Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1929)
- Date
- 1929-10-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 78/79, 4. X. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 519 Brief aus Palästina Zwischenfälle und Pollzelmaßnahmen. — Fortdauer des Ausuahmezustandes. — Die Strafurteile und Untersuchungen. — Wiederaufbau und Wirtschaftsprobleme. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.G., Tel-Awiw, den 26. September 1929. Wir hatten recht mit der Vermutung, daß die unmittelbare Gefahr zwar vorüber sei, daß aber in der nächsten Zukunft noch kleinere Zwischenfälle Vorkommen und die Regierung ebenso wie die jüdischen Siedlungen daran gemahnen würden, daß immer noch große Vorsicht geboten sei. Die letzte Nacht brachte einen Ueberfall von berittenen Arabern auf die Kinder- Siedlung ״Kfar Jelad im“, im Herzen des Emek bei Balfouriah gelegen. Der Wächter wurde getötet, der Pferdestali demoliert und zwei Paar Arbeitstiere geraubt. Das Militär, das in dem nahegelegenen Afule stationiert war, wurde sofort alarmiert, machte sich auf die Suche, um die Plünderer aufzufinden, was aber bisher nicht gelungen ist. Auch an vielen anderen Stellen im Lande ist das Gefühl der Sicherheit noch weit unter der normalen Grenze. Die Regierung hat sich darauf eingerichtet, die Truppen zumindest so lange im Lande zu lassen, bis die Untersuchungskommission mit ihrer Arbeit zu Ende ist, also bis nach Mitte Oktober. In diesem Monat sind auch eine Reihe von Besuchen der Kriegsschiffe wieder angekündigt, die zum größten Teile die palästinensischen Häfen bereits verlassen haben. Es ist jedoch anzunchmen, daß beträchtliche Teile des Militärs über diesen Zeitpunkt hinaus im Lande bleiben werden. Für den Süddistrikt hat der Gouverneur die Aufrechterhaltung des Ausnahmezustandes bis zum 23. Dezember bereits angekündigt. Diese Mitteilung kam etwas überraschend, da man für die nächste Zeit eine Verlängerung der Ausgehzeit am Abend und sogar die baldige Beseitigung der Ausnahmebestimmungen erwartete. Die Verordnung beweist, daß die Regierung gewillt ist, zum mindesten im Nachhinein Vorsicht zu üben, nachdem sie sie vor den Unruhen außer acht gelassen hat. Die Verbote des Waffentragens sind verschärft und auf allerlei Instrumente, wie Messer, Stöcke usw. ausgedehnt worden. Die Polizei hat erweiterte Vollmachten in Jerusalem bekommen und kann bei Reden, Liedern, Bewegungen, die sie für aufreizend hält, sofort zu Verhaftungen schreiten. Bei den bei den Arabern üblichen Versammlungen In den Moscheen wurde in Jaffa die Einreichung der Reden bei der Behörde vor der Versammlung gefordert. Auch auf die Presse beginnt die Administration ein Auge zu richten. Bei der bekannten Tendenz der Regierung, zu lavieren und keiner Seite den Vorzug zu geben, wartete man Im Lande nach * der Sistierung des ״Doar- Hajom“, der unterdes nach einer Pause von mehr als einer Woche wieder erschienen ist, auf die Sperrung eines arabischen Blattes. Am gefährdetsten schien der Jaffaer ״Falastin“, der genug Anlaß für ein Verbot gab. Ihm gegenüber hat sich die Regierung jedoch bisher mit mehrmaligen Warnungen begnügt, ohne weiter gegen ihn vorzugehen. Dagegen ist das arabische Blatt ״El Akdam“ konfisziert worden, wogegen die übrigen •arabischen Zeitungen, der ״Falastin“ voran, Protest erheben. Schließlich hat die Regierung aödj':־Äeljebrl!ic|h':Br(|sgH®ij ■die/sich; ׳jjtft deh''Unrifi«r befaßt, konfiszleftr (fnz^isbhen sind drei Weitere arabische Zeitungen verboten worden. — A. d. Red.) Der Ausnahmezustand wirkt sich also auf den verschiedensten Gebieten aus; seine strenge Handhabung trägt jedoch fraglos dazu bei, neue Komplikationen zu verhüten. Am 25. September wurde in Jerusalem in Mea Schearim ein Jude durch Messerstiche getötet, und zwar in nächster Nähe der Poiizeistation. In Kfar Jeladim scheint es sich um einen der kühnen Beduinenüberfälle zu handeln, die in solchen Zeiten wie die jetzigen erwartet werden müssen und nur dadurch zu