Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 75 (24.9.1929)
- Date
- 1929-09-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 75, 24. IX. 1828 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 497 Cafferatta und bat um Beschützung der Jescbiv«. Dieser wies ihn ab und antwortete ihm: ״Geht in Eure Häuser und ich hin für Euer Leben verantwortlich.“ Aus dem Fenster seines Hauses sah dann Epstein, wie Araber vor den Augen des Polizeikommandanten, der mit fünf Polizisten untätig zusah den Loebl Chaikcl ermordeten. ’ Das Blutbad und die Ausschreitungen. Auf Befehl der Führer und in ihrer Begleitung teilten sich die arabischen Massen in Gruppen ein und griffen die Häuser der luden an. Dutzende von Bogen würden nicht ausreichen zu beschreiben, was von diesen Bestien an Frauen und Kindern, an schutzlosen Greisen verübt wurde, (Foigt eine Reihe von Schilderungea — A. d. R.) Die Zahl der Toten beträgt bis heute 65, die der Verwundeten 58 und unzählige Unglückliche beweinen den Verlust ihrer Angehörigen und Freunde. Die Entweihung der Synagogen. Hebron hat sechs Synagogen, von denen zwei sehr alt sind und in die Zeit des Stammvaters Abraham zurückdatiert werden. In ihnen befanden sich 64 alte Thorarollen, die von den spanischen Exilanten nach Hebron gebracht wurden. Alle wurden beraubt und entweiht. Die Rollen waren meist in silbernen und goldenen Gehäusen, wie es bei den Juden des Orients Sitte ist, und jede trug den üblichen reichen Schmuck. Die silbernen Gehänge sowie die alten seidenen und gewirkten Mäntel aus kostbaren Stoffen, deren Schönheit König Eduard VH. als Kronprinz während seines Besuches in Hebron bewundert hat, die große und alte von Rabbi Jehuda Bivas gegründete Bibliothek mit sehr alten und kostbaren Handschriften — «lies wurde geplündert und verbrannt. Die Lehre Gottes, die entweiht wurde, schreit bitter auf und verlangt eia Gericht der Gerechtigkeit und der Wahrheit. Der Bezirksgouverneur und die Polizei. Alle diese Greuel wurden unter den Augen des Gouverneurs und der Polizei, die auf den Straßen umhergingen, verübt. Der Gouverneur hatte am Vortag die Polizisten entwaf f - net, obwohl er den Emst der Lage kannte. Nach unserer tiefen Ueberzeugung hätte durch eine Drohung von seiten der Regierung oder durch einige Schüsse die Menge zerstreut werden können. Erst nachdem genügend gemordet und geplündert worden war, nachdem die Täter den englischen Offizier zu überfallen drohten, wurden Schüsse abgegeben und die Menge zerstreute sich sofort. Wenn nicht einige arabische Familien die Juden beschützt hätten, wäre keine jüdische Familie In Hebron am Leben geblieben. Nach den Mordtaten und Qualen hat man Tote und Lebendige, Verwundete und Kranke im Regierungsgebäude gesammelt und oh» Nahrung und ohne Wasser schrecklichen sanitären Bedingungen preisgegeben. Das Verhalten der Beamten der Regierung mit Austäfime voll Major Partridge war unter Jeder Kritik. Wir blieben dort vier Tage, ins man die Ueberlebenden nach Jerusalem brachte. Wir klagen an. Im Namen der 65 Erschlagenen und der 58 Verwundeten, im Namen vieler Waisen und Witwen und der Flüchtlinge, deren Hab und Gut geplündert wurde, klagen wir an 1. die Regierung, well sie ihre Pflicht nicht erfüllt und ruhige, schutzlose Einwohner nicht beschützt hat, 2. den Gouverneur Abdallah Kardus und den Polizeikommandanten Cafferatta, die uns jede Möglichkeit genommen haben, Hiife und Schutz herbeizurufen, uns mit falschen Versprechungen betrogen und den Mördern die Möglichkeit gegeben haben, unbehindert zu töten und zu plündern, .3.. d|e P pH |pit ,«dLÄ-lhii .PHfebtkakli. grob, roh und verächtlich benommen hat, . 