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Jüdische Rundschau · 1929-09-27 · Heft 76 (27.9.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 76 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sdte 502 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 70, 27. IX. 1029 Anhaltende Spannung Das Leben in Tel-Awiw und Jerusalem. — Der politische Kampf. — Boykoftbewegung. — Die Vorbereitung der großen Prozesse. — Die arabische Presse. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.O., Jerusalem, den 17. September 1929־. Wenn man jetzt in der letzten Woehe am Nachmittag oder noch besser am Samstag vormittag da! Strand in Tel- Awiw besucht, so kann man sich schwer vorsteilen, daß erst vor zwei Wochen Palästina der Schauplatz der wildesten lieberfälle gewesen ist. Diese Stadt, die ihrer ganzen Art nach — als einziger rein jüdischer städtischer Platz -- ein Unikum im Lande darstellt, ist schneller als andere Orte zu einem gcwissen Grad der Normalisierung zurückgekehrt. Ein großer Teil der Bewohner hat seine gewohnte Arbeit wieder aufgenominell, und man hat sogar schon wieder Zeit und Stimmung zutn Baden. Das riesige Mutterschiff, das bis vor ein paar Tagen in Jaffa vor Anker lag, hat den Hafen in der Richtung nach Cypcru verlassen und nur ein kleineres Schift ist zur Bewachung zurückgeblieben. Seitdem es erlaubt ist, bis neun Uhr abends auf der Straße zu sein, ist es auch wieder lebendiger und bewegter geworden. Ein großer Teil der Flüchtlinge aus den umliegenden Kolonien, die in der Stunde der Gefahr in Tel-Awiw Unterkunft suchten, ist nach Hause zurückgekehrt. 111 den Schulen und öffentlichen Gebäuden ist jedoch noch eine beträchtliche Anzahl aus der Umgebung und auch aus den Außenviertcln der Stadt versammelt. Man fährt wieder — wenn auch noch nicht in großer Zahl — im Auto von Tel-Awiw nach Jerusalem. Die Straße ist völlig ruhig. Man sieht nicht einmal eine militärische Patrouille. Bei den Reparaturarbeiten auf der Chaussee findet man unter den Fellachen bereits einige Juden. Audi sonst im Lande scheint die Ruhe wiederhcrgestellt zu sein, wenn auch immer wieder hier und dort von einzelnen Zwischenfällen berichtet wird. Das Militär scheint sich, nach Nachrichten und Regierungsbericliten zu schließen׳, auf einzelne Punkte im Lande konzentriert zu haben. Eine bedeutende Anzahl von Flugzeugen macht nach wie vor Patrouillen- und Nachrichtendienst. Genaueres über die Lage an den verschiedenen Grenzen ist auch noch heute nicht festzustellen. Jedoch kann man mit einiger Sicherheit sagen, daß die Beduinenbevvegungen überall zu einem Stillstand gekommen sind und durchaus durch das in״ Bereitschaft stehende Militär in Schach gehalten werden. Die Regierung hat also mit ihren Bulletins recht, wenn sic von der ״Ruhe“ spricht, die in Palästina herrscht. Aber «s liegt sehr viel hinter dieser Ruhe und besonders hinter der Stille, die mit Eintritt der Dunkelheit sieh überall über das Land herabsenkt, ln Jerusalem, wo man den Puls des Landes am lebendigsten fühlt, kommt die Spannung der Gemüter und der Beziehungen, die Aufregung, die halb im Abklingen und halb unterdrückt ist, am stärksten zum Ausdruck. Auf den ersten Blick zwar bietet die Stadt mit den offenen Laden und den relativ gut belebten Straßen den gewohnten Anblick, der nur durch das hier konzentrierte Militär geändert wird. Aber während auch hier die praktische tägliche Arbeit aufgenommen wird und dadurch äußerlich der Eindruck des Normalen erzeugt wird, spürt man doch überall, welch eine tiefgreifende Revolution