Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 73 (17.9.1929)
- Date
- 1929-09-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 482 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 73, 17. IX. 1929 nicht recht worauf. Das riesige Gebäude, das in seiner Inneneinrichtung noch längst nicht fertig war und für ganz andere Zwecke als die Unterbringung der Flüchtlinge errichtet wurde, ist auf die Aufnahme der großen Menge ,nicht vorbereitet gewesen. Heute ist es schon leerer, weil viele privat untergekommen sind, ein Teil der Kinder abtransportiert wurde. Aber wenn es auch sehr viel Raum gibt, so fehlt es noch immer an den primitivsten Bedürfnissen, an Betten, an Matrauen. Kinder, kleine und größere, sitzen und liegen in den Zimmern, sind auf den Gängen und Treppen. In den kleineren Räumen haben sich einzelne Familien, in großen Sälen mehrere eingerichtet. In den großen Küchenräumen wird da* Essen bereitet. Das Haus ist ein einziges großes Flüchtlingslager. Diese Flüchtlinge aus Hebron, von denen jeder einzelne seine Geschichte hat, zeigen am deutlichsten die Notwendigkeit einer schnellen und gut organisierten Hilfe. Diese Hilfe aber, die heute von den Juden geleistet wird, ist Pflicht und Aufgabe der Regierung, die bis heute so gut wie nichts auf diesem Gebiete getan hat. Es werden jetzt alle Anstrengnngen gemacht, um die Regierung zur Erfüllung dieser ihrer Pflicht zu zwingen. Die Zusamm«nsetzongderUntersnchnogs-Kommission Das britische Kolonialamt teilt mit: Der Staatssekretär für die Kolonien hat die folgenden Mitglieder des hritischcn Perlaments für die Kommission ernannt, die sieh unter der Fflhrung von Sir Walter Shaw nach Palästina zur Unter- Buchung der dortigen Ereignisse begibt: Sir Henry B. Bqtterson, lt. Hop k in, Morris Henry Stiel I; Sekretär der Kommission wird Herr Lloyd vom Kolonialamt sein. Aufgaben der Kommission sind, die Ursachen, die unmitlelhar zu dem jüngsten Aufruhr in Palästina den Anstoß gaben, zu untersuchen, Vorschläge zu machen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um eine Wiederholung ähnlicher Unruhen zu vermeiden. Der Zeitpunkt der Abreise der Konimissäon steht noch nicht definitiv fest, doch nimmt man an, daß sie sich Ende September oder Anfang Oktober an ihren Bestimmungsort begeben wird. Der Schadenersatz Es verlaufet in Jerusalem, daß Oherkomntissär Chan* «eilor von» Kolonienminlateriam in London Vollmacht für die Palästina-Regierung verlangt habe, in allen Fällen, die zu berücksichtigen sind, vollen Schadenersatz zu leisten- Seltene der Palästina-Regierung Ist bereits eine An׳ kündigung erschienen, in der sie sich einverstanden erklärt, Geschädigten Vorschüsse «ul Schadenvergütung auszuzahlcn. Das Gesundheitsdepartement in Jerusalem hat Lebensmittel für die jüdischen Flüchtlinge zur Verfügung gestellt- Diese Lebensmittel werden von jüdisehen fülfageselisehaften zur Verteilung gebracht. Ferner sind Maßnahmen ergriffen worden, um den Rücktransport der Flüchtlinge in ihre Wohnstätten in die Wege zu leiten. Die Regierung streicht die Sehnlden Tel-Awlws Die Stadtverwaltung von Tel-Awlw hat von der Palästina• Regierung die offizielle Mitteilung erhalten, daß diese heschlossen habe, der Stadt Tel-Awiw die Schuld von 75 000 Pfund vollständig zu erlassen. Der gegenwärtig in London weilende Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizcngoff, erklärte, daß nunmehr, nachdem die Regierung auf die Rückzahlung ihrer Anleihe von 75 000 Pfund verzichtet habe, die Stadt eine rasche Entwicklung werde nehmen künnen■ Die Lage in Palästina Der Freitag. — Waffenschmuggel. — Moratorium. Jerusalem, 14. September. (J. T. A■) Der Freitag, 13. September, der vierte moslemische Wochenfejertag seit Beginn der Unruhen, ist in Jerusalem ohne Zwischenfall verlaufen. In den Moscheen wurden die traditionellen Freitags-Gottesdienste abgehalten. Es hatten sich aus Jerusalem und den umliegenden Dörfern insgesamt etwa 4000 Beter ejngefunden, statt 20 000 Beter an dem kritischen 23. August. Auf den Wegen, die nach Jerusalem führten, standen Posten, die alle Außenseiter nach Waffen durchsuchten. 