Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 77 (1.10.1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653133--21071-2679126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 514 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 7t, 1. X. 1029 | Israel Beikind | Einer der ersten Pioniere der werdenden zionistischen Bewegung ist gestorben. Am Sonnabend, dem 28. September 1929 (23. Elui) früh ist Israel Beikind im Krankenhause der Jüdischen Gemeinde zu Berlin einem schweren Leiden erlegen. Vor etwa sechs Wochen kam er auf der Reise von Paris hier an. Er wollte erst nach Polen und dann nach Amerika fahren, um der besonderen jüdischen Waisenpflege im nationalen Sinne, wie er sie für Erez-Israel begründet hatte, neue Freunde zu werben. Er war schon unterwegs in Paris eine Woche lang im Krankenhause gewesen, aber dann dort als genesen entlassen worden. Bei seiner Ankunft in Berlin fühlte er einen Rückfall, ließ mich benachrichtigen, und ich fand ihn im Hotel in jener zuversichtlichen Stimmung, die ihn niemais verlassen hat. Da ich erkannte, daß unter Umständen Gefahr im Verzüge sein könnte, brachte ich ihn in unser Krankenhaus, wo man seinen Zustand sofort als ernst ansah. Als ich ihn dann bald besuchte, sagte er mir lächelnd: ״ich bin als ganz Leichtkranker hierhergegangen, und hier macht man einen ganz großen Kranken aus mir.“ Er ist sich der Gefahr nicht bewußt geworden, bis er hinübergeschlummert war. Ein schlichter, einfacher Mann. Man mußte Israel Bcikind schon genau kennen, um zu verstehen, daß er etwas ganz Besonderes war. Der Mann, der nicht redete und manchem als schwerfällig in der Sprache erscheinen mochte, hatte z. B. eine so große Sprachbegabung, daß er eine ganze Reihe von Sprachen beherrschte. Wir waren junge Menschen, als wir uns kennen lernten. Es war in Jerusalem. Er hatte niemals Deutschland betreten, ln Palästina hatte er wenig Gelegenheit, Deutsch zu treiben. Aber er sprach schon damals ein literarisches und reines Deutsch und in der Aussprache ohne jeden fremden Akzent. Das war um so wunderbarer, als er aus Weißrußland (aus Lahoisk) gebürtig war, wo er in der jiddischen Sprache aufwuchs, um in Schule und Universität, die er nur kurze Zeit besuchte, Russisch als Kultursprache zu treiben. Aber er hat schon frühzeitig seine Studien abgebrochen. Mit anderen begründete Israel Beikind — er war damals 21 Jahre alt — den Verein Dabiu (Dabbdr el-bnö Jisradl wajiss’u), aus dem dann bald jener Verein Bilu (Beth-Ja’akob l’chu wenelchä) wurde, der die Grundlage der jüdischen Kolonisation in Erez-Israel geworden ist Israel Beikind, der am 14. April 1861 geboren ist, also damals noch nicht 22 Jahre alt war, ging an der Spitze der ersten Bilu-Gruppe nach Palästina, um mit seinen Genossen die erste jüdische Kolonie zu gründen. Seine 1917 ' in New York in zwei Binden erschienene Schrift (in jiddischer Sprache) ״Der erste Schritt von Jischuw Erez Jisroel“ ist daher ebenso wie seine hebräische Zeitschrift ״Ham-Me’ir“ ein wichtiges und grundlegendes Dokument, das keine künstlich aufgebauschte und keine tendenziös entstellte Geschichte des Zionismus ist, sondern ein Quellenwerk, die Erinnerungen eines Mannes, der von Anfang an dabei gewesen und niemals in der zionistischen Betätigung lässig geworden ist. In demselben Jahre hat er eine hebräische Karte von Palästina herausgegeben. War er doch seiner besonderen Vorliebe für Geographie und