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Jüdische Rundschau · 1929-09-10 · Heft 71 (10.9.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 71 (10.9.1929)
Date
1929-09-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 71, 10.!X. 1920 JUED1SCRE RUNDSCHAU Seite 467 [,indes gegenübersteht. Gegen diese Behaglichkeit im I Judentum müssen auch wir uns wenden. Wir Männer der Agency haben beschlossen, die Gegensätze, die uns trennen, vor den Türen dieses Hauses zu lassen. Eins wird uns gemeinsam sein, der Kampf für den Aufbau und die Feindschaft gegen diese Behaglichkeit der Untätigen, die alles immer vorher gewußt haben und nie eine Verantwortung tragen. So werden wir zusammenstehen, wir mit ihnen und sie mit uns. Daß dann, wenn alle Kräfte des deutschen Judentums und des Judentums der Welt überhaupt zusammengefaßt sind, daß dann das Werk des großen Aufbaus gelingen möge, das sei unser Wunsch und daß wir ihm mit allen Kräften dienen, das sei unser Gelöbnis in dieser feierlichen Stunde. (Beifall.) Dr. Klee Ich stehe zu manchen Dingen anders, als wir es in diesen Tagen gehört haben. Wenn ein Volk nach 2000 Jahren sein Land, seine Freiheit bauen will, dann muß man wissen, daß auch ein Tag kommen kann, wo dieses Werk Blutopfer kostet. Freiheit fällt einem Volk nicht in den Schoß. Trotzdem haben wir in dieser Stunde das Recht, zu protestieren und zu klagen. Herzl hat gesagt, das große und freie England wird uns verstehen, und es hat uns verstanden. Es gibt aber in England auch Krämerseelen, die nicht unterscheiden können zwischen Aufbau einer Heimstätte und Kolonialpolitik. Dr. Klee reist auf Deutschland hin, wo durch reaktionäre untergeord* nete Beamten die Politik der republikanischen Minister oft durchkreuzt wird. Und so ist es auch in England. Man weiß nicht, ob es zutrifft, was in der ״Voss. Ztg.“ steht, daß gerisse Kolonialbeamten ein Interesse daran haben, daß die Arbeiterregierung in England Schwierigkeiten hat. Daß aber solche Auffassungen überhaupt entstehen konnten und von der Presse verbreitet werden, zeigt, daß die Dinge nicht so einfach liegen, daß man glauben konnte, hier hat eine empörte arabische Bevölkerung sich gegen die Juden erhoben. Chancellor hat von ״verbrecherischen Banden“ gesprochen, und die Mensehen, die in Hebron gemordet haben, sind das. .In Palästina gibt es aber Tausende von Arabern, die von diesen Dingen nichts wissen wollen. Gerade wir sollten uns vor Verallgemeinerung hüten. Wir sind keine Feinde des ara* bischen Volkes. Wir sind Feinde von Gemeinheit, Niedertracht, Feinde der Unkultur, und das verlangen wir gesühnt. Was uns hier getroffen hat, ist keine Katastrophe für uns, wenn es auch im Augenblick ein Hemmnis für uns bedeutet. Wenn wir jetzt prüfen sollen, dann müssen wir auch prüfen, ob wir Zionisten wirklich immer unsere Pflicht getan haben. Wir dürfen in keiner Stunde vergessen, daß Gott uns begnadet hat, in dieser Zeit zu leben und die Regeneration des jüdischen Volkes zu erleben. Bialik hat das schöne Wort geprägt: ״Das letzte Geschlecht des Golus und das erste Geschlecht der Geulah.“ Vielleicht wäre es anders gekommen, wenn wir dessen immer eingedenk gewesen wären. Wenn das aber ein Vorwurf gegen uns ist, so ist es ein kleiner Vorwurf, denn wir haben vieles getan. Es ist aber ein Vorwurf gegen die Judenheit der Welt, daß sie erst jetzt zur Jewish Agency gekommen ist. Hätte man früher auf unseren Ruf gehört, dann hätten wir heute in Palästina 3—400 000 Juden und dann wäre diese Sache nicht passiert. Wenn j’accuse, dann j’accuse gegen Kolonialbeamten, die im gegebenen Augenblick unfähig oder vielleicht böswillig waren. J’accuse gegen eine Horde von Verbrechern, aber j’accuse auch gegen ,uns, die Judenheit der Welt, die,den Ruf rf«» .BaifdÄiDeklatatiöä nicht-verstanden hat. Was ist geschehen? Es war kein Pogrom, es war ein ehrlicher Kampf von seiten derer, die sich wehrten. Notwendig ist, daß endlich