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Jüdische Rundschau · 1929-09-03 · Heft 69 (3.9.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 69 (3.9.1929)
Date
1929-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 450 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Nr. 69, 3. IX. 1029 Direkte Verhandlungen mit moslemischen Körperschaften Von Dr. Fritz Goitein. Der Verfasser der nachfolgenden höchst bemerkenswerten Darlegung ist ein aus Deutschland stammender, gegenwärtig an der hebräischen Universität Jerusalem wirkender gesetjestreuer Zionist, der bereits einige Zeit vor Ausbruch der Unruhen eine Europa-Reise angetreten hat und uns am Riga diese Zeilen sendet. Red. Es ist heute nicht an der Zeit, Kritik an unserer bisherigen Politik oder unserem bisherigen Verhalten zu üben. Wir sind mit der Trauer um unsere Toten beschäftigt — und ohnehin haben jetzt die britischen Bataillone das Wort. Aber cs muß dringend dafür gesorgt werden, daß unsere bisherigen Fehler nicht wiederholt und verschärft werden, was nach verschiedenen Anzeichen leider nicht ausgeschlossen erscheint. Jedermann weiß heute, daß die Klagemauer-Sache eine Falle gewesen ist, in die uns unsere Feinde geschickt 11 ineingelockt haben; mit seltener Verbissenheit von unserer und mit ausgezeichncter Regie von der anderen Seite verstrickten wir uns in diese Falle, bis sie die blutrünstigen Drahtzieher von drüben im geeigneten Moment zur Antwort auf die Jewish Agency benutzen konnten. Die judenfeindliche Politik gewisser Kreise war zu einem völligen Debakle gekommen, sie fand keinen Widerhall in den Volksmassen, so daß im vergangenen Jahr von steter Verbessern 11־ g der Beziehungen zwischen J u * den und Arabern geredet werden konnte. Da wurde zu jenem Mittel gegriffen, das nach alter Erfahrung am leichtesten zu blutigen Auseinandersetzungen — eingestandenermaflen dem Ziel der arabischen Chauvinisten — führt, die sogenannten religiösen Gegensätze und trotz der Warnungen weniger einsichtiger Leute gaben leider die Aeußerungen fast unserer gesamten öffentliehen Meinung den feindlichen Führern Stoff zu ihrer Agitation. Was nun? Bei der großen Erregung, die heute die ganze Welt Palästinas wegen ergriffen hat, ist es möglieh, daß wir von England, vielleicht sogar vom Völkerbund gewisse Rechte an der Klagemauer bekommen. Dies wäre kein Erfolg, keine Hebung des nationalen Prestiges, sondern ein Dolchstoß ins Herzunseres künftigen Aufbauwerkes. Hiermit wäre unseren Feinden der unerschöpfliche Quell erschlossen, aus dem sie Rachegefühl, Mißtrauen und Haß gegen uns aussäen könnten und solche Saat ist stets gefährlich, — um so mehr, wenn sie, durch äußere Macht niedergehalten, lange Zeit hat, zu reifen. Hier gilt es, den Stier bei den Hörnern zu fassen. Eine unsere Zukunft nicht gefährdende Bereinigung der Klagemauerangelegenheit ist nur auf dem ege dfrekfer Verständigung mit der moslemischen Welt möglich. Ich denke dabei an eine so prominente moslemische Körperschaft wie das indische Khalifatskomitec, berufenere Leute mögen geeignetere und andere Adressen finden, die obersten palästinensischen moslemischen Behörden müssen hinzugezogeii werden; die Exekutive der Jewish Agency muß mit diesen Körperschaften baldipt in Verhandlungen treten; die moslemische Oeffentlichkeit erhält auf diese Weise die Gelegenheit, unseren guten Willen und unsere reinen Absichten kennenzulernen (falls sie vorhanden sind; wenn nicht, können wir uns freilich über nichts beklagen!). Platonische Erklärungen unsererseits sind nutzlos; die moslemische Presse wird sie nicht abdrucken. Nur wenn wir Verhandlungen mit der vollen Möglichkeit negativer Ergebnisse für uns auf uns nehmen, ist das Tor für spätere Verständigung geöffnet. Es ist übrigens absolut belanglos, was