Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 520 JUEDlSCHE RUNDSCHAU Nr. 78/79, 4.X. 192& Ein halbes Jahr Befh Am Iwrl Der im Februar 1929 gegründete Beth Am Iwri hat trotz der kurzen Zeit seines Bestehens, die dazu noch größtenteils in die Sommermonate fällt, bewiesen, daß er wirklich eine Lücke im Leben der national eingestellten Kreise innerhalb der Berliner Judenheit ausfüllt. Der Beth Am ist in gleicher Weise Klub und Volkshaus. Fast zu jeder Tageszeit, insbesondere aber in den Abendstunden, sind dort Besucher anzutreffen, teilweise Ortsansässige, teilweise Durchreisende (überwiegend Palästinenser), die hier Gesinnungsgenossen treffen, die hebräische Presse lesen, verschiedene Zirkel abhalten, Kurse besuchen, aber auch eine Art hebräischer Stammtische bilden. Es herrscht immer reges gesellschaftliches Leben, das auch periphere Eiemente, insbesondere aus der Jugendbewegung, heranzieht, die nicht eigentlich zum hebräischen Publikum gehören, jedoch gerne hier verkehren. Die Bedeutung eines solchen Zentrums sowohl für die Popularisierung des Hebräischen als für die nationaljüdische und zionistische Bewegung ist kaum zu überschätzen. In der Oeffentlichkeit tritt der Beth Am durch seine Veranstaltungen auf, die in interessierten Kreisen wegen des hohen Niveaus anerkannt und daher meistens gut besucht sind. In dem halben Jahre fanden Diskussionsabende über Bejahung und Verneinung des Galuth, über die Palästinenser in der Diaspora, über die hebräische Bewegung in Polen, über den Hebraismus und Jiddischismus, über Kongreßfragen und über die hebräische Erziehung statt, in denen u. a. Dr. Klatzkin, Dr. Rawidowitsch, Dr. Soloweitschik, Dr. Pines, Baruch Krupnik, Z. Woislawski, G. Chanoch, J. Lestschinski, mehrfach teilnahmen und von Gästen J. Grünbaum, Dr. Rosenbaum aus Lodz, Herr Beigel u. a. aus Palästina Berichte erstatteten. Ferner referierte Dr. W. von Weisl über die Zeppelinfahrt im Orient, Dr. Sukienik über die Ausgrabungen in Palästina und Dr. Torczyner über seine amenkanischen Eindrücke. Der größten Beteiligung erfreute sich ein Purim-Abend, über den wir seinerzeit ausführlich berichteten. Damit ist das Programm des Beth Am noch lange nicht erschöpft. Vielmehr geht er daran, im Winter seine Tätigkeit nach mehreren Richtungen hin zu entfalten. Neben den Diskussionsabenden sind auch hebräische Konzerte, Schauspiele und ähnliche Veranstaltungen geplant, sowie ein eigener Chor. Die bestehenden hebräischen Kurse, die der hebräischen Lehranstalt der Gemeinde angegliedert sind, sollen weiter ausgebaut werden. Daneben werden demnächst eine Reihe von Vortragszyklen über wissenschaftliche und gesellschaftliche Themen veranstaltet, die als Arbeitsgemeinschaften und Seminare gedacht sind und deren genauer Plan bereits bald veröffentlicht werden wird. Die vielverzweigte Tätigkeit, die der Leitung des Beth Am obliegt, ist unter die Mitglieder des Vorstandes und des Rates verteilt. Dem engeren Vorstand gehören die Herren J. Gutmann, Hammerstein, B. Krupnik, Ä. Nathan, B. Perlmann, Dr. Rawidowitsch, Dr. Soloweitschik, Dr. S. Weinberg und Z. Woislawski; dem Rate gehören N. Berggrün, Frau Grüngard, Dr. Salli Hirsch, N. Lewin, Dr. Pines und Dr. Torczyner an. Als erste größere Veranstaltung im neuen jüdischen Jahre findet demnächst eine große Kundgebung des in Berlin weilenden Dichters Chajirn N. Biaiik statt. Manfred Starmann Ich möchte hier