Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 77 (1.10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 77, I.X. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 515 Sokolows Rede in Zürich _ Wir hak«״ in der ״Jütl. Rundschau" vor einiger Zeit die Rede kriiisert, die Nahum Sokolow in Züridi bei einer Kundgebung anläßlich der Vorgänge in Paläslina gehalten hat. Es lag uns ein geklirrter Bericht der J.T. A. und der ״Neuen Züricher Zeitung" vor. D10 Rede Sokolows wurde von der ״N.Z.Z." und von der ״Frankf. Zig." rum Ausgangspunkt einer Polemik gegen den Zionisnnis genommen; wir unsererseits wandten uns gegen die in den Berichten besonders unterstrichene Formel, ״es gelt» kein jüdischarabisches Problem in Palästina". Nun sendet uns Herr So kolow den vollen Wortlaut seiner Rede, damit die durch die erwähnte Polemik entstandenen Mißverständnisse beseitigt werden. Wir geben daher nachstehend die betreffenden Abschnitte der Rede in dem uns übergebenen Text wieder. Herr Sokolow sagte; Was ist geschehen? Es gibt kein arabisch -jüdisc 11 cs Problem. Dieses ist künstlich geschaffen worden. Es ist eine Fiktion. Es gibt nur ein arabisches und ein jüdischcs Problem. Das arabische Problem bestand in der Unterdrückung durch die Türken, und wir haben doch mit den Staatsmännern an der Befreiung der Araber mitgeholfen. Jerusalem ist nicht Mekka, nicht Bagdad. Irak, Mesopotamien, die Kornkammer der Welt, liegt offen vor den Arabern. Der arabische Kirchenstaat der Hedschas ist befreit, der Emir zum König erhoben, mit Unterstützung der palästinensischen Mandatarmacht ein syrisches Reich geschaffen worden. Für die Frage, wem der Nahe Osten gehören solle, bot sich im Lichte der Welt die große Lösung: Armenien den Armeniern, Arabien mit Mekka und Bagdad den Arabern und in Palästina ein Nationallleim für das jüdische Volk. Die den Arabern gegebenen Versprechungen sind mit Opfern Englands und Frankreichs als Mandatarmächten gehalten worden, ln Palästina leben nur wenige Araber, ein Mischvolk, auch Armenier, Griechen und andere. Und da sagt man 600000 Araber und entscheidet nach Majoritäten. In einem Lande, wo es gilt, Kolonisation zu schaffen, gibt es keine Frage von Majo* rität und Minorität. Palästina braucht Menschen zu seiner Entwicklung. Palästina ist ein Belgien und hat nicht einmal der! zehnten Teil seiner Bevölkerung. Schon die deutschen Templer, also Menschen ohne spezifisch nationalen Zusammen- Ifang, gingen nach Palästina, um Kolonisation zu treiben. Das Land ist ja noch nicht fertig. Man hat die Araber befragt. Sie haben ihre Forderungen gestellt und bekamen viel größere. Gebiete in Syrien und Irak. Es wurde im Jahre 1919 eine besondere Kommission eingesetzt. Ein Piebiszit war nicht möglich. Wo auch in einem A-Mandatarland ist es durchgeführt worden? Unter diese Kategorie fallen die Länder, die allmählich zur Selbstverwaltung reif gemacht werden sollen. Palästina ist vielleicht das schönste Beispiel dafür. Das Land ist, dank den Opfern unserer judisenen Jugend, in jeder Beziehung gestiegen. Das beweisen statistische Vergleiche in sanitärer und hygienischer Hinsicht, in Erziehung und Moral. Es ist kium zu erkennen, dab es sich um dasselbe Land und um dasselbe Volk handelt. Wir haben die Mission erfüllt, Vorbild zu sein. Wie dunkel war das asiatische Jaffa vor dreißig Jahren, wie hell ist es heute, weil in seiner Nähe Tel-Awiw ist. Herr Sokolow spricht dann ausführlich über die Klagemaucr- Affäre und fährt fort: Das Gift der Verleumdung und Mißverständnisse hat zu bestialischen Pogromen