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Jüdische Rundschau · 1929-09-24 · Heft 75 (24.9.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 75 (24.9.1929)
Date
1929-09-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 75. 24 IX.!929 JUEDISCHI RDRDSCHAU Sdte 409 Die Rettung von Ben Schemen Zum Kapitel ,»Jüdisch-arabische Beziehungen“ Von mehreren Seiten werden wir interpelliert wegen der Wiedergabe eines Satres aus einem Briefe, den eine leitende Persönlichkeit des Kinderdorfes Ben Schemen an das Berliner Füro der Jüdischen Waisenhilfe geschrieben hat, in Begleitung eines genauen Berichtes über den Verlauf der kritischen Woche im Kinderdorf. In diesem Bericht, den wir in Nr. TO der ,J. R.“ abgedruckt haben, wird geschildert, wie die benachbarten und befreundeten Araber das Dorf vor Ueberfällen geschützt haben, und in dem Begleitbrief hieß es: ״Jede einzige gute Tat, die wir im Laufe der Zeit den Arabern erwiesen haben, ist in Erinnerung geblieben und hat jetzt ihre Früchte getragen. Wenn alle Juden in Palästina so gehandelt hätten, wäre unsere Lage jetzt nicht so verzweifelt.“ Dieser Satz wurde von manchen Lesern mißve rstand e n, als ob damit gesagt sein sollte, daß schlechte Behandlung der Araber durch die Juden eine Art Rechtfertigung der an Juden verübten Untaten sei. Eine solche Interpretation ist zweifellos gänzlich irrig. Unter den jüdischen Opfern sind viele, die bestimmt keinem Araber etwas zuleide getan haben, z. B. die Schüler der Jeschiwa in Hebron u. a. — Auch gibt es gewiß Beispiele dafür, daß trotz vorher herrschender guter Be- Ziehungen zwischen einzelnen Juden und Arabern in den Tagen des Kampfes plötzlich Feindschaft und Gewalttat sich entlud. Diese plötzliche Vernichtung persönlicher Beziehungen durch nationalistische Ausbrüche kennen wir ja sehr gut aus dem curopäischen Krieg. Was aber in dem Briet aus Ben Schemen gemeint war und was zweifellos richtig ist, ist die Tatsache, daß der bewußten Pflege nachbarlicher Beziehungen zwischen Juden und Arabern bisher nicht die genügende Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Wo diese nachbarlichen Beziehungen bestanden, z. B. in der Umgebung sehr vieler jüdischer lanawirtschaftlieber Siedlungen kam es in den meisten Fällen auch in dieser Zeit der größten Erregung zu keinen Feindseligkeiten, ja noch mehr, an manchen Punkten haben Araber in Gemeinschaft mit Juden jüdische Siedlungen geschützt und verteidigt. Nichts aber ist ein besserer Nährboden für Feindschaft und Kampf als gegenseitige Fremdheit und gegenseitige Furcht. Wo ein Kontakt da war, konnte man z. B. den Fellachen klarmachen, daß die Juden nicht die Omarmoschee bombardiert haben; um aber eine solche Aufklärung führen zu können, bedarf es eines gewissen Vertrauens, das — z. B. im Falle Ben Schemens — durch Jahre* langes freundschaftliches Verhalten erzeugt worden ist. Gewiß ist das nicht alles, gewiß kommt es noch auf andere Dinge an, gewiß mag auch im Falle Ben Schemens das Glück mitgespielt haben, es Können trotz guter Beziehungen an allen Orten die Unruhestifter die Oberhand gewinnen. Aber dennoch scheint uns dieser Gesichtspunkt so wichtig, daß wir es für richtig hielten, ihm im Zusammenhang mit dem charakteristischen Bericht aus Ben Schemen Raum zu geben. Nun wäre es angezeigt, wenn die ״Jüdische Waisenhilfe“ diese Erfahrungen von Ben Schemen nicht übertriebe, wie es in einem von ihr versandten Zirkulare zu geschehen scheint Denn auch wem eine Institution beton* ders am Herzen liegt, muß den Anschein vermeiden, als ob er in einer solchen Zeit gerade seine Sache besonders herausstreichen wollte. Daß erfreulicherweise Ben Schemen Glück gehabt hat, berechtigt noch nicht zu so weitgehenden Konkhi* sionen über das eigene Verdienst, wie sie seine Betreuer ziehen. Aber die Notwendigkeit eines guten Verhältnisses dicht bei einander wohnender Bevölkerangsteile kann gar nicht genug nachdrücklich betont werden. Sitzung der amerikanlschen Zloiiisten New York, 18. September. (J. T. A.) Das Adminlstrative Committee der Zionistischen Organisation Amerikas hielt eine öffentliche Sitzung ab, in der der Präsident der Zionisti* sehen Organisation Amerikas Louis Lipsky, Rabbiner Dr. Stephen wise, Felix M. Warburg, Morris Rothenberg, Richter William M. Lewis, Richter Bernara A. Rosenblatt und Herrmann Bernstein Ansprachen hielten und den Mangel an Voraus* sicht und die Unentschlossenheit, die die Palästina-Administration im Zusammenhang mit den tragischen Ereignissen bewiesen hat, schart geißelten. * New York.?0- September. (1. T. A.) 30 junge Juden Amerikas, in der Mehrzahl Chalurim, haben heute an Bord des Dampfers ״Alesia“ die Reise nach Palästina angetreten. Die entwalfneten englischen Juden Jerusalem, 20. September. (J.T.A.) Wie die J.T.A. erfährt, hat Chancel/or dem Kolonialamt in London ein Memorandum der in Jerusalem wohnenden britischen Juden übermittelt, in welchem diese dagegen Protest erheben, daß sie während der Unruhen durch die Behörden entwaffnet wor* den waren, während gleichzeitig die nichtjüdischen britischen Staatsangehörigen ihre Waffen behalten durften. Gegen die arabische Hetzpresse Jerusalem, 20. September (J.T.A.) Aus Kreisen der Regierung wird mitgeteilt, daß die in Jaffa erscheinende arabische Zeitung ״EI Akdan“ durch eine Regierungsorder verboten wurde, weil sie immer wieder zu Unruhen hetzte. Die Zeitung, die zweimal wöchentlich zu erscheinen pflegte, wurde seit Beginn der Unruhen täglich herausgegeben. Die Jerasa- .iemer arabische Zeitung ״Fefestin“, die arabische Vergeltungsaktionen gegen die luden ankündigte, wurde von der Regierung verwarnt, bei gleichzeitiger Mitteilung, daß sie bei Fortsetzung des hetzerischen Tones verboten werden wird. Die arabische Exekutive Palästinas verbreitet ein in englischer Sprache abgefaßtes Zirkularschreiben, das die Ueberschrift trägt: ״Verleumdungen der jüdischen Propaganda“ und mitteilt, daß die in Hebron durchgeführte unparteiische medizinische Untersuchung die Behauptung der jüdischeu Aerzte, daß in Hebron während des Gemetzels auch noch Peinigungen und Verstümmelungen vorgekommen sind, nicht bestätigt hat. Konflikte zwischen arabischen Dörfern Jerusalem 20. September. (J.T.A.) Die Konflikte zwischen den arabischen Dörfern, deren Bevölkerung sich an den Angriffen, Morden und Plünderungen beteiligt hat, sind in ständigem Wachsen begriffen. Besonders in der Nachbarschaft von Sa f e d hat sich der Konflikt zugespitzt, nachdem die Regierung angekündigt hat, daß sie summarisch dem ganzen Gebiet Geldbußen auferlegen wird. Einige Dörfer erklären, daß sie sich In keinem Falle dazu verstehen werden, Geldbußen gemäß der Regierungsverordnung über kollektive Bestrafung zu leisten und daß sie. sollte man sie hierzu zwingen vollen, die Namen aller jener Araber, die sich des Verbrechens der Plünderung, des Mordes und der Brandstiftung schuldig gemacht haben, veröffentlichen werden. Jerusalem, 18. September. (J.T.A.) Der Dampfer ״Adria“ hat gestern 205 Juden, unter ihnen 94 Chaiuzlm, 42 bemittelte Einwanderer, 32 Touristen, und 37 Zurückkehrende aach Jaffa gebracht. Die aus London nach Palästina geschickten hundert engtischen Konstabler sind in Palästina eingetroffen und versehen bereits ihren Dienst Unmttteibarkett Von Moses Waldraann. In Palästina gab es über 100 jüdische Tote. Eine runde Zahl, die im Zeitraum von einer halben Sekunde ausgesprochen wird, Jeder einzelne Tote bedeutet aber, individuell be• trachtet, ein Schicksal, und nicht nur ein Individuelles, sondern auch eine Tragödie für seine Nächsten. Es war in Oenf. Da erhielten wir die Nachricht daß beim arabischen Angriff auf Tei-Awiw sechs Juden getötet worden seien. Einen halben Tag später bekam JlzchaJc Qoldberg aus Tel-Awiw, der gerade in Genf weilte, die Nachricht, daß sich unter den sechs Toten auch sein Sohn befindet. Und wir alle waren gemeinsam mit dem unglücklichen Vater vom Hauche des Todes unmittelbar gestreift. Vor einigen Tagen kamen in die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ zwei jüdisch-amerikanische globetrottende Studenten In lächerlichem Aufzuge, Tropenhelme auf dem Kopfe, Tornister auf dem Rücken, besteckt mit allen möglichen Fähnchen. Die beiden Jungen hatten Palästina besucht und befanden sich nun auf dem Weg in ihre Heimatstadt Philadelphia, wo sie an der Universität rechtsbeflissen sind. Die Jungen hatten am Tischo b’Aw an der Demonstration vor der Klagemauer von Jerusalem teilgenoramen und waren dann weiter nach Hebron gezogen, wo sie die Gastfreundschaft der Jeschiwah genossen. Da sie sich als Philadelphier auswiesen, schrieben zwei Jeschiwahschüler aus Philadelphia in das Notizbuch des einen Jungen, Michael Batzer, Grüße an ihre Eltern in Philadelphia. Die jungen Reisenden zogen fröhlich ans Hebron, fuhren nach Beiruth, Konstantinopel, Konstanza, siiiiin Pasteure WÜNSCHE ROSCH HAXCHANAH *.י . K.EHEN K.AJEMETH Warschau und landeten schließlich in unserer Redaktion. Hier wollten sie die Namensliste der in Hebron Getöteten sehen. Michael Batzer studierte die grauenhafte Liste und fand unter den Toten auch Seew Bermann, einen der zwei Jungen aus Philadelphia, die in seinem Notizbuch Grüße für die Angehörigen in Philadelphia hineingeschrieben hatten. Immer wieder verglich Michael Batzer die Namen ln seinem Notizbuch mit den Namen in der Totenliste. Tränen standen in seinen Augen.... Und auch wir waren wieder einmal unmittelbar vom Hauche des Todes gestreift. Kundgcbnog in Kopenhagen In Kopenhagen fand anläßlich der Ereignisse ln Pallstina ein durch zionistische initiative zustande gekommenes Massenmeeting statt, an welchem sich mehr als tausend Juden und viele Nichtjuden beteiligten. Es war das erstemal, daß sich die Jüdische Gemeinde Kopenhagens offiziell an einer von den Zionisten einberufenen Versammlung beteiligte. Alle Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde waren erschienen, den Vorsitz führte Carl H. Melchior, der Präsident der jüdischen Kongregation Kopenhagens. Die Versammlung faßte eine Resolution, die am 12. September dem eng* lischen Gesandten in Kopenhagen übergeben wurde. In der Resolution heißt es, daß al 1 e Richt ungen der dänischen Judenh eit diesem Beschlüsse zustim* men. Es wird eine unparteiische Untersuchung, Entschädigung für die Opfer, Anerkennung der historischen Rechte der Juden zur Ausübung ihrer religiösen Andacht an der Klagemauer und Einrichtung derartiger Maßnahmen verlangt, die die Ordnung im Lande in der Zukunft sicherstellen. Schließlich fordert die Resolution von England die Durchführung seiner gegenüber dem Völkerbund hinsichtlich Palistinas übernommenen Verpflichtungen. Knndgehaogeo io verschiedenen ländern fohannisburg, 19. September. (J. T. A.) Die Judenschaff von Johannisburg hielt in der Stadthalle eine Versammlung ab, der fast alle Mitglieder der Gemeinde beiwohnten. Nach der Versammlung formierten sich 3000 Teilnehraer zu einem Zuge durch die Hauptstraßen zur Großen Synagoge, wo ein Oedenkgottesdienst für die jüdischen Märtyrer In Palästina abgehalten wurde. Eine Abordnung, die den südafrikanischen Board of Deputies und die zionistische Föderation repräsentierte, begab sich zum Premierminister General Hertzog und übergab ihm die von der Versammlung gefaßten Resolutionen zur Weiterleitung an die britische Regferang. Briefe an die Redaktion Brünn, am 19. September 1929. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" Sehr geehrte Redaktion! Berlin. Der Abdruck des Briefes von Dr. Egon Kaskeline in Ihrer Nummer vom 17. September erweckt in mir die Hoffnung, daß Sie es angesichts der gegenwärtigen Lage der jüdisehen Regenerationsbewegung una des jüdischen Palästina- Aufbaues für gut finden könnten, auch die folgenden Zeilen abzudrucken. Ich möchte nämlich — nicht der Zionistischen Exekutive, sondern vielmehr der Wahrheit und noch mehr der Auffindüng des gangbaren Weges zuliebe — die Zionistische Exekutive in einem gewissen Sinn gegen die allenthalben erhobenen Vorwürfe in Schutz zu nehmen suchen. Denn wer sich gleich mir über den Grad der Unzulänglichkelt der Zionistischen Organisation seit Beendigung des Weltkrieges keinen weitgehenden Illusionen hingegeben hat, der mußte wissen, daß eine In* stanz, die eine ihren Anforderungen so wenig gewachsene Organisation vertritt, im Ernstfälle unmöglich anders handeln konnte als die Zionistische Exekutive, in der ja auch ein Ruppin sitzt, in den Tagen der Bewährung zur Zeit des Araberaufstandes eben gehandelt hat. Ebenso wie es zwecklos ist, sich durch Angriffe auf die englische Regierung Luit zu machen, ebensowenig hat es einen Sinn, eine Erbitterung über die Unzulänglichkeit der zionistischen Bewegung an der Zionistischen Exekutive auszulassen. Zu den positivsten Bestandteilen der auf Theodor Herzl zurückgehenden Erkenntnisgrundlagen der jüdischen Regenerationsbewegung gehört die hohe Einschätzung, die der Begründer der Zionistischen Organisation den ״Imponderabilien“ zuteil werden ließ. Und mag er auch vielleicht nicht diejenigen ״Imponderabilien“ gemeint haben, die wir heute so dringend brauchen würden, so müssen wir doch endlich einsehen lernen, daß jede Führung in hohem Grade aus denjenigen Seelenkräften heraus handeln muß, welche die Geführten erfüllen. Daher kann die Leitung einer Organisation, die in so hohem Grade wie die heutige Zionistische Organisation von Interesse an Wort- Propaganda und Repräsentation aller Art (Abraham Schwadron sprach z. B. von ״Eröffnungitis“) ausgefüllt ist, für nüchterne Beobachtung und zielbewußtes Handeln, die im engsten Zusammenhang miteinander stehen, unmöglich die nötigen Kräfte übrig haben. Daß aber eine ״Reform an Haupt undOliedern“ im heutigen Stadium auch nicht möglich ist, hat am deutlichsten die Organisationsenquite gezeigt, die von der Zionistischen Exekutive eingefeitet worden ist. Ohne gleichzeitig mit einer Umbildung ihrer selbst zu beginnen, kann sich die Zionistische Organisation in Ihrem heutigen Zustande ebensowenig auf eine wirklich nennen»• werte Organisationsreform einigen, als rieh jemand anderer denn ein Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Wasser ziehen kann. Der Zirkel, daß eine zweckentsprechende Verfassung der Organisation das Vorhandensein größerer innerer Kräfte (auch ״Imponderabilien“), diese aber wiederum jene zweckentsprechende Verfassung voraussetzen, kann vielmehr nur im Sinne eines Vorgehens überwunden werden, das Dr. Chalm Tartakower in der vorerwähnten EnquSte skizziert bat, wenn er dort sagt: ״Es gibt bestimmt in allen Ländern Seharea von Zionisten, die des unfruchtbaren Kampfes (offiziell zwischen ״Richtungen", in Wahrheit zwischen Ehransprüchen ״prominenter Zionisten“) müde, sich nach redlicher zionistischer Arbeit sehnen. Die Isolierung dieser gesunden Eiemente in jedem Lande und ihre Zusammenfas• sung in der ganzen Welt wird die Gesundung ein lei ten.“ Die ״Reform an Haupt und Gliedern“, deren Unaufschicbbarkeit in der Zionistischen Organisation infolge des Versagen» den palästinensischen Ereignissen gegenüber jetzt wohl allgemein gefühlt wird, ist nur im engsten Zusammenhang mit der Aktion möglich, die Dr. Tartakower verlangt und die von der ״Arbeitsgemeinschaft der Zionistischen Realisten“ gegenwärtig vorbereitet wird. Auch wenn die Zionistische Exekutive diktatorisch, über den Kopf der Organisation hinweg eine ״Reform an Haupt und Gliedern“ auf eigene Faust durchführen wollte, so könnte ihr das nicht gelingen. Dazu hängen die Kräfte, welche die Organisation in ihrer heutigen unhaltbaren Form tragen, mit ihrer Verfassung, Ihrer Form viel zu eng zusammen. Nur in dem Maße, als die von Dr. Tartakowergefordertelaollerungundder von ihm geforderte Zusammenschluß fortschreiten, kann auch eine ״Reform an Haupt und Glieder n“, wie sie die Arbeitsgemeinschaft der Zlonistisehen Realisten der Zionistischen Exekutive am 28. Dezember 1928 mit weitgehenden Details vorgeschlagen hat, tatsächlich durch geführt werden. Im Schoße des immer deutlicher versagenden Vergangenheitszionismus muß jener Zukunftszionismus entstehen, aer der Größe und damit auch der Last der jüdischen Wiedergeburtsbewegung, wie sie gerade jetzt so deutlich geworden ist, auch wirklich gewachsen sein wird. Nur so kann auch die zionistische Gegenwart Formen annehmen, die die Kräfte, die sich allenthalben ״zurückgezogen haben“ und die keineswegs immer zu den wertlosesten unter den für die zionistische Bewegung in Betracht kommenden gehören, dieser wieder ztizufiinren vermögen.; ״Jede Organisation hat die Exekutive, die sic verdient.“ Wer einsieht, daß wir unbedingt eine andere Exekutive brauchen, um allen auftauchenden Hindernissen gewachsen zu sein, muß daher vor allem die Organisation so umzubaueu suchen, daß sie eine bessere Exekutive verdient. Das geschieht aber nicht dadurch, daß man einen außerordentlichen Kongreß verlangt. Der hätte nur einen Sinn, wenn die ernste Aussicht bestünde, dort eine bessere Exekutive als die jetzt im Amt befindliche zu wählen. Weil dies aber eben eine Besserung der Organisation voraussetzt und diese wie gesagt, nur im Sinne von Dr. Tartakowers Vorschlag erfolgen kann, so gibt es für diejenigen, die die Situation auch nur halbwegs zu durchblicken vermögen, nur einen einzigen Weg: Alle, die eingesehen haben, daß die Zionistische Organisation in ihrer jetzigen Form der wahren Lage nicht gewachsen ist, müssen sich zunächst durch Vermittlung der ״Arbeitsgemeinschaft der Zionistischen Realisten“ oder anderswie Zusammenschlüßen und dadurch den Zellkern einer der Gegenwart und Zukunft entsprechenden Zionistischen Organisation innerhalb der facstehenden herauszubilden suchen. Das ist das Gebot der Stunde. Mit herzlichstem Dank für den Abdruck und vorzüglicher Hochachtung Dr. Oskar Epstein, Brünn, CSR, Augustinskä 23. . ,1־ w 0: *

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