Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 74 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 74, 20, IX. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 491 Knessio Gedaulo und Jewish Agency Am Sonntag, 5 Uhr nachmittags, erstattete in der K n e s s i o G e d a u i o unter Vorsitz von Leo Wreschner Herr Jacob Rosenheim das mit größter Spannung erwartete Referat über die Teilnahme der Agudas Jisroelan derjewish Agency. Herr Jacob Rosenheim führte ungefähr aus: Das gesetzestreue Judentum hat in der Balfour-Dekfaration vom ersten Augenblick an das Walten der Vorsehung erblickt. Die Kreise der Agudas Jisroel haben niemals geglaubt, daß die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte mit menschlicher Hilfe imstande wir«, die Erlösung herbeizuführen. Aber wir wollen die Mizwas Jischuw Erez Jisroe! mit ganzem Herzen und aller Hingabe erfüllen. Jede jüdische Ackerfurche und jede jüdische Seele auf heiligem Boden ist Werkzeug des Allmächtigen. Die Agency war als ein politisch-wirtschaftlieh es Instrument gedacht, und ohne diese Voraussetzung hätten die Organe der Agudas Jisroel nie die Forderung auf Mitarbeit erhoben. Schon 1922 hat der Zentralrat der Agudah beschlossen, vor der englischen Regierung, dem Völkerbund und der gesamten Oeffentlichkeit zu erklären, daß die einseifige Anerkennung der Zionistischen Organisation als Jewish Agency nicht möglich sei. 1923 hat die erste Knessio Gedaulo die Breslauer Beschlüsse bestätigt. 1925, bei Verhandlungen zwischen Agudah und Zion. Organisation, haben die Zionisten die Herausnahme des Kulturellen aus der Agency abgelehnt, weil sie fürchteten, einen neuen Kulturfonds für sich selber nur schwer schaffen zu können. 1925 trat zum ersten Male neben dem Wirtschaftlichen und Politischen als Aufgabe der Jewish Agency die hebräische Sprache und Aufbau der hebräischen Kultur auf. Für uns gibt es jedoch keine neue hebräische Kultur, unsere Kultur ist: ״Thauroseno Hakedauscho“ (Unsere heilige Lehre). Jetzt, wo in Zürich die Konstitution der Jewish Agency vollzogen ist, muß die Knessio Gedaulo ihre Stellung zu diesem historischen Geschehen festlegen. Es ist selbstverständlich, daß anläßlich der letzten Geschehnisse in Palästina die zio* ת istische und die agudistische Leitung alle ihre Eingaben, Proteste und sonstige Maßnahmen gemeinsam unternehmen. Der Rabbinische Rat hat sich mit diesen Problemen befaßt und ist zunächst einstimmig zu dem Resultat gekommen, daß der Eintritt in die Jewish Agency in ihrer jetzigen Form aus religiösen Gründen unzulässig sei; in erster Reihe deshalb, weil die Agency auch die religiösen und kulturellen Gebiete in ihren Aufgabenkreis einbezieht und hierdurch der Orthodoxie Gewissensopfer auferlegt, die zu tragen sie niemals imstande ist. Redner appelliert zum Schluß an die Zionisten, der Agudah den Eintritt zu ermöglichen. Nach Jakob Rosenhelm sprach Oberrabbiner L e w i n - Rzeszow. In der Abendsitzung sprachen noch Oberrabbiner Zirelsohn - Kischinew und andere Rabbiner und Rabbis. Sie traten für eine intensivere Palästina*Arbeit ein, lehnten aber die Jewish Agency in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung ab. Dr. Pinchas Koho sagte, die Agency in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung repräsentiert das Volk ohne Thora. Wenn die Zionisten sich an die Agudah wegen deren Eintritt in die Agency nicht gewandt haben, so ist dies nur ein Zeichen der Achtung, die die Agudah bei ihren Gegnern genießt. Die Zionisten wissen, daß unter den