das Wort ergreifen, um für einen jungen, jüdischen Dichter zu werben: für Manfred Stuonann. Er verdient es in seltenem Maße, daß seine soeben erschienenen beiden Bücher nicht nur Beachtung finden, sondern wirklich mit geöffneten Herzen gelesen werden. In dem Novellenbuch ״Der Gaukler und das Liebespaar“ liegt das Außerordentliche keineswegs in der HincuUftg der Erzählungen und keinesfalls in den Menschen, die geschildert sind. Nichts ״Aktuelles“ wird von einem geschickten Schriftsteller ״verarbeitet“, kein problematischer Stoff ist es, der uns anzieht. Aber ein Dichter spricht vom Leben, von den Verstrickungen des Schicksals, von einem alten Mann, der resigniert sich den Tod gibt, von Mädchen, deren Lachen klingt, ,,als zerschlüge man junge Waldstämme“, vom Tod eines Hundes. — Ein Dichter spricht vom Leben. Und er spricht mit jener Einfachheit, welche immer Merkmal des Bedeutenden ist. Landschaft — das Meer vor allem — ist groß gemalt in seinem Buch; Menschen leben vor uns, durchleuchtet bis ins Herz und dennoch nicht tötend seziert. Der Gedichtband ״Die Erben“ singt 1n reinem Klang von denen, die ״wund von der Sehnsucht nach Herkunft“ sind und ״bestimmt zu vergehen .... im tötenden Wirbel der Herbste“. — Kein Suchen nach neuer Form ist in diesen Gedichten Manfred Sturmanns. Er hat die ihm eingeborene Form des Gedichts; sie trägt den Stempel Innerer Wahrhaftigkeit. Jedes seiner Worte hat Klang, Gewicht und einen eigentümlichen Wert. Er schreibt nicht rhythmisierte Prosa, sondem es sind wirkliche Gesänge der Sprache. Es steht in diesem Buch der Vers: ״Ich liebe dich, mein Israel, Du Rechte des Ewigen, Du seines Thrones steinerner Grund, Du Falte in der Stirne Gottes.“ Hans Rosenkranz. ״Der Kaufmann von Berlin“ Die Aufführung der politischen Inflationssatire oder, als was sie gelten will, der Satire über die Inflationszeit ״Der Kaufmann von Berlin“ hat tn cfer Oeffentlichkeit eine über Gebühr große Aufmerksamkeit gefunden. Das ist auf zwei Momente zurückzuführen: auf die Sensation, die sich an Piscator knüpft und auf den Umstand, daß zur Charakteristik der Inflationszeit von dem Autor Walter Mehring mehr jüdische Typen auf die Bühne gebracht werden, als es die tatsächliche Rolle der Juden in der Inflatioj^nötig erscheinen ließe. Schließlich sind weder der kaftantragende Herr Kaftan, noch der Geldgeber Cohn, noch der Schlemiehl Silberstein und schon gar nicht die Grenadierstraße mit ihrem Rabbiner und seinen Anhängern ein besonderes Charakteristikum der Inflationszeit gewesen. Viel mehr waren es der Reichsbankdirektor Havenstein und der selige Hugo Stinnes, die das Spiel mitsamt der durchaus arischen Schwerindustrie besser durchschaut haben als Herr Kaftan und der Rabbi in der Grenadierstraße. Es ist hier nicht der Ort, auf all die Szenen und Typen einzugehen, die in Mehrings satirischer Revue auf Piscators laufendem Band vorüberztehen. Man wird den Verdacht nicht los, daß Piscator und Mehring sich von der Kreuzung radikalpolitische Satire und Judenstück einen Kassenerfolg versprochen haben. Sie sind in ihren Erwartungen enttäuscht. Uns bleibt nur übrig, auf die zwei jüdischen Schauspieler hinzuweisen, die in diesem Stücke als Verkörperer von ostjüdischen Typen beschäftigt sind: Baratoff als Kaftan und B a l a g u r als Rabbi (Balagur spielt übrigens auch die Rolle eines Schneiders, der aus dem kaftan tragenden Kaftan einen ״Europäer“ machen