemokratie und ehemalige Justizminister Dr. Soukup, der sich wärmstens für den Zionismus einsetzte und in eindrucksvollen Worten für das Palästinaaufbauwerk und die Tätigkeit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina eintrat. Zum Schluß sprach Oskar Baum ln tiefschürfender Weise über das jüdisch-arabische Problem. Dem Vortrage wohnten zahlreiche führende Sozialisten sowie der belgische Gesandte bei. Die Gesamthöhe der Ersatzansprüche für die bei den Unruhen in Jerusalem und Umgebung entstandenen Schäden beläuft sich, nach den bei der Jerusalemer Regierung gestellten Anträge auf 303 000 Pfund. Und vollendet war der Bau und war fürchterlich schön. Ein Finger — die lange Diele — zeigt gen Himmel, und ein Finger — die lange Leiter — zeigt gen Osten. Ein Symbol. Freudig zündet die Mutter Schabbes-Jontewlichter in der eigenen Sukka, vor dem schön gedeckten Tisch, an. Jetzt braucht nicht mehr unsere dumme Magd Mutters silberne Leuchter von der fremden Sukka her nach Hause tragen, daß die ,Benschlichter׳‘ auf dem Wege erlöschen. Die können über Nacht in der Sukka bleiben, hinter Schloß und Riegel. Vielleicht wird auch der Vater in der Sukka schlafen. Regentropfen begannen zu fallen. Und als der Vater das Kidduschgebet sagen wollte — begannen Ströme niederzugehen. ״Kein Masel für Israel!1״ Was halt da warten? Der Regen wurde, wie zum Trotz, immer stärker. Unter einer herabströmenden Wasserflut machte der Vater endlich Kidduscn. Und wir ergriffen die Flucht, wir Feiglinge . . . Und die arme Sukka wurde zugesperrt . . . ln aller Frühe erwachte der Vater. Saphirrein der Himmel. Rasch die Kleider an. Wie ergeht es der Sukka, unserer eigenen Sukka? Ach und weh! Das ganze Sukkadach lag am Boden, die lange Leiter mit. Ein großer Sturm hatte in der Nacht gewütet. . . Zitternd nähert sich der Vater der verschlossenen Sukkatür. Keine Tür mehr. Sie wurde gewaltsam weggerissen. Entsetzt schaut der Vater ins Innere der Sukka. Ein seitsames Geräusch dort: Roch! Roch! . . . Der Tisch abgedeckt, kein Tischtuch, keine silbernen Leuchter, nichts . . . Und unter dem Tisch ein riesiges Schwein, den Rüssel in einer Wasserlache vertieft, mit behaglichem Grunzen Speisereste verzehrend . . . Wehe unserer Sukka! . , . Professor Isntar Eibögen von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, der vor kurzem den ehrenvollen Ruf erhalten hat, als Professor für jüdische Geschichte an die Columbia-Universität in New York zu gehen, hat sich entschlossen, seinem Berliner Lehramte treu zu bleiben umd den Ruf nach New York abzulehnen. Der Pogrom von Safed vor Gericht Obstruktion der arabischen Anwälte Haifa, 11. Oktober. (J.T.A.) Bel ungeheurem Interesse der gesamten Oeffentlicnkeit ln Palästina gehen jetzt in Haifa die ersten Prozesse gegen Araber, die des Mordes an Juden angeklagt sind, vor sich. Am 8. Oktober wurden sieben Araber, die beschuldigt werden, am 29. August in Safed zwei Juden ermordet zu haben, gefesselt und unter starker Eskorte aus der Zitadelle von Akka zur Aburteilung nach Haifa gebracht. Berittene Polizei und ein Zug des Oreen Howards Regiments begleiteten den Oefangenentransporfc Die kleine Villa in der deutschen Kolonie von Haifa, in der der Gerichtshof tagt, wird von britischer und palästinenslscher Polizei zu Fuß und zu Werde unablässig bewacht. Den Vorsitz im Gerichte führt Oberrichter