Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 68 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 08, 30. Vm. 1020 JÜEDISCH1 RUNDSCHAU Sehe 441 ' dort als möglich erörtert werden, werden in entsprechender Abwandlung auch in Jerusalem verwirklicht werden können. Zunächst freilich wird aus der nationalen Auseinandersetzung die religiöse Beimischung ausgeschieden werden müssen. Der Rückfall in die Periode blutiger Kämpfe ist auf die Erbitterung zurückzuführen, die nur der Streit um die Heiligtümer hervorgerufen hat — für Heiligtümer vergießen Menschen gern ihr und anderer Blut, Die religiöse Färbung des neuen Konflikte« zeigt sich auch darin, daß nach den vorliegenden Nachrichten die chrlst• liehen Araber an den Unruhen nicht beteiligt sein sollen. Damit ist ein Weg zur Aufräumung des schwersten Konflikt- Stoffes gewiesen: eine Verständigung über die Klagemauer, bei der das Recht der Juden auf ihre altgewohnten gottes• dienstlichen Uebungen anerkannt, die Eigentumsrechte der Mohammedaner aber geachtet werden müßten. Mandatsmacht und Völkerbund müßten mit Unterstützung einsichtiger Kreise aus beiden Lagern eine solche Verständigung durchsetzen können, Natürlich wird viel auf die Haltung Englands ankommen. Das Interesse Englands an Palästina ist heute, in den Tagen des Kurswechsels in Aegypten, größer als je. Der Besitz Palästinas, den England für seine Orientpolitik braucht, bedeutet aber die Anerkennung der auf diesem Lande lastenden Hypothek der Jüdischen Heimstätte, die England formell übernommen hat. Selbst wenn der englischen Regierung das Versprechen der Balfour-Erklärung heute gleichgültig wäre — es besteht keinerlei Anlaß, das anzunehmen —, so würde die reale Position, die sich die Juden in den letzten Jahren in Palästina errungen haben, vor allem aber die starke, gerade neuerdings wieder gesteigerte Kraft der über die ganze Welt verbreiteten jüdischen Palästina-Bewegung eine Liquidierung der Politik der Jüdischen Heimstätte nicht mehr zulassen. Daher wird England auch in Zukunft diese Politik als verbindlich anerkennen wollen und müssen. Als Folgerung daraus wird es dann aber manche schwere Unterlassungssünde gutzumachen haben, die seine Palästina-Verwaltung in den letzten Jahren begangen hat, in unrichtiger Auslegung einer Versöhnungspolitik, die als Grundsatz vernünftig sein konnte. Der Grundsatz des laisser faire, den wichtige Beamte itt Palästina der arabischen Bewe- Rung gegenüber angewendet haben, hat sich als falsch erwiesen. Ohne deutliche Zurückweisung jeder gegen die Jüdische Heimstätte gerichteten Agitation, ohne die Im Mandat vorgeschriