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Jüdische Rundschau · 1929-09-10 · Heft 71 (10.9.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 71 (10.9.1929)
Date
1929-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 468 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. TI, 10. IX. 1929 Palästina vor dem Völkerbnndrat Am Freitag, dem 6. September, nachmittags, trat der Völkerbundrat in die Behandlung des Tätigkeitsberichtes der Mandatskommission über ihre letzte Tagung, in der sie sich auch mit dem Bericht der britischen Mandatar-Macht und dem Memorandum der Zionistischen Organisation über die Arbeit in Palästina im Jahre 1928 befaßt hat. Der Berichterstatter über den Palästinabericht P r o c o p 6 (Finnland) sprach das Bedauern des Völkerbundrates über die ernsten und traurigen Vorgänge in Palästina aus und gab der Sympathie für die Opfer Ausdruck. Er knüpfte daran die Hoffnung, daß die britische Regierung dem Rate darüber eingehende Mitteilung machen werde. Hierauf ergriff der britische Außenminister Henderson das Wort, um zunächst Procope für die ausgesprochene Teilnähme über die bedauernswerten Ereignisse zu danken, und führte dann aus: Die ernsten Zwischenfälle haben sich während meiner Ab- Wesenheit von London ereignet, so daß ich nicht in direktem Kontakt mit den verantwortlichen Ministern gewesen bin. Ich habe indessen die nötigen Informationen cingezogen. Die Unruhen begannen in Jerusalem am 16. August, und der erste Verlust an Menschen geschah am folgenden Tage. Am 23. August forderte die Verwaltung Militärverstärkungen von außerhalb. In der Nacht vom 23. bis 24. August griffen die Unruhen auf die Orte außerhalb Jerusalems über. Meine letzte Information datiert vom 31. August, An diesem Tage betrug die Zahl der Opfer; getötet 83 Mohammedaner, 4 Christen, 109 Juden; verwundet und im Hospital 122 Mohammedaner, 10 Christen, 183 Juden. Es kann gesagt werden, daß die Unruhen im allgemeinen beendet sind, wenn auch noch nicht überall volle Ordnung herrscht. Der Belagerungszustand ist nicht erklärt, und die Schuldigen sollen vor die ZivUgerichte gestellt werden. Es ist zwar möglich, daß auch außerordentliche ZivUgerichte eingesetzt würden, jedoch sollen keine Militärgerichte mit der Behandlung der Angelegenheit betraut werden. Die Regierung wird ferner eine parlamentarische Untersuchungskommission aus vier Mitgliedern einsetzen lassen, nämlich einem Richter und je einem Vertreter der drei großen Pateien. Die britische Regierung, schloß Henderson, habe nicht im Sinne, das Mandat oder seine Natur neu zu prüfen. Sie halte an der früheren PoHtik fest, das heißt an der Grundlage der Balfour-Deklaration von 1917, in der die Errichtung des Jüdisehen Nationalheims in Palästina vorgezeichnet ist. Wenn der Bericht der Untersuchungskommission vorliegen wird, werde die Regierung entscheiden, welche Maßnahmen zu treffen seien, um für die Zukunft die Wiederkehr ähnlicher Ereignisse unmöglieh zu machen. Es ergriffen sodann verschiedene Redner das Wort, um zunächst ebenfalls ihrer Sympathie für die Opfer der Ereignisse in Palästina Ausdruck zu geben, so der polnische, der rumänische und der kanadische Vertreter. Außenminister Dr. Stresemann äußerte sich in folgender Weise: ״Ich bin dem verehrten Vertreter von Großbritannien sehr dankbar dafür, auf die Angelegenheit der Unruhen in Pa• lästina eingegangen zu sein. Ich glaube, wir können mit Befrfedigung davon Kenntnis nehmen, daß die britische Regierung alle Maßnahmen getroffen hat, um die Unruhen schleunigst zu beenden, der Wiederholung solcher Vorfälle vorzubeugen und das friedliche Nebeneinanderleben ln dem Mandatsgebiet zu sichern. Gern vertraue ich darauf, daß es derbritischen Regierung gelingen wird, dieses Ziel zu erreichen.