Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 70 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 70, 0. QL 1920 . JÜEDISCHK *ÜNDSCHÄÜ Sdte 455 \ Erlebtes aus Erez-Israel ln dieser sdiweren Stunde Jerusalem, 29. August. In dieser schweren Stunde, wo der Geruch des frischvergossenen Blutes uns zu betäuben droht, müssen wir «ms eines bewahren: Besinnung. Wir werden Vorwürfe, Beschuldigungen, Anklagen hören, basiert auf Mutmaßungen, Hörensagen, Mißverständnissen. Dem muß jeder gegenüberstellen, was er selbst gesehen oder vernommen: Evidenz aus erster Hand. Dann erst dürfen und sollen wir auch das Typische im Einzelfalle sehen und haben hier das Material für verallgemeinernde Schlüsse. Aber alle diese Schlüsse dürfen nur gezogen werden im Hinblick auf eine einzige Frage: Was ist zu tun? Mehie Evidenz 1. Im Verlaufe der Woche vom 18. bis zum 23. August war allbekannt, daß für den Freitag (23. 8.) Unruhen seitens der Araber zu erwarten waren. Es hieß, der Mufti hätte Einladungsbriefe an die umliegenden moslemischen Dörfer geschrieben, sich recht zahlreich in der Omarmoschee bzw. auf dem abgeschlossenen großen Hofe der Omarmoschee einzufinden. 2. Freitag mittag beobachtete ich den Angriff einer arabischen Horde auf das jüdische Viertel Meah Schearim. Die Araber warfen mit Steinen, Waffen besaßen sie anscheinend nicht oder machten jedenfalls keinen Gebrauch von ihnen. Arabische berittene Polizei drängte sie zurück, ohne irgendwie Gewalt anzuwenden. Die Intervention der Polizei machte den Eindruck einer Farce und wurde von den Arabern kaum ernst genommen. Ein einziger englischer Polizist war anwesend, und er allein trieb die ara• bische Polizei an. 3. Freitag nachmittag wurden englische Zivilisten bcwaffnet und als ״Special Constables“ der Polizei unterstellt. Darunter etwa 15 bis 20 Theologiestudenten, die aus Oxford auf eine Studienreise gekommen waren. Am Abend wurden in gleicher Weise alle Engländer und Juden bewaffnet, die sich meldeten. Die Zahl der so bewaffneten Juden war nicht groß, da nur wenige davon wußten. 4. In der Nacht vom Freitag auf Samstag machte ich als ״Special Constable“ Dienst mit englischer Polizei und Studenten. Diese benahmen sich pflichttreu und mutig. Als ein englischer Polizist einem andern sagte, ein wichtiger Posten müßte besetzt werden und dieser jenen fragte: ״Sollen wir das tun?“ antwortete der erste: ״Wer denn? Etwa deutsche Juden (German Jews)?“ 5. Mit einem englischen Freiwilligen als Eskorte auf der Hebräischen Universität, zeigt dieser auf einen Juden und sagt: ״Denke Dir, letzte Nacht komme ich mit einer Patrouille hier herauf zur Bewachung. Wir riskieren doch immerhin unser Leben zur Beschützung dieser Leute, und nun läßt der sich in einem solchen Augenblick in ein politisches Gespräch mit uns ein, behauptet Engfand sei an allem hier Vorgefallenen schuld usw.“ Der mir gezeigte Mann ist ein deutscher Jude, wissenschaftlicher Assistent der Universität. 6. Von einem anderen Engländer erzählt man mir, er hätte im Verlaufe einer solchen politischen Diskussion gesagt: ״Eher sollet ihr alle zugrunde gehen, als daß ein einziges englisches Leben geopfert würde.“ 7. Mit einer PatrouUle in Neve Jakob, einer Siedlung orthodoxer Juden, um Frauen und Kinder abzuholen. Der Leiter der Patrouille, älterer Engländer, anscheinend ehemaliger Offizier, sagt: ״Wese (die orthodoxe) Sorte von Juden könnte man akzeptieren, aber diese anderen, die bolschewistischen Gesellen..!“ (damit meint er die Chaluzim). 