die letzten Wochen verursacht haben, und wie schwer es ist, wieder da anzufangen, wo man aus der Ordnung gerissen wurde. Die Luft ist bis zur Hoch- Spannung mit Befürchtungen und Kombinationen geladen, ln den afabischen <2afds sammelt sich um jeden Zeitungsksee eine gespannte Gruppe, die gierig auf Neuigkeiten lauseitt. Die Aufnahme des normalen Hin und He►* *Wischen Juden und Arabern zeigt auf beiden Seiten große Schwierigkeiten, und zwischen den beiden Teilen der Bevölkerung bewegt sich der britische Soldat, meist getrennt von beiden, mit der gewohnten Kühle und Zurückhaltung des Engländers und mehr als je durch eine Kluft von den Einheimischen getrennt. Und wenn auch die Ruhe in die Stadt zurückgekehrt ist, so Ist das Gefühl der Sicherheit durchaus noch nicht allgemein. Gestern noch fand ich die alte Stadt nach Eintritt der Dunkelheit vollständig verlassen, so daß aut jeden Passanten drei oder vier englische und arabische Polizisten kamen. Gerade in diesen engen und winkligen, schlecht erleuchteten Gassen, bei denen jede Biegung einen neuen überraschenden Anblick bietet, mutet diese Stille mit den schweigenden Gestalten in Khaki, die auf- und abgehen oder an den Häusern lehnen, fast gespenstisch an. Der politische Kampf, der den Ueberfällen gefolgt ist, ist heute gewissermaßen in ein stilleres, wenn man will, unterirdisches Stadium getreten. Mit dem Erscheinen der Zeitungen begann die Periode der Berichte, wo erst einmal zusammengestellt wurde, was Im Lande geschehen war, wo Irrtümer richtiggestellt wurden und man sich bemühte, nach trägllch die Geschichte der Unglückstage zusammenzufassen. Dann machte sich die Erbitterung und Empörung Luft und bald begannen auch Stimmen aufzutauchen, die zur Besinnung mahnten, die eine objektive und gerechte Beurteilung der Oeschehnisse verlangten und manchmal auch gaben. Nach diesem Stadium muß die politische Abschätzung kommen, die die öffentliche Meinung des Landes bilden und lenken soll, Und hier scheint jetzt eine gewisse Stille einzutreten, die wahrscheinlich, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse die halbe jetzt herrschende Stille stören sollten, bis zum Eintreffen der Untersuchungskommission andauern wird. Unterdessen bekommt man es hier lebhaft zu spüren, wie heute Palästina überall auf der Welt in den Mittelpunkt des politischen Interesses gerückt ist. Die Hotels in Jerusalem sind voll von europäischen Joumalisten^der verschiedensten Nationen, die sich bemühen, eine Vorstellung von der Situation zu bekommen. Gerade bei Berührung mit Europäern verschiedener Richtungen erkennt man, daß gerade Palästina mit seiner komplizierten politischen Verfassung und seiner einzigartigen Lage als Land des entstehenden national home für Europa noch durchaus eine Neuheit, und zwar oft genug eine schwer verständliche Neuheit ist. Sowohl zionistische wie arabische Aspirationen werden oft unter einem schiefen Gesichtswinkel betrachtet, und es wird wieder klar, daß für uns die Aufklärung der Oeffentlichkeit nicht nur über zionistische Ziele und Ideologien, sondern auch über •unsere Aufgabe hier und unsere Stellung in und zur Orientpolitik von lebenswichtiger Bedeutung ist. Die Regierung hat bisher von ihrem Zensorrecht über die Presse einmal Gebrauch gemacht, indem sic den ״Doar Hajom“ (das Organ der Revisionisten in Palästina) verbot. Die gesamte jüdische Presse, auch die, welche dem ״Doar Hajoni“ gegnerisch gegenübersteht, hat scharf dagegen protestiert, und es ist zu erwarten, daß das Blatt in diesen Tagen wiedererscheint. Die