eine vernünftige Kolonialverwaltung für Ruhe und Ordnung des Landes sorgt. Diese Forderung muß durchgeführt werden. England ist zu klug, als daß es nicht versteht, daß es dem Prestige des Empire nur einmal passieren kann, daß man sagen kann, daß es nur ein Fehler der untergeordneten Verwaltung war. In diesen Tagen ist eine wichtige Erklärung Ibn Sauds durch die Presse gegangen, daß Palästina außerhalb seiner Interessen liegt. Palästina ist kein arabisches Land, es ist die Stätte dreier Weltreligionen. Palästina ist dem gesamten Islam heilig, und jeder Mensch in Palästina hat das Recht absoluter Freiheit. Aber ״arabisches Land“ ist Palästina nie gewesen und wird es nie sein. In Erez-Israel haben die Araber das Recht völliger Gleichberechtigung und es wäre die Umkehrung unseres eigenen Ich, wenn dieser Gedanke für uns nicht selbstverständlich wäre. In Berliner Zeitungen war davon die Rede, daß durch unsere Arbeit in Palästina die Existenzmöglichkeiten der Araber eingeengt werden. Gerade das Gegenteil trifft zu. Nirgends ist dem Araber etwas genommen worden. Es gibt sehr viele Araber, die nichts zu tun haben wollen mit den Horden, die jetzt zum Werkzeug irgendwelcher Effendis geworden sind. Wir sind in das Land gekommen mit dem Gruß des Friedens. Ein ehrlicher und vernünftiger Pazifismus ist aber nicht identisch mit einem wehrlosen sich der Uebermacht Fügen. Wir gehen nicht als Eroberer in das Land, sondern auf Grund eines alten historischen Rechtes. Wir gehen in das Land, das uns die Balfour-Deklaration neu gegeben hat, als Söhne des Volkes, das täglich dreimal um die Rückkehr nach Palästina betet. Niemand wird uns auf diesem Wege aufhalten. Eine Katastrophenstimmung darf jetzt nicht entstehen. Unsere Arbeit geht weiter. (Lebhafter Beifall.) Altred llsser (Hamburg): Nur die Tatsache, daß ich unter den angekündigten Rednern der einzige Nichtberliner bin und eines der Präsidiumsmitglieder des Keren Hajessod, das nicht vom Zionismus aus zu dieser Arbeit gekommen ist, gibt mir das Recht, noch einen Augenblick um Gehör zu bitten. Ich bin kein Redner und kein rückschauender Prophet, der sagen könnte, wie es gewesen wäre, wenn die Reihen der für Palästina arbeitenden jüdischen Menschen schon längst ausgefüllter gewesen wären. Ich glaube, daß wir gerade in diesem Augenblick uns das Glück vor Augen zu führen haben, daß es gelungen ist, die Palästina-Freunde der Welt in der Jewish Agency zu einen. Es ist von den berufenen Rednern, vor allem von dem großen Soziologen, der zu Ihnen gesprochen hat, betont worden, daß nur Recht und Gerechtigkeit, nur ein friedliches Leben mit den anderen Bewohnern des Landes eine glückliche Zukunft gewährleistet. Das ist selbstverständlich. Ein Volk wie wir, das soviel gelitten hat unter Nationalismus und Chauvinismus, wird nicht in denselben Fehler verfallen, unter dem es so gelitten hat. Wir werden über diese Zeit hinwegkommen, und nach der Sühne für erlittene Unbill wird die Versöhnung folgen. Wir haben das Vertrauen zur neuen Agency-Exekutive, wir haben das feste Vertrauen zu ihrer staatsmännischen Einsicht, daß sie den Weg der Versöhnung finden wird, der Versöhnung Die Sifzmg des Akium-Comitts Offizielles Comnraniquö Am Freitag, dem ß. September, wurde im Hause des Jews’ College zu London eine gemeinsame Sitzung des A d m i - nistrativeCommittee der eJwish Agency für Palästina und des Aktions-Comitö der Zionistischen Organisation eröffnet; die Sitzung ist eine außerordentliche und ist ausschließlich der Beratung Ober die Lage in Palästina gewidmet Der Sitzung wohnen bei: Die Mitglieder der Exekutive: Laz. Barth, Prof. S. Brodetsky, S. Kaplansky, Louis Lipsky, Felix Rosenblüth, Dr. Arthur Ruppin, Harry Sacher und Miss Henrietta Szold. Mitglieder und stellvertretende Mitglieder des Aktions- Comi16s der Z. O.: Lord Melchett, M. M. Ussischkin, Leo M o t z k i n, Dr. Schmarjahu L e w i n, Jacob Fishman, Rev. J. K. Goldbloom, Dr. Alexander