8. Auf der Universität erzählt mir ein Beamter: ״Man konnte von uns aus sehen, wie die Fellachen von Anata (Anatoth) aus auftauchen. Sie sammelten sich in Gruppen, die Weiber suchten sie zurückzuhalten, hielten sie fest, fielen vor ihnen auf die Knie . . . “ 9. In ״Mekor Chaim“ erzählen mir einige Einwohner: ״Die Oxforder Studenten haben uns das Leben gerettet. Wir baten sie um ihre Namen, um ihnen öffentlich zu danken. Sie verweigerten sie uns. Sie hätten England seine Pflicht zu erfüllen geholfen.“ 10. Ein Arzt des englischen Spitals will seine arabischen Diener in ihr Heimatsdorf zmrückschicken. Er bemüht sich um eine Eskorte und erhält zwei Autos mit fünf Konstablern (ich bin darunter) zur Begleitung der drei Leute. 11. Ich eskortiere das Milchauto der Kolonisten von Ataroth. Mit mir als zweiter ein junger englischer Bursche von 15 bis 16 Jahren. Es stellt sich heraus, daß es der Sohn des Direktors des Departements der Oeffentlichen Arbeiten ist, der zu einem Ferienaufenthalt in Palästina weilt. Er war erst mit seinem Vater zusammen auf Patrouillen-Dienst. Jetzt (am Dienstag) ist sein Vater wieder ins Büro zurückgekehrt, und er fährt weiter fort, den Konstablerdienst allein zu leisten. 12. Vier jüdische Arbeiter des Departements der Oeffentliehen Arbeiten wurden von Arabern, die mit ihnen zusammen in einem Steinbruch arbeiteten, am Freitag unter großer eigener Gefahr in ihrem Dorf (Surbah’r) verborgen. Sie schützten die Juden vor den anderen Fellachen des Dorfes, von denen übrigens die Attacke gegen Talpioth erfolgte. Am Sonntag morgens brachten sie sie nach Talpioth zurück. Die Juden gelangten sicher in die Stadt. Die Araber wurden auf dem Rückwege in ihr Dorf von einer englischen Patrouille niedergeschossen. Jetzt sagen jene Fellachen, die die Juden attackiert hatten: ״Seht ihr, wie recht wir hatten! Kaum hatten die Juden sich in Sicherheit gebracht und sofort ließen sie ihre Beschützer töten“. Der Mukhtar des Dorfes kommt in großer Bestürzung zu uns. Er glaubt auf keinen Fall, daß die Juden dies hätten tun können; aber wie es den anderen beweisen?! 13. Am Dienstag nachmittag läßt der Offizier, der uns kommandiert, alle ״Special Constables“ antreten und d e m o - b i 1 i s i e r t auf Befehl der militärischen Leitung alle Juden. Darunter befinden sich mehrere Engländer (englische Juden), auch ehemalige Offiziere der englischen Armee. Der Eindruck auf uns ist niederschmetternd. Besonders ־da zu gleicher Zeit und am selben Orte eine ganze Anzahl von Arabern (Beduinen) ein gekleidet ist und Waffen erhält. Es sieht so aus, als wollte man die Juden ausliefem. Später stellt sich heraus: a) Die Aräber sind Reservisten der transjordanischen Armee und werden sofort dorthin abgeschoben; b) die Absicht war, alle Nicht-Briten zu demobilisieren. Die militärische Leitung hatte übersehen(!), daß es Juden gibt, die Briten sind und daß es arabische ״Special Constables“ gab (Regierungsbeamte und -diener usw.). 14. Heute (Donnerstag) morgen erschien im Büro einer unserer Zeichner, ein arabischer anglisierter Christ, der bisher immer europäischen Hut getragen hatte, im Tarbusch (Fez). Nach dem Grunde gefragt, sagte er: ״Jetzt ist es nur eine Ehre, den Tarbusch zu tragen.“ Dies meine Evidenz. Sie ist nicht aufregend. Aber ich habe nicht die Absicht gehabt, die interessanten, farbigen Geschehnisse, die ich erlebte, zu erzählen, sondern die lehrreichen. Die Schlüsse Die Lehren, die sich mir aus diesen Erlebnissen aufdrängten, die Schlüsse, die ich in kurzer Zeit doch Zeit fand zu ziehen, wenn ich einige stille Stunden nachts auf Wache stand, wenn ich in Hebron auf den Steinfließen der Polizeiwachstube lag, ohne schlafen zu können, sind folgende: (Sie sind natürlich mitbestimmt durch eine Auffassung, die ich mir im Verlauf meines siebenjährigen Aufenthaltes in Palästina — oder wie ich es doch jetzt lieber nennen möchte: Erez-Jisrael — bildete.) 1. Es gibt eine organisierte arabische Bewegung in Palästina. (Siehe Evidenz Nr. 1, 8, 14). Wir werden, diesmal hoffentlich nicht von ״Räubern“ sprechen. Geplündert wurde natürlich im Verlaufe der Operationen, wie von allen zivilisierten Nationen im Weltkriege. Auch gewöhnliche Diebe erschienen nach den Kämpfen am Kampfschauplatz. 2. Diese Bewegung bedient sich wohl den mohammedanischen Massen gegenüber religiöser Motive (״die Juden wollen den Mohammedanern die Omarmoschee rauben“), ist aber doch dem Wesen nach eine nationale (Nr. 14). 3. In den Kämpfen gegen die Juden, die diese Bewegung entfacht, ist die arabische Polizei nicht neutral. (Nr.2). 4. Diese Kämpfe entbehren nicht rührender Züge rein menschlicher Beziehungen von Arabern zu Juden (Nr. 12). 5. Die englische palästinensische Verwaltung war offenkundig dem Ernste der Situation nicht gewachsen (Nr. 1, 2). 6. Sie machte aber ernste Anstrengungen ihr« Herr zu werden (Nr. 3). 7. Sie wurde dabei von den einzelnen Engländern pflichttreu und aufopfernd unterstützt (Nr. 4, 9, 11). 8. Dies wurde ihnen infolge unvernünftiger Haltung der Juden nicht Immer leicht gemacht (Nr. 5, 6). 9. Wobei zugegeben werden muß, daß, wenn persönliche Sympathie zu einem der Volksteile in Frage kommt, sie eher den Arabern sich zuwendet (Nr. 7, 10). 10. Es ist aber zu beachten, daß nichts so leicht Miß- Verständnissen unterliegen kann, wie die Haltung der englischen Behörden gegenüber den Juden (Nr. 13). Diese von mir gezogenen Schlüsse basieren nicht etwa lediglich auf den angeführten Punkten der Evidenz. Diese sind vielmehr als illustrative Beispiele zu verstehen. Was ist za tun? Die organisierte national-arabische Bewegung in Palästina (Schluß Nr. 1 und 2) muß notgedrungen, solange sie keiner, legalen Weg zur Befriedigung ihrer Aspirationen sieht, von Zeit zu Zelt zu Ausbrüchen wie dem gegenwärtigen führen. Eine gewaltsame Unterdrückung, Insbesondere durch eine dritte Macht, kann keine Lösung bringen. Da einerseits die Schlagkraft der Araber durch ständige Europäisierung der gebildeten Jugend ständig steigt, andererseits ihnen nicht entgangen ist, daß die Mandatarmacht in der Anwendung äußerster Gewalt zurückhaltend und zögernd ist, halten sie die Chancen einer Erhebung für sich ständig bessernd. Immerhin ist ihnen bewußt, daß mit der Zeit auch die Kraft der Juden wächst. Und jetzt sind sie geschlagen. Sie werden daher zu einem Frieden bereit sein. Dies ist somit der Zeitpunkt, in dem die Jewish Agency versuchen muß, einen Vertrag mit dem arabischen Volk in Palästina einzugehen. Der schlagendste Einwand, der bisher gegen eine solche Anregung vorgebracht wurde, daß nämlich das arabische Volk keine Vertretung hat, die für es als Kontrahent eintreten könnte, ist jetzt hinfällig. Jene Personen, die die einfachen Fellachen in Dörfern aller Gegenden des Landes dazu bringen konnten, ihr Leben für diese Sache aufs Spiel zu setzen, sie sind befugt für diese Menschen zu sprechen und Garantien zu geben. Der Vertrag muß dem Lande die Selbständigkeit der inneren Verwaltung geben, mit solchen Garantien, die die Benachteiligung