“ Der persische Vertreter verband mit dem Ausdruck der Sympathie die Hoffnung, daß die vorzunehmende Untersuchung vom Geiste der Gleichheit und Unparteilichkeit erfüllt sein werde. Darauf machte der Berichterstatter Procope noch eine kurze Schlußbemerkung, in der er die Hoffnung aus* sprach, daß die Auskünfte der britischen Regierung über die Vorfälle der Mandatskommission rechtzeitig mitgeteilt werden können, so daß sie, wenn möglich, in der nächsten Novembertagung behandelt werden können. Weizmmn bei MacDonald Aua Genf wird gemeldet: Weizmana hatte am 5. d. M. eine Unterredung mit Ramsay MacDonald und Arthur Henderson. Es verlautet, daß YVcizmann von MacDonald die Versicherung erhalten hat, daß nicht nur alles geschehen wird, um die Ordnung in Palästina aufrechtzuerhalten, sondern daß auch Schritte unternommen werden, um die Balfour- Deklaration wirksam durchzufflhren. Louis Marshalls Zustand ernst Zürich, 5. September, (J. T. A.) In dem Befinden Louis Marshalls, des Führers der amerikanischen Juden, Präsidenten des American Jewish Committees und des Council der Jewish Agency, der unmittelbar nach der Tagung des Council in Zürich erkrankte und sich einer schweren Operation unterziehen mußte, ist in den letzten Tagen eine Verschlimmerunc eingetreten. Die Professoren Clairmont, Libmann und Löffler, die Marshall operierten und auch die Nachbehandlung in die Hand nahmen, haben heute ein Bulletin herausgegeben, in welchem es heißt: Die Lungentätigkeit des Patienten hat sich weiterhin gebessert, dagegen ist eine fortschreitende Pancre asnekrose eidgetreten, die eine Schwäche des gesamten Organismus zur Folge hat. Der Zustand des Patienten muß als ernst betrachtet werden. Die Frau und die Kinder Louis Marshalls weilen am Krankenlager. ibn Sand nnd Palästina L o n d 0 n, 3. September. (J. T. A.) Der Staatsrat des Sultans Ibn Saud, Scheik Wahba, der gegenwärtig in London weilt, erklärte Vertretern der Presse, der Sultan ibn Saud sei ein unentwegter Freund Englands und werde nie versuchen, ln Palästina Schwierigkeiten zu schaffen. Er glaubt, daß England als die Mandatarmacht Palästinas zwischen den einzelnen Bevölkerungsteilen ein Gleichgewicht herstelten und Gerechtigkeit gegenüber Juden wie Arabern walten lassen wird. Sir Herbert Samuel in Berlin Sir Herbert Samuel, der frühere britische Oberkommissar für Palästina, ist mit Frau und Schwiegertochter aus Bad Schandau in Berlin eingetroffen und im Hotel Kaiserhof abgestiegen. Er wird sich ungefähr acht Tage in Berlin aufhalten. Pressesümmen ״T He Ncar East and Indi a“, die bekannte kolonialpolitische englische Wochenschrift, nimmt in der Nummer vom 5. September sowohl in ihrem Leitartikel als auch ln mehreren redaktionellen Noten zu den Vorgängen in Palästina Stellung. Das Blatt stellt fest, daß in der letzten Zeit der Grad der bereits vollzogenen Annäherung zwischen Juden und Arabern außerordentlich überschätzt worden ist Diesem Umstand sei auch die übermäßige Reduktion der militärischen Kräfte des Landes zuzuschreiben. Das Blatt scheint die in sehr großen englischen Kreisen — mit Ausnahme natürlich der extrem antizionistischen —- vorherrschende Meinung auszudrücken, wenn es die Notwendigkeit eines Festhaltens an der Balfour- Deklaration betont und fortfährt: ״Zugleich wäre es der Gipfel der Unklugheit, die Bedeutung dieser Unruhen zu unterschätzen. Sie zeigen, daß nur unter festester und engster Ueberwachung Araber und Juden gezwungen werden können, friedlich nebeneinander zu leben. Ein solcher Prozeß muß nicht unbedingt Zusammenarbeit zwischen den alten Einwohnern und den neuen Siedlern