Naturwissenschaften immer treu geblieben. So hat er auch eine Geographie Palästinas geschrieben, das erste hebräische Schulbuch auf diesem Gebiete. Wenn er auch seine innigen Beziehungen zu der ersten Kolonie Rischon I’Zion niemals abgebrochen hat, so war er doch seit 1889, wo er die erste hebräische Elementarschule in Jaffa ins Leben rief, zumeist Lehrer gewesen. Als er seine Schule nicht halten konnte, war er nach Jerusalem gegangen, um an der Schule, die unter Nissim Beharis Leitung auch EBeser Ben-Jehuda die erste Möglichkeit eines Unterrichts in lebendiger, hebräischer Sprache gegeben hatte, in dieser Unterrichtssprache Kenntnisse in realen Fächern seinen Zoglingen zu vermitteln. Vor allem hat er auch Rechnen und Geschichte unterrichtet, und im Verlaufe seiner Schultätigkeit hebräische Schulbücher für Arithmetik und allgemeine Geschichte verfaßt. Im Jahre 1895 hat er Jerusalem verlassen. Er war monatelang im Ostiordanlande, das damals noch für unzugänglich gehalten wurde, und galt bei seinen Freunden für verschollen. Er war bei den Beduinen, die ihn schnell schätzen lernten, — er sprach selbstverständlich längst ein schlichtes aber gutes Arabisch — als willkommener Freund auf genommen worden. Nach seiner Rückkehr war er dann an der eigentlich ersten Schule mit hebräischer Unterrichtsspräche, unserem Beth-Sefer ׳Ibri le-Banöt in Jaffa, das die Möglichkeiten für das spätere hebräische Gymnasium geschaffen hat, als Lehrer für Geschichte und Realfächer tätig. Beikind hat vor allem auch seine ganze Familie mit Erez- Israel in innige Verbindung gebracht. Wir erinnern uns noch, wie sein alter Vater, der ihm in die neue Heimat gefolgt war, mit Liebe und Verständnis in hebräischer Sprache den Talmudunterricht an der Knabenschule in Jaffa erteilte. Israel Beikind hatte seine besonderen Lieblinge. Das konnte man in seinem Geschichtsunterricht sehen. Wenn er von Kaleb ben Jefunne, von dessen Tochter Achsa, von Chefzibah und der Zeit der ersten Richter in Israel sprechen konnte, so fühlte man die Seelenverwandtschaft, in der er sich mit dieser Zeit der ersten Besitznahme Israels von seinem Lande wußte. Er war «in Mann von 45 Jahren, als ihm endlich das Glück zuteil wurde, zu heiraten und ein eigenes Haus zu begründen. Ehe einzige Tochter, die ihm beschert war, nannte er Achsa. Dem Stück Land, das er bei seinem geliebten Chudeira erworben hatte, gab er den Namen Chefzibah (״Ich habe meine Lust daran“). Und einer andern Gründung verlieh er den Namen Kirjath-Sefer, der zugleich einen historischen Namen auffrischte, und der seiner Liebe zu Buch und Literatur Ausdruck verlieh. In Kirjath-Sdfer wollte er eine andere Lieblingsidee verwirklichen. Er wollte mit den Waisen von den Pogromen von Kischinew und Hornel, denen er ein Vefter wurde, eine jüdische Kinderstadt errichten, und hat später ukrainische Waisenkinder in gleicher Weise aufgenommen. Jetzt galt seine Amerikareise auch dem Ausbau dieses von ihm niemals vergessenen Kirjath-Sfifer. Da ist er mitten aus der Arbeit herausgenommen worden und fern von dem geweihten Boden seines heißgeliebten Palästina verschieden. Aber es ist Sorge getragen, daß der erste der ״Bilu״ in der Erde von Erez-Israel gebettet wird. Es war ein enger Freundeskreis, der da in Jaffa an der Kolonisation und an der hebräischen Sprache geschaffen hat: iehuda Grasowski, Dr. Hillel Joffe, Jehoschua Eisenstadt, I. Kaisermann, Dr. Stein, und neben manchen andern, vor allem auch unser Israel Beikind, der in der Geschichte des wieder erstehenden Volkes Israel im Lande Israel unvergessen bleiben wird. Heinrich Loewe. 