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Jüdische Rundschau · 1929-09-03 · Heft 69 (3.9.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 69 (3.9.1929)
Date
1929-09-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 44S JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 06, 3. IX. 1929 Selbstschutz in Palästina zu sein. Jedes Schiff, das nach Palästina fährt, müßte neue Juden ins Land bringen. Sogar am Tage, wo in Safed massakriert wurde, landeten Chaluzim aus Rußland. Die Kolonisation muß ohne Unterbrechung fortgeführt werden, diese Kundgebung soll den Kindern, die in Hebron am Leben geblieben sind, zeugen, daß noch zu ihren Lebzeiten die Judenheit Hebrons wieder aufgebaut wird. Wenn wir in Palästina Frieden haben sollen, müssen wir die Position des jüdischen Volkes verstärken. Das jüdische Volk ist zu sehr verwurzelt in Palästina, um herausgerissen werden zu können, jedoch noch zu schwach, um solche Ereignisse zu verhüten. Mandat oder nicht Mandat, britisch oder nichtbritisch, wir werden nach Palästina gehen, um das Gebäude unseres Nationalheims wetterzubauen. Eine starke Ovation bewies den unerschütterlichen Willen der Ver- Sammlung, das Aufbauwerk fortzusetzen. Die Riesenversammlung in der Albert Hall zeigte, daß auch viele Nichtzionisten, die sich bisher reserviert gehalten hatten, sich der Forderung des jüdischen Nationalheimes in Palästina anschließen. Außer der Versammlung im Saal fand für viele Tausende Personen, die keinen Einlaß hatten finden können, im Freien ein großes Meeting statt, in welchem u.a. Wedgwood und das Unterhausmitglied Clayton sprachen. Die Kundgebungen in Berlin Für den 31. v. M. hatte die Zionistische Vereinigung für Deutschland zwei Versammlungen, die eine im Westen, die andere im Stadtzentrum, in der Stadthalle Klosterstraße, einberufen. Aus den zwei Versammlungen wurden vier, denn nachdem die Stadthalle von über zweitausend Personen bis auf den letzten Platz gefüllt war, verwehrte die Polizei den weiteren Einlaß und man entschloß sich, in den Sophiensälen eine Parallelversammlung abzuhalten. Doch erwies sich auch der rofle Obersaal in der Sophienstraße als zu klein, um alle rschienenen zu fassen. Man veranstaltete also in einem zweiten Saal desselben Gebäudes eine dritte Versammlung, die in wenigen Minuten bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Viele Hunderte von Erschienenen fanden aber auch jetzt keinen Einlaß, und so bekundeten sie durch ihre Anwesenheit vor dem Versammlungslokal ihr glühendes Interesse an den Reden und Erklärungen in den Versammlungen. Insgesamt nahmen über 5000 Personen an den Berliner Kundgebungen teil. Auffallend war die außerordentliche Teilnahme der Jugend. Mit fiebrigen Augen folgten die jungen Menschen den Worten der vielen Redner und bewahrten trotz der heftigsten Erregung eine wunde rvolfe Diszipf in. Es ist Bemerkenswert, daß in keiner Versammlung irgendeine Aeußerung von Haß oder Rachegefühl gegenüber den Arabern zum Ausdruck kam. Eine durchaus zutreffende Einschätzung der Vorgänge im heiligen Lande war nicht nur in den Reden der einzelnen Referenten, sondern auch beim Publikum festzustellen. In den Ver- Sammlungen kam die Entrüstung gegenüber der britischen Lokaladministration in Palästina zum Ausdruck, In energischer Weise verlangten alle Redner eine strenge Untersuchung der Vorkommnisse und eine rücksichtslose Bestrafung aller Schuldigen. In der Klosterstraße führte Alfred Berger den Vorsitz, ln den Parallelversammlungen entledigten sich Philipp Grünbaum und Arthur Rothenberg ihrer schweren Aufgabe, die Versammlungen zu leiten. In beiden Versammlungen ln