Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 75 (24.9.1929)
- Date
- 1929-09-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 400 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75, 24. IX. 1929 geben haben, und die heute von uns abgedruckte Resolu• tion zeigen, daß — natürlich in schonungsvoller Form — die alte Frage wieder angeschnitten wird. England wird ersucht, nicht nur die unmittelbaren Anlässe der Unruhen zu untersuchen, sondern auch die ״ferner liegenden“ Ur• sachen, d. h. die politischen Hintergründe, und ״feste Grundlagen einer zukünftigen autonomen Regierung in Palästina vorzubereiten“. Auch wir Juden, die in Palästina ihr Nationalheim errichten, wissen, daß diese Probleme existieren, obwohl dieses Wissen nicht aus allen zionistischen Aeußerungen hervorgeht und obwohl z. B. das Aktions-Comit£, dessen Beschlüsse wir in der letzten Nummer mitgeteilt haben, zu dieser zentralen Lebensfrage der Palästina-Politik offenbar gar nichts zu sagen hat. Wir sind der Meinung, daß Palästina nicht ein Mandatsland wie jedes andere ist, sondern ein Sonderfall der Geschichte, ein Land sui generis, ein Land vielfacher historischer, kultureller und religiöser Interessen und Affekte; es ist nicht umsonst das ״Heilige Land“, und es erfordert auch eine Politik sui generis, für die es vielleicht keinen Präzedenzfall gibt, die aber durch diese Feststellung ihrer Einzigkeit nicht widerlegt werden kann. Palästina wird, um seines besonderen Charakters willen, noch jahrelang, und vielleicht immer, unter intemationaler Kontrolle und Garantie stehen müssen; und diese internationale Sicherung muß den Aufbau des Jüdischen Nationalheims ermöglichen. Zugleich schafft dieser internationale Status aber auch den Einwohnern die Garantie für die Erhaltung ihrer bürgerlichen Rechte und nationalen Entfaltungsmöglichkeiten. Sie schützt alle Teile und Gruppen der palästinensischen Bevölkerung, vor allem aber die beiden Nationen des Landes, vor jeder Majorisierung durch einander. Auf diesem Boden ist auch der Aufbau des Jüdischen Nationalheims ohne Bedrohung anderer Volksteile durchführbar, wie es in klarer Form ausgesprochen ist in der einzigen authentischen Interpretation der Balfour-Deklaration, die wir besitzen, nämlich im Weißbuch von 1922, in welchem gesagt wird, daß das Jüdische Nationalheim zwar keine zwangsweise Unterwerfung der Araber unter jüdische Vorherrschaft bedeutet, aber eine internationale Garantie des jüdischen Rechtes auf Errichtung und ständige Vergrößerung des Nationalheims. Wir sind überzeugt, daß dies auch in Zukunft die Richtlinien der Palästina-Politik des Völkerbundes und der Mandatarmacht sein werden, und die Aufgabe der zionisfischen Politik ist es, Ideologisch und praktisch mitzuarbeiten an der Entwicklung der inneren Gestaltung Palästinas auf Grund dieses fruchtbaren Gedankens. Nur durch eine einsichtsvolle Mitarbeit können wir dazu beitragen, daß die jüdischen Ansprüche in Palästina, die durch das Mandat gegeben sind, sich voll auswirken. Wir hoffen, daß gerade jetzt, nach Ueberwindung der Nach- ,Wirkungen.,, .df^.