einschließen — eine Hoffnung, die vermutlich auf unabsehbare Zeit verschoben ist; er schließt jedoch ein die zwangsweise Duldsamkeit zwischen Juden und Arabern. Er schließt ferner ein, gewisse Aenaerungen im Detail des Zugehörs der Balfour-Deklaration, denn kein gerecht denkender Beobachter könnte Großbritannien einen Vorwurf machen, wenn es angesichts der jetzt enthüllten Grundtatsache der palästinensischen Situation, närnlieh des gegenseitigen Mißtrauens zwischen Arabern und Juden, vorsichtiger als je vorginge. Die Bestrafung von Massakers kann natürliche Tatsachen nicht beseitigen. Womit _ Großbritannien jetzt in Palästina beschäftigt ist, ist schließlich ein Experiment, und zwar eines der größten Experimente der Geschichte. Es gibt dafür keinen Präzedenzfall, und wenn in der Vergangenheit Fehler gemacht worden sind, so ist es seine Pflicht, diese offen einzugestehen und eine andere Linie zu wählen. Daß ein derartiger Kurs die Unzufriedenheit oder zumindest das Mißfallen sowohl der Araber als auch der Juden nach sich ziehen wird, ist natürlich zu erwarten.“ In ihrem Leitartikel setzt sich die Zeitschrift für eine zwangsweise Lösung der Klagemauerfrage ein, die darin besteht, das “moslemische Eigentum neuerlich zu bestätigen, aber ebenso zu bestätigen das uneingeschränkte Recht der Juden, das Gebiet der Klagemauer für Andaehtszwecke zu benützen, ohne dort irgendwelche bleibende Bauten anzubringen, ferner den Raum durch Schließung aller anderen Zugänge zu einer Sackgasse zu machen und den Mietern der Westseite andere Zugänge zu ihren Wohnungen zu schaffen. Die moslemischen Stellen, so meint das Blatt, würden einer solchen Lösung schließlich zustimmen, wofern sie vor die Alternative gestellt werden, daß entweder diese Lösung akzeptiert wird oaer sämtliche an den Unruhen Beteiligte streng bestraft werden. * Der Berichterstatter der ״Times“ schreibt am 3. September über die Ursachen der Unruhen in Palästina: Die ganzen Unruhen gehen zurück auf den grundlegenden Konflikt über die Balfour-Deklaration, welche jahrelang von beiden Seiten falsch dargestellt worden ist. Die Araber ignorieren die großen ökonomischen und politischen Vorteile, die aus der Anwesenheit der Juden sich ergeben. Die Verwaltung des Wakt und die religiösen Gerichtshöfe sind völlig in ihrer Hand gelassen. Die besseren Iandwirtscbaftlichen und ökonomischen Methoden, die von den .jüdischett .Kolonien eingeführt wurden", tragen zum allgemeinen ‘ Wohlstand* bei.' Sogar dfe Fellachen erilalfeh (dadurch die , Möglichkeit einer schnellen landwirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung. Wahrscheinlich ist der letzte Grund der Unruhen die Furcht davor, daß die Juden die besten Ländereien und Vorstädte aufkaufen, nicht durch Einzelpersonen, sondern durch eine Organisation, die nie wieder verkaufen darf. Auf der anderen Seite haben die Juden durch ein über die ganze Welt verbreitetes System der Propaganda und durch Stützen auf die Hilfe ihrer Glaubensgenossen im Ausland Ansprüche erhoben und demgemäß Widerspruch erzeugt. Der gegenwärtige Ausbruch ist auch zuzuschreiben den offenen Forderungen von Jabotinsky und den Revisionisten nach mehr, als das Mandat verspricht oder die Araber zugeben könnten. Der Hauptirrtum liegt aber bei der britischen Regierung, weiche, beeintiußt durch den Schrei nach Sparsamkeit und vielleicht auch im Vertrauen aut den großen persönlichen Einfluß und das Prestige ZU ROSCM-HASCHANAH 1690 Die breiten Massen erfaßt schnell und wirksam nur die freiwillige Mitarbeiterschaft des ■reBeii ITAJBIABVII IVHfErlB ■ מ■ Arbeiten Sie mit! von Lord Plumer, die bewaffneten Kräfte I unter das für die Sicherheit notwendige Aus. I maß