der Sophienstraße kam es durch anwesende Kommunisten zu Störungsversuchen. Die jungen Leute, die im Aufträge Ihrer Parteileitung mißbraucht wurden, um sich für Effenals, fanatische Muftis gegen die auf Selbstarbeit Pegründete jüdische Kolonisation zu erklären, waren, wie durch eststellungen zweifelsfrei darsetsn ist, ln Automobilen aus Pankow und Neukölln herangerohrt worden. Alfred B e Tg e r, Klihow und Waldmann klärten in ihren Ansprachen die kommunistischen jungen Leute auf, in welcher Weise ihre Gutgläubigkeit mißbraucht werde. Die Störungsversuche beeinträchtigten aber nicht im geringsten den Ernst und die Würde der Versammlungen. Nach einigen Zwischenrufen zogen die kommunistischen Störenfriede ab. Trotz der drückenden Hitze harrte das Publikum in den beiden Versammlungen der SophiensIIe bis nach Mitternacht aus. Die Versammlung in der Stadthalle Klosterstraße fand nach Anhörung der vorgesehenen fünf Redner, Waldmann, Kfinow, Wolfsberg, Löwenstein und Klee schon um elf Uhr ihren Abschluß. In allen Versammlungen wurde die von der Zionistischen Vereinigung vorgeschlagene Re so- I u t i 0 n widerspruchslos angenommen. Die Stimmung der Erschienenen, ihre Anteilnahme an den Ausführungen der Redner, die Zwischenrufe und Beifallskundgebungen bewiesen, daß sie sich die Parole der zionistischen Leitung: ״H! I f e u n d Aufbau“ restlos zu eigen machten. Man erinnerte sich an den Ausspruch Theodor Herzls, der einmal erklärte, daß ein klarer Wasserstrahl zu Stahl werden läßt, wenn er auf glühendes Eisen trifft. Die Entschlossenheit und die Verbundenheit der jüdischen Bevölkerung, die zu Tausenden in die Protestversammlungen geströmt war, beweist, daß im jüdischen Volke der Wille unbeugsam und unerschütterlich Ist, das Aufbauwerk in Palästina trotz aller Zwischenfälle fortzuführen bis zum vollständigen Gelingen. Es Ist selbstverständlich unmöglich, alle Rede« im Wortlaute wiederzugeben. Diese Reden hielten sich im Rahmen der durch die Resolution ausgesprochenen Grundsätze. Nach• stehend seien jedoch aus den einzelnen Reden wenige Kern• sätze und Leitgedanken wiedergegeben. Alfred Berger warnte davor, sich in eine Stimmung von Panik und Kriegspsychose hineinziehen zu lassen. Die Grundsätze der zionistischen Politik müssen beibehalten werden. Unsere Antwort auf die Ereignisse in Palästina soll heißen: verstärkte Einwanderung, größere Entschlossenheit, verdoppelte Opferwilligkelt. / Karl Glaser sprach von den parallel laufetftien Interessen der Araber und Juden bei der Entwicklung und dem Aufbau Palästinas. Gegenüber den kommunistischen Zwischenrufen charakterisierte er die Kräfte, welche gegen• würtig die Hauptangreifer gegen die jüdischen Siedlungen sind. Eine reaktionäre Welt kämpft in Palästina gegen die fortschrittlichen Prinzipien, die int der jüdischen Aulbauarbält verwirklicht werden. Kanowitz erklärte, daß die Juden es ablehnten, in Palästina ״Schutzjuden“ zu sein. Unsere Orundüberzeugung ist, daß im Lande Raum für beide Völker vorhanden ist. Wäre das nicht der Fall, 80 würden die Besten nicht zur Bewegung stehen• Wenn die Juden in ihrer Arbeit dieselbe Intensität aufbringen werden wie in der Bekundung ihres Schmerze? über aie Ereignisse in Palästina, dann wird das Land aufgebaut werden. Dr. Klee sagte u. a,; Wir trauern und klagen mit jeder Mutter, die in den Unruhen ihr Liebstes verloren hat. Aber wir wissen, daß nach siebzig oder achtzig Jahren niemand aus diesem Saale mehr am Leben sein wird, und wir fragen vor allen euch, ihr jüdischen Mütter — nehmt eure Herzen in die Hand, bevor ihr Antwort gebet — ob, wenn schon einmal gestorben werden muß, ihr nicht mit Stolz und Zuversicht auf diese Jugend blicket und sie segnet, die wert ist für die Freiheit unseres Volkes um die Zukunft unseres Landes in den Tod zu gehen. Künow; Wir sind nach Palästina in der friedlichsten Absicht gekommen. Unser Kampf galt der Natur. Der jetzige Kampf drüben Ist nicht unser Kampf. Er ist uns aufgezwungen, aber wenn wir ihn schon zu führen gezwungen sind, haben wir mindestens den Trost, daß innere Menschen ihre Sache mit Stolz und Würde vertreten. Wir hatten Selbstschutz in allen Ländern, aber wir wußten niemals, wofür wir starben, 80 wie wir nicht gewußt haben, wofür wir lebten. Waldmann erklärte, daß die Juden es müde seien, die Kosten des Widerspruches zwischen den Erklärungen der Londoner Regierung und der Praxis der Palästina-Administration zu tragen. Die Interessen der Araber, der Juden, des Vorderen Orients und der ganzen Menschheit sprechen dafür, daß in Palästina, diesem goldenen Schlüssel der Kontinente, die Juden ihr Nationalheim errichten. Die Bedeutung der Verknüpfung von Juden und Palästina i,st bisher dreimal in der Weltgeschichte erkannt worden, von Cyrus, Alexander dem Großen und Julius Cäsar. Jetzt vollzieht sich zum viertenmal die Vermählung von jüdischem Volk und jüdischem Land gewaltlos, ohne imperialistische Absichten seitens des jüdischen Volkes. Man muß ruhiges Blut bewahren; nach den Unruhen und Stürmen wird eine neue Blüte eintreten, denn die wahren Interessen können verdunkelt, aber nicht für immer unterdrückt werden. Wolfs berg ging auf die Schuldfrage ein und in Beaehtung eines talmudischen Ausspruchs untersuchte er hauptsächlich die eigene Schuld. Diese besteht darin, daß man nicht bisher genügend das Palästina-Werk gefördert habe. Lebten jetzt doppelt so viele Juden in Palästina wie heute dort vor- Händen sind, so wäre der Beweis erbracht, daß die Juden ein friedfertiges Element sind, deren Arbeit beiden Völkern zugute kommt. Die Arbeit muß mit aller Energie und verdoppeltem Eifer fortgesetzt werden. Der Selbsterhaltungswille des jüdischen Volkes ist stärker als alle Hindernisse. Man muß mit der historischen Erfahrung rechnen, daß das Werk der Befreiung nicht leicht fallen kann: Trotz der Zwischenfälle und Rückschläge wird es vorwärtsgehen. Zum Schluß forderte Wolfsberg die Versammelten auf, sich der Parole des Misrachl anzuschließen, wegen der Ereignisse in Palästina einen Fasttag abzuhalten. Die Versammlungen in den Sophiensälen schlossen mit dem Absingen der Hatikwah. * Auch die Versammlung im Bachsaal, Lützowstraße, war überfüllt. Die Versammlung nahm einen würdigen Verlauf, nur während der Rede von Rabbiner Emil Levy kam es zu Störungen, weil ein großer Teil der Versammlung der Meinung war, daß man den wahren Charakter der Zusammenstöße in Palästina nicht gerecht wird, wenn man in eine Schilderung von Greueltaten verfällt, die bei anderen Anlassen unserer an Pogromen reichen Geschichte am Platze gewesen sein mag. So lange wir nur die Leidenden und Anklagenden waren — so meinte wohl der protestierende Teil der Versammlung — konnten wir nichts anderes als Schilderungen verübter Untaten geben. Heute in Palästina jedoch, wo wir verantwortliche Träger einer geschichtlichen Aufgäbe sind, haben wir auch in schweren Momenten politische Verantwortung zu wahren und dürfen uns nicht selbst in eine Kriegs- und Haßpsvchos« hineinsteigem. Die peinliche Wirkung des Zwischenfalls ist dadurch zu erklären, daß vorher die Vereinbarung getroffen war, daß in den Versammlungert, die die zionistische Einheitsfront nach außen dokumentieren sollten, nichts gesagt werden dürfe, was die Gefühle eines Teiles der zionistischen Welt beleidigt. Es gelang dem Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Blumenfeld, durch festes Eingreifen die Situation zu meistern und den Oedanken der zionistischen Einheit und des positiven A׳ufbauwÜNns, den die Versammlungen dokumentieren sollten, ln seiner Schlußrede in stärkster und überzeugendster Welse zum Ausdruck zu bringen. Die Versammlung nahm folgenden Verlauf: Der Vorsitzende der Z. V. f. D., Kurt BI um e n f eld, der die Versammlung leitete, führte in seiner Eröffnung*- rede ungefähr Folgendes aus: Die zionistische Bewegung will die Antwort auf die Judenfrage geben. Nach Jahmunderten des Galuth wollen wir wieder als Volk ein freies Leben führen. Das jüdische Volk, das in keinem Lande der Welt in wahrer Freiheit sich entfalten kann, will sich durch eigene Arbeit in legitimer Weise diese Möglichkeit in Erez Israel erobern. Wir haben für die Durchsetzung dieses Oedankens gekämpft, und die Welt hat ihn anerkannt. Wir sind nicht erstaunt, daß dieses Streben auf Widerstand stieß. Wir haben in unserer Geschichte schwere Zeiten erlebt, und auch in den letzten Jahrzehnten die Tage Dschemal Paschas und der blutigen Metzeleien in Jolns nach dem Krieg und 1921 in Palästina. Unsere Situation ist aber jetzt eine andere als zurzeit von Pogromen. Es gibt Kämpfe, wo wir uns verteidigen und wir wenden uns an das Gewissen der Welt, im Bewußtsein, jetzt das Subjekt unserer Geschichte gewor• den zu sein. Wir haben die Aufgabe, der Welt zu zeigen, daß wir in den Tagen der Gefahr, die wir jetzt durchleben, uns enger zusammenschließen und mit verstärktem Willen für unsere Sache eintreten. Nur so können wir den Opfern, die gefallen sind, in echt zionistischer Weise gerecht werden. Fin Werk wie das unsere kann nicht vernichtet werden. Wir bezahlen unsere Blut- Steuer, aber keine Gewalt und kein Angriff kann uns von unserem Ziel abbringen. — Der Redner behandelt dann die Punkte, die in der Resolution zum Ausdruck kommen, insbesondere die Forderungen an die englische Regierung; er betont. ferner die Notwendigkeit einer Verständigung mit der arabischen Welt und wendet sich schließlich der Frage zu, wie die jüdische Welt auf das Geschehen reagieren muß. Wir haben alles zit tun, um die Zahl des Jischuw zu vergrößern, dazu bedarf es einer geordneten Fortsetzung der Aufbau-Ar• beit der Jewish Agency. Der Redner schließt mit den Worten: Das jüdische Volk lebt, es lebe das jüdische Volk. Nachdem Blumenfeld die Resolution verlesen und einen Gruß der Solidarität an den Jischuw ausgesprochen hat, spricht zunächst Frau Elfriede Berge].Gronemann. Wir Frauen, sagte sie, fühlen, daß Dinge geschehen sind, die nicht durch Geld oder bessere Gesetze ungeschehen ge־ macht werden können. Das bedeutet die Tiefe unserer Trauer, daß wir wissen, die Menschen, die dort ihr leben lassen mußten, können nleht mehr erweckt werden, die in Tode»- angst ihre Tage und Nächte verbringen mußten, können die« niemals vergessen. Wir hatten geglaubt, daß den Kindern, die in Erez Israel aufwachsen, die grauenhaften Erinnerungen erspart bleiben werden, die die Pogromwalsen nach Palästina mitbringen mußten. Wir wissen jetzt, daß auch diese Kinder, solche Erinnerungen mit sich herumtragen werden. Die Rednenn spricht jedoch die Hoffnung aus, daß trotzdem diese furchtbare Situation sich ändern wird. Diejenigen Araber, die mit den Juden wirklich Zusammenleben, haben sich zum Teil von den Ausschreitungen fern gehalten und tröstlich wirkt die kleine Zeitungsnotiz, die besagt, mehrere Araberdörfer hätten der Kolonie Dilb ihre Kinder als Geiseln des Friedens gebracht. Diese fast alttcstamefftariiche Episode