Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 74 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653130--21042-2679094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Seite 488 ♦ Nr. 74, 20. IX. 1929 arabischen Bevölkerung statt, um die Sympathie mit den palästinensischen Arabern zu bekunden. Bagdad, die Hauptstadt des Irak, schloß sich dieser Aktion an. Auch die arabische Presse Aegyptens arbeitete eng mit der pallstinensischen zusammen. Sie erhielt von Jerusalem ihre Informationen und brachte daher eine Unmenge von falschen Nachrichten und scharf tendenziösen Darstellungen. Eine Ausnahme machte die europäische Presse Kairos und Alexandriens, vor allem die ״Baurse Egyptienne“, die vom ersten Moment an die Ueferfälle aufs schärfste verurteilte. Ihr Mitarbeiter de Laumols, der als Spezialberichterstatter nach Jerusalem entsandt wurde, trat mit großer Verve für die zionistische Sache ein, die er charakteristischerweise als die Träger der westlichen Zivilisation im Nahen Osten ansprach. Man darf jedoch nicht vergessen, daß gerade diese wichtigen Blätter die Oeisteshaltung und die Interessen der Europäer 1n Aegypten vertreten, wahrend die Masse der einheimischen arabischen Bevölkerung unter dem Einfluß der kleineren arabischen Zeitungen steht. In dieser politischen Unterstützung jedoch erschöpft sich fast völlig die Anteilnähme der umliegenden Länder an den Unruhen. Die Bedrohung durch die Beduinen an den verschiedenen Grenzen ist eine selbstverständliche Begleiterscheinung jeder Unruhen im Vorderen Orient. Die schweifenden Nomadenstämme des Ostens und Südens sind immer bereit, bei sich bietender Gelegenheit in das fruchtbare Land des Innern vorzustoßen, und sie sind auch in normalen Zeiten gut genug bewaffnet, um es mit Aussicht auf Erfolg zu tun. Außerdem sind die Grenzen, besonders nach Transjordanien hin flüssig und sehr unübersichtlich und ein Hin- und Herströmen der wandernden Zeltgemeinschaften durchaus selbstverständlich. Im August und September wurden diese Wanderungen, durch die aufreizenden Nachrichten angelockt, stärker, zu einer merklichen Aktion ist es jedoch auch in Transjordanien, wo die Luft am stärksten elektrisch geladen war, nicht gekommen. Die Nachrichten, daß Beduinen aus dem Gebiete von Ibn Saud sich an den Unruhen beteiligt hätten, haben sich nirgends bestätigt. Wir haben also die Unruhen als ein politisches Faktum zu werten. Sie wurden initiiert und geleitet von der national-religiösen Führung der Araber im Lande. Diese Führung hatte politische Ziele und Ambitionen, fühlte sich jedoch ihrer Sache sicherer, wenn sie religiöse Motive in den Vordergrund stellte und einen Ueberfall der Juden auf die moslemischen Heiligtümer vorgab. Wie richtig sie dabei die Psychologie der Massen in Palästina und überhaupt im Nahen Osten cinschätzte, sieht man daraus, daß sich im Lande viele finden, die fest davon überzeugt sind, daß die Juden Bomben auf die Omarmoschee geworfen hätten und fest an die Darstellung der Agitatoren glauben. Es ist eine der schweren Unterlassungssünden der Regierung, daß sie es nicht für nötig gefunden hat, offiziell diesen aufhetzenden Märchen entgegenzutreten. Der Vorstoß der arabischen Führer im Lande wandte sich gegen das Mandat und die Balfourdeklaration, also ebenso gegen England wie gegen die Juden. Er wurde inspiriert von der wachsenden nationalen Bewegung im Lande, deren Charakter sich auch darin manifestiert, daß an einigen Stelle«, ivie zürn Beispiel in Haifa, die christlichen Araber offen ihre Solidarität mit den Moslems erklärten■ Die arabische Nationalbewegung war aber noch nicht genügend entwickelt, um zu einem entscheidenden Stoß auszuholen. Außerdem wirkten als wichtige Gegenkräfte das Bewußtsein, daß der Araber durch den Juden nicht wirtschaftlich geschädigt wird, ein gewisser Respekt vor den jüdischen