obwaltenden Umständen für Agudas Jisroe! ein Entweder — Oder nicht existiert. Einen femäßigteren Ton schlugen Dr. Robert Weiß- Berlin und abbiner Neustadt*Nowydwor, die für Zusammenarbeit mit der Jewish Agency eintraten, an. Rabbiner Neustadt appellierte an die Versammlung, die Politik von der Palästina- Arbeit fernzühälteh. Aüs den Rliheri dtf D8Ibgiertttt ivttfde ihm zugerufen, er sei vielleicht kein Zionist, aber auch kein Agudist. Schließlich nahm die Versammlung die folgende von Herrn Jakob Rosenheim im Namen des Geschäftsführenden Aus* Schusses unterbreitete Resolution an: 1״. Die K. G. erklärt, daß bisher seitens der neukonstituierten jewish Agency keinerlei Versuch zur Gewinnung der Mitarbeit der Agudas Jisroel unternommen worden ist. 2. Die K. G. richtet nichtsdestoweniger angesichts der das ganze jüdische Volk tief erschütternden und zur Einkehr mahnenden Ereignisse in Erez-Israel einen letzten Appell an die in der Jewish Agency zusammengeschlossenen Brüder, durch die Berücksichtigung der unerläßlichen Ge- Wissensforderungen der orthodoxen jüdischen Massen diesen die Teilnahme an der Lösung der wirtschaftlich-politischen Aufgaben der Agency zu ermöglichen. 3. Die wichtigste dieser durch den Rabbinischen Rat religiös bindend erachteten Ge- Wissensforderungen ist die absolute Beschränkung der Agency- Kompetenz aufwirtschaftlicheund politische Angeiegenheiten und der Verzicht auf die Finanzierung kultureller Aufgaben, die angesichts «1׳r nun einmal vorhandenen weltanschaulichen Gegensätze nicht gemeinsam gelöst werden können. 4. Die K. G. ist überzeugt, daß eine solche politisch-wirtschaftliche Neutralisierung deT Jewish Agency unter Wahrung des Religionsgesetzes bei gutem Willen durchgeführt werden könnte. 5. Solange dies nicht geschieht und die organisierte Orthodoxie hierdurch ausgeschlossen ist, kann die Jewish Agency nicht den Anspruch erheben, als Vertretung der an Erez-Israel interessierten orthodoxen jüdischen Massen zu gelten. Agudas Jisroel wird es in Konsequenz ihres religiösen Standpunktes um so mehr als ihre heilige Pflicht erachten, die ihr nahestehenden Kreise zur hingebungsvollen Arbeit im Sinne der Mizwas Jischuw Erez Jisroe! autzurufen.“ Die UeberlOhraag von Marshalls Leiehe Zürich, 17. September. (J. T. A.) Die in Europa weilenden Familienangehörigen Louis Marshalls haben mit aem Sarge die Reise nach Amerika über Frankreich angetreten. Noch steht es nicht fest, ob die Einschiffung in Le Havre oder in Cherbourg erfolgen wird. Vor Schließung des Sarges in Zürich fand die zeremonielle Leichenwaschung und Ankfeidüng durch die Züricher Chewra Kadischa nach streng traditionellem Ritus statt. Jfidisehe Arbeiter bauen Wege Jerusalem, 16. September. (J. T. A■) Der Direktor des Departements für öffentliche Arbeiten der Regierung erklärte den bei ihm erschienenen Vertretern der Zionistischen Exekutive, daß demnächst mit dem Bau des Weges von Petach Tikwah nordwärts des Weges von Mes’cha nach Afuieh im Emek und von dort nach der Haifaer Villenstadt Hadar Hukarmel begönnen werden wird, und daß beim Bau aller dieser Wege ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt werden würden. Wien, 16. September. (J. T. A.) Hakenkreuzler überfielen eine Gruppe Arbeiterdelegierter der K n e s s i o G e d a u 1 0, die das Tagungshaus verließ. Verletzungen erlitten die polnischen Delegierten Jankelewitcz, Szekacz und Landenberg. Die Polizei verstärkte daraufhin den Schutz des Tagungshauses. Proteste im Jüdisch kommaiitstfsdieii Lager ״Die freie