Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 70 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 458 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70,0. IX. 1929 Imperialismus sei. Zwischen den Zeilen brachte er auch eine Friedensbereitschaft mit den Juden zum Ausdruck. Die dritte Rednerin, Frau Regina Ruhen, ein weiblicher kommunistischer Geistlicher, hatte salbungsvolle Worte und löste alle Probleme im Handumdrehen.... Ein zionistisches Publikum in Berlin würde sich so viel Uriiriformierthett und Unsachlichkeit kaum so widerspruchslos gefallen lassen. In Warschau gab cs ähnlich wie in Berlin kottimunistische Störungsversuche bei Veranstaltungen der linken Poale Zion. Es gab dort Verletzte, Ueberfälle auf der Straße und schließlich Verhaftungen. Unnötig zu sagen, daß die Unruhestifter lediglich jüdische Kommunisten sind, die nichtjüdischcn Kommunisten haben für das angebliche kommunistische Interesse der Gegnerschaft gegen den Zionismus im allgemeinen kein Verständnis und sind bloß von ihren jüdisehen Genossen beeinflußt. In diesem Zusammenhänge sei auch auf die Haltung des Zentralorganes der jüdischen Kommunisten in Rußland, ״Eines“, hingewiesen. Immerhin begreift der yEmes“, daß vom kommunistischen Standpunkte aus Solidantätserklärungen mit den arabischen Kreisen, die die unmittelbare Schuld an den blutigen Ereignissen in Palästina tragen, von kommunistischer Seite aus keineswegs angebracht sind. Natürlich erblickt auch der ״Emes“ die Hauptschuld im englischen Imperialismus. Andererseits wirft er der Zionistischen Organisation vor, daß sie durch ihre kleinbürgerliche Psychologie gar nicht imstande war, den Zusammenhang und die Verfleclitung der verschiedenen Interessen in Palästina zu überblicken und in leichtfertiger Weise gutgläubige jüdische Eiemente nach Palästina verlockt hat, wo sie so recht- und schutzlos sind, wie nirgends in der Welt. Die letzten Ereignisse in Palästina sind — nach dem ״Emes“ — ein ״dreifacher Bankrott“, der des Zionismus, der reaktionären arabisch-nationalen Führer und des englischen Imperialismus. Die Jugendversammlungen Die Ankündigung einer Kundgebung der Berliner jüdisehen Jugend zu den Ereignissen in Palästina brachte am letzten Dienstag größere Massen jugendlicher auf die Beine und zu den Haverland-Sälen, als me Veranstalter erwartet batten. Trotz sofortiger Einrichtung einer Parallelversammiung mußte eine Polizeikette Hunderten von Einlaßbegehrenden den Zugang zu den beiden überfüllten Sälen verwehren. Die Jugendkundgebung sollte keine Wiederholung der politischen Versammlungen bringen. Schmerz über die schwcren Ereignisse, Entrüstung darüber, da8 sie möglich wurden und Protest gegen eine Verwaltung, die das Geschehene nicht zu verhüten vermochte, — ja, vielleicht gar nicht den Willen hatte, es zu verhüten — kamen in den Reden zum Ausdruck; sie bestimmten aber nicht ihren Charakter und nicht den der Versammlungen. Durch nichts in ihrer Entschlossenheit zu erschütternde junge Menschen füllten die Säle, alle zutiefst mit Palästina verbunden, sehr viele unter ihnen, denen es unverrückbar im Zentrum ihrer Lebensideale steht. So ist es bezeichnend, daß vor Beginn und nach Schluß der Reden spontan hebräische Lieder gesungen wurden, und gar nicht nur feierliche. Es sprachen (in beiden Sälen) jugendliche Exponenten der wichtigsten zionistischen Richtungen — die Revisionisten fehlten —: Brachmann (Hechaluz), Dr. Rosenfeld (Bar Kochba) und