Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 78/79, 4.X.192» JÜEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 523 Erfahrungen und Folgerungen Die Ereignisse in Palästina, die alle QemSter stark erregt haben, haben naturgemäß eine große Anzahl von Aeußerungen veranlaßt, die, teils in Briefen, teils in Artikeln auch in unserer Redaktion eingelaufen sind. Nicht nur die Anschauungen, sondern auch die Darstellungen der tatsächlichen Vorgänge weichen häufig stark voneinander ab, da den meisten nur zum kleinen Teil direkte persönliche Erfahrungen zur Verfügung stehen. So ist es schwierig, der objektiven Information zu dienen. Dabei ist festzustellen, daß Abstufungen aller Nuancen individueller Meinungen vorliegen, die sich mit keiner der bekannten Parteien innerhalb des Zionismus restlos identifizieren lassen. Es handelt sich also hier um persönliche Aeußerungen, nicht um Parteiäußerungen. Est ist natürlich schwer, alle Zuschriften zu berücksichtigen. Wir haben bereits eine Reihe derartiger Aeußerungen aus Palästina veröffentlicht, und wir geben im folgenden noch mehreren Aufsätzen dieser Art Raum, da wir es für unsere Aufgabe artsehen, eine möglichst allseitige Beleuchtung der Tatsachen zu geben, auf Orund deren wir unsere künftige Politik zu führen haben. Die Mitteilung solcher Artikel dient dem Zwecke der Information über die verschiedenen Stimmungen innerhalb unserer öffentlichen Meinung, und es ist nur selbstverständlich, daß die Redaktion sich nicht mit den politischen Konklusionen eines einzelnen Autors identifiziert. (Red.) Verhängnisvolle Politik Von Dr. Felix Danziger, Jerusalem. Die Vorgänge In Palästina befinden sich zur Zeit der Nieder- Schrift dieser Zeilen im Stadium der Liquidation, es wird untersucht, Gerichte abgehalten und langsam, ganz langsam gewinnt das tägliche Leben die alte Bahn wieder. Das Abklingen einer fürchterlich lastenden Erregung von vier Wochen Dauer, die verständliche, auch verständige Neigung, mit allem ins Gleichgewicht zu gelangen, ruft aber eine große Gefahr hervor, daß mit dieser Beruhigung auch eine Dämpfung aller jener Empfindungen herbeigefunrt werden könnte, die politisch für das zukünftige Schicksal Palästinas bzw. des Zionismus formbildend werden müßten. Deshalb soll jetzt eine vorsichtige, wenn auch deutliche Kritik an der jüngsten Geschichte una der Wirkungsweise der zionistischen Politik geübt werden, und zwar in Hinsicht auf die Aussichten für die Zukunft. Es hat in zionistischen Kreisen, sowohl hier und draußen eine Aengstlichkeit, eine Art des Heimlichen, des anscheinend — Gutinformiertseins, und darum... eine Anerkenntnis von rebus sic stantibus Platz gegriffen, welche an die schlimmsten Zeiten jüdischer Kehillo-PoHäk in Rußland und traurigster Assimilationspsychologie in Deutschland erinnern. Diese Phase zu beweisen, hieße überflüssige Beweise anzuhäufen für Dinge, die jedem hier klarliegen. Weizmanns gesamte ״äußere“ Politik war eine lediglich auf seiner Person ruhende Politik des Vertrauens in seine genaue Kenntnis der englischen Psyche, des englischen Lebens, aes englischen Systems überhaupt Die öffentliche zionistische Kritik ließ sich immer wieder — 10 lange Jahre lang — von diesen mystischen Argumenten blockieren, obgleich sie aus der täglichen Praxis von 10 langen Jahren in Palästina eine erdrückende Fülle von Beweisen ziehen und bei jedem Kongreß in steigendem Maß vorweisen konnte, die beweisen: 1. daß alles, was die Juden in Palästina vor sich brachten, nur unter schwersten Kämpfe!» mit der palästinensisch-englischen Verwaltung geschah ohne Förderung als Aequivalent und 2., daß