Arbeiterstimme“ (New York und Philadelphia) vom 6. September beschäftigt sich mit der Haltung der kommunistischen Presse anläßlich der Ereignisse in Palästina, insbesondere mit der Stellung der jüdisch-kominunistisciien ״Freiheit“ in New York. Die ״Arbeiterstimme“ schreibt: Bei den Kommunisten herrscht Jubel und Freude. Sie haben in diese blutigen Ausschreitungen eine Revolution und einen Weltbefreiungskampf hinein gedeutet, für die kein Opfer zu groß ist. Dieses dumme und freche Benehmen hat sogar solchen Leuten die Augen geöffnet, die bisher aus den verschiedensten Ursachen die kommunistische Bewegung unterstützt haben. Besonders eindrucksvoll und demonstrativ ist die Empörung einiger Mitarbeiter der ״Freiheit“, die der Redaktion mitteilen, daß sie es ablehnen, weiter Mitarbeiter der ,,Freiheit“ zu bleiben. Die Namen dieser Mitarbeiter sind H. Leiwik, A. Raboi, Abraham Reisen und S. Boreischo. Lciwik, Raboi und Reisen sind in der jüdischen Welt und besonders in der jüdischen Arbeiterbewegung sehr angesehene Schriftsteller. Abraham Reisen hat gerade vor kurzem eine große Reise durch Sowjetrußland absolviert, auf der er von den jüdischen Kommunisten sehr gefeiert wurde. In Leiwiks Brief an die ״Freiheit“ heißt es u. a.: ״Es ist einmal einem jüdischen Revolutionär in einer unglückseligen Minute eingefallen (Medern, Anm. d. Red.) zu sagen, daß das Blut der Pogrome Oel auf die Räder der russischen Revolution sei. Dieses Wort ist die Lebensschande jenes Revolutionärs gewesen. Die ״Freiheit“, die sich anfangs anläßlich der Geschehnisse in Palästina menschlich benommen hat, macht sich jetzt die Theorie zu eigen, daß dieses jüdische Blut Oel auf den Rädern der arabischen Revolution sei. Sie erweckt also beim jüdischen Arbeiter eine falsche und unnatürliche Vorsteilung von all diesen Vorkommnissen.“ An einer anderen Stelle des Briefes heißt es: ״Mit Rücksicht auf die ״Freiheit“, mit Rücksicht auf die kommunistische Bewegung, den Sovvjetverband und seine Errungenschaften haben wir bis Jetzt in uns unseren Schmerz darüber erstickt, wie sich die ״Freiheit“ zur jüdischen Sprache, zur jüdischen Kultur und zum jüdischen nationalen Leben gestellt hat. Wir haben Geduld geübt, weil wir durch einen Protest nicht Wasser auf die Mühlen der Gegner des Kommunismus schütten wollten. Aber jetzt ist das Maß voll. Ferner schweigen wäre unmöglich. Wir können nicht segnend unsere Hände über jene Morde und Niederträchtigkeiten breiten, wie es die Freiheit“ tut. Es bleibt uns kein anderer Ausweg, als unsere Beziehungen zur Zeitung zu lösen. In ähnlichem Sinne lauten die Erklärungen von Raboi und Abraham Reisen. Zionistischer Grappenverband Oberschlesien Am Sonntag, dem 15. September, nachmittags 312 Uh1\ fand in Beuthen ein zionistischer Gruppenverbandstag mit der Tages- Ordnung: ״Die Ereignisse in Palästina“ statt Die Beteiligung an diesem Gruppenverbandstag war überaus zahlreich. Es waren Gesinnungsgenossen aus Oppeln, Beuthen, Hindenburg, Gleiwitz, Ratibor und auch aus Polnisch-Oberschlesien, Chorzow, Tarnowitz, Königshütte und Kattowitz gekommen. R.-A. Dr. W e i ß m a n n als Vorsitzender des Gruppenverbandes wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß die Ereignisse in Palästina wieder einmal alle Grundfragen unserer Bewegung entrollt haben und daß daher diese Tagung weniger der Erledigung von praktischen Fragen der alltäglichen Arbeit, als der offenen und rückhaltlosen Aussprache über diese Grundgedanken dienen soll. Denn in dieser Situation brauchen wir jetzt vor allem innere Festigung. R.