24 Araber aus den Dörfern, die an die jüdische Kwuzah Hulda grenzen, und eine Anzahl Araber aus einem an die jüdlsche Kolonie Kastiniah grenzenden Dorf, bei denen in Hulda und in Kastiniah erbeutete Gegenstände gefunden wurden, wurden zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Suche nach Schußwaffen wird, wie die arabische Zeitung ״Felestine“ berichtet, intensiv fortgesetzt. Gestern beschlagnahmte die Polizei eine ganze Wagenladung Mehl- Säcke, bei deren Untersuchung es sich herausstellte, daß sie zahlreiche Schußwaffen und viel Munition enthielten. Das Regierungsorgan veröffentlicht eine Verordnung, wo* nach für Wechsel und Schuldscheine, die wahrend der Unruhezeit fällig wurden, ein Zahlungsaufschub (Moratorium) bis 26. September in Jerusalem und bis 22. Oktober in Hebron festgesetzt wird. Arabtr neps den (iroßmnlti Jerusalem, 13. September. (J. T. A.) Arabische Führer wandten sich an die Regierung mit dem Ersuchen, den Qroßmulti von Jerusalem, der nach ihrer Meinung die Schuld an der jüngsten Katastrophe in Palästina trägt, zur Vera ntwortung zu ziehen, Die in Jaffa erscheinende arabische Zeitung ״Etakdan“ teilt mit, daß die Notabein des großen Dorfes Agour in der N|he von Hebron eine Versammlung einberufen haben, die sich zu einer Entrüstungskundgebunggegen den Qroßmuft», Hadsch Emir» Hussein», gestaltete und ln der alle Anwesenden eine Erklärung Unterzeichneten, wonach da« Blutbad in Hebron auf die Agitation des Großmufti zurückzuführen sei. ״Elakdan“ meldet weiter, daß andere arabisch® Notabein durch die Dörfer ziehen und Unterschriften gegen den Jerusalemer Großmufti sammeln. Die Zeitung ״Elakdan“, die der Gesinnung nach nationalistiseh ist, äußert sich in Worten tiefster Entrüstung gegen die Notabein, die gegen Hussein» auftreten, und nennt sie sowie die Teilnehmer an der Versammlung in Hebron und alle, die die Entrüstungskundgebung gegen den Großmufti Unterzeichneten, Verräter an der arabischen Sache und Sklaven der Zionisten. New York, 13. September. (J.T.A.) Der ״Palestine Emergency Fund“ (Nothilfsfonds für Palästina) hat bis heute in den Vereinigten Staaten 800 000 Dollar aufgebracht. Die Smmlungen werden intensiv fortgesetzt. Zu den Ereignissen in PftlSititift Sitzung der deutschen Mitglieder der Jewish Agency und de• Präsidiums des deutschen Keren Hajessod Wir erhalten folgendes Comtnutüque: Auf Einladung von Herrn Direktor Oscar Wassermann fand am Sonntag, dem 15, September, in Berlin im Hotel ״Der Kaiserhof“ eine vereinigte Sitzung der dcutscheta Mitglieder in der Jewish Agency und des Präsidium# des deutschen Keren Hajessod statt, an der folgende Herren teilnahmen: Rabb. Dr. Baeck, Dr. Aron Barth, Alfred Berget, Professor Georg Bernhard, Dr. Bileski, Justizrat Dr. Blau (Frankfurt a. M.), Kurt Blumenfeld, Dr. Friedrich Brodnitz, Rechtsanwalt Gronemann, Dr. Georg Haipern, (Hamburg), Dr. Sali! Hirsch, Berthold Israel, Dr. Bernhard Kahn, Generalkonsul Eugen Landau, Professor Carl Lewin, Dr. Georg Lubinsky, Fritz Naphtali, Dr, Martin Rosenblüth, Dr. Hugo Schachtel (Breslau), Julius Schindler (Hamburg), Leo Simon, Dr. M, S 010we i ts c hi k, Alfred Leonhard Tief* (Köln), Dr. Ludwig TI etz, Frau Margarete Ti e t z (Köln), Rabb. Dr. Unna (Mannheim), Josef Wahl, Dr. Oscar Wolfsberg. Als Gäste die Herren: Willi David, Rechtsanwalt Wolff (Breslau), Dr. Helfmann (Jerusalem). Den Vorsitz führte Direktor Oscar Wassermann, der die Sitzung mit einem Nachruf auf Louis Marshali