die politische Situation sich fortlaufend zu unseren Ungunsten wandelte — Einwanderungsbeschränkung, mangelhafte Arbeitslosenfürsorge — völlig feindselige Beamtenpolitik usw. All das führte schon auf dem vorletzten Kongreß zu dem Auftreten Stephen Wises gegen die englische Palästina-Politik. Seine Kritik — damals als ungehörig empfunden — war auf dem diesmaligen Kongreß allgemeine Anschauung. Lord Melchett gebührt das Verdienst, auf der Agency-Sitzung in Zürich dieser Ueberzeugung klaren Ausdruck gegeben zu haben. Der bekannte englische Politiker Col. W. hat dem Schreiber dieser Ausführungen vor einigen Jahren hier in Jerusalem expressis verbis gesagt, daß er entsetzt darüber sei, daß die gesamte Verwaltung von oben bis unten antisemitisch verseucht sei. Der Generalkonsul einer fremden Macht hier sagte mir in einem Gespräch wörtlich: darüber müssen Sie sich klar sein, daß Sie da oben (gemeint englische Verwaltung) keinen einzigen Freund haben. Ich kann nicht glauben, daß es auch nur einen Menschen geben kann, der die Verhältnisse im Lande einigermaßen kennt und anderer Meinung sein könnte. Und dennoch hat die Politik der Leisetreterei, des Vertröstens, des zur Zurückhaltung- Mahnens solange vorgehalten. Sie hat gehalten lediglich dank der persönlichen Autorität Weizmanns und der tragischen Vertrauensseligiceit der Juden, die eine gute Tat — als welche sie die Balfour-Deklaration empfanden — so gar nicht vergessen können. Und auch nach diesem Debakel droht schon wieder, daß die Vertreter dieser Richtung Oberwasser gewinnen und ihre verhängnisvolle Politik Nutzen zieht aus der Tatsache, daß die anderen teils keine Zeit, teils keinen Mut mehr zur Vertretung ihrer gegenteiligen Anschauungen haben, teils endlich wirtschafthch so beengt sind, daß sie den Kampf um halb oder ganz verlorene Leistungen nicht aussichtslos kombinieren wollen mit diesem nervenmordenden Kampf. Und dennoch muß es sein. Wer nicht aus Theorie, sondern durch die Erfahrung von vier Jahren Kriegsleben wie ich Pazifist geworden ist, der darf nicht schweigen, wenn er sieht, wie die wenigen Errungenschäften des Krieges —• das Aufhören der Geheimpolitik — in unsere kleinen Verhältnisse übertragen: Geheimtuerei und Kluggetue — bei uns weiter fortblüht. Nur England nicht verstimmen, nicht die einzelnen Beamten angreifen, das widerspricht der anglosächsischen Mentalität, man wird schon... bevor die Untersuchungskommission gesprochen hat, kann man nicht... das sind hier die Dämme und die Kandare, die man der klaren öffentlichen Meinung und ihrem besseren Instinkt täglich entgegensetzt. Ich sehe darin die schwerste Bedrohung der einzig gerechtfertigten, der natürlichen Reaktion der palästinensischen Juden auf das, was man ihnen angetan hat. Und warum sollten wir noch weiter schweigen, wo der tapfere Dr. Eder die klare Antwort schon längst aut der A.-C.-Sitzung antizipiert hat auf alles, was von der Inquiry-Commission kommen wird! Und hier in Palästina hat der Rechtsanwalt Eliasch in ausgezeichneter Weise Zitate aus der amtlichen Untersuchungskommission von 1921 veröffentlicht, die — wie konnte es anders sein — für die Araber vernichtend lauteten — und dennoch die Verwaltungspraxis um keine Spur geändert haben. Was also soll diese Liebedienerei und vertuschungs- Politik, die bisher nur Unheil über uns gebracht hat. Glauben diejenigen unserer Männer, welche auftragsgemäß sich mit der Vertretung unserer ״Interessen“ beschäftigen, denn wirklich, daß man ״gerechter“, ״wohlwollender“ bei Wohiverhalten unsererseits gegen uns sein wird? Es gibt nur ein Recht und nur ein Anrecht, und ich staune nur über