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Jüdische Rundschau · 1929-10-11 · Heft 80-81 (11.10.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 80-81 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 536 Nr. 80y&1,11. X. 1029 Im Zeichen der Aufruhr -׳ Prozesse Gespannte Atmosphäre. — Die bisherigen Urteile. — Wirtschaftilche Schwierigkeiten. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG., Jerusalem, 1. Oktober 1929. Heute früh war in Tel-Awiw lin Zentrum der Stadt betrlchtliehe Unruhe «1 spüren. Menschenansammlungen auf den Straßen, ein fieberhaftes Warten auf Nachrichten, Gerüchte der verschiedensten Art. Man berichtete über die Stürmung des Gefängnisses in Jaffa. Die Abkommandierung der im Gymnasium konzentrierten Truppen nach Jaffa erhöhte das Gefühl des Unbehagens. 111 Jaffa stellte sich bald heraus, daß die Gerüchte falsch waren. Ein paar Araber waren miteinander in Streit geraten, es hatte einen Auflauf gegeben, ein paar Läden begannen zu schließen und die Behörden hatten daraufhin die Bereitschaft der Truppen verstärkt. Das war alles. Solche Erregungen, die sich sofort ausbreiten, sind halte eine fast tägliche Erscheinung. Die Stimmung ist äußerst gespannt, die Nervosität will nicht abnehmen. In diesen Tagen wurde sie noch vermehrt, weil die Araber für morgen einen Streik und Ladenschluß in allen Städten angesagt haben, um ihrem Protest gegen die Massenverhaftungen und die ersten Urteile Ausdruck zu verleihen. In Jaffa spürte man die Vorbereitungen für den Streik bereits heute sehr deutlieh, und die nach Jerusalem führende Straße zeigte eine ungewöhnlich starke Bewegung von Arabern in der Richtung nach Jaffa zu. Die Chaussee nach Jerusalem war freilich auch heute völlig sicher; in der Hauptstadt selbst jedoch ist auch eine besonders starke Spannung zu spüren. In einem der entlegenen Viertel von Jerusalem ist heute in einem Hause nachts ein Jude sterbend atifgcfunden worden. Man ist in der Stadt stark geneigt, dieses Unglück als einen neuen Mord anzusehen, die Polizei scheint, gestützt auf das bis jetzt gesammelte Material, die Sache als einen Unglücksfall anzusehen. Wie die Sache in Wirklichkeit auch liegen mag, die allgemeine Spannung ist dadurch verstärkt, die Nervosität gesteigert worden. Auch in Jerusalem wird über die Ankunft zahlreicher Araber aus der Umgegend berichtet, vermutlich auch im Zusammenhang mit der geplanten Protestkundgebung. Der Streik ist jedoch nach Nachrichten, die direkt aus dem Oberkommissariat kommen, abgesagt worden. In jedem Falle sind die nächsten Wochen, wo man die ersten schweren Prozesse erwartet, wo die jüdischen Feiertage einer nach dem anderen folgen und die Ankunft der Untersuchungskommission bevorsteht, eine Zeit, wo sich der Zündstoff, der im Lande angehäuft wird, nicht verringern, wenn nicht gar vermehren wird. Die Regierung wird sehr vorsichtig sein müssen, um weiteres Unheil zu verhüten, die Zionistische Exekutive alle Hände voll zu tun haben, um den an sie gestellten Forderungen gerecht zu werden und der Jischuw alle Kaltblütigkeit aufbieten müssen, um die Atmosphäre etwas zu entladen. * Neben der Frage der öffentlichen Sicherheit haben in der letzten Zeit vor allem die Prozesse über ״®i # Ürfrttb e n; die öffentliche Meinung im Lande beschäftlgf. Eft größer Teil der kleineren Fälle ist erledigt, und einige der großen Prozesse sind bereits über das Stadium der Untersuchung hinaus. Eines der schwersten Urteile bis jetzt hat das Dorf Tireh bei Haifa betroffen, das sich zu einem Angriff auf die Stadt vorbereitete. Seine Bewegungen wurden von Flugzeugen beobachtet, das Militär verhinderte den Vormarsch und die Teilnehmer wurden sofort der Justiz überliefert. Das Urteil lautete für 30 Leute auf je fünf Jahre Zuchthaus. Der Fall von Tireh ist bis jetzt einer von den wenigen, wo die ausgeführten oder versuchten Raub- Überfälle von den Gerichten als Ganzes behandelt wurden. Im allgemeinen hat man es mit Teilfällen zu tun. Es werden irgendwo Leute verhaftet, die dann — je nach dem Stand der Untersuchungen — einzeln