Siedlangen und auch die gemäßigte Richtung unter den Arabern. Sie tritt heute politisch nicht offen in Aktion, aber wir wissen von Meinungskämpfen in den arabischen Zentren vor Beginn der Unruhen und wir wissen, daß, während ein Teil der Jugend aktiv mit den Angreifern zusammenarbeitete, bestimmte Teile zum Beispiel in Jaffa sich gegen die Ueberfälle auflehnten. Man muß also den Begriff des ״nationalen Aufstandes mit Unterstützung der Nachbarländer׳‘ auf das richtige Maß reduzieren, wenn man der Situation im Lande gerecht werden will. Man darf jedoch andererseits bei Beurteilung der Lage nicht für einen Moment vergessen, daß eine nationale Bewegung der Araber in Palästina im Werden ist. Daß die zionistische Bewegung diesen Faktor bisher übersah oder zu gering wertete, war ein Fehler, der sofort korrigiert werden muß. Denn in der zweiten Phase des Kampfes, In der wir jetzt stehen und in der die politischen Konsequenzen aus den Ereignissen gezogen werden, haben wir mit der arabischen Führung zu rechnen, die (abgesehen von persönliehen) nach nationalen Gesichtspunkten vorgeht. II. Bevor die Untersuchungskommission aus London in Palästina ihre Arbeit beginnt, hat die Justiz mit der Untersuchung der begangenen Verbrechen begonnen. Die Oefängnisse sind überfüllt und reichen nicht aus. Die Regierung hat bei Sarafend ein Massenlager für Gefangene einrichten müssen, das Hunderte faßt. Bei Beginn der Untersuchungen und bei den ersten Urteilen kommt die anormale Situation, in die sich die Juden jetzt gedrängt sehen, in beängstigender Weise zum Ausdruck. Der ganze Jischuw, ohne Unterschied der Richtung, hat durch unbesonnene, kurzsichtige und fahrlässige Haltung der Regierung das Vertrauen in die Administration eingebüßt. Die Tatsache, daß man zuerst noch Verhandlungen führen mußte und Wochen vergingen, ehe die Regierung auch nur die Flüchtlingsfürsorge in die Hand nahm, hat die Erbitterung noch gesteigert. Dazu kam, daß die Regierung ara Anfang die gerichtliehen Untersuchungen wie üblich durch die Landespolizei führen ließ, gegen die nach den Unruhen mit Recht das schwerste Mißtrauen bestand, und es erst der Eingriffe der jüdischen Vertreter bedurfte, um den Juden Untersuchungen durch englische Beamte und die Führung hebräischer Protokolle zu sichern. Heute hat sich manches schon gebessert. Vor allem sind aus allen Untersuchungen, die die Unruhen betreffen, arabische Richter ausgeschaltet worden; auch haben die Behörden zugesagt, daß bei Vernehmungen von Juden soweit als möglich die arabische PoBzel nicht verwendet werden soll. Dadurch ist ein Teil der erschwerenden Umstände behoben, die zentrale Schwierigkeit jedoch besteht weiter. Vor den Richter kommen heute alle Teilnehmer an den Unruhen, ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens. Das wäre an sich ganz gerecht, wem die Lage aller TeUnehpjer die gtekbe wäre. Wir haben JUEDISCHE RUNDSCHAU es aber nicht mit Kriegsgerichten, sondern mit normalen Gerichten zu tun, die jeden Angeklagten so aburteilen, als wenn es sich um normale Zeiten handelte, das heißt Angreifer und Verteidiger können nach dem gleichen Maß gemessen werden. Die Lage der Juden dabei wird aufs äußerste kompliziert durch den jüdischen Selbstschütz, von dem zahlreiche Mitglieder heute wegen Waffentragens oder gar wegen Mordes angeklagt werden. Es zeigt sich also, wenn man die Entwicklung der letzten Wochen übersieht, die folgende geradezu absurde Situation; Die palästinensische Regierung hat sich unfähig gezeigt, einen Teil dercBevölkerung, nämlich die Juden, vor Mord und Brand zu schützen. Sie zwang damit der jüdischen Jugend die Waffe in die Hand, die das tat, was die Regierung hätte tun müssen. Mit dem Moment aber, wo das Militär wieder die Oberhand bekam, und oft noch früher, wurden die Juden entwaffnet und es gab mehr als einen Fall, wo Juden und