verhindern sind, daß die Verteidigungskräfte jeden Moment bereit stehen, um solche Attacken abzuwehren. Der Fall von Mea Schearim jedoch hat mit militärischer Sicherheit wenig zu tun, sondern zeigt, daß es immer noch Leute hier gibt, die glauben, solche Taten unbestraft begehen zu können. Es scheint doch, daß die Abschreckungsmittel, wie sie die täglich in den Gerichtshöfen gefällten Urteile darstellen, noch immer nicht genügen, um radikal durchzugreifen. Es besteht wahrscheinlieh auch heute noch zuviel Hoffnung, nicht gefaßt zu werden, und auch wenn man gefaßt wird, nicht zu schwer unter der Strafe leiden zu müssen. Der Polizeidienst muß gerade in den nächsten Monaten aufs sorgfältigste ausgebaut werden, damit nicht noch piehr Unglück geschieht. Vielleicht wird die Einstellung der hundert englischen Polizisten, die in den nächsten Tagen hier erwartet werden, eine Besserung bringen. Gerade solche Fälle wie der von Mea Schearim sind geeignet, das Gefühl der Sicherheit, das in der letzten Woche merklich gestiegen war, zu vermindern und die Nervosität von neuem zu steigern. Es muß verlangt werden, daß die Regierung ihre Wachsamkeit noch verschärft. Die Spezialgerichtshöfe, die eingesetzt worden sind, um die in den Unruhen begangenen Vergehen und Verbrechen zu behandeln, haben bereits einen beträchtlichen Teil der ״Kleinarbeit“ geleistet. Eine große Anzahl der Prozesse über Waffentragen, Plünderung usw. sind bereits erledigt und während sich die Untersuchungsgefängnisse nach und nach leeren, steigt die Anzahl der Strafgefangenen. Von äen großen Prozessen haben bereits die aus M ozah, wo in einem Hause sieben Personen erschlagen wurden und auch die von Hebron begonnen. Es liegen eine Menge Zeugenaussagen vor, die lange Zeit in Anspruch nehmen. In Haifa, wo über vierzig Juden vor einem Monat arretiert und unter die Anklage versuchten Mordes gestellt worden waren, wurde gestern der größere Teil (32 im ganzen) in Freiheit gesetzt, weil sich ihre Unschuld im Laufe der Untersuchungen erwies. Das Gericht hatte die Freilassung der Untersuchungsgefangenen gegen Kaution, die von allen Seiten gefordert wurde, abgelehnt und so wurden die Gefangenen Wochen hindurch im Gefängnis in Akko festgehalten, bis gestern endlich die Befreiungsstunde schlug. Die politische Arbeit des Jischuw konzentriert sich hauptsächlich auf die Vorbereitung des Materials für die Untersuchungskommission. Das Tempo der Arbeit ist durch die Ankunft Sachers bei Beginn dieser Woche beschleunigt worden, der zusammen mit den Anwälten, die vorher bereits das Material bearbeiteten, die nötigen Schritte einteitet Rechtsvertretung and Kreuzverhör zngelassen London, 1. Oktober. (J.T.A-) Die Mitglieder der zur Untersuchung der Vorkommnisse In Palästina ernannten oarlamentarischen Kommission traten am 30. September zu einer zweiten Beratung zusammen. Die Kommission beschloß, den einzelnen Parteien in Palästina zu erlauben, sich bei den Ver- Handlungen der Kommission durch Anwälte vertreten zu lassen und vor die Kommission erscheinenden Zeugen einem Kreuzverhör nach der Norm, wie sie bei Gericht üblich ist, zu unterziehen. Die Kommission wird bis zu ihrer Abreise nach Palästina, die Mitte Oktober erfolgt, keine weiteren Sitzungen mehr abhalten. * Die Beschlüsse der Kommission in London stehen im Gegensatz zu der Erklärung, die der Chefsekretär der Palästina- Regierung Luke laut ״Falastin“ der arabischen Exekutive in Jerusalem gegeben haben soll; laut dieser Erklärung sollten!echtsanwälte und Kreuzverhör bei den Vernehmungen durch die Untersuchungskommission ausgeschlossen sein. Es scheint also, daß die Kommission ihre Meinung in diesem Punkte geändert hat. Jedenfalls wird die jüdische öffentliche Meinung, die gegen ein Abschneiden der Möglichkeit der jüdischen Vertretung mit Entschiedenheit protestieren mußte, dies als ein Zeichen begrüßen, daß die Kommission nicht von vornherein die Möglichkeit einer wirklichen Aufklärung des Sachverhaltes abschneidet. Die