für Rechte an der Klagemauer wir bekommen. Eine noch so schlechte Uebereinkunft mit den Moslems gibt uns mehr als ein Danaergeschenk selbst des Völkerbundes. Es ist Wahnsinn, die Klagemauerrechte als Frage des sogenannten nationalen Prestiges aufzufassen. Unser nationales Prestige besteht darin, daß es der moslemischen Welt eindeutig klar wird, daß wir die ehrliche Absicht haben, das, was wir versprochen haben, nämlich die Heiligen Stätten anderer Religionsgemeinschaften nicht anzutasten, auch zu halten. Werden wir diese Meinung der moslemischen Welt beibringen, so haben wir das Höchste erreicht, was wir können und zugleich die sicherste Garantie für unsere^Zukunft gewonnen. Daß unsere Feinde alles tun werden, um eine solche Verständigung zu verbinden, ist klar; doch das kann unseren Willen dazu nicht lähmen, sondern nur anfeuern. Sollte eine aus Vertretern der Jewish Agency und einer prominenten moslemischen Körperschaft gemischte Kom - mission, an deren Spitze ein Vertreter des V ö 1 k erb u n d e s stehen könnte, die Rechtsläge des Kotei untersuchen und zu festen Ergebnissen kommen, so könnte hierin der Ausgangspunkt für die von, uns so lange gesuchte Anknüpfung mit der moslemischen Welt liegen, und aus den furchtbaren Ereignisse« der Gegenwart eine heilsamere Ent- Wicklung für die Zukunft angebahnt werden. Widerhall in Italien ״B. T.“ meldet aus Rom: Die Nachrichten von den Unruhen in Palästina finden hier starken Widerhall, in dem sowohl Sympathien für die Zionisten wie der Unmut über die Haltung Englands herausklingen. Professor Dante Lattes, der Vorsitzende der italienischen Zionistengruppe, wendet sich scharf gegen die englische Regierung, die die volle Verantwortung treffe. Zum jüdisch ״ arabischen Problem (Ein Artikel der ״Neuen Züricher Zeitung“) Pie ״Neue Züricher Zeitung" veröffentlicht in ihrer ersten Sonntags-Ausgabe vom 1. September folgenden Leitartikel, der wegen des vorbildlichen Ernstes, womit hier die Probleme (im Gegensatz zu einem Teil der deutschen Presse, und, zu iinscrm Leidwesen muß es gesagt werden, auch einem Teil der zionistischen Presse) betrachtet werden, von »ros nachstehend fast vollständig wiedergegeben wird. Pas Blatt schreibt (die meisten Hervorhebungen im Texte stammen von uns): Am Donnerstagabend sprach in Zürich vor einer Ver- Sammlung, die sich zum Protest gegen die letzten Vorgänge in Palästina vereinigt hatte, der Präsident der Zionistischen Exckutive, Herr Nahttm Sokolow, über die damit zusammenhängenden Fragen. Man mag der durchaus begreiflichen Entrüstung und Erregung über die furchtbaren Angriffe und Verheerungen, denen die palästinensischen Juden und ihre Werke ausgesetzt sind, manches zugute halten, was der Führer, der sein Werk bedroht und beeinträchtigt sieht, in einem solchen Augenblicke sagt. Aber es scheint uns doch eine unzulässige, den Tatsachen direkt widersprechende Vereinfachung der Dinge zu sein, wenn der zionistische Führer behauptet, cs gäbe überhaupt kein arabisch- Jüdisches Problem. Die Vorgänge der letzten Tage, über die eine unzureichende, durch die britische Nachrichtenzensur vielfach behinderte Berichterstattung erst ein unnisammcnhängendes und widerspruchsvolles Bild vermittelt hat, zeigen leider schon jetzt mit einer erschreckenden Deutlichkeit, daß ein solches Problem nicht nur existiert, sondern sogar im Nahen Osten einen gefährlichen Brandherd bedeutet. Ein christlicher Theologe, der in der Protestversammlung erschienen war, um unseren jüdischen Mitbürgern die tiefe Teilnähme auszusprechen, die wir alle bei den entsetzlichen Nachrichten aus Palästina für das Schicksal ihrer dortigen Glaubens- und Stammesgenossen empfinden, hielt es daraufhin für seine Pflicht, den Zuhörern, unter denen naturgemäß die Juden bei weitem