Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 72 (13.9.1929)
- Date
- 1929-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 474 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 13. IX. 1929 Beistand für die Leidenden; den Flüchtlingen soü ermöglicht werden, in ihre Wohnstätten zurQckzukehren; 8. Auferiegung von schweren Bußen aut die arabischen Sied- Ringen und Dörfer, deren Einwohnerschaft sich an den Angriffen unti Plünderungen beteiligte; 9. es sollen im Einvernehmen zwischen den jüdischen Siedlungen und den Regierungsbeamten geeignete Maßnahmen in bezug auf die Organisierung des Selbstschutzes getroffen werden. Das Memorandum ist unterzeichnet von Elia Berlin, J. B e n- Z w i und Chajim Solomon für den Waad Leumi, Oberrabbiner Kuk und Rabbi UzieI für das palästinensische Oberrabbinat und Rabbi Blau für Agudas Jisroel in Palästina. Es wird normal Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A. G. Tel-Awiw, den 3. September 1929. Gestern abend hörte ich zum ersten Male zwei Frauen auf der Straße wieder ein ״Friedensgespräch“ führen. Eines der normalen gewohnten Gespräche über hundert Kleinigkeiten, die in normalen Zeiten wichtig erscheinen und in den letzten schweren Wochen wie verschwunden und vergessen schienen. Und heute sagte einer der Leute, die mit mir im Autobus saßen: ״Es ist, als wenn nichts geschehen wäre. Ich komme eben aus Jaffa. Die Geschäfte sind offen, Juden sind auf den Straßen, das einzige, was auffällt, ist das Militär. Und daran gewöhnt man sich so, daß man es bald nicht mehr bemerkt...“ Vielleicht ist für Tel-Awtw etwas Richtiges dran. Diese Stadt ist am wenigsten aus dem Gleis gekommen, hat am wenigsten gelitten, weil es die ״jüdische Stadt“ war. Aber so ״normal“ es auch an den Stellen wieder aussehen mag, die nicht gelitten haben, so kann sich niemand auch nur für eine Sekunde frei machen von den Eindrücken, den Schrecknissen und Leiden der letzten Woche, von den Sorgen für heute und morgen und den Gedanken an die Zukunft Es herrscht in der Tat seit zwei Tagen der Zustand hn Lande, den man sich gewohnt hat als ״verhältnismäßige Ruhe“ zu bezeichnen. Das heißt, es sind zwei Tage keine großen Ueberfälle gemeldet An manchen Stellen Ist in Untergaliläa die Ernte in Brand gesteckt worden. In Obergaliläa halten die Siedler scharfe Wache, um die Ueberfälle abzuwehren, die von allen Seiten drohen, und ihre Ausdauer und ihr Mut haben bisher größeres Unglück verhütet und die Angreifer in Schach gehalten. Aus der Jordansenke und an der syrischen Grenze sind Beduinenbewegungen gemeldet, die vom Militär überwacht und behindert werden. Im allgemeinen jedoch scheint es, als ob eine Atempause eingetreten sei, und es regt sich sogar leise die Hoffnung, daß die schlimmste Zeit ihr«» Abschluß gefunden habe» Man beginnt langsam um sich zu schauen und die Lage zu übersehen. Auch der eiserne Ring beginnt sich zu lockern, der bisher Palästina zu einer Art Gefängnis machte und es vom freien Verkehr mit dem Auslande abschloß. Vorgestern sind die Zeitungen wieder erschienen, und damit ist der schwere Druck verschwunden, der über dem Lande lastete, weil man nicht wußte, was in der nächsten Kolonie und im nächsten Bezirk vorging und — vielleicht das wichtigste — wie der Zionismus im Galuth, wie die Judenheit, wie die ganze Welt heute di« Ereignisse in Palästina beurteilt Die Verbindung mit dem Ausland war gestört und ist auch heute noch nicht vollkommen wieder liergcstellt. Die wenigen Zeitungen des Auslandes, die im Lande zu erhalten waren, besonders die syrisehen und ägyptischen, brachten den Beweis, wie bitter notwendig eine wahrheitsgetreue und genaue Berichterstattung für das Ausland war. Während innerhalb Palästinas unter den Juden niemals Uebertieibungen verbreitet worden waren und man auch in den Tagen des Nachrichtenverbotes, das einen guten Nährboden für Gerüchte geschaffen hatte, mit einer bewundernswerten Nüchternheit bei den Tatsachen blieb, zeigte die ausländische und besonders die arabische Presse die Tendenz, die Geschehnisse aufzubauschen. Es wäre nötig gewesen, dem Galuth die Stimmung Palästinas in diesen Tagen mitzuteilen.• eine Stimmung der tiefsten Erschütterung, aber zugleich der unverrückten Zuversicht an die Aufgaben und Ziele der Kolonisation und den unbedingten und unerschütterlichen Willen, die Arbeit mit verstärkten Kräften, vergrößerten Anstrengungen und schnellerem Tempo fortzusetzen. * Heute sind die ersten Flüchtlinge aus Safed in Haifa und Tel-Awiw angekommen. Seit Tagen und Tagen auf dem engsten Raum ohne Unterkunft, ohne genügendes Wasser und ohne Nahrungsmittel zusammengepfercht, ist es ihnen endlich ge- Jungen, den Weg in andere Städte freizubekommen. Es wird Tage dauern, bis alle aus der Stadt geschafft sind, da es an allem, an Transportmitteln, an der nötigen Eskorte usw. mangelt. Die ersten Berichte über den Zustand der verbrannten, ausgeraubten und zerstörten Stadt, in der bis heute noch nicht alle Leichen unter den Trümmern geborgen werden konnten, sind erschütternd und entsetzenerregend. Und der Jischuw kann sich nicht von dem fürchterlichen Eindruck von Hebron und Safed befreien, wo Juden, die sich weder wehren konnten noch wollten, ohne jeden Schutz einem mißleiteten und hemmungslosen Mob preisgegeben waren. Es ist das ^Charakteristische dieser Angriffe, daß sie sich gegen die schutzlosen und unbewachten Stellen wandten. Alle größeren Kolonien, wo furchtloser Widerstand zu erwarten war, sind aus der Katastrophe heil oder mit geringen Schäden hervorgegangen. * Soweit man nach einigen wenigen Tagen urteilen kann, scheint sich mit der Ankunft des High Commissioners, Sir John Chancellor, eine gewisse Aenderang der Regierungspolitik anzukündigen. Vor den! 23. August waren die Verhandlungen mit der Regierung für die Juden ein steter Kampf, und es schien, daß weder der Wille noch die Möglichkeit bei den Behörden bestand, dem bedrängten Jischuw zu Hilfe zu kommen. Die erste öffentliche Aeußerung des Oberkommissärs jedoch, eine Proklamation, die am t. September durch Flugzeuge in Jerusalem verbreitet wurde, brachte die erste offen ausgesprochene scharfe Verurteilung der ״grausamen Akte, die von unbarmherzigen und blutdürstigen Missetätern begangen wurden“. Der Inhalt und Ton der Proklamation hat viel zur Beruhigung der öffentlichen Meinung unter den Juden beigetragen. Auch die Aussendung von Strafexpeditionen, die seit gestern im Gange sind und die Hunderte von Verdächtigen den Gerichten überliefern, haben Hoffnung gegeben, daß eine gerechte Ahndung der begangenen Verbrechen in die Wege geleitet wird. Die Forderung nach einer Bestrafung der Schuldigen, die von den Juden erhoben wird, entspringt nicht aus einem Bedürfnis nach Rache. Wie wenig dieses Motiv wirksam ist, beweist die Tatsache, daß die erste Nummer des ״Dawar“, die nach Aufhebung des Nachrichten Verbotes erschien, eine ganze Samm- Jung von Beispielen bringt, in denen Araber aus den verschiedenen Gegenden des Landes alles, manchmal ihr Leben daran gesetzt haben, um ihre jüdischen Freunde vor der Wut eines fanatisch erregten Mob zu schützen. Und auch in den vielen mündlichen Berichten, die täglich erzählt werden, kann man häufig genug solche ehrlichen und selbstlosen Taten finden, die wie ein Licht durch das Dunkel leuchten. Nicht um Rache handelt es sich bei dieser Forderung nach einer Bestrafung der Schuldigen. Sondern um das Bewußtsein, daß Straflosigkeit die Urheber der Ueberfälle ermutigen und ihnen den Gedanken eingeben muß, daß solche Dinge erlaubt, gelitten und vielleicht sogar gewünscht werden. Und so fließt auch das Verlangen einer Untersuchungskommission, die sich vor allem auf die Aktion der Administration und der einzelnen Beamten erstrecken soll, aus der Notwendigkeit, die Dinge von Grund auf zu klären und zu verhindern, daß jemals wieder — sei es durch Unfähigkeit, durch Nachlässigkeit oder durch bösen Willen — Palästina die Schrecken der letzten Tage noch einmal erleben müsse. Noch ist es zu früh, alles noch zu erschüttert und zu erregt, um sich darüber Har zu werden, wo wir stehen. Wir wissen noch nicht einmal sicher, ob die einigen tausend Soldaten uns die Sicherheit so gut garantieren, daß wir zu unserer normalen Arbeit zurückkehren können. Aber schon ist jeder an seiner Stelle bemüht, die Arbeit von neuem zu beginnen, den Aufbau fortzusetzen, den einige Wochen des Schreckens unterbrochen haben, aber nicht hindern können. Die Haltung der englischen Presse Das Zionistische Zentralbüro in London versendet eine ausführliche Darstellung über die Haltung der englischen Presse zu den Vorgängen in Palästina mit Wiedergabe zahlreicher Zitate. Da in der ,Jüdischen Rundschau“ mehrere charakteristische Artikel aus wichtigen englischen Zeitungen, vor allem aus der ״Times", bereits mehr oder weniger vollinhaltlich zitiert waren, können wir uns darauf beschränken, aus der erwähnten Zusammenfassung einzelne Stellen hier wiederzugeben. Es wird in diesem Schriftstück die Haltung der antizionistischen Presse wie ״Sunday Express", ״Daily Mail" usw., die für schleimige Annullierung des Mandates «»tritt, charakterisiert, und sodann fortgefahren: ״Demgegenüber ist von unserem Standpunkt schon viel beachtlicher, daß diejenigen Blätter, die grundsätzlich eine pos i t i v e Stellung zum Palästina-Mandat und eine Weiterführung der zionistischen Politik vertreten, unvergleichlich mehr zurückhaltend sind und viel ausweichender und reservierter schreiben, als die äonismusfeindlichen. Es Ist uns eigentlich kein einäges großes Blatt, den ״Manchester Guardian“ eingerechnet, zu Augen gekommen, das so vorbehaltlos für die Politik der Balfour-Deklaration geschrieben hätte, wie eines dieser Blätter dagegen. Kein einäges, das etwa in der Oeffentlichkeit den Schluß gezogen hätte, daß gegenüber der blutigen Tragödie in Palästina nunmehr eine stärkere pnd entschiedenerepro-zionistfsche Administration und Politik in Palästina vonnöten sei, der Schluß, den die äonistische Bewegung ganz instinktiv vom ersten Augenblick an aus den Ereignissen in Palästina gezogen hat. Das Höchste, was man von solchen positiven Aeußerungen in der englischen Presse sagen kann, ist, daß sie ganz im allgemeinen den Standpunkt vertritt, daß ein von England gegebenes Versprechen unbedingt eingehalten werden muß. Dahinter fühlt man sehr oft etwas von der traditionellen Tory-Haltung, daß England sich gewiß durch Aufruhr, Drohungen und Rechtsbruch keine Aenderang seiner Politik wird aufzwingen lassen. An einzelnen Stellen wird noch besonders hinzugefügt, wie schädlich ein derartiges Zurückweichen vor Drohungen oder Gewalttaten im Orient wirken müsse, und daß diese Wirkung leicht von Palästina aut andere orientalische Länder übergreifen könne. Aber auch bei dieser Gelegenheit kann man sidi zuweilen nicht des Eindruckes erwehren, daß die Aengstlichkeit, mohammedanische Empfindlichkeiten zu verletzen, allzu stark ist. Zusammenfassend kann man nur sagen, daß auf jeden Fall die Unruhen in Palästina eben auch die Grundlagen der britischen Mandatpolitik noch einmal und in aller Oeffentlichkeit aufgewirbelt haben und daß diese Erörterungen in der Presse den Hintergrund öffentlicher Meinungs- Bildung darstellen, auf dem eine zukünftige neue Erklärung der Regierung zu den Grundlagen ihrer Palästina-Politik sich abspielen muß. Was aber von unserem Standpunkt eigentlich am meisten in die Augen fällt und bei einigem Nachdenken unsere besondere Beachtung erfordert, sind einige Dinge, die die eng- Iische Presse nicht schreibt. Was die englische Presse in diesem kritischen Augenblick zu unserem Problem nicht sagt, ist unter Umständen ebenso wichtig, vielleicht noch wichtiger, als was sie sagt. Das Erste, wonach man ziemlich vergeblich Umschau halten wird, ist die Aeußerung irgendwelcher tiefergehenden Sympathie mit unserem ganzen Werk als solchem oder einer wirklichen Anerkennung der ökonomischen und rivilisatorischen Leistung unserer Kolonisation. Zwölf Jahre nach der Balfour-Deklaration und in einem Augenblick, wo unter britischer Administration wertvolle Siedlungspositionen, moderne Gartenstädte und landwirtschaftliche Kolonien zerstört werden, haben in der öffentlichen Meinung Englands unser konstruktives Werk und seine Ergebnisse so wenig Rückhalt, daß sie kaum irgendwo angemerkt werden. Mau hat natürlich die offiziellen Sympathien für die Pogromopfer, besonders die Ermordeten, aber man wird zugeben müssen, daß das ein relativ hoher Preis ist, den man als Jude für die Sympathie der englischen Zeitungen zahlen muß. Wichtiger aber ist selbstverständlich endlich noch das, was wir vorhin über die Stellung zu unserem Aufbauwerk als solchem gesagt haben. Noch immer wird die Nationale Heimstätten- Politik hier im besten Falle als eine sentimentale Phrase behandelt, während über ihre positiven und aufbauenden Werte Stillschweigen herrscht. Diese ganze Situation ist um so erstaunlicher, als die Gegner der zionistischen Politik in der neu entfachten Diskussion es sich durchaus nicht nehmen lassen, auch die ökonomischen und kolonisatorischen Fehlschläge der Juden gebührend hervorzuheben. Sieht man sich demgegenüber nach einer klaren positiven Schilderung unserer Kolonisationsarbeit im Lande um, so wird wohl das Beste der Art, was man noch finden kann, etwa der Leitartikel der ״Sunday Times“ vom 1. September sein, der u. a. sagte: ״Man sollte sich dessen erinnern, daß die eingeborenen Bauern, die Kanaaniten, wie man sie nennen könnte, ein primitives Volk, meistens sehr arm und heruntergekommen sind; während die zionistischen Immigranten meistenteils gut erzogene Menschen aus Westeuropa und Amerika sind, aie hart arbeiten und moderne Wirtschaftszweige aufbauen. Zwei voneinander weit entfernte Kulturtypen sind so im Rahmen eines kleinen Landes plötzlich in Berührung gebracht worden, und die Anpassung in den gegenseitigen Beziehungen stellt ein sehr ernstes und delikates Problem dar. Man kann sich leicht vorstellen, daß der zivilisierte Jude mit Verachtung auf diese unwissenden Bauern und Nomaden lierunterbiiclct, während sie ihrerseits wieder ihn mit Neid und Furcht betrachten.“ Man wird sagen, daß auch das noch eine ziemlich neutrale Haltung ist. Und diese, sozusagen objektive, neutrale Haltung unserer Arbeit gegenüber geht sogar so weit, daß, während die Zeitungen die Heldentaten der wenigen Engländer im Verlaut der jetzigen Unruhen, wie die des gefallenen Beamten Best oder die des Polizeioffiziers Caifaretta in Hebron in allen Einzelheiten beschreiben, ja sogar zuweilen den Wagemut und die Tapferkeit der Araber betonen, sie niemals auch nur ein Wort der Anerkennung für die Leistungen jüdischer Organisation oder jüdischen Selbstschutzes in der Verteidigung, sagen wir z. B. von Tel-Awiw, Ataroth oder Gedera übrig haben. Das zweite Moment, das In den Argumenten der englischen Presse zum Palästina-Problem durch Abwesenheit hervorsticht, ist das politische Interesse des Britischen Imperlums an seiner Position in Palästina. Es ist leicht verständlich, daß, da Palästina ja offiziell nicht englische Kronkolonie, sondern Mandatsland ist, es nicht ganz einfach für die Presse ist, an dieses delikate Problem zu rühren. Aber gerade deshalb ist ja von unserem Standpunkt aus dieses Stillschweigen so überaus bedenklich. Aus den verschiedensten Gründen geschieht durch die englische Presse eben nichts, uni die öffentliche Meinung über den wahren Sachverhalt britischer Imperial-Interessen in Palästina aufzuklären. Die Stimmung, die so geschaffen wird, ist die, daß hier England auf Kosten der britischen Steuerzahler (was andauernd wiederholt wird, obwohl es nicht wahr ist) die Rolle des Polizisten im Orient übernommen hat, um irgendwelcher sentimentaler Deklaration willen, ohne daß wirkliche und ernste Interessen britischer Imperialpolitik damit irgend etwas zu tun hätten. Wie jeder Leser englischer Zeitungen weiß, spielen Her die Korrespondenzen privater Personen, die Briefe an die Redaktion, eine besonders große Rolle in der Erörterung aktueller politischer Probleme und in der öffentliehen Meinungs-Bildung. Die Vorgänge der letzten Woche in Palästina haben auch eine große Anzahl solcher Briefe zur Folge gehabt, die beinahe in jeder Zeitung zu finden sind. In ihnen spiegelt sich die Stellung des Publikums verschiedener Klassen und Schichten zu unserem Problem. Versucht man diese Korrespondenz etwas näher zu analysieren, und sieht man dabei von den Aeußerungen von prononciert jüdischer oder zionistischer Seite ab, so kann man vielleicht die folsenden wenigen Andeutungen über Ergebnisse einer derartigen )Betrachtung machen. Soweit die Briefschreiber ehemalige britische Beamte oder britische Zeitungskorrespondenten ln Palästina sind, wie z. B. Major Ashbee in der ״Times“ vom 3. 9. oder der ״Special-Correspondent formerly in the Near East“ in der ״Times vom 26. 8., sind ihre Aeußerungen meistens ausgesprochen oder verhüllt anti-jüdisch, ln ihren Briefen sind die Aeußerungen von ״jung-zionistischer Arro- _ Das gleiche gilt von den Briefen, die aus Kreisen stammen, welche mit den Missionären in Palästina zu tun gehabt haben, wie 2. B. der der Tochter des Bischofs Blvin von Jerusalem in der ״Sunday Times“ vom 1. 9., die eine ganze Theorie über die religiöse Heiligkeit des Wakf verteidigt. Eine andere Gruppe von Briefschreibern, die scheinbar aus britischen Kolonialbeamten oder britischen Einwohnern, besonde.rs in Aegypten und Indien besteht, betont vor allem die Gefahr eines Zurückwcichens vor orientalischen Gewalttaten, die leicht von Palästina auf andere Gebiete ßbergfelfe{! könne, und bemüht sich auch djp Vorgänge in Palästina auf die angeblich schwächliche Haltung der Arbeiter-Regierung Aegypten gegenüber zurückzuführen. In den letzten Tagen mehren sich vor allem die Stimmen, die davor warnen, die Beamten der Palästina-Regierung unverdienterweise zu Sündenböcken zu machen und die danach streben, das Prestige der britischen Administration durch Hinweis auf die inneren Schwierigkeiten ihrer Auf•• gäbe wieder etwas zu heben. Darüber hinaus gibt es selbstverständlich eine bunte Mannigfaltigkeit von vulgären Argumenten gegen und von sentimentalen Argumenten für die Balfour-Deklaration. Auch hier muß man Im allgemeinen sagen, daß, von jüdischen Stirnmen abgesehen, die unfreundlichen Aeußerungen wohl überwiegen, und daß Aeußerungen, die von wirklichem Verständnis für unsere Sache und für unsere Leistungen zeugen, verhältnismäßig sehr spärlich sind. Die allgemeinen Schlüsse, die aus der Stellung der englischen Presse zu den Vorgängen in Palästina zu ziehen sind, liegen auf der Hand. Es scheint klar, daß im Prinzip in der britischen Palästina-Politik kaum eine Aenderung vorsichgehen wird, mehr aus einem traditionellen Festhalten und aus einem Unwillen vor Zurückweichen als aus einer positiven Einstellung zu dieser Politik. Es ist ebenso klar, daß die öffentliche Meinung in England über unsere Aufgaben und Leistungen ebenso wie über die Interessen, die das Britische Imperium in Palästina zu verteidigen hat, noch in hohem Maße in Unwissenheit ist. Aktive Sympathie und Gleichgültigkeit halten sich deshalb kaum die Wage, Hier liegt für die Zukunft noch eine ungeheuer ernste Aufgabe zionistischer Aufklärungsarbeit“ Ela SchnellkttasUer Der Balkan-Korrespondent des ״BerlinerTagebiat t“, Theodor Berkes, wurde von seiner Zeitung nach Pa- L&stina entsandt. Er berichtet in der Morgenausgabe vom 12. d. M. zunächst über seinen Aufenthalt in Syrien, wo er vom stellvertretenden Hochkommissär Tetreau empfangen wurde, der ihm gesagt haben soll: ״. . . Interessant ist, daß sich den Demonstrationen der arabischen Muselmanen in Syrien auch die Juden und Christen angeschlossen haben. Nach meiner Meinung handelt es sieh bei den Vorgängen in Palästina weder um Rassennoch um Religionsfragen, sondern die Empörung der Araber richtete sich wohl lediglich gegen die Bildüng eines nationalen Judenstaates auf Kosten des dortigen Araoertums, Die arabischen Protestresolutionen forderten deshalb auch die Zurücknahme der sogenannten Balfour-Erkiärung durch die Londoner Regierung. Was Syrien anbolangt, so haben auch Sie gewiß auf Ihrer Durchreise festgestellt, daß hier völlige Ruhe herrscht.“ Des weiteren berichtet Herr Berkes über die ablehnende Haltung der syrischen Araber gegen den Zionismus sowie über eine dort herrschende geistige Reaktion, und fährt dann fort: ״So ist die hiesige Auffassung ... Wie das Bild von palästinensischer Seite aussieht, wird schon morgen gesagt werden können. (Von uns gesperrt — Red. ״J. R.“) Die hiesigen Militärbehörden halten die Grenze gegen Palästina zwar noch geschlossen, aber mir wurde der Grenzübertritt zugesagt.“ ״. . .wird morgen schon gesagt werden können“! Das ist wahrhaftig eine Schnelligkeit, die der journalistischen Fixigkeit alle Ehre macht, aber doch gewaltige Bedenken bezüglich der Kompetenz derartiger Berichterstattung auslösen muß . . a