>j%g|ten,״Zusamn1en>?toße?, die^Voraud* Setzungen einer solchen positiven und konstruktiven Poiitik gegeben sein werden. * Gegenwärtig freilich besteht eine Vertrauenskrise gegenüber der Mandats verwa 1 tu ng, und es wäre zu wünschen, daß die Untersuchung hier sobald als möglich eine Reinigung der Atmosphäre bringt. Unter den gegebenen Umständen scheint eine personelle Reorganisation in Palästina eine unabweisliche Notwendigkeit, der die Mandatarmacht genau so Rechnung tragen muß wie der Notwendigkeit einer völligen Neuordnung der Polizei - Verhältnisse. Auch wenn die Dinge selbst nicht immer ganz durchsichtig sind, so ist die öffentliche Meinung des Landes doch ein so wichtiger psychologischer Faktor, daß man mit ihr rechnen muß. Uebertriebene Anklagen sind ebenso wenig am Platze wie übertriebenes Lob; so empfinden wir die ״Danksagung an die britischen Streitkräfte“, die doch nicht um der Juden willen eingegriffen haben, als deplaciert. Wie schwierig ein Urteil über Schuld und Mitschuld einzelner Beamter ist, zeigt z. B. der Fall des Polizei-Offiziers Cafferata in Hebron, gegen den in dem an anderer Stelle veröffentlichten Memorandum der Hebroner Flüchtlinge schwere Anklagen gerichtet werden, weil er auf die Bitte der Juden um Schutz nicht reagierte. Cafferata aber hat durch sein nachfolgendes persönliches Verhalten, wo er ganz allein stundenlang das jüdische Ghetto gegen die angreifende Menge mit einem Revolver verteidigte und zahlreiche Verbrecher niederschoß, bewiesen, daß er keineswegs die später eingetretenen Ereignisse herbeiwünschte. Er hat aber offenbar gemeint, die Juden seien überängstlich und hat sie daher abgewiesen, weil er an keine Gefahr glaubte. So scheint in vielen Fällen die Situation gewesen zu sein. Wie leicht sich andererseits mancher Ueberfall hätte abwenden lassen, zeigt der Fall des Captain Partridge, der 1500 Beduinen zur Umkehr bewog, indem er sich dafür verbürgte, daß die Omar-Moschee unversehrt ist. Man sieht, wie schwierig diese Dinge liegen. Trotzdem ist es so evident, daß die leitenden Regierungsbeamten zumindest die Schuld grober Fahrlässigkeit trifft, daß fairer Weise aus dieser Sachlage sofort die Konsequenzen ge- 2togen werden müßten. Wir halten es auch für unangebracht, den Streit auf Nebenpunkte abzulenken, die schwer beweisbar sind, etwa die Frage einzelner besonderer Grausamkeiteru Als ob es nicht genügte, daß 60 Menschen in Hebron einfach abgeschlachtet worden sind! Die Dinge sind schrecklich genug, und man sollte bei dem wesentliehen bleiben. Die Stimmung beider Teile der Bevölkerung gegeneinander ist noch immer sehr gereizt. Die beiderseitige Angstpsvcho se besteht fort. Die Aufgabe der Mandatarinacht, aber auch der verantwortlichen Menschen beider Völker, ist jetzt die, wieder eine Atmosphäre zu schaffen, in der man atmen kann. Durch unsinnige Hetzereien und Boyköttparolen wird dem künftigen Zusammenleben der beiden Völker nicht gedient Und dieses Zusammenleben, man mag es bedauern oder nicht, ist nun einmal eine unabweisliche Notwendigkeit. Je früher die Vernunft und Besonnenheit auf beiden Seiten wieder eintreten, um so besser für das Land und für alle, denen dieses Land teuer ist. Wer zu dieser Beruhigung beiträgt, wer dam die Initiative ergreift, wer dann — immer in klarem Bewußtsein der bestehenden Gefahr, über die man sich jahrelang nur allzu leichtsinnig hinwegtäuschte — die Wege für die künftige Entwicklung Palästinas zu ebnen beginnt, der wird sich das größte Verdienst erwerben, auch um