Rectitsbeislände der Jewish Agency Die ״Jewish Agency“ hat den bekannten englischen Advokaten Merriman mit der Führung der juristischen Arbeiten anläßlich der Untersuchung der Palästina-Vorgänge betraut. Außerdem wird Lord Erleigh, der Sohn Lord Readings, der gleichfalls ein führender Anwalt ist, die Sache der Jewish Agency führen. Von der Zionistischen Organisation wird Harry Sacher, Mitglied der Exekutive, ferner der ehemalige politische Sekretär Leonard Stein und der Jerusalemer Rechtsanwalt Horowitz sich an der Vorbereitung des Materials beteiligen. Von der Entsendung des amerikanischen Advokaten G o l a s t e i n haben wir schon berichtet. Außer der politischen Arbeit beschäftigt sich die Exekutive hauptsächlich mit der Vorbereitung der Wiederaufbauarbeiten und der Einwanderung. « Auch der Jischuw beginnt sich mit der Frage des Wiederaufbaus und der Fortführung der Arbeit zu beschäftigen. Die für Palästina riesige Zahl der Flüchtlinge — es waren noch in der vorigen Woche 9000 im Lande — beginnt langsam abzuschwellen. Die Regierung, die die Verpflegung der Flüchtlinge besorgte, beginnt ihre Fürsorge bereits abzubauen. In Tel-Awiw wird sie am schnellsten und stärksten beschränkt. An vielen anderen Stellen ist die Lage dadurch kompliziert, daß eine Rückkehr in die verlassenen Viertel und Häuser nur dann möglich erscheint, wenn die Regierung ausdrücklich die volle Verantwortung für die Sicherheit an den fraglichen Orten übernimmt. In der alten Stadt in Jerusalem z. B., wo viele Juden ihre Quartiere und Läden verließen, weil sie sich nicht sicher fühlten, kamen dauernd Einbrüche vor, die erheblichen Schaden ״verursachten, Hier *hat •Schd1%r‘4»׳:;:AÄ»#, für die Sicherheit verantwortlich!gemacht, ein altbewährtes Mittel orientalischer Regierungskunst. Es ist selbstverständlieh, daß die Behörden entweder die Verantwortung für Leben und Besitz übernehmen oder die Flüchtlinge weiter versorgen müssen. Die Juden sind an der raschen Rückkehr aufs äußerste interessiert, da sie nur die Aufnahme ihrer Tätigkeit vor wirtschaftlichem Ruin schützt. Die9er Rücktransport ist aber nur der erste Schritt einer umfassenden aufbauenden Tätigkeit. Mit dem Wiederaufbau der zerstörten Punkte muß so rasch wie möglich begonnen werden. Und es wird in vielen Fällen nicht genügen, einfach wieder herzustellen was früher war, sondern im Zusammenhang mit dieser Arbeit werden die Pläne der betroffenen Punkte überprüft, Verbesserungen eingeführt, eventuell Vergrößerungen durchgeführt werden, wo sie nötig und möglich sind. An verschiedenen Stellen, z. B. in Safed und Hebron, aber auch in der Altstadt in Jerusalem scheint eine wirtschaftliche Umgruppierung des alten Jischuw nötig und auch möglich und wünschenswert. Es entstehen also jetzt eine ganze Reihe von wirtschaftlichen Fragen, die eine gründliehe, aber rasche Bearbeitung verlangen. Zugleich muß dafür gesorgt werden, daß die Regierung ihre Verpflichtung, für die entstandenen Schäden aufzukomrnen, in vollem Maße erfüllt. Sämtliche Gelder, die von der Zionistischen Exekutive zur Verfügung gestellt werden, um dringende Bedürfnisse zu befriedigen, sind Anleihen, die zurückgezahlt werden müssen, sobald die Beiträge der Regierung einlaufen. Mit dem Herannahen der Wintersaison macht sich an vielen Stellen Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Eine» Einwanderung in den von der Zionistischen Organisation gesetzten Grenzen ist für die normale Wirtschaftliehe Entwicklung der jüdischen Wirtschaft im Lande in nächster Zukunft eine Lebensfrage. Die Forderung nach Arbeitskräften wird noch verstärkt dadurch, daß der Jischuw mehr als früher die Forderung nach jüdischer Arbeit zu erfüllen strebt. So hat z. B. die Organisation der Kolonisten <Hitachdutl1 Haikarim) beschlossen, für die Kutscherarbeiten und für die Facharbeiten in den Plantagen Juden zu verwenden. In den Städten werden eine Menge Baupläne für die nächste Zeit fertiggestellt, die es wahrscheinlich machen, daß