Empörung im Jischuw darüber, daß nur ein jüdisches Blatt unterdrückt wurde, stieg unter dem Eindruck der Tatsache, daß keine der arabischen Zeitungen, die in Artikeln und Nachrichten vielfach schwer aufreizend wirken, bisher sistiert worden ist. Die arabische Presse bemüht sich mit allen Mitteln, die Welle der Empörung im ar a• bischen Lager nicht verebben zu lassen, Sie hat in den letzten Tagen mit besonderer Schärfe den wirtschaftiichen Boykott der Juden proklamiert 1:11 er der Devise: ״Kauft von ihnen nichts außer Boden und verkauft ihnen alles nur nicht Boden!‘ Auch arabische Flugblätter, die sich sowohl an die Unternehmer wie an die Arbeiter wenden, fordern zur Nieder- Iegung der Arbeit bei Juden bzw, zu ihrer Entlassung aut. Jedoch scheinen die Boykottversuche mehr und mehr zu mißlingen. Man sieht in Jerusalem an verschiedenen Stellen Juden und Araber gemeinsam bei Bauten beschäftigt und auch das öeschäftsleben — soweit es international ist — scheint relativ wenig von der Propaganda beinflußt. ln der jüdischen Presse wird bereits der Boykott bekämpft. Das schwerste Kapitel im Lande augenblicklich sind die Prozesse. Mit den kleinen Fällen, die mit Geldstrafen oder kurzer Haft belegt werden, wird man in nächster Zeit fertig sein. Es werden die großen Fälle, vor allem von Hebron und Saf cd vorbereitet, eine große Anzahl von Zeugen vernommen und Material gesammelt. Es Ist selbstverständlich, daß bei Prozessen, die so schwere Verbrechen behandeln und so viele Leute umfassen, die Vorarbeiten außerordentlich langwicrig und kompliziert sind. Sämtliche Vorgänge bei der Durchführung und bei der Vorbereitung der Urteile machen einen recht bedrückenden Eindruck. Auch bei sehr vorsichtiger und objektiver Betrachtung und auch wenn man sich bemüht, die Dinge von allen Seiten zu sehen, wird die Empfindung immer deutlicher, daß politische Erwägungen bei diesen Manipulationen stark m i t s p r e c 11 c n , wenn nicht gar bestimmend sind. Es will danach aussehen, als ob man sich bemühe, die Schuldigen auf beiden Seiten möglichst auszugleichen, und es läßt sich nicht leugnen, daß einer Regierung bedeutende Mittel dazu zur Verfügung stehen. In der richtigen Erkenntnis, daß die arabische Presse aufs äußerste daran interessiert ist, ihren Standpunkt nicht nur den eigenen Volksgenossen, sondern auch der europäischen Welt und vor allen den in Palästina befindlichen Engländern darzustellen und ihre Sache propagandistisch zu vertreten, hat die Jaffaer arabische Zeitung ״Falestin“ mit der Her* ausgabc eines englischen Blattes begonnen. Es präsentiert sich als ״national-arabisches Organ “, eine bedeutsame Neuerung in der palästinensischen Geschichte. Die erste Nummer bringt unter anderem die zwei Proklamationen des Oberkommissärs mit einer scharfen Polemik gegen die erste, welche die scharfen Verurteilungen der Ueberfälle enthält, einen Protest der Jerusalemer arabischen Anwälte gegen die Proklamation und die nach ihrer Meinung falsche und ungerechte Beurteilung der Situation. Außerdem die bekannten Forderungen der Araber, die in der Aufgabe der Balfour- Deklaration gipfeln. Auch dieses Blatt Ist eine der Vorbereitungen der arabischen Nationalisten für die Untersuchungskommission. Es ist auffallend und besonders niederdrückend, daß bisher in der arabischen Presse keine Stimme laut geworden ist, die die Ueberfälle als solche, ganz abgesehen von ihren politischen Zusammenhängen, verurteilt. Daß sich heute im arabischen Lager kein politischer Widerspruch gegen die Forderungen des Mufti und der arabischen