will). Baratoff ist uns bereits seit Jahren von seiner Tätigkeit an der jüdischen Volksbühne des Jizchak Deutsch in Wien bekannt Darum war seine schauspielerische Glanzleistung in Berlin nur für die Berliner ein Novum. Uns war sie selbstverständlich; wir hatten nichts anderes erwartet. Der junge Balagur entledigte sich seiner Aufgabe in sympathischer Weise, Diesem jungen Schauspieler fehlt es offenbar an Gelegenheit, sein Kämen za «itfaKca and aoorkasnt zu sehen. Meoahem Ab Zur Erstaufführung des ״Jeremiah“ in Tel-Awiw. Weit mehr als ein Jahr ist es her, daß die ״Ohel“-Gruppe mit der Aufführung von ״Jakob und Rahel“ das palästinensisehe Publikum aufhorchen ließ. Ob man dafür war oder dagegen, hier wurde eia neuer Weg gegangen. Der Beginn war femacht worden, tim ein hebräisches, ein bodenständiges heater zu schaffen. Leider trat Ohel dann in den Hintergrund, um der vielgepriesenen ״Habintah“ Platz zu machen. Nachdem diese Gruppe in drei Erstaufführungen gezeigt hatte, daß sie dem Lande vorläufig nicht das zu sagen habe, was man erwartet hatte, war für die Aufführung des ״Jeremiah“ von Stefan Zweig die richtige Atmosphäre geschaffen. Es ist sicherlich eines der schwersten Probleme unserer Kulturarbeit, wie wir unsere Feste, unsere nationalen Gedenktage begehen sollen, wie wir diese Feste neu beleben und fortbilden können, ohne ihren Kern und Sinn, ohne die Tradition zu zerstören. ״Ha Ohel“ hat diesen Versuch ״Menahem Ab“ 1929, in den Tagen des Gedenkens der Zerstörung Jerusalcms, unternommen und wir dürfen sagen, daß er gelungen ist. Und damit hat ״Ho Ohel“ etwas erreicht, was bisher nach nicht gelungen ist: das Theater in das Werk der nationai-kulturellen Renaissance einzuordnen. Die Richtung, die mit der Aufführung von ״Jakob und Rahe!“ eingeschlagem wurde, führte konsequent zu ״Jeremiah“. Nicht nur, daß diese beiden Stücke mit ״Sabbatai Zewi“ und einem Stück aus dem Chaluzleben (das noch nicht geschrieben wurde), eine innere Einheit bilden sollen. Konsequent auch in der Frage der dramatischen Darstellung. Vor der Aufführung von ״Jakob und Rahel“ weilte die Truppe wochenlang in der Wüste bei den Beduinen, um dort die Lebens- und Ausdrucksformen zu lernen, die unseren Vätern in Kanaan wohl eigen waren. Im ״Jcremiah“ finden wir diese Formen wieder, doch höher entwickelt. Liegt doch einige Zeit zwischen Jakob und Zedekiah. Früchte dieses Aufenthaltes bei den Beduinen scheinen auch der Schwertertanz im ersten Akt und die fakirähnliehe Gestaltung des ״Regierungs“-Propheten Chanania zu sein. Was ein schöpferischer Regisseur vollbringen kann, hat diese Aufführung gezeigt, in der Farbenkomposition und Bühnenkunst, Sprache und Musik sich zu einem künstlerischen Erlebnis von größter Eindringlichkeit vereinigten. Zweigs ״Jeremias“ hatte zwar als Grundlage gedient. Die hebräische, sich an die Bibel haltende, Uebersetzung und Umarbeitung Avigdor Hameiris ließ die Dichtung zu viel gewaltigerer Wirkung kommen, als das Original. Eingeleitet durch die Festesszene vor dem Tempel, abgeschlossen durch das Bild ״Galirth“ in dem Rahels Klage um ihre Kinder ertönt, in dem Jeremiah seinen in das Joch geschmiedeten, geketteten Briidem die Heimkehr weissagt, wird die Aufführung gesteigert zu einem nationalen Erlebnis von erschütternder Aktualität, das Volk und Geschichte in erneuter Einheit verbindet. Haievi und den Seinen gebührt Dank und Anerkennung für ihre