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Jüdische Rundschau · 1929-09-27 · Heft 76 (27.9.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 76 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 70, 27. IX. 1929 Seite 505 I JÜBDISUHE RUNDSCHAU Vandervelde in Nürnberg Das Keren Hajessod-Komitee Nürnberg hatte am Montag, dem 23. September, zu einem Abend eingeladen, an welchem Herr Emile Vandervelde, der ehemalige belgische Außenminister und seine Gattin über: ״Das jüdische Aufbauwerk und aktuelle Palästinafragen“ sprachen. Dr. Meinhold Nuß bäum, der Leiter des Abends, begrüßte die erschienenen Gäste und feierte Herrn Vandervelde als einen internationalen Politiker der Kriegs• und Nachkriegs־ zeit, der auch an der Mandatsverfassung mitgearbeifet hat Rabbiner Dr. Freudenthai hieß die beiden Redner und die Versammlung als Mitglied der Keren Hajessod-Kommission ■willkommen. Er betonte, daß die Antwort der gesamten jüdisehen Welt auf die schmerzlichen Ereignisse in Palästina ausgedrückt wurde in dem Willen, weiterhin den Aufbau zu unterstützen und das Werk zu vollenden. Gerade der Keren Hajessod hat von Anfang an seine Mittel einem friedlichen Aufbau zur Verfügung gestellt Sodann ergriff Frau Vandervelde das Wort Sie schilderte den Beginn ihrer Orientreise, zuerst das glänzende, luxuriöse Aegypten mit seinen vornehmen, modernen Hotels, mit seiner Eleganz. Und dann in Palästina das Erlebnis: ein armes steiniges Land, eine nach europäischen Begriffen arme Bevölkerung, aber Menschen, die durchglüht sind von einem heiligen Enthusiasmus und die aus diesem Steinboden das Wunder neu schaffen, ein Land, In dem Milch und Honig fließen ward. Ihr besonderes Interesse wandte sie den Frauen- und Kinderfragen bzw. Erziehungsproblemen zu und wußte in fesselnder Weise von ihren Erlebnissen und Beobachtungen zu berichten. Emil Vandervelde führte etwa folgendes aus: Ich ging nach Palästina, dessen Dasein und Leben mir von gewisser Seite in den schwärzesten Farben ausgemalt worden war, mit dem festen Willen zu sehen, was zu sehen war und mich nicht beirren zu lassen durch vorgefaßte Meinungen. Und was fand ich? Landwirtschaftliche Kolonien, die dem Augenblick entgegensehen, da sie sich aus eigener Kraft würden erhalten können, eine lebendige, ausbaufähige Industrie, eine minimale Zahl von Arbeitslosen, Aussicht auf eine baldige größere Neu• einwanderung, kurz, eine Situation, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. — Die vor kurzem in Palästina ausgebrochenen Unruhen sind, meiner Ansicht nach, nicht aut reli* giösen Fanatismus zurückzuführen, sie basieren auf ökonomisehen Gründen. Es sind drei Gruppen zu unterscheiden, welche die jüdische Kolonisation feindselig betrachten: 1. Beduinen, die, wie alle Nomadengruppen, sich durch den Fortschritt der Technik bedroht fühlen, 2. Latifundienbesitzer, die unter Einwirkung des zionistischen Kolonisationswerkes den von ihnen ausgebeuteten Fellachen höhere Löhne bezahlen und bessere Arbeitsbedingungen schaffen müssen, 3. niedere Beamte, Geistlichkeit, Bourgeoisie, welche die jüdische Intelligenz fürchten. Die englische Arbeiterregierung hat nicht gezögert, rasth and energisch zu handeln. Man kann zu Männern wie MacDonald und Henderson Vertrauen haben. Die materielle Ordnung ist wieder hergestellt, nicht aber die moralische. Die nächste Zukunft ist voller Drohungen; hier beginnt die sehr wichtige Rolle, welche die Juden in dieser Frage zu spielen haben, insbesondere die Partei der Poale Zion. Der arabische Bauer und Arbeiter muß einsehen lernen, daß Solidarität des Proletariats stärker ist als alle Rassen- und Religionsunterschiede. Ihre wirklichen Feinde sind die halbfeudalen Effendis. Die Arbeit im Lande erfordert außerordentlich viel Beharrlichkeit und Entsagung. Die Chalu*im haben Glauben und Hoffnung. Heute leiden sie und morgen werden sie triumphieren. Pr. .Lwdwjg.Fr a n k dankte beiden Rednern, die, begeiftert« ־den Piaaltd•»'.;‘Sadie^teHfen. ־®)"־_י יי־ ־■ ■.