eröffnete und die Ermächtigung erbat, folgendes Kondolenztelegramm an den Sohn des Verstorbenen zu richten: ״Dia deuUcben Delogierlen rur Jowinli Aganoy und da* ■Prl־ fiflium des «kutschen Kenn ILijewod, tu einer Sitiursg vereinigt, geben ihrem tiefen Schmer? über das Hin scheiden Ihre« Vater* Ausdruck. Sio verehrten in diesen! hervorragenden jüdischen Führer besonders den erster! Präsidenten dos Council der Jewish Agepcy. Da 05 ihm nicht mehr vergönnt war, die Agency zum Ziele «1 führen, wollen sie um so mehr Ihres seligen Vaters Absichten durch Tatwitlen und Beharrlichkeit zu erreichen suchen. Im Aufträge: Oscar Wassermann." Herr Wassermann berichtete über die konstituierende Tagung des Councils der Jewish Agency in Zürich und über die letzten Ereignisse in Palästina, Sein Referat wurde durch einen kurzen Bericht von Herrn Blumenfeld über die Londoner Tagung des Administratjv-Komitees der Jewish Agency und des Zionistischen Aktions-Comites ergänzt, Im Anschluß an diese Berichte und an ein von den Frankfurter Mitgliedern der Jewish Agency und des Initiativ-Komitees an die Tagung gerichtetes Schreiben, in welchem eine Verstärkung der auf Frieden und Verständigung mit der arabischen Bevölkerung in Palästina gerichtete Politik der Jewish Agency verlangt wird, fand eine sehr eingehende Aussprache über die politische Situation statt, an der sich die Herren Dr. Solo־ weitsehik, Fritz Naphtali, Professor Georg Bern־ hard, Dr. Oscar Wolfsberg, Justizrat Blau, Rabb. Dr. Unna, Rabb, Dr, Baeck, Alfred T i e t z, Dr, Georg Hai־ pern, Dr. Aron Barth und Dr. Bileski beteiligten. Es wurde beschlossen, das Protokoll über diese Aus־ spräche an die Zentralinstanzen der Jewish Agency in London m «enden. ־•׳: ■ ׳ Sodann berichtete Herr Dr. Marti« RosftttblütbÜber die Maßnahmen der Jewish Agency und des Keren Hajessod in Deutschland und über die Arbeitspläne für die nächsten Wochen, An der Aussprache beteiligten sich die Herren Dr. Friedrich Brodnitz, Leo Simon, Alfred Tjetz, Rechts־ anwait Wolff und Frau Margarete Ti etz. Die Tagung, deren Debatten auf einem außerordentlich hohen Niveau standen, machte auf alle Teilnehmer einen tiefen und nachhaltigen Eindruck. Es wurde beschlossen, in einigen Wochen eine zweite Konferenz — eventuell in etwas erweitertem Rahmen — einztiberufen, die insbesondere der Erörterung der Frage der arabisch-jüdische« Beziehungen in Palästina dienen soll, Silznog des Board 0! Deputier London, 10. September. (J.T.A.) Der Jewish Board of Deputies (Vertretersehaft der englisch-jüdischen Gemeinden) hielt eine außerordentliche Sitzung ab, die ausschließlich den Ereignissen in Palästina gewidmet war. Es wurde auf Antrag des Präsidenten Herrn d'Avigdor Goldsmtd eine Resolution angenommen, die besagt: ״Der Board of Deputies stimmt der Proklamation de« Oberkommissars, Sir John Charcellor, der die brutalen Verbrechen blutdürstiger Horden verdammte, za und spricht gleichseitig die Hoffnung aus, daß dis britische Regierung die Ruhe wiederherstellen und jenen Verbrechen, die nach den Worten Chancellors den Fluch aller zivilisierten Völker der Welt auf die Verbrecher geladen haben, ein Ende machen wird. Der Board nimmt mit Befriedigung das Statement des Kolonialministeriums über die Politik des Festhai• tens an der Balfour-Deklaration von 1917 und an dem Nationalheim für das jüdische Volk zur Kenntnis und fordert von der Regierung, daß sofort Schritte unternommen werden, daß die Politik des Jüdischen Nationalheims das Hauptprinsig d©r Administration in Palästina werden soll. Alle diejenigen Beamten, die sich gleichgültig gegenüber der Po* litik des Mandates verhalten, und zu den jüngsten Geschehnissen beigetragen haben, müssen von ihren Aemtern entfernt werden. Es sollen Schritte unternommen werden, um die Rechte