eines: die völlige Aufgabe bestimmter Grundanschauungen, die die letzten jüdisehen Generationen zum Zionismus geführt haben. Meine Leser können das nicht glauben? Nun, so will ich ihnen verraten, daß ich mit einem maßgebenden Vertreter zionistischer Politik in einem einstündigen Gespräch folgende zwei Klagen anhören mußte: a) Warum beschäftigen sich 90 0/0 unserer Menschen in diesen Tagen mit Kritik statt mit konstruktiver Arbeit; b) warum ist der ganze Jischuw in einem Augenblick, da uns britische Truppen beschützen und Soldaten an Stellen angefordert werden, anti-englisch? Ich möchte vermeiden, die Ant- Worten hier wiederzugeben, welche ich mit einem Freunde gemeinsam erteilte, einfach deshalb, weil sie sich von selbst verstehen. Es genüge die Mitteilung, daß unser Gegenüber durchaus nicht überzeugt schien. Ja, es kam bald darauf ein Dank an die britischen Truppen, und zwar offiziell. Ich erkläre hiermit, daß ich mich an diesem Dank nicht beteilige, denn ich betrachte es als eine Schande, mich als neue Species des alten ״Schutzjuden“ fühlen zu sollen. Und ich weiß, daß weiteste jüdische Kreise genau so empfinden ־wie ich. Im übrigen nehme ich an, daß britische Soldaten — wie jeder Soldat — Dienst als Dienst empfinden; mehr war es ja auch nicht. Nicht einen hat nach amtlicher Darstellung erfreulicherweise diese Expedition das Leben gekostet. Sieht man bei uns nicht, wohin das führt? Es scheint so, Es führt zur Demoralisierung in unseren eigenen Reihen, es provoziert die arabische Aktivität — und es schwächt unsere Stellung vor dem Völkerbund und vor der ganzen Welt. Wir müssen uns klar darüber sein, daß wir nach wie vor kein anderes Machtmittel für die Durchführung unserer Idee haben als das Urteil der Gerechten in der Welt und unsere eigene Kraft. Gegenüber beiden versagt solch eine Politik der Angst und ״Klugheit“. Und das haben wir hier in diesen Wochen schon hinlänglich sehen können. Man hat draußen wohl mit einiger Verblüffung festgesteiit, daß die gesamte englischamerikanische Presse sozusagen gegen uns ist. Ja, die Zionistische Exekutive verbreitet selbst diese Stimmen. Was liegt vor? Sind nicht bei uns 128 Tote und 250 Verwundete? Haben wir vielleicht überfallen, ermordet, beraubt? Wo bleibt das fassungslose Erstaunen der zionistischen, ja der übrigen Welt? Hier geht eine schändliche Fälschung der öffentlichen Meinung vor sieh, die nicht geschehen darf. Aber wie kommt sie überhaupt!zustande? In Jerusalem waren die Spezialkorre-?)ondenten der größten anglosächsischen Blätter versammelt. in hervorragender englisch-christlicher Korrespondent sagt und erklärt mir den Umschwung folgendermaßen: Alle Korrespondenten kamen unter dem Eindruck der gemeldeten Greuel als Freunde der Juden, außer mir gehen sie alle fast als Antisemiten. Nicht etwa, weil sie bestreiten wollen, was geschehen ist, sondern aus folgendem Orunde: Wenn sie mit der Regierung sprachen, sagte die, sie arbeite mit der Zionistischen Exekutive zusammen, sprach man mit dieser, sagte sie, sie arbeite mit der Regierung zusammen. Die Araber sagten was sie wollen; die Abschaffung der Balfour-Deklaration usw. Was die Zionisten, was die Regierung wolle, sei unklar: sie argwohnten, daß die beiden zusammen gegen den, denn schwächeren, Dritten etwas Unbekanntes im Schilde führten. Dahin — in diese kaum verständliche Wirrnis — führt diese Zweideutigkeit unserer ״Politik“. Diese Politik, die bisher das Dementi des Colonial Office für Weizmann und die Ergebnisse in Palästina selbst gezeitigt hat. Diese Politik hat den fundamentalen Fehler begangen, daß sie den sicheren Grund verlassen hat, den