vor den Richter kommen und je nach den Beweisen, die vorliegen oder dem geraubten Gut, das bei ihnen gefunden wurde, abgeurteilt werden. Es werden auf diese Weise oft Plünderungen oder Ueberfälle in eine Reihe kleinerer oder größerer Vergehen und Verbrechen aufgelöst, so daß sich dadurch das Bild der Prozesse beträchtlich wandelt. Da die Untersuchungen und die Vor- Bereitung der Prozesse hauptsächlich in den Händen der Polizei liegt, kann man sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, daß sie hier und da dieser Aufteilung großer Fälle in viele kleine Vorschub leistet. Im allgemeinen jedoch haben sich die Befürchtung en, die wir gegenüber dem Ausgang der Prozesse gehegt haben, nicht bestätigt. Die für die Unruhen eingesetzten Sondergerichtshöfe leisten ihre Arbeit ohne politische Voreingenommenheit und die Gcrechtigkeit nimmt in den meisten Fällen ihren Lauf. Von besonderem Interesse sind die Fälle, wo Juden wegen Waffentragens vor Gericht kamen. Die komplizierte juristische Situation, die dadurch entstanden War, daß die Juddn gezwungen waren, sich zu verteidigen, ohne ausdrücklich dazu legalisiert zu sein, ließ große persönliche und politische Schwierigkeiten im Zusammenhang mit diesen Prozessen befürchten. Es zeigte sich jedoch bald, daß die Richter in vielen Fällen die außerordentliche Situation berücksichtigtcn und in Ihren Urteilendem entscheidenden Unterschied Rechnung trugen, der zwischen Angriff und Verteidlgung besteht. Eine Reihe von Fällen, wo Juden wegen Waffentragens vor Gericht kamen, wurde mit relativ geringen Geldstrafen erledigt. Und es war interessant und wichtig, daß in mehreren Prozessen in Haifa der Richter sein Verdikt ausdrücklich mit dem Motiv begründete, daß die Situation eine Verteidigung verlangte und erlaubte. Es sind jedoch auch Fälle zu verzeichnen, wo dieses entscheidende Moment außer acht gelassen wurde. So sind in Rechowoth zwei Jemeniten, bei denen ein Gewehr gefunden wurde, und zwar in den kritischen Tagen, als der Ueberfall auf Castinie und der auf Artuf stattfand und fraglos die Verteidigung frort lebenswichtiger Bedeutung war, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Im allgemeinen scheinen sich jedoch die Richter der spezifischen Situation bewußt zu sein. Neben den großen Prozessen von Mozah, Hebron und S a f e d sind die Untersuchungen über die Fälle im Gange, die unter die ״Kollektivstrafen“ fallen, also solche, wo es sich um das Vergehen ganzer Dörfer oder Orte und nicht um dk Ausschreitungen Einzelner handelt. Gerade diese Fälle sind von besonderer Bedeutung. Es ist seit JUEDISCHE RUNDSCHAU alters her eines der gefurchtesten lind sicherste!! 'Mitte! im Lande, die Dörfer als Ganzes für dns Verhalten ihrer Bewohner zur Verantwortung zu ziehen. Die schweren Geldstrafen zur Beispiel, die nach den Unruhen von 1021 über verschiedene Ortschaften verhängt wurden, haben eine Überwältlgende abschreckende Wirkung gehabt, so daß sich diese Dörfer dieses Mal an den Unruhen kaum beteiligt haben. Bl Ist anzunehmen, daß auch diese« Mal einige Orte unter dieser Verordnung abgeurtrilt werden und verschiedenen Nachrichten zufolge ist die Regierung mit der Vorbereitung dieser Fälle beschäftigt * Mit diesen Kollektivprozesäen stehen die K e p a r a t i o * nen für die geschädigten Kolonien und lndividuen in einem gewissen Zusammenhang, da eine der Quellen, aus denen die Regierung die Entschädigungen bezahlt, die über die schuldigen Orte verhängten Strafgelder sind. Zurzeit Ist eine von der Regierung ernannte Kommission damit beschäftigt, die entstandenen Schäden abzuschätzen und zu prüfen, und die nationalen Instanzen ihrerseits bereiten alles notwendige Material vor. Daneben gehen die Vor• bereitungen für den Wiederaufbau der zerstörten Stadtteile und Kolonien. Bevor jedoch die Wiederaufbauarbeiten nach einem klaren System und entsprechend den vorbereiteten Plänen in Angriff genommen werden können, müssen eine ganze Reihe von Fragen geregelt werden, die mit den Massen der Flüchtlinge Zusammenhängen, die auch heute noch in den Städten