herabgesetzt hat. Aus Eingeborenen bestehend« I Polizei ist unvermeidlich den gleichen nationalen Scheidungen I unterworfen wie deren Genossen, und sie ist daher ungeeignet I überall, wo ein Teil verwandt werden soll im Kampf gegen I die Angehörigen ihrer eigenen Seite, und es ist auch unsicher, I sie gegen die andere Seite zu benutzen. Die erste Tätigkeit I der von dem Kriegsschiff Barhatn gelandeten Abteilung war I übrigens eher die Verteidigung von Arabern gegen die Juden I als umgekehrt. I Die jetzt folgende gerichtliche Aktion wird, abgesehen I von der Bestrafung von Einzelpersonen, deren Schuld durch I genügende Beweise erwiesen ist, wahrscheinlich die Form I schwerer Geldstrafen, die ganzen Ortschaften auferlegt werden, annehmen. Es ist bemerkenswert, daß I Tu 1 K e rem, das nach den Unruhen von 1921 eine der• I artige schwere Geldstrafe zu tragen hatte, diesmal an de! ganzen Agitation nicht teilgenommen hat, wenn man ab. sieht von ein paar Telegrammen. Das allgemeine Empfinden der britischen Bürger in Jen!• salem ist, daß die Proklamation des High Commis, sionersgerechtundstarkist. * Auf die in dem vorstehenden Artikel der?,Times“ ent. haltene Bemerkung über Jabotinsky erwidert dieser in einer längeren Zuschrift, welche die ״Times“ am 6. ds. Mts, — wenn auch nicht im Hauptblatt — abdruckt. Jabotinsky wendet sich dagegen, daß man als eine der Ursachen der Un. ruhen die revisionistischen Forderungen bezeichnet, da man I auch in anderen Tatsachen, z. B. in der Gründung der Jewish Agency in Zürich, Provokationen der Araber gesehen habe, Nach seiner Meinung sei die hauptsächliche Provokation die Abwesenheit irgendwelcher sichtbarer Streitkräfte der Regierung gewesen, im weiteren Verlauf des Briefes betont Jabotinsky, es sei nicht richtig, daß die Revisionisten mehr verlangen, als das Mandat verspricht. Das Mandat verspricht dem jüdischen Volk ein ״Heim‘‘ und ein Heim Ist eine Stelle, wo man diejenigen, denen es gewährt wurde, hingehen können und leben, una wenn aus ökonomischen Gründen nicht gleich alle* untergebracht werden können, so bedeutet Heim, daß man es für allmählich zurecht macht. Daher fordern di« Revisionisten nichts anderes, als eine staatliche Leitung der Kolonisation, das, was wir ״Kolonisationsregime“ nennen. Im folgenden Verlauf des Briefes werden dann die bekannten revisionistischen Forderungen im einzelnen angeführt. * Im ״Berliner Taget 1*11“ vom 3. September veröffentlicht Josef Schwab einen Leitartikel ״Zion und Albion", worin er die Position Englands in Palästina und seine Beziehungen zu den Juden und Arabern analysiert. Der Artikel schließt: ״Daß England auf das Mandat, das doch nur eine verschieierte Annexion ist und sich, selber Lügen gestraft hat, verzichten würde, ist ausgeschlossen. Es braucht Palästina heute noch notwendiger als vor einem Jahrzehnt, als es der eben gestorbene Liman von Sanders über seine Bedeutung aufgeklärt hatte. Durch die neuen Abmachungen mit Aegypten wird die Verteidigung des Suezkanals noch mehr als bisher auf die östliche Seite gelegt; der Plan des Ausbaues von Haifa zum Welthafen und seiner Verbindung durch eine Balm mit Bagdad und eine Röhrenlinie mit Mosul, auch andere Pro• K" auf der anderen Seite beweisen die Nachrichten über die Rück- Wirkung der Jerusalemer Ereignisse auf die gesamte mohammedanische Welt, auf die Moslems Indiens, auf Transjor- Sfcfcjc׳ dai-'frena®äi«he-־-Syri«H%* ijioht - z-uletzt den Hodschas, von wo Ibn Saud, Englands große Sorge, seine Fäden spinnt, daß, um es noch einmal zu sagen, den Engländern mehr an den Arabern als an den Zionisten gelegen sein muß. Die Versöhnungspolitik, die sie naturgemäß, mit verständiger Zustimmung der neugebildeten jüdischen Vertretung, der Sühn« des arabischen Verbrechens folgen lassen werden, muß jeder menschlich Fühlende begrüßen. Doch wird sie schwerlich die wirkliche Befreiung aus einem Dilemma bringen, das aus dem zufälligen Zusammenklang einer militärischen Situation mit den Ahasverusschmerzen politischer Romantiker geboren ist.