Goldstein, Leon Lewite, I. Ochberg, Morris Rothenberg, Dr. Leon Reich, I. Suprasky, H. Farbstein, Dr. S. Federbuseh, E. Neufeld, Dr. M. Nurok, Dr. Chaim Arlosoroff.Dr. A. Tartakower, Berl Locker, Meer Großmann, Richard Lichtheim, Dr. S. S o s k i n, I. Grünbaum, Robert Stricker, M. Dizengoif, S. Gronemann, Dr. Berthold Feiwe 1, Jean Fischer, S. Marks, Dr. I. Olswanger, Leonard Stein, L. Lewin- Epstein, Dr. K. Schwartz, Dov H os. Mitglieder des Administrative Committee der J. A.: Miss Nettie Adler, Dr. O. d’Avigdor Goldsmid, Lazar Margulies, Dr. Max Soloweitschik, Rabbiner Dr. H o r o w i t z und Dr. Oskar Wolfsberg. — Ferner waren anwesend die Sekretäre: Israel Cohen, J. Hodess, M. Kleinmann, M. D. Eder, L. Herrmann, A. Avadio, J. Thon, L. Rosoff, S. Bernstein, B. Stone, M. Weisgal und W. Aron. Miss Henrietta Szold eröffnete die Aussprache, indem sie den Heroismus, den die Juden in Palästina in den verschiedenen Städten und Siedlungen in den Tagen der Schrecknisse und Scheußlichkeiten an den Tag gelegt haben, den gebührenden Tribut zollte. Sie schlug Herrn Motzkin als Vorsitzenden der Tagung vor; der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Leo Motzkin übernahm den Vorsitz und ersuchte die Versammlung, sich zum ehrenden Andenken an die Gefallenen von den Sitzen za erheben. Nachdem diese spontane Trauerkundgebung vorbei war, führte Motzkin aus, die jüngsten Ereignisse in Palästina haben wieder einmal bewiesen, welcher Heldentaten die Juden in Zeiten schwerer Gefahr fähig sind. Die Judenheit der ganzen Welt ist beherrscht von den Gefühlen der Solidarität mit jenen, die in Palästina angegriffen wurden; dies haben die spontanen Proteste überall gezeigt, sowie die überall gemachten Anstrengungen, den Leidenden materielle Hilfe zu bringen. Tausende Kundgebungen und Petitionen von Juden in verschiedenen Teilen der Welt sind bei dem Völkerbund in Genf eingelangt. S. Kaplansky, Mitglied der Exekutive, schilderte in chronologischer Reihenfolge die Ereignisse seit dem 15. August, an dem eine jüdische Kundgebung mit Erlaubnis der Palästina- Regierung an der Klagemauer veranstaltet wurde. Kaplansky, der die Lage an Hand der von der Palästina-Exekutive gesandten Berichte, sowie der Presse-Berichte darlegte, zeigte, Wie die in Jerusalem begonnenen Unruhen, sich allmählich nach verschiedenen Richtungen ausbreiteten, bis sie den äußersten Norden und den Süden des Landes erfaßten. Die jüdisehen Verluste werden auf 119 bis 130 Toten und etwa 334 Verwundete geschätzt. Am schwersten betroffen wurden eine Reihe gemischter Gemeinden wie Jerusalem, Jaffa, Hebron und Saled, und eine große Zahl kleiner isolierter jüdischer Siedlungen. Der Emek Jesreel wurde nicht angegriffen. Die Juden Palästinas sind überzeugt, daß den Obersten Moslemischen Rat und die Arabische Exekutive ein großes Maß der Verantwortlichkeit für den Ausbruch der Leidenschaften trifft Sie werfen auch der Palästina-Regierung Mangel an Voraussicht und Unfähigkeit vor. Harry Sacher, Mitglied der Exekutive, berichtete über die Tätigkeit der Zionistischen Exekutive sowohl in Palästina als auch in London seit Beginn der Unruhen. Die Exekutive in Palästina, sagte er, hat die Gefahr vorausgesehen und (at alles, was in ihrer Macht steht, um ihr zu begegnen. Die Exekutive in London hatte bei der Regierung der Mandatarmacht energische Vorstellungen erhoben, mit dem Ziele, einen angemessenen Schutz für die jüdische Gemeinschaft, sofortige Wiederherstellung der Ordnung, Bestrafung der Schuldigen, Hilfe an die Betroffenen, Entschädigung für den Verlust von Leben und Eigentum und eine neue Bestätigung der Politik des Palästina-Mandates zu sichern. Diese Bemühungen wurden vom Marquis of Reading und Lord Melchett beträchtlieh unterstützt; Hand in Hand mit der Exekutive erhoben sie Vorstellungen bei der Regierung. Der Staatssekretär für die Kolonien gab die Zusicherung, daß sofort Schritte ergriffen