Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 70 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 460 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70, 6. IX. 1920 1704 in zwei Teilen erschienen ist. Rechnet man zu den angeführten Schriften noch eine Anzahl kleinerer Beiträge in der Zeitschrift ״Hameaßef“ hinzu, so hat man so ziemlich alles beisammen, was Moses Mendelssohn hebräisch geschrieben hat. Die hebräischen Schriften Moses Mendelssohns sind heute allesamt versunken und vergessen. Volkstümlich sind sie eigentlich nie recht gewesen, auch im Osten nicht, der doch das hebräische Erbe von Mendelssohn und seiner Schule angetreten hatte. Volkstümlichkeit erlangten im Osten nur Mendelssohns deutsche Bibelübersetzung und seine deutschen Schriften, die ins Hebräische übersetzt wurden. Fast alle Hauptwerke Mendelssohns liegen in einer hebräischen Ueber- Tagung vor. Den ״Phädon“ übersetzte Isai Beer Bing aus Metz; das Buch ist mit einem Vorwort von Naphtali Hartwig Wessely gedruckt (Berlin 1786). Die ״Morgenstunden“, hebräisch: ״Mo’ade Schachar“, wurde von Josef Herzerg übertragen (Königsberg i. Pr. 1845). Eine hebräische Uebertragung von Mendelssohns Abhandlung über die Vorsehung ״Ma’amar ai ha-Haschgachah“ gab Samuel Joset Fünn heraus (Warschau 1872). Auch Mendelssohns von der Berliner Akademie preisgekrönte Schrift über die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften liegt hebräisch vor; sie ist, von Raphael Fürstenthal übersetzt, unter dem Titel ״Haberur hapiiosophia“ erschienen (Warschau 1866). ״Jerusalem“ wurde zweimal ins Hebräische übertragen. Die erste Uebersetzung stammt von Abraham Bar Gottloher und ist in Shitomir 1867 erschienen. Die andere Uebertragung besorgte Wladimir Fedorow, ein Konvertit, der in der hebräischen Literatur unter dem Pseudonym ״Schochar tobh le-jisrael“ bekannt ist; das Buch hat Perez Smolensky herausgegeben (Wien 1872). Mit Ausnahme der wertvollen und heute noch lesenswerten ästhetischen Schriften sind alle philosophischen Werke Mendelssohns in hebräischer Uebersetzung vorhanden. Der hebräische Leser hat also die Möglichkeit, den ״Ben Menachem“ in seiner ganzen Bedeutung kennen/ulcrncn. — Es soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß Moses Mendelssohn seinen Namen nicht Ben Menachem, sondern ״Moscheh mi-Dessau“ (Moses aus Dessau) hebräisch zu unterschreiben pflegte. Ben Menachem ist nur die hebräische Uebersetzung des Nomens Mendelssohn. Die Haskalahliteraten legten viel Wert aut diesen Namen, weil dann die Abbreviatur ״RaMBaM-n“ an einen anderen großen jüdischen Denker, nämlich an Maim >־' l« s erinnerte, der ebenfalls ״RaMBaM“ genannt wird.. Je .. Historiker und hebräische Dichter haben ja auch Mendelssohn als den dritter! Moses in der jüdischen Geschichte gefeiert: .Moses ben Amram, Moses ben Maimon, Moses ben Menachem. im jüngsten hebräischen Schrifttum begegnet man häufiger dem Namen ״Mendelssohn“ als dem Namen ״Ben Menachem“. Vor 200 Jahren erblickte Moses Mendelssohn das Licht der Welt. Vor bald 150 Jahren schloß er sein Auge für immer. Man muß sich wundern, ja bei der Verehrung, die Moses Mendelssohn genoß und genießt, doppelt wundern, daß in diesem ganzen Zeitraum kein Verlag, kein Kulturverein, weder die ״Mekize Nirdamim“ noch irgendeine andere Literaturgesellschaft auf den Gedanken gekommen ist, die hebräischen Schriften .Moses Mendelssohns gesammelt herauszugeben; sie würden zusammen einen schmächtigen Band ergeben. Haben auch diese Schriften dem heutigen Juden wenig, sehr wenig zu sagen, so haben sie immerhin als Spiegelungen eines starken, klaren jüdischen Geistes iliren Reiz und ihren Wert. (Die Ausgabe der hebräischen Schritten wird jetzt vom Akademie-Verlag vorbereitet. — Red. J. R•“) MOSES MENDELSSOHN DER MENSCH UND DAS WERK Zeugnisse / Briefe / Gespräche Herausgegeben und eingeleitet von BERTHA BADT-STRAUSS 288 Seiten, 10 Text- und Tafelbilder, holzfreies Papier. Preis in Ganzleinen gebunden RM. 7.— Eine von kundiger Hand getroffene, übersichtlich gegliederte, aufklärend eingeleitete, durch interessante Bildnisse belebte Sammlung von Zeitdokumenten — ein Buch, das bestimmt und geeignet ist, Mendelssohns Wertvollstes: seine überragende menschliche Personlichkeit dem heutigen Geschlechte nahezubringen. Zu beziehen durch jede Buchhandlung! WELT-VERLAG / BERLIN W 87 / PALLASSTR. 10/11 Moses Mendelssohn-JnbilSumsaasgabe (Akademie-Verlag, Berlin.) Moses Mendelssohn gehört in der Geschichte der Wissenschaft und der Literatur mehr als einem Fachgebiet an. ״Wehweisheit" und Judenlum sind die Mittelpunkte seines Werkes, das in imposantcr Universalität alle Strömungen seiner Zeit repräsentiert. Von diesem Werk gibt es keine modernen Anforderungen genügende Gesamtausgabe. Wo von G. 13. Mendelssohn veranstaltete liegt mehr als 80 Jahre zurück und ist längst vergriffen. Das Jubiläum von 1929 bol Anlaß zu einer neuen, den heutigen Anforderungen der Forschung genügenden Ausgabe. Es ist gelungen, durch Nachforschlingen in öffentlichen und privaten Bibliotheken und Archiven reiches neues Material: Aufsätze und Fntkürfe, Fragmente, Gedichte, Staninibuclieintragungcn, Anmerkungen zu fremden Werken und insbesondere bisher unbekannte Briefe zutage z.u fördern. Die Ausgabe zerfällt in einen deutschen und einen hebräi scher! Teil. Dieser bringt zum ersten Male eine vollständige Sammlung der hebräischen Schriften und der in deutscher Sprache, aber hebräischer Schrift geschriebenen. Der deutsche Teil enthält die philosophischen und ästhetischen Schriften, die Rezensionen und literai'krilischen Abhandlungen, die Judaica und den Briefwechsel, den jüdischen und hebräischen in Uebertragung. Dein einzelnen Werk oder einem Komplex zusammengehöriger Schriften wird eine Einleitung vorausgeschickt. Den! Text folgt der kritische Apparat, mit Auf- Zahlung und Beschreibung aller in Betracht kommenden Drucke und Uandscliriflen. Die Anmerkungen enthalten alles zum Verständnis der Werke und Briefe Notwendige nebst Hinweisen auf die Quellen. Ergänzungshände sollen das Sach-, Personen- und Buchtitelregister, eine Biographie und Würdigung Mendelssohns sowie das Bilder- und Urkundcnmalcrial bringen. Die Ausgabe wird aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Geburtslages Moses Mendelssohns vor» der Akademie für die Wissenschaft MOSES MENDELSSOHN Zur 200 jährigen Wiederkehr seines Geburtstages Bruno Strauss: Moses Mendelssohn und seine Zeit Ernst Cassirer: Die Philosophie Moses Mendelssohns Simon Bernfeld: Moses Mendelssohns Wirken im Judentum de» Judentums und der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft de» Judentums in Gemeinschaft mit einem Ehrenausschuß und mit