Engländer zusa innen «ine Kolonie verteidigten und dann die Polizei oder das Militär im Moment, wo der Angriff abgeschlagen war, den Juden die Waffe abverlangte. Dieses Vorgehen hatte das politische Motiv, die Araber zu beruhigen. Der Richter aber behandelt die Fälle nicht unter allgemeinen und politischen Gesichtspunkten, sondern kümmert sich um den Einzelfall und verurteilt für unerlaubtes Waffentragen, wenn nicht für schwerere Vergehen. Ke Regierung aber, die unfähig war, die Juden zu schützen und sie dadurch zwang, zur Waffe zu greifen, tritt in vielen Fällen in Gestalt der Polizei als Zeuge auf. Eine ebenso komplizierte wie gefährliche Situation. Sie wäre vielleicht nicht so gefährlich, wenn man wenigstens jetzt post factum von der Unparteilichkeit der Behörden überzeugt sein kennte. Dann wäre es selbstverständlich, daß der Plünderer und Brandstifter anders beurteilt würde als der Verteidiger. Es muß zwar zugegeben werden, daß die Einsetzung rein englischer Gerichtshöfe von großer Bedeutung ist. Aber man kann und darf auch nicht vergessen, daß die Urteile, die jetzt jeden Tag in Massen gefällt werden, nicht nur das Schicksal einzelner bestimmen, sondern wichtiges Maierial darstellen für die Untersuchungskommission, und damit zu einem wichtigen politischen Faktor werden. Und es besteht die Gefahr, daß die Administration, die daran interessiert sein muß, die Schuld gleichmäßig zu verteilen, zusammen mit der ״unparteiischen Parteilichkeit׳‘ der Gerichte und den Zeugenaussagen der Polizei ein Bild der Ereignisse konstruiert, das keinesfalls der Wahrheit entspricht. Dieser zweite Teil des Kampfes wird hier als eine große Bedrohung empfunden. Man sieht sich einer Maschine gegenüber, die ihre Arbeit tut, ohne rechts und links zu sehen, die die Lage als etwas Gegebenes nimmt und nicht danach fragt, wie sie zustande kam. Und sicher nicht danach fragt, wohin ihre Urteile in den nächsten Monaten oder Jahren führen können. HI. Hat so nach Eintritt der Ruhe im Lande sich die politische Gefahr von außen in ihrer ganzen Größe gezeigt, so daß sich der Jischuw auch heute noch fortgerissen fühlt von Ereignissen, die er nicht meistern kann, so ist auch erst nach Ein* tritt der Ruhe die innere geistige Gefahr des Jischuw erkennbar geworden. Während der Ueherfälje hat die paj&sii* netisiJche Jüdenheit mit ganz geringen Äushahtüen ^ine prächt* ז׳ volle Ruhe und Ueberiegenheit bewiesen, sich von Uebcrtreibungen ferngehalten und dadurch manche Panik und manches größere Unglück vermieden. Heute aber beginnt die berechtigte Empörung, Trauer und Erbitterung Formen anzunehmen, die gefährlich sind und scharf bekämpft werden müssen. Von manchen Teilen des Jischuw, leider auch von einem Teil der Presse werden Anklagen nicht nur gegen diejenigen geschleudert, die für die Unruhen verantwortlich sind, also gegen die Regierung, die arabischen Führer und den durch sie aufgereizten Mob, sondern gegen ״die Araber״ als solche. Erfreulicherweise macht der besonnene Teil des Jischuw und ein Teil der Presse bereits gegen diese unsinnigen und verantwortungslosen Ausbrüche Front, und wir dürfen hoffen, daß wir ihrer bald Herr werden. Ebenso gefährlich aber ist eine Bewegung, die heute fast vom ganzen Jischuw unterstützt wird und mit einer Katastrophe endigen muß: der Versuch eines wirtschaftlichen gegenseitigen Boykotts. Die Losung wurde gleich in den ersten Augusttagen ausgegeben und von vielen befolgt. Es wurden darauf Versuche bei den Juden gemacht, die Versorgung der Bevölkerung mit jüdischen Produkten sicherzustellen, was besonders bei Gemüsen und Früchten, aber auch bei anderen Lebensmitteln auf beträchtliche Schwierigkeiten stieß. Und man kann heute schon sagen, daß dieser Boykott schon nach kurzer Zeit in sich zusammenbrechen muß, weil er wirtschaftlich undurchführbar ist. Schon heute sind manche