60 jüdische Waisenkinder Jerusalem, 27. September. (J.T.A.) Nach den Getöteten während der Palästina-Unruhen sind 60 jüdische Kinder verwaist geblieben. Allein in Hebron zählt man 29 Waisenkinder, ferner 13 in Safed, 11 in Jerusalem, 4 in Beer Tobiah, 3 in Tei-A'wiw. Auch sind 23 jüdische Frauen Witwen geworden. Der Distriktskommissar von Jaffa hat die Auflösung der Partei der Linken Poale Zion verfügt. (JTA.) für nationale Diszlpfti Ein Appell von Schalom Asch. Der ״H aint“ veröffentlicht folgende Ausführungen von Schalom Asch: Ordnung und Disziplin! Alle müssen wir hinter unseren Führern stehen, sie stärken und nicht schwächen. Die Ereignisse in Palästina sind zu ernst, sie kosten uns zu viel und können uns noch mehr kosten, als daß es erlaubt wäre, sie für Zeitungssensationen und eigenen Ehrgeiz, aus welchen Motiven immer, auszunützen. Uebertreibet nicht, wecket keine Panik unter den Juden, machet die Situation nicht schwieriger als sie ist! Vor allem: betreibet keine Politik auf eigene Faust. Es ist schon an der Zeit, sich einer Disziplin zu unterwerfen und Ordnung bei uns einzuführen. Es wurde eine Exekutive gewählt und in ihrer Hand befinden sich die Zügel. Sie hat zu entscheiden, was zu tun ist und was nicht getan werden darf. Wenn sie gegenüber der englischen Regierung nicht den Ton annehmen kann, mit dem irgend jemand von uns auf einem Protest-Meeting vor der erregten jüdischen Bevölkerung auftritt, so heißt dies, daß sie es nicht kann, daß die Situation und der polifische Takt ihr befehlen, so und nicht anders zu handeln. Was man von England fordern kann und was man nicht fordern kann, darüber ist sie besser unterrichtet als irgendwer unter uns und sie weiß besser, was Aussicht auf Erfolg hat und was nicht. Man muß Vertrauen haben, Vertrauen zu den Leitern, die wir an die Spitze gestellt haben. Wir müssen alle wie ein Mann uns zu ihrer Verfügung stellen. Unsere Protestversammlungen werden erst dann eine Wirkung ausüben, wenn sie in Uebereinstimmung sein werden mit den Forderungen, die die Exekutive in London aufstellt. Im gegenteiligen Falle werden sie den chaotischen Eindruck einer verwilderten, hysterischen und undisziplinierten Masse erwecken, die keine Führer besitzt und die nicht von einem Willen und einem Wunsch beseelt Ist. Die Ereignisse in Palästina siijfl nicht eine ״Miß Judäa“, die man für Zeitungs9ensationen ausnützen darf, um dabei ein Geschäft zu machen. Ehre dem vergossenen jüdischen Blut! Achtet auf Ehrlichkeit im Angesicht der Leichen! Unsere Ohren sind in der Richtung von London gesetzt, unser Standpunkt richtet sich nach unseren Führern. Brand tn der ״Lodzla“ In Tel -Äwiw Jerusalem, 28. September. (J.T. A.) Tel-Awiw erlebte heute das größte Schadenfeuer seit dem Bestehen der Stadt. Ein von einem elektrischen Motor abspringender Funke verursachte einen Brand ln der Webereiabteflung der ״Lodzla“- Fabrik. Die Weberei brannte vollständig ab, der Schaden beträgt 15 000 Pfund. Das Strumpfwarenlager und die übrigen Lagerräume der Fabrik wurden von dem Feuer verschont. Der Brand wurde durch das rechtzeitige Eingreifen der Feuerwehr gelöscht. Kleine Nachrichten Der Präsident der französischen Gesellschaft ״France-Patestine“ (entspricht dem deutschen ״Pro Palästina-Komitee), JustinÖoaardjist soeben in Jerusalem eingetroffen. M. M. Ussischkin ist nach mehrmonatiger Abwesen־ heit nach Jerusalem zurückgekehrt. Die Judenschaft des georgischen Vje rt e Is der Stadt Jerusalem unterbreitete da* Regierung eine Aufstellung der von ihr in den Tagen der Unruhen erlittenen Schäden, deren Gesamtbetrag sich auf 26000 Pfund beläuft. In Jerusalem wurde, einer J.