Dr. Schereschewski (Zeire Misrachi), schließlich, in diesem Augenblick besonders eindrucksvoll, für die nichtzionistische Jugend Hermann Gerson (Kameraden). Den Inhalt aller Reden im einzelnen wiederzugeben, ist an dieser Stelle nicht möglich. Die Akzente waren, der zionistischen Richtung der Redner entsprechend, verschieden verteilt, gemeinsam war allen Reden der Wille, in verstärkter Weise an der Verwirklichung des großen nationalen und menschlichen Ideals weiterzuwirken; Tn der Resolution formuliert: als der Wille zur persönlichen Verwirklichung in der Form der Chaluziuth, zu der sich die zionistische Jugend hier erneut mit aller Entschiedenheit bekannte; als Forderung, dem Drängen der nach persönlicher Verwirklichung strebenden jungen Menschen durch die Ermöglichung verstärkter Alijah freie Bahn zu geben; als Entschluß, nun die Arbeit für die Fonds in energischster Weise fortzusetzen und als der feierlich kundgetane Wille, sich durch nichts in dem Entschluß zur Fortsetzung der Arbeit und zu einem einverständlichen Zusammenleben mit den palästinensischen Arabern beirren zu lassen. Daß diese Entschlossenheit der zionistischen Jugend nicht nur eine äußerliche ist, bestätigte die mit freudigem Beifall aufgenommene, vom Redner des Hechaluz gemachte Mitteilung, daß trotz der Ereignisse in dieser Zeit eine Gruppe deutscher Chaluzim (mit Gruppen aus anderen Ländern) ins Land gefahren ist und daß eine zweite bald folgt. Hermann Gersons Rede gab der Kundgebung eine besondere Note. Zum erstenmal wohl hat ein Führer nichtzionistischer Jugend in entscheidender Stunde in einer zionistischen Kundgebung Solidarität bekundet. Mit Freude hat man seine Rede gehört und die große Zahl von Angehörigen nichtzionistischer Jugendbünde bemerkt, die mit ihrer Anwesenheit den Worten des Redners den Nachdruck ihrer Bestätigung gaben. Die schrecklichen Geschehnisse, sagte er, übten eine eigentümliche Wirkung aus. Junge jüdische Menschen, die sich ganz ferne von allem Jüdischen dachten, sind zutiefst ergriffen worden. Es kommt darauf an, diese Erregung in jüdische Tatenergie umzusetzen; sie soll nicht in bloßen Worten das Ventil finden, durch das sie entweicht. Große Teile der nichtzionistischen Jugend (für die der Redner spricht) haben in den letzten Jahren eine Ent- Wicklung durchgemacht, die sie immer konkreter die menschenumwandelnde Gewalt des jüdischen Volksbewußtseins hat erkennen und erleben lassen. Mit Palästina flhlt sich diese Jugend in den Glauben verbunden, daß hier das jüdische Volk der Welt ein neues Tor aufstoßen, eine Neugestaltung menschlicher Beziehungen Vorleben werde. Bei der Bejahung des jüdischen Nationalismus angelangt, sieht sie zwei Gefahren, die jeden Nationalismus und auch den jüdischen bedrohen. Die eine ist die der sozialen Reaktion — die scheint im jüdischen Nationalismus gebannt zu sein —, und die andere ist die, daß sich der ״Individualismus“ der Nation in Egoismus verwandelt und als Chauvinismus ausartet. Palästina ist auch der nichtzionistischen Jugend teuer geworden. Noch war sie nicht recht mit am Werke, aber immer stärker hofft sie es zu sein, und in diesem Augenblick ist es ihr Bedürfnis zu zeigen, daß sie mit ״da ist“. Dr. Mechner forderte zum Schluß erhöhte Mitarbeit an der kommenden Aktion des K. K. L. für ״Hilfe durch Aufbau“, indem er auf die besondere Bedeutung des Bodens in dieser Zeit hinwies. Den Vorsitz führten in der einen Versammlung Hans Kaufmann, in der