“ * In der ״Vossischen Zeitung“, Abendblatt vom 4. d. M-, veröffentlicht R.-A. Dr. Max Kollenscher einen Artikel ״Kampf ums Recht in Palästina“, worin die einzelnen Bestimmungen des Palästina-Mandates dargelegt werden, deren Durchführung die Mandatarmacht verabsäumt hat. Der Verfasser konkludiert: ״Die Juden in Palästina und die 16 Millionen Juden der Welt, für die das Mandat geschaffen worden ist, haben die stärkste Rechtsrundlage. Ihre Ansprüche richten sich nicht nur an die örtlich« taatsgewalt; sie sind völkerrechtlich begründet und gehen über den Völkerbund an alle im Völkerbund zusammengeschlossenen Mächte. Die Juden der Welt haben aber darüber hinaus noch einen weiteren Rechtstitel — und das ist ihre Leistung. Was in Palästina seit dem Kriege in wirtschaftlicher, kultureller und zivilisatorischer Hinsicht Außerordentliches geschaffen wurde, ist auf das Konto der Juden zu setzen. Ein neues Palästina geschaffen zu haben, der Welt diese enorme Leistung trotz aller passiven Resistenz und trotz allen offenen Widerstandes geschenkt zu haben, bleibt nicht nur das unverfängliche Verdienst der Juden, sondern gibt ihnen einen neuen Rechtstitel neben der anerkannten historischen Verbundenheit und neben dem völkerrechtlichen Traktat." * In der ״W e 11 b ü h n e“ (Berlin) veröffentlicht deren Heraus■ geber Carl von Ossietzky einen Leilaufsatz ״Zion“, worin die Vorgänge in Palästina besprochen werden. Der Verfasser schreibt u. a.: 600 000 Mohammedaner stehen *50000 jüdischen Einwanderern egenüber; daneben gibt es noch etwa 80 000 Christen. Aber die uden bilden die fleißige, die kulturell wichtige, die vorwärtstreibende Schicht. Die Immigration merkwürdig gemischt aus armen verprügelten Existenzen der Pogromländer des Ostens und der jungen Intelligenz Westeuropas, die sich aus einer Zivilisation hemissennt, wo alles fertig ist, gibt eine ebenso kräftige wie elastische Blasse her( Der junge Rausch einer Volkwerdung beseelt die Arbeit. Die Entwicklung war bisher ungleichmäßig. Ein Geschlecht von aufopfernden Pionieren hat an vielen Stellen dem unerbittlichen Karstboden ihr Bestes erfolglos gegeben, während in den Küstenstädten zum Teil eine treibhausmäßige Blüte einsetzte; manche unerfreulichen Auswüchse dort hat Arthur Hoiitscher in seinem Palästinabuch rücksichtslos gebrandmarkt. Von Anbeginn war die Spannung zwischen den Eingewanderten und den eingesessenen Arabern stark. Hier di® Pioniere, von sozialistischen oder wenigsten»; altruistischen Idealen getragen,.in ihrem jungen Nationalbewußtsein unbändig und oft wohl auch nicht die Formen der andern respektierend. Dort die Araber, Grundbesitzer mit Feudalbegriffen: uralte Sippenpolitik, gemengt mit moderner nationalistischer Demagogie. Sie haben nur ein Zipfelchen von Europa erwischt, und zwar nicht das beste. So waren die Ding® schon vor ein paar Jahren schwierig genug. Daß sie sich allerdings so abscheulich entwickelten, liegt an der Handhabung der englischen Mandatspolitik, die wirklich die Kennzeichnung verdient, die der englisebe Schatzkanzler jüngst an einen viel geringem Gegenstand verschwendete: grotesc and ridiculou» ... Bei dem Streit um die Klagemauer, zum Beispiel, der nicht nur politische, sondern auch religiöse Kontraste hart zusammenprallen ließ, hat die englische Verwaltung

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