Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 524 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78/70, 4. X. 1028 3. Als Grund des Angriffes ist von den Arabern (Mohatnmedanern und Christen) immer wieder die Balfour-Deklaration und die Erlangung einer Selbstverwaltung angegeben worden. Die Klagemauer-Vorfälle haben die Araber nur als einen Anlaß und als Beispiel jüdischer Aggression hingestellt. Im übrigen: haben nicht jene Juden, die am Schabbat rauchen und doch über die Klagemauer Zeter und Mordio schreien, ebenfalls religiöse Propaganda für politische Zwecke mißbraucht? 4. Die Aktion war allerdings nicht gut vorbereitet, ist zusammengebrochen und hat sich zuletzt (wie H. M. richtig sagt) ״in eine Fülle von Einzelaktionen von Räubern, Mördern und Plünderern aufgelöst“. Der Grund für ersteres war folgender: es mangelte der Aktion an ausführenden Offizieren. Die Verständigung erfolgte zum Teil in primitivster Weise durch Bergfeuer. Es ist jetzt bekannt, daß an verschiedenen Stellen die Leitung in der Hand von arabischen ehemaligen türkischen Offizieren lag, an anderen in der Hand von älteren arabischen Scouts. Es gab jedoch nicht genug derartiger Personen. Als die Aktion dann zusammenbrach, war es natürlich, daß sie sich in Plündereien auflöste. Plündern gehört zu jedem Kriege. 5. Das ganze Problem ist ein eminent politisches. Vielmehr das politische Problem des Zionismus unserer Tage. Die einzige Konsequenz, und eben weil die Araber sich als geschlagen fühlen müssen, ist die Einleitung von direkten Friedensverhandlungcn seitens der Vertretung der Jewish Agency — mit den Arabern. * Nun kommt die Schwierigkeit, über die so viele stolpern. Mit wem ist zu verhandeln? Auch H. M. sagt (und dies ist ein ernstzunehmendes Argument, das ich für zuletzt aufgehoben habe): ״... nicht so zu verstehen, als ob es wirklich in Palästina ein arabisches Volk gäbe, daß diese Dinge (politische Probleme) mit Interesse und Verständnis verfolgen würde. Hingegen gibt es zweifellos ein Dutzend Männer unter den Arabern, die das ausgezeichnet tun...“ Dies stimmt vollauf. Aber es besagt nicht, was es besagen will. Uns Europäern sitzt die demokratische Fiktion in Fleisch und Blut, daß die Geschicke eines Volkes nur durch irgendeine gewählte Vertretung geleitet werden könnten. Eine solche Vertretung besitzen die Araber allerdings nicht. Aber man vergißt, daß die soziale Verfassung der Araber noch Im Stadium des Feudalismus steckt Es gibt in Palästina einige wenige arabische Familien (jeder Kennt sie), die die Geschicke des Volkes lenken. Ihren Anordnungen (zugegeben: gestützt auf Lügen, gehüllt in Deck- *mäntel) wurde in einem großen Teil des Landes Folge geleistet imdunterOpfern Folge geleistet. Diese Männer sind daher befugt, im Namen ihrer Anhänger zu verhandeln. Ihre Motive sind gewiß nicht einfach und rein — aber das nationale Motiv ist das e i n i g e n d e. Hier gehen Mohammedaner und Christen, Husseinis und Nashashibis zusammen. Und dam vergesse man doch nicht: wie entstehen denn nationale Bewegungen? Weiß denn d a s V o 1 k je etwas davon, will es denn je etwas davon wissen? Wie wurde Italien feeinigt? Von einem Häuflein Menschen. Wer hat unsere jüische nationale Bewegung gemacht? Ein Häuflein. — So ein Häuflein besitzen auch die palästinensischen Araber und es vergrößert sich immer, wenn da arabischer Student aus England oder Amerika zurückkehrt % Auf die Frage: Welcher Art war der arabische Angriff? ist daher zu erwidere: Es war den» Wesen nach ein nationaler Angriff, dessen Wiederholung ru befürchten ist wenn wir nicht ernstlich an die Lösung der Frage der jüdisch-arabischen Beziehungen schreiten. Jerusalem, 26. September. Markus Reiner. Ein Interview mit Lake Der Chefsekretär der Palästina-Regierung, Luke, der bekanntüch während der Unruhen den abwesenden Oberkommissär vertrat, hat einer Reihe