Produkte nicht mehr zu bekommen und die armen Schichten, die in verschiedenen Lebensmitteln auf arabische Produkte angewiesen sind, einfach weil de billiger sind als die jüdischen, leiden unter dem Boykott. Außerdem macht sich die Oegenbewegung der Araber bereits geltend. Ke jüdischen Geschäfte, die mit arabischer Kundschaft arbeiten, sind betroffen. Und es wird unausbleiblich sein, daß auch die jüdischen Fabriken, die auf den Absatz in den Nachbarländern rechnen müssen, einen Rückschlag erleiden werden, wenn der Boykott aufrechterhalten wird. Aber abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden, der beiden Seiten auf die Dauer aus dieser Maßnahme entstellen muß und der bereits fühlbar wird, ist die gesamte Konzeption absurd und entspringt einer irrigen Geisteshaltung. Es hieße Schuldige und Unschuldige gleichermaßen strafen, wenn man Rache und Vergeltung an allen Arabern dadurch nehmen wollte, daß man alle geschäftlichen Beziehungen mit ihnen abbricht. Und die vielen kleinen Inzidente, die sich täglich abspielen, wenn sich doch ein Araber mit einer Ladung voll Trauben oder Tomaten zu den Juden hereinwagt, um zu verkaufen oder ein Araber bei einem Juden kaufen will, liefern den Beweis für die Verblendung der Geister. Ke Initiatoren dieser Bewegung und der jischuw, der sie stützt, haben die eine große Tatsache vergessen, die heute alle unsere Handlungen in Palästina und im Zionismus zu bestimmen hat: daß wir mit den Arabern zusammen leben müssen, heute und immer; daß wir dieses Zusammenleben erleichtern müssen und nicht noch künstlich die Gegensätze verstärken dürfen; und daß es eine ökonomische Unmöglichkeit ist, in einem Lande nebeneinander zwei Wirtschaften aufzubauen, die keine Beziehungen zueinander haben. Die zweite Phase des Kampfes verlangt ebenso wie die erste und vielleicht in noch stärkerem Maße eine kühle und vorsichtige Behandlung. Wir brauchen alle Energie, um die politischen Gefahren von außen und innen abzuwehren. Bisher hat es sich darum gehandelt, jüdisches Leben und Eigentum zu schützen, jetzt haben wir die ebenso schwere Aufgabe zu lösen, den Boden für die künftige Arbeit vorzubereiten. Eine völlig klare Erkenntnis aller Faktoren ist dazu notwendig und eine vorsichtige und sachliche Behandlung aller Einzelheiten, frei von Fanatismus Und frei von Schlagwortcn. Die Aktion der Jewish Agency in Deutschland Der von den deutschen Mitgliedern in der Jewish Agency gemeinsam mit der Leitung des Deutschen Keren Hajessod erlassene Aufruf, der unter der Devise ״Hilfe durch Aufbau״ zu verstärkter und beschleunigter Förderung des Keren Hajessod als des zentralen Finanzinstrumentes der erweiterten . ewish Agency aufruft, hat in weiten Kreisen des deutschen , udentums Widerhall gefunden. Auch aus Kreisen, die dem Palästinawerk bisher zurückhaltend gegenüberstanden, sind auf Orund dieses Aufrufes namhafte Beträge zur Verfügung gestellt worden. Besonders erfreulich ist, daß eine ganze Anzahl der bisherigen Zeichner des Keren Hajessod — Zionisten und Nichtzionisten — angesichts der Ereignisse in Palästina über ihre regulären Zahlungen hinaus Sonderbeitrige überwiesen haben. in einer großen Anzahl von Orten haben in den letzten Tagen Konferenzen stattgefunden, an denen die Mitg’ieder des Initiativkomitees für die Erweiterung der Jewish Agency in Deutschland und der Keren Hajessod-Komitees teilnahmen, und in denen die Frage der lokalen Durchführung der ״Hilfe durch Aufbau"-Aktion für den Keren Hajessod eingehend erörtert wurde. Ke Keren Hajessod-Kommission bei der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat beschlossen, allen zionistischen Keren Hajessod-Zeichnern nahe zu legen, für die Aktion ״Hilfe durch Aufbau“ als Mindestbeitrag einen Barbetrag In Höhe von 25 0/0 ihres regulären Jahresbeitrages zu überweisen. An größeren Sonderbeiträgen erhielt