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Jüdische Rundschau · 1929-09-13 · Heft 72 (13.9.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 72 (13.9.1929)
Date
1929-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 72, 13• IX. 1929 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 473 Politische Aussprache im A.-C (Offizielles Communiqud.) lieber die Sitzung des Aktions-Comitös, die vertraulich erklärt wurde, wurden bisher eine Reihe von Comtnuniqufe ausgegeben, deren erstes wir bereits in der vorigen Nummer abgedruckt haben. Dem Communique ist weiter zu entnehmen, daB F r e 11 ag nachmittag eine Sitzung stattfand, bei welcher Mr. Marks und Lipsky über die Schaffung des Hilfsfonds berichtreten. Die Tatsachen, soweit sie in den Commuiqufo mitgeteilt werden, sind der Oeffentlichkeit bereits aus der Presse bekannt. Die Sitzung hat ein Komitee eingesetzt, welches dem A.-C. sowie dem Aaministrativ-Komitee der Agency auf einer gemeinsamen Sitzung Bericht erstatten solL Sonnabend abend berichtete Prof. Brodetsky über die politische Situation und die Vorschläge der Exekutive. Es wurde ferner ein Telegramm von Dr. Weizmann aus Genf verlesen, worin mitgeteilt wird, daß er Unterredungen mit MacDonald, Henderson, Briand, Stresemann und anderen Mitgliedern des Völkerbundrates gehabt hat und daß er Montag früh nach London zurückkehrt. Sonntagvormittag fand eine Sitzung des A.-C. (ohne Administrativ-Komitee der Agency) statt, in welcher das Mitglied des Misrachi Gedaljah Bubli ck (New York), der gerade aus Palästina zurückkam, über die Vorgänge in Palästina berichtete. Am Sonntagabend fand wieder eine gemeinsame Sitzung des A.-C. und des Administrativ-Komitees statt. Zu dieser Sitzung sind außer den bereits in unserer vorigen Nummer angeführten Mitgliedern noch die folgenden Herren eingetroffen: So ko low, Dr. Viktor Jakobson, die beide direkt aus Genf kamen, ferner N a j d i c z und Dr. F i 1 d e r ־ mann (der Führer der rumänischen Nichtzionisten in der Agency). In dieser Sitzung referierte Kaplansky über die Probleme des Palästina-Hilfefonds. In der langen Debatte wurde betont, daß das Programm der konstruktiven Arbeit aufrechterhalten werden muß und daß daher alle Maßnahmen bezüglich des Hilfsfonds nur getroffen werden können unter Berücksichtigung der Tätigkeit des Keren Hajessod und Keren Kajemeth. Eine Subkommission, bestehend aus den Herren Dr. Feiwe 1, Kurt Blumenfeld und Leo Herrmann wurde eingesetzt, um der Konferenz Vorschläge zu machen und einen Aufruf an die Juden der Welt zu entwerfen. Ueber die Sitzung vom Montag berichtet das Communiqud wie folgt: In der gemeinsamen Sitzung des Aktions-Comites der Zionistischen Organisation und des Administrative Committees der Jewish Agency erstattete der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann Bericht über die von ihm jüngst in Genf mit verschiedenen Staatsmännern gepflogenen Unterredungen, besonders über seine Zusammenkunft mit dem britischen Minister für Auswärtige Angelegenheiten Henderson, dem französischen Premier Briand, und gab im Anschluß an seinen Bericht die folgende Erklärung ab: Vertrauen zur britischen Regierung und zura britischen Volk muß auch weiterhin die Basis der Politik der Zionistischen Organisation sein; es muß aber alles getan werden, daß dieses Vertrauen durch die Tatsachen seine volle Rechtfertigung findet. Die Pflicht gebietet es, fuhr Dr. Weizmann fort, dem britischen Volke verständlich zu machen, daß durch den erfolgreichen Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina, den zu erleichtern Großbritannien sich feierlich verpflichtet hat, seinen eigenen Intermen gedient wird. Leider sind feierliche Versprechungen, die ttrder Form won Artikeln im Palästinaraanaat gemacht worden sind, noch unerfüllt geblieben, und es sei hoch an der Zeit, daB sie erfüllt werden. Wir haben unsere Arbeit energisch, aber friedlich, mit allen uns von den Juden der ganzen Welt zur Verfügung gestellten Mitteln durchgeführt, und der Erfolg unserer Bemühungen in Palästina hat es bewirkt, daß viele, die früher unserer Bewegung kritisch oder gar feindlich gegenüberstanden, Freunde unseres Werkes wurden. Die auf eine Verständigung mit den Arabern hin* zielende zionistische Politik sollte unverändert bleiben; es soll nach dieser Richtung hin jede mögliche Anstrenfu n g gemacht werden, sobald eine Satisfaktion im Zusammenang mit den jüngsten Ausschreitungen erlangt worden sei. Die politischen Ausführungen Dr. Weizmanas wurden von Nahum Sokolow nach der Richtung ergänzt, daß er Wert darauf legte, zu betonen, daß das zionistische Werk in Palästina nicht nur durch die Balfour-Deklaration, sondern auch durch verschiedentliche Deklarationen ähnlichen Inhalts, abgegeben von den Regierungen während des Krieges oder unmittelbar nach dem Kriege, aie Sanktion erhalten hat. Neuerdings haben Staaten wie Polen, Rumänien und Südafrika in Deklarationen ihrer Sympathie mit den zionistischen Bestrebungen Ausdruck gegeben. Auf diese Weise beruht unsere Arbeit in Palästina auf einer internationalen Bürgschaft. Diese Tatsache muß der ganzen Welt eindringlich vor Augen geführt werden. Den jüngsten Aufruhr in Palästina betrachtet Sokolow als eine Revolte gegen die britische Regierung, um diese Regierung zu zwingen, ihre Palästina-Politik zu ändern. Die zwei großen Probleme, mit denen wir uns zu befassen haben, sind: Lösung desarabischenProblems und A u f b r i njf u n g entsprechender Fonds für Einwanderung und wiederaufbau. Man muß die arabisch-jüdische Frage, die schon vorher bestand, nicht verquicken mit den jüngsten Scheußlichkeiten und Massaker, die das Ergebnis verleumderischer Agitation sind. Zwischen der arabisch-jüdischen Frage und der Barbarei von Hebron besteht kein direkter Zusammenhang. Wir müssen alles Mögliche tun, damit in Zukunft keine Möglichkeit für Ausschreitungen gegeben sein soll, und wir müssen ferner versuchen, bei der nächstmöglichen Gelegenheit uns mit den Arabern zu verständigen. Es sei absurd, von der Möglichkeit einer Aenderung in der Verwaltung des Mandates für Palästina zu reden. Dr. Victor Jacobson teilte mit, daß Herr Procope, der Berichterstatter über Palästina im Völkerbund, ihm gesagt habe, die Mandatskommission erwarte, daß ihr ein vollständiger Berieht der Untersuchungskommission für Palästina unterbreitet werde. Die Lösungdes arabischenProblems, fuhr Dr. Jacobson fort, sei die dringendste der politischen Aufgaben. Er empfahl verschiedene Maßnahmen zur Aufklärung der öffentliehen Meinung über Leistungen und Ziele des Jüdischen Nationalheims. An die politischen Referate knüpfte sich eine allgemeine Aussprache, die den Rest der Sitzung von Montag und die Sitzungen vom Dienstag ausfüllte. Arbeiteraangel im Emek Jerusalem, 9. September. (J.T.A.) Aus den jüdischen Siedlungen des Emek Jesreel treffen Appelle ein, daß man ihnen Arbeiter senden solle, da ein Teil der Kolonisten Wachdienst tun muß und darum die Ernte- und Feldarbeit vemachlässigt wird. Die Zionistische Exekutive hat Anstalten getroffen, um schnell Arbeitskräfte nach den Emek-Siedlungen zu entsenden. Der Jisdiuw an den High Commissioner Jerusalem, 8■ September. (J. T. A.) Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas), Hauptrabbinat und A g u d a s Jisroel in Palästina haben gemeinsam dem Ober- Kommissar Sir John Chancellor ein Memorandum unterbreitet, worin folgende Punkte dargelegt werden: 1. Seit langer Zeit wird eine offene und eine verborgene Propaganda in diesem Lande betrieben, in der zu Angriffen gegen die Juden, die einer Arbeit des Friedens und des Aufbaues obliegen, gehetzt wird. Diese Propaganda hat sich vor den Augen der Regierung abgespielt und wurde von einer gut organisierten Behörde geleitet; die Regierung aber hat nichts getan, um diese gefährliche Propaganda zu hemmen und ihre Folgen zu verhindern. Diese eigentümliche Gleichgültigkeit seitens einer modernen und starken Regierung, die, wenn sie will, ihre Macht zu gebrauchen weiß, stärkt in uns die Ueberzeugung, daß sich in Regierungskreisen Elemente befinden, die an einer solchen Propaganda interessiert sind, sowie auch daran, einen Zwiespalt zwischen den dieses Land bewohnenden Völkern hervorzurufen. 2. Seit dem Skandal an der Klagemauer am Versöhnungstage des letzten Jahres, der die Empörung der gesamten jüdischen Welt erregt hat, haben wir immer wieder die Regierung vor der den Frieden des Landes bedrohenden Gefahr gewarnt. Die Haltung des Ignorierens und der Be- Ieidigung gegenüber den Juden hat den Mut des Beleidigers gestärkt. Die Regierung erhöhte und beschleunigte die Gefahr, als sie die Erlaubnis erteilte, Bauarbeiten an der Klagemauer auszuführen und dann wieder erlaubte, eine neue Tür zu öffnen, die den Platz vor der Mauer zu einem öffentlichen Verkehrsweg machte. 3. Die Regierung hat nicht das geringste getan, — weder vor, noch nach den Ereignissen, noch bis zu diesem Tage — um öffentlich den Verleumdungen entgegenzutreten, die die Unruhestifter unter der arabischen Bevölkerung verbreiteten, und um der Wahrheit über die Haltung des Friedens und Respekts, die der Jischuw stets gegenüber dem arabischen Volke und ihren heiligen Stätten bekundet hat, zum Durchbruch zu verhelfen. 4. Die Regierung hat vor dem Ausbruch Maßnahmen getroffen, die den Moslems das Recht gaben, zu glauben, daß die Regierung auf Ihrer Seite steht, ihre Verdächtigungen teilt und ihre Bewegung unterstützt. Die Regierung gestattete eine Kundgebung der Moslems an der Klagemauer, als ob es in Wirklichkeit Juden gäbe, die sich mit dem Gedanken tragen, die Omar-Moschee anzugreifen. Die Regierung gab ein offizielles Statement heraus, in denen die Massendemonstration der Araber an der Stätte der jüdischen Andacht auf eine Stufe gestellt wurde mit der Kundgebung einiger hundert junger Juden am neunten Aw, dem nationalen Trauertag der luden. Wähernd die jüdische Kundgebung nicht eine einzige Person belästigte, hat die Demonstration der Moslems die religiöse Stätte der Juden entweiht, indem die Juden terrorisiert, Gebetbücher verbrannt und religiöse Utensilien vernichtet wurden. Kein einziger Moslem wurde wegen dieser strafbaren Handlungen testgenommen; die Regierung machte in ihrem offiziellen Statement den Versuch, diese Handlungen zu entschuldigen und ihre Bedeutung hcrabzumindem. 5. In den ersten Tagen der blutigen Ereignisse war der ganze angegriffene Jischuw ohne jeden Schutz seitens der Regierung. Meist kam die Polizei zu spät, in vielen Fällen war sie passiver Zuschauer und mischte sich nicht ein. Auf alle Warnungen des Jischuw, auf jeden Hilferuf hatte die Regierung nur die eine, Antwort: Wir beherrschen jetzt die.. Lage. ■׳. ׳־״־•'.״ -• -:•■■׳״ : ׳ . ׳ 6. Wir haben jetzt das Gefühl, daß, wenn drastischere Maßnahmen angewandt worden wären, es möglich gewesen wäre, den blutigen Aufruhr sofort einzudätqmen. An dem berühmten Freitag, dem 23. August, hat die Regierung solche Maßnahmen nicht ergriffen. Der Aufruhr in Jerusalem hatte zu .Anfang nur den Charakter eines lokalen Zwischenfalls, als ob man herausbekommen wollte, wie die Haltung der Regierung gegen die Angreifer sein würde. Nach dem Freitag-Gebet in der Moschee, als die Beter den Ort ihrer Andacht verließen, fingen sie mit isolierten Handlungen gegen Juden an, dann erst gingen sie zu Schießereien, Messerstechereien, Steinbombardements, Fenstereinschlagen, Ueberfällen auf einzelne Juden über. Die Regierungtat nichts, um den Angegriffenen Schutz zu gewähren. Einige wenige englische und arabische Polizisten, mit Knüppeln bewaffnet, standen Posten. Die wenigen Maschinengewehre, die in den Straßen verteilt waren, wurden nicht einmal angewendet, um die Angreifer abzuschrecken. Die Polizei unternahm nichts, um die Rädelsführer zurückzudrängen. Nichts wurde unternommen, um den ersten Angriffen zu begegnen; die Massen der Angreifer zogen daraus sofort den Schluß, daß, wenn sie einen ernsthaften Pogrom machen, auf der Seite der Regierung eine Gegenaktion nicht unternommen werden wird. 7. Die Juden selbst unternahmen zu ihrem Schutze, was sie konnten, sie drängten die ersten Angreifer aus eigener Kraft zurück oder indem sie ihre Bereitschaft zur Selbstauf- Opferung kundtaten;. Die ersten Angriffe wurden in den folgenden Plätzen unternommen: Altstadt, Romema, Mea Schearim, Nachlath Achim, Rechawja, Talpijoth, Yemin Mosche, Sanhedria, Machanajim, Bajith Wegan, Beth Hakerem, Montefiore, Giwath Schaul, Sch’chunath Hagurdim. Die Regierung dachte nicht daran, rechtzeitig Hilfe zu schicken, sie schützte nicht einmal das Diskin-Waisenhaus, wo 300 Kinder der Gefahr ausgesetzt waren, abgeschlachtet zu werden. Die Kinder konnten nur durch die jüdische Bewohnerschaff der benachbarten Siedlungen gerettet werden. 8. Am Sonnabend, 6 Uhr vormittags, wurden in allen Stadtteilen gleichzeitig Schüsse vernommen. Der Angriff war darauf gerichtet, Kirjath Anawim, das Erholungsheim Motza, Attaroth und alle anderen Siedlungen um Jerusalem zu zerstören. In Talpijoth wurden mehrere Häuser geplündert, ebenso in Mekor Chajim, Bajith Wegan und Newej Schaanan; es wurde auch versucht, diese Siedlungen niederzubrennen. Die Stadt Jerusalem wurde hauptsächlich durch die heroische Haltung der Juden gerettet; ohne diesen Heroismus hätten wir in Jerusalem ein gleiches Massaker gehabt, wie in Hebron und in Safed. Bei dieser Gelegenheit soll den Oxforder Studenten und einigen britischen Beamten, die sich freiwillig der angegriffenen Juden annahmen, und die Verteidigung mit Aufopferung führten, Dank und Segen ausgesprochen werden. Aber nicht alle Siedlungen waren in der Lage, selbst ihre Verteidigung in die Hände zu nehmen. Einige wurden geräumt wie z. B. Bajith Wegan. Die Arbeiterinmen-Siedlung in der Nähe des neuen Palastes des Oberkommissars wurde geplündert und zerstört; die Bewohnerinnen der Siedlung kämpften so lange, bis sie ihre Kräfte verließen und sie ihre Siedlung verlassen mußten, wodurch der Weg zu Talpijoth den plündernden Banden geöffnet wurde. Die Dreistigkeit der Angreifer nahm immer mehr zu, sie erweiterten das Feld ihrer Tätigkeit. Infolge des Mangels einer energischen Aktions seitens der Regierrung breiteten sich die Banden von Jerusalem aus über alle Teile des Landes. 0. Die Regierung ließ es zu, daß die Angriffe fort- Besetzt werden, und unternahm während aller dieser aten nicht tuen einzigen ernsthaften Versuch zum Schutze unseres Lebens und unseres Eigentums, noch wurden jene, die uns angritfen, irgendeiner Strafe zugeführt. Es wurden keinerlei Schritte unternommen, um das Hab und Gut der Juden zu schützen. Die Regierung hat keine einzige Verhaftung■ vorgenommen, noch auch einen derjenigen, die die Haupt Verantwortung für das Blutvergießen und die Zerstörung von jüdischcmBesitz in den verschiedenen Zentren getragen haben, dem Gericht übergeben. Es kann kein Zweitel darüber herrschen, daß die Regierungsbeamten für all das verantwortlich sind, trotzdem sind sie noch immer nicht ihrer Aemter enthoben und dem Arm der Gerechtigkeit ausgeüefert worden. 10. Die Schuld der Beamten ist außerordentlich schwer, wenn man im besonderen die Abschiachtung der Juden in Hebron in Betracht zieht. Am Freitag zogen Scharen von Arabern durch die jüdischen Vierte! Hebrons, schmissen Steine in die jüdischen Wohnungen und versuchten in die Häuser cinzudringen. Es wurden trotzdem keinerlei Maßnahmen getroffen, um die Juden in Schutz zu nehmen. All das spielte sich vor den Augen der Regierung ab, an die sich die Juden vergebens um Hilfe wandten; das spielte sich vor den Augen der Polizei ab, die ihre Schußwaffen abgelegt hatte und nur Stöcke trug. So kam das Massaker mit dem Ergebnis, daß 63 Juden, unter ihnen Frauen und Kinder, Rabbiner und Studierende in einer Weise abgeschlachtet wurden, wie dies in der Geschichte Palästinas seit de! Zerstörung des jüdischen Tempels nicht mehr vorgekommen ist. Ein paar Schreckschüsse in die Luft hätten genügt, um all den Unruhen ein sofortiges Ende zu bereiten. 11. Nach einer vollen Woche des Blutvergießens und der Unruhen im Lande wiederholten sich die Schrecknisse von Hebron in der Stadt Safed• Der jüdische Teil der Stadt wurde ausgeplündert, niedergebrannt, dessen Bewohner dem Schwerte ausgeliefert. Die nach tausenden zählende jüdische Bürgerschaft von Safed wurde von der Regierung ohne Schutz und Hilfe gelassen. 12. Eine große Reihe weiterer Morde und Zer- Störungen wurde in den Städten und in den Kolonien verübt, so der Angriff auf Beth Schan, die Angriffe auf Tel- Awiw und Haifa, Ueberfälle auf die Siedlungen im Süden des Landes, die Zerstörung der Kolonie Beer Tobiah (Kastiniah), die Niedcrbrennung von Ekron, Artuff, Hulda und Kfar Uriah. Darauf folgte der Massenangriff auf Gederah, die Abschlachtung der Juden in Safed, die zunehmende Bedrohung im nördliehen Galiläa und den Siedlungen des Jordan-Tales wie im unteren Galiläa, wo ein großer Teil der Ernte niedergebrannt wurde. 13. In Ansehung der Sachlage und der Gefährdung der ganzen jüdischen Siedlung wäre es die erste Pflicht der Regierung gewesen, die Hände jener Männer zu stärken, die sich in dieser ernsten Gefahr befanden und ihnen die Mittel zur Selbstverteidigung zu geben, sowie die Erlaubnis, das Selbstverteidigungssystem so auszubauen, daß kein unnützes Blut weiter fließt und die Arbeit von Generationen nicht weiter den Flammen übergeben werde. Aber das Gegenteil trat ein: die sich verteidigenden Juden wurden von den Behörden mißhandelt und verfolgt, die Waffen, mit denen sie sich gegen die Angreifer verteidigten, wurden ihnen abgenommen, sie wurden verhaftet und den Gerichten übergeben, als wären sie Verbrecher. 14. Die Regierung sperrte den Tele phon verkehr zwischen den verschiedenen Städten im Lande. Von diesem Verbot wurden nicht allein Einzelpersonen, sondern auch öffentliche Institutionen schwer betroffen; den Kolonien war die Möglichkeit genommen, sich an die Regierung um Hilfe zu wenden. Für die nach dem Ausland aibgesandten Tele- *ramme ׳ wurde ,eine strenge Zensur eingefiihrt. Die Zitagen durften nicht erscheinen, auch jene nicht, die bemüht waren, den Frieden herzustellen. AUe diese Maßnahmen waren dazu angetan, die Gefahr für die Juden und den antijüdisehen Terror zu verstärken. Die Juden sahen sich in ihrer bedrohten Lage abgeschnitten von aller Welt, ohne die Möglichkeit, die Hilfe der Freunde in der Welt anzurufen oder den Gerüchten und Verleumdungen, die gegen sie innerhalb und außerhalb des Landes ausgestreiit wurden, entgegenzutreten. 15. Mitten in unsere friedliche Arbeit hinein, in unser Aufbauwerk, unsere kulturellen Anstrengungen, die niemand zu Leide waren, keiner Gemeinschaft irgendein Unrecht zufügten, sind Banden verhetzter, verwilderter Menschen geworfen worden, die das Blut von Hunderten von Juden vergossen, mit unerhörter Grausamkeit Weine Kinder töteten, Frauen abschlachteten, sie vergewaltigten, ihnen einzelne Gliedmaßen abschnitten, Thora-Rollen entweihten, Synagogen plünderten und niederbrannten und große Werte zerstörten, aie das Ergebnis größter Anstrengungen der gesamten jüdischen Welt darstellten. Während voller zehn Tage war der Jischuw einem Zerstörungswillen ausgesetzt, und noch heute ist er in Gefahr. Obwohl die Folge der Ereignisse jetzt klar übersehen werden kann, versucht es die Regierung noch immer in ihren offiziellen Statements die Sache so darzustelleu, als ob es sich um einen Kampf zwischen zwei Nationen handelt, wobei es nicht klar ist, wer der Angreifer und wer der Angegriffene ist- In diesem Versuch, die Wahrheit der Geschehnisse zu verzerren, sehen wir den Willen, nachdem man unser Leben preisgegeben hat, auch noch unsere Ehre anzutasten, sowie die Tendenz, die öffentliche Meinung in der ganzen zivilisierten Welt irrezuführen, obwohl doch die Welt weiß, daß wir den religiösen Ueberzeugftmgeit anderer mit Achtung und Friedenswillen gegenüberstehen. Dieses Attentat auf aie Wahrheit bildet den Höhepunkt der blutigen Aktionen und der Tendenzen der Zerstörung, die dank der heroischen Selbstverteidigung der Juden nur zum Teil verwirklicht werden konnten. Wir sind vollkommen davon überzeugt, daß, wenn die Regierung die notwendigen Maßnahmen ergriffen hätte, der Friede im Lande erhalten geblieben wäre. Auch jetzt noch wird der Friede wiederhergestcllt werden, das Leben wird seinen normalen Lauf nehmen, wenn in diesem Lande eine Verwaltung eingesetzt wird, der es ernstlich um die Erhaltung des Friedens zu tun ist, und die die Pflichten erfüllt, die ihr durch das Palästina-Mandat auferlegt sind. Wir fordern:!. Einsetzung einer Untersuchungskonimission zur Aufdeckung der Ursachen der blutigen Ereignisse und zur Feststellung der Verantwortlichkeit; 2. Sicherung von Leben und Eigentum der Juden in allen Städten und Kolonien durch VerstärkungdermilitärischenPosten und durch Aufnahme jüdischer Polizisten in die reguläre Polizeitruppe in einem Maßstabe, der den Notwendigkeiten entspricht; 3. Errichtung einer Jüdischen Selbstschutztruppe, die von der Regierung organisiert und kontrolliert wird und die ein Regierungsabzeichen trägt; diese Truppe soll ln den jüdischen Kolonien stationiert werden, um Leben und Eigentum der Juden zu schützen; 4. Freilassung der Juden, die, weil sie zur Selbstverteidigung Waffen bei sich trugen, verhaftet worden sind; Einstellung aer polizeilichen Haussuchungen nach Waffen; 5. Verhaftung und Aburte llung aller jener, die an den Ereignissen die S c h u I d tragen, beginnend mit den Anstiftern und Angreifern und endend mit den Regierungsbeamten, die ihrer Pflicht untreu wurden; 6. Schadene r s a t z an die Opfer der Angriffe und Aufbau der zerstörten Häuser und anderer Besitztümer auf Kosten der Regierung; 7schnellste Hilfe in Farm von (Md und medizinischem

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