Exekutive erhebt, ist selbstverständlich. Aber es wäre durchaus denkbar — und Zeitungen in Aegypten und Syrien haben das bereits an einzelnen St eilen getan — die politischen Forderungen der arabischen Führer in Palästina zu unterstützen, ohne zugleich die Gewalttaten zu rechtfertigen und sie dadurch schweigend zu sanktionieren. Eine solche, gerade vom menschlichen Standpunkt wichtige Stimme, hat sich bisher unter den arabischen Journalisten in Palästina nicht erhoben. Und doch warten alle im Lande darauf, die für diese Verbrechen nicht auch Unschuldige mitverantwortlich machen wollen. Eine solche Erklärung, die durchaus keinen politischen Verrat am eigenen: Lager bedeutet, würde viel dazu beitragen, die Atmosphäre im Lande zu ־reinige», die »!teure «och zur» Erschrecken vergiftet ist. * Jerusalem, 24. September. (J. T. A.) Die arabische Boykottbewegung gegen die Juden nimmt an Ausdehnung zu, auch arabische Regierungsbeamte nehmen ak• tivanihrtcil. Es werden Legenden verbreitet, wonach die Juden in Schokolade und Obst, die sie den Arabern verkaufen, Gift gesteckt haben. Die Regierung in Jerusalem gab der Polizei strikte Order, dieser Propaganda entgegenzuwirken und die Grundlosigkeit der Legenden darzutun. Allem Anschein nach glauben die Araber diese Legenden, da sie gegenüber Waren, die aus dem jüdischen Handel stammen, eine durch Angst bctonte Zurückhaltung üben. Jerusalem, 24. September. (J.T.A.) Arabische Nofabeln forderten den Groß-Muftl auf, die moslemischen Geistliehen in Jerusalem zu versammeln und mit ihnen über die Errichtung von Denkmälern für die arabischen Gefallenen, wie sie die Juden ihren Märtyrern errichten, zu beraten, sowie ferner einen Plan auszuarbeiten, um die arabischen Besitzer von Orangen- und Obsthainen oder von Boden, der sich für eine solche Zucht eignet, durch wirtschaftlich« Kräftigung In die Lage zu versetzen, ihren Besitz selbst verwalten zu ftönnen, um nicht gezwungen zu sein, ihren Boden an die Juden ztt verkaufen. Gleichzeitig wird vorgeschlagen, daß ein sehr bekannter arabischer Konzern für Zigarettenerzeugung aufgefordert werden soll, eine Streichholzfabrik zu errichten, die der Produktion der Juden Konkurrenz machen soll. Die Kampagne für Hilfe an die in Palästina geschädigten Araber hat sich auch auf den Irak ausgedehnt, wo mehr als 30 000 Rupien gesammelt wurden, zu welcher Summe König Faisal 1000 Rupien beigesteuert hat. Die arabische Zeitung ״Surat Mustakim“ veröffentlicht eine Haßhymne gegen die Juden, deren Strophen mit dem Refrain endigen: ״Hütet euer Land, das eure Väter eroberten; schlagt die Juden nieder; Allahs Wille geschehe“. In jüdischen Kreisen fragt man sich, warum die Regierung eine solche Mordhetze duldet, während die ״Doar Hajom“, für zehn Tage unterdrückt wurde. Jerusalem, 25. September. (J. T. A.) Arabische Agitatoren in den Städten Palästinas führen die Boykott-Propaganda gegen Handel und Industrie der Juden ungehemmt fort. Die Moslemisch-Christliche Gesellschaft hielt in Jaffa eine Sitzung ab, in der Pläne eines allgemeinen Boykotts der Juden in Zusammenarbeit mit der arabischen Handelskammer erörtert wurden- Kehrt das normale Leben wieder? Jerusalem, 24. September. (J. T. A.) Als Zeichen der Wiederherstellung normaler Beziehungen wird die Wiederaufnahme sportlicher Spiele angesehen. In einem Fußball- ■natch zwischen dem Arbeiter-Sportklub ״Hapoel“ und einem Militär-Team siegte ״Hapoel“ 5:1. In einem zweiten Match des Sportklubs ״Maccabi ‘ gegen ein britisches Team siegten die Briten 3; 2. In Haifa spielte am