die fdee der jüdischen Wiedergeburt. Verdreifadite Anstrengungen! Ein Aufruf Ussisdikins M. M. Ussischkin, Direktor des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael), erläßt den folgenden Aufruf: ״An unsere Brüder und Freunde in aller Welt! Wir haben bei den schweren Ereignissen in Erez-lsrael Menschen, wir haben Besitz verloren —• aber die Arbeit im Lande bleibt bestehen. Die Antwort des ganzen Volkes, ohne Unterschiede, muß sein: Der Aufbau wird fortgesetzt. Wir haben nicht nur die Zukunft unseres Volkes mit dem Aufbau verknüpft, sondern wir haben auch die Ehre der Nation eingesetzt. Keine Gegnerschaft und kein Kampf der Meinungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, können den historischen Prozeß aufhalten, die prophezeite ״Rückkehr der Söhne in ihr Land!“ Als während des Krieges der Heerführer der Türken, Djemal Pascha, unseren Aufbau zerstören wollte, war unsere Antwort die Erlangung der Balfour-Deklaration. Unsere Antwort auf die Opfer des ersten Ueberfaües im Adar 19® in Obergaliläa, den Verlust Trumpeldors und seiner Freunde, war die Chaluz- Bewegung unserer Jugend,; die Antwort auf die Opfer von Jerusalem Peßach 1920 war die Ratifizierung der Balfour-De- Maration in San Remo. Nach dem großen Ueberfall auf Tel- Awiw und die Siedlungen in Judäa, der viele Opfer forderte, im Mai 1921, war unsere Antwort die Erwerbung und die Be- Siedlung des Emek — unserer materiellen und geistigen Festung — und die Ausdehnung Tef-Awiws; nach dem ueberfall aut Jerusalem im November desselben Jahres wurden als Antwort die neuen Siedlungen nahe bei Jerusalem gebaut; die Antwort auf die große ökonomische Krisis im vorigen Jahre war die Erwerbung und Besiedlung des Tales Scharon und Acco mit der Haifa-Bay. Und unsere Antwort auf diese letzte große Schwierigkeit unserer Kolonisation wird nochmals sein: Arbeit und Aufbau mit verdreifachter Anstrenung, mit größter Schnelligkeit, in weitestem u s m a 6 e. Neuer Boden, neue Menschen, Menschen und Boden —• das ist die Forderung des Volkes und des Landes! Und noch etwas können wir aus diesen Ereignissen lernen: An allen Orten, wo wir Boden unter unseren Füßen hatten und wo das Land von uns dicht besiedelt ist, b'ieb der fischuw unangetastet. Der ganze Emek Jesreel und der Emek Scharon hatten kaum zu leiden. O'eich der erste Zusammenstoß wurde abgewehrt, dieselbe Situation vyar in Tel-Awiw mit seiner,tarndertprpzentig jüdischen Bevölkerung. In Jerusalem und TJaifa : waren die Zusammenstöße bereits ernster Natur, da die Bevölkerung dort gemischt ist. Das wirkliche Unghiek war in Hebron und in Safed, in Orten, wo die Juden nur eine kleine Minderheit bilden und wo wenig junge und frische Kräfte vorhanden sind. Auch die landwirtschaft’khen Siedlungen, die besonders betroffen wurden, die Kasfiniah, Hulda u. a., sind klein und liegen vereinsamt. Noch mehr zusammenhängende möglichst große Flächen zu schaffen, größere Sied'uogen zu bauen, ist deshalb unsere Aufgabe. Der Keren Kajemeth muß in dieser Stunde, wie immer, der Pionier des Aufbaues und der Weiterfübrung der normalen Arbeit sein. Der Monat Tischri, der wichtigste Monat unserer Arbeit, naht. Und ich fordere im Namen der Ehre unseres Volkes von Euch a’len eine Antwort: Es darf kein jüdisches Haus auf der ganzen Welt geben, das sich