von Zeitungskorrespondenten ein Interview gegeben, das jetzt und auf verschiedenen Umwegen in die europäische Presse eindringt. Manche dieser Meldungen stammen aus Beirut und sind offenkundig tendenziös entstellt ׳Wenn man aber von den Zutaten absieht, so bleibt genug, was ein Licht wirft auf die Haltung, die Luke offenbar einzunehmen gedenkt. Wir geben hier den Text wieder, den der Journalist van Paasen veröffentlicht hat. Luke erklärt, die Regierung habe nach fünf Jahren der Ruhe den Irrtum begangen zu glauben, daß die Araber sich mit der Schaffung des Jüdischen Nationalheims abgefunden haben. Daher waren die Ereignisse für die Regierung eine vollkommene Ueberraschung. Heute sä es klar, daß die Araber ihre ablehnende Haltung nicht im kleinsten Teil auf gegeben haben. Die Berichte über die Gründung der Jewish Agency haben die Araber darüber belehrt, daß sie es jetzt mit der gesamten jüdischen Welt zu tun haben, und sie fürchteten daher, daß von den Juden ihr bestes Land aufgekauft werden wird, so daß sie auf das Gebirgsland beschränkt bleiben würden. Heute ist es bereits ganz klar, sagte Luke weiter, daß die Unruhen sofort in vergrößertem Maßstab wiederholt würden, wenn die Truppen zurückgezogen werden. Und die Regierung fürchtet, daß in einem solchen Fall der moslemische Aufstand nicht auf Palästina beschränkt bliebe, sondern dar ganze Nahe Osten mitgezogen würde. Was die Entwaffnung der Juden betrifft, betonte Herr Luke, daß die Regierung alles tue, um ihre Neutralität in dem Kampf zwischen Juden und Arabern zu wahren. Die Regierung sei jetzt damit beschäftigt, das gesamte Beweismaterial zu sichten. Die jüdische Kultur ist höher als die arabische, aber das Gesetz könne keinen Unterschied machen. Durch ein anderes Verhalten würde die Regierung sich dem Vorwurf der Ungerechtigkeit gegenüber den Arabern aussetzen, was in Widerspruch stünde mit dem Geist der Balfour-Deklaration. Luke stellte mit Entschiedenheit in Abrede, daß die Regierung die jüdischen Bemühungen zum Aufbau des Nationalheims sabotiere. Rückkehr der Flüchtlinge Jerusalem 1. Oktober. (J.T.A.) Die palästinensische Polizei hat alle vorbereitenden Maßnahmen getroffen, um die jüdischen Flüchtlinge in die Lage zu versetzen, in die verlassenen Heime zurückzukehren. Es wird erwartet, daß bis zum Rosch-Hasclianah-Fest alle jüdischen Flüchtlinge mit Ausnähme jener aus Hebron, Moza und Giveath Schaul in ihre Heime zurückgekehrt sein werden. Der Jerusalemer Waad Hair (Jüdische Gemeindeverwaltung) wurde von der Regierung ersucht, den Flüchtlingen mitzuteilen, daß die Beliörden alle Vorkehrungen für ihre Sicherheit getroffen haben und daß sie nunmehr getrost in ihre alten Heime zurückkehren mögen. Protestaktion der Araber Abgesagter Streik — Terror and Boykott — Ruthenberg bei Chancellor Jerusalem, 2. Okt. (J. T. A.) Die arabische Exekutive hatte für den 2. Okt. einen eintägigen Generalstreik proklamiert, als Protestkundgebung der Araber Palästinas gegen die Urteile der Gerichte, die gegen eine große Zahl Araber wegen Teilnahme an Angriffen und Plünderungen Strafen verhängen. Es bestand die Absicht, die Streikparolen in der Forderung gipfeln zu lassen, daß der Chef des Kechtsdepartements der Palästina-Regierung, Norman B e n t w i c h, der Jude ist, sofort entlassen werden soll. Im letzten Moment wurde der Streik jedoch abgesagt. Der arabische Boykott gegen die Juden nimmt allmfihlieh die Form eines unerträglichen Terrors an. Jüdische Angestellte einer Zigarettenfabrik, die einer arabischen Firma gehört, wurden, als sie sich heute morgen zur Arbeit einstellten, durch arabische Posten aufgefordert, sofort ihre Arbeitsstätten freiwillig zu verlassen, da man sich sonst gezwungen sehen werde, sie mit Gewalt zu entfernen. Die Jerusalemer jüdische Bevölkerung mußte heute auf jede Fleischnahrung verzichten, weil die jüdischen Schlächter und