ייי- <״' •:$ Eine Enndgebnng des Misrachi Ein Referat von Lazarus Barth. Am Donnerstag, dem 19. September, sprach in einer gut besuchten gemeinsamen Versammlung der Gruppe Nordwest der B. Z. vT und dey Berliner Misrachi-Gruppe das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Herr Lazarus Barth. Nach einer warmen Begrüßung durch den Vorsitzenden der Versammlung, Dr. Werner Silberstein, der Herrn Barth als aus dem engeren Kreis der aktiven Zionisten und Misrachisten Berlins hervorgegangen, besonders zum Antritt seines verantwortungsvollen Amtes die Wünsche der Berliner Zionisten zum Ausdruck brachte, nahm der Redner das Wort und gab einen gedrängten Ueberbiick über die Ereignisse in Erez- Israel, über die politische Tätigkeit der Exekutive in London und Genf, um dann die Resolutionen des Aktions-Comites zu besprechen. Die Richtlinien der Politik seien — und von diesem Standpunkt müsse man auch die Forderungen der Exekutive und des Aktions-Comites verstehen — Schutz unserer Positionen im Lande und kraftvollere und beschleunigte Durchführung der jüdischen Aufbauarbeit. Hierzu sei nötig, daß die in der Verwaltung Erez-Israels tätigen Beamten die Verwirklichung der Balfour-Deklaration als ihre Pflicht ansehen und daß die Immigration in einem stärkeren Ausmaße fortgeführt werden könnte. Redner warnte deshalb davor, Ziel oder Arbeit zu verwässern. Wem könnten wir damit imponieren? Den Juden, die wir nur durch den starken Elan unseres Werkes mitgerissen haben, den vielen Freunden unter den Nichtjuden, die das Tempo unseres Aufbaues und der hingebungsvolle Mut unserer Cnaluzim zu unseren Freunden gemacht hat? Oder denjenigen Arabern, die in Hebron una Safed die rohesten Plünderungen und Ueberfälle aut arbeitsame Kolonien ausgeführt haben? Sollen sie zu Hoffnungen ermuntert werden, daß ihre Gewalttätigkeiten die Energie unserer Kolomsationsarbeit lähmen oder Einwanderer entmutigen können? Wir sehen mit Befriedigung wie schon jetzt immer Weitere Kreise der arabischen Bevölkerung von der Hetzkampagne des Großmufti energisch abrücken und andere, die erklären, daß ein wirtschaftlicher Boykott die Araberruinieren würde. Der Weg der aufklärenden Propaganda zur gegenseitigen Verständigung müsse gegangen werden, wobei aber klar sein müsse, daß die Balfour-Deklaration wirklich durchgeführt wird. Wenn deshalb der äußere Anlaß der Unruhen der Konflikt um die Kotei hamaarawi gewesen sei und die Hetze gegen uns religiöse Formen angenommen habe, so bezieht sich Redner auf die Erklärung, die er aut der Aktions-Comite-Sitzung abgegeben habe und in der er festgestellt habe, der Brauch der Juden, an dieser Tempelwand m beten, gehe auf viele Jahrhunderte zurück, auf eine Zeit, in der es noch keinen Islam gab, und gegen die Störung dieser Gebetsübungen hatten sich die Proteste gerichtet, die von Col. Kisch am vorigen Jom Kipur und von der Kongreßresolutioo erhoben wurden. Ein Eigentumsrecht an der Kotei haben weder die Beter noch andere jüdische Stellen je geltend gemacht. Das Unaufrichtige in der Demonstration vom Tischo be Aw lag darin, daß sie von Kreisen ausgegangen war, die keine religiöse Verbundenheit mit dieser heuigen Stätte haben, und diese innere Unwahrheit mußte im Orient, wo man religiöse Kämpfe gewohnt ist, besonders stark empfunden werden. Jetzt müsse es Aufgabe der leitende» Kreise sein, Mittel zu finden, um die Freiheit der Juden, ihre Gebete an der Kotei in einer würdigen Weise zu verrichten, sicherzustellen. י- Zum Schluß wandte sich Barth gegen die Forderungen der Revisionisten im A.