werden würden, um die Ordnung wiederherzustellen und die Ursachen des Aufruhrs durch eine Untersuchung festzustellen; die zu diesem Zwecke ernannte Untersuchungskommission wird sich in ganz kurzer Zeit nach Palästina begeben. Dr. Weizmann hatte in Genf eine Unterredung mit dem Minister- Präsidenten MacDonald. Lord Melchett führte dann aus, er vertraue darauf, daß der bei den jüngsten Unruhen entstandene Schaden ent• weder durch die britische oder durch die Palästina-Regierung wieder gutgemacht werden würde. Allgemein herrscht ein Gefühl der Scham über das vollkommene Versagen der britischen Administration in Palästina vor; die Untersuchungskommission werde zweifellos die Ursachen die• ses Versagens aufdecken. Er halte es für unbedingt notwendig, daß die Zionistische Organisation bei den von der Untersuchungskommission zuzustellenden Verhören durch einen Anwalt vertreten sein solle und daß auch die von ihr gestellten Zeugen verhört werden. Er halte es für notwendig, daß alle viel energischer ihre Kräfte für Palästina einsetzen, als sie es bisher getan haben; er persönlich sei bereit, das äußerste nach dieser Richtung zu tun. Vor allem sei es not• wendig, die Einwanderung nach Palästina zu erhöhen. Er beabsichtige, bei einer baldigen Gelegenheit wiederutn das Land zu besuchen, um die Lage zu studieren. Harry Sacher sprach Lord Melchett den Dank der Ver- Sammlung aus, für die von ihm geleistete politische und finänzielle Hilfe im Verlauf der jetzigen Krise. Die Sitzung vertagte sich um 2 Uhr nachmittags. — In* zwischen sind weitere Mitglieder des A.-C. und des Admi» nistrative Committee in London eingetroffen, so u. a. der Präsident der Z.V.f.D., Herr Kurt Blumenfeld. mit dem Brudervolk, mit dem wir genötigt sind, in diesem Lande zu leben, und mit dem wir in Liebe und Freundschaft leben wollen. Wir werden in den kommenden ehrfurchtgebietenden Tagen von allen Schauern durchschüttelt sein, aber wir werden nicht in Trauer und Wehklagen versinken, wir müssen uns selbst helfen, und unbeirrt mit schweren Opfern aufbauen, nachhaltiger noch wie bisher. Wir wollen aufbauen in Gemeinschaft mit den vielen neuen Freunden, von denen wir überzeugt sind, daß sie jetzt ihre Treue zum Werk beweisen werden. Wir wollen sie nicht durch rückschauende Kritik bceiivträchtigen. Wir sind auf sie angewiesen, aber mit Begeisterung und mit Hingabe allein kann man nicht kolonisieren. Es gehören dazu die großen Mittel, die uns die Juden bereitstellen müssen. Und so lassen Sie mich in dem Bewußtsein schließen, daß ich überzeugt bin, daß es unsere neuen Freunde an nichts fehlen lassen werden. Auch wenn sie spät gekommen sind, sie sind jetzt da und haben erklärt, daß sie mitarbeiten wollen. Und ich glaube, das Wort des alten deutschen Volksdichters wird uns allen, die wir uns geschworen haben, die alte Heimat in Gerechtigkeit und Frieden aufzubauen, eine Lösung sein: Schicksal und Elend, Verfolgung und Pein, Soll unserer Liebe Verknüpfung sein. (Beifall.) * i Hierauf schließt der Vorsitzende die Versammlung. In der Parallelversammlung, die Kom.-Rat Gerson Simon leitete, sprach außerdem noch Herr Alfred Berger. ln beiden Versammlungen wurde einstimmig die Reso- I u t i o n angenommen, deren Wortlaut wir bereits in der vorigen Nummer wiedergegeben haben. Kundgebung io Paris Am 3. September fand anläßlich der Ereignisse in Palästina in Paris eine Massenkundgebung statt, die von 31 jüdischen Organisationen einberufen war. Den Vorsitz in der Versammhing führte Hillel ZIatopolsky. Hauptredner waren die zufällig in Paris weilenden Dr. Stephen W i s e und Dr. Weizmann. Dr. Wise betonte in seiner englischen Rede, daß das Vertrauen der Juden zu England durch die letzten Ereignisse in Palästina eine schwere Belastungsprobe auszuhalten hat. Trotzdem haben die Juden das Vertrauen, daß das englische Volk das heilige Abkommen für eine gemeinsame Staatsunternehmung treu innehalten werde. Stephen Wise schloß unter dem donnernden Beifall der Versammlung mit der Erklärung, daß die letzten Ereignisse in Palästina das Vertrauen zu uns selbst durch die Haltung des Jischuw und die Resonanz der Ereignisse in der gesamten jüdischen Welt bestärkt haben. Weizmann wurde vom Publikum mit den Rufen: ״Es lebe Weizmann!