nicht mit einer maximalen Spende an der Erwerbung von neuem Boden In unserem Lande für neue Ansiedlung beteiligt. Jeder Zionist, ob alt oder jung, Mann oder Frau, muß in diesem Monat einen Teil seiner Zeit opfern, um diese Gelder zu sammeln. Und er soll nicht nur Geld sammeln, sondern er soll auch gleichzeitig überall hin Aufklärung tragen über das, was in Erez-lsrael geschehen ist und welches unsere Aufgabe in der Zukunft ist. Unser Volk steht jetzt am Scheidewege: wird cs die erforderlichen inneren Kräfte haben, dann wird auch hier wieder der alte Spruch wahr werden: ״Meas jeze matok“, dann wird auch bald wieder unser Werk in Frieden weitergehen und, wie einer unserer früheren Bedränger, werden auch die jetzigen ausrufen: ״Wie schön sind deine Zelte, Jaakow, und deine Wohnungen, Israel.“ Wenn der Erfolg bei Israel ist, wird er schön sein für das Land, und das Land schön sein für ihn. Ich rufe Euch zum Werk: Ein gutes Jahr und fruchtbare Arbeit. M. M. Ussischkin. Das Wiederaiilbauwerk in Palästina Jerusalem, 19. September. (J. T. A. Die Zionistische Exekutive hat ein Beratendes Komitee für das Wiederaufbauwerk in Palästina eingesetzt, das aus je einem Vertreter des Waad Leumi, der Arbeiterparteien, der Kaufmannschaff, der Anglo-Palestine Company (repräsentiert durch Hoofien), der Kolonisten (vertreten durch Moses Smiliansky) und der Palestine Loan Bank (Mohl) besteht. Unter dem Vorsitz des Misrachi-Präsider.ten Rabbi Meir Berlin und eines Mitglieds der Zionistischen Exekutive wurde ein Komitee zur Leitung des Hilfswerks gebildet. Ehrenschatzmeister dieses Komitees ist der Hauptrevisor der Exekutive, Herr Braude. Das gesamte Hilfswerk steht unter der Kontrolle der Exekutive, die als Jewish Agency handelt. Colonel F. H. Kish leitet die politischen Angelegenheiten der Exekutive, Joseph Sprinzak ist mit der öffentlichen lnformation betraut; zeitweiliger Direktor der Informationsabteilung ist Herr S. Agronsky. Die juristische Bearbeitung der vorgebrachten Ansprüche auf Entschädigung und die Vorbereitung des Materials für die parlamentarische Untersuchungskommission liegt in den Händen von Sacher, der in diesen Tagen in Palästina eintreffen wird. Auch die Ankunft von Ruppin wird in diesen Tagen erwartet; wahrscheinlich wird er die Leitung des Wiederaufbaudepartements übernehmen. Die Palästina-Loge des! fnnb'iiingigen Ordens ßnci Brith hat der Palästina-Exekutive die moralische und finanzielle Hilfe ihrer Schwesterlogen, von denen es in der Welt etwa 100!) gibt, angeboten. Memorandum der jüdischen Gemeinde von Hebron Die Flüchtlinge der jüdischen Gemeinde von hebron, die nach dem Blutbad nach Jerusalem gebracht wurden, haben fob gendes Memorandum an den High Commissioner gerichtet: Die Flüchtlinge der jüdischen Gemeinde Hebron, die ihre Geburtsstadt und die Geburtsstadt Ihrer Eltern und Ureltern verlassen haben und heute als Verbannte und Flüchtlinge in Jerusalem umherirren, erheben bittere Klage vor der Regierung Großbritanniens und ihrem Vertreter, dem High Commissioner in Palästina, vor der gesamten Menschheit und vor jedem, dem noch ein menschliches Fühlen in der Brust geblieben ist, über das grausame Blutbad, über die Greuel und furchtbaren Qualen, über die Raub- und Mordtaten, die wilde Banden von Mohammedanern aus Hebron und Umgebung bei