-C., die von vornherein so formuliert gewesen seien, daß sie auf die geschlossene Ablehnung durch das A.-C. stoßen mußten und ihre Politik, die in keiner Weise geeignet sei, die Probleme zu bewältigen. An die mit großem Beifall angenommenen Ausführungen des Redners, schloß sich eine lebhafte Diskussion an, an der sich die Herren Dr. Schereschewsky, Gittel, Emil David und Ettisch beteiligten. Trotz der in der Debatte zutage tretenden, von der Meinung des Redners abweichenden Meinung in bezug auf Einzelheiten bei den Herren Dr. Seheresenewsky und dem Vertreter der Revisionisten, Ettich, bot doch auch diese Debatte ein Bild des einheitlichem Willens aller Richtungen, die Aufbauarbeit mit verstärkter Energie weiterzuführen, um das zionistische Ziel und die Durchführung der Balfour-Deklaration sicherzustellen. * Jerusalem, 23. September. (J.T.A.) Raw Meir Ber• 1 i n, der das Wiederaufbaukomitee der Exekutive in Palästina leitet, teilte mit, daß die Kampagne für den Palästina-Rettungsfonds, während deren Verlauf alle anderen Aktionen ruhen, am Tage nach Jom Kippur abgeschlossen werden wird. Nicht ein einziger Punkt, der während der Unruhetage vernichtet oder beschädigt wurde, erklärte Raw Berlin, wird in dem jetzigen Zustand belassen, alles wird wieder anfgebaut werden. Auch die jüdische Gemeinde in Hebron wird wieder aufgebaut und erweitert werden, ebenso wie alle isolierten jüdischen Punkte mit einer kleinen Bevölkerungszahl für die Zukunft verstärkt werden würden. Kandgebang dar radikalen Zionisten Wir erhalten folgenden Bericht: Am 24. ds. Mts. fand in den Berliner Sophiensälen eine zahlreich besuchte, von der Berliner ״Vereinigung Radikaler Zionisten“ einberufene Versammlung statt mit dem Thema: ״Nach den Ereignissen in Palästina. Soll alles beim alten bleiben?“ Den Vorsitz führte S. Haarpuder. Als erster Redner sprach Benzion Fett, der die bisherige Außenpolitik der zionistischen Exekutive kritisierte und darauf hinwies, daß gerade die Opposition seit Jahren auf die Notwendigkeit einer Aktivierung unserer politischen Arbeit und die Durchführung derjenigen politischen Unterstützung durch die englische Regierung gefordert hat, die jetzt von der gesamten zionistischen Bewegung als unerläßlich für unsere Aufbauarbeit anerkannt wurde Als zweiter Redner sprach Dr. Nachum Goldmann im gleichen Sinne wie in der Kundgebung in Leipzig, über die wir in der vorliegenden Nimmer berichten. Ais letzter Redner sprach Dr. Max Soloweitschik, der sich insbesondere mit der zionistischen Außenpolitik der letzten Jahre auseinandersetzte Diese Politik versuchte den politischen Willen des jüdischen Volkes zu schwächen und stellte sich immer schützend vor die englische Administration. Es bedurfte erst der Ereignisse in Palästina, um unserer Exekutive die Augen zu öffnen und sie zu einer Aenderung Ihrer politischen Linie zu bringen. Aber auch jetzt werden schon wieder Versuche gemacht, die jüdische Qeffentlichkeit zu beruhige» und über die Ereignisse als unvermeidliehe Episoden im Aufbauwerk zur Tagesordnung überzugehen. Dies muß verhindert werden. Die Entschlossenheit des jüdischen Volkes zum Aufbau Palästinas, die sich jetzt gezeigt hat, muß auch in der politischen Manifestation gestärkt und wachgehalten werden, und die gesamte jüdische Oeffentlichkeit muß durch einen Druck auf unsere politischen Instanzen alles tun, was in