geführt. Die größte Gefahr ist, daß diese Ereignisse geeignet sind, uns zu verwirren und einzuschüchtern. Vielleicht war das der Zweck. Aber es ist ein großer Irrtum: man kann das jüdische Volk nicht einschüchtern. Wir wußten; dafl wir nicht auf Rosen ins Paradies' hinübergehen werden. Wir werden leiden, aber vom eingeschlagenen Weg nicht zurückweichen. Wir beklagen die Opfer, sind aber stolz auf sie. Es sind heilige Altäre, nicht wie die Hekatomben der ukrainischen Juden, die vergeblich auf fremdem Boden hingeschlachtet wurden und deren Ueberlebende in der Fremde herumirren. Die ermordeten Kinder in Hebron werden leben. Ihre Seelen werden wie Fackeln sein, die unsern Weg erleuchten. Das sind die Opfer einer auf lebenden Nation. Es war unsere feste Absicht und wir werdetusie nicht aufgeben, freundliche Beziehungen mit aen Arabern zu unterhalten. Wir werden die Schlacken aus dem Mob des arabischen Volkes von uns abwerfen. Die vernünffigen Teile des arabischen Volkes aber werden mit uns zusammen weinen über den Bankerott des menschlichen Empfindens. Die Rede schloß mit folgenden Worten: Das jüdische Volk nimmt den Fehdehandschuh auf, und cs wird den Kampf gewinnen. Wir sind organisiert, aber alle müssen zusammenstehen. Hier heißt es: Jude oder plünderndes arabisches Gesindel! Wir alle erklären feierlich, daß wir hinter unsern Pionieren, unsern Kindern und Brüdern in Erez- Israel stehen. Wir strecken die Hand aus zur Freundschaft mit den guten arabischen Elementen, bestrebt, den Weg des Friedens zu suchen. Wie ein Mann werden wir uns erheben, um zu helfen, um zu retten und um für das Ideal zu kämpfen, das wir hier in diesen Räumen gefeiert haben. Offener Brief an Herrn Theodor Berkes (Sonderkorrespondenten des Berliner Tageblatts.) Sehr geehrter Herr Berkes! Gestatten Sie mir zu Ihrem Bericht im ״Berliner Tageblatt“ vom 21. 9. einige Bemerkungen: Niemals, auch nicht von zionistischen Extremisten ist die Unantastbarkeit heiliger mohammedanischer Stätten angezweifeit worden, ebensowenig wie das Besitzrecht der Mohammedaner an der Klagemauer. Diese jedoch wird nicht von ihnen als Heilige Stätte in Anspruch genommen, wohl aber dafür seit Jahrhunderten von der Judenheit der ganzen Welt und aller Richtungen angesehen. Auf die mohammedanischen Heiligen Stätten haben Juden ebensowenig jemals Aspirationen gehabt, wie etwa auf christliche Fieiligtümer. Die von Ihnen so formulierte Aeußerung des Col. Kisch, als ob erst ״nunmehr unzweideutig“ die Unverletzlichkeit der mohammedanischen Heiligtümer anerkannt werde, ist also kein Novum, kein etwa unter dem Druck der letzten Geschehnisse von dem zionistischen Sprecher gemachtes Zugeständnis. Auch die damit in Zusammenhang gebrachte, ebenfalls ״nunmehr unzweideutige“ Absage an die Forderung des ,Judenstaates“ erweckt beim Leser den Eindruck, daß die Zionisten in ihrer Gesamtheit bisher hinter dieser Forderung gestanden hätten, sie aber nunmehr erst aufgegeben haben. Tatsächlich erstreben die Zionisten seit dem 1. Kongreß (1897) nur. eine ״öffentlieh rechtlich gesicherte Heimstätte“ und kann die Aeußerung Kischs nur als eine Wendung gegen Postulate der Extremisten aufzufassen sein, deren Minderheit in Opposition zur zionistisehen Leitung und zur Jewish Agency steht. Aber auch den nationalistischen Extremisten, gegen die sich die Araber wenden, wie Sie den Großmufti sprechen lassen, muß man Gerechtigkeit widerfahren lassen und ihnen nicht gleichermaßen ״nationale und religiöse Ueberheblichkeit“ zum Vorwurf machen; religiöse Ideologien — der Zionismus ist ja