Schächter aus Furcht vor arabischen Angriffen, vor denen sie vorher gewarnt worden waren, es nicht wagten, das Schlachthaus zu betreten. Vor einigen Tagen haben arabische Schlächter einen jüdischen Schlächter angegriffen und ihm schwere Verletzungen beigebracht. Nachher erfuhr man, daß das GerQcht von der Ueberfallsabskht arabischer Schlächter auf Ihre jüdischen Kollegen übertrieben war, die Schlachtung von Vieh für den jüdischen Konsum wurde wieder aufgenonunen. Im Zusammenhang mit der arabischen Boykott- und Terrorbewegung besuchte Pinchas Ruthenberg im Namen des Waaa Leumi den Obsrkommissar Sir John Chancellor und ersuchte ihn um Ergreifung geeigneter Maßnahmen. Der Kreiskomtnissar von Jaffa, Major Campbell, empfing den Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizengoff, und den Vizebürgermeister Rokach, die wegen der arabischen Boykott-Propaganda und der mangelnden Sicherheit In den Grenzgebieten von Tel-Awiw intervenierten. Campbell erklärte, mit der fortschreitenden Vermehrung der Gendarmerie wird auch für die Sicherheit von Tel-Awiw In einem erhöhten Maße gesorgt sein. Arabischer Waflenselunaggel Jerusalem 1. Oktober. (J.T.A.) Die Aufmerksamkeit der Regierung wurde auf einen von Arabern betriebenen intensiven Waffenschmuggel gelenkt. Große Schiffsladungen mit Waffenkontrebande treffen täglich in Haifa ein und werden hinter dem Rücken der Behörde in das Land geschmuggelt Es handelt sich meist um Flinten, Revolver und Munition italienischer Provenienz. Der iStadtingenieur von Haifa informierte die Milltärkommandantur über diesen Waffenschmuggel und unterbreitete Ihr Zahlen, aus denen hervorgeht, daß in den letzten wenigen Tagen tausende Flinten und Revolver unter den Arabern verteilt wurden. Es heißt, daß reiche syrisch« Araber diesen Waffen- Schmuggel finanzieren. Die jüdische Bevölkerung forderte die Legalisierung eine! jüdischen Selbstschutztruppe unter einem verantwortlichen Chef. Koüektivhestrafang der Pürier Jerusalem 1. Oktober. (J.T.A.) Die Stadt Haifa ist als Hauptquartier der nördlichen Division der palästinensischen Militärbesatzung ausersehen. Jedes Dorf, dem eine Teilnahme an Angriffen wird nachgewiesen werden können, soll einer kollektiven Bestrafung unterworfen werden, auch wenn ein Teil der Dorfbewohner an den Angriffen nicht teilgenommen haben sollte. Sollten solche Dorfbewohner, obwohl sie sich nichts zu schulden haben kommen lassen, durch Razzien oder Vergeltungsmaßnahmen der Truppen gelitten haben, so haben sie trotzdem nicht das Recht ihrerseits Ent- Schädigungen zu verlangen. Chnrchül and die Araber Jerusalem, 1. Oktober. (J-T.A.) Der durch die JTA. auch in der Jerusalemer Presse verbreitete Artikel Winston Churchills ״Palästina und die Zionisten“, in welchem der konservative Staatsmann dafür eintritt, daß das Mandat und die Balfour-Deklaration restlos und mit Aufgebot aller Mittel, deren England fähig ist, verwirklicht werden, hat in den Kreisen der arabischen Nationalisten Konsternation geweckt. Jemal Husseini, der Wortführer des Groß-Mufti, erklärte Vertretern der Presse heute morgen, er empfinde den Artikel Churchills als einen schweren Schlag gegen die nationalen Aspirationen der palästinensischen Araber. Nichtsdestoweniger hs'.ten die Mitglieder der arabischen Exekutive an dem Plane fest, eine Delegation nach London zu entsenden. Der Boykott-Führer verhallet Jerusalem, 1. Oktober. (J.T.A.) Als die Polizei den Führer der arabischen Boykott-Propaganda, Jawdi AI Hab a b, verhaftete und ihn in das Gerichtsgebäude einlieferte־ versammelte sich eine große Menge Araber vor dem Genchtsgebäude. Einige Araber drangen in das Gebäude ein und versuchten, Habab zu befreien. Da der vor dem Gerichtsgebäude aufgestellte Polizeiposten gegenüber der Menge machtlos war, stieg ein militärisches FI u g z e u g in die Luft und gab Schreckschüsse ab, woraufhin sich die