4. die Abgesandten des Mufti und des Moslemischen Rates, insbesondere den Scheich Talib Merka und seine Genossen, die das Blutbad proklamiert und die Plünderungen und Vergewaltigungen erlaubt haben, 5. auch die Bewohner Hebrons (mit Ausnahme von einigen Familien), weil sie sich nicht zur Hilfe für ihre Nachbarn eingesetzt haben, wie es der Koran vorschreibt, und weil sie ihre Mitbewohner, die seit Hunderten von Jahren friedlich neben ihnen wohnten, nicht gerettet haben. Wir fordern, 1. den Gouverneur und den britischen Kommandanten ihres Amtes zu entsetzen und vor ein Gericht zu stellen, 2. die Polizei zu entlassen, vor ein Gericht zu stellen und britische und jüdische Polizisten in Hebron zu stationieren, 3. die Abgesandten des Moslemischen Rates, die die Menge aufgehetzt haben, zu verhaften, sie vor ein Gericht zu stellen und mit aller Strenge des Gesetzes zu bestrafen, 4. die Mörder, Vergewaltiger und Plünderer mit aller Schwere des Gesetzes zu bestrafen, 5. alle privaten und gemeindlichen Schäden zu ersetzen, 6. die Thorarollen und die heiligen Geräte, die aufgefunden werden, zurückzuerstatten und für die verbrannten und ver״ nichteten Gegenstände vollen Schadenersatz zu erheben, 7. die Flüchtlinge zu untersuchen und ihnen zu helfen, nach stattgefundenern Gericht und nach Ersatz der Schäden zu ihrer Arbeitsstätte zurückzukehren, 8. die Waisen, Witwen, Verwundeten und Kranken zu unterstützen, 9. von den Schuldigen und Verantwortlichen Lösegeld für die Erschlagenen nach arabischer Sitte zu erheben, 10. jüdische Beamte in der Distriktverwaltung von Hebron zu ernennen und das Prestige der Juden zu erhöhen, 11. den Juden in der Umgebung von Hebron Böden zur Verfügung zu stellen, um die jüdische Bevölkerung von Hebron und Umgebung zu vermehren, 12. das Leben der Juden, ihren Besitz und ihr Gewerbe zu sichern und von den Arabern die Außenstände einzukassieren, die von den Juden geschuldet werden. Diese Forderungen stellen wir mit allem Nachdruck. Wir sind sicher, daß Großbritannien, die zivilisierten yölker, der Völkerbund und die Gerechten aller Nationen uns in unseren?rechten Forderungen unterstützen werden. Solange diese For• erungen nicht voll erfüllt werden, wird das Blut der Erschlagenen nicht aufhören zu rufen, wird die Stimme der ewigen Gerechtigkeit nicht ruhen. Rat der Hebroner Flüchtlinge. (gez.) Rabbiner Meir Franco, Oberrabbiner der Sephardim in Hebron. Jakob Josef Slonim, Oberrabbiner der Aschkenasim in Hebron. Rabbiner M. H. Epstein, Leiter der Jeschiva ״Knesset Israel“, David Avlsar, H. Masson, J. Schami. (Ziko.) Jerusalem, 21. September. (J. T. A., Gegen einen arabischen Chauffeur in Hebron wird die Anklage erhoben, 19 Juden ermordetzu haben. Der Angeklagte selbst gab vor der Polizei za, daß er 15 Juden getötet hat (!). . HÜ lltll : .. . .: Dr. Victor Jacobson — 60 Jahre Bei einem Mann, der mit ungeschwächter Kraft und mit wirklicher innerer Leidenschaft im tätigen Leben steht, ist die Vollendung eines Lebensabschnittes, der nur durch eine Ziffer, nicht durch innere Gründe abgegrenzt wird, kein tief• gehender Einschnitt. Uns aber soll dieser 60. Geburtstag ein Anlaß sein, um unserem lieben und verehrten Dr. Victor Jacobson einige Worte herzlicher Sympathie und Verbunden• heit ZU sagen. Es ist sonst wenig Gelegenheit dazu. Victor Jacobson gehört nicht zu den Führern, d e sich feiern lassen; für die große Oeffentlichkeit meist unsichtbar, in aller Stille, mit grenzenloser Hingabe an die Sache, die ihm zum uner• schütterlichen Lebensideal geworden ist, leistet er seine uner׳ müdliche, ausgedehnte Arbeit. Wer je Dr. Jacobson in Genf gesehen und beobachtet hat, wie er jede Stunde des Tages am Werk ist, um Beziehungen zu knüpfen oder zu pflegen, mit Menschen zu sprechen, durch immer neue Einfälle und Ideen unserer für das Genfer Weltgetriebe relativ kleinen Sache Aufmerksamkeit und Sympathien zu erzwingen, wie er mit stets gleicher Freundlichkeit und weltmännischer