überhaupt religiös neutral — gehören nicht zu ihren Forderungen. Die Kolonisation des Landes durch die Juden sei willkommen, aber nur ״soweit das arme Land dies wirtschaftlich ertrage". Auch diese Worte dürfen nicht «!kommentiert hin• fehen, soll sich nicht eine mißverständliche Auffassung beim eutschen Leserpublikum einnisten und die logische Konklusion aus diesen Worten ergeben, als ob das ״arme Land“ von den zionistischen Kolonisatoren quasi ausgebeutet würde. Die Wahrheit ist, daß die Juden seit der Balfour-Deklaration etwa zehn Millionen englische Pfund in das ״arme Land“ hineingetragen haben, und es liegt für jeden Kenner der Verhältnisse offen zu Tage, daß diese für Palästina horrend«! Summen zum überwiegenden Teil, z. B. durch Bodenkauf in die Tatsachen der Araber geflossen sind. Was die Fellachen, die Heloten Palästinas, und die arabischen Arbeiter den Zionisten an materiellen und sozialen Fortschritten zu danken haben, ist eine andere offenkundige Wahrheit. Und in Gegensätzlichkeit zu dem nach Ihrer und nach allgemeiner Ansicht übermäßig großen Optimismus, der hinsichtlich der Entwicklung der Dinge vorher die Verwaltung beherrschte, schildert die dritte Unterredung mit Luke, dem Vertreter des englischen Oberkommissars, daß dieser zugab, ״daß sich die Gegensätze viel schärfer zeigten, als man angcnommen hatte.“ Die Beichte aus solchem Munde würde in der Tat ein gewichtiges Argument abgeben für die Beschuldigungen gegen die Verwaltung, der, wie Sie berichten, von beiden Seiten die Schuld an dem Blutvergießen zugeschrieben wird, ein Eingeständnis, das der englischen Untersuchungskommission ein willkommenes Beweismaterial für die Unterlassungssünden der Verwaltung darbieten würde. Es hieße, die Tragik des Heiligen Landes vergrößern, wenn sich durch mißverständliche Auffassungen beim Leser- Publikum einer ernsten Presse Fehlurteile über die Situation im Lande herausbilden würden, die nicht im Interesse der Wahrheit liegen. Heinrich Woznianski, Berlin. Brief aus Stuttgart (Von unserem Berichterstatter.) Wenn es neuer Beweise für die Bedeutung der Erweiterung der Agency bedürfte, so wäre dafür einer der sichersten der Widerhall, den das Wort Palästina in einer Stadt wie Stuttgart heute findet. Gewiß wird der frische Eindruck der blutigen Geschehnisse manchen sonst Gleichgültigen aufgerüttelt haben, jedenfalls muß es als etwas Unerhörtes ver• zeichnet werden, wenn außer den Religions-Gemeinden Stuttgart und Cannstatt sämtliche jüdischen Vereine nicht charitativen Charakters zu einer Versammlung einladen, in der über Palästina gesprochen werden soll, und dieser Einladung 700 bis 800 Menschen folgten, mehr als der Saal faßt. Ministerialrat Dr. Otto Hirsch erstattete den Bericht über die Gründungssitzung der erweiterten Agency in Zürich in vorbildlicher Sachlichkeit. Ausgehend von der Balfour-Deklaration gab er ein Bild der Entwicklung bis zu den jüngsten traurigen Geschehnissen. Er erklärte die Bedeutung, die Aufgaben, die Organe der Agency, erzählte von den führenden Männern der Ver- Sammlung und fand besonders warme Worte des Gedenkens für den auf dem Gipfel seines Lebenswerkes verstorbenen Louis Marshall. Dem sachlichen Bericht schloß sich dann ein warmes und unbedingtes Bekenntnis zu Erez-Israel an, doppelt bedeutsam im Munde eines Mannes, dessen Wort unter den Juden Württembergs Gewicht hat und der zu dem Kreis der erst durch die Erweiterung der Agency zur Palästina-Arbeit Gewonnenen gehört. Es lag in der Natur der allen Lagern zugehörigen Hörerschaft, daß er sein persönliches Bekenntnis