- T. A.-Meldung zufolge, ein alter Jude, Flüchtling aus Safed, In einer einsamen Straße erstochen aufgefunden. Der Distriktsgouverneur von Haifa hat den Verkehr in den Straßen von Haifa bis 11 Uhr abends gestattet. Seit den Unruhen war in Haifa der Verkehr in den Straßen nur bis zum Vesperläuten, 6 Uhr abends, wie es jetzt noch in Jerusalem der Fall Ist, gestattet. 30 jüdische Familien aus dem Dorfe Beis an im Emek beschlossen, in ihre Heimstätten zurückzukehren, nachdem gegenwärtig in Beisan zwei Züge britischen Militärs stationiert sind, die für den Schutz der Gegend ausreichen. Die ersten Strafen J e r u s a I e m , 26. September. (J. T. A.) Wie die arabische Presse mitteilt, wurden seit Beginn der Unruhen bis zum 19. September 500 Araber und Juden wegen Teilnahme an den Unruhen zu Strafen in verschiedener Höhe verurteilt. 374 Arabern und 39 Juden wurden Polizeistrafen zudiktiert, 85 Araber und 14 Juden wurden von den Distriktsgerichten abgeurteilt, 7 Araber und 1 Jude wurden wegen schwerer Kriminaldelikte bestraft. Ein arabischer Hausbesitzer in Haifa, bei dem eine große Menge bei Juden geraubten Gutes gefunden wurde, wurde zufünfJahrenGelängnis verurteilt. Ein Araber, der in einem jüdischen Hause in der Nähe von Ness Ziona mit einem Revolver bewaffnet ertappt wurde, ist zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ein Araber, der, mit einer Handgranate bewaffnet, beim Aerodrom in der Nähe von Kalendiah abgefaßt wurde, erhielt 12MonateGefängnis zudiktiert. Drei arabische junge Leute in Tulkerem, die ohne Erlaubnis der Polizei eine Kundgebung veranstaltet hatten, wurden mit einer Geldbuße von je zwei Pfund verurteilt. Sie wurden von drei prominenten arabischen Anwälten verteidigt, die gegen das Urteil Berufung elnlcgten. Jerusalem, 27. September. (J.T.A.) Herr Goldent h a 1, der Geschäftsführer der Haifaer Zweigniederlassung des Paiestine Syndikate, wurde unter der Beschuldigung, während der arabischen Angriffe auf das Geschäftsviertel von Haifa einen der angreifenaen Araber getötet zu haben, verhaftet. Das Haifaer Distriktsgericht hat David Syngarisky, bei dem eine Waffe gefunden wurde, zur Leistung Sner Geldbüße von 25 Pfund verurteilt. In der Urteilsbegründung erklärt das Gericht, das Verbrechen wäre mit drei Jahren Gefängnis zu ahnden, allein das Gericht habe die Tatsache in Rücksicht fezogen, daß der Angeklagte andere Menschen verteidigte, ie ohne seine Verteidigung vielleicht ihr Leben hätten lassen müssen. Syngarisky hat sich in der Abwehr eines plötzlichen arabischen ״Angriffes auf das Stadtviertel Newej Schaanan besonders ausgezeichnet. Es hat den Anschein, daß die Gerichte die Weisung haben, in Fällen, wo das Merkmal der Selbst- Verteidigung gegen Angriffe besonders ersichtlich ist, das Gesetz nicht in seiner vollen Schärfe anzuwenden. Zwei arabische Zeitungen verboten Jerusalem, 28. September. (J.T.A.) ^1 Namieh e 1 A r a b i a“, das nalboflizfelle Organ der arabischen Exekutive* und die von einem Christen geleitete arabische Zeitung ״Mereat el Shark“, sind