überwogen, darzulegen, daß auch die tragische Angelegenheit, die sie beschäftigte, eine andere Seite hat als die, von der aus ein Jude und Zionist sie im ersten Augenblick betrachten wird. Unter der lebhaften Aufmerksamkeit des jüdischen Auditoriums, das, zu seiner Ehre sei es festgestellt, diesem Redner ebenso lebhaft Beifall spendete wie dem eigenen Führer, setzte Prof. L. Köhler auseinander, daß es sich bei den Arabern, die in den letzten Tagen in Palästina gegen die Juden kämpften, durchaus nicht nur um ein ״Gesinde 1“ handelt, sondern daß wenigstens ein Teil von ihnen überzeugt ist, für ein hohes Ideal zu handeln, nämlich für den Gedanken des arabischen Nationalismus und für das Ideal des Heimatgefühls, das sie durch das Vorgehen der Zionisten bedroht glauben. Tatsächlich gibt es in Palästina auf Jahrzehnte hinaus Raum genug für die Araberund für allediejenigen J uden, die nach menschlicher Voraussicht die neue Nationalheimstätte selber aufsuchen wollen, um sich dort niederzulassen. Wenn nur wirtschaftliche Dinge zur Frage ständen, so brauchte man durchaus nicht wegen der Zukunft des zionistischen Werkes in Palästina politische Sorgen zu haben. Dem ist aber leider nicht so. Nejjcn den wirtschaftlichen Aufgaben, die Juden und Araber zu einer fruchtbaren Symbiose zusammenführen könnten, stehen religiöse Momente, ,die.» in der ,eigenartiges' Atmosphäre von Palästina jeden Augenblick gefährlich werden können, aber auch politische Herrschafts- und Machtart- Sprüche, die völlig unvereinbar erscheinen. Darin eben, daß sich in Palästina zwei solche Ansprüche gegenüberstehen, von denen jeder für sich eine besondere Art von Legitimität beanspruchen kann, beruht das besondere arabisch -jüdische Problem dieses Landes. Der arabische Anspruch beruht auf der unleugbaren Tatsache einer gewaltigen Volksmehrheit — es hat gar keinen Zweck, diese Tatsache dadurch aus der Welt schaffen zu wollen, daß man die rassenmäßige Homogenitat der palästinensischen Araber anzweifelt, denn nicht auf diese kommt es an, sondern auf den Gemeinschaftswillen dieses Volkes —־ und darauf, daß die Araber seit zwölfhundert Jahren im Lande sitzen, wo sie mehr als eine Fremdherrschaft überdauert haben. Die Juden aber stützen ihren Anspruch mit noch viel älteren historischen Gründen, die zum Teil freilich mehr romantischen Glanz als realistischen Untergrund aufweisen, aber auch mit dem sehr gewichtigen Rechtstitel, den ihnen die Baifour-Erklärung und das Palästinamandat des Völkerbundes verliehen haben. Es wird hoffentlich einmal gelingen, einen Ausgleich zwischen diesen Ansprüchen zu finden. Eine einseitige Lösung zugunsten einer Partei ist dabei wohl ausgeschlossen. Das zionistische Aufbauwerk kann ohne eine schwere Schädigung des Ansehens der britischen Macht und auch des Völkerbundes nicht preisgegeben werden. Anderseits kann man aber auch die palästinensischen Araber nicht zu einem Untertanenvolk jüdischer Herren machen. Der Gedanke an eine Aussiedelung der Araber, die etwa nach Syrien oder Mesopotamien übergeführt werden könnten, liegt nahe genug, aber seine Durchführung würde unweigerlich daran scheitern, daß Jerusalem den Mohammedanern eine fast ebenso heilige Stadt ist wie den Juden selber. Es folgt eine Auseinandersetzung über die britische Orientpolilik im Weltkrieg, sodann fährt das Blatt fort: So groß auch der Umfang der plötzlich in Palästina ausgebrochenen Wirren erscheint, so ist doch wohl anzunehmen, daß die Engländer die rein polizeiliche Aufgabe der Wiederher- Stellung der Ordnung viel rascher und mit weit geringeren Kosten durchführen können als seinerzeit die französischen Militärs in Syrien. Das britische Mandatgebiet ist viel kleiner, es hat vor allem gegen die unberechenbare Wüste hin eine viel kürzere und im ganzen wohl leichter