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Jüdische Rundschau · 1929-09-27 · Heft 76 (27.9.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 76 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0J5 Goldmark DDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljihrlich 5,75 Goldmark. Attalandflahom1em«Dtt1 werden m dm WShna« der ■inwlwm Linder berechnet. Anreigenpreis: 8 geep. NonpareiUczeil« 0J0 G.-M. Stellengesuch« 0,25 G־M. Nummer 76 I Berlin, 27. IX. 1929 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■MW■ Redaktion Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. AmetgsnschJuS: Dienstag und F זoiו■g nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Postscheck - Konten: Berlin 1392ל, Basel V 9355, Bnlgrad 68032, Brüssel 39433, Badspest 596 93. Danxig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Straaebtjrg 164 30. Warschau 190 708, Wien 1560m Bank -Konten: Darmatadter und Nstionalbsnk, Depositen ־ Kasae Berlin, Kurförerendsmin 52: Banca de Est, Cerrjsun (Rumänien): Anglo Psiestine Ca in Haifa, )ertisalem, Tel -Aviv. כ״ב אלול* תרפ״ט j xxxiv.jahrg. Per Zionismus erstrebt «Br da» jQdlsche Volk die Schaltung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm■‘• An das jüdische Volk! In ernster schicksalsschwerer Stunde versammelt, tiefer denn je verbunden in Gefühl und Gedanken mit Erez Israel, gilt unsere erste Botschaft dem Lande und seinen Menschen. Wir neigen uns vor den Toten, die auf dem opfervollen Wege zu unserer Erlösung gefallen sind. Unsere innige Anteilnahme wendet sich denen zu, die durch blinde Zerstörungswut verloren haben, was friedliche Aufbauarbeit mühereicher Jahrzehnte geschaffen hat. Dem Jischuw senden wir aus der Tiefe unserer Herzen in Dankbarkeit und Stolz die brüderliche Botschaft der Sympathie und der Ermutigung. In Tagen voll blutiger Tragik haben unsere Brüder und Schwestern die große verantwortungsvolle Aufgabe, Träger des Natiosalhelms zu sein, mit dem Mat der Selbstverteidigung, mit Seelenstärke und sittlicher Würde erfüllt, die ein unzerstörbarer Ruhmestitel für alle künftigen Geschlechter bleiben werden. Mit elementarer Leidenschaft antwortete die Judenheit der ganzen Welt durch einheitliches Gefühl und durch vereinigte Tat. Eine Welle des Schmerzes, des Mitgefühls, der Empörung flutete durch die jüdische Welt, Millionen mit umfassend, die uns sonst nicht verbunden sind. Diese Antwort Erez Israels und der jüdischen Welt ist für uns Trost und Erhebung. Sie ist zugleich für uns heilige Verpflichtung: Unser Werk, lebend in den treuen Händen unserer Ersten im Lande, getragen von der Liehe und der Kraft des jüdischen Volkes, geht weiter. Brutale Gewalt konnte mühselig auf gebaute Werte zerstören, kostbare Menschenkraft vernichten — wir werden Sühne und Ersatz dafür fordern, wir werden den geschädigten und heimlosen Brüdern Hilfe leisten — aber unser Werk geht weiter. An die Arbeit für das nationale Heim, ohne Verzug, in erhöhter Bereitschaft, mit vervielfachter Energie und mit vergrößerten Zielen: dieses ist unsere Verpflichtung. Sie weist uns klar unsere Aufgabe zu: wir sollen und müssen einer neuen, verstärkten Einwanderung die Bahn bereiten. Viele Tausende von Chaluzim in den Ländern der Galuth warten arbeits- und opferbereit nur auf den ersten Ruf und das Land wartet auf sie. Ein großzügiger Kolonisationsplan soll unmittelbar in die Wege geleitet werden, der es möglich macht, die Ackerbau- und Pilanzungskolonien zu verstärken und sie mit •initiü