in die zwei Hauptfragen cinkleidete: ״Ist der Aufbau möglich und ist er wünschenswert?" Er nahm die negativen Antworten auf diese zwei Fragen den Gegnern aller Kategorien vorweg, uni sie zu widerlegen. Dabei kam er auf die jüngsten Ereignisse zu sprechen, die er beklagte, ohne vor Abschluß der Untersuchung urteilen und verurteilen zu wollen. Er ist überzeugt, daß es nur Wühler und Hetzer sind, die den Frieden stören, und warnt eindringlich vor jeder gewaltsamen Reaktion von jüdischer Seite; denn, wo Gewalt ist, ineint er, ist nicht Erez-lsrael. Die anschließende Aussprache war lebhaft, fast erregt, so einig alle Redner hinsichtlich des Protests gegen das geschehene Blutvergießen waren, so heftig ist noch immer der Widerstand weiter Kreise gegen den Aufbau. Dr. Rieger und R.-A. Mainzer machten sich zu Sprechern dieser Autfassung, während die nichtzionistische Jugend durch zwei Redner ihren Willen zum Aufbau betonte. Zu seinem von starker Begeisteurng getragenen Schlußwort gelang es Dr. Hirsch, alle Einwände zu entkräften. Zusammenfassend darf gesagt werden, daß diese wertvolle, von Vorsteher Oskar Rothschild mit klugem Verständnis geleitete Veranstaltung Erez-Israel in Stuttgart manche neuen Freunde geschaffen hat. Nur 4 Tage später rief von neuem das Interesse für Erez- Israel einen ansennlichen Kreis geladener Gäste zu einem Teeabend zusammen, bei dem Emile Vandervelde und seine Gattin in warmen Worten und glänzender Rede Reiseeindrücke schilderten, die Aufstandsbewegung beklagten und nach ihrer tieferen Ursache suchten: Neid einzelner, verhältnismäßig kleiner Bevölkerungsgruppen, der religiöse und politische Gegensätze teils ausnützte, teils erst schuf und seinen Zwecken dienstbar machen wollte. Die Begeisterung solcher nichtjüdischen Persönlichkeiten für das Land und seine Menschen, ihr sicherer Glaube an die jüdische Zukunft verfehlen selten ihren Eindruck auch auf laue und gleichgültige Volksgenossen. Salman Schocken und Kurt B1 umenfeld ergänzten die Reden des Ehepaares Vandervelde, jener durch ausgezeichnete Ausführungen im wesentlichen wirtschädlicher Natur, dieser durch einen kurzen, scharf umrissenen Bericht über die jüngsten Geschehnisse. Die Leitung dieser glänzend verlaufenen Veranstaltung hatte Ministerialrat Dr. Hirsch übernommen, da bedauerlichervveise Kommerzienrat Moos, der verdiente Förderer des Aufbaugedankens in Stuttgart, durch Krankheit verhindert war, an der Versammlung teilzunehmen. Dr. Hirsch beendete den Abend mit einer warmen und dringlichen Erinnerung an die allgemeine jüdische Pflicht, sich jetzt mit verdoppeltem Eiter des Aufbauwerkes anzunehmen. L. Marx. Acht Tage zuvor lüelt auf Einladung der zionistischen Ortsgruppe Ministerialrat Hans Goslar einen Vortrag, in dem er über die Grundlagen und Zukunft des Palästina- Aufbaus nach den Ereignissen der letzten Wochen sprach. Die Ursachen des Aufstandes streifte er nur kurz, der Hauptteil seines Vortrages galt der Aufdeckung der religiösen und sozialen Ideen, die im jüdischen Volk sich seit de 1 biblischen Tagen immer weiter entwickelt hätten und jeat zu ihrer schönsten und reinsten Verwirklichung in Palästina drängten. Um dieser Verwirklichung willen dürfen wir uns nicht von störenden Ereignissen noch so trauriger Art beeinflussen lassen, sondern im Sinne der altjüdischen Ideen weiterwirken, nicht nur um der Juden, sondern auch um der Menschheit willen. Die Versammlung, an der besonders viele Mitglieder der nichtzionistisehen Jugendgruppen teilnahmen, hörte mit großem Interesse die Ausführungen des Referenten