“ empfangen. Weizmann knüpfte an die in der Londoner Albert Hall gelia ten:• Rede und beschränkte sicli auf die Mitteilung, daß England an der Balfour-Deklaration festhalte und eine parlamentarische Untersuchungskommission nach Palästina senden werde. Als Weizmann erwähnte, daß 1 die gegenwärtig Palästina anlaufenden Schiffe neue Chaiuzim ins Land bringen und daß die Zionistische Exekutive mit einer großen Immigration von Chalurim rechnet, brach die Riesenversammlung in donnernden Beifall aus. Der Versammlung gingen einige Begrüßungsschreiben von französischer Seite zu. So schrieb Justin Godard, der Vorsitzende des Komitees ״France-Palestine“ u. a.: Das Komitee ״France-Palestine“ ist sich in diesem Augenblicke seiner Pflichten bewußt und wird im Namen der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit und im Namen der Frankreich so teueren politischen Prinzipien des Völkerrechtes und der Verträge des neuen Europa handeln. Man muß im gegenwärtigen Augenblick nicht mit Theorien und Sentimen« talitäten, sondern durch Tat und reale Leistung eine Antwort geben. Renaudel, der Führer der französischen Sozialisten, schrieb: ״Es wäre zum verzweifeln, wenn ein derartig großzügiger und nobler Plan nur durch Blutvergießen verwirk* ficht weiden könnte.“ Außer der Versammlung vom 3. September fand auch eine Kundgebung der Revisionisten statt, in der labotinsky, Lichtheim, Trivus und Meier Großmann (London) Ansprachen hielten. Uchtheim nnd Großmann übten scharfe Kritik an der zionistischen Leitung, die sie als mitverantwortlich für die Geschehnisse bezeichneten. Die revisionistische Versamm* iung nahm eine Resolution an, die sich inhaltlich mit den Be- Schlüssen des Zentralkomitees der Zionisten-Revisionisten deckt, welche in unserer vorigen Nummer veröffentlicht war. Auch in der französischen Provinz fanden eine Reihe von Kundgebungen statt. So in St. Etienne, Grenoble, Nancy und in andern Orten. Breslau, ln einer jüdischen Massenversammlung wurde folgende Resolution angenommen: ״Die am 4. September versammelten Juden Breslaus aller religiösen und politischen Richtungen beklagen in tiefer Trauer, daß in Palästina durch verhetzte Teile der arabischen Bevölkerung jüdisches Leben und Eigentum vernichtet worden ist. Die Versammlung gibt ihrem tiefen Bedauern darüber Ausdruck, daß die palästinensische Verwaltung nicht von vornherein alles getan hat, um jeder Bedrohung des Friedens mit aktiven Maßnahmen entgegenzutreten und jeden Rechtsbruch energisch im Keime zu ersticken. Sie erwartet von der Mandatarmacht, daß diese, getreu der ihr vom Völkerbunde übertragenen Mission, die Kühe im Lande aufs schnellste herstellen, für ihre volle Aufrechterhaltung in Zukunft tatkräftig eintreten und die historischen Rechte an den jüdischen Heiligtümern, insbesondere an der Klagemauer, schützen wird. Die Versammlung erwartet weiter, daß die Mandatsregierung die entstandenen materiellen Schäden ersetzen, für die Hinterbliebenen der Opfer sorgen, die Schuldigen in gerechter Weise bestrafen und die friedliche Entwicklung des durch den Völkerbund geforderten jüdischen Aufbauwerks sichern wird. Die Versammlung gibt ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, daß Teile des Arabertums, trotz der Hetze arabischer Nationalisten sich nicht verblenden ließen und in humaner Weise den bedrohten Juden zu Hilfe kamen. Sie schöpft daraus die Zuversicht, daß es in unbeirrter Fortarbeit gelingen wird, die friedlichen Beziehungen innerhalb der Bevölkerung Palästinas zum Segen des Landes uni der Menschheit wiederherzustellen.“

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