sich im Laufe des nächsten Jahres Arbeitsmöglichkeiten für Bauabeiterr in größerer Zahl eröffnen werden. Die Exekutive ist gemeinsam mit der Arbeiterorganisation damit beschäftigt, die gesamten Arbeitsmöglichkeiten für das nächste Halbjahr festzustellen, um der Regierung Forderungen für Zertifikate vorlegen zu können. So beginnen heute wirtschaftliche Fragen neben den politischen wieder Boden zu gewinnen. In zwei bis drei Wochen jedoch, wenn die Untersuchungskommission ankommt, wird die politische Diskussion, die jetzt etwas abschwillt, wieder alles andere in den Schatten stellen. Die kommenden zwei Wochen sind eine Zeit der Vorbereitung, vielleicht auch eine Art Atempause. Der Tel-Awiwer Korrespondent des Warschauer ״Ha jnt“ meldet seinem Blatte, daß Harry Sacher an Stelle von Col. Kisch das politische Referat in der Palästina-Exekutive übernommen hat Zentral ״ Komitee - Sitzung des deutschen Misrachi Die Landeszentrale des deutschen Misrachi hatte zum Sonntag, dem 29. September, eine Zentral-Komitee-Sitzung nach Berlin einberufen, deren Aufgabe es sein sollte, Richtlinien für die von der Landeszentrale zu befolgende Politik zu geben. Die Sitzung war beschickt von den Misrachigruppen Berlin, Hamburg, Breslau, Frankfurt, Köln, Leipzig, Dresden, Lübeck und Essen. Dr. Arnold Barth erstattete das Referat über die politische Lage des Zionismus. Er führte aus, in welcher Riehtung nach den traurigen Vorkommnissen in Erez-Israel die Forderungen der Zionistischen Exekutive aufgestellt sein müßten, daß wir heute nichts von unseren alten politischen Forderungen preisgeben könnten, daß Ausführung der Balfour-Deklaration und der Mandatsbestimmungen von uns mit größtem Ernst und Nachdruck als unverrückbare Grundlage der englischen Politik zu fordern sei. Wir könnten zufrieden sein mit der Flaltung, die die Exekutive und das Aktions-Comiti gemeinsam mit dem Administrative Committee der Jewish Agency in ihren Resolutionen eingenommen haben; cs sei unsere Pflicht, die Exekutive bei der zielbewußten Verfolgung dieser politischen Linie zu unterstützen und zum Ausdruck zu bringen, daß die überwiegende Majorität der Zionisten diese Politik gutheißt. Im jetzigen Stadium der Palästinaarbeit könne es nur eine Forderung geben, nämlich die, daß wir auf unseren durch Balfour-Erklärung und Mandat verbrieften Rechten bestehen müßten; nicht wie bisher wohlwollende Neutralität unserem Werk gegenüber fordern wir von England, sondern aktive Unterstützung unserer Aufbauarbeit. Verständigung mit den Arabern wünschen wir alle, aber diese könne nicht durch Deklarationen erreicht werden, diese könnten im gegebenen Moment eher schädlich wirken. Nur in der praktischen täglichen Arbeit im Lande könne eine Verständigung herbeigeführt werden; Methoden und Wege hierfür müßten ernsthaft gesucht werden. Dr. Wolfsberg referierte über die Stellung des Misrachi innerhalb der Z. V. f. D. und zu deren Politik. Auch hier müßten wir klare und eindeutige Unterstützung der Exekutive verlangen; kleinmütige Stimmungen, die zur Preisgabe von zionistischen Forderungen führen können, seien zu bekämpfen. Eine Politik, die alle Kreise des deutschen Zionismus zusammenfasse, die allen die Möglichkeil der Einflußnahme gebe, sei anzustreben. In der Debatte, an der sich alle Teilnehmer der Sitzung lebhaft beteiligten, vertrat Dr. S. Schereschewski eingehend den von dem Barthsehen Standpunkt abweichenden Teil der Komitee-Mitglieder. Die Verständigungsarbeit mit den Arabern müsse in den Mittelpunkt unserer zukünftigen Tätigkeit gestellt werden. Unsere politischen Forderungen müßten die realen Tatsachen der Durchführungsmöglichkeit mehr berücksichtigen. Nicht auf unsere Auslegung der Balfour-Deklaration und der engtischen Verpflichtungen aus dem Mandat komme es an, sondern auf die authentische Auslegung Englands, die im Weißbuch gegeben worden, und die nun einmal von der Exekutive anerkannt sei. Wir müßten deutliche Stellung nehmen gegen überspitzte Forderungen