anderen Dr. Kanowltz. Die Hilfssendungen aus Amerika. In der vorigen Nummer brachten wir eine Nachricht, wonach das Hilfskomitee in New York täglich 5000 Dollar nach Palästina abschickt. Es hat sich hier ein Fehler eingeschlichen. Der täglich überwiesene Betrag ist nicht 5Q0Q Dollar, sondern 50004 Dollar, Kundgebung in Hannover Aus Hannover wird uns berichtet: Die Ereignisse ln Palästina veranlaßten den Bar Kochba, den Musikabend und den Festbali ausfallen zu lassen. Statt dessen veranstaltete er in Gemeinschaft mit der Zionistischen Ortsgruppe eine große öffentliche Kundgebung im großen Saal des Alten Rathauses. Der Saal war derart übcriüllt, daß die Hörer bis auf die Treppe hinunter standen. In stummer Trauer stehend hörte die Versammlung das ergreifende El mole raebamim Oberkantor Alters, ln seiner Eröffnungsrede skizzierte Dr. Robert Katz kurz die Lage in Palästina. Er hob besonders hervor, daß es sich nicht um ein Pogrom handele. Zweck der Versammlung sei_ nicht Erhebung eines leeren Protestes, sondern Treuegelöbnis zum Aufbauwerk. Dr. Kafz verlas dann eine Resolution, die allgemeinen Beifall fand. Dr. Fritz Löwenstein (Jerusalem) begann seine Rede in hebräischer Sprache, um dann in deutscher zum Ausdruck zu bringen: ..Was Ist geschehen? Wie konnte es geschehen? Und was soll nun geschehen?“ Die Klagemauer sei nur ein Anlaß, nicht die Ursache gewesen. Denn die freie Gebetsausübung an der Klagemauer sei seit Jahrzehnten unverbriichliches Recht der luden gewesen. In der Aufstellung einer Scheidewand für die Betenden am Jom Kippur habe die Mandatarmacht eine Aenderting des Status ouo gesehen; daß man aber dort ein Tor gebrochen habe, um die vom Gebet kommenden Araber am Freitag über den Platz vor der Klagemauer gehen zu lassen, habe dieselbe Macht geduldet. Sie sei am schuldigsten. Ueherhaupt habe sie in den letzten fahren alles getan, um die Durchführung der den Juden zugesieherten Rechte zu verhindern. Tvnische Kolonialheamte, die aus dem Sudan usw. kommen, könnten sich nicht damit abfinden, daß sie es bei den kolonisierenden Juden mit selbstbewußten gebildeten Menschen zu tun hätten, die mit ganz bestimmten Forderungen kämen. Daher hätten sie eine geradezu antizionistische Einstellung. Man kann nicht die Balfour-Deklaration durchführen mit Beamten, die gegen die Deklaration sind. Man dürfe jefzt kein Rachegefühl gegen die Araber züchten. Denn das Zusammenleben von Juden und Arabern könne auf die Dauer nicht gestützt werden auf die englischen Baionette. Es gelte vielmehr eine ernsthafte Versöhnungspolifik gegenüber den Arabern zu treiben. Die Regierurig müsse eine Politik machen, die ebenso die Araber wie das Jüdische Nationalheim aktiv fördere. Nur so könne man zur Verständigung gelangen. — Ohne Unterbrechung müsse die Arbeit in Palästina in einer Form fortgesetzt werden, die vor allem der Mandatarmacht zeige, daß jüdische Einwanderung und Kolonisation ungehindert wachsen müssen. Di? verstärkte und starke jüdische Position werde künftig solchen Angriffen wirksam zu begegnen wissen. Doch das Ziel sei die Verhiilung. Drum gelte es im Augenblick, schnell fertig zu werden mit diesem Zwischenfall und zurückzukehren zur Arbeit, die trotz alledem eine Arbeit der Friedens und der Kultur sein solle. Herr Direktor K a r e s k f (Berlin) unterstrich zunächst die Ausführungen des Vorredners. Die jüngsten Vorgänge unterschieden sich in nichts von den Methoden der russischen Polizei bei Pocrromen. Man