Eleganz mit höchsten Staatsmännern und kleineren Beamten, mit großen Publizisten und kleineren Journalisten spricht und jeden in seiner Art behandelt, taktvoll und herzlich, und mit der Würde eines, der nicht für sieh, sondern für eine Idee spricht, — wer das alles zu beobachten Gelegenheit hatte, der weiß die Riesenarbeit zu schätzen, die Jacobson heute für die zionistische Sache leistet, sei es in Genf, sei es in Paris, oder am Ort einer zionistischen Tagung, wo er, während andere Parteikämpfe führen, sjch der anwesenden international iütercssicrteti Persönlichkeiten, etwa aus VölkerbtinikreiseB, aÄtetfL-'liGWääp bring* :füt'sein". Amt einer riönistiscHen Vertreters beim Völkerbund «ine reiche Erfahrung mit. War er doch schon lange vor denr Kriege der leitende Beamte der zionistischen Außenpolitik, jahrelang in der Türkei und der Levante tätig, später — seit 1911 — auch verantwortlicher politischer Ghef, als Mitglied des (damals in Berlin sitzenden) engeren Aktions-Comites, und während des Krieges Chef des Kopenhagener Büros, das die schwierige Aufgabe hatte, von neutralem Boden aus die Fortführung der Zionistischen Or• ganlsation zu ermöglichen. Aber mehr als das: ln Jacobson besitzen wir einen der wenigen Männer mit wirklichem inter• nationalen Horizont, mit Verständnis für die Eigenart der Völker und ihrer Kulturen; einen Mann von erlesenem Uterarischen und kulturellen Empfinden, der in den Literaturen der wichtigsten Kulturvölker zu Hause ist und schon so manchen fremden Staatsmann oder Schriftsteller durch die geistreiche Verwendung von Zitaten aus der Poesie und Literatur des Gesprächspartners überrascht hat. Und alle seine Qualitäten stellt dieser Mann seit Jahrzehnten ausschließlich in den Dienst der zionistischen Sache, für die er lebt. Und noch eins muß hervorgehoben werden: Innerhalb des Zionismus gehört Jacobson zu den wenigen Menschen, die die Gefahr einer Verknöcherung und Dogmatisierung des zionistischen Denkens, der Bildung einer Parteischablone, klar erkannt haben. Er weiß, daß auch die Ideologie sich entwickeln muß, daß sie neue Realitäten, die in den Umkreis des Werkes treten, verarbeiten, bejahen muß, und daß das Schädlichste und Dümmste in der Politik eine Ignorierung der gegebenen Faktoren ist. So war Jacobson auch einer der ersten, die die Notwendigkeit einer Einordnung des entstehenden Jüdischen Nationalheims in die erwachende orientalische Welt erkannt haben. Wir glauben, daß wir diesem immer regen Geist, dem sich ein Gedanke stets gleich in ein großgedachtes politisches System umsetzt, in Zukunft noch viele fruchtbare Anregungen verdanken werden. Nun ist es doch eine Art ״Würdigung“ geworden, und hätte doch nur ein Glückwunsch sein sollen. Never mind; einmal in 60 Jahren kann man auch aussprechen, was vielleicht besonders der jüngeren Generation von Zionisten nicht so bekannt ist wie den alten Kämpen. Und so wollen wir uns also zum Schluß noch der Aufgabe entledigen, festzusteflen, daß speziell die deutschen Zionisten, die Dr. Jacobson nicht nur wegen seines jahrelangen Aufenthaltes in Deutschland, sondern wegen einer besonderen geistigen und persönlichen Verbundenheit, als einen der Ihren betrachten, ihm zu seinem 60. Geburtstag, alles persönlich Gute wünschen, und überdies die Erfüllung seines Lebenstraumes, und daß wir alle uns freuen, ihn mit ungebrochener Kraft an wichtigern Posten unseres Werkes wirken und schaffen zu sehen, Lechajim! R. W. Die ״United Press“ verbreitet zwei Aufsätze von Prof. Weizniann und vom Obennufti von Jerusalem H us s e in i über die Ziele der Zionisten in Palästina bzw. über den Standpunkt der Araber gegenüber dem jüdischen Aufbauwerk. Es ist auffallend, daß Hussein! in seiner Darstellung falsche Daten verwendet. Es ist ferner bemerkenswert, daß United Press dem Aufsatz