der Juden, an der Klagemauer zu beten, sicherzustellen. Alle Schuldigen sollen der Strafe zugeführt und Schadenersatz soll geleistet werden. Der Board of Deputies erklärt, daß die Ge* schehnisse in Palästina in keiner Weise die von ihm befolgte Politik der* unentwegten Unterstützung der Jewish Agency! die die Aufgabe hat, das Jüdische aNtionalheim in Palästina aufzurichten, berührt י- Der Board beschließt, die obige Reaolution dem Ministerpräsidenten, dem Minister für die Kolonien, und den Mitgliedern des Parlaments zu übermitteln•“ ״Ooar Hajom“ konl!zlert l Jerusalem, 13, September. (J,T.A.) In der Nacht von Donnerstag zu Freitag erschien der Gouverneur von Jerusalem, Major Keith Roach, in Begleitung einer großen Polfzeieskorte im Hause der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung ״Doar Hajom“, veranlage eine eingehende Untersuchung der ganzen Betriebsanlage und beschlagnahmte alle Exemplare der eben fertig gewordenen Freitag-Ausgabe der Zeitung. Er ließ dann das Haus durch Wachen besetzen. Schon während des Donners* tags war in Jerusalem das Gerücht im Umlaut, daß die Behörden gegen ״Daar Hajom“ wegen eines in dieser Zeitung erschicneuen Gedichtes von Reubeni vorzugehen gedenken. Der Tod Marshalls Zürich, 13. September. (J.T.A.) Die Leiche Louis Marshalls wurde im Anatomie-Institut einbaisamiert und dann nach dem Friedhof Friesenberg überführt. Auf Grund des etzten Wunsches Marshalls finden die Transporte ohne jede -eferlichkeit statt. Der Ueberfülirung auf den Friedhof wohnten Vertreter der Kultusgemeinde Zürich und de* schweizerischen Zionistenverbandes bei. Die Züricher Judenschaft stellt für Tag und Nacht die Ehrenwache an Marshalls Bahre. Den Transport der Leiche nach Amerika werden alle hier anwesenden Familienmitglieder begleiten. Wegen Uebcrfüliuug der in den nächsten Tagen abgehenden Dampfer ist es nicht möglich, den Zeitpunkt der Ueberführung genau anzugeben. Die Schweizer Presse bringt eingehende Aufsätze über Marshalls Persönlichkeit und Lebenslauf. Präsident Hoover übergab der J. T. A. eine Bot- Schaft zum Tode Louis Marshalls, in der es heißt: ״Ich bin tief betrübt über den Hingang meines Freundes Louis Vlarahall. Seine eminenten Verdienste um das Recht, um die Regierung der Vereinigten Staaten, um die Versöhnung der verschiedenen Teile der Bevölkerung, um das allgemeine Wohlfahrtswesen, werden unvergessen bleiben, da sie von dauerndem Wert für unsere Staaten sind. Seine jüdischen Brüder werden noch lange seiner erfolgreichen Tätigkeit im Dienste der Förderung der gegenseitigen Achtung und der Freundschaft unter den Rassen gedenken. Vor allem aber werden wir ihn im Gedächtnis behalten als einen liebenswerten Menschen und treuen Freund.“ — Auch Bürgermeister von New York, James Walke r, äußerte seine Wertschätzung des Verstorbenen. Präsident Hoover sandte an James Marshall, den Sohn Louis Marshalls, ein Beileidstelegramm. Bei der Familie Marshall sind bis zum 13. September vormittags nahezu 1000 Beileidstelegramme aus allen Ländern der Welt eingelaufen. Aus New York wird telegraphiert, daß das American Jewish Committee, dessen Begründer und Präsident Louis Marshall war, eine spezielle Trauersitzung abgehalten hat. Jerusalem, 12. September. (J.T.A.) Das Ableben Marshalls hat in der Judenheit Palästinas Trauer hervorgerufen. Als Ausdruck der Trauer hielt die Zionlstisehe Exekutive ihre Büros bis mittags geschlossen. Die Exekutive sandte Beileidskundgebungen an Felix M. Warburg nach New York und an Marshalls Familie. We Trauerkundgebnng des A.-C. In der Londoner Sitzung des Aktions-Comitls der Zionistischen Organisation und des Administrative Committee der Jewish Agency hielt beim Eintreffen der Trauerkunde Präsidept Leo Motzk i n dem verstorbenen Präsidenten des Council der Jewish Agency — während sich die Versammelten zum Zeichen der Trauer erhoben — «inen tiefempfundenen Nachruf. Die Sitzung wurde zum Zeichen der Trauer für 10 Minuten unterbrochen. Um eine Ucbersehrltt In der letzten Nummer der ״C.־ V.-Zeltung“ kommt L. H. auf die von den deutschen Mitgliedern der jewish Agency in Berlin veranstaltete Kundgebung anläßlich der Erelgnisse in Palästina zu sprechen und wendet sich mit großer Schärfe gegen die Uebersehrlft, unter der der erste Bericht über diese Veranstaltung in der ״Jüdischen Rundschau“ erschienen ist. Die Veranstaltung wurde dort bezeichnet als ״Alljüdische Kundgebung“. L. H. erblickt in dieser Bezcichnung einen Versuch, in Anlehnung an gewisse deutschvölkische Terminologien die Veranstaltung zu einer besonders nationalistischen zu stempeln und verwahrt sieh dagegen, daß die nichtzionistischen Mitglieder der Agency durch solche zicnigtische Veröffentlichungen in eine unangenehme Situation gebracht werden. Es liegt hier ein bedauerliches Mißverstandnis vor. Das Wort ״alljüdisch“ sollte in dem Zusammenhang, in dem es gebraucht wurde, nichts von der von L. H. hineingedeuteten Nebenbedeutung haben, sondern das gerade Gegenteil ausdrückett. Es sollte gesagt werden, daß die Kundgebtrng nicht zionistisch, sondern allgemein jüdisch war. Für die neue, durch die Agency geschaffene Gruppierung gibt es noch kein Adjektivum. Das Wort ״allgemein jüdisch“ ist nicht sehr schön, und das Wort ״nichtzionistisch“ besagt nur etwas Negatives, zumal in» vorliegenden Fall etwas Unrichtiges, da es sich um eine gemeinsame Veranstaltung handelt. Das Wort ״alljüdisch“ wurde vor mehr als fünfzehn Jahren von Nathan Birnbaum und Fritz Mordechal Kaufmann geprägt und sollte einen Gegensatz zum Zionismus bezeichnen. Für die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ hat das Wort ״alljüdisch“ nicht einen nationalistischen Sinn, sondern das Gegenteil: Für uns bedeutet ״zionistisch“ die Anschauung, die eine jüdisch-nationale Gesinnung mitumfaßt; demgegenüber ist ״alljüdisch“ der blässere Ausdruck, nämlich die Bezeichnung einer Gruppe, die auch die nichtnationalen Juden umfaßt. Wir legen Wert au! diese Aufklärung, wobei wir noch hinzufügen, daß wir nicht anstehen, die von L H. bemängelte Ueberschrift als einen Fehlgriff anzuerkennen, falls wirklich jemand auf den Gedanken kommen konnte, darin Anklinge an das zu suchen, was sich völkische Antisemiten unter ״Alljuda“ vorstellen. Eli grauenhattes Schauspiel Die englische Presse ist voll von Berichten über die Exhutnierung der jüdischen Opfer in Hebron, die ap» 11. d. Mts. dort vorgenommen wurde. Die Exhumierung hat den Zweck, featzustellen, ob Verstümmelungen der Leiehen vorgekommen sind• Außerdem erfolgt sie auf Verlangen des Rabblnats, weil bei der Beerdigung nicht alle religiösen Vor- Schriften beachtet worden seien- Die Exhumierung wird geleitet von einer ärztlichen Kommission, bestehend aus drei judisehen, drei moslemischen und drei britischen Aerrten. Sobald der jüdische Teil der Kommission Spuren von Quälerei feststellt, wird der moslemische Teil zur Beurteilung herangezogen, und nur im Fall von Meinungsverschiedenheiten haben auch die br|- tischen Aerzte noch ihr Urteil abzugeben. Die bei der Exhumierung Beteiligten tragen Gasmasken, Die Resultate der grauslgen Prozedur sind noch nicht bekannt Wie Reuter meldet, ist Vizemarschall Dowding in Jerusalem eingetroffen und hat das Kommando der britischen Streitkräfte übernommen. Englische Blätter bemerken, es sei das erstemai, daß ein Offizier der Fliegertruppe ein Kommando über eine gemischte Truppe erhalte, Rabbi Epstein, der Leiter der ״Slabodkaer Jeschi- \vah“ in Hebron, die durch die Araber vernichtet wurde, teilte dem J.T.A.־Vertreter mit, daß die Jeschiwab bi Jeru־ «den wiedä astchen «414