extremistischer Parteien. Unsere re- 1 i g i ö s e Einstellung, die pazifistisch wäre, müsse auch io dieser Situation klarer zum Ausdruck kommen. Gegen diese Ausführungen wandten sich außer den Referenten besonders stark Rabbiner Dr. Schornstein und Dr. Rothschild. Unsere Aufgabe sei es weniger, hohe Politik zu machen, als den unerschütterlichen Willen zur Durchführung unseres Ideals, das, jahrzehntelang als utopisch gekennzeichnet, doch seinen Weg gemacht habe, im Volke zu kräftigen. Es dürfe nicht so gearbeitet werden, daß man zionistische Mitkämpfer abstoße, auch wenn sie andere Richtlinien, auch wenn sie unserer Meinung nach falsche Methoden verfolgen. 4 Oie Meinung des Zsntral-Komitees fand ihren Atisdr«S»f/ In einer von der Landeszentrale vorgelegten und unter geringen Aenderungen mit großer Majorität angenommenen Resolution folgenden Wortlauts: Resolution. Die Landeszentrale und das Zentral-Komitee des Misrachi in Deutschland stehen einmütig auf dem Boden der Resolutionen des Aktlans-Comitds der Zionistischen Organisation, die aus Anlaß der traurigen Ereignisse in Erez-Israel zusammen mit dem Administrative Committee der Jewish Agency gefaßt wurden. Die Landeszentrale und das Zentral-Komitee erklären daher: Wir erwarten zuversichtlich von unseren leitenden Stellen, daß sie stark bleiben in ihren Forderungen, die den Schutz unserer durch den Völkerbund im Palästinamandat verbrieften religiösen und nationalen Rechte zum Ziele haben. Wir erwarten, daß alle Telle des jüdischen Volkes sich hinter die Forderungen der Jewish Agency stellen und ihr dadurch das Ansehen nach außen hin geben, das sie alleine befähigt, autoritativ aufzutreten und unsere Ansprüche, die auf Menschlichkeit und Gerechtigkeit gegründet sind, allen Mächten der Welt gegenüber durchzusetzen. Wir weisen besonders hin auf unsere Ansprüche, an der heiligen Stelle des letzten Restes unseres Tempels ungehindert und ungestört unser Gebet zu verrichten, auf unser Recht der Einwanderung nach Erez-Israel in einem solchen Umfang, daß die Errichtung des Nationalheims, das das Mandat uns zugesprochen hat, eine Wirklichkeit werden kann, auf unser Recht, am inneren und äußeren Schutz von Erez-Israel so starken Anteil zu nehmen, daß die jüdische Bevölkerung nicht schutzlos bleibt in Zelten der Gefahr. Diese uns durch Wortlaut und Geist des Palästinamandats zustehenden Rechte dürfen uns nicht geschmälert werden. Es Ist unsere Ueberzeugung, daß diese Bestimmungen des Palästinamandats in voller Uebereinstimmung mit denjenigen, die die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung zu sichern bestimmt sind, durchgeführt werden können. Das jüdische Volk will nichts unternehmen, was die Rechte anderer in Erez-Israel lebenden Nationen antastet und beeinträchtigt. Im Geiste der Versöhnung, in Frieden und Gerechtigkeit soll der Aufbau von Erez-Israel vor sich gehen. Wir geben unserer festen Zuversicht Ausdruck, daß Völkerbund und Mandatsregierung ihr dem jüdischen Volk gegebenes Wort einlösen wollen und werden, wenn es klar ist, daß das jüdische Volk ln seiner Gesamtheit die Schaffung der Nationalen Heimstätte in Palästina unterstützt. Wir rufen deshalb alle jüdischen Kreise zur aktiven und rückhaltlosen Mitarbeit arr der Organisierung unseres Volkes unter der Parole Erez-Israato und an der materiellen Förderung des Aufbauwerkes auf. Wieder ein Jade ermordet Jerusalem, 2. Oktober, jj.T.A.) In der Nacht zum 1. Oktober wurde der aus dem Yemen stammende 35jährige jüdische Schuhmacher Scliman Mouhajez von einer durch das Fenster in seine Wohnung abgeschossene Gewehrkugel tödlich f. .. ־• '־ " ' ״״ ־״'־־ ' ־־■־” ״ ■ _ Belagerungszustandes, der ein Betreten der Straße nach 6 Uhr abends verbietet, wagte niemand das Haus zu verlassen. So lag Seliman Mouhajez aus einer schweren Kopfwunde blutend eine ganze Nacht in seiner Wohnung, bis ihn Nachbarn gegen 5 Uhr morgens auffanden und ihn ins Hadassah-Hospital transportierten. Sein Zustand ist hoffnungslos.