Unterstützung des Hauses Mendelssohn & Co. veranstaltet. Herausf, ' '” " Borodianski, Dr. S. Rawidowicz, Dr, 13. Strauß und Dr. L. Strauß. Die organisatorische Durchführung liegt in Händen eines Mendelssohn- Komitees unter Vorsitz von Professor Moritz Sobcrnheim. Der Akademie-Verlag gibt dem Werke eine gediegene und würdige Ausstattung. Die Ausgabe umfaßt sechzehn Bände. Drei Bände erscheinen am Jubiläumstage (zwei deutsche und ein hebräischer!, dann drei weitere Bände jährlich. Der voraussichtliche Umfang des Ganzen ist 500 Bogen in Groß-Oktav. Die Subskription ist eröffnet. Mendelssohn-Publikationen Zum Mendelssohn-Tage sind eine ganze Reihe literarischer Erscheinungen zu verzeichnen, deren ausführlichere Würdigung wir wegen Raummangel (infolge der Vorgänge in Palästina) verschieben müssen. Wir nennen jedoch: Moses Mendelssohn, der Mensch und das Werk. Zeugnisse, Briefe, Gespräche. Ilerauigegeben und eingeleitet von Bertha Badt- Strauß. 288 Seiten, 10 Tafel- und Textbilder, holzfreies Papier, Einband in Ganzleinen, Preis 7 RM. (Welt-Verlag, Berlin). — Eine Parallelausgabe des Buches bringt für seine Mitglieder Der Heine- Bund, Berlin W 67, Fallasstr. 10/11, heraus. Moses Mendelssohn. Ein Lebensbild für die israelitische Jugend von J. Herzberg. 3. verb. Aufl. Leipzig, Verlag M. W. Kaufmann. Fritz Bamhcrger, Die geistige Gestalt Moses Mendelssohns (!4 Seiten!. J. Kaufftnann Verlag, Frankfurt a. M., —,80 RM. Dio Zeitschrift ״Der Morgen“ sowie die ״C.-V.-Zeitun g“ haben dem Mendelssohn-Jubiläum inhaltsreiche und intercssanle Sondernummern gewidmet. Bei diesem Anlaß sei auch nochmals, zunächst nur in dieser kurzen Form, auf das Buch ״Dio Familie Mendelssohn“ von Sebastian Ilensel, einem Abkömmling der Familie, hingewiesen, das in schöner Ausstattung zweibändig mit 13 Bildbeilagen vom I n s e 1 - V e r 1 a g zu Leipzig neu herausgegeben wurde. Es gibt uns ein lehrreiches Stück Assimilationsgeschichte des deutschen Judentums. Mendelssohn-Feiern in Dessau Die 300. Wiederkehr des Geburtstages des großen Philosophen Moses Mendelssohn wird in seiner Ileimatgemeinde Dessau würdig begangen werden. Zur Vorbereitung der Gedenkfeiern hat sich ein Ausschuß gebildet bestehend aus Bürgermeister Ifesso als Vertreter des Dessauer Magistrats, Staatsminister a. D. Ministerialdirektor Dr. h. c. Müller als Vertreter der Anhaitischen Staatsregierung und Staatsrat a. D. Justizrat Dr. Cohn, Landgerichtsdirektor Alterthum und Landesrahbiner Dr. Walter als Vertretern der Dessauer Jüdischen Gemeinde. Dem Festprogramm entnehmen wir: Am Freitag, 6. S״plember, findet im Friedrich-Theater eine Festvorstellung von Lessing» ״Nathan" statt, mit einem Prolog von Arnold Zweig. Am 7. September, mittags, religiöse Feier in der Synagoge, bei der Landesrabbiner Dr. Waller die Festrede hält. Nachmittags wird die Mendelssohn-Ausstellung in der Anhaitischen Gemäldegalerie eröffnet. Ministerpräsident Deist wird die Eröffnungsrede halten. Daran wird stell ein Tee schließen, den die Israelitische Kultusgemeinde im ״Alten Theater" veranstaltet. Abends bringt ein Konzert im Friedrich-Theater hervorragende Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Am Vormittag des 8. September veranstaltet die Stadt eine akademische Morgenfeier im Friedrich-Theater. Die Festreden haben Staatsminister a. D. Müller und Professor