habe den Juden auch in Palästina rechtzeitig alle Verteidigungsmödichkeiten genommen, damit die Angreifer freies Spiel hätten. Diesen Vorwurf werde sich England gefallen lassen müssen. Für die Zukunft: Man solle den Juden die Möglichkeit geben, ihre Sache selbst zu führen. Die Zeiten seien vorbei, wo Juden sich widerstandslos und willenlos HitiscMachten lassen. Die Mandatarmacht müsse selbst für Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit sorgen. Hier müsse England endlich ganz neue Wege gehen. Die Dinge seien an einem Wendepunkt angelangt. England habe sich zu entscheiden für Wortbruch oder Worthalten. Und die Juden in der Diaspora? Die ungeheure Menge des jüdischen Volkes wisse, daß sie auf Oedeih und Verderb mit Palästina verbunden sei. daß sie sich selbst aufgebe, wenn sie Palästina aufgebe. Die zionistische Bewegung habe das jüdische Leben in der Diaspora stark intensiviert. Besonders in den Großstädten zeige es sich, wie die wichtigsten Machtpositionen nach und nach In zionistische Hände übergehen. Durch das Palästinawerk sei das jüdische Bewußtsein gestärkt, ganz andere jüdische Wirkungsmöglichkeiten seien da, als sie früher zu erhoffen waren. Es gelte drum nun erst recht und mit verdoppelter Kraft, am Aufbauwerk mitzuhelfen. Die Zionisten hätten sich den Weg nach Palästina mb als eine bequeme Strecke vorgestellt, sondern als einen langen, mühseligen Weg durch die Wüste der Assimilation. Noch immer sei Blut ein Kitt von besonderer Kraft gewesen. Nur eine Wirkung dürften die Vorgänge haben: Das Band enger zu knüpfen, das das jüdische Volk und das indische Land verbinde. Der Wille sei da. Und wenn der Wille da sei, dann würden wir unter dem Beifall der gesamten Welt den Tempel aufhauen, unter dem das jüdische Volk in Frieden, Freiheit und Glück!eben könne. — Zum Schluß sang der immer wieder lobenswerte Bar Kochba-Chor drei Lieder: Z’1 na jaldati, Wir hebben die Hand, Hatikwah. Siegfried Bacharach. Resolution der JOdlsehen Gemeinde Hamburg Die Verwaltungskörperschaften der Deutsch-lsraelitischen Gemeinde in Hamburg, aufs äußerste erschüttert über die furchtbaren Vorgänge in Palästina, beklagen in tiefer Trauer den Verlust so vieler jüdischer Brüder und Schwestern und das unermeßliche Elend, das über die Vertriebenen und Beraubten hereingebrochen ist. Die Verwaltungskörperschaften haben das volle Vertrauen ztim Council der Jewish Agency, daß er das Leid aller Betroffenen lindern und dem Elend und der Not nach besten Kräften steuern wird, und sind der festen Zuversicht, daß die Maßnahmen der Jewish Agency eine Wiederholung der beklagenswerten Vorkommnisse unmöglich machen werden. Karlsbad. Am a. September, 8 Uhr abend», fand in Karlsbad ein zionistisches Meeting statt, welche» »ich mit den letzten Ereignissen in Palästina befaßte. E>er zirka 1500 Personen fassende Kurhaussaai war lange vor Beginn der Versammlung derart überfüllt, daß er gesperrt werden mußte und da» Publikum folgte mit atemloser Spannung den Ausführungen der Redner de» Abend». Die von Dir. Polak, Karlsbad, gebaltene Gedächtnisrede für die Opfer der Kämpfe wurde bei tiefster Stille stehend angehört. Die Ausführungen der Redner, Oberrabbiner Dr. Deiche» au» London, Herr Harry Wolowsky aus Montreal und Dr. Terlo aus rakau, wurden begeistert aufgenommen und insbesondere alle jene Stellen der Reden, welche den unabänderlichen Willen de» jüdischen Volke» zum Aufbau Palästinas zum Ausdruck brachten, erregten