ist eine Hoffnung für die Zukunft Dr. Klatzkin betont in seiner hebräischen Ansprache, daß wir in dieser Stunde des Volksschmerzes und der Trauer uns hüten müssen, in eine Mentalität zu verfallen, die wir aus den Zeiten des Krieges von anderen Völkern her kennen und immer abgelehnt haben. Wir dürfen uns nicht zu einem nationalen Chauvinismus hin reißen lassen, den vielleicht andere uns gegenüber praktiziert haben. Die Araber sind selbst ein unterdrücktes und um seine nationale Freiheit kämpfendes Volk. Wir müssen seine Situation verstehen, statt uns ihm gegenüber in Haßgefühle hineintreiben zu lassen. Durch den Haß, der im Weltkrieg gepredigt wurde, haben die hassenden Völker viel mehr gelitten als die gehaßten. Wir wollen uns nicht verhetzen lassen. Wem also gilt unser Protest? Vor allem der palästinensischen Regierung, die die Rolle übernommen hatte, über den friedlichen Aufbau des Landes zu wachen. Sie hat doppelt gesündigt, weil wir uns darauf verlassen haben, daß England wache hält; hätte man uns nicht in diesem Glauben gelassen, dann hätten wir selbst gewacht. Die Regierung, die uns nicht geschützt hat, ist verantwortlich, und diese ihre Haltung reiht sich ein in eine ganze Kette von gegen uns gerichteten Handlungen. Wir müssen jetzt eine klare Antwort von England fordern, sei es eine negative: wir werden dann wissen, daß wir uns auf niemanden zu verlassen haben. Es gibt noch andere Wege zur Verwirklichung des Zionismus. ' Dr. KoUenscher betont, wir müssen unseren Kampf vor allem als Rechtskampf führen und uns dabei auf das Mandat berufen, in dessen einzelnen Bestimmungen alles enthalten ist, was heute die Grundlagen unserer Forderungen bildet. Der Redner begründet dann im einzelnen die Forderungen an die englische Regierung in der Frage der Beamten, der Wiedergutmachung der Schäden, und verlangt eine Untersuchung, die nicht einzelne Episoden betrifft, sondern die Gesamtheit der mit dem Mandate zusammenhängenden Fragen und ihrer Durchführung. Rabbiner Emil Levy erklärt, er sei durch die letzten Ereignisse ein baal teschuwo geworden In bezug auf seine Stellung zu Jabotinski. Es sei das primitivste Recht des Menschen, sich selbst zu verteidigen. Redner gibt dann verschiedene Zeitungsmeldungen über Bluttaten der Araber wieder, wobei cs zu den anfangs geschilderten Zwischenfällen kommt. Zum Schluß erklärt Redner, die Juden müßten jetzt ihre Pflicht tun. Hätte das jüdische Volk vor zwölf Jahren auf die Balfour-Deklaration richtig reagiert, dann hätte es zu diesen Ereignissen nicht kommen können. Das jüdisehe Volk wird sich nicht einschüchtern lassen. Nach Verlesen des Briefes von Prof. Einstein, den wir an anderer Stelle «riedergeben, erhält das Wort der nächste Redner, Fritz NaphtalL Er erklärt zunächst, daß die Ver* lesung des Einstein-Briefes es ihm erleichtert hat, nach Rabb. Levy das W־ort zu ergreifen, ohne in eine Polemik zu verfallen, in dieser Versammlung, die der Polemik nicht dienen sollte. Das Treuebekenntnis zum Zionismus Ist für alle, die Im Zionismus die einzig mögliche Lösung der sozialen Nöte des Volkes sehen, eine Selbstverständlichkeit. In Palästina geht kein Pogrom vor sich, ■andern Ausbrüche der Leidenschaft, die sich aus nationalen Gegensitzen ergeben haben. Dies ist eine historische Selbstverstlndllchkelt und die Juden stehen nicht so sehr außerhalb der Menschheit, daß sie erwarten könnten, daß das Werk, das sie liehen und für das sie kämpfen, von dieser Gefahr natio* naler Reibungen bewahrt bleibt, Wenn die Reibungen, die eine unvermeidliche Begleiterscheinung des Aufbaus sind, nicht zu i blutigen Exzessen führen soll, dann gehören ,dazu zwei VoratttsetWngeh. Die elhe fit luBerlleh: die Befriedigung der elementaren Sicherheitsbedürfnisse. Die andere ist Innerlich: die geistige Einstellung der Menschen, die kommen, und der Menschen, die da sind. Unter dem Gesichtspunkt der polizeiliehen Ordnung verlangen wir die Aktivität der Engländer Aber sind diese äußeren Vorbedingungen, daß die nationalen Gegensätze sich nicht in Exzessen entladen, gegeben, dann kommt es darauf an, daß wir in dem Land, In das wir kommen und kommen müssen, zu einem friedlichen Zusammenleben mit den Arabern gelangen. Dies ist eine unendlich schwere Aufgabe, besonders weil die Araber noch keine differenzierte moderne Natio« sind, dagegen religiös leicht zu fanatisieren. Worauf es bei uns vor allein ankommt, ist, daß man von dem festen Willen ausgeht, der Aufhau müsse gegründet sein auf inneren Frieden zwischen den zwei Völkern, und diesen Glauben werden wfr uns auch jetzt durch keine Kriegspsychose zerstören lassen. Wir werden das Werk unter allen Umständen fortsetzen, wir werden ringen um Schaffung der notwendigem äußeren Bedingungen, aber wir werden auch ringen um den Geist, der die jüdischen Massen hier und in Palästina beherrscht. Wir werden unser Werk schaffen nur wenn wir uns nicht den Mächten des Bösen verbinden, sondern den Mächten des Friedens. Sämtliche Redner wurden wiederholt von Beifall unterbrochen. Nach Annahme der Resolution schließt Blumenfeld die Versammlung mit einer längeren Ansprache. Sokolows Rede In Zürich In Zürich wurde am 29. August eine vom Schweizerischen Zionistenverband veranstaltete öffentliche Kundgebung abgehalten, in der Sokolow der Hauptredner war. Sokolow führte aus, die Angriffe auf den jüdischen Jischuw in Palästina gehen das ganze jüdische Volk an. Nie habe ein Jude in Palästina die Hand gegen einen Nichtjuden erhoben, nie habe ein Jude einem Moslem auch nur einen Zoll Boden zu Unrecht weggenommen. Es gäbe kein arabisch-jüdisches Problem; man wolle künstlich ein solches Problem schaffen. Die Juden wollen in ihrem eigenen Interesse Freundschaft mit dem arabishen Volk halten, Die Zusagen, die den Arabern gemacht wurden, seien gehalten, Arabien sei geschaffen wor* den. Palästina aber ist für Kolonisation bestimmt worden. Erez*IsraeI braucht Menschen. In einem Kolonisationslande könne es nicht eine Frage der Majorität oder Minorität geben. Die Ju4«n sind In Palästina ei« Vorbild für die Araber geworden. Die Juden sind stolz darauf, daß Jerusalem die Metropole von drei monotheistischen Religionen geworden ist. Selbst besitzen sie nur ein Fragment zur Andacht in Jerusalem; die Klagemauer. Seit undenklichen Zeiten Ist dieser Platz eine heilige Stätte der Juden. Die bestialischen Taten, die sich jetzt in Erez־Israel ereignet haben, werden das jüdische Volk nicht einschüchtern; wir werden leiden, aber nicht zurückweichen, Die Londoner Regierung hat die besten Absichten, aber die Administration In Palästina hat schwer gesündigt. Ein Prozentsatz der jetzt aufgewendeten Truppen zur rechfen Zeit hätte genügt, um das Blutbad zu verhindern. Aber das Blut der in Hebron gemordeten Kinder sei nicht umsonst geflossen. Es schreie zur ganzen Judenheit, auf daß diese sich aufraffe und kämpfe um das verheißene Land. Nach lebhaftem Beifall sprach als zweiter Redner der bekannte christliche Alttestamentler und Zionistenfreund Prof. L. Köhler. Er bedauerte die tiefe Tragik der Ere i g 11 i s s e, gab dann aber zu bedenken, daß auch den Arabern Jerusalem heilig sei und daß bei deren Behandlung W• wtteB der jüdischen Pfonieit einige UngascWeklichkeiteo

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