Dr. Elbogen, Berlin, übernommen. Die Festlichkeiten enden mit einer Besichtigung von Schloß und Park Wörlitz, zu der der Staat einladet. Encyclopaedia Judaica. Anläßlich der 200jährigen Wiederkehr des Geburtstages von Mose» Mendelssohn hat die ״Encvclopaedia Judaica“ im Verlag Lambert Schneider, Berlin, eine Schrift über Moses Mendelssohn veröffentlicht. Diese Schrift enthält Aufsätze von Prof. Ernst Cassirer, Dr. Bruno Strauß und Dr. Simon B e r n f e 1 d , sowie eine ausführliche bibliographische Uebersicht der Moses Mendelssohn-Literatur (von Hermann Meyer). Sie ist auch mit einer Reihe auch unveröffentlichter Bildnisse sowie eines auch unveröffentlichten Briefes von Moses Mendelssohn an Herder ausgestattet. Der Fas!־ und Tranertag In fast allen Ländern der Welt wurde der letzte Mittwoch als Trauer- und Fasttag zum Gedenken an die jüdischen Märtyrer in Palästina begangen. Der 29. Aw, der als Jom Kippurkatan stets als Tag der Andacht begangen wird, erhielt in diesem Jahre durch die allgemeine Trauer der Judenheit seine besondere Note. ln Berlin und Deutschland wurde der Tag nicht allein von den Angehörigen der Misrachi-Organisation, sondern auch von vielen anderen Zionisten und von Kreisen der nichlzionistisehen orthodoxen Judenheit als Fasttag begangen. Aus Jerusalem wird der J. T. A. telegraphiert, daß die gesamte jüdische Bevölkerung des Landes fastet, und daß die allgemeine Trauer sich in dem äußeren Leben sehr stark ausprägt. Alle Synagogen des Landes waren in den Gebetsstunden überfüllt Die Rabbiner hielten ״Hespedim“ (Trauerreden) zum Gedenken an die Märtyrer. Wie am Tischo b’Aw wurden in den Synagogen ״Kinoth“ (Klagelieder) vorgetragen. Aus Warschau und den übrigen jüdischen Zentren Polens wird mitgeteilt, daß auch dort der Tag als religiöser Fast- und Trauertag begangen wird. In den Städten Polens gibt der heutige Trauertag dem öffentlichen Leben das Gepräge. Aehnliche Mitteilungen liegen aus den übrigen Ländern Osteuropas vor. Auch in Amerika steht der 4. September im Zeichen der Trauer und des Gedenkens an die Märtyrer. Mendelssohn-Literatur, eine Uebersicht von Hermann Meyer Mit vielen Bildnissen und Faksimile der Handschrift Rm. 4.— VERLAG LAMBERT SCHNEIDER BERLIN-DAHLEM Die Forderungen an die Palästina-Regierung Jerusalem, 3. September. (J. T. A.) Die Vertreter der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumi und der jüdischen Gemeinden Palästinas sprachen am 2. September beim High Commissioner Sir John Chancellor vor und unterbreiteten ihm die Forderungen des jüdischen Jischuw in Palästina, unter denen die folgenden hervorzuheben sind: Wiederherstellung von Ordnung und Sicherheit im Lande, materielle Entschädigung, Bestrafung der Schuldigen. Der High Commissioner nahm die Forderungen zur Kenntnis. Am 15. September findet auf dem Jugendland Brieselang bei Nauen das 3. Jugendtreffen der jüdischen Jugendbünde Berlins, dio im Landesausschuß der jüdischen Jugendvcrbäudc Berlin zu.vamgeschlossen sind, statt und sieht u. a. vor: Sportwcllkämpfo um Wanderpreise, die von den großen jüdischen Organisationen und Zeitungen gestiftet worden sind, ferner eine Singerast mit Liedorwellkämpfen und eine Feierstunde mit Sprechchor, Fahrtcnorchcstor usw. Der Besuch der Veranstaltungen ist frei. Zugverbindungen nach. Brie־elan״ über Stadt- und Ringbahn, sowie ab Lehrter Bahnhof.