hellem Tageslicht unter den Augen der Regierung und der Polizei begangen haben. Die jüdische Bevölkerung Hebrons. Jahrhunderte wohnten wir in Ruhe und Frieden unter einer mohammedanischen Bevölkerung, die uns an Zahl um ein Vielfaches übertrifft Flüchtlinge von den Exilanten Spaniens und später aus Deutschland fanden in den Mauern des Hebroner Ghettos Zuflucht, in dem jeder Stein für unsere Verwurzelung an diesem Orte zeugt. Wir haben unsere mohammedanischen Nachbarn niemals gekränkt, uns immer bemüht trotz der vielen, uns zugefügten Beleidigungen in Frieden und Freundschaft mit ihnen zu leben. Der Arzt unserer Gemeinde, unsere Apotheke haben ihnen jede Hilfe geleistet. Die Armen der Mohammedaner fanden bei uns jederzeit offene Hand. Auch in den Zeiten, in denen im Lande Erregung herrschte, haben wir unser traditionelles und religiöses Leben wie vor Hunderten von Jahren fortgeführt Da wir unter den Arabern als Anspruchslose, stets zum Verzichten und Verzeihen geneigte bekannt sind, wurden wir auch nicht betroffen, als im Laufe des letzten Jahrzehnts hier und da Unruhen vorkamen. Die ersten Zusammenstöße. In der letzten Zeit haben wir eine Verschlechterung dieses Verhältnisses gespürt. Da wir verteilt unter den Arabern wohnten und ihre Sprache verstehen, fühlten wir, daß sich ein furchtbares Unglück über die Juden im ganzen Lande vorbereitet. Ohne jeden Anlaß, ohne die geringste Provokation von unserer Seite begann mohammedamscher Pöbel bereits am 10-August uns zu bedrohen und uns ein allgemeines Blutbad anzukünaigen. An diesem Tag zog eine Demonstration unter Führung von zwei Scheichs, Mohammed el Djaberi und Zibri Abdin, durch die Straßen. Als sie auf der Straße jüdische Passanten trafen, sagten die Scheichs zu den Arabern: ״Laßt die Juden heute in Ruhe und wartet, bis Ihr von dem Mufti von Jerusalem Befehl bekommt, sie zu morden. Am gleichen Tage kam ArafeIAraf,der Bezirksgouverneur von Beer Schewa, hielt in der Moschee eine Hetzrede gegen die Juden und erzählte der arabischen Masse, daß die Regierung mit ihr sei und daß sie sich nicht fürchten sollte. Die Vertreter der Juden und der Bezirksouverneur. Am Freitag, dem 23. August, kam der junge raber Kaled, der als Lehrling bei den Tischlern Jakob Mosche und Daniel Misrachi arbeitete, bei ihnen aufgewachsen ist und von ihnen erzogen wurde, zu ihnen und berichtete ihnen folgendes: Obgleich ich mein Leben dadurch gefährde, daß ich Euch ein Geheimnis entdecke, teile ich Euch aus Zuneigung mit, was sich bei uns ereignet. Alle Araber auf den Straßen sind bevvaffnet und erhielten von dem Mufti Briefe, nach Jerusalem zu gehen und alle Juden zu morden. Die Einwohner von Charathel-Maschrech und von Charath-Benider treffen Vorbereitungen Pi. «tagm, Überfall auf Euch.. Findet Eifeh einen Rat, was Ihr «jt toft'hatre.5 ׳*- ©fejbwle» zu 4«״ Rabbinern und teilten ihnen das Gehörte mit. Unsere Vertreter, die Rabbiner Franko und Jakob Slonitn, wandten sich sofort an den Bezirksgouverneur Abdalla Kardos und erbaten von ihn! den Schutz der Regierung. Der Gouverneur beruhigte sie und sagte, daß nichts zu fürchten sei. ״Die Britische Regierung weiß, was sie zu tun hat Dort, wo zwei Soldaten nötig sind, schickt sie sechs" und fügte hinzu: ״Ich teile Euch vertraulich mit, daß wir in der Stadt viele Soldaten als Zivilisten verkleidet haben, die sich unter der Menge befinden und im Notfälle ihre Pflicht tun werden.