Leistung als eine nationale Tat im besten Sinne. Kurt Grünwaid. Rom, 23. September. (J. T. A.) Das Theater Habimah absolviert gegenwärtig eine erfolgreich verlaufende Tournee durch die großen Städte Italiens. Die Truppe spielte bis jetzt in Rom und Neapel ihre bekannten Repertoir-Stücke ״Dybuk“ von Ansky, ״Golem“ von Leiwik, sowie einiges aus ihrem neuen Repertoire. Die italienische Presse, voran die zwei meistgelesenen Zeitungen ״Corriere dela Sera“ und ״Giornale d’ltalia“ bringen große Aufsätze mit Illustrationen über das Schaffen der ,,Habimah״, Die italienische Kltik b«־ zeichnet die Darstellung der Habimah als originelle Spitzenleistungen der Schauspiel-Kunst. Die Habimah wird bis Ende Oktober in Italien verbleiben und auch noch in Florenz, Mailand, Turin, Leghora usw. Vorstellungen geben. Die Malerei la der Synagoge Die starke Belebung, die die jüdische Geschichtsforschung in den letzten Jahren erfahren hat, ist in besonderem Maße auch dem Studium der jüdischen Kunsttätigkeit zugute gekommen. Nicht zuletzt durch das Wirken der ״Gesellschaft zur Erforschung jüdischer ICunstdenkmäler“ in Frankfurt a. M., die seit Jahren um die Sammlung und Sichtung des Materials erfolgreich bemüht ist. Ais Ergebnis solcher Tätigkeit gibt sie soeben eine kleine Arbeit heraus: Erich Toepfitz, Die Malerei in den Synagogen (Frankfurt a. M. 1929, mit acht Abbildungen). Der Verfasser behandelt hauptsächlich die Malereien in den drei fränkischen Synagogen von Bechhofen, Herb und Kirchheim, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Elieser,Sussmann, dem Sohn eines Kantors aus Brod, geschaffen wurden. Er sucht diese Arbeiten mit ähnliehen in der Synagoge zu Jablonow am Pruth in Verbindung zu bringen, u. E. ment ganz überzeugend, denn die Ornamentik von Jablonow gehört ganz offenbar einem anderen Kulturkreis an als die der fränkischen Synagogen. Auch um diese stilistisch zu erklären, dürfen wir uns nicht mit der Feststellung begnügen, daß einzelne Motive ״an spätgotische, einige Blüten sogar an noch ältere Zeiten erinnern“. Und ebenso ist ״der Versuch, eine Synthese von historisch Gewordenem mit den Forderungen des Tages zu finden“, eine Idee unserer historischen Zeit, dem braven Dorfhandwerker des 18. Jahrhunderts aber gewiß fremd gewesen. Wollen wir die Arbeit Meister Sussmanns kunsthistorisch einordnen, so müssen wir doch wohl den Blick aut seine nähere Umgebung richten, aber auch hier nicht, wie Toeplitz meint, auf die Ornamentstecher, sondern auf die süddeutsche Volkskunst. Von hier aus erst wäre es dann möglich testzustellen, ob und wie weit über das Gegenständliche hinaus etwas eigenartig Jüdisches in diesen Arbeiten vorliegt. in dieser Riehtung ist hier wie überhaupt in der jüdischen Kunstforschung noch viel zu tun und wir müssen dem Verfasser dankbar sein, daß er uns wertvolles Material für solche Untersuchungen zugänglich gemacht hat. _ Dr. K. Frey er. Ehrengericht Bialik-Brainin. In den nächsten Tagen wird in Berlin ein öff entliches Ehrengericht in einer Angelegenheit Chajim Nachman Bialik - Reuben Brainin tagen. Brainin hatte anläßlich seines Besuches in Sowjetruß-!and Berichte geschrieben, auf Grund welcher gegen ihn in Palästina Vorwürfe erhoben wurden, er sei seiner zionistischen Vergangenheit untreu geworden. Gegen diesen ehrenrührigen Vorwurf lehnte sich Brainin auf, und da sich gegenwärtig sowohl Bialik als auch Brainin in Berlin