Sonntag ein Team des Arbeitersportklubs ״Hapoel“ gegen ein britisches Team. Das Spiel wurde in der Mitte auf zwei Minuten unterbrochen, währenddes die Spielenden in Schweigen verharrten zum Zeiehe« der Trauer für die jüdischen Märtyrer aus Anlaß der ״Schloschim“. Jerusalem, 23. September. (J.T.A.) Das Oberrabbinat für Palästina hat für Sonntag nachmittag zwei Oedenk-Versantm- Iungcn für die jüdischen Opfer der arabischen Unruhen angesagt. Zur Vermeidung von Demonstrationen und zwecks Beruhigung der nervösen Stimmung hat sich das Rabbinat entschlossen, die Versammlungen a DSUsage a. Lonfs Marsballs Bestattung In New York N c w York 23. September. (J.T. A.) Der Sarg mit dem Leichnam Louis Marshalls ist am Montag, dem 23. September, abends, an Bord des ״Leviathan“ im Hafen von New York eingetroffen. James Marshall, der Sohn Louis Marshalls, und die übrigen Mitglieder der Familie hatten mit dem gleichen Dampfer die Fahrt mitgemacht. Am Quai, wo der Dampfer anlegte, hatten sich der New Yorker Oberbürgermeister James Walker, der frühere Gouverneur des Staates New York Smith, Kommissar Wahlen, die Herren Felix M. Warbürg, Dr. Cyrus Adler, Adolph S. Ochs, der Herausgeber der ״New York Times“, David Bressler vom American Jfoint Distribution Committee, Samuel Unterm eyer, Rabbi Samuel S c 11 u I m a n und viele andere führende Persönlichkeiten des New Yorker öffentlichen Lebens ein gefunden. Der Sarg wurde vom Dampfer direkt nach dem Tempel Emanuel überführt, wo er auf einen Ehrensockel gestellt wurde. Vor dem Tempel Emanuel hatte sich eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge aufgestellt und wartete stundenlang bis zum Eintreffen des Sarges, tim den Leichnam des großen Führers zu grüßen. * Die Beisetzung Louis Marshalls, fand nachmittags, vom Tempel Emanuel aus statt. Der Sarg war mitten im Tempel auf einem hohen Kafafalk aufgebahrt. Im Tempel hatten sich zur Feier mehr als 4000 Repräsentanten der Judenheit von New York und den übrigen Zentren Amerikas eingefunden; mindestens die gleiche Zahl Personen wartete vor dem Tempel draußen. Der Tempelchor trug Psalmen vor. Als Bahrtuchhaltcr fungierten Julius Rosenwaid, Dr. Cyrus Adler, Felix M. Warbt!rg, David M. Breßlcr, der frühere Gouverneur des Staates New York Alfred Smith und andere führende Personlichkeiten. In vielen Straßen, die der Trauerzug passierte, mußte der Verkehr gesperrt werden. Viele Hunderte von Automobilen fuhren hinter dem Trauerwagen her. Auf dem Friedhof Salem Fiekl hatten sich wiederum zahlreiche Verehrer des toten .Führers eingefunden, unter ihnen Vertreter von 54 Organisationen. Gemäß dem letzten Wunsche des Verstorbenen wurden Grabreden nicht gehalten. Da Marshall dem Reform- Judentum angehörte, volizo״ sich die Bestattung gemäß den Vorschriften des Reform-Rituals. An der Bestattungsfeier nahmen auch zahlreiche Vertreter der jüdischen Orthodoxie teil. * N ew Y0rk, 24. September. (J.T. A.) Julius Rosenwald aus Chicago hat eine halbe Million Dollar für Errichtung eines Louis MarshaU-Gedächtnis-Fonds an dem Judisehen Theologischen Seminar gespendet, ln einem Schreiben an Dr. Cyrus Adler erklärte Rosenwald, er sei zu dieser Spende durch einen Brief angeregt worden, den ihm Louis Marshall kurz vor seinem Tode schrieb und in welchem er sein Interesse für das Seminar wie für die jüdische Erziehung überhaupt bekündete. Warschau, 24. September. (J. T. A.) Am 24. September, dem Tage der Beerdigung Louis Marshalis in New York, hielten die Verbände der Cooperativ-Banken, der Waisenfürsorge, der Joint-Institutionen