Sir Michael MacDonneli aus Jerusalem, als Beisitzer fungiert Richter Litt, der als Einzelricnter bereits 37 Araber aus Tlreh, die einen Angriff auf Hadar Hakarniel versucht hatten, abgeurteilt hat, und der bei seinen Urteilssprüchen über Juden, die im Besitz von Waffen angetroffen wurden, das Moment der Selbstverteidigung in Rücksicht zog. ־ Zunächst begann am 8. Oktober die Verhandlung gegen drei von den angeklagten sieben Arabern, die des Mordes an Isaak Mamaan, der im Dienste der Hadassah in Safed stand, beschuldigt werden. Zu Beginn des Prozesses erklärte der Staatsanwalt, daß er die auf verabredeten Mord lautende Anklage auch auf das Delikt der Verschwörung ausdehnt. Die Aussage der hebräisch sprechenden Zeugen wurde dem Gericht in einer unerträglich falschen Darstellung wiedergegeben. Im Gerichtssaal sind zahlreiche arabische Notabein und Politiker, unter ihnen die Muftis von Akko und Safed und der Hauptscheich von Haifa anwesend. Die arabischen Anwälte Moghanan und Asfour, beide christliche Araber und als die geschicktesten arabischen Anwälte im Lande bekannt, unterzogen die ersten zwei jüdischen Zeugen einem fast siebenstündigen Kreuzverhör, so daß der Prozeß nur sehr schleppend vor sich geht. Der erste Zeuge, Dr. Bordiansky, der Hadassah-Arzt, der den tödlich verletzten Mamaan behandelte, ließ sich durch das ermüdende Kreuzverhör nicht erschüttern, dagegen verlor der zweite Zeuge, Joseph Benderly, nach dem mit ihm allein angestellten dreiständigen Kreuzverhör die Nerven und wurde in einigen seiner Darlegungen unsicher. Schließlich verlor Oberrichter Sir Michael MacDonneli die Geduld und er sprach den arabischen Anwälten den Tadel dafür aus, daß sie durch ein Kreuzverhör, das geeignet sei, die Angelegenheit zu verwirren statt sie zu klaren, das Gericht auf eine harte Probe stellen. Daraufhin legten die arabischen Anwälte ihr Amt als Verteidiger nieder. Der Gerichtshof beschloß, den Prozeß zu unterbrechen und ihn vorderhand zu vertagen. Das Gericht ging dann in die Verhandlung gegen die übrigen vier Araber ein, die gemäß der Anklageschrift beschuldigt sind, am 29. August Frati Luia Farjoun, eine sephardische Jüdin, in Safed erschossen zu haben. Die vier Angeklagten waren alle aneinandergekettet. Es zeigte sich, daß ihre Anwälte nicht vor Gericht erschienen waren, weshalb der Vorsitzende die Angeklagten durch den Dolmetscher informieren Heß, daß am folgenden Tage der Prozeß gegen sie fortgeführt werden wird, ob ihre Anwälte erscheinen oder nicht. Der Prozeß wurde daraufhin unterbrochen. Die arabischen Anwälte und die in Haifa anwesenden Nofabeln hielten eine Beratung ab, in der angeregt wurde, für Sonnabend eine Sitzung der arabischen E x e - kutive einzuberufen, die sich mit den Gerichtsfällen befassen soll. Es scheint, daß die Araber die Ausrufung eines Streiks sämtlich fr arabischer Rechtsanwälte planen. In den Kreisen der Regierung trird’der Juden befirchteU ma», daß ein solcher Schritt Anstoß zu neuer Agitation geben würde. Am Mittwoch, dem 9.' Oktober, wurde die Verhandlung gegen die drei Araber, die des Mordes an Isaak Mamaan angeklagt sind, fortgesetzt. Als hebräischer Dolmetscher fungierte nur der Distriktsbeamte Herr Bergmann, der die Zeugenaussagen wortgetreu überträgt. Der Zeuge Joseph Benderly blieb bei seiner Behauptung, daß die drei Angeklagten es waren, die Mamaan