befinden, wird diese Ehrenangeiegenheit zur Austragung gebracht werden. Uns liegt bereits die zweite Nummer der englischen Ausgäbe der Jaffaer arabischen Zeitung ״Falastin“ vor. Diese Zeitung wird von dem arabischen Blatt herausgegeben, um die Europäer, vor allem die Korrespondenten und englischen Beamten im Sinne der arabischen Propaganda zu beeinflussen. Der Inhalt ist entsprechend gefärbt. — Auch die hebräische Tageszeitung ״Da wa r“ hat vorige Woche mit der Herausgabe einer Wochenbeilage in englischer Sprache begonnen. Eine ״Erkiarnng deutscher Jaden“ Zwei Tage vor Rosch Haschanah und 12 Tage vor Jom Kippur, dem Versöhnungsfest, veröffentlicht die religiöse ״Vereinigung für das liberale Judentum“ unter dem Titel ״Erkliirung deutscher Juden“ in den großen Tageszeitungen eine Annonce, an der nur das Format bemerkenswert ist. Wir haben diese Erklärung bereits in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ wiedergegeben, so daß wir heute nur festzustellen brauchen, daß die Unterzeichner der Erklärung, die eigentlich nichts besagt, sich aus den seit jeher bekannten Mitgliedern der ״Vereinigung für das liberale Judentum“ und aus ״Nationaldeutschen“ der Gruppe Naumann zusammensetzen. Ferner fällt auf, daß die meisten Unterzeichner nicht nur der älteren, sondern der ältesten lebenden Generation angehören. Schließlich sei auf das Fehlen von Unterschriften geistiger Führer des deutschen Judentums hingewiesen. Es ist nicht e i n prominenter Rabbiner, nicht e 1 n führender Wissenschattier und nicht ein bedeutender Schriftsteller unter den Unterzeichnern. Es sei denn, daß man den Haß-Sänger Ernst Lissauer, der jetzt sein Domizil in Wien hat, wegen des seinerzeit von Wilhelm II. erhaltenen Roten Adlerordens 4. Klasse zu den prominenten jüdischen Schriftstellern deutscher Zunge rechnen will. Wenn man dann noch diese Unterschriften mit denen vergleicht, die unter dem Aufruf der J ewish Agency stehen, wird man mit Recht fragen dürfen, welche Namen repräsentative r für das deutsche Judentum sind, die sich zu Palästina bekannt haben oder die der Protestanten. Alles in allem ein Schlag ins Wasser. Wir werden auf diese Erklärung, die in der ganzen Welt einzig dasteht und das deutsehe Judentum beispiellos bloßstellt, noch zurückkommen. M. W. Neuwahlen ln das tschechoslowakische Parlament Die Teilnahme der Juden. (Von unserem Korrespondenten.) hl. Prag, 1. Oktober 1929. Die in diesen Tagen erfolgte vorzeitige Auflösung des tschechoslowakischen Parlamentes und die Ausschreibung der Neuwahlen für den 27. d. M. stellten abermals die Juden, vornehmiieh jedoch die Zionistische Organisation, die seit jeher auch in Fragen der Landespolitik die Führung innehatte, vor die schwierige Frage, ob nach den Erfahrungen der letzten Jahre überhaupt an eine eigene jüdischeKandidatur gedacht werden könne. Die Lage und Aussichten einer jüdisehen Landespolitik in der Tschechoslowakei wurden bereits in Nr. 15, 1929j der ״Jüdischen Rundschau“ eingehend erörtert. Die Situation ist kurz die, daß stets noch bisher durch das Verhalten der Agudas Jisroel in der Slowakei und Karpathorußland die jüdische Einheitsfront zerstört wurde und die unter zionistischer Führung stehende ״Jüdische Partei“ trotz ihrer 100000 Stimmen leer bei den Wanlen ausging. Aus diesein Verhalten der Trennungsorthodoxie haben nun die jüdischnationalen Politiker die richtigen Konsequenzen gezogen, den