wegen Veröffentlichung aufreizender Artikel für die Dauer einer Woche verboten worden. Robert Hatz Die Zionistische Vereinigung für Deutschland und vor allem die Zionisten in Hannover haben durch das Ableben von Dr. Robert Katz einen unersetzlichen Verlust erlitten. Der plötzlich im blühenden Alter von 33 Jahren Verstorbene war einer der treuesten, besten und liebenswürdigsten zionistischen Arbeiter, die die zionistische Bewegung und die zionistischen Institutionen in Deutschland besessen haben. Unermüdlich im Dienste des Zionismus war Robert Katz von höchster Opferwilligkeit und von ewig froher Tatbereitschaft. Alle Aktionen, die der Zionismus in Deutschland einleitete, fanden in Robert Katz den ergebensten, nie erlahmenden Mitarbeiter. Seine persönliche Beliebtheit schuf ihm in der jüdischen Gesellschaft Hannovers geradezu eine Ausnahme- Stellung. Es gab keinen luden, einerlei ob er Ost- oder Westjude war, Zionist oder Nichtzionist, der persönlich nicht die größte Hochachtung und Verehrung für diesen heiteren, hilfsbereiten Menschen empfand. Vor einigen Monaten nahm Robert Katz, der mehrere Jahre kaufmännisch tätig war, seinen ärztlichen Beruf wieder auf, und es gelang ihm innerhalb ganz kurzer Zeit die Grundlage für eine neue Existenz aufzubauen. Erst vor wenigen Tagen konnte man aus seinem Munde erfahren, wie hoffnungsvoll er ln seinem ärztlichen Berufe geworden sei und wie er sich zufrieden fühle, daß er sich nun in noch stärkerem Maße den zionistischen Aufgaben widmen könne. Der von diesem entsetzlichen Unglück betroffenen Familie wendet rieh die allgemeine Teilnahme zu. Auch wir drücken der Witwe, den Eltern des Verstorbenen, seinen übrigen Angehörigen und allen Freunden dieses prachtvollen Menschen unser tiefstes Mitgefühl aus. Namens der Z.V. f. D. wird sich eine Abordnung an der heute um 4 Uhr nachmittags stattfindenden Beerdigung be• beteiligen. Kundgebnng des toadoner Gewerkschaltsrates London, 26. September. (J. T. A.) Der Londoner Gewerkschaftsrat, der mehr als 200000 organisierte Arbeiter vertritt, faßte in seiner letzten Sitzung einen Beschluß, in welchem die tiefste Entrüstung über die blutigen Angriffe auf die Juden Palästinas durch einen vom High Commissioner als ״blutdürstige Verbrecher“ charakterisierten Pöbel ausgedrückt und der Arbeiterförderation in Palästina der Gruß brüderlicher Sympathie gesandt wird. Diese Ver- Sammlung, heißt es in aem Beschluß weiter, unterstützt von ganzem Herzen die folgenden Forderungen der palästinensischen Arbeiterförderation: 1. Unterdrückung von Mord Und Plünderung und Sicherung von Leben und Eigentum; 2. finanzielte und medizinische Hilfe an Flüchtlinge und Leidende, 3. Entlassung der Beamten, die durch Unterlassung oder Ermunterung für die Vorfälle verantwortlich sind; 4. Einstellung von Juden in die Polizei- und Schutztruppe; 5. Ueberprüfung der Palästina-Administration im Lichte der jüngsten Ereignisse. Zum Schluß heißt es: Ke Versammlung ist überzeugt, daß die Erfüllung dieser Forderungen zur Durchführung der durch Großbritannien und dem Palästina-Mandat übernommenen internationalen Verpflichtungen unerläßlich ist Großbritannien darf nicht vergessen, daß es der Bevollmächtigte des Völkerbundes zur Durchführung des Mandates in Palästina ist Der Ueberlail anl Klar Jeladint Jerusalem, 28. September. (J.T.A.) Die Spuren der arabischen Räuberbande, die den Angriff auf die Kinaerkolonie Kfarjeladimim