einer Bevölkerungsgruppe verhindern. Schutz nach außen und innere Polizei steht der Mandatarmacht zu, die auch im Namen des Völkerbundes darüber wacht, daß jene Garantien nicht verletzt werden. ״Sonderrechte“ (im technischen Sinn) verlangen die Juden nicht. Staatsländereien gehören dem Staate und keinem anderen (und wurden bisher mehr an Araber als an Juden vergeben). Boden kann jeder kaufen, der den verlangten Preis bezahlt. Einwandern kann jeder, der der Oeffentlichkeit nicht zur Last fällt. Für die kulturell-sozialen Bedürfnisse sorgt jeder Bevölkerungsteil für sich aus eigenem. Ein konkreter Vorschlag Die Jewish Agency bilde sofort eine spezielle F r i e - denskommission, die in die Friedensverhandlungen eintritt. Diese Zeilen sind in Eile geschrieben. Man übersehe die Form und nehme die Anregungen, die sie mitteilen wollen. Markus Reiner. Bericht aus Bat Schemen Nachstehend geben wir einen Auszug aus einem chronologischen Bericht über den Verlauf der gefährlichen Woche im Kinder dorf Ben Schemen wieder, den uns das Komitee der ״Jüdischen Waisenhilfe״ m Berlin für Verfügung stellt. (In Ben Schemen sind bekanntlich etwa 100 Waisenkinder aus Osteuropa unter Leitung von Dr. Siegfried Lehmann aus Berlin untergebracht). In einem Begleitbrief einer führenden Lehrerpersönlichkeit in Ben Schemen vom 2p. August heißt es: ״Wir sind auch heute noch vollkommen abgeschlossen, nur telephonisch besteht Verbindung mit der Hanhalah Zionith (Hoofien). Er bemüht sich sehr um uns. Obgleich neue große Üeberfälle von seiten der Araber nicht Vorkommen, ist die Stimmung im Lande noch sehr gespannt. Uns in Ben Schemen hat gerettet unsere auf nachbarliehe Freundschaft eingestellte Politik, die wir ln den letzten Jahren getrieben haben. Jede einzige gute Tat, die wir Im Laufe der Zeit den Arabern bewiesen haben, Ist in Erinnerung geblieben und hat jetzt Früchte getragen. Wenn alle Juden in Palästina so gehandelt hätten, wäre unsere Lage heute nicht so verzweifelt.“ Der Bericht selbst enthält folgende Schilderungen: Ben Schemen, 25. August. Die heutige Nacht war ruhig, dagegen ist der Vormittag voll von Aufregungen. — Ihr erinnert Euch an den alten Chadsch, an den alten Mann, der im Film, am Anfang die Post von Ludd bringt. Derselbe Chadsch schickte uns heute früh im geheimen eine dringende Warnung: In Ludd bereitet man einen Angriff auf Ben Schemen vor. Es sind zusammen 1900 Mann. Auch die Dörfer der Umgebung beginnt man zu organisieren. Wir geben die Nachricht durch die ״Hadassah“, der einzige Ort in Tel-Awiw, dessen Telephon für uns nicht gesperrt ist, an die Polizei bzw. an den Selbstschutz weiter, und beginnen mit allen Kräften, an der Verteidigung der Farm weiterzuarbeiten. Die Eingänge sind verbarrikadiert, in dem Saal im zweiten Stock bringen die Kinder — die meisten sind in Tel-Awiw — die den Ernst der Lage verstehen und sich ausgezeichnet diszipliniert verhalten, alle unsere Eßvorräte. Die älteren Jungen tragen Steine nach oben. Im Falle, daß das Haus in Brand gesteckt werden sollte, wird in großen Gefäßen Wasser vorbereitet. Wichtige Dienste leistet uns heute das Teleskop. Wir können damit in die Straßen von Ludd hineinsehen und alle Geschehnisse dort verfolgen. -— Es ist bedauerlich, daß uns keine englische Polizei geschickt wurde. Das Vertrauen zu dem arabischen Polizeikommando, das jetzt in Ben Schemen stationiert ist, ist äußerst gering. Als Menschen von Ludd und Ramleh werden sie unter keinen Umständen gegen die eigenen Genossen kämpfen. Man