das Jüdische Palästinawerk (Keren Hajessod) (Bankkonto bei der Deutschen Bank, Berlin W 8, Mauerstraße 35) in den ersten zehn Tagen nach Erscheinen des Aufrufes fünf Beiträge zu 10 OM) Mark, drei Beiträge zu 5000 Mark und eine große Zahl von Beiträgen zu 3000 Mark, 2000 Mark, 1000 Mark, 500 Mark und darunter. Ke Aktion wird energisch fortgesetzt; sie wird auch in Deutschland zu einem vollen Erfolg führen, wenn in dieser entscheidenden Stunde die deutschen Juden — Zionisten und Nichtzionisten — ihre Pflicht tun. Von der Durchführung der Aktion in Deutschland Hamburg. Im Hause des Herrn Max Rosenbaum fand am 11. September eine Sitzung des neutralen Keren Hajessod- Komitees statt, bei der Herr Dr. Rosenblüth über die Ereignisse in Palästina und die Maßnahmen der Jewish Agency Bericht erstattete. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Dr. Buch holz, Dr. Heinemann, Alfred Lißner, Oberlandesgerichtsrat May, Julius Schindler und Dr. Schwabacher, die wertvolle Anregungen für die konkrete Durchführung der Aktion in Hamburg gaben. Eine Reihe von Sonderbeiträgen für die Aktion — darunter je ein Betrag von 10000 Mark, 5000 Mark und 2500 Mark — sind bereits zur Verfügung gestellt worden. Leipzig. In einer Sitzung des neutralen Keren Hajessod- Komitees unter Vorsitz des Herrn Jacob Brombeig wurden die Maßnahmen zur Durchführung der Aktion In Leipzig eingehend erörtert. An der Sitzung nahm auch Herr Chain! E i t i n g o n teil, der sich außerordentlich aktiv an der Durchführung der Arbeit beteiligt und in vorbildlicher und großzügiger Weise einen Sonderbeitrag von 10000 Mark zur Verfügung stellte. _ Emil VanderveMe ln Denlschland Auf Einladung des Präsidiums des deutschen Keren Hajessod werden Emil VanderveId e und seine Gattin in der nächsten Zeit in Nürnberg, Stuttgart, Mannheim, Frankfurt a. M., Kassel und Dresden über das jüdische Palästinawerk sprechen. Ke Gäste treffen Sonntag, den 22. ds. Mts, in Nürnberg ein. Der Vortrag, den Vandervelde Im vorigen Jahre in Berlin gehalten hat, ist noch in lebhafter Erinnerung. Mit leidenschaftlicher Begeisterung hat er sich für das jüdische Werk eingesetzt. Er sieht darin ein Werk der Zivilisation und des Fortschritts, eine menschliche und kulturelle Pionierarbeit ersten Ranges, Insbesondere verbindet dieser alte Führer der sozialistischen Internationale mit der Verwirklichung des jüdischen Nationalheims die Idee der Schaffung neuer Formen sozialen und nationalen Lebens, die für die ganze Menschheit von größter Bedeutung sein können. Vandervelde hat in seinem Buch die jüdische Aufbauarbeit geschildert und seine Meinung über die durch sie entstandenen Probleme dargelegt. Insbesondere wird in diesem Moment die Anschauung Vanderveldes über das jüdisch-arabische Problem, das er für durchaus lösbar hält im Sinne einer Gleichberechtigung der beiden Nationen, besonders interessieren. Ke Zionisten und Palästina־ Freunde in Deutschland begrüßen Vandervelde und seine Gattin auf das herzlichste. Wir sind überzeugt, daß die Städte, die die Gäste besuchen werden, ihnen den gebührenden herzliehen Empfang bereiten werden. Gegen eine Boykottparole Jerusalem, 15. September. (J.T< A.) Prominente j ü - dische Kaufleute Palästinas wandten sich an dieZionistisehe Exekutive mit dem Ersuchen, sofort eine Konferenz einzuberufen, die sich mit der Position des palästinensischen Handels beschäftigen solle. Wie verlautet, soll es das Hauptziei der geplanten Konferenz sein, den Neigungen zu gegenseitigem Boykott von Arabern und Juden entgegenzuwirken, bzw. einen solchen das Land schädigenden Boykott nicht aufkommen zu lassen. Ein moslemischer Postbeamter in Haifa wurde wegen Verbreitung einer Schmähschrift, in der er behauptete, gesehen zu haben, wie Juden einen arabischen Portier ermordet haben, zu sechs Monaten Gefängnis und 50 Pfund Geldbuße verurteilt.