Rfcs!g *«§ zu umgeben, die 1#^P|g'‘'|ir'Ä*eiten1 Gelegenheit zur dauerndem Sefihaitmachung schaffen sollen. Das ist die wahre Hilfe, die wir in dieser Stunde dem Jischuw zu bringen geloben. Hilfe durch Aufbau, Stärkung« Ermutigung und Sicherung durch jüdische Arbeit, durch eine schnelle und umfassende Vergrößerung und Festigung unseres Kolonisationswerkes. Hilfe durch Aufbau! Mit dieser Losung wenden wir uns an das jüdische Volk. Zuerst an alle, die im Lager Zions stehen. Vor wenigen Wochen erst ist in Zürich in starker, begeisterter Stimmung der Bund für Erez Israel geschlossen worden. Er verlangt jetzt im ernstesten Augenblick sine Besiegelung durch vereinte Leistung, würdig der großen Verantwortung. Hilfsaktionen genügen nickt, sie müssen unverzüglich übergeleitet werden in die Arbeit des Keren Hajessod und die grofie Tischri-Aktion des Keren Kajemeth. Aufbaufonds und Landfonds sind und bleiben die Grundpfeiler des jüdischen nationalen Heims. Ungesäumt und mit höchster Opferwilligkeit müssen den beiden Fonds die großen Mittel zugewandt werden, die das neue Werk erfordert . Nicht nur die Augen unserer Brüder und Schwestern in Erez Israel, die Blicke der ganzen Welt sind jetzt auf uns gerichtet. Wir haben Erez Israel zu beweisen, wie tief wir unsere geschichtliche Verbundenheit mit ihm, seinen Menschen und seiner Zukunft empfinden. Der Welt aber haben wir zu zeigen, da wir die uns kn Mandat durch den Völkerbund feierlich verbrieften Rechte voll beanspruchen, dafi wir sie nutzen wollen, für ein Werk von historischer Größe, iür ein Werk nationaler Renaissance, für ein Werk des Friedens und des Fortschritts der Menschheit. Die Jewish Agency für Palästina. CHAIM WEIZMANN MELCHETT Präsident Vorsitzender des Councils London, 22. September 1929 Die Aktion der Jewish Agency in Deutschland Die von den deutschen Mitgliedern der Jewish Agency und der Leitung des Keren Hajessod gemeinsam durchgeführte Aktion (die ebenso wie die Roschrlaschanah-Aktion des Keren Kajemeth unter der Devise ״Hilfe durch Aufbau“ erfolgt) ist in allen Teilen Deutschlands energisch aufgenommen worden. Berichte über den Beginn der Arbeit in Berlin, Hamburg, Leipzig und Frankfurt a. M. wurden bei'cifs veröffentlicht. ln Köln fand am 22. September unter Vorsitz von Herrn Alfred T i c t z eine vom Rheinisch-Westfälischen Provinzialmjsschu/1 des Jüdischen Palästinawerks einberufene K o n f e - renz statt, an der führende Persönlichkeiten des Jüdischen Pahistinawerkes aus Köln, Düsseldorf,Elberfeld, Bonn, B o c h u m, Duisburg teilnahmen. Nach einem einleitenden Referat von Herrn Tietz über die letzten Ereignisse in Pa- Lisfina. ihre Ursachen und die gegenwärtige politische Situation fand eine lebhafte Aussprache statt, an der sich die Herren Rechtsanwalt Dr. Oppenheimer, Düsseldorf, Justizrat Bod enheimer, Köln, Frau A4 a r g a r e t e Tietz, Köln, Rahhincr Dr. Eschelbach er, Düsseldorf, Stadtdirektor Dr. Kramer, Köln, Dr. Qidion, Köln, R.-A. Dr. Meyersberg, Bochum, Dr. Sin dl er beteiligten. Entscheidende Ocdankeitgänge in der Aussprache waren: die Forderung einer aktiven auf Ausgleich und Versöhnung mit der arabischen Bevölkerung gerichteten Politik der Jewish Agency, die Forderung nach ausreichendem Schutz im Lande (Reform der Polizei und Gendarmerie unter Einstellung einer ausreichenden Anzahl von Juden), Reformen in der Adminisfration und Beamtenschaft und endlich der einmütige Wille aller Teilnehmer an der Konferenz, das begonnene Werk unter allen Umständen