und andere jüdische Institutionen ihre Büros geschlossen. Am Dienstag, dem 24. September, dem Tage der Bestattung Louis Marshalls in New York, waren die Büros des American Joint Distribution Committee und des American Joint Reconstruction Foundation in Berlin zum Zeichen der Trauer nach* njittagS geschlossert. "1' 7" " " * ,י■••"«׳ Der Wächter von Klar Jeladlm ermordet Jerusalem, 24. September. (J.T.A.) Schlome Sandler, der Wächter der Kinderkolonie Kf ar Jelad im ist in der gestrigen Nacht von arabischen Plünderern ermordet ivorden. Die Räuber, die zuvor die Telephondrähte durchgeschnitten haben, raubten vier der Kolonie gehörende Maulesel, Eine Stunde nach dem geschehenen Raub traf Militär aus der Kolonie M e r c 11 a w i a , etwas später Polizei aus Nazareth in Kfar Jeladim ein. Eine Spur der Raubmörder konnte bisher nicht gefunden werden. Das Kinderdorf und die Umgebung werden jetzt von Militärpatrouillen stark bewacht Der ermordete Sandler stammte aus Tiberias. — (Dieses bedauerliche Vorkommnis ist von Korrespondenten verschiedener Zeitungen aus Sensationsgier zu einem organisierten Ueberfall auf Kfar Jeladim aufgebauscht worden. Red.) Jerusalem, 25. September. (J.T.A.) Im ganzen Ernek Jesreef herrscht große Erregung über den arabischen Ueberfall. Die Tötung von Schalom Elischa Sandler aus Tiberias geschah unter tragischen Umständen. Der Wächter wurde zuerst aus dem Hinterhalt angeschossen und verletzt, hierauf stürzten sich die Räuber auf ihn und töteten ihn durch mehrere Dolchstiche. Dann wurde der Stall der Kolonie mit Dynamit f. . . .... .... — - *־•״־ ' nen. Man nimmt an, daß die Räuber aus dem Dorfe Shumi stammen. ״Schloschim“- Gedenkfeier Br die Tölen von Hebron Jerusalem, 23. September. (J.T.A.) Am Ende des Trauermonats nach den in Hebron abgeschlachteten Juden wurden in den Synagogen Trauergebete gesprochen. Die hebräische Tageszeitung ״Haarez“ widmet den Opfern von Hebron eine Sondernummer, die Nachrufe auf jedes einzelne der Opfer enthält. Einer der Ueberlebenden der jüdischen Gemeinde Hebrons schreibt 1m Namen der zeitweilig in Jerusalem untergebrachten Juden von Hebron dem ״Haare z“: ״Hungernd, dürstend, aus Wunden blutend, in Schmerzen uns windend verließen wir Hebron; trotzdem: wir werden in diese Stadt zurückkehren. Wir werden die Gräber unserer Vorfahren nicht unreinen Händen überlassen. Wir werden nach Hebron zurückkehren, aber nicht mit Schwert oder Dolch, sondern mit der Kraft ewiger Wahrheit, mit Mut und Entschlossenheit, die Ruinen wieder aufzubauen. An der Stelle des verwüsteten Gotteshauses werden wir ein neues Gotteshaus errichten, und von der Kuppel dieser neuen Synagoge werden w־ir friedlieh den Muezzin grüßen, der die gläubigen Moslems von der Spitze des Minaretts zum Gebet ruft.“ Die Lage der HüdiUinge Jerusalem , 24. September. (J.T. A.) Die Regierung erließ heute eine Mitteilung, derzufolge die bisherige verteilung von Nahrungsrationen an die Flüchtlinge mit dem heutigen Tage abgebrochen wird. Die Flüchtlinge werden aufgefordert, in ihre verlassenen Heime zurüciczukehren. Da aber die Regierung auf Anfrage seitens der Flüchtlinge nicht die bündige Garantie für die Sicherheit ihres Lebens in den isoliert gelegenen Stadtvierteln geben wollte, weigern sich die Flüchtlinge, trotz der Einstellung der Lebensmittelrationen in die verlassenen Stadtviertel zurückzukehren. _ Namentlich gelten die yemcnitisrhc Vorstadtsiedlung ״Haschiloach“ und die Gartenvorstadt ״Bajith .Wegan“ als ungesichert.

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