ihrer Hand liegt, um das politische Minimum unserer Forderungen durchzusetzen. Dr. Weizmann, Sacher und andere Vertreter der Exekutive haben in diesen Wochen diejenige Kritik der bisherigen englischen Politik verlautbart, es muß^r.gesorgt werden, daß nicht. w1ed^:«n%׳.A«n#1U1eJer •Jettt vgtiLAeC. BÄI(^Aea;WiS»»RlA^iÄ':*erioM. Die Versa»«-: lung gab mehrfach durch starke Beifallskundgebungen ihr Einverständnis mit den Ausführungen der Redner kund. Die Aktion der Fronen Vorläufiges Ergebnis 3400 Mark in zwei Wochen. Die Tätigkeit der Frauen-Arbeits ge meinschatt für Palästina steht seit ihrer Wiederaufnahme in der ersten Septemberwoche gänzlich im Dienst der Aktion ״Hilfe durch Aufbau“. Unter dieser Parole fanden innerhalb 14 Tagen in allen sieben Bezirksgruppen und den beiden Jugendgruppe n Zusammenkünfte statt, außerdem eine besondere Veranstaltung anläßlich der Anwesenheit des Vorstandsmitgiiedes der palästinensischen WIZO, Frau Chaja Lichtenstein, der Schwester von Dr. Weizmann, im Hause von Frau Grüngard. Bei allen diesen Zusammenkünften stellten Redner und Rednerinnen die Geschehnisse in Palästina dar und verhalfen den Anwesenden zu einer sachlicheren Orientierung darüber. Ke nachfolgenden Aussprachen trugen viel zur Klärung der Fragen bei, die infolge der Vorgänge in Erez- Israel in den Frauen lebendig geworden waren und gaben ihnen die Argumente an die Hand, mit denen sie in ihrer Sammelarbeit für die Aktion ״Hilfe durch Aufbau“ Einwänden und Mißdeutungen informiert begegnen können. Ucber 30 Frauen nahmen an diesen Versammlungen teil, 25 stellten sich zur Mitarbeit zur Verfügung und übernahmen Sammelblocks mit dem Ziel, womöglich 50 Mark auf jedem Block zu sammeln. Der Appell zu eigenen Spenden wurde von den Frauen mit ernster Verantwortung aitfgenommen und bisher mit 3400 Mark beantwortet, die von den Frauen aus ihrem persönlichsten Budget gegeben wurden. Auf die einzelnen Gruppen verteilen sich die Spenden wie folgt: urunewald 1638 JVL, Licbterfelde 371,50 M., Neukölln 183 M., Nordwest 220 M., Noid und Ost 79 M., Tempelhof 70 M., West 619 M., Teenachmittag im Hause Grüngard 220 M. Ke Jugendgruppe Ii der F.A.P. steht von nun ab unter der Leitung von Fräulein Lily de Jong und wird ihre Zusammenkünfte regelmäßig jeden Mittwoch abend um 81/4 Uhr in den Büroräumen, Kantstr. 158III abhalten. Ke erste Zusammenkunft fand Mittwoch, den 25. September, statt. Interessentinnen sind jederzeit herzlich willkommen. ■■■—— . J Palästina-Knndgcbnng In lelpzlg Zum zweiten Male ipnerhalb kurzer Zeit lud die Zionistische Ortsgruppe Leipzig zu einer öffentlichen Kundgebung am Donnerstag, dem 19. September, ein, und abermals war der große Zentral-Theatersaal von etwa 1500 Menschen gefüllt. Der erste Redner war Nahum Goldmann. Goldmann wies einleitend darauf bin, welche Diskrepanz für gewöhnlich zwischen Worten und Taten bestünde. Das Heroische an den palästinensischen Ereignissen sei, daß es dort gelte, mit dem Leben im brutalsten Sinne des Wortes für das Ideal einzustehen. Drei Probleme seien in diesem Augenblicke von besonderer Wichtigkeit: Das erste ist unsere Stellung zu den Arabern. Hierbei gilt es, das arabische Volk nicht mit den verbrecherischen Führern zu identifizieren, weiche gegenwärtig die arabische Nationalbewegung leiten. Mit dem arabischen Volk müsse sich der Jischuw verständigen, dürfe sich aber von ihm nicht, wie bisher, isolieren, sondern müsse mit ihm Zusammenleben. Goldmann empfahl die sofortige Organisierung eines Ressorts für arabische Politik bei der palästiaeasischeu Exekutive. Andererseits müssen wir uns davor hüten, jetzt eine poütische Lösung der arabischen Frage zu formulieren. Diese könne es solange nicht geben, als die Juden in der Minorität in Palästina seien, aber wir müssen die Araber davon überzeugen, daß der Aufbauwille der jüdischen Nation unerschütterlich i Wenn die Araber erkennen werden, daß die Antwort ai:!' 