Plan einer jüdischen Einheitsliste aufgegeben und sich nach einem verläßlicheren Wahlpartner — una nur mit Hilfe eines solchen ist es infolge der gegen das Aufkommen kleinerer Parteien gerichteten Bestimmungen des tschechoslowakischen Wahlgesetzes überhaupt möglich in das Parlament seine Vertreter zu entsenden — umgesehen. Dieser wurde in der polnischen Minorität gefunden und nach laugen Vernandlungen mit dieser ein W a h 1 p a k t geschlossen. Als GeneralproBe für diesen Pakt dienten die im Dezember des vorigen Jahres stattgefundenen Wahlen in die mährisch-schlesische Landesvertretung, bei weichen zum ersten Maie Juden und Polen auf einer gemeinsamen Liste kandidierten. Die Beibehaltung dieses Paktes für die künftigen Parlamentswählen wurde jedoch davon abhängig gemacht, ob es gelingcn würde, auch die polnischen Sozialdemokraten in Um einzubeziehen. Dieser Punkt wurde nun diese Woche erfüllt, die polnischen Sozialisten werden gemeinsam mit den bürgerliehen polnischen Parteien und den Juden in den Wahlkampf treten. Unter den so geänderten umständen hat auch die P o a 1 e Zion ihre bisherige gegnerische Haltung aufgegeben und ist dem Wahlabkommen beigetreten. Die Aussichten, wirklich endlich in das Parlament zu gelangen, haben sich unter diesen Umständen für die Juden merklich Tschechoslowakei überhaupt möglich ist. Emir Abdulla gegen Zionismus In einem Interview für den ״Daily Chronic! e“ erklärt Emir Abdulla von Transjordanien, aaß er ein entschiedener Gegner der zionistischen Bestrebungen sei. Die Verwirklichung der zionistischen Idee hält er für vollständig ausgeschlossen, ln Palästina wird nur so lange Frieden herrschen, solange sich die britischen Truppen im Lande befinden. Emir Abdulla beklagt sich ferner, daß die den Arabern von Engländern gemachten Zusagen nicht eingehalten wurden. Masa Kazim Pascha reist nach London Jerusalem, 30. September. (J.T. A.) Die arabische Exekutive beschloß, eine Abordnung nach London zu entsenden. Der Präsident der Exekutive, Musa Kazim Pascha, und Ashibli Dschemal treten die Reise sofort an,.zwei andere arabische Führer begeben sich nach Eintreffen der Untersuchungskommission nach London. Br. M. Hellmann in Kowno Im Auftrag der Zionistischen Exekutive in London und des Direktoriums des Keren Hajessod macht zur Zeit Dr. M. H elf mann, Leiter des Keren Hajessod in Palästina, eine Tour über Litauen, Lettland, Estland, Finnland und Dänemark. Am 24. September traf Dr. M. Helfmann in Kowno ein und hielt am selben Tag eine Sitzung mit den Vertretern aller zionistischen Zentralen und des Komitees der Jewish Agency ab. Am nächsten Tage hatte Dr. Helfmann eine Presse-Konferenz, in der alle dortigen Zeitungen in der litauischen, jüdischen, russisehen und polnischen Sprache vertreten waren, die nachher viele Artikel über die Lage in Palästina veröffentlichten. Spezielle Sitzungen des Zentralkomitees des Keren Hajessod und aller Persönlichkeiten, die sich in der Hilfsaktion für Palästina beteiligen, wurden mit Beteiligung des D. M. Helfmann abgehalten. Am letzten Tage fand in Kowno eine öffentliche Versammlung statt, die außergewöhnlichen Erfolg hatte. Hunderte von Juden konnten wegen Ueberfüliung nicht in den Saal. — Dank dem Besuche von Dr. M. Helfmann und seinem Auftreten ist die Stimmung hier eine gehobene und stärkte sich der Wille zur Arbeit für Palästina. Dr. Helfmann ist von hier nach Riga ab* gereist.