-A. Dr. Klee, Berlin, der in dankenswerter Weise die Gelegenheit wahrgenommeo •hatte, um wieder zu seinen oberschlesischen Freunden zu sprechen, gab ein Referat über die Vorfälle in Palästina. Er ging hierbei von der grundlegenden Frage nach dem Wesen des Zionismus aus, weil die Antwort auf diese Frage erst die richtige Perspektive zur Betrachtung der Ereignisse in Palästina gebe. Unter diesem Gesichtswinkel könne man die Ereignisse in Palästina niciit als Katastrophe, sondern nur als eines der Hindernisse für unser Aufbauwerk ansehen, auf die wir gefaßt sein müssen und die durch verstärkten Aufbauwillen zu überwinden sind. R.-A. Dr. Klee beschäftigte sich dann in längeren Ausführungen mit den Ursachen und Gründen der Ereignisse, soweit sie aus den vorliegenden Meldungen zu ersehen sind. Die anschließende Aussprache hatte vor allem das Problem des Verhäitnisses zu den Arabern, die Frage der Versöhnung oder der starken Faust zum Gegenstände. Am Abend fand eine große öffentliche Kundg e b u n g statt, die einen Massenbesuch nicht nur aller Kreise der hiesigen Synagogen gemeinde, sondern aus ganz: West- und Ost-Oberschlesien aufwies. R.-A. Dr. Weißmann eröffnete die Versammlung und begrüßte u. a. die Vertreter des Vorstandes und der Repräsentants der Synagogengemeinde und die beiden Redner des Abends, Rabb. Prof. Dr. Golinskiund R.-A. Dr. Klee, Berlin. Unter den Opfern der Kämpfe in Palästina hat auch Beuthen einen früheren Angehörigen der Chaiuzgruppe, Samuel Oanani, zu beklagen, dem der Vorsitzende einen warmen Nachruf hielt. Nach einer von Kraft und Leidenschaft getragenen Ansprache des Herrn Prof. Dr. Golinski hielt R.-A. Dr. Klee ein ausführliches Referat über die Ereignisse in Palästina und schloß mit dem Appell zur Verstärkung der Aufbautätigkeit, der lebhaften Widerhall bei der Versammlung fand, die nach der Rede von Dr. Klee in lang anhaltenden zustimmenden Beifall ausbrach. R.-A. Dr. Weißmann verlas eine Resolution des Vorstandes der Synagogengemeinde Beuthen und teilte mit, daß im Rahmen der Hilfsaktion vom Vorstand ein Beitrag von 1500 M. bewilligt wurde. Zum Schluß faßte die Versammlung einstimmig eine Resolution ähnlich derjenigen, welche auf der Agency-Kundgebung in Berlin gefaßt worden ist. Diese Resolution wurde an‘den englischen Botschafter in Berlin weitergekitet. Berliner Kundgebung der Revisionisten Am 16. September fand in der Stadthalle Klosterstraße eine von den Zionlsten-Revisionisten einberufene Versammlung statt, in der Im Anschluß an die Ereignisse in Palästina vom revisionistischen Standpunkte aus der Gesamtkomplex der zionistischen Politik behandelt wurde. Den Vorsitz führte Direktor Bell- 10 w $ Je y. Als Redner traten auf Dr. Hans Bloch, Redakteur K1 inow und Richard Lichthei m. Sämtliche Redner vertraten das revisionistische Programm und schilderten die Feind- Seligkeit und Unfähigkeit der palästinensischen Administration. Sie Kritisierten scharf die Tätigkeit der Zionistischen Exekutive und forderten zum Kampf gegen die Zionistische Exekutive und in Deutschland gegen die derzeitige Leitung der Z. V. f. D. auf. Der Korrespondent des ״D a i 1y T e I e g r a p h“ berichtet, daß Juden und Araber in einem Punkt übereinstimmen, nimlieh in ihrem gänzlichen Mange! an Vertrauen zu der gegenwärtigen britischen Administration. Das Verbot gegen ״Doar Hajom“ ist am 17. d. M. wieder aufgehoben worden. Briet aas Bentben 0.