100 jüdische Tote und drei zerstörte Kolonien 5000 neue Chaluzim und 30 neue Kolonien sind, dann werden sie ihr jetziges Spiel aufgeben. Das zweite große Problem ist unsere Stellung zu England. Hierbei müsse man klar unterscheiden zwischen unserer Stellung zu der englischen Administration in Palästina und zu England überhaupt. Wenn mar! iro-englisch sei, so gelte das noch nicht, daß man unter allen. Umständen für die englische Administration eintreten müßte. Das verkannt zu haben, bezeichnet Goldmann als großen Fehler unserer offiziellen Politik. An dem guten Willen Londons sei nicht zu zweifeln» aber die Administration in Palästina sei schlecht. Ke palästinensischen Beamten seien nicht etwa abgeleimte Bösewichte und Antisemiten, sondern sie bewegen sich — wie Beamte das überall tun — auf der Linie des geringsten Widerstandes. England könne gegenüber den Stimmen der 16 Millionen Juden und der Regierungen, die — wie zum Beispiel die amerikanische — sich eindeutig für den Aufbau der Jüdischen Nationalheimstätte in Palästina erklärt haben, nicht gleichgültig bleiben. Deshalb gelte es gegenwärtig, die Regung der jüdischen Massen nicht zu dämpfen, sondern ihr Ausdruck zu verleihen. — Zum dritten Problem, dem des jüdischen Volkes, meinte G01dmant% daß die Araber das jüdische Volk noch schlechter kennen, afs die Juden das arabische. Er erinnerte an das Wort Herzls, daß das jüdische Volk ein Volk ist, weil es einen Feind habe. In Zeiten der Not halte das jüdische Volk fest zusammen. Kese Einheitsfront gelte es zu erhalten nicht nur in Zeiten des Kampfes, sondern auch der friedlichen Arbeit! Hierauf sprach Chaim Nachum ßialik!1/נ Stunden. Es ist unmöglich, hier denjnhalt seiner Ausführungen auch nur auszugsweise wiederzugeben. Hingewiesen soll nur werden, von welch herrlicher Zuversicht sie getragen waren! Man vergaß alle Nöte, alle Zweifel und Bedenken, indem man Bialik lauschte und empfand es beglückend: Da oben steht ein Dichter, ein Seher, der wie kein Zweiter den Herzschlag des jüdischen Volkes spürt, und seine Worte drücken trotz der fürchterlichen Geschehnisse glückhafte, freudige Zuversicht aus! Manch einer erinnerte sich vielleicht, mit welcher Bitterkeit derselbe Bialik seinerzeit auf die Pogrome in der Ukraine reagiert hatte. Damals konnte er den Sinn der Ereignisse und die völlige Teilnahmslosigkeit der jüdischen Welt nicht begreifen. Heute ist er Zeuge, wie Juden freudig ihr Leben für Erez Israel in die Schanzen schlagen und wie die Judenheit der ganzen Welt sich zusammenschließt, um den Schlag zu parieren, der gegen das jüdische Volk gerichtet ist. —• Es kann keinem Zweifel unterliegen, die Leier, die Bialik damals fortwarf, er wird sie bald wieder erklingen lassen. E. E. Frankfurt a. M. Die am KL September Im großen Saal des Volksbildungsheims abgehaltene Kundgebung anläßlich der Ereignisse in Palästina war eine Kundgebung der Frankfurt er Judenheit Allein äußerlich kam dies dadurch zum Ausdruck, daß der Vorstand der Frankfurter Israelltischen Gemeinde offiziell durch Herrn Foreh* h ei me r eine Erklärung abgeben ließ, daß der Konse rvative Gemeindeverein und die Achduth durch Herrn Dr. Grünebaum ihre Sympathien äußerte und daß weiterhin der liberale Gemeinderabbiner Dr. Salzberger wohl für seine eigene Person, aber doch aus dem Herzen aller den absoluten wüten zat Weiterarbeit