Menge zerstreute. Jawdi AI Habab wurde nach seiner Einvernahme auf freien Fuß gesetzt. Aegypten und die Palästina-Unruhen Eine Erklärung König Fuads. Kairo, 27. September. (J.T.A.) König Fuad von Aegypten empfing den Oberrabbiner von Aegypten, Haim Nahum Effendi, in Audienz, die 50 Minuten währte. Der König besprach mit dem Oberrabbiner die Ereignisse in Palästina, äußerte Interesse für das jüdische Aufbauwerk, das allen Einwohnen» des Landes zugute kommt und gab seiner Sympathie für das Judentum Palästinas Ausdruck. Dem Oberrabbiner Halm Nahum sind in den letzten Wochen zahlreiche Briefe von Scheichs und hohen Regierungsbeamten in Aegypten zugegangen, in denen die Sympathie der Moslems Aegyptens mit den Juden Palästinas zum Ausdruck gebracht wird. Gedanken Aber Hebron Die Frage läßt mir keine Ruhe: ist das Hebroner Oemetzel nur eine Folge der betrügerischen Polizei- und Regierungsmaß regeln — Entwaffnung, Irreführung usw. — oder gibt es für diese!! ״Sieg“ der Araber auch psychologische Gründe? Wie konnte es in Hebron zu einem Pogrom kommen, wo es doch such unter den Schülern der Jeschiwall neuen Jischuw gab; wo es doch z. T. junge Menschen aus dem freien Amerika waren, die nach Hebron gekommen waren, um dort weiter zu lernen. Starben diese Menschen den Tod der Märtyrer, die das Schwert verachten oder verbargen sie sich in angstvoll letzter Stunde, unvorbereitet für den Anblick des wirklichen Lebens? Ist es der Geist der Jeschiwah, der die Menschen lähmt und ihnen jede Fähigkeit zum Handeln nimmt? Und auch die palästinensische Jeschiwah konnte diesen Geist nicht erneuern und umwandeln? Das neue Leben hier, der Wille zur Auferstehung des alten freien Volkes, das alles ging rings um Hebron vor sich, ohne daß es dort bemerkt und mitgefühlt wurde? Gerade dort, wo doch der jüdische Geist Zentrum und Inhalt alles Denkens war, konnte diese große innere Revolution des Volkes nicht Erlebnis werden? Wo, so sollte man denken, kann das alte Heilige Land stärker gefühlt werden als in der Jeschiwah. Ist doch auch nach dem babylonischen Exil ein Esra, ein Schriftgelehrter, der geistige Führer des neuen Jischuws gewesen! Im Wesen der Jeschiwah, der palästinensischen zumindest, liegt es bcstimmt nicht, aus ihren Schülern weltfremde Jünglinge zu machen. Warum konnte ein Akiba die Verbindung von Studium und Lehre finden! Sicher ist es töricht, die heutige Jeschiwah — selbst wenn sie hier im Lande lebt — an die eines Akiba erinnern zu wollen. So wie es unmöglich ist, in dem heutigen jüdischen Bauern schon den Nachkommen eines Bauern des alten jüdisehen Volkes zu sehen. Und doch gibt es Augenblicke, — und gerade in diesen letzten Wochen der nationalen Ekstase waren solche Augenblicke —, wo man die so phantastische Möglichkeit der Üeberwindung von zweitausendjährigem Golus nicht mehr bezweifelt. Und da, in solchem Augenblick, kommt die Kunde von Hebron und zeigt von neuem das Schreckgespenst des Golus. Kein Esra, kein Akiba haben hier eingewirkt. Man schloß sich ein und scheute sich, die Fenster der Jeschiwah weit zu öffnen, um die neue Luft des alten Landes hereinzulassen. Etwas könnte zerstört werden; irgendein vergilbtes Papier könnte fortfliegen dabei. Das wirkliche Leben könnte einen Ton hinüberschicken in diese Welt des Geistes, des lebensfremden Studiums, des Sich-erhitzens am Nurgedanklichen. Ist die Jeschiwah ein Kloster, in dem Mönche, weltabgewandte Asketen erzogen werden sollen? Oder soll sie nicht wieder die Stätte werden, wo die geistigen Schätze des Volkes studiert, vertieft und erweitert werden sollen? Eine Stätte, die höchst aktiv und erkennbar das neue Leben hier mitbestimmen soll? Wie alles, was in diesen Wochen zerstört wurde, wird auch die Jeschiwah in Hebron wieder eröffnet werden. Würde sie doch die neue Jeschiwah, die Geburtsstätte des geistigen Chaluz! Frieda F. Sternberg-Pinner, Nahalal. Me Vornntersnehung In Hebron Hebron, 28. September. (J. T. A.) Die gerichtlichen Erhebungen in Hebron schreiten fort Meist werden überlebende Kinder getöteter Eltern vernommen, die aus Verstecken die Vorgänge beobachten_ konnten. Ein elfjähriges Mädchen, das einzige überlebende Mitglied der Familie Gersnon, schilderte vor Gericht, wie ihr Vater getötet wurde. Als die Mörder in das Haus eindrangen, saß der Vater vor der geöffneten Bibel, Sie fragten: ״Was ist das für ein Buch, in welchem du liest?