atflrmischen Widerhall bei der Ver- Sammlung. Die eingeleitete Sammlung für den Nationalfonds ergab den Betrag von Kc. 5000. Einstimmig wurde eine Resolution gefaßt, welche die bekannten zionistischen Forderungen an die Mandatarmacht enthält. Der Versammlung wohnte Herr David Jellin und Frau aus Jerusalem und viele andere prominente Juden bei, welche sich derzeit in Karlsbad aufhalten. Wohl noch nie sah Karlsbad eine derartige Beteiligung hei einem zionistischen Meeting und es ist ganz klar, daß die fürchterlichen Vorgänge in Palästina ein einigendes Band um die Juden aller Richtungen geschlungen haben und letzten Endes zu einem Fortschritt in der politisch zionistischen Bewegung führen werden. Forderungen der Revisionisten London, 4. September. (J.T.A.) Das Exekutiv- Komitee der Union der Zionisten-Revisionisten in Paris hat an die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation das Ersuchen gerichtet, ein Komitee zur Führung der politischen Angelegenheiten der Zionistischen Organisation einzusetzen, das aus drei Mitgliedern der Zionistlsehen Exekutive, aus drei Mitgliedern der Zionistischen Opposition und aus einem von beiden Gruppen gewählten Mitglied bestehen soll.. Die Union der Revisionisten fordert die Einberufung eines außerordentlichen Zionisten-Kongreßes, der spätestens Dezember dieses Jahres zusammentreten soll. Die jetzige Zionistische Exekutive soll bis zum Zusammentreten dieses Kongresses an der Macht bleiben und die Organisation leiten, die politischen Angelegenheiten der Organisation sollen aber nicht mehr von der Exekutive, sondem von dem zu bildenden politischen Komitee geleitet werden. Das Exekutiv-Komitee der Union der Zionisten-Revislonisten hat in diesen Tagen in Paris eine außerordentliche Sitzung abgehalten und eine Deklaration angenommen, in der im Gefühle erfurchtsvoller Trauer der Opfer der bfuttgen Ereignisse in Palästina gedacht und den Helden des jüdischen Selbstschutzes tiefe Bewunderung ausgesprochen wird. An die britische Regierung wird appelliert, nunmehr die großen historischen Möglichkeiten zu verwirklichen, die für das britische Weltreich und das jüdische Volk durch die Balfour-Deklaration und das Palästina-Mandat gegeben sind. Von der englischen Nation und der britischen Regierang wird gefordert: erstens Legalisierung des jü* dischen Selbstschutzes in Palästina; zweitens Schaffung militärischer jüdischer Einheiten im Rahmen der palästinensischen Garnison unter britischem Befehl und auf Kosten des Palästina-Budgets; drittens Auflösung des t r a n s j 0 rd a n i sch en Grenzkorps; viertens Reorganisation der Polizei, wobei ausschließlich jüdische Abteilungen in jüdischen Orten aufgestellt werden müssen; fünftens Entsendung einer Untersuchungskommission; sechstens Bestrafung aller Beamten, die für das Unglück verantwortlich sind; siebentes sofertige Suspension von Beamten, wenn dies der Kommission als erforderlich erscheint; achtens Wiederher- Stellung des zerstörten jüdischen Eigentums und vollständige Entschädigung; neuntens endgültige AnerkennungderKlagemauer und des sie umgebenden Gebietes auf der Westseite als eines Ortes der jüdischen Rellgions- Übung; zehntens Veröffentlichung einer entschiedenen Erklärung der britischen Regierung, wonach die Verwaltung Palästinas aktiv an der Schaffung des Jüdisehen Nationalheimes mitzuwirken hat; elftens Annullierung des Churchill-Samuel-Weißbuches vom Jahre 1922; zwölftens Einführung des Prinzips der Freiheit der jüdischen Einwanderung; dreizehntens Schaffung eines Palestine Civil Service zwecks besonderer Vorbildung von Beamten für die Mitwirkung der Regierung am zionistischen Aufbauwerk. In der von der Union der Revisionisten der Exekutive der Zionistischen Organisation unterbreiteten Forderungen Wirt! auch die Vertretung des Postulates der Oeffnung Trans- Jordaniens für jüdische Einwanderung verlangt. Pressekonferenz der Z.V.I. D. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat die Vertreter der deutschen Presse für den 3. September, 5 Uhr, zu einer Besprechung in ihre Sitzungsräume eingeladen. Es hatten sich die politischen Redakteure der großen Berliner Zeitungen und der Presse außerhalb Berlins in ansehnlicher Zahl eingefunden. Kurt Blumenfeld, Präsident der Z. V.f.D., gab einen Umriß des gesamten Palästina-Problems und skizzierte die historische Entwicklung des jüdischen Aufbauwerkes und der jüngsten Ereignisse. Aus der Mitte der Pressevertreter wurde eine Reihe von Fragen gestellt, die die Herren Kurt Blumenfeid, Dr. Martin Rosenblüth, Redakteur Moses Waldmann und Dr. J. Thon (Präsident des Waad Leumi) beantwarteten. Zum Schluß gab Herr Blumenfeid eine eingehende Darstellung der Position Palästinas unter dem Mandat. Briefe an die Redaktion Die Versammlung im Bachsaal Dr. Emil Levy, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde. Berlin-Charlottenburg, 4. September. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“. Zu Ihren mich angreifenden Bemerkungen in der Wiedergäbe der Vorgänge im Bachsaal ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Zeilen. Ich maß mit aller Entschiedenheit dagegen protestieren, daß ich eine ״Kampf- und Haßpsychose“ propagiert hätte. Der Vorwurf klingt für jeden, der meine zionistische Betätigung und mich persönlich kennt, geradezu grotesk. Mit aller Deutlichkeit habe ich vielmehr zum Ausdruck gebracht, daß nur durch Gerechtigkeit das Jüdische Heim gebaut werden kann und uns jedes nationalistische Revanchegefühl ,,Cherem“ sein muß. Aber ich konnte es nicht unterdrücken, vor dem Verlesen stilgerechter Resolutionen einen unstilisierten Aufschrei des Herzens ertönen zu lassen. Das glaubte ich, den Märtyrern und der jüdischen Ehre schuldig zu sein, und wenn ich von den machtvollen und spontanen Kundgebungen in der Albert Hall lese, kann ich nicht umhin, schmerzliche vergleiche zu ziehen. Für das Verbrechen, meinen Schmerzausbrach nicht erst kunstgerecht dosiert zu haben, lasse ich mich von der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ gerne steinigen. Daß ich kein Revisionist bin, habe ich ebenfalls deutlich genug betont; wurde ich mißverstanden, so scheint mir dies ein bedauerlicher Beweis für die ״Kampf- und Haßpsychose“ im zionistischen Parteileben. Zahllose Zustimmungserklärungen beweisen mir aber zu meiner Freude, daß ich auch verstanden worden bin und daß meine Worte nicht überall ״parteipolitisch“ ausgemünzt wurden. Ich bin kein Revisionist, ich wiederhole aber auch an dieser Stelle, daß ich für wichtige Gedankengänge Jabotinskis mehr Verständnis gewonnen habe. Wenn auch das Aussprechen des Namens Jabotinski auf gewisse Herren wie das bekannte rote Tuch wirken mag, so bleibt doch bedauerlich, daß seine frühen Hinweise auf die Notwendigkeit bewaffneten Selbstschutzes keine stärkere Beachtung gefunden haben. Dann hätte auch die Protestversammlung 1m Bachsaal nicht zu kommen brauchen. Rabb. Dr. Emil Levy.