zu verteidigende Grenzlinie als Syrien. Auch haben die Engländer in der Nähe Palästinas, am Suezkanal und einstweilen noch in Aegypten, ein Truppenreservoir, aus dem sie nach Belieben schöpfen können. Es haben sogar solche Politiker, denen nichts, was in der Welt vorgeht, kompliziert genug ist, die Vermutung geäußert, die Engländer hätten absichtlich die jetzigen Unruhen in Palästina angezettelt, um einen Vorwand zur Translozierung der jetzt in Aegypten stehenden Truppen zu haben. Einen solchen Vorwand brauchen sie gar nicht; wenn es der britischen Heeresleitung im Osten einmal aus irgendeinem Grunde, sei es wegen der Räumung der Garnisonen im eigentlichen Aegypten oder sonst, einlallen sollte, einen Teil ihrer Truppenbestände aus der unmittelbaren Nähe des Kanals, zu dessen Schutze sie vor allem berufen sind, in andere Gebiete zu kommandieren, so wird sie das mit möglichst geringem Aufsehen zu tun wissen. Außer den militärischen Maßnahmen, die für den Augenblick unerläßlich sind, die man aber wohl wegen der moralischen Rückwirkungen im ganzen mohammedanischen Osten nicht über das notwendigste Maß hinaus steigern dürfte, werden aber die Engländer nicht darum herum kommen, eine ganz gründliche Reform ihrer Polizei in Palästina durchzuführen. Es hat dort einmal eine Polizeitruppe gegeben, die aus europäischen Mannschaften rekrutiert wurde; wegen der zu hohen Kosten wurde sie aufgelöst und durch eine neue Polizei ersetzt, die zu fünf Sechsteln aus Arabern und zum Rest aus Juden besteht. Daß diese Polizei während der Unruhen dieser Tage versagen mußte, worüber trotz der scharfen militärischen Zensur bereits mehrere bestimmte Meldungen vorliegen, war im voraus anzunehmen. Wegen der Balfour-Erklärung ist England raora• lisch an der Durchführung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina interessiert, und durch das Palästinamandat hat auch der Völkerbund der britischen Macht die Aufgabe übertragen, den erforderlichen Polizeischutz zur Durchführung dieser Aufgabe zu stellen. Es wäre eine gefährliche Illusion, wenn man in zionistischen Kreisen glauben sollte, daß diese Aufgabe etwa anderen Stellen übergeben werden oder daß die Juden selber sie in die eigene Hand nehmen könnten. Erfreulicherweise scheint die Regierung der Vereinigten Staaten gegenüber den unbesonnenen, nur aus der begreiflichen Erregung des ersten Augenblicks heraus verständlichen Anregungen der New Yorker Judenschaft, die eine direkte Intervention Amerikas in Palästina forderte, eine kühle Zurückhaltung zu wahren. Eine solche Intervention könnte höchstens die an und für sich schon gefährlichen und verwickelten Probleme, die der arabische Aufstand in Palästina aufgerollt hat, mit noch schwierigeren Fragen verwickeln, was für die dabei am unmittelbarsten Interessierten ganz gewiß nicht von Vorteil wäre. An England allein ist es, über die augenblickliche Krise hinwegzukommen und in Palästina wieder einen Zustand der Ruhe zu schaffen, der die erste Voraussetzung dafür ist, daß eine Lösung des politischen Problems gefunden werden kann, an dem freilich außer den Arabern, den Juden und Engländern auch noch andere Instanzen, vor allem auch sämtliche Christliehen und mohammedanischen Völker der Welt, ein legitimes Interesse haben. Die arabischen Proteste Der englische Ministerpräsident MacDonald und die anderen Minister erhielten vorige Woche Telegramme von arabischer Seite vorgelegt, und zwar aas eine unterzeichnet von Musa Kasim Pascha el Hussein'!, dem Präsidenten der arabischen Exekutive, das andere von E t Dscha bri, Mitglied der syrisch-palästinensischen Delegation in Genf. Das Telegramm der arabischen Exekutive in Jerusalem lautet: ״Das Blutvergießen in Palästina zeigt klar, daß die liier zehn Jahre lang verfolgte Politik, welche