“ Er erwiderte: ״Es ist die Thora.“ Daraufhin zogen die Araber Messer und Dolche hervor und zerschnitten seinen Körper buchstäblich in Stücke. Das Kind erkannte in Mohammed Anamu einen der Mörder. Sie kannte ihn schon von früher, da er als Agent der Singer-Nähmaschinen-Gesellschaft im Hanse ihres Vaters war. Der Araber Shanzi Awada wurde als einer der Mörder von Rabbi Hassun festgestellt. Er gab sich als Freund der Juden aus und verkehrte viel in jüdischen Häusern. Er galt auch als ein Freund des Rabbi Hassun. Am Tage der Massacres war er derjenige, der die Huligans zu den ihm befreundeten jüdischen Familien geführt und sich auch selbst an den Ab- Schlachtungen beteiligt hatte. Awada und Anami werden wegen überlegten Mordes angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe. ״Daily Expreß“ gegen die Palästina-Administration ״Daily Express“ veröffentlicht an der Spitze des Blattes einen Artikel seines Jerusalemer Korrespondenten, in weichem gefordert wird, daß die britische Administration in Palästina einer gründlichen Untersuchung und Reinigung unterzogen werden müsse; diese Administration habe Ihre Pflicht nient erfüllt und cjie ihr rechtzeitig übermittelten Warnungen der zionistischen Vertreter ignoriert. Hätte sie diese Warnungen ernst genommen, sie wäre durchaus in der Lage gewesen, den arabischen Aufruhr nicht aufkommen zu lassen. Der Jerusalemer Korrespondent der antizionistischen ״Daily Mail“ telegraphiert seinem Blatte, die Araber hätten den Konflikt wegen der Klagemauer künstlich aufgebauscht, um die Massen gegen das Jüdische Nationalheim zu mobilisieren. Der Korrespondent drückt seine Meinung dahin aus, daß sich die Araber niemals mit der Idee des Jüdischen Nationalheims aussöhnen werden, und daß das britische Mandat ausschließlich mit Hilfe der Bajonette durchgeführt werden könne. Sowjetbann gegen jiddische Mchter Moskau, 25. September. (J.T.A.) Die in Charkow in jiddischer Sprache erscheinende Tageszeitung ״Ster n“ erklärt den Bann gegen die amerikanisch-jüdischen Dichter Abraham Reisen und L e i w i k und die Schriftsteller B a s c h I r o und Raboj, die der New Yorker jiddischen kommunistischen Zeitung ״Freiheit“ ihre Mitarbeit versagen, weil diese Zeitung anläßlich der Unruhen in Palästina eine pro-arabische Stcllung eingenommen hat. ״Stern“ erklärt, daß kein jüdischer Arbeiter nut diesen Schriftstellern zu tun haben sollte. ,,Stern“ greift die in Berlin lebenden jiddischen Dichter David Berg e I s o n und Daniel T s c h a r n i an, weil Bergelson seine Arbeiten in den Warschauer ״Literarischen Blättern“, die kein Arbeiter-Organ sind, abdrucken läßt, und Tscharni Mitarbeitet des Journals ״Freie Schriften“ ist, die ״Stern“ konterrevolutionär nennt. ״Jeder plünderte“ Jerusalem, 29. September. (J. T. A.) Ein älterer Araber hatte sich vor dem Jerusalemer Gericht im Zusammenhang mit den Massacres und Plünderungen in Moza zu verantworten. ״Jeder plünderte, warum sollte nicht auch ich meinen Anteil haben?“ führte der Araber aus. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt Dr. Weizmann Dr. Weizmann befindet sich, da er leidend ist, gegenwärtig zur Kur in Meran und gedenkt, Ende Oktober nach London zurückzukehren. In dieser Zeit wird das Unterhaus seine Beratungen aufnehmen, und es verlautet, daß am 10, November Lloyd George eine große Rede über Palästina zu halten gedenkt