an, da sie eine für viele neue, mehr religiöse Konzeption des zionisti sehen Gedankens brachte. Der Vorätzende der Ortsgruppe, Alfred Levy, der die Versammlung mit einer kurzen Gedenkrede aut die in Palästina Gefallenen und auf Louis Marshall eingeleitet hatte, schloß mit dem Hinweis auf die Sammlung ״Hilfe durch Aufbau“. Es war bedauerlich, daß mit Rücksicht auf die wenige Tage nachher stattfindende, von langer Hand vorbereitete Gemeindeversammlung dieser wertvolle Vortrag in einem engeren Rahmen veranstaltet werden mußte. Hans Hirschberg. Am Dienstag, dem 24. September, fand im Hause von Herrn Regierungsrat Dr. Noerdlinger, dem Präsidenten des Oberrats der jüdischen Gemeinden Württembergs, ein Abendessen zu Ehren von Herrn und Frau Vandervelde statt. Außer den genannten wohnten dem Abendessen Herr Ernst Markus, Berlin, und Herr Ministerialrat Dr. Hirsch und Frau, Herr Oskar Rothschild und Frau, und andere Persönlichkeiten der Stuttgarter Gesellschaft an. Haftentlassung der 33 Halber Jaden Jerusalem, 26. September. (J. T. A.) Die 33 jüdischen Arbeiter, die in den Tagen der Unruhen in Haifa in den Grand Moulins (Rothschilds-Mühlen), wo sie sich zu ihrer Verteidigung verschanzt hatten, von der Polizei verhaftet und unter der Beschuldigung des Mordes in die Zitadelle von Acco gebracht worden waren, sind heute aus der Ha ft entlassen word e 11. Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß die Beschuldigung des vorbedachten Mordes keine Grundlage habe. Es wurde festgestellt, daß die Erschießung des Arabers, dessen Leichnam unweit der Mühle aufgefunden wurde, unmöglich auf das Konto der Verteidiger der Mühle gesetzt werden könne. Der Leichnam befand sich zwischen zwei von Arabern bewohnten Häusern an einer Stelle, die nicht in der Schußrichtung der Mühle lag. Es wurde weiter festgestellt, daß der Leichnam vom arabtsehen Mob, der gegen die Mühle vorrückte, ausgeplündert worden war. Die Polizei stellte im Verlauf der Untersuchung fest, daß die drei in der Mühle Vorgefundenen und beschlagnahmten Gewehre ein Kaliber hatten, zu dem die im Körper des toten Arabers Vorgefundenen Kugeln nicht paßten. Kundgebungen im Reiche Bielefeld. Am 21. September 1929 hatte die Zionistische Ortsgruppe Bielefeld aus Anlaß der Ereignisse in Erez-Israel zu einem Vortrag hierüber die gesamten Mitglieder der hiesigen Jüdischen Gemeinde eingeladen. Die gutbesuchte Versammlung wurde von dem Vorätzenden der Ortsgruppe, R.-A. Müller, . auf sprach Herr Redakteur Moses Waldmann, Berlin, über das Thema: ״Was geht in Palästina vor?“ In seinem ausgezeichneten und von der Versammlung mit gespanntester Aufmerksamkeit angehörten Referat schilderte der Redner in zirka 1 Vsstündigen Ausführungen die Vorgänge in Erez-Israel, ihre Ursachen und ihre Wirkungen. Nacn seinen mit ungeteiltem Beifall aufgenommenen Darlegungen sprach zunächst der Vorsitzende der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr R.-A. Dr. Katzenstein, der sich offen als Anhänger des Aufbau- Werkes bekannte, was von dem größten Teil der Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen wurde. Er trat für eine Annäherung zwischen Juden und Arabern ein. Sodann nahm noch Herr Rabbiner Dr. K ro ת h e i m das Wort, welcher ausführte, daß nunmehr kein Jude dem Aufbauwerk gegenüber gleichgültig beiseite stehen dürfe. Nach dem Schlußwort des Herrn Waldmann, der manche Bedenken des Herrn Dr. Katzenstein zu zerstreuen wußte, wurde die stimmungsvoll und ohne jeden Mißklang verlaufene Versammlung geschlossen mit einem Appel! des Vorsitzenden an die Erschienenen, die Schäden durch ״Hilfe durch Aufbau“ gutzumaehen. Es war das erstemal seit Bestehen der Ortsgruppe, daß eine öffentliche, zum überwiegenden Teil aus Nichtzionisten bestehende Versammlung in voller Harmonie und mit dem Gefühle allseitiger innerer Befriedigung verlief. Voller Hoffnung gehen wir daher an unsere neue Arbeit, die zunächst mit einer allgemeinen K. K. L.