-S. Vor kurzem feiert« unserer Gesinnungsgenosse Herr Religienilehrer *. D. Albert Eisenbarg sein an 70. Geburtstag. Er wird in allen Kreisen der Gemeinde sehr goschitzt al» ein begeisterter Jude, der sich niemals an »einer Berufsarbeit genug sein ließ, sondem auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft immer weiter gearbeitet und •ich fortgebildet hat. An der Begründung der Zionistischen Ortsgruppe Beuthen hat er vor 3g Jahren leilgenominen und ihr seither ununterbrochen angehörl. Er ist einer der wenigen, dis aus dieser Zeit noch in unserer Mitte leben. Er hat viel dazu beigetragen, in der heutigen und in der vorigen Generation das Interesse und das Verständnis für die geschichtlichen Zusammenhänge im Judentum zu fundieren und wachzuhalten und er hat gezeigt, daß sie in der zionistischen Aktion unserer Tage eine natürliche und würdige Fortsetzung finden. Auch in unserer und in anderen oberschlesischen Ortsgruppen war er durch wissenschaftliche Vorträge und Gcschichtskursc in unserem Sinne wirksam. Wir werden uns freuen, wenn ein gefestigter Gesundheitszustand unserem alten Freunde die Möglichkeit geben würde, wieder nachhaltig an unserer Arbeit teil zunehmen und uns seinen Rat zur Verfügung zu stellen, den wir sehr vermissen. Am Sonntag, dem 18. August, hielt die Zionistische Ortsgruppe Beuthen die Herr, I-Gedenkfeier ab. Trotz de» heißen Sommert:• g©a war die im Heim der Mamroh-Loga abgrhallene Veranstaltung von hiesigen Gesinnungsgenossen gut besucht. Rechtsanwalt I>r. Frankel und Arnold Wiener hielten die Gedenkreden. Die weihevolle Feier erhielt ihren Abschluß durch da» El Molo Rachamim Gebet, welches Herr Rabbiner Dr. Melchior rezitierte. Brie! aas Kattowitz Da» zionistische Leben unserer Gemeind«! war während der Jahre der politischen Umwälzung und der staatlichen Neuordnung otwas gedämpft, jetzt hat es sich erfreulicherweise gekrSftigt und ist wieder sehr rege geworden. Dio Zionistische Ortsgruppe hat eine schöne und erfolgverheißendo Anstrengung gemacht, um sich ein Heim zu schaffen, welches aus einem großen Vortragssaal und mehreren anschließenden Räumen besteht, so daß für die zionijtisehe Tätigkeit. für hebräische und kulturelle Arbeit, für Jugendbe wegung und Kindergarten ein geistiger und räumlicher Mittelpunkt vorhanden ist. Dia Einweihung des zionistischen Heims war mit der Feier des 35jährigen Bestehens der Ortsgruppe verbunden. Der Vorsitzende, Herr Alfred Müller, gab in der Festrede eine inhall»- reiche Darstellung <1 ■ r zionistischen Arbeit in dein abgelaufenen Vierteljahrhundert. Die Herren Rabbiner Professor Dr. Vogelmann und Chamcidr» hoben die Veranstaltung durch sinnvolle Ansprachen und ihnen schlossen sich die Vertreter anderer jüdischer Organisationen an. Der gleichfalls erschienene Gesinnungsgenosse, Harr Arnold Wiener, der unsere Gruppe während 18 Jahren geleitet hat und seit ך Jahren in Beuthen lebt, wurde zum Ehren- Vorsitzenden der Zionistischen Ortsgruppe Kattowitz ernannt. Zu Herzls Andenken wurde am Sabbath der Jahrzeit in der großen Synagoge eine Totenfeier mit Predigt und am Sonntag darauf im Gemeindetaal eine akademische Veranstaltung abgehaltaa. Bei beiden Gelegenheiten sprach Herr Rabbiner Chameides ergreifend und wirkungsvoll und die Feiern waren durch eine starke Beteiligang der Gerneindemilglieder und durch die Anwesenheit der Spitzen der Gemeindekörperschaften und jüdischer Organisationen ausgezeichnet. Tragödie der Familie Hermann Gollancz. Sir Hermann GolUncz, der prominente Londoner Rabbiner und Orientalist wurde in , den letzte» Wochen von schwerem Unglück Keimgosucnt. 4ftaclidem vor eine!