Emek Jesreel durchgeführt und den Wichter der Kolonie getötet haben, führen nach Transjordan I e n. Die Regierung hat Order gegeben, diese Spuren auch in Transjordanien zu verfolgen. ״Die Araber haben das Wort** Unter diesem Titel veranstaltete ein arabisches Komitee am 27. d. Mts. einen Ausspracheabend, auf dem die arabisch-nationale Freiheitsbewegung und die Ereignisse in Palästina zur Behandlung gelangten. Vier arabische Referenten und ein deutscher Freund der arabischen Bewegung sprachen über das ״Problem des Zionismus“, die ״zionistischen Verbrechen in Palästina“ und über die arabischen Forderungen. Das Auditorium bestand aus der Berliner arabischen Kolonie, deutschnationalen und nationalsozialistischen Parteigängern sowie aus einer großen Anzahl von Zionisten, die aus arabischem Munde eine Darstellung der arabischen Wünsche hören wollten. Außerdem war die Berliner Presse ziemlich stark vertreten. Wenn man bedenkt, daß die Araber in Berlin in einem fremden Milieu und in einer fremden Sprache ihre Ansichten vortrugen, so muß man ihnen das Zeugnis au9stellen, daß sie rieh, rein formal betrachtet, ihrer Aufgabe ziemlich gut entledigten. Inhaltlich standen jedoch die meisten Referente nicht auf einer Höhe, die imstande gewesen wäre, überzeugend zu wirken. Es waren Aeußerungen eines primitiven Nationalismus, der mit zu plumpen Verdrehungen arbeitet. Darum verfehlten die von den arabischen Rednern gegenüber angeblichen zionistischen ״Verbrechen und Oreueltaten“ erhobenen Vorwürfe völlig inre Wirkung. Sie wurden einfach auch von ganz ununterrichteten Hörern nicht geglaubt. Namens der Zionisten griff Dr. Nahum G o 1 d m a n n in die Debatte ein. Trotz aller Kritik an den vorgebrachten arabischen Behauptengen und Widerlegung ihrer Entstellungen drückte er die zionistische Bereitwilligkeit aus, mit den Arabern zu einer Verständigung zu gelangen. Wir Zionisten haben für die arabische Freiheitsbewegung nicht nur Verständnis, sondern auch Sympatliie. Mehr und stärker als andere Völker wissen wir Juden die arabische Kultur sowie Bedeutung und Bildungsfähigkeit des arabischen Volkes zu schätzen und wünschen eine ehrliche Verständigung zwischen den beiden größten Völkern der semitisehen Sprachfamilie. Darum hätten wir es begrüßt, wenn die gebildeten Araber in Berlin deutlich abgerückt wären, von den in Palästina begangenen Greueltaten, statt in falscher Solidarität sie zu decken oder gar durch ungeheuerliche Ent- Stellung der Tatsachen zu rechtfertigen. Wir hätten auch erwartet, fuhr der Redner fort, daß die arabische Intelligenz mehr Verständnis und Respekt hat für die nationale Wiedergeburtsbewegung eines alten Volkes, das nur durch Palästina erhalten werden kann, während die arabische Nation über ein fünfzigmal größeres Gebiet unangefochten verfügt. Die Existenz der arabischen Nation hängt nicht an Palältina, wohl aber die der jüdischen Nation. Und in Palästina ist Platz für beide Völker. Aber durch blutige Angriffe wird das Problem nicht gelöst werden. Nach der eindrucksvollen Rede Dr. Goldmanns war die Zeit so weit vorgeschritten, daß der größte Teil der Anwesenden die Versammlung verließ, leider auch viele Zionisten. Dies kann den Veranstaltern eine Lehre dafür sein, daß man nicht erst durch acht Redner die Versammlung ermüden und die eigentliche Diskussion erst von Mitternacht beginnen darf, wenn man darauf Wett legt, auch noch im Schlußwort gehört zu werden.