ist hier überzeugt, daß sie im Augenblick der Entscheidung auf uns schießen werden. Das ist ja die Tragik des jüdischen Jischuws überhaupt, daß die Polizei (die Anzahl der englischen Gendarmerie ist klein) nicht objektiv sein kann. Jetzt ist es zwei Uhr. Wir erhalten Euer Telegramm, auf das wir Euch antworten werden, sowie die Spannung etwas nachgelassen hat. Nach Berlin telephonisch ein Telegramm aufzugeben und Euch zu berichten, was hier los ist, wird möglich sein. Gespräche nach Tel-Awiw oder Jerusalem sind uns verboten. Um 4 Uhr fanden in Ludd große Versammlungen statt, in denen zum Kampf gegen Jaffa und Ben Schemen aufgefordert wurde. Ein Teil der Teilnehmer, der städtische Teil sollte das vergossene Blut in Jaffa-Tel-Awiw rächen, der dörfliche Teil sollte Ben Schemen übernehmen. Ein großer Trupp machte sich auf den Weg nach Ben Schemen. Unterwegs wurde er von einer Gruppe Aelterer zum Stehen gebracht, die gegen die Zerstörung von Ben Schemen mit großer Energie sprachen. (Unter der Jugend hatten wir einen Freund in einem 18 jährigen Burschen, der für kurze Zeit als Schüler in Ben Schemen arbeitete und der nun unsere Partei ergriff.) Da inzwischen Nachrichten nach Ludd kamen, daß hunderte Araber in Jerusalem, Jaffa und Hebron von Juden getötet wurden, wurde die Erregung außerordentlich groß. Es kann kein Zweifel sein, daß wir alle unser Leben einigen guten Freunden zu verdanken haben, besonders einigen Aeltesten von Ludd, den Scheichim: Scheich Sahib und Scheich Abu Sir von Dahoriah und einem Kaufmann Nassif in Ludd, einem wohlhabenden und einflußreichen Christen (Araber). Es scheint, daß auch der Captain Boston, der Hauptmann der arabischen Polizei, mehr als seine formale Pflicht tut. Seine Möglichkeit zu helfen war beschränkt, weil seine Leute fast alle die Straße Ramleh—Jaffa zu überwachen hatten und er uns deswegen nur zwei Polizisten lassen konnte. Er sprach in einer erregten Volksversammlung auf die Leute ein, daß sie, wenn sie nicht in Ludd bleiben wollten, nach Jaffa ziehen könnten. So lenkte er geschickt die Leute von Ben Schemen ab; vor Jaffa wurde ein großer Teil der Leute von der Polizei verhaftet Um 6 Uhr kommen Scheich Sahib und Nassif in großer Erregung zu uns, um uns zu sagen, daß heute nacht von Ludd aus keine Gefahr droht, aber daß die Dörfer Hadite, Beth- Nabeiah und Budrus einen Bund geschlossen haben, um heute nacht Ben Schemen zu zerstören. — Bisher waren unsere Verteidigungsmaßnahmen hauptsächlich in der Richtung nach Ludd getroffen worden, jetzt mußte schnell der Verteidigungsplan geändert werden. Unsere Stimmung war recht deprimiert. Die Bewohner unseres Hinterlandes sind zu einem Teil recht unkultivierte, wilde Gesellen, viel bösere Feinde im Ernstfall als die Leute von Ludd. Ludd liegt in der Richtung von Ramleh, der Kreisstadt nahe Sarafend, und das gab uns immer noch die Hoffnung, daß Regierungsfruppen uns zu Hilfe kommen würden. — Die oben genannten Dörfer Hegen ganz abseits vom Verkehr, und hinter diesen Hegen Gebirgsdörfer in einer für uns vollkommen dunklen Gegend, in denen der Einfluß der Polizei gering ist. Was den Mut aufrechterhält, war das Bewußtsein, daß wir vorbereitet waren. Unser telephonischer Hilferuf am Abend an den Captain war vergebHch. Er hatte keine Polizei mehr zur Verfügung. Unsere Hilferufe an die ״Hadassah“ in Tel-Awiw hatte man an die Tel-Awiwer Polizei weitergegeben, die die Aufforderung, engUsches Militär zu schicken, an das Gouvernement in Jaffa weitergab. Da die ge-