Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 76 (27.9.1929)
- Date
- 1929-09-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653132--21060-2679114- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 504 lUEDfSGHE RUNDSCHAU Nr. 76, 27. IX. 1920 Palästina und die Zionisten Von Wi'nstonS. Churchill. Copyright durch J. T. A. Die Zeit der Ruhe und des Fortschrittes, deren sich Palästina seit der Kairo-Konferenz von 1921 erfreuen konnte, ist plötzlich durch einen wilden Ausbruch rassischer und religiöser Leidenschaft gewaltsam unterbrochen worden. Fast 200 grau־ same Morde, zum größten Teil an schutzlosen Menschen begangen, haben die große englisch sprechende Menschheit, an die die Vision eines Jüdischen Nationalen Heimes beharrlich herantritt, erschreckt und betrübt. Heute ist die Ruhe wieder hcrgesteilt. Truppen, Schiffe und Aeroplane erschienen schnell genug auf der Szene. Die Lage wird bereits kontrolliert, eine unparteiliche Untersuchung wird eingeleitct, um die unmittel■ baren Ursachen des Ausbruches zu erkunden, die Schuldigen zu fassen und sie dem Gesetz gemäß zu bestrafen. Es ist jetzt unsere Aufgabe, an die Zukunft zu denken und Maßnahmen zu beschließen, die die Wiederkehr so tragischer Ereignisse unmöglieh machen. Auf der Konferenz in Kairo im Jahre 1921 setzte ich im allgemeinen die britischen Angelegenheiten in Palästina und Mesopotamien fest. Diese Arrangements wurden im Prinzipe von jeder Regierung, sei cs Koalitions-, Arbeiter- oder konservative Regierung, die seitdem ans Ruder kam, angenommen. Das Ziel, das ich ständig im Auge hatte war die treue Durchführung der Unternehmungen, in die sich Großbritannien wiihrend des Krieges eingelassen hatte, und zwar mit einem Minimum an militärischen Unkosten. Für diesen Zweck war cs, und ist es auch heute noch geboten, sowohl Juden wie Arabern im Mittleren Osten faire und gleiche Behandlung angedeihen zu lassen. So wurde, während auf der einen Seite das zionistische Ziel entwickelt und gefördert wurde, die arabische Rasse versöhnt durch die Schaffung eines arabischen Königreiches im Irak unter dem Emir Feisal und die Ernennung des Emir Abdullah, des zweiten Sohnes des Sheriffs von Mekka, zum Herrscher von Transjordanien. Das leitende Prinzip war, sowohl Juden wie Araber davon zu überzeugen, daß fruchttragende und glückliche Schicksale in diesen weiten Regionen vor ihnen lägen, daß hier jeder seine eigenen Ideale verwirklichen könne, daß beider Interessen respektiert werden, daß jeder auf seine Weise sein Erbteil genießen könne, und daß beide ein gemeinsam besessenes Land bereichern können. Diese Idee muß auch heute noch unser Denken und Handeln diktieren. Ueber der Palästina-Politik von 1921 vernachlässigte ich nicht die praktische Seite: Ich bildete eine 500 Mann starke britische Gendarmerie, die sich zu einem großen Teil aus trübe־ reu Offizieren zusammensetzte und die das Hauptinstrument für Erhaltung der öffentlichen Ordnung sein sollte. Eine Polizeimacht solcher Art erweist sich in solchen Ländern weit wirksanier zur Verhütung von Unruhen, als militärische Garnisonen. Diese vorzügliche Polizeitruppe, die das Land zu Pferde durcheilt oder es schnell in Motorwagen durchquert, steht in enger und freundschaftlicher Berührung mit jedem Volksteil und jeder Klasse in der Gemeinschaft. Sie weiß, was geschehen wird, bevor es noch geschieht. Sic gewinnt großen Einfluß auf die Bevölkerung und erwirbt sich bald ihr Vertrauen. Sie wird in vielen auftauchenden Schwierigkeiten Führer und Berater des Volkes, dessen Vertrauen sie genießt. Diese Ordnungsmacht war vollständig organisiert und funktionierte gut, als ich Ende 1922 aus dem Amte schied. Als ich 1924 in das Amt zurückkehrte, fand ich, daß sie inzwischen aufgelöst worden war. Ich bedauerte dies, aber es wurde ver• sichert, daß die Lage sich so weit gebessert hätte, daß die große Ausgabe, die auf dem Palästina-Budget lastete, gespart, werden könne. 1« Wirklichkeit wäre auch flies gut gegangen, wenn «itejit einf.!mglttelßcie,.:wtij voreilig«tfiuref-.1jUe. neue sozialistische ArBeiferrefcierüng in Angriff' genommen worden wäre. Um einige extreme Teile ihrer Anhänger zu befriedigen, ließ sich diese Regierung dazu verführen, Lord Lloyd, den britischen High Commissioner in Aegypten, abzuberufen und veröffentlichte danach Vorschläge, die auf die Zurückzicliung der britischen Truppen aus Kairo und aus Aiexandria hinausgingen. Alle Länder des Mittleren Ostens stehen innig in Beziehung miteinander. Unter der glatten Oberfläche der britischen Herrschaft und der unzureichenden Garnisonen schwelen die Antagonismen von Jahrhunderten. Da gibt es immer Animositäten und Fehden, gibt es Rechnungen, die beglichen, fanatische Begierden, die gestillt werden müssen. Jeder Anschein eines Fehlens an Willen und Macht seitens der britischen Regierung oder eines Mangels an Vertrauen zu ihrer Mission in diesen Ländern wirkt sich wie ein Luftzug aut sine die Glut deckende Asche aus. Ich zweifle nicht daran, daß die Erklärung, die britischen Garnisonen würden Aegypten räumen, wo sie fast 5t) Jahre lang Frieden und Fortschritt aufrechterhalten haben, und die deutliche Rüge und Demütigung für einen kompetenten und keine Furcht kennenden Administrator wie Lord Lloyd von den unzufriedenen Elementen unter den Arabern als ein Signal hingenommen wurde, daß für sie die Stunde zum Losschlagen gekommen sei. Was sich in Palästina ereignet hat, ist nur ein blutiger Vorgeschmack von etwas, das sich zweifellos auf einer weit breiteren Basis im Niltal ereignen wird, und was sich auf der gigantischen Basis Indien ereignen könnte, nachdem einmal der besonnene führende und befricdende Einfluß der britischen Reichsmacht zurückgegangen ist. Aber seltsam: Die Araber konnten für ihren Aufruhr keinen schlechteren Augenblick gewählt haben. Ihre Führer haben die britische politische Lage völlig falsch gedeutet. Nie hat es eine Regierung gegeben, die, sofern sie ihre Pflicht tut, es leichter hätte, die Ordnung in Palästina wiederherzusteilen, als die gegenwärtige Regierung. Hätte sich der Aufruhr ereignet, als die Konservativen noch am Ruder waren, so hätten die sozialistischen und die liberalen Parteien die Regierung angegriffen und die logische Folge ihrer Kritik wäre ein schrittweises Hindrängen in der Richtung der Abschaffung des Mandates für Palästina und des Widerrufs des den zionistischen Juden gegebenen Versprechens gewesen. Hierin würden sie von den viel gelesenen konservativen Zeitungen wie ״Daily Mail“ und ״Daily Express“ stärk unterstützt worden sein. Die konservative Regierung wäre somit einer sehr schwierigen politischen Situation gegeniibergestanden, wenn dieses Unglück sich während ihrer Amtszeit ereignet hätte. Herrn MacDonalds Regierung hat jedoch politisch in bezug aut diese Frage eine sehr starke Position. Sie hat sich aß Partei spontan und durch freien Willen verpflichtet, die Balfour- Deklaration durchzuführen und die Schaffung eines Jüdischen Nationalen Heimes zu fördern. Sie hat auch die nötigen Schritte ergriffen und die Ordnung wieder hergcstellt. Sie wird gewiß in allen ihren Forderungen nach Geld und Menschen durch die große Majorität der konservativen und liberalen Mitglieder des Unterhauses unterstützt werden. Die dem Zionismus feindlichen Organe der konservativen Presse werden nicht in der Lage sein, auf einen solchen Entschluß irgendeinen Einfluß auszuüben. Man kann deshalb mit einer gewissen Sicherheit damit rechnen, daß eine besonnene und feste Politik in Palästina zur Anwendung kommen wird, und daß die Verpflichtungen, die Großbritannien eingegangen ist, getreulich gegenüber Juden wie Arabern, soweit dies menschenmöglich ist, erfüllt werden. Welches sind diese Verpflichtungen? Es hat nie zur Erwägung gestanden, daß die Juden zu der herrschenden Rasse in Palästina erhoben werden sollen, der alle anderen Rassen dienstbar gemacht werden. Die Rechte und Ansprüche der Araber auf gfefche Bürgerrechte, auf dn gleiches sogfältiges Studium ihrer besonderen Interessen und rechtmäßigen Sendments haben ebenfalls als heilig zu gelten. Warum sollten diese Rechte und Ansprüche unvereinbar sein mit dem Aufbau eines jüdischen Nationalheims? Die Juden haben den Arabern In Palästina kein Leid zugefügt, im Gegenteil: sie haben stets gute Gaben gebracht: mehr Reichtum, mehr Handel, mehr Zivilisation, neue Einkunftsquellen, mehr Arbeitsmöglichkeit, einen höheren Lohnstandard, Erweiterung der kultivierten Gebiete, eine bessere Wasservcrsorgung — mit einem Worte: alle Früchte von Vernunft und moderner Wissenschaft. Jeder, der wie ich, die schöne Gartenstadt Tel-Awiw gesehen hat, oder die obstreichen Haine von Rischon le Zion, wird keiner weiteren Beweise bedürfen. Hier haben Geduld, Fleiß und zivilisatorische Intelligenz aus einer Wüste grüne, lächelnde Fluren, Weingärten, köstliche schattige Haine geschaffen, Heimstätten glücklich blühender Gemeinden, die, selbst wenn es keine Balfour-Dekiaration gegeben hätte, den starken Schutz und die Sympathien freier und aufgeklärter Menschen in allen Teilen der Eide verdienen würden. Aus Bösem mag Gutes kommen: Die Aufmerksamkeit nicht nur des British Empire, sondern der ganzen Weit ist auf Palästina und sein Schicksal gerichtet Es ist zu früh, um voraus- Zusagen, weiche Maßnahmen für die weitere Sicherheit ergriffen werden müßten. Aber ich freue mich, eine Gelegenheit zu naben, um in voller Klarheit darzutun, daß ich die Aufrechterhaltung einer stoßkräftigen britischen Gendarmerie als ein wesentliches Eiement in der Lösung unserer Aufgabe erachte. Im übrigen: Raum ist für alle vorhanden. Es gibt kein Land, von dem mit mehr Wahrheit gesagt werden kann, ״daß die Erde eine treigebige Mutter ist für alle ihre Kinder, wenn diese ihren Boden in Gerechtigkeit und in Frieden bebauen“, als von Palästina. Die Bevölkerung ist nicht ein Fünftel, vielleicht nicht ein Zehntel so stark, als sie in den römischen Zeiten war. Die öden Hänge tragen noch immer Spuren einer verschwundenen Land- Wirtschaft. Den trockenen Ebenen fehlt nur eine Verhältnismäßig einfache Bewässerungsanlage, um wie ein Garten blühen zu können. Solange die zionistischen Führer wachsam bleiben, und ihre Reihen von dem verderbten Typ des russischen Umstürzlers rein erhalten, wird cs in jjirer Macht liegen, Leben und Ruhm ihres Geburtslandes neu zu schaffen. Sie haben ein Recht darauf, daß ihnen faire Chance gegeben wird. Alle großen siegreichen Mächte sind ihnen verpflichtet und Großbritannien, das eine all*, gemeine Verantwortung in einer direkten und definitiven Form übernommen hat, darf nicht und will nicht in der gesetzlichen Lösung dieser Aufgabe ermüden. * Eino Anzahl englischer Zeitungen, die vorstehenden Aufsatz Churchills veröffentlichten, knüpfte an Churchills Ausführungen verschiedentlicho Kommentare. ״Sun d.ay Times", die verbreitetste' englische Sorinlagszeitung, nennt in ihrem Leitartikel Churchills AusfOhrungen sehr wesentlich und beherzigenswert. Die Regierung, schreibt die Zeitung, darf sich der auf ihr lastenden Verpflichtung, eine feste Politik in Palästina einzuleiten und fortzuführen, nicht entziehen; sie muß unparteiisch Juden wie Arabern Schulz angedeihen lassen. Jedes Zeichen der Schwache, jedes Markieren eines Rückzugs», kühne sich fatal auswirken. Die von Churchill empfohlenen Maßnahmen zur Erhaltung der Sicherheit durch Einrichtung einer stoßkräftigen britischen Gendarmerie in Palästina sind nicht anders als angemessen. Nur unter Auf rechterhallung absoluter Sicherheit wird das Land seine Stabilität־ und seine gedeihliche Entwicklung wiodere!•langen. ״Observer" begrüßt die britische■ Deklaration, in der die Bereitschaft'■aujgeiprochen Wufdrd# Jwfc-ifindat ־faß« «u-beenden,; UndJ'f%t■Es;Jtll€ihrf“־#*#t#c«־‘:ie»dg: geslgi *«ashpa» *יmit am wandlnis Bat. In Palästina haben wir eine Aufgabe übernommen, die zu vollenden für uns Ehrensache ist. Wir haben uns feierlichverpflichtet, eine Nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu errichten; die logische Konsequenz ist, daß unsere Vertreter in Palästina von ganzem Herzen an dieser Aufgabe mitarbeiten müssen. Indem wir die Politik, zu der wir uns verpflichteten, durchführen, sind wir berechtigt zu fordern, daß die Administration nicht durch maßlose Ausbrüche seitens derjenigen gestört wird, zu deren Gunslen eben diese Politik gemacht wird. Demgegenüber meint ״Sunday Express", die Regierung täte gut, die Irak-Politik auch auf Palästina anzuwenden und die für dieses Land übernommene Verantwortung an andere abzugeben. Angesichts der fortdauernden religiösen Zwistigkeiten und der einander widerstreitenden Interessen erscheint es unmöglich, die Veranlwortung für das Schicksal Palästinas den Palästinensern selbst aufzuhalscn; sollte aber Amerika bereit sein, die Verantwortung zu übernehmen, so sollte man nach dieser LösungsmSglichkeit greifen und das Mandat über Palästina an die Vereinigten Staaten übertragen. ״Sunday Dos patch" gibt ebenfalls der Genugtuung über die Aufgabe des Irak-Mandates Ausdruck und schlägt vor, daß man Amerika mit seiner ״wohlgefüllten Börse" ersuche, seine Geschickliclikeit an Palästina zu erproben. Toronto, 24. September. (J. T, A.) Der frühere Kolonienminister Amery, aer gegenwärtig in Kanada weilt, hielt im Empire Canadian-Club eine Rede, m deren Verlauf er auf die Ereignisse in Palästina zu sprechen kam und erklärte, die eingeleitete Untersuchung müsse den Erfolg haben, daß die für die Ermordung so vieler unschuldiger Menschen verantwörtlichen Personen der verdienten Strafe zugeführt werden, luden und Araber werden weiter in Palästina freundschaftlieh Zusammenleben. Wir Engländer werden ander Balfour- Deklaration unentwegt festhalten. In einer Antwort an die tschechoslowakische ״Poale Zion" teilt die Leitung der britischen Labour-Party mit, daß eine besondere Kommission der Partei bei Lord Passfield interveniert habe und daß die Partei entschlossen ist, auch in Zukunft das jüdische Aufbauwerk in Palästina in stärkster Weise zu fördern. 111 einem Briefe an den Abgeordneten von Whitechapel, dem Judenviertel Londons, teilte Lord Passfield mit, daß die englische Regierung alles Unternehmen werde, um in Palästina Ordnung zu schaffen und daß sie sich strikte an das P a lä s t in a ntanda t und die B a! f o u r-D e k l ar a t i o « 11 a 11 e n w e r d e. Wiener Blätter wissen zu berichten, daß das britische Kabinett in derselben Sitzung, in der die Beschlüsse gefaßt wurden, das Irak-Mandat aufzugeben, neuerdings einstimmig festgestellt habe, daß das Palästina-Mandat zu behalten sei. Diese Meinung soll auch der vor kurzem verstorbene Sir Gilbert Clayton gegenüber dem Kabinett in stärkster Weise vertreten haben. Englische Parlamentarier, Mitglieder der Labour-Party, die sich in Aegypten aufgehalten haben, sind von dort nach Palästinaabgereist, Harry Sacher in Jerusalem Jerusalem, 23. September. (J.T.A.) Harry Sacher ist heute in Palästina eingetroffen und hat die juristische Bearbeitung des von den Juden der parlamentarischen Untersuchungskommission zu unterbreitenden Materials übernommen. Frankreich und die Vorgänge in Palästina (Von unserem Pariser Korrespondenten ) ar. Paris, 21. September. Die Vorgänge in Palästina haben in Frankreich ungewohnlich starke Beachtung gefunden. Dieses besondere Interesse flößt Palästina der französlsehen Öffentlichkeit vor allem als Nachbarland Syriens ein. —׳ Syrien bildet bekanntlich die empfindliche Stelle des französlschen Kolonialimperiums. Frankreich hat die ungeheuerlichste« Anstrengungen gemacht, um seine Stellung in Syrien aufrecht zu erhalten, obwohl vom rein finanziellen Gesichtspunkt der Fortbestand der Herrschaft nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für alle Zukunft als verlustbringend abgelehnt werden muß. Wenn Frankreich dennoch, gegen sein scheinbares Interesse, mit solcher Zähigkeit an seiner Position in Syrien festhält, geschieht dies einzig aus der bei allen Kolonialmächten traditionellen Ueberzeugung, daß jedes Zurückweichen in den Kolonialgebieten durch den Widerhall bei den übrigen farbigen Völkern zu einer Erschütterung sämtlicher kolonialen Positionen führen muß. Die Vorgänge in Palästina werden daher im Hinblick auf die unausbleibliche Rückwirkung in Syrien andauernd mit ängstlicher Spannung überwacht. * Besondere Beachtung wird im Zusammenhang mit diesen allgemeinen Bemerkungen die Beurteilung der Lage finden, wie sie in einem Leitaufsatz des ״Matin“ vom 19. September zum Ausdruck kommt. Unter der Ueberschrift ״Die Vorgänge in Palästina — nicht Folge des Rassenhasses. — Die Erregung hauptsächlich durch die altfeudalen Grundbesitzer hervorgerufen“ wird ausgeführt: ״ . . . Selbstverständlich versueben beide Teile die Schuld auf die Gegenseite abzuwälzen: es wäre ein vergebliches Bemühen, über eine so schwierige Frage endgültig urteilen zu wollen. Doch lassen sich gewisse Grundzüge festhalten; ihre Kenntnis ist zum Verständnis der tragischen Vorgänge erforderlich. Die folgende Beurteilung beruht auf Informationen von vollständig Unparteiischer und unbedingt zuverlässiger französischcf Seite.“ Nach einer Darlegung der Stellung der Effendis, der Fellachen und der Beduinen wird weiter ausgeführt: ״Der Feilache hat nichts verloren ... Er wird jetzt gut behandelt und besser bezahlt; er bearbeitet sein Feld unter den besten Bedingungen. Er ist den Streitigkeiten, die sich alsbald zwischen Effendis und Juden ergaben, ferngeblieben .. . Die Effendis, die durch die jüdische Zuwanderung sehr reich geworden sind, haben das Syrisch-Palästinensische Komitee gebitdet, dessen Sitz sich in Aegypten befindet. Dieses Komitee hat die Unruhen in beiden Ländern angestiftet, wobei es; sich in Syrien der Drusen, in Palästina der Beduinen, beide. stets raubgierig, als Angriffstruppe bediente. Da viele diese ehemaligen Grundbesitzer im Verwaltungsdienst tätig sind״ fanden sie andererseits wirksame Unterstützung bei den lokalen Behörden. Die-jüngsten Unruhen wurden mithin nicht durch einen tiefgreifenden Gegensatz zwischen den beiden Rassen hervorgerufen. In Wirklichkeit lebt der Jude in guten Beziehungen mit den Fellachen. Seine ärztlichen Hilfsstellen stehen len Arabern, die sich deren gerne bedienen, offen. Die Beduinen waren