der Zionismus sich durch Herz! geschaffen hat: die Unabhängigkeit von irgendeiner Macht. De öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte garantierte die Welt, 18 Mächte, der Völkerbund — nicht England allein. Rückkehr nach Palästina — ja — aber nicht englisch werden, das wollten wir. Repatriierung in Palästina —• nicht Neu-England war Inhalt der zionistischen Bewegung. Auf dieser Lime mußten unsere Politiker gehen — und gingen auf dem Strich Downingstreet; der uns schon genügend an Rut als Kinder und Nachläufer des britischen Imperialismus gekostet hat. England hat noch niemals bewiesen, daß es sein Mandat, uns sanft zur Verwirklichung eines respektverdienenden hohen Ideals führen will, verstanden hat, wie seine weiterblickenden Staatsmänner Balfour und Robert Cecil uns versichert haben — es hat uns in neun Jahren drei Pogrome beschert — das ist das Fazit. Und da soll die Judenheit Vertrauen haben zu Worten? Sollte sie nicht lieber mit irgendeiner Aeußerung des Vertrauens warten, bis klare Taten sprechen? Jeder weiß oder ahnt, welch ungeheuerer Apparat das britische Weltreich regiert, wieviel mächtige Räder sein Getriebe drehen; wer von uns weiß, welches oder welche nicht nach dem Willen seines Meisters gehen, wo der Fehler sitzt oder Kräfte anders wirken als sie sollen? Wir sehen nichts als die schädlichen Folgen an unserem Werk, an unserem Körper. Es ist nicht unsere Sache, mitzusuchen wo der Fehler steckt, wir konstatieren nur die Wirkung auf uns. Und •unser Mißtrauen muß größer werden, wenn wir die vielem allzu vielen Versicherungen von der Umwandeibarkeit der Balfour-Deklaration in unser Gedächtnis zurückrufen, die förmlich auf uns regneten. Was werden soll? England versucht auf den verschiedensten Wegen, die Welt glauben zu machen, die Araberfrage für England sei ein schweres Problem und nur behutsam anzugreifen. Als vor einigen Jahren der Sirdar des Sudan ermordet wurde — ein einziger Mann — war man da so behutsam? Nur mit Grauen hört man uns geheimnisvol! raunen von den Vergeltungsmaßnahmen in Kartum; und hat man die drakonischen Maßnahmen vergessen, die Aegypten gegenüber ergriffen wurden! Und hier — einer an Aegypten gemessen so kleinen Zahl von 700000 Arabern gegenüber, von denen doch mir ein verhältnismäßig kleiner l ei! diese Greuel verübt hat uni die intransigente Politik vertritt, denen gegenüber diese Angst? Diese Angst bevor, diese Angst, nachdem viel Truppen ins Land kamen? Nein! Die Zeit ist vorüber, wo wir uns täuschen ließen. England muß von der öffentlichen Meinung der Welt gezwungen werden, Farbe zu bekennen, ob es wahrhaftig zur Balfour-Deklaration steht oder nicht. Für die zionistische Bewegung — deren Idee niemals von der Realisierung1 durch England abhing — kann es nur besser kommen und nie schlechter. Welcher Art war der arabische Angriff? Antwort eines Palästinensers an den Palästinenser H. M. In Nr. 72 der ״J. R.“ ist ein Aufsatz unter dem obigen Titel erschienen. Der Verfasser kommt dort zum Schlüsse, «r hätte ״seinem Empfinden nach fast schon endgültig bewiesen, daß die arabische Nationalbewegung innerhalb der Grenzen Palästinas noch lange nicht zu fürchten ist“. ״Nicht zu fürchten“ ist eine Tugend, wenn es mit Einsicht verbunden ist, sonst aber eine Gefahr. Die Einsicht jedoch fehlt, meinem Empfinden nach, dem Palästinenser H. M. in hohem Maße, und ich will daher auf seine Frage die Antwort geben, die, wie ich glaube, die richtige ist. Sehen wir uns H. M.'s Argumente an. 1. ״Die Aktion war vom Mufti vorbereitet worden, aber nur in der Form, daß er die Beduinen aus den umliegenden Dörfern nach Jerusalem kommen ließ, um die Moschee zu verteidigen.