angriffen. Es war ein vierter Mann bei ihnen, den er nicht kenne. Der Zeuge Mordechai KIfnger erkannte ebenfalls in den Angeklagten die Mörder von Mamaan und erzählte, daß dieselben Leute sich auch auf ihn stürzten, daß aber einer derselben ihn schützte und ihm zurief, er möge nur weitergehen. Klinger wies auf einen der Angeklagten als denjenigen, der ihn vor dem sicheren Tode gerettet hatte. Klinger, der Sohn des reichsten Juden in Safed, ein intelligenfer und sehr sicher auftretender Mann, schilderte in klaren und eindrucksvollen Worten die Tragödie von Safed. Von Sonnabend bis Mittwoch, erzählte er, waren auf Anraten der Behörde alle jüdischen Läden in Safed geschlossen, kein Jude verließ sein Heim. Am Donnerstag aber glaubte man, daß die Gefahr — nach der arabischen Demonstration — vorüber 9ei; und er verließ seine Wohnung. Unvermutet hatten die arabischen Angriffe begonnen. Als er, nichts ahnend, seine Wohnung verließ, sah er sich der wilden Szene gegenüber, die mit der tödlichen Verletzung Mamaan* endete. Der Zeuge Nissim Adam, ein dunkelhaariger orientalischer Jude, der nur arabisch spricht und sich selbst als Sohn Arabiens bezeichnet, erkannte ebenfalls in den Gefangenen die Mörder Mamaans. Er habe selbst gesehen, wie die Angeklagten Mamaan mit Dolchen angriffen. In der Nachmittagssitzung wurde der Zeuge Nissan Finkeistein, ein 70janriger Jude, vernommen. Er erzählte, er habe gesehen, wie acht Männer Mamaan angriffen und ihn mit Dolchen und Knüppeln bearbeiteten. Er erkannte die drei Angeklagten als diejenigen, die sich in der Bande befanden und an den Angriffen auf Mamaan teilnahmen. Der nächste Zeuge, ein junger Geflügelhändler namens Namous, der — ebenfalls ein Opfer der Unruhen — im Hadassah-Hospital neben Mamaan zu Hegen kam, sagte aus, er habe deutlich gehört, wie Mamaan gegenüber seiner Frau die Namen von vier Arabern nannte, die ihn angriffen und ihn seiner Barschaft ln Höhe von 30 Pfund beraubten. Unter den vier Namen waren die der drei Angeklagten. Auch der Koch des Hadassah-Hospitals in Safed sagte als Zeuge aus, er habe gehört, wie der tödlich verletzte Mamaan seiner Gattin die Namen der Angeklagten als seiner Mörder fünfmal wiederholte. Und zwar nannte er die beiden Brüder Raneim, die auf der Anklagebank sitzen, und den ebenfalls angeklagten Ahmed Jadour, Als vierten der Mörder bezeichnete er den geflüchteten Ahmed Tapisch. Nach dieser Zeugeneinvernahme vertagte der Oberrichter den Prozeß bis zur Namhaftmachung der neuen Verteidiger. Der Anwalt Moghanan Efendi der zuerst die Verteidigung niederlegte, ist ein bekannter Nationalist und Sekretär der arabischen Exekutive. Er erklärte dem J. T. A.- Vertreter, Herrn Agronsky, er halte es, für wahrscheinlich, daß die arabischen Anwälte sämtlich in den Streik treten werden, und zwar wegen der vom Richter Litt bisher gefällten Urteile, sowie wegen der jetzt den arabischen Anwalten seitens des Oberrichters zugefügten Beleidigung. Er habe übrigens mit einem Freispruch der drei Angeklagten selbst nicht gerechnet, er hätte sich nur bestrebt, ein Todesurteil zu verhindern, es hätte bei einer 15jährigen Gefängnisstrafe sein Bewenden haben körnten. Oberrichter Sir Michael MacDonneli machte die Verteidlger darauf aufmerksam, daß es unverantwortlich für sie sei, ihren Mandanten Im Stich zu lassen, wo nicht gleich andere Anwälte zur Stelle sind, die bereit wären, die Verteidigung an ihrer Stelle zu übernehmen. Scheich K a s s a b, den er zur Uebemahme der Verteidigung aufforderte, habe abgelehnt. Advokat Asfour bemerkte, es sei dies kein gewöhnlicher Mordprozeß. Darauf erwiderte der Oberrichter, es sei an diesem Falle nichts Außergewöhnliches, ausgenommen das außergewöhnliche Verhalten der Verteidigung. Ungewöhnlich ist auch die Atmosphäre, aus der diese Verbrechen hervorgegangen sind; das ist aber kein Grund, daß nicht Ruhe und Anstand vor Gericht beobachtet werden. Oie britischen Beamten an! Seife der Araber Kairo, 13. Oktober. (J.T.A.) Abdul Hadi, einer der Sekretäre des Moslemitischen Obersten Rates von Palästina, der gegenwärtig in Aegypten weiltj um die öffentliche Meinung hier zu beeinflussen, erklärte in einem Gespräch mit dem Re- •dakteur des״Mokattam“, d je Mehrheit der britischen Beamten in Palästina sei entschieden auf der Seite der Araber und bedauert nur, daß auch die araberfreundlichen Beamten gezwungen sind, Befehle aus London auszuführen, mit denen sie nicht übereinstimmen. Ganz Palästina, fuhr er fort, wartet gespannt auf die Resultate der Arbeit der Untersuchungskommission. Die Araber werden solange nicht zur Ruhe kommen, als die Balfour-Deklaration existiert. Sie entsenden eine Delegation nach der anderen nach London, um dort die Unterstützung der Freunde des Arabertums, insbesondere die von Lord Rothermere, zu wirken. Me Anwälte der Jewtsh Agency Jerusalem.11. Oktober. (J.T.A.) ViscountEr 1 eig 11, K. C., Sohn Lord Readlngs und Schwiegersohn Lord Melchetts, und Sir Boyd Merriman, der unter der früheren britischen Regierung als Solicitar-General fungierte, sind in Jerusalem eingetroffen. Die beiden hervorragenden englischen Anwälte werden die Jewish Agency vor der britischen Untersuchungskommission vertreten. Die Regierung hat angeordnet, daß Araber, 1 Juden und die Regierung durch je drei Personen vor I der Kommission vertreten sein sollen. Drei jüdische Dirigenten Die Intensität des jüdischen Menschen zur Kunst Bachs ist evident. Selten aber geschieht es, daß jüdische Interpreten sich zu einem einwandfreien, reinen, objektiven Bach-Stil durcharbeiten können. Unter diesen wenigen ist Michael Taube einer, dem’s gelingt. In seinem ersten Kammerkonzert führte er drei Werke aus der Sphäre Bachs und ein Konzert von Mozart auf. Letzteres hob sich durch das Klavierspiel von Egon Petri und Karoi Szreter als besonderes Kabinettstück heraus. Am schönsten klang das von Josef Wolfsthal wunderbar Interpretierte Konzert von vivaidi. Taube hat sich durch seine sachliche, Ware und großzügige Einstellung zu alter und neuer Musik zu einer der sympathischsten Erscheinungen des Berliner Musiklebens gemacht. In seinen sechs Kammerkonzerten, die er für diese Saison ankündigt, werden viele interessante Uraufführungen (u. a. von Kathaus, Sternberg, Toch, Grosz, Koda ly) und eine große Anzahl namhafter jüdischer Interpreten zu hören sein. Aus ganz anderen Quellen bezieht Dr. Heinz Un ge r die Anregung zur Entfaltung seiner Produktivität. Er fühlt sich — als echter Jude —- zu den großen romantischen Problematikern und Hymnikern, zu den zerklüfteten, mystischen Grüblern der Musik hingezogen: zu Bruckner und Mahler. Dabei ist es keineswegs nur diese lyrisch-religiöse Sphäre in ihnen, die ihm am Herzen liegt: gerade die Aufführung der dritten Bruckner-Sinfonie (in seinem ersten diesjährigen Konzert) zeigte, mit welchem zusammenreißenden dynamischen Schwung er solche päpstliche Pracht zu gestalten mächtig ist. Der südlichste und dabei steilste unter den drei jungen jüdischen Dirigenten, die sich (nicht nur in Berlin) in den letzten Jahren einen Namen gemacht haben, ist Jascha H 0 r e n s t e i n. Es ist interessant, seine Auffassung von Bruckner etwa mit der von Heinz Unger zu vergleichen. Kürzlich erschien ein wunderschönes Plattemverk von ihm: Die siebente Bruckner-Sinfonie (״Grammophon“). Man sollte Bruckner-Sinfonien oft mit der Partitur i!1 der Hand hören, um immer wieder Ueberraschungen und Wunder zu erleben. (Am bequemsten ist die bekannte kleine Eulenbergsche Partitur-Ausgabe, in der sämtliche Bruckner-Sinfonien erschienen sind.) ־s* Horenstein holt wieder anderes aus Bruckner heraus: das Geistige, die Einzelgefühle — ohne die große Linie zu vernachlässigen und hier seltsamerweise auch ohne gewisse Eigenwilligkeiten, die uns sonst an seiner Interpretation lieb sind und uns vertraute Schöpfungen oftmals in einem ganz neuen Licht — man könnte fast sagen: wie durch ״Blitzlicht“ erscheinen lassen. Alice Jacob-Loewenson. Jüdischer Almanacb auf das Jahr 5690, vom Keren Kajemeth Lejisrae! in Prag herausgegeben, redigiert von Dr. Friedrich Tnieberger und Dr. Felix Weltsch. Außer einem sorgfaltig durchgearbeiteten Kalendarium umfaßt dieser seit einigen Jahren erscheinende Almanach in diesem Jahre in fünf Teilen nachstehende Themen und Gebiete: In Memoriam Theodor Herzl; Erez-Israel; Vom jüdischen Prag; Indische Menschen: Jüdische Welt. Im Abschnitt ״In memoriam TheodorHerzl“ sind die zwei Aufsätze ״Theodor Herzls Heimkehr ins Judentum“ und ״Die Tat Theodor Herzls“ von Felix Weltsch neu. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Artikel von Felix Weltsch, den ich für den besten Beitrag im vorliegenden Almanach halte. Im Abschnitt Erez-Israel gibt Robert Weltsch, wie alljährlich, in seinem Aufsatz ״Der Zionismus im Jahre 5689“ einen ausgezeichneten Ueberblick über die zionistischen Geschehnisse im abgelaufenen Jahre. Hugo Herrmann stellt das Problem der Klagemauer sachlich und gründlich dar. Gerda Ariosor o f t schreibt über die Haifa-Bay und Josef F r i e d f e 1 d stellt an Hand eines reichen Materials den Siedlungsgedanken in den letzten Jahrzehnten dar. Ein belletristischer Beitrag von Martha Hof mann ״Begegnung in Nablus“ beschließt diesen Teil des Almanachs. Der Abschnitt ״Vom jüdischen Prag“ intcressiert wohl in erster Linie Prager Lokalpatrioten. Von allgcmeinerem Interesse ist der Artikel von Ernst Morgenstern ״Zur Geschichte der Juden von Prag“. In den nächsten zwei Abschnitten sind Aenßerungen Einsteins, Hans Kohns Artikel über A. D. Oordon, Hugo Bergmanns Vergleich ״A. D. Gordon und Gustav Landauer“, Max B r o d s ״Eine jüdische Episode in Lord Byrons Leben“, sowie Viktor Keilners Aufsatz ״Jüdische Lebenswirklichkeit“ lesenswert. Der Wiederabdruck der weltbekannten Skizze Fürst de Liste-Adam ״Qualen der Hoffnung“ macht denAlmanach nur noch wertvoller. Alles ln •allem: von den erscheinenden Jahrbüchern ist dieser in Prag zustandegekommene jüdische Almanach der beste. Er sollte auch außerhalb der Tschechoslowakei Leser finde«, a. a,

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