ausdrückte. Schließ* Ick;»fach'Dr, Franz: W"-0if. ab 'Vertrete» der Riakfurtef Migpdef' der deutsche«' Initiativkomitees "iir dte Jewish Agency und gtelehfkitig Im Namen der Frankfurter Vertreter des Councils der Agency, der Herren Stadtrat Asch und Justizrat Dr. Blau. Dieser, der Vorsitzende der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, ließ durch Dr. Wolf einen Brief an die Versammlung verlesen, der die Bedeutung der Jewish Agency in diesem Augenblick betonte und nach einer Erörterung über die Notwendigkeiten des Tages mit der Devise: ״Hille durch Auf bau“ schloß. Die Versammlung war von ungefähr 1200 Menschen besucht, nachdem einigen hundert Menschen aus polizeilichen Gründen der Einlaß verwehrt werden mußte. Als erster Referent sprach Rabbiner Dr. Holtmann, der sich insbesondere der Beantwortung der zwei Fragen widmete: Was haben wir im gegenwärtigen Augenblick zu fordern und welches, sind die Aufgaben der Stunde? Als zweiter Referent sprach Herr Dr. Fritz Löwenstein, der einen Ueberbiick über die tatsächlichen Geschehnisse gab und sich mit den tieferen Ursachen der Ereignisse in Palästina befaßte. Unter Absingung der Hatikwah schloß die machtvolle Veranstaltung, die von Dr. R o - s e n b 1 a 11 geleitet war. Dresden. Ke Zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 6. September eine öffentliche Kundgebung anläßlich der Ereignisse in Palästina, die von etwa 450 Personen braucht war. Ke starke Teilnahme bewies, daß auch die hiesige Judenheit von den Vorkommnissen ergriffen ist. — Dr. John Levy eröffnete die Versammlung mit tiefempfundenen Worten des Gedenkens an die Toten, zu deren Ehren die Anwesenden rieh von den Plätzen erhoben. An Stelle des aus gesundheitliehen Gründen verhinderten Dr. Nahum Goldman sprach Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Auf Grund eigener Anschauungen gab er eine klare und objektive Betrachtung der Ursachen und Zusammenhänge für den Ausbruch des Konfliktes. Hierauf wurde eingehend die Araberfrage behandelt. Die fernere Entwicklung wird zeigen, daß Möglichkeiten für eine Verständigung zwischen Juden und Arabern vorhanden sind. Hierzu bedarf es allerdings einer weitgehenden Aufklärung der Araber, namentlich der Arbeiterkreise, um ihnen vor Augen zu führen, daß die Wiederaufbauarbeit in Palästina zugleich in ihrem ureigensten Interesse liegt. Dr. Levy schloß die eindrucksvolle Versammlung mit der Feststellung, daß diese die Ereignisse aufs schmerzlichste beklagt, gegen das Verhalten der englischen Regierung Protest erhebt und unverdrossen bereit sei, an der Vollendung des jüdischen Aufbau- Werkes zu arbeiten. Stuttgart. Am 18. September sprach in der Zionistischen Ortsgruppe Stuttgart Herr Ministerialrat Hans Goslar über das Thema ״Trotz allem Palästina“. Goslar nahm Stellung zu den letzten Ereignissen, d. h. Gründung der Jewish Agency und den Aufständen der Araber in Palästina. Er bezeiennete vom Standpunkt des religiösen Zionisten in eindrucksvoller Weise den Aufbau Palästinas als das notwendige Mittel zur Renaissance des Judentums. Persönliches. Infolge der Ereignisse der letzten Wochen ist des 70. Geburtstages des als Förderer des Palästina-Aufbaus uns nahestehenden Herrn Wilhelm Kober aus Breslau nicht gedacht worden. Wilhelm Kober hat vor einigen Wochen unter Anteilnahme aller Teile und Parteien der Breslauer Gemeinde seinen Geburtstag gefeiert und es wurde der Hoffnung Ausdruck geder Repräsentanten Versammlung hat er stets die Anträge unserer Freunde für den Keren Hajessod lebhaft unterstützt, oft als einziges nichtzionistisches Mitglied der Versammlung.

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