־ Woche sein Sohn Leonard Selbstmord begangen hat und vor einigen Tagen seine Schwester Emma verstarb, ist nun seine Frau, Lady Hermann Gollancz, aus Gram über den Vorlust, des Sohnes verschieden. Sir Hermann Gollancz selbst, der ךך Jahre alt ist, liegt im Hospital schwer krank darnieder. Sir Hermann wurde 1852 in Bremen als Sohn des Predigers der Israelitischen Gemeinde geboren. Er ist der erste Jude, der am der Londoner Universität Doktor der Literatur (lSgqt wurde, jgoa wurdo er Professor für Hebräisch am Univorsily College in London. Er ist der «tr!/ienglische Rabbiner, der (1g3a) geadelt wurde. In den letzten Wochen hat Sir II. Gollancz eine Reihe von Zu- Schriften an die ״Ti in es“ gerichtet, worin er die jüdischen Recht© auf dio Klagemauer-Andacht vertrat. Cilly Levia geb. Katzeneisoha Aus L i b a u (Lettland) wird uns geschrieben: Am 5. September verschied in Libau im Alter von nur 38 Jahren Frau Cilly Levin. Sie war die Tochter des vor sechs Jahren verstorbenen Dr. N. Katzeneisohn, Direktor der Jüdischen Kolonialbank und Freundes Dr, Herzls und Wolffsohns. Sie hatte in Gießen Philosophie studiert, und der igi/! ausbrechende Krieg verhinderte sie, als Russin ihre Doktorarbeit ״Philosophie der Lebensbejahung'‘ einzureichen. An dom Grabe Frau Cilly Levins trauern schmerzlich nicht nur ihre tief gebeugte Familie und ihre zahlreichen Freunde: ihr früher Tod ist ein harter Schlag und schwerer Verlust für die ganze jüdische Gesellschaft unserer Stadt, besonders für den zionistischen Teil derselben, dessen Seele, geistige Führerin, Stolz und Zierde sie war. Sie nahm an der sozialen jüdischen Ililfsarhcit regen Anteil. Sie war die Gründerin und Vorsitzende der litauischen Ortsgruppe der Wizo, die sie arbeitsfreudig und tatkräftig leitete. Jede ziomstischo oder allgemeine Veranstaltung, die sie als geistreiche Rednerin oder geschmackvolle Rozitatorin eigener zarter und gehaltvoller Godichte verschönte, erhielt festlichen Glanz. Ihre Hingabe an die Sache, der sie diente, ihre vornehme und gleichzeitig herzliche Art, ihre warme, lichtvolle Persönlichkeit gewannen ihr die Herzen aller, die mit ihr in Berührung kamen. Als Zeichen ihrer Verehrung hat dio hiesige Ortsgruppe der Wizo ihre erste Vorsitzende ins Goldene Buch des K.K.L. eingetragen. Das Andenken an Frau Cilly Levia wird in den Herzen aller fortleben, die diese wahrhaft jüdisch und national empfindende Frau gekannt haben. Eröffnung der Mendelssohn-Ausstellung. Am 16. September, mittag» um 13 Uhr, wurde in der Preußischen Staatsbibliothek die von dieser in Verbindung mit der Jüdischen Gemeinde Berlin veranstaltete Moses Mendelssohn-Ausstellung eröffnet. Zu Beginn der Feier begrüßte Generaldirektor Dr. Krüss namens der Preußischen Staatsbibliothek die Erschienenen. Hierauf sprach im Aufträge des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde der Vorsitzende der Bibliothekskommission, Dr. Sandler, Worte der Begrüßung und des Danks» an die Männer, deren Mitarbeit das Zustandekommen der Ausstellung ru verdanken sei. Professor Dr. Ismar Elbogen hielt den eigentlichen Festvortrag, in welchem er Moses Mendelssohn als den Träger des Toleranzgedankens feierte. Nach Schluß der offiziellen Feier fand eine Besichtigung der ausgestellten Objekte statt. Dr. Solomon Alkalay, der Präsident der sephardischen Gemeinde in Belgrad und einer der Führer des Weltverbandes sephardischer Juden, ist am 11. September an Herzschlag plötzlieh gestorben. Dr. Alkalay «rar in der zionistischen Bewegung hervorragend tätig.