Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 70 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 70, 8. IX. 1929 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 457 Der Widerhall in der jüdischen Welt Die Sitzung des Landesvorstandes , Von Dr. Siegfried Kanowitz. Der Landesverband der Zionistischen Vereinigung für Deutschland trat unmittelbar auf die Kunde von den Ereignissen in Palästina zusammen, um — soweit das in diesem Augenblick schon möglich ist — zu einer Klarheit über die jetzt geschaffene Situation zu kommen und um darüber hinaus die Maßnahmen zu beraten, die jetzt vom deutschen Zionismus durchgeführt werden müssen. Die Sitzung ist dieser Aufgabe durchaus gerecht geworden. Sie war ausgezeichnet durch einen Geist der Entschlossenheit, der zionistischen Zuversicht, des ungebrochenen Aufbauwillens. In allen Reden kam die starke Solidarität zum Ausdruck, die in diesem Augenblick alle Teile der Bewegung umfaßt. Naturgemäß stand die politische Diskussion im Vordergrund. Wenn es auch nicht angängig ist, diese Diskussion, in deren Verlaufe sehr viel wesentliches Material erbracht wurde, hier in vollem Umfang wiederzugeben, so sollen wenigstens die Hauptmomente der Debatte aufgezeichnet werden. Ueber die tieferen Ursachen, die den Ereignissen zugrunde lagen, herrschte weitgehende IJebereinstimmung. in seiner Eröffnungsrede griff Blumenfeld sehr scharf die eng- 1 i s c h e Verwaltung an. Er erklärte, daß sie grob fahrlässig gehandelt und nicht gewußt habe, was im Lande vor sich geht. Selbstverständlich gab es auch Versäumnisse unserer eigenen Politik. Schon die Tatsache, daß alle Mitglieder der Palästina-Exekutive und fast alle Parteiführer in dieser Zeit nicht im Lande waren, beweise, wie wenig auch wir selbst auf das, was gekommen ist, vorbereitet waren. Mit einem großen Maß von Selbstkritik untersuchte Blumenfeld die Zustände innerhalb des Zionismus, die zu einer Schwächung unserer Position geführt haben und begründete dann die Resolution der Z. V. f. D., die tags zuvor den Berliner Versammlungen zur Annahme vorlag. in dieser Resolution wird unterschieden zwischen der Haltung der palästinensischen Verwaltung und der Zentralregierung in London. Wir verlangen die Erfüllung der Balfour-Deklaration und die Schaffung von Voraussetztingen, die ein Stärkerwerden und Wachsen in Palästina gewährleisten. Daneben muß die Verständigung mit der arabisehen Welt ein Hauptziel unserer Politik sein. Diese Verständigung kann nur erfolgen, wenn die englische Regierung alles tut, um auf der einen Seite inren unbeugsamen Willen zu dokumentieren, die Balfour-Deklaration durchzuführen und wenn sie andererseits die Konflikte zwischen beiden Völkern zu mildern und zu schlichten versucht. Der gegenwärtige Kampf ist ohne innere Notwendigkeit auf einem Gebiet entstanden, auf dem er niemals hätte entstehen dürfen: auf dem religiösen. Die Konflikte an der Klagemauer wurden zum Anlaß gemacht, um der arabischen Welt einzureden, daß die Juden die Enteignung der Klagemauer fordern. Me englische Ver•; wälftihg hafte dieser Verleumdung rechtzeitig entgegentreten müssen. Sie hätte aber auch die Verletzung des Status quo durch die Araber nicht dulden dürfen. Me Resolution verlangt die Beilegung des Klagemauerkonfliktes, eine strenge Untersuchung, die Bestrafung der Schuldigen und eine grundsätzliehe Aenderung der englischen Verwaltung in Palästina. Die Diskussion brachte eine Reihe von Ergänzungen zu dem Referat. Vor allem wurde die Frage unseres Verhältnisses zu England erörtert, in der man zu einer Ab- Schätzung der Maclitfaktoren kommen müsse, durch die die Politik Englands bestimmt sei. Wir müßten unsere Politik mit diesen Machtverhältnissen in Einklang bringen. Völlig versagt habe unsere arabische Politik. Diese Frage ist, wie Dr. Ruppin ausfüllrte, in erster Linie eine Frage der Selbsterziehung. Wir müßten uns freihalten von jedem blinden Chauvinismus, der nicht sieht, daß beide Völker auf Grund von Recht dort leben, daß es widerstrebende Interessen gibt und Interessenkonflikte, die nur in einer Atmosphäre des gegenseiiigen Vertrauens ihre Lösung finden könnten. Heute gibt es noch niemanden im arabischen Lager, der uns versteht und der begreift, daß wir nicht die Unterdrückung wollen, sondern einen Ausgleich. Wir müßten zu einer einheitlichen und autoritativen Aufklärungsarbeit unter den Arabern kommen. Heute fürchten die Araber, von Führern aufgestachelt, mehr die Juden, als die Juden die Araber. Der Araber erfährt nur von jüdischen Aeußerungen, die gegen ihn gerichtet sind. Hier genügten zur Aufklärung nicht Kongreßbeschlüsse. Me Verständigungsarbeit muß in Palästina an Ort und Stelle geleistet werden. Diese Verständigung soll nicht erkauft werden mit einem Verzicht auf unsere Rechte und auf unseren Willen, das Nationale Heim aufzubauen. Das arabische Volk muß lernen, daß wir nicht als Feinde und Unterdrücker in das Land gekommen sind, daß unser Wille, Palästina aufzubauen, unerschütterlich ist und daß hinter diesem Willen ein Volk von 16 Millionen steht. Die Araber werden einmal erkennen, daß es gut für sie ist, dieses jüdische Volk zum Freunde zu haben. Natürlich kamen in der Mskussion auch andere Auffassungen zu Wort. Herr Supraski, Palästina, glaubt, daß einer Verständigung mit den Arabern in diesem Augenblick fast unüberwindbare Schwierigkeiten entgegenständen. Der ganze Jischuw wünscht eine Verständigung. Aber man glaubt, daß sie heute nur erkauft werden könne durch Verzicht auf die Einwanderung und dauerndes Wachstum. Gegenüber der Erörterung dieser äu ß e n p 01 i t i sc h e n Fragen trat die innerzionistische Diskussion etwas in den Hintergrund. Man war sich darüber klar, daß jetzt nicht der Augenblick sei, Schuldfragen aufzurolien. Es wurde von. allen Rednern betont, daß diese Ereignisse auch ein Anlaß für uns sein müßten, unsere gesamte Politik und die Fragen der zionistischen Erziehung einer gründlichen Revision zu unterziehen. Als die notwendigste Aufgabe der nächsten Periode wurde die konsequente Fortsetzung der zionistischen Aufbauarbeit empfunden. Durch die Erweiterung der Agency haben wir einen großen Machtzuwachs erfahren. Die Agency scheint diese erste große Belastungsprobe, der sie ausgesetzt war, bestanden zu haben. Alle Teile der Agency haben in diesen schweren Stunden ihre ganze Kraft aufgeboten, um der Schwierigkeiten Herr zu werden. In der ganzen jüdischen Welt herrscht heute ein Gefühl der Verbundenheit und der Solidarität Das Vertrauen zu Palästina ist nicht erscliüttert. In der ganzen jüdischen Welt sorgt man sich um das Schicksal Palästinas, beteuert seine Verbundenheit und ist bereit, Hilfe zu leisten. Die Stimmen der Gegner schwiegen überall. Man weiß offenbar, daß in Palästina das kostbare Gut des jüdischen Volkes bedroht ist. In diesem Augenblick müssen wir den Aufbaugedank c n in den Vordergrund unserer Propaganda steilen. Wir werden dem Jischuw und unserem Werk nicht dadurch Hilfe leisten, daß wir nur zu wohltätigen Spenden aufrufen. Unser Kolonisationswerk geht weiter. Unsere Parole muß in diesem Augenblick lauten: Hilfe durch Aufbau. Die Agency־ wird an die jüdische Welt appellieren, unserem Aufbaufonds, dem Keren Hajessod, der jetzt vor besonders große Aufgaben gestellt sein wird, die Möglichkeit zu verstärkter Arbeit zu geben. Der Nationalfonds wird seine Rosch Haschanah-Aktion ebenfalls unter der Parole ״Hilfe durch Aufbau“ durchführen, und in den kommenden Wochen werden wir durch angestrengte Arbeit uns bemühen müssen, die Schäden wettzumachen, die wir erlitten haben und Voraussetzungen für neue Arbeit zu schaffen. Der Landesvorstand beriet ferner über die politischen Schritte, die die Z. V. f. D. in diesem Augenblick unternehmen könne, um die Politik unserer Exekutive in London zu unterstützen. Es ist natürlich nicht möglich, über diese Beschlüsse im einzelnen hier zu berichten. Aber auch auf diesem Gebiet hat der Landesvorstand sehr wertvolle Arbeit geleistet. Mese Sitzung ist nicht nur bedeutsam geworden durch die unmittelbaren Ergebnisse, sondern durch den Geist von Verantwortungsgefühl und ungebrochener zionistischer Zuversicht, die sich hier offenbarte und der alle Teilnehmer mit neuer Kraft und Arbeitsfreude erfüllte. * An der Diskussion beteiligten sich folgende Herren: Berger, Bileski, Baer, Buchholz, Frau Blumenfeld, Foerder, Ginsburg, Gronemann, Jacobsohn, Kanowitz, Klee, Klinow, Mechner, Michaelis, Franz Meyer, Nattali, Nathan, Noack, Nußbaum, Pollak, Rosenblüth, Ruppin, Samuel, Senator, Supraski, Salman Schocken, Hermann Schocken, Schwarz, Sternberg, Frau Turnowsky, Weißmann, Wolfsberg, Weltsch, Wollstein. Die Rosch-Haschanah-AKtion des Keren Kajemeth und der jüdischen Frauen: 15 0.0 00 Mark für neuen Boden! Kundgebungen in der ganzen Welt Weitere Versammlungen in Berlin Es ist fast unmöglich, von allen Kundgebungen, die in den letzten Tagen im Zusammenhang mit den Ereignissen in Palästina in vielen jüdischen Gemeinden stattgefunden haben, ausführlich zu berichten. Das Mitgefühl mit den Opfern der Vorkommnisse in Erez-Israel. die Empörung über die schreckliehen Geschehnisse und die Proteststimrnung gegen alle an diesen Ausschreitungen schuldigen Faktoren kamen in gleichem Maße wie die Opferwilligkeit, dem Jischuw in Palästina zu helfen sowie das Paiästinavverk wciterzuh'ihren, in allen Veranstaltungen machtvoll zum Ausdruck. Ergreifend und erhebend zugleich manifestierte sich das Mitgefühl der polnisehen Judenheit mit dem jüdischen Palästina. In allen größeren Städten Polens fanden Versammlungen und Deinonstrationsumzüge statt. Vielfach waren zum Zeichen der Trauer die jüdischen Geschäfte geschlossen. In Warschau und in anderen Orten überreichten jüdische Deputationen den Vcrtrefern Großbritanniens die in den Versammlungen beschlossenen Resolutionen zur Weiterleitung an die englische Regierung. Auffallend ist das Mitgefühl der polnischen Oeffentlichkeit. Fast die gesamte polnische Presse drückt den Juden ihre Sympathie aus und ermutigt sie, in Ihrem Bestreben, das Palästinawerk fortzusetzen. In Lemberg haben spontan christliche Freunde des Zionismus im Keren Hajessod-Büro Spenden für das Hilfswerk in Palästina überreicht. Wie überhaupt der Drang, durch Geldbeitrage zu helfen, sich überall manifestiert. — In Buka rest versammelten sich viele Tausende Juden zu einer machtvollen Kundgebung. Alle jüdischen Parteiunterschiede waren in diesen Demonstrationen wie ausgelöscht. Einmütig kam der Wille der Bukarester Judenheit in der Forderung nach Gerechtigkeit für die jüdische Sache, Hilfe für den jischuw in Palästina, Wiedergutmachung der erlittenen Schäden, Bestrafung der Schuldigen und Fortführung des Palästinawerkes zum Ausdruck. In Wien fanden zwei.große Versammlungen statt, in denen Tausende von Juden von ihrer Verbundenheit mit dem jüdischen Palästina und dem Jüdischen Nationalheim Zeugnis ablegten. Hauptredner waren Robert Stricker und Dr. Desider Friedmann. Auch die Wiener Presse widmete den Ereignissen in Palästina sehr viel Raum. In allen Aeußerungen zeigte sich die Sympathie der Oeffentlichkeit für die jüdische Gemeinschaft in Palästina und für die zionistischen Bestrebungen. In Riga waren am Tage der jüdischen Massenversammlung alle Geschäfte und Fabriken geschlossen. Die Anteilnahme der jtidisehen Bevölkerung ist außerordentlich. Aehnliche Nachrichten liegen aus Litauen, Estland, der Slowakei, Karpathenrußland und anderen Ländern vor. Auch in Berlin äußerte sich nach den großen Kundgebungen vom vorigen Sonnabend das brennende Interesse der Juden an den Ereignissen in Palästina und die Empörung über die Schuldigen an dem Ausbruch dieser Ereignisse in vvdteren Massenkundgebungen, die von dem ״Verbände der Ostjuden“ und den vereinigten Jugendverbänden veranstaltet wurden. Der ״Verband der Ostjuden“ hatte eine einzige Ver- Sammlung einberufen, sah sich aber wegen des_ Massenandranges von Erschienenen gezwungen, gleichzeitig eine Parallel- Versammlung zu veranstalten. Beide Versammlungen fanden im üebäude der Musikerfestsäle statt. In der Haupt- Versammlung leitete der Vorsitzende des Verbandes, Herr Samuel Haarpuder, die Versammlung. Referenten waren Rabbiner Dr. Nobel, Dr. Alt schul und Benzion Fett. In der Parallelversammlung sprachen die Herren Dr. Koretz und Dr. Israel Taubes. In beiden Versammlungen wurde nachstehende Resolution angenommen: Die heiiliye Massenvorsaimulung der Berliner (»!jüdischen Orgrmisatimien drückt ihr Entsetzen und ihre Entrüstung über die furchtbaren Judenmetzeleien in Erez-Israel aus. Sie stellt fest: Der Aufbau der Nationalen Heimstätte für die Juden in Lrez- Israel ist durch internationale Abkommen ein verbrieftes Recht des jüdischen Volkes geworden. Das Mandat legt der Mandatarmachl die Verpflichtung auf, die Schaffung der Nationalen Heimstätte für die Juden in Krez-Isracl mit allen Mitteln zu fördern» insbesondere für Schulz des Lebens und des Eigentums der Erez-Israel-Eimvolmer zu sorgen, die Ileiligen Stätten zu schützen und mit der Jcwish Agency an dem Ausbau der Nationalen Heimstätte zu wirken. Die Bestimmungen des Mandats sind von der englischen Regierung verletzt worden. Nichts geschah, um jüdisches Leben und Eigentum zu schützen, verantwortungslose Beamtenschaft arbeitet in Erez- Israel in einem Geiste, der den Bestimmungen des Mandats widerspricht, Heilige Stätten, von den Juden Jahrtausende mit ihren Tränen getränkt, werden unter Duldung englischer Beamten zum Tummclplatz verhetzter Massen. Mit dein Schein der Erhaltung des Status quo wird den Juden das Verrichten der Gebete an der Heiligen Mauer unmöglich gemacht, während den Arabern der Bau von Eingangslorcn zur Heiligen Mauer gestattet und so die Verletzung des Status quo gestützt und geduldet wird. Für die jüdische Einwanderung sind die Tore Erez-Israels geschlossen, und jedes Einwanderungszertifikat muß, in schwerem Kampfe erobert werden. In den 7.um Schulze der Bewohner vorhandenen Behörden »־erden Juden nicht eingestellt, wie überhaupt die gante Verwaltung des Mandatsgebietes durch die englischen Beamten in einer Weise geschieht, als ob die englische Regierung weder die Balfour- Deklaration gegeben, noch ein Mandat mit klaren Bestimmungen über Erez-Israel erhalten hätte. Gegen diese Verletzung der dem jüdischen Volke verbrieften Rechte erheben wir feierlichst Protest. Wir fordern: 1. Absetzung und Bestrafung aller Beamten, die an den jetzigen Ereignissen in Erez-Israel die Schuld tragen. 