die Beraubung der arabischen Rechte einschloß, für alle Beteiligten gefährlich ist. Die Araber verloren nach dem Krieg alle politischen Rechte, die sie unter der Türkei gehabt hatten, und waren Zeugen, wie jüdisches Geraffe von allen Seiten in ihr Land kam, um durch die Balfour-Deklaration eine nichtexistierende Nation auf den Trümmern ihrer eigenen aufzubauen. Die ausländische Verwaltung und die ungerechten zionistischen Ansprüche, die durch «Jen letzten Zionistenkortgreß deutlich enthüllt wurden, haben die gegenwärtigen bedauerlichen Uhruhen erzeugt. Mag die Regierung durch Kriegsschiffe und Militär die Ordnung hersteifen, die arabische Exekutive ist überzeugt, dal? dauernde Ordnung und Friede unmöglieh sind, solange nicht die gerechten nationalen Forderungen der Araber, nämlich Errichtung einer demokratischen Regierung und Beseitigung der Balfour-Deklaration, positiv in Betracht gezogen werden.“ El Dschabris Telegramm aus Genf enthält fofgende vier Forderungen: 1. Eröffnung einer unparteiischenUntersuchung bezüglich der Verantwortlichkeit der Zionisten, die die arabische Bevölkerung aus ihrem Lande vertreiben wollen und mit britischer Ermutigung ihre aggresslve Arroganz zur Schau tragen. 2. Einstellung des fortwährenden Bombardements britischer Flugzeuge auf Unschuldige. 3. Man muß begreifen, daß Ungerechtigkeit nicht ewig dauern kann, und daß das arabische Volk nicht ausgetilgt werden kann zum Vergnügen einiger Millionäre, die am Blutvergießen Gefallen finden. 4. Einstellung der Ermutigung zionistischer Komitees. Die Depesche schließt mit der Frage: Will die Labour-Regierung, bevor die Gefahr größer wird, begreifen, daß die Balfour-Deklaration von fatalem Einfluß auf das britische Prestige im Orient gewesen ist? Der ״Manchester Guardian“, der die beiden Telegramme der Araber wiedergibt, schreibt über den zionistischen Standpunkt folgendes: Wie wir hören, beabsichtigen die Zioni sten in stärkster Weise folgende drei Punkte von der Regierung zu fordern: 1. daß sie das Festhalten Englands an der Balfour-Deklaration im vollsten Sinne neu bekräftigt, 2. daß sie definitive Schritte ergreift bezüglich der Klagemauer, so daß das Recht der Juden, dort friedlich zu beten, für alle Zeiten gesichert ist, und 3. daß ein Gerichtshof zur Untersuchung eingesetzt wird, dessen Personalbesetzung ebenso Vertrauen einflößt, wie die Formulierung der ihm gesetzten Aufgabe. Mit Rücksicht auf den letzten Punkt, fährt ״Manchester Guardian“ fort, wird der Name von General Smuts als der eines erwünschten Vorsitzenden genannt. Smuts wird im Oktober in England erwartet, in zionistischen Kreisen, schreibt ״M. G.“, ist man der Ansicht, daß die Ausbrüche in Palästina politischer Natur sind, daß sie wohl organisiert sind und in gleichem Maße gegen Engfand wie gegen die Juden gerichtet. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß der Ausbruch erfolgte unmittelbar nach dem Angebot der Regierung an die ägyptischen Nationalisten und zu einer Zeit wo der High' Commissioner und andere *führende Beamte auf Urlaub weilten. _ Das^tiationaüstische Gefühl der Araber wird mauer betrifft, so sei bisher nicht recht zu entnehmen, was nach zionistischer Vorstellung die Lösung dieses furchtbaren Problems sein soll. Aber es muß daran erinnert werden, daß vor sieben oder acht Jahren der Mufti diesen Teil den Juden verkaufen wollte und daß die Verhandlungen, wie es heißt, datan scheiterten, daß stets, wenn eine Einigung nahe war, die Araber den Preis von neuem erhöhten. * Johannisburg,!.September. (J» T. A.) General Smuts hat erklärt, er würde sich gern an der Spitze einer Kommission nach Palästina begaben, wenn eine solche Einladung seitens der englischen Regierung an ihn ergehen würde.

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