“ Damit ist bewiesen, daß das erste Stadium ״den Charakter einer mohammedanisch-religiösen Aktion im An- Schluß an die Klagemauer-Vorfälle“ hatte. Der Verfasser spricht von ״Beduinen aus den umliegenden Dörfern“. In den Dörfern leben aber die Fellachen, und Beduinen sind Nomaden. Jedenfalls gibt es keine Beduinendörfer in der Umgebung Jerusalems. Die Jerusalem nächsten Beduinen lagen bei Hebron, über 30 km entfernt. Bei den ersten Angriffen in Jerusalem am Freitag waren Fellachen a11s den umliegenden’Dörferh beteiligt; die ersten Beduinen traten in den Kampf am Sonntag abends. Dazwischen konnte man in der Nacht vom Freitag auf Samstag auf den Bergen um Jerusalem die arabischen Signalfeuer auffiammen sehen. 2. Allerdings durfte ״der Wunsch den Elan einer neuen Instanz (der Jewish Agency) durch eine solche Aktion zu erschüttern, zweifellos bei denjenigen Arabern, die politisch denken (ein Ditzend Minner, die zur engsten Entourage des Mufti gehören) mitgewirkt haben“. So? Die wirklichen Motive der leitenden Personen waren also nicht religiöse, sondern? 3. ״Selbst wenn die Motive waren: eine Antwort zu geben auf die Konstituierung der Jewish Agency, so hat man doch zu dem Deckmantel einer religiösen Propaganda greifen müssen.“ Weiß H. M. nichts von den verschiedenen Deckmänteln, bis zu den gröbsten Lügen, zu denen alle zivilisierten Nationen während des Weltkrieges griffen? Hat man sich mit den Deckmänteln abzugehen? Oder ist es nicht vielmehr notwendig, die Mäntel zu lüften und die wahren Motive zu erkennen? 4. ״Der Protest gegen die Balfour-Deklaration im Telegramm des Mufti an die Regierung kam verspätet und vereinzelt.“ Er kam nicht so sehr verspätet, da der Mufti schon lange vor den Angriffen wiederholt gegen die Balfour-Deklaration protestiert hat und er steht jetzt schon lange nicht vereinzelt da, wie ein Blick in arabische und englische Zeitungen lehrt. 9. ״Es ist also meine Ueberzeugung, daß die ganzen Ereignisse eine ungeheuere Schwäche der Araber in Palästina offenbart haben.“ Diese Ueberzeugung läßt mich argwöhnen, daß der Palästinenser H. M. während der ganzen Zeit nicht aus dem Ghetto Tel-Awiw herausgekommen ist, wo man allerdings (aber auch nur an diesem Orte) sich stark und die Araber schwach fühlte. 10. ״Ke Haltung der Regierung: ״Luke hat, statt die arabischen Notabein, welche damit drohten, daß ein jüdisches Blutbad im ganzen Lande angerichtet würde, sofort als Landesverräter zu arretieren, sich von ihnen erschrecken und einschüchtern lassen.“ Man mag von Luke und den Gründen, weshalb er versagte, denken was man will, jedenfalls hat er nach H. M. selbst ״eine ungeheure Schwäche der Araber“ nicht gesehen und sich vielmehr von ihnen ״erschrecken und einschüchtern lassen“. (Im nächsten Absatz meint H. M. allerdings, daß Luke sich vielleicht doch nicht wirklich hatte einschüchtem lassen.) 11. ״Nichts wäre irriger und gefährlich«•, als diese Diskussion auf das politische Gebiet abzubiegen.“ Nichts ist irriger und gefährlicher als dieser Aussprach. * Dagegen behaupte ich: 1. Der arabische Angriff war vorber״itet. Er war so sehr vorbereitet, daß sich die Vorbereitung gar nicht geheim halten ließ. Ich selbst und die meisten jüdischen Bewohner Jerusalems und natürlich der jüdische Selbstschutz wußten mehrere Tage vorher, daß für Freitag ein Angriff bevorstünde. 2. Die Aktion war nicht eine religiöse, sondern eine nationale. Weiß H. M. nichts davon, daß in Jaffa die moslemitischchristliche Vereinigung sofort wieder ins Leben gerufen wurde, daß viel Geld von den Jaffaer christlichen arabischen Kaufleuten kam?