2. Einstellung einer genügenden Anzahl von jüdischen Schutzmannschäften, um einen sicheren Schutz jüdischen Lebens und Eigentums zu gewährleisten. 3. V01I0 Gutmachung aller durch die letz.ten Ereignisse eutstandenen Schäden. fl. Schutz für freie und unbehinderte Ausübung jüdischen Gottesdienstes an der Heiligen Mauer. 5. Aufhebung aller Einrpisclwwhraiikungcn. 6. Ehrliche, vom Geiste des Mandats getragene Mitarbeit an dem Aufbau der Nationalen Ileirnslätte. * Ueber die große Versammlung der vereinigtenjugendverbände berichten wir weiter unten. Hier sei nur festgestellt, daß die vielhundertköpfige Versammlung der jüdisehen Jugend in ihren Aeußerungen außerordentlich überlegt und diszipliniert verlief. Auch hier zeigte es sich, daß alle Programmdifferenzen und Meinungsnuancen vollständig hinter dem Bestreben verschwanden, einig für die gemeinsame Angelegenheit des jüdischen Pa’ästinawerkes einzustehen. Selten hat man in Berlin eine zahlenmäßig so starke Demonstration der bewußt jüdischen Jugend erlebt. $ Im Zusammenhang mit den Palästina-Ereignissen stand auch eine Versammlung, die von der Ligagegenden Im* perialismus am 3. d. M. in den Musikerfestsälen veranstaltet wurde und von ungefähr tausend Personen, hauptsächlieh Kommunisten, besucht war. Unter den Anwesenden befanden sich aber auch sehr viele Zionisten, getrieben von Neugierde, was die Kommunisten, denn die meisten Redner in der Versammlung waren Mitglieder der kommunistischen Partei, zu diesen Vorfällen in Palästina zu sagen haben. Der Verlauf der Versammlung entsprach durchaus den Erwartungen. Die Frage des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina, das Problem Juden-Araber kam eigentlich kaum und wenn, so nur ohne ge* nügende Kenntnis dieser Probleme, zur Geltung. Es handelte sich den Veranstaltern, was von deren Standpunkt aus durchaus begreiflich ist, um die Ausnützung einer günstigen Gclegenheit, gegen den englischen Imperialismus zu protestieren und für ihre Weltanschauung Propaganda zu machen. Daß hierbei Sowjefrußland als Paradies und die dortigen in der letzten Zeit gegründeten jüdischen Kolonien als leuchtende Oasen jüdischer Glückseligkeit dargestellt wurden, versteht sich von selbst. Leider vergaß der Redner, der gegen Kapitalismus, reiche jüdische Oeldsäcke und sonstige Schäden in der Welt wetterte, zu erwähnen, daß Sowjetrußland bei der Gründung seiner jüdischen Kolonien nach dem Prinzip Non ölet das Geld der reichen amerikanischen Juden ohne weiteres entgegennahm. Man wird den Verdacht nicht los, daß abgesehen vom Gegensatz zum Zionismus und zu England, aus dieser Haltung auch der große Aerger spricht, daß die reichen amerikanischen Juden sich jetzt der Jewish Agency angeschlossen haben. Bemerkenswert waren die Ausführungen eines syrischen Arabers, der in fließendem Deutsch den arabischen Standpunkt darlegte. Er verurteilte die Ausschreitungen in Palästina, betonte,_ daß die Araber als Semiten keine Antisemiten und auch keine Aniijuden sind, daß sie aber gegen den Zionismus auftreten müssen, solange dieser Handlanger des britischen