- Sammlung unter der Losung ״Hilfe durch Aufbau“ begonneu hat. Düsseldorf. Am 22. September veranstaltete die Synagogengemeinde eine Trauerkundgebung anläßlich der Vorfälle in Paläslina. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Synagogengemeinde, Herrn F e 1 s e n t h a 1, ergriff Rabbiner Dr. EscheIbacher das Wort und führte u. a. aus, nicht nur den gefallenen Juden und Arabern gelte die Trauer, sondern auch den großen Zerstörungen am Aufbauwerk. Eine Trauer, f' daß hinter ihnen das gesamte Judentum steht. Die Einigkeit der gesamten Judenheit möge sich durch diese Ereignisse noch fester schmieden. Auf Aufforderung des Herrn Dr. Eschelbacher stand die imposante Versammlung zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen auf. Der zweite Redner, Herr Rechtsanwalt Dr. G o 111 i e b (Zionist) führte aus, daß die englische Verwaltung einen Teil Schuld bei diesen Ausschreitungen trage, da sie es nicht verstehe, eine Einigung im Heiligen Lande zu schaffen. Heldenmütig habe der jüdische Selbstschutz die jüdi• sehen Rechte verteidigt. Eine Vernichtung des Aufbauwerkes sei nicht mehr möglich. Das Ziel der Juden in Erez-lsrael sei Frieden. Im Namen der jüdischen Jugend sprach Herr Assessor Felsenthal. Er legte das Bekenntnis der Jugend für das Aufbauwerk in Palästina ab. Durch den Eintritt in die Jewish Agency hat die Neutralität aufgehört. Er appellierte an das jüdische Volk gleich welcher Einstellung, tatkräftig mitzuhelfen, das erhabene Aufbauwerk zu unterstützen. Die weiteren Ausführungen gipfelten in der Aufforderung: Stark sein in der EinnauumuF ur. 1\ 1 c 1 n , ment nur 1 rauer uait uns ucucusuucu« sondern jeder Jude müsse helfen, dieses Werk der Einigkeit weiter zu kräftigen. In einer Entschließung wurde die innigste Anteilnahme der hiesigen jüdischen Bevölkerung an den traurigen Ereignissen in Palästina zum Ausdruck gebracht und den Palästina-Juden Grüße übermittelt. S. Nozowitz. Insterburg. Am Sonntag, dem 8. September, mittags 12 Uhr, fand in unserer Synagoge ein Trauergottesdienst statt, der in äußerst eindrucksvoller Weise verlief. Die Gedenkrede hielt Herr Rabb. Dr. Augapfel, der vor der fast vollzählig erschienenen Gemeinde ausführte, daß die Palästinaidee so alt sei wie das jüdische Volk und daß die Ereignisse in Erez- Israel nur die eine Wirkung haben dürften, mit erhöhten Kräften dem Palästinawerk zu dienen. Ara Schlüsse der Feier sprach der Gemeindevorsitzende, Herr Stadtältester Otto Eichelbaum, der gleichfalls hervorhob, daß Palästina Aufgabe des Gesamt- Judentums sei und alles daran gesetzt werden müsse, das Werk der Vollendung zuzuführen. Lüdenscheid. Am 36. September fand hier ein» von der Mehrzahl der Gemeindemitglieder besuchte Versammlung zur Aussprache über die Ereignisse in Palästina statt. Der Referent, Postamtmann Stein weg, gab nach einleitenden Worten der Trauer und des Mitgefühls einen Uoberblick über den Verlauf der Ereignisse und untersuchte sodann die Fragen nach der tieferen Ursache des Geschehcncn und nach den Folgen für die weitere Entwicklung. Auf Antrag des Vortragenden beschloß die Versammlung eiustimmig ein dringendes Ersuchen an Vorstand und JtepcSK»t*nz de? pemeinde^