Husseinis eine weitgehende Publizität verschafft obwohl der Artikel im tiefsten Grunde sich gegen England und auch gegen den Völkerbund wendet. Wir werden auf diese Publikation noch zmückkommen. Karl Wolfskehl Zum sechzigsten Geburtstag Von Eugen Mayer. Es hilft nichts, die Handbücher behalten Recht: Karl Wolfs* kehl ist am 17. September 1869 geboren und somit sechzig Jahre alt. Ein außerordentlicher Mensch iit jedem Betracht. Sproß einer alten hessischen Judenfamilie. Der Vater, nach dem eine Straße in Darmstadt genannt ist, führender Bankherr, Vizeprisident des Landtags, jüdischer Gemeindevorsteher, musikalisch und literarisch begabt Kinder und Enkel getauft. Als einziger und letzter der Famflie ist Karl Wolfskral Jude geblieben. Vielleicht gedenkt er manchmal, wie in einem der herrlichen Zeitgedichte seines Meisters Stefan George der Knabe Manlius höhnt: ״das edelste ging euch verloren: blut.“ — WolfskeMs Antwort war: ״wir sind die flammen genährt im blut.“ Schicksal für den Dichter Wolfskehl und für sein ganzes Lebensbild wurde Stefan George, dem er in den Studentenjahren nahetrat und seither als Jünger und Freund verbunden ist. In dem Kreis der ״Blätter für die Kunst“, dessen Einfluß auf die Kultur des wahren, des geheimen Deutschland ungeheuer war, gehörte Wolfskebt von Anfang an zu den stärksten Trägern und Wortführern der erneuerten Kunst. Sein Haus — die bewundernswerte Frau Hanna an seiner Seite — war während des halben Menschenalters vor dem Krieg der unbestrittene Mittelpunkt des geistigen München, damals der geistigen Hauptstadt Deutschlands. Man hat ihn oft den ״König von Schwabing“ genannt, und er überragte in der Tat sein Volk nicht nur äußerlich um Haupteslänge. In vielen zeitgenössischen Romanen ist seine Gestalt zu erkennen; seine tiefe Einsicht in deutsche Art — einst dem Zeitgeist um fast zwei Jahrzehnte voraus —, die Erregtheit seiner Lebensführung, sein ungemein sicheres Verständnis für Politik und Wirtschaft sind bezeichnende Wesenszüge. Im Grund genommen aber ist er ein ekstatischer Mensch, dessen Lebensäußenrng wie eine nnaus* gesetzte Folge von Explosionen anmutet. Immer ist es der gegenwärtige Augenblick, die gegenwärtige Begegnung mit Menschen, Dingen, Geschehnissen, denen er sich hingibt, die ihn entzünden. In ihm ist nichts Gesättigtes, der Superlativ ist die ihm gemäße Redeform, ohne aber je als Uebertreibung zu wirken. Ruhelos, atemlos fast, stürmt er dahin, immer entbrannt, niemals verglüht. Ihm wird — nach Goethes Wort — die Welt nie veralten und nie er der Welt. Zeugnis der ekstatischen Grundhaltung ist das Wolfskehlsehe Gedicht. Die ״Gesammelten Dichtungen“ und der ״Umkreis“ (bei Georg Bondi erschienen), aber auch die frühen Aufsätze — z. B. über den Geist der Musik — sind vieleicht nicht so sehr an George wie an Hölderlin zu messen. Ist auch die Kunstform durchaus die des Meisters, so ist das Erlebnis in seinem kaum gebändigten Uebersehwang wohl doch aus anderen Quellen aufgestromt Für mehr als diese Andeutung ist hier nicht der Ort. Nur eben erwähnt seien aus seiner literarischen Arbeit neben reizvollen Schattenspielen und meisterliehen Uebersetzungen (de Costers Ulenspiegel) die mit Friedrieh v. d. Leyen herausgegebenen ״Aeltesten deutschen Dichtungen“ und vor allem die drei Binde ״Deutsche Dichtung“, in denen er gemeinsam mit Stefan George in einer fast unheimliehen Sicherheit der Wahl das Jahrhundert Goethes in ewig gültigen Beispielen festhält. In den Nachkriegsjahren entfaltet er eine fruchtbare Tätigkeit als Verfasser von Aufsätzen über die verschiedensten literarischen und kulturpolitischen Gegenstände. Da wo diese Aufsätze wirklicher Ausdruck seines Wesens sind, erheben sie sich stets zu einer im heutigen Deutschland seltenen Höhe. Hier verströmt er die Fülle einer wahrhaft ״allgemeinen Bildung“ in der ihm eigentümlichen Fülle der Darstellung. Auf das Wesentliche allein Komnrt es ihm dabei ah, so wie es ihm immer gleichgültig war, ob ein Barockengel, den er erwarb, nun auch alle Gliedmaßen aufwies. Aus der Tiefe drängt es ihn zur Mitte der Dinge, und dies bewahrt ihn gleichermalen, gründlich oder oberflächlich zu werden. Es sind eigentlich nicht geschriebene, sondern gesprochene Abhand- Jungen. .Dialoge ohne Partner, denn im Gespräch erst gibt er sich ganz. ״Menschen sind meine Landschaft“. Nicht nur die ״Himmlischen Griechenlands“ lockten ihn. Der uralten, urewigen Kraft des Judeseins konnte dieser bewegte Geist zu keiner Zeit entrinnen. Seine erste Gedicht- Sammlung enthält die Reihe ״An den alten Wassern“, später schrieb er den ״Saul“ beide von einer solchen Ursprünglich- Veit des jüdischen Erlebnisses, von einer solchen Verbundenheit mit dem Strom, der ihn und uns alle trägt, daß sie an biblisclres Gut gemahnen. Der Saul vor allem ruft geradezu nach der Uebersetzung ins Hebräische, und es ist bezeichnend genug für die Unsicherheit unserer kulturellen Situation, in der Reime ohne Rang nur zu oft von nationaler Glorie umgeben werden, daß diese Dichtungen keinen stärkeren Widerhall bei uns selbst gefunden haben. Kaum nötig zu sagen, daß Karl Wolfskehl sich seit den Anfängen der zionistischen Bewegung ihr angeschlossen hat. In dem literarischen Denkmal der ״Renaissance“ dem ersten Jüdischen Almanach, steht sein Gedicht ,,Das Zeichen“. Zionismus meint für ihn alles, was an Jüdischem in ihm lebendig geblieben Ist, in seiner Gesamtheit, als Tatsache, die da ist una gebietet. Dabei müssen alle Begriffsspaltereien ausscheiden, es gibt für ihn kein nationales Problem, so gut wie Jude ist er Deutscher. So sehr Deutscher, daß er die Sprache kennt und meistert wie wenige, wenn er auch behauptet, nur den Dialekt seiner hessischen Heimat wirklieh zu beherrschen. In dieser gesunden well durchaus natürlichen gegenseitigen Bedingtheit, diesem blutvollen Hin- und Herströmen des Deutsehen und des Jüdischen ist Kar! WolfskeMs Gestalt die stärkste Widerlegung aller grauen Theorien, die uns so lange verfolgt haben. ״Ewig aus gleichem Gewicht“,möge er weiterschreiten, uns weiter beschenken, und wir grüßen ihn mit Goethes Zuruf: ״Mein Freund, lebe nur, dichte nur fort!“ Dank an die britischen Streltkrilte Jerusalem, 19. September. (J. T. A.) Die Zionistische Exekutive in Jerusalem und der Waad Leumi erließen heute eine Erklärung, in der den britischen militärischen Streitkräften in Palästina im Namen der jüdischen Bevölkerung des Landes der Dank dafür ausgesprochen wird, daß sie die Ruhe wiederhergestellt haben. Die britischen See- und Luftstreitkräfte, heißt es in der Erklärung, haben nach den Angriffen auf die jüdische Gemeinschaft, die von den Juden in keiner Weise provoziert wurden, wirksam eingegriffen und überall Leben und Eigentum geschützt. Die Palästina- Judenheit bedauert, daß an einigen Orten, in denen Truppen stationiert sind, die jüdische Bevölkerung durch die vorangegangenen Unruhen und Plünderungen in eine solche Not geraten ist, daß sie den Truppen nicht eine Gastfreundschaft in gewünschtem Maße gewähren kann. Die Zionistische Exc• kutive und der Waad Leumi bedauern, daß Mitglieder der britischen See-, Land- und Luftstreitkräfte Palästina unter so tragischen Umständen zu sehen bekommen, und hoffen, daß sie das Land unter glücklicheren Bedingungen sehen und den Fortschritt des jüdischen Werkes des Aufbaues uni der so• zialen Entwicklung werden fesfctellcn können. Gleichzeitig wird den vielen britischen Staatsbürgern in Palästina, die sich freiwillig als Sonde rpolizisten an werben ließen und Nacht für Nacht Dienst getan haben, um die Einwohner zu schützen, dei Dank des jüdischen Jischuw ausgesprochen.