“ Der Gouverneur befahl uns, ruhig in unseren Häusern zu bleiben und gab uns keine Möglichkeit, uns mit Jerusalem zn verbinden, so daß wir von nirgends her Hilfe erbitten und auch die Hilfe unserer arabischen Freunde nicht suchen konnten. Am Vorabend des Blutvergießens. Am Freitag, dem 23. August, strömten Massen von Arabern durch die Straßen und riefen: ״Tod den Juden.“ Am Tor El Savia stand der Führer der moslemischen Vereinigung in Hebron. Scheich Talib Merka und rief: ״Allah und Mohammed rufen Euch, die Juden zu töten,“ Von diesen Zurufen entbrannt, rannten die Massen zur Jeschiva ״Knesseth Israel“. Auf dem Wege zerbrachen sie die Fenster in den jüdischen Häusern. Bei ihrer Ankunft In der Jeschiva fanden sie dort nur einen lernenden Schüler, Samuel Rosenholz, den sie erschlugen. Der arabische Lehrer Abdallah Jakob stellte sich an die Spitze der Aufrührer, den Hut des Ermordeten in der Hand, und rief: ״Schade, daß wir nur einen gefunden haben, morgen werden wir das Schlachten fortsetzen.“ Vor der Gründung der Jeschiva ״Knesseth Israel" in Hebron wandte sich der Leiter, Rabbi Jescheskel Sarna, in Begleitung von Rabbi Jakob Slonim an den Gouverneur von Hebron, Mr. Baily, um ihm die Sache der Gründung der Jeschiva in Hebron und die Fragen der Sicherstellung des Lebens und des Besitzes vorzutragen. Der Gouverneur freute sich über diesen Vorschlag und versprach alle Hilfe namens der Regierung. Auf Grund dieses Versprechens wurde die Jeschiva im Jahre 5684 gegründet und die Leiter übernahmen die Verantwortung für das Leben der Schüler, die aus der ganzen Welt zum Studium nach Hebron kamen, um dort Thora und Talmud zu lernen. Fünf Jahre lebten wir in Frieden mit den Arabern. Die Schüler der Jeschiva widmeten sich ausschließlich ihrem Studium und brachten den Einwohnern von Hebron großen kulturellen und wirtschaftlichen Nutzen. Unter dem Einfluß verbrecherischer Hetzer wurden 24 friedliche Studenten getötet und 17 verwundet. DieVertreterdesinohammedanischenRates inHcb r o n. Am Sonnabend, dem 24. August, dem Ruhetage der Juden, zogen Araber durch alle Straßen und Gassen Hebrons. Aus allen Ecken rannten sie gleich wilden Tieren und schrieen: ״Schlachtet die Juden!“ An der Spitze der Menge ging der Scheich Talib Merka und sein Sohn Zadi, der Scheich Zibri Abdin, der Sohn des Amin Chamur Abdalla lacoub al Netedje, Salim Kataba und andere, die wir noch erkennen konnten und riefen: ״Im Namen des Mutti Amin el Husseini teilen wir Euch mit, daß der Tag gekommen ist, alle Juden zu töten vom Kinde bis zum Greise, ihre Frauen Euch zu nehmen und ihr Vermögen Euch anzueignen.‘' Die Juden, die jetzt die Gefahr voll erkannten, wandten sich an den englischen Polizeikommandanten Cafferatfa, der in der Nähe wohnte, um Erbarmen und Schutz. Er weigerte sich, sie zu empfangen und wies sie grob zurück: ״Wenn Ihr in den Häusern bleibt, bin ich für Euer Leben verantwortlich, wenn Ihr aber hinausgeht, werdet Ihr selbst die Folgen zu tragen bähen. ׳ Unter einem Regen von Steinen und "in Be* gleitung des Arabers Issa Arfi gelangten sie nach Hause. Auch Feiwel Epstein, der Sohn des Rabbiners Epstein, des Leiters der Jeschiva Knesset!! Israel, wandte sich an Mr.