lediglich gedungen. Die Schwierigkeiten wurden also hauptsächlich durch die Verhetzung der altfeudalen Großgrundbesitzer und durch einige#,, *sä« persönlichen Ehrgeiz erfüllte Führer hervorgemfm■ .D!as>r*bJsche-Älk. wett j iaLaUgemetteKjkhtl^ailii,;. daß es durch ein gutes Einvernehmen weit mehr elf«duKtbf Zwietracht zu gewinnen hat. Die jüdische Kolonisation hat einen neuen Aufschwung in das Land gebracht, aus dem der Araber Vorteil zieht una den er zu schätzen weiß. Trotz der bedauerlichen Zwischenfälle kann man der Zukunft mit Ruhe und Vertrauen entgegensehen, wenn die britischen Behörden, im Geiste des Völkerbund-Mandates, die notwendigen Vorkehrungen treffen.“ Juristische Hilfe Iflr die Geschädigten Die Zionistische Exekutive in Palästina hat die erforderliehen Vorkehrungen getroffen, um den von den Unruhen in Palästina Geschädigten rechtliche Hilfe zuteil werden zu lassen und ferner Beweise und Zeugnisse für die Entstehung und den Verlauf der Ereignisse zu sammeln. Die Zentralkonimission für alle damit zusammenhängenden Angelegenheiten, die aus den Rechtsanwälten Horowitz, EI i a s c h und B. Joseph zusammengesetzt ist, hat ihren Sitz in Jerusalem und steht m ständiger Fühlung mit den lokalen Ausschüssen in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa. Die lokale Kommission für Jerusalem und Umgebung setzt sich aus den Herren Smoira, Auster, Schmetterling und Abulafiah zusammen und hat ihren Sitz in den Räumen der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, Auch in Tel-Awiw und in Haifa Baben die Kommissionen für die betreffenden Distrikte bereits vor einigen Tagen mit ihrer Arbeit begonnen. Der Termin für die Einreichung der Schadenersatzansprüche endigt bekanntlich einen Monat nach dem Tage, an dem die Schäden verursacht wurden. Geschädigte, die sich im Ausland befinden, können sich, um die Frist nicht zu versäumen, telegraphisch an die von der Zionistischen Exekutive ernannte Kommission wenden und sie mit der Vertretung ihrer Ansprüche beauftragen. ־ (Ziko.) Die Mairosen in Haifa und JaBa wieder auf ihren Scitiflen Die forschrcitende Beruhigung der Lage in Palästina hat es den Behörden nach einer offiziellen Mitteilung der Regierung ermöglicht, die Konzentration der Truppen an bestimmten Punkten fortzusetzen und eine Reihe von Detachements abzulösen. So sind die Matrosen der englischen Kriegsschiffe ״Sussex“ und ״B a r h a m" wieder auf ihre Schiffe zurückgekehrt, Die Kriegsschiffe selbst bleiben jedoch noch einige Zeit in den Häfen liegen. Die Truppen, die sich in Haifa und Jaffa betinden, werden durch diese Neuordnung nicht verringert werden. Die Regierungsmitteilung betont ausdrücklich, daß in de« beiden Städten, ebenso wie in allen übrigen Teilen des Landes genügend Streitkräfte vorhanden sind, um jeden neuen Versuch zur Unruhestiftung sofort zu unterdrücken. (Ziko.) In Jerusalem kehren die Einwohner der verlassenen jüclisehen Stadtviertel allmählich wieder in ihre Wohnungen zurück. Der Gouverneur von Jerusalem hat zugesichert, daß in der Nähe der exponiert gelegenen Viertel besondere militärische Wachen aufgestellt werden. Ebenso hat der Gouverneur Zusagen über die Sicherheit in der Altstadt von Jerusalem gemacht. Jerusalem, 24. September. (J.T.A.) Oberkommissar Chancellor besuchte die Hospitäler, in denen die jüdischen Verletzten von Hebron und anderen Orten untergebracht sind. Sodann begab er sich in das Regierungshospital, wo die arabischen Verletzten aus dem Dorfe Subar, wo viele Araber bei dem ersten Vorgehen des neu eingetroffenen britischen Militärs gegen angreifende arabische Dörfer erschossen oder verletzt wurden, untergebracht sind.