fortzusetzen und die Aufktärungs- und Werbearbeit in Deutschland intensiv zu fördern. Aus dem Kreise der Teilnehmer wurde an Ort und Stelle eine Reihe von Sonderbeiträgen (zusammen RM. 12 000) gezeichnet, von denen der größte Teil bereits überwiesen wurde. Breslau: Die Aktion beginnt mit einer Konferenz der Keren Hajessod-Zeichner am 28. September, bei der die Herren Dr'. Bernhard Kahn und Dr. M. Bileski, Mitglieder des Councils der Jewish Agency, die einleitenden Referate übernommen haben. Chemnitz: Die von Herrn Dr. Sluscewer eingeleitete Aktion hat bisher ein Ergebnis von RM. 2000 gebracht, die der Jewish Agency bereits zur Verfügung gestellt wurden. Bernburg: Als erstes Ergebnis der unter Führung von Herrn Max Q u m p e I eingcleiteten Aktion ist die Ueber- Weisung von RM. 1500 angekiindigt. Die Jüdische Gemeinde in Hamm hat 250 M., die kleine jüdische Gemeinde in Neustadt/Saale 100 M. für die Aktion überwiesen. Dr. Weizmann bei MacDonald London, 24. September. (J. T. A.) Der Ministerpräsident Großbritanniens, Ramsay MacDonald, empfing am Montag, dem 2.1. September, vormittags, Professor Weizmann zu einer längeren Besprechung. Dr. Welzmann unterbreitete Mac Donald ein Statement, in welchem die Forderungen der Zlonistisehen Weltorganisation und der Jewish Agency an die Mandatar-Regicrung dargelegt werden. Das Mitglied der Zionistisehen Exekutive, Professor S- B r o d e t s k y, hat In einer heute im Hauptbüro der Zionistischen Organisation stattgefundenen Pressekonferenz über die Besprechung zwischen Dr. Welzmann und MacDonald Mitteilung gemacht. * London, 24. September. (J.T. A.) Anknünfcnd an die Mitteilung über das Zusammentreffen zwischen Weizmann und MacDonald gab Professor S. Brodetsky den Vertretern der Presse die folgenden Erklärungen: Nach drei Angriffen, die die Araber gegen die friedlich arbeitende jüdische Bevölkerung in Palästina innerhalb eines Zeitraumes von neun Jahren unternommen haben, wird sich die britische Regierung endlich vergegenwärtigen müssen, daß sich die Juda! nicht mehr darauf verlassen können, daß eine vorwiegend aus Arabern bestehende Polizei im Falle der Gefahr für ihren Schutz sorgt. Eine gründliche .Ncuorganisation der palästinensischen Polizei und des transjordanischen Verteidigungskorps tut dringend not; von erster Wichtigkeit ist es, daß bei diesen Ordnungs- und Verteidigungskräften die Juden in einem angemessenen Prozentsatz vertreten sind. Eine zweite unerläßliche Bedingung für die Sicherheit und den ruhigen Fortschritt des Landes ist eine treue Zusammenarbeit zwischen der Palästina- Ad ministrati 0 n und der Jewish Agency bei der Ausführung des Mandates nach seinem Buchstaben und seinem Geiste; diese Zusammenarbeit darf nicht eine formelle sein, beide Parteien müssen mit dem ganzen Herzen an derselben beteiligt sein. Die Regierung wird sich entschließen müssen, die Bestimmungen des Mandates hinsichtlich der Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in einer aktiveren Weise als bisher durchzuführen; sie muß neue Möglichkeiten für ervveiterte Einwanderung und Kolonisation schaffen. Dies ist ein wesentlicher Teil der Maßnahmen, die notwendigerweise ergriffen werden müssen, um das in der Balfoiir- Deklaration gegebene und im Mandat international bekräftigte Verapieehen hinsichtlich des Auf baus des Jüdischen N*KKMNi& Auf Grund der Verhandlungen, die wir nach dieser R turtg hin mit dem Premierminister MacDonald und mit dem Kolonienminister Lord Passfield geführt haben, haben wir das Vertrauen gewonnen, daß mit Hüte der vereinigten Juden- Beit in der ganzen Weft unsere Bemühungen von Erfolg sein werden. Professor Brodetsky teilte mit, daß Leonard Stein, der bisherige politische Sekretär der Zionistischen Exekutive, nach Palästina reist, um di« Zionistische Exekutive Palästinas in der Vorbereitung des Materials für die britische parlamentarische Untersuchungskommission zu unterstützen. Es wird nun, fuhr Prof. Brodetsky fort, eine Intensivierung der palästinensischen Arbeit in London vor sich gehen. Die Palestine Mandat Society hat sich in diesem Zusammenhang entschlossen, alle 14 Tage ein Bulletin für die Mitglieder des Parlamentes herauszugeben und auch sonst alles zu tun, um die öffentliche Meinung Großbritanniens im Sinne des Gebotes der strikten Durchführung des Mandates auf zuklären. Angesichts der heutigen kritischen Umstände, sagte Brodetsky, hatten wir erwartet, daß sich alle Teile der zionistischen Bewegung hinter die Exekutive stellen, um sie in der Erreichung der politischen Ziele zu unterstützen; in diesem Sinne glaubten wir, daß die Tagung des Aktions-Comites der Zionistischen Organisation eine vereinigte Front darstellen wird. Leider haben sich diese unsere Erwartungen .nicht erfüllt. Die Partei der Zionisten-Revisionisten innerhalb der Zionistischen Organisation bat die Front nicht gehalten und zeigt sich sogar geneigt, denjenigen, die mit der schweren Verantwortung belastet sind, die Interessen des Jüdischen Nationalheims zu vertreten, den Krieg zu erklären. Das Statement der Zionisten-Revisionisten besagt, daß diese Partei ihren Kampf gegen die jetzige Führerschaft und ihre Politik ungeschwäcnt fortführen wolle, und sie behalte sich das Recht vor, politische Sonderaktionen einzuleiten. Dieser Kampf der Zionisten-Revisionisten ist nicht allein gegen die Exekutive, sondern gegen die Zionistische Organisation selbst gerichtet. Die große Mehrheit der zionistischen Bewegung hält dafür, daß die politischen Hauptforderungen der Revisionisten undurchführbar sind und daß eine weitere Vertretung dieser Forderungen in der Oeffentlichkeit nur zu fruchtlosen Diskussionen und zu nutzlosen Reibungen mit der Mandatarmacht führen werden. Auf der anderen Seite fordern die Revisionisten die Exekutive auf, eine Art konstitutionellen Staatsstreich zu begehen und die vom Kongreß gewählte und vom Council der Jewish Agency akzeptierte Exekutive timzubauen. Die Opposition, die auf dem Zionisten-Kongreß nur 10 Prozent der Sitze hatte, fordert zu 50 Prozent in der Leitung der politischen Arbeit vertreten zu sein. Das vor uns stehende Problem, sagte Prof. Brodetsky, ist wie folgt zu formulieren: Sofortige verstärkte Aktion, um die Aufbauarbeit mit doppelter Energie fortzuführen und zu sichern. Der Hilfsfonds für Palästina hat bis heute mehr als 300 0(» Pfund erbracht. Diese Summe wird unter alle Notleidenden ohne Unterschied der Partei und der Gruppe verteilt werden. Die Gelder der Nothilfe werden aber nur als Darlehen gewährt; denn die Erfüllung der individuellen Ansprüche auf Ersatz der Schäden ist Pflicht der Palästina-Regier u n g , die sich dieser Pflicht gegenüber denjenigen, die Darlehen aus dem Nothilfsfonds entgegennehmen, nicht entschlagen darf, ln der Tat ist der Regierung bereits klargemacht worden, daß die Tätigkeit des von der jüdischen Oeffentlichkeit geschaffenen Nothilfsfonds sie nicht der Verpflichtung enthebt, die Schäden zu ersetzen.

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