zusammengedrängt sind. Ihre Zahl hat zwar bereits beträchtlich abgenommen, jedoch gibt es noch immer viele Hunderte, die sich nicht sicher genug fühlen, um in ihre früheren Wohnungen zurückzukehren. Das gilt vor allem für die Flüchtlinge aus der altert Stadt und den entlegenen Vierteln ln Jerusalem und für die Leute in Tcl-Awhv, die aus Jaffa herübergekommen sind und sich scheuen, dahin zurückzukehren. Das Problem ist äußerst dringend, weil die Regierung es ablehnt, die Nahrungsmittciftirsorge auf längere Zeit hinaus zu übernehmen, und täglich darauf drängt, die Flücht- Iingszentren möglichst rasch zu leeren. Dazu nähert sich der Winter, der eine Unterbringung in entsprechenden Wohnungen verlangt und der Beginn der Schulzeit, wo die Schulen, die bisher den Flüchtlingen zur Verfügung «fanden, für den Unterrieht geräumt werden müssen. Es ist klar, daß das Flüchtlingsproblem aufs engste mit dem der öffentlichen Sicherheit zusammenhängt. Es ist jedoch anzunehmen, daß auch die stärkste militärische Besetzung bei der gegenwärtigen Stimmung, der gespannten Atmosphäre und der Erregung der Gemüter solche einzelnen Morde, wie wir sie in der letzten Zeit gehabt haben, nicht verhindern kann. Worauf es ankäme, wäre nicht die militärfsche Ueberwachung zu verschärfen, sondern die Atmo- Sphäre zu reinigen, die Gemüter zu beruhigen, dadurch die Spannung zu verringern und damit auch eine ״geistige Normalisierung“ herbeizuführen. Wie das aber — gerade jetzt und in kurzer Zeit — zu machen ist, darüber ist sich wohl Weder die Regierung noch sonst jemand Im klaren. Jedes Urteil In einem Prozeß, jede Bestrafung ruft neue Erregung hervor, und wenn die Strafen auch abschreckend und dadurch indirekt ״beruhigend“ wirken, so tragen sie andererseits fraglos dazu bei, die geistige und seelische Unruhe zu verstärken. Ui1d Wie 1 gesagt, wird־, diese sieh in den nächsten Wochen vifeltelcht noch־ SteigeÄlh •VärfhtrtMdh wird eine Entspannung nur sehr allmählich eintreten, Wenn sich die gegenseitigen Beziehungen gebessert haben und man wieder sicheren Boden unter den Füßen fühlt. Und erst dann wird man von einer zivilen Sicherheit reden können in demselben Maße wie man heute von einer militärischen spricht. * Erst jetzt, wo jeder sich bemüht, seine Arbeit wieder in das alte Gleis zu bringen, werden die schweren wirtschaftiichen Störungen spürbar, die die Unruhen unmittelbar und mittelbar dem Lande gebracht haben. Zuerst kamen nur die direkten Verluste an Leben und Eigentum zum Bewußtsein, ausgeraubte und zerstörte Häuser, verbranntes Getreide, unbrauchbar gemachte Wohnungen. Jetzt spürt man die gefährliche Stockung des Wirtschaftsiebens als Ganzes, die sich zwar nicht in einer wirtschaftiichen Panik bemerkbar macht, die auch nirgends zur Schließung von Betrieben und Unternehmungen geführt hat, die jedoch ihre Spuren auf vielen Wirtschaftsgebieten hinterläßt. So haben vor allem die riesige Anzahl der Flücht-!Inge ihren Lebensunterhalt eingebüßt und müssen ungeheure Schwierigkeiten Überwinden, bis sie wieder normal arbeiten können. Und jeder Tag, der für diese Anknüpfung der alten Beziehungen verloren geht, bedeutet einen neuen Schaden. Außerdem hat der gegenseitige Boykott schweren wirtschaftlichen Schaden sowohl unter den Arabern wie unter den Juden angerichtet, und es wird erhebliche Zeit dauern, bis die entstandenen Verluste wieder ausgeglichen sind. Auch heute noch sind zum Beispiel in Tel-Awiw die geschäftlichen Beziehungen mit den Arabern noch sehr schwach, in Jerusalem jst die Lage ähnlich. Tel-Awiw entbehrt bis heute noch Gemüse und Spürt Mangel an verschiedenen anderen Lebensmitteln. Unterdessen werden von beiden Seiten, von Juden ebenso wie von Arabern, Anstrengungen gemacht, um völlig über den Boykott hlnwegzukommen, der im Abflauen begriffen ist. De Handelskammern und die Kaufleute sind dabei, zu einem Einverständnis zu kommen, die Exekutive hat bei den Verhandlungen Hilfe geleistet, und auch die Regierung hat sich bemüht, ein Kompromiß zustande zu bringen. Es ist zu erwarten, daß alle diese Anstrengungen in nächster Zeit Früchte tragen werden. * Ueber die politischen Aussichten ist heute hier von Palästina aus wenig zu sagen. Juden, Araber und Administration sind vollauf beschäftigt mit den Fragen des Tages, wie öffentliche Sicherheit, Prozesse, Ordnung des Wirtschäfts- Iebens, Vorbereitung des Materials für die Unter$uchungskommission. Darüber hinaus, das heißt im Hinblick auf die großen Linien der Politik, die nach der Untersuchungskommission einzuschlagen ist, verlautet wenig oder nichts. Man wartet mit Spannung auf jedes Wort von London oder Genf und hört auch von dort wenig genug. Es gibt auch in der hebräischen Presse kaum eine Diskussion der Politik, soweit sie über die Vorbereitung der enquiry Commission hinausgeht. Es ist das vielleicht verständlich, wenn man bedenkt, daß diese ״Tagesfragen“ so mannigfattig und kompliziert sind, daß sie uns vollauf beschäftigen. Aber in einer Atempause fragt man ddl gelegentlich doch, ob nicht gerade die Au»• arbeltung eine# politischen Planes für die Zeit nach dem Abschluß .der Untersuchung von größter Bedeutung ist und ob auf diesem deblete bereits heute die nötigen VorbereiUmgen getroffen werden. Hier in Palästina ist der politische Horizont in dieser Beziehung heute Jedenfalls noch völlig verschieiert. Die PaWstina- Debatte an( der Laboar» Konferenz London, 4. Oktober. (J.T. A.) Nachdem der Vorsitzende der Exekutive der britischen Arbeiterpartei, Herr Morrison, schon in der Eröffnungssitzung der Jahreskonferenz der Arbeiterpartei in Brighton den Standpunkt der Arbeiter- Partei zur Frage Palästinas dargelegt und versichert hatte, daß die britische Arbeiterpartei fest zur Balfour-Deklaratlon steht, die Idee des Jüdischen Nationalheima rückhaltlos bejaht und das Aufbauwerk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina aktiv unterstützen will, hielt der Minister des Auswärtigen, Henclerson, in der gestrigen Sitzung der Konferenz — wie schon kurz mltgetält — eine Ansprache, in der er die auswärtige Politik der Arbeiterregierung darlegte und in bezug auf Palästina folgendes ausführte: ״Ich bin glücklich, erklären zu können, daß die letzten Berichte dahin lauten, daß die Ordnung in Palästina vollkommen wiederhergestellt ist. Von den zivilen Autoritäten wurden euergische Schritte unternommen und werden weiter unternommen werden, um die schuldigen Personen, ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens, dem Gericht zuzuführen. Es wurde eine Kommission ernannt, deren Aufgabe es ist, die unmittelbaren Ursachen, die zu den letzten Unruhen geführt haben, zu erforschen und Empfehlungen zu geben Über die Schritte, die unternommen werden müssen, um eine Wiederholung soleher Ereignisse zu vermeiden. Ich will unterstreichen, daß diese Untersuchung sich auf Fragen der höheren Politik nicht erstrecken wird. Die britische Regierung beabsichtigt keineswegs, die britische Stellung hinsichtlich des Mandats für Palästina — wie dies angeregt worden ist — einer neuen Erwägung zu unterziehen. Es kann keine Rede davon sein, daß die Position hinsichtlich des Mandates und hinsichtlich der durch die Baitour- Deklaration von 1017 vorgezeichneten Politik der Förderung der Errichtung Palästinas als Nationalheim für die luden geändert werden soll. Diese Politik setzte und setzt immer noch die Bedingung voraus, daß die zivilen und religlösen Rechte aller Einwohner ohne Unterschied der Rasse und der Religion jederzeit in angemessener Weise geschützt werden." Der Vertreter der Poaie Zion, Do v H 0 s (Sekretär des Londoner politischen Büros des Weltverbandes Pöale Zion), ergriff auf der Konferenz ebenfalls das Wort und beglückwünschte Herrn Henderson zu seinen ermutigenden Ausführungen über Palästina. Er wies auf die Erklärung des Premiermlmsters in Genf hin, daß der Konflikt in Palästina nicht in rassischen oder religiösen Feindschaften begründet sei. Herr Dov Hos umriß in längeren Ausführungen die Regenerationsbewegung des jüdischen Volkes, die die Unterstützung der gesamten zivilisierten Welt, insbesondere der britischen und der internationalen Arbeiterbewegung gefunden hatte, und legte besonderen Nachdruck auf das Prinzip der Nationalisierung des Bodens, das durch den Jüdischen Nationalfonds verwirklicht wird. Er wies auf den hohen Standard der Gewerkschafts- Organisation, sowie auf die ausgedehnte kooperative Tätigkeit der jüdischen Arbeiterpartei in Palästina hin. De arabischen Feudalen und die Geistlichkeit, fuhr er fort, hatten zuerst im Jahre 1921 versucht, die ungebildeten Massen der Araber aufzuwiegeln, indem sie die Mai-Demonstration der Arbeiter zum Vorwand dieser Hetze nahm. Als dies fehlschlug, versuchten sie, die Arabermassen mit dem Märchen, zu schrecken, dlli die Juden sie ihres Bodens berauben und afm machen wollten. Dieses Märchen wurde nicht geglaubt, da allen bekannt war, daß der Lohn des ungelernten arabischen Arbeiters in Palästina höher sei als in den benachbarten Ländern. Ais alle diese Legenden versagten, griffen die Effendis und die Geistlichkeit zu ihrer letzten Waffe und stachelten den religiösen Fanatismus der arabischen Massen durch die Verbreitung der Legende auf, daß die Juden sich der Omar-Moschee und anderer moslemischer heiliger Stätten bemächtigen wollen. Im Namen der Religion also veranstalteten sie das Blutvergießen und das Zerstörungswerk. Ich hoffe, schloß Dov Hos, daß es der Untersuchungskommission gelingen wird, die für das Blutvergießen Verantwortliehen festzustellen, ich möchte nur die Aufmerksamkeit der Konferenz, auf die Tatsache lenken, daß meine Kollegen hier und auch meine Kameraden In Palästina des Glaubens sind, daß ein erheblicher Teil der Verantwortung für die Ereignisse a u f die Palästina-Administration fällt. Ich hoffe, daß die Kommission auch diese Seite des Problems einer sorgfältigen Untersuchung unterziehen wird. Ich hoffe auch, daß die uns seitens der britischen Arbeiterbewegung zuteil gewordene Unterstützung, wie sie in einer ganzen Reine seitens der Arbeiterpartei angenommenen Resolutionen zum Ausdruck gekommen ist, fortdauern und sich noch erweitern wird. Der Boykott Jerusalem, 2. Oktober. (J.T. A.) Die arabische Exckutive Palästinas hatte in ihrer letzten Sitzung über einen Antrag durch eine offizielle Erklärung den arabischen Boykott gegen Handel und Industrie der Juden zu fördern, zu beraten, infolge scharfer Differenzen zwischen den moslemisehen und den christlichen Mitgliedern der Exekutive ist es zu einem Beschlüsse nicht gekommen, Einige Mos- Icms behaupteten, der Boykott komme nur den arabischen Ladeninhabern in den Städten, die in der Mehrzahl Christen sind, zugute, während die arabischen Landbewohner, die in der großen Mehrheit Moslems sind, unter dem Boykott schwer zu leiden haben, indem die luden Vergeltung üben und arabische Landprodukte nicht kaufen. Das Organ der arabischen Exekutive rFelestin“ teilt mit, der Bürgermeister von Jerusalem Nashaslnbi hatte sich dahin - arabische Persönlichkeit sympathisiere er mit dem Boykott. — Im Jerusalemer Bazar wurden heute vier Araber, die arabische Käufer vor jüdischen LIden einzuschüchtern versuchten, verhaftet. Seitens der Behörden wird erklärt, daß gegen Boykott- Propaganda eigentlich kein Gesetz besteht, daß man aber entschlossen sei, gegen Einschüchterungsversuche vor jüdischen Läden strengstens vorzugehen. Seitens aller verantwortlichen jüdischen Stellen wird darauf hingearbeitet, daß Juden den arabischen Boykott nicht mit einem Boykott ihrerseits beantworten und auch keine direkten Aktionen gegen den arabischen Boykott unternehmen. , - Eine Abordnung arabischer Kaufleutein Jaffa besuchte den Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengof f. und gab ihm gegenüber ihrem Schmerze Ausdruck, daß die kommerzielle Lage des Landes durch unverantwortliche Boykotthetze bedroht ist. Dieselben arabischen Kreise hatten Herrn Dizengof! vor seiner letzten Europa-Reise an Bord des Schiffes besucht und ihn gebeten, Kapitalskreise in Europa und Amerika für Palästina zu interessieren. —- Jüdische Büros erhalten in Massen arabische Angebote über Verkauf von Boden,

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