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Jüdische Rundschau · 1929-10-11 · Heft 80-81 (11.10.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 80-81 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 538 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80/81, II. X. 1929 KommissionsbericM erst im Frflh|ahr? Neuerliche Stellungnahme von ״Near East“. Die gut informierte englische kolanialpolitische Wochenschrill ״The N e n r East and India“ Äußert sich auch weiterhin allwöchentlich ausführlich zu den Palästina-Fragen. Mit Bezug auf die neueste Wendung in der britischen Irak- Politik bemerkt das Blatt, dies werde auch bei den Arabern von Palästina die Hoffnungen auf Sclbstverwal• t u n g stärken, denn ihre Behauptung, daß sie auf einer höheren Kulturstufe stehen als die Araber des Irak, sei nicht zu bestreiten. Von ihrem Standpunkt sei es also eine Ironie, daß gerade zu einer Zeit, wo die Regierung die Frage der Selbst- Verwaltung für Palästina neuerlich prüfte, durch die Klagemaucraffärc Unruhen entstanden sind, welche ganz klarerweise jeden Gedanken auf größeren arabischen Einfluß in der Verwaltung des Landes weit aus dem Bereich der Aktualität entfernten. Zugleich aber, so schreibt das Blatt weiter, werde jetzt noch deutlicher als zuvor der \\ iderspruch sichthar zwischen der Balfour-Deklaration und der Bestimmung, daß hei Mandaten der Kategorie A die Selbstverwaltung nur eine Frage von Jahren sei. Daher müsse in irgendeiner Weise, da die Regierung ihr Festhallen an der Deklaration unzweideutig betont hat, politisch oder administrativ, das Prob 1 e in der arabischjüdischen Kooperation und gegenseitigen Duldung gelöst werden. Ein dauerndes Halten von Truppen in Palästina würde in England beträchtliche Gegnerschaft hervorrufen, da man dort Fragen der Orientpolitik nur unter dem Gesichtspunkt der Kosten beurteilt. Was man einem Teil des arabischen Volkes gewährt, kann inan einem anderen Teil nicht leicht versagen, ohne daß sehr attraktive Kompensationen geboten werden. In ihrer nächsten Ausgabe bespricht die, Zeitschrift nochmals die Möglichkeit einer Lösung. Sie betrachtet als Schlüssel der ganzen Situation das Klagemauerproblem ifnd schlägt vor, zu dessen Lösung sofort eine Spezialkommission zu ernennen. Bezüglich der Untersuchungskommission, die bekanntlich nicht über politische Fragen urteilen soll, bemerkt die Zeitschrift, daß dennoch Fragen der höheren Politik, insofern sie unmittelbare Ursache der Unruhen sind, nicht absolut ausgeschlossen sein können aus dem Fragenkomplex, den die Kommission zu behandein hat. Nach Ansicht des ״Neacr East“ wird die Kommission zwei Monate im Lande sitzen und ihr Bericht dürfte daher erst im Frühjahr zu erwarten sein. — Was immer der Ursprung der Unruhen gewesen sein mag, so schließt das Blatt, es ist klar, daß man sie dazu ausgenfltzt hat, um alte Forderungen zu erneuern oder neue aufzustellen. Wir in England mögen es als selbstverständlich betrachten, daß weder die Forderung der Araber nach Selbstverwaltung noch die Forderung der Juden nach einem Hinausgehen über das Churchill-Memorandum von 1922 bewilligt werden wird. Aber die Kommission dürfte umfangreiches Material dafür finden, daß in Palästina diese unsere Ansicht noch nicht weitgehend geteilt wird. Die Lösung, zu der die englische Regierung entschlossen scheint, ist nicht eine Aenderung der Politik, aber vielleicht wird sie e i n e Aenderung der Verwaltungsmethode mit sich bringen. Versammlungen ln London Colonel Wedgwood antwortet dem Bischof von Jerusalem In London fand, wie wir in einem Berichte der ״Times“ entnehmen, dieser Tage eine Versammlung der anglikanischen Mission für den Mähen Osten unter dem Vorsitz des Bischofs von London statt, in welcher der anglikanische Canonikus Dan־ by aus Jerusalem und der Bischof von Jerusalem Mac laues über Palästina referierte. Danby wandte sich gegen die Meinung, der er in London oft begegnet sei, daß nur der ״Abschäum“ der Juden aus Osteuropa nach Palästina gehe. In Wahrheit seien diese Juden, unter denen er viele Freunde habe, ein bewundernswertes idealistisches Element, das die großen Entbehrungen des Aufbauwerkes auf sich nehme, um wieder ein normales Leben mit eigener Kultur führen zu können. Ganz jm Gegensatz zu diesen mit den Juden sympathisierenden Ausführungen Danbys stand die Rede des Bischofs Maclnnes, der erklärte, die Schuld an den Unruhen liege auf beiden Seiten, denn es liege auf der einen Seite ununterbrochene Provokation vor, auf der anderen Seite unentschuldbare Gewalttätigkeit. Auf diese Rede des Bischofs von Jerusalem antwortete Col. Wedgwood, das bekannte Unterhaus-Mitglied der Arbeiterpartei, in einer Versammlung am 7. Oktober, über die gleichfalls in der ״Times“ berichtet wird. Was der Bischof gesagt habe, so führte Wedgwood aus, entspräche offenbar die Linie, die die Verwaltung Palästinas in der Untersuchung einzunehmen gedenkt. Nicht sie selbst, sondern Juden oder Araber seien schuldig. In Wahrheit sei diese englische Auffassung, daß die neuen Juden anmaßend und aggressiv seien, mitverantwortlich für den arabischen Aufstand, weil die arabischen Führer annehmen mußten, ein gewalttätiger Protest gegen die Balfour-Deklaration werde nicht ganz ohne britische Sympathien sein. Die Untersuchungskommission dürfe daher ihre Arbeit nicht auf Juden und Araber beschränken, sondern vor allem sitze die Verwaltung auf der Anklagebank. Das Colonial Office sei für diese Verwaltung verantwortlich, und daher sei es sehr zu bedauern, daß der Vorsitzende und der Sekretär der Kommission eng mit dein Colonial Office verbunden sei. Der Aufstand habe die Frage der ehrlichen Durchführung der Balfour-Deklaration auf die Tagesordnung gebracht. Dazu gehöre Anteilnahme der Juden an der Verteidigung, Förderung der Immigration und Siedlang, Steuerreform, Europäisierung der Gesetze und der Verwaltung; das seien die Hauptziele. Die Klagemauer könne man sich selbst überlassen. ln einer Rede in Nottingham am 4. Oktober, in welcher er zur Politik der Arbeiterregierung Stellung nahm, erklärte Lloyd George, für die Vorgänge in Palästina wolle er weniger die Arbeiterregierung, als deren Vorgänger kritisieren. Er bedauere jedoch, daß die Regierung nicht eine stärk e re Kommission ernannt habe, denn es handle sich um eine große internationale Frage. ln einer Rede in Ottawa (Kanada) erklärte A m e ry, es sei nie Englands Absicht gewesen, Palästina nur zur Heimstätte für die Juden zu machen, und die Balfour-Deklaration verpflichte Großbritannien, den beiden Hauptvölkern Palästinas gleiche Möglichkeiten zu geben._ Jüdische Sympathien für Duii Polizeiinspektor Duff, der bekanntlich die Polizeiaktion an der Klagemauer am vorigen Jom Kippur führte, und in der Folge heftig von jüdischer Seite als Antisemit angegriffen wurde, soll sich, wie die Zeitungen berichten, während der letzten Unruhen bei der Abwehr arabischer Attacken auf jüdische Siedlungen außerordentlich ausgezeichnet haben. Infolgedessen habe, wie weiter berichtet wird, die Stimmung der Juden völlig zu seinen Gunsten umgeschiagen. Zum Zeichen der nunmehr gewonnenen Sympathien ist auch die von jüdischer Seite gegen Duff angestrengte Klage wegen angeblicher Verletzung eines jüdischen Studenten gelegentlich des Festes beim Grabe Schimon Hazaddiks zurückgezogen worden. Keren Hajessod-Kundgebung ln Breslau Aus Breslau wird uns berichtet; Am 28. September fand in Breslau eine Versammlung der Keren Hajessod-Zeichen statt, die von Herrn Wilhelm Kober eröffnet wurde. Herr Rechtsanwalt Jacobsohn wurde zum Leiter des Abends gewählt. Er begrüßte den Referenten des Abends, Herrn Dr. Bernhard Kahn, Direktor des Joint Distribution Committee für Europa und Mitglied des Deutschen Teiles der nichtzionislisehen Hälfte im Council der Jewish Agency. ln einem sachlich aufs klarste gegliederten und inhaltlich vertieften Referat begann Dr. Kahn mit einem Rückblick auf seine kurz vor den erschütternden Ereignissen unternommene Reise in Erez-lsrael. Sie habe ihm, dem Kenner der jüdischen Massen der ganzen Welt, aufs neue bewiesen, welch einzigartige Wandlung des jüdischen Menschen Palästina bewirke. In diese nach der Krise doppelt erfreuliche Entwicklung von Land und Menschen fallen die plötzlich ausbrechenden Unruhen. Die Gründe für diese Unruhen sind: Unzulänglichkeit der englischen Verwaltung, ungelöste Frage der Kfagemauer-Angelegenheit, politische Beeinflussung der nrimitiven arabischen Kreise durch religiöse Momente, Vemachlässigung einer Araberpolitik von seiten der Juden. Die Lehren aus den Ereignissen müssen sein: Politische Sicherungen durch die Mandatsregierung und Maßnahmen seitens der Juden, die zu einem gedeihlichen Zusammenleben mit den Arabern in Wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht führen. In diesem Zusammenhang erörtert Dr. Kahn Wesen und Geschichte des Mandats. Er wendet sich dann zu den durch die Vorgänge in ihren Ueber- Zeugungen schwankend Gewordenen. Ihnen gibt er u. a. zu bedenken, daß Palästina immer noch einer größeren Anzahl von Menschen Aufnahme biete, als das durch Einwanderungs- Beschränkungen verschlossene Amerika, wenn sogar nur 23 «;0 der von Dr. Weizmann erwarteten 20000 Einwanderer jährlich ins Land kämen. Wir müssen, wir werden nicht nachlassen, diese einmalige Chance, die uns die Geschichte bietet, zur Geschichte zu machen. Dies ist der Wunsch des gesamten Judentums. In der Gründungsversamtnlung der Jewish Agency waren alle Riehtungen und Typen des Judentums vertreten, und ausschlaggebend für die Kraft der Sache sei nicht ein totes Stück Papier, sondern das Herz des Volkes. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Referat und nach den Dankesworten des Vorsitzenden an den Referenten fand eine kurze Debatte statt. Die Anregung des Herrn R.-A. Wolff, eine ständige Breslauer Arbeitsgemeinschaft für die Jewish Agency zu begründen, fand einstimmig Annahme. Zum Vorsitzenden der Breslauer Arbeitsgemeinschaft für die Jewish' Agencv wurde Rechtsanwalt Dr. Alfred Wolff und zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Rechtsanwalt Max Jacobsohn gewählt. Trauer um Slresemann Das ״Deutsche Komitee Pro Palästina“ hat an Frau Reichsminister Stresemann folgendes Kondolenztelegramm gesandt: ״Das Präsidium des Deutschen Komitees Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung gestattet sich, Ihnen und Ihren Angehörigen seine wärmste Anteilnahme auszusprechen. Das Deutsche Komitee Pro Palästina bestrebt ein Werk zu fördern, das dem Fortschritt der Kultur und der Versöhnung der Völker dienen soll, betrauert in dem dahingegangenen großen Sohn des deutschen Vaterlandes zugleich den mutigen Vorkämpfer für Recht und Gerechtigkeit und für den wahren Frieden zwischen den Nationen. Graf Bern stör ff.“ Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat folgendes Telegramm an Frau Stresemann gesandt: ״Die Zionistische Vereinigung für Deutschland nimmt tiefen Anteil an dem schweren Verlust, den Sie erlitten haben. Seit Jahren sind unsere Bestrebungen, eine Nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu errichten, vom Auswärtigen Amt gefördert worden. Der Gedanke der friedlichen Verständigung unter den Völkern, für den Ihr Herr Gemahl mit Mut und Idealismus kraftvoll eintrat, trägt auch unsere Bewegung. Wir empfinden heute, daß nicht nur das Deutsche Reich, sondern alle um Recht und Gerechtigkeit kämpfenden Völker und Menschengruppen einen schweren und unersetzlichen Verlust zu beklagen haben. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Blumenfeld.“ Die Jüdische Gemeinde Berlin hat aus Anlaß des Ablebens des Reichsministers des Auswärtigen Dr. Stresemann ein Kondolenzschreiben an die Reichsregierung gerichtet. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat an die Reichsregierung in Berlin ein Telegramm gerichtet. Kleine Nachrichten Zwei jüdische Polizisten in Jerusalem wurden aus dem Dienst entlassen, weil sie sich weigerten, in ausschließlich von Arabern bewohnten Stadtvierteln nur mit Stöcken bewaffnet den Patrouillendienst zu versehen. Das Kommando des transiordanischen Grenzschutz-Corps beabsichtigt, in nächster Zeit die Pferde des Corps zwecks Erreichung eines höheren Wirkungsgrades der Streitkräfte durch Automobile zu ersetzen. Zunächst sollen 50 jüdische Ch auff eure aus Jerusalem als Militärchauffeure im Corps eingestellt werden. (Ziko) Der Waad L e 14 m i hat an den High Commissbner ein Dankschreiben gesandt, An dem der Dank der jüdischen Bevölkerung für die Bemühungen des High Comrnissbners zur Wiederherstellung der Ordnung und der öffentlichen Sicherheit im Lande ausgesprochen wird. Der Waad Leumi hofft, daß die Flüchtlinge in kurzem in ihre Heimatorte zurückkehren und sich der Wiederaufbauarbeit widmen können. Dr. Arthur Ru pp in und Van V riesland von der Zionistischen Exekutive, der Präsident des Waad Leumi Dr. David Y e H i n und der Vizepräsident Dr. J. Thon sowie der Rechtsbeistand des amerikanischen Zweiges der Jewish Agency, Jonah G o 1 d s t e i n, sind in Jerusalem eingetroffen. Im Hafen von Jaffa ist am 2. Oktober ein Dampfer eingetroffen, der 300 jüdische Einwanderer, unter ihnen 120 Chaluzim, nach Palästina gebracht hat. Sir Thomas H a y c r a f t, der nach den arabischen Angriffen von 1921 vom damaligen Oberkommissar Sir Herbert Samuel zum Oberhaupt der Untersuchungskommission (״Haycraft-Commission“) zur Feststellung der Ursachen der arabischen Angriffe ernannt worden war, und der dann Ws 1927 das Amt eines Oberrichters in Palästina bekleidete, wurde von der arabischen Exekutive ersucht, die Vertretung der Araber vor der britischen parlamentarischen Untersuchungskommission als der arabische Anwalt zu übernehmen. Oberrabbiner K u k hat jüdischen Chauffeuren, die von der Militärverwaltung für Dienste im Interesse der Sicherheit des Landes angeworben worden sind, erlaubt, auch an den hohen Feiertagen den für die Landessicherheit unbedingt notwendigen Dienst zu tun, vorausgesetzt, daß sie am Jom Kippur fasten und beten. Oscar Cohn 60 Jahre alt Am 15, Oktober wird Dr. Oscar Cohn, 60 Jahre all. Es würde dem jugendfrischen Jubilar sehr gegen den Strich gehen, wollten wir aus diesem Anlaß seine Bedeutung als Mensch, Politiker und als Jude in schwungvollen Worten feiern. Der Name Oscar Cohn ist nicht nur im jüdischen Leben Deutschlands, sondern in der ganzen Weltjudenheil ein Programm. Auf allen Gebieten, auf denen er sich in seinem arbeitsreichen Leben betätigt hat, gab er sein Bestes, seine reiche Persönlichkeit, her. Oscar Cohn ist ein Prototyp des modernen Juden. Hundertprozentig jüdisch und hundertprozentig Kämpfer für wahren allmenschlichen fortschritt. Sein jüdisches und allgemein menschliches Wirken fließt restlos harmonisch zusammen. Sein Charakter und seine Persönlichkeit sichern ihm bei Freunden und Gegnern größte Verehrung und aufrichtige Zuneigung. Oscar Cohns jüdische Haupttätigkeit — und nur von dieser kann hier die Rede sein — liegt auf dem Gebiete der großen konstruktiven Hilfsaktionen für die jüdischen Massen, ln den wichtigsten Zentralkomitees kommt seine große organisatorische Begabung zum Ausdruck. Im Dienste dieser Hilfsaktionen hat Oscar Cohn gründliche Untersuchungen über die soziale Lage der Juden angestellt, als deren Frucht seine umfassende Kenntnis der einschlägigen Fragen anzusehen ist. Unvergessen wird Cohns Wirksamkeit für die Ostjuden in Deutschland bleiben, gerade iii den Jahren, als antisemitischer und leider auch jüdischer Unverstand diese gehetzten Menschen zum Sündenbock für alles Unglück machen wollte. In der Berliner Jüdischen Gemeinde ist Oscar Cohn der einzige Vertreter der Poale Zion. Als solcher nimmt er besonderes Interesse an allen Fragen der Arbeiterfürsorge und an den sozialen Maßnahmen der Gemeindeverwaltung. Es bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß Oscar Cohn mit vollem Herzen bei der Sache der jüdischen Wiedergeburt in Palästina steht. Anläßlich seines 60. Geburtstages bringen wir diesem edlen Menschen, mutigen Kämpfer und stolzen Juden unsere herzlichsten Glückwünsche dar. Zionistische Lehrerversammlimg Die Fraktion der Volkspartei im Schulvorstand der Jüdisehen Gemeinde lud dieser Tage die zionistischen Pädagogen Berlins zu einer Besprechung im Beth Am Iwri ein. Der Einladung folgten viele Erzieher, Lehrer und an der jüdischen Erziehung Interessierte, denen man die Freude anmerkte, endlieh die Möglichkeit zu haben, im Kreise Gleichgesinnter gemeinsame Probleme besprechen zu können. Namens der Fraktion begrüßte Herr Arthur Nathan in hebräischer Sprache die zahlreichen Gäste und sprach sein Bedauern darüber aus, daß noch nicht die Zeit gekommen ist, in einer Versammlung jüdischer Lehrer die Verhandlungen in hebräischer Sprache führen zu können. Er gab einen kurzen Bericht über das Schulwerk der Jüdischen Gemeinde, die mehrere hundert Lehrer an Profan- und Religionsschulen besoldet, und deren Ausgaben für das Schulwesen 11/2 Millionen jährlich betragen. Die Zahl der Lehrer unserer Gesinnung ist leidet gering und deshalb müssen wir bestrebt sein, durch Qualität zu ersetzen, was uns an Zahl abgeht. Die Volkspartei stelle große Forderungen an die jüdische Lehrerschaft, die berufen ist, im kulturellen Leben der Gemeinde eine große Rolle zu spielen. Die Schulen sollen jüdische Kulturzentren werden. Er rollt die Probleme der jüdischen Erziehung auf, die es versucht, in den Profanschulen das Judentum den Kindern beizubringen und dabei auf mannigfache Schwierigkeiten stößt. Die jüdisch-nationale Schule sei ohne Tradition, es fehlen neue Lehr- und Lesebücher und auch das Programm müßte entsprechend den pädagogischen Bestrebungen der Neuzeit festgelegt werden. Es sei nötig, alle Kräfte auf dem Gebiete der jüdischen Erziehung einheitlich zusammenzufassen und eine festgefügte Organisation der jüdischen Lehrer zu schaffen, um aller dieser Schwierigkeiten Herr zu werden. Der jüdische Geist in der Schule sei das Entscheidende. Der Vorsitzende überbrachte des weiteren die Grüße des Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde, Herrn Direktor K a r e s k i, der leider an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, und erinnerte an sein Wort in einer der letzten Repräsentantenversammlungen, daß für wichtige Schulaufgaben immer Geld vorhanden sein werde. Hierauf begrüßte Herr Nathan herzlich den Vorsitzenden des Schulvorstandes, Herrn Dr. M. K 011 e n s c h e r, der in eingehenden Ausführungen die Schulpolitik der Gemeinde beleuchtete. Er sieht seine vornehmste Aufgabe darin, die jüdischen Kinder und die jüdische Jugend dein Judentum zu erhalten. Nach den beiden Referaten entspann sich eine lebhafte Diskussion, an der sich folgende Herren beteiligten: Lehrer Stiebei, Rabb. Dr. Nobel, Dr. Emil Levy, Studien rat Hammerstein, Dr. Arthur Levy, Dr. Wilhelm Lewy, Ober- Iehrerin Frau Nathan, Leiterin der Schule in der Fasanen- Straße, Dr. M. Soloweitschik, Dr. M. Spitzer, Leiter der Schule der Jugend, N. Berggrün, Leiter der hebräischen Lehranstalt, Lehrer Rosenthal, Studienrat Dr. Leschnitzer, Dr. A. Rosenfeld. Die Debatte, in der alle angeschnittenen Probleme grundsätzlicher und praktischer Natur ausführlich behandelt wurden, ergab viele wertvolle Anregungen und Vorschlage. Es wurde eine Kommission von Vertretern jüdischer Schulen und pädagogischer Anstalten gebildet, deren Aufgabe es sein soll, aie erforderlichen Vorbereitungen zur Zusammenfassung der zionistischen Lehrerschaft zu treffen und die Vor- Schläge betreffs deren Ausbildung und die der Beschaffung passender Lehrbücher zu bearbeiten. Die Teilnehmer verließen mit innerer Befriedigung die Versammlung in dem Wunsche, daß Versammlungen solcher Art gemäß dem Versprechen des Vorsitzenden in seinem Schlußwort öfter einberufen werden mögen. Dr. A. R. Justin Godard und Professor Balla in Palästina Jerusalem, 2. Oktober. (J.T. A.) Senator Justin God a r d, früheres Mitglied der französischen Regierung, Begründer und Präsidant des Pro Palästina-Komitees in Frankreich, der gegenwärtig in Palästina weilt, erklärte in einem Gespräch mit dem Sonderkorrespondenten der J. T. A., Pierre van Paassen, er habe den Eindruck gewonnen, daß gewisse Führer der Moslems den religiösen Fanatismus der arabischen Bauernschaff durch schändliche Unwahrhaftigkeit und Verzerrungen aufgepeitscht und die arabischen Bauern zum Angriff auf die jüdischen Kolonien aufgehetzt haben. Dazu kam noch das Moment der Habgier. Und als die Effendis den Bauern versicherten, daß die Regierung die Niedermetzcfung von Juden und die Plünderung von jüdischem Hab und Gut billigt, waren alle Hemmungen überwunden. — Der gleichen Ansicht gab auch Professor Balla, das Oberhaupt aer Theologischen Fakultät an der Leipziger Universität, Ausdruck. Den Juden erwächst die Pflicht, sagte Prof. Balla, den Arabern weiterhin Wohftaten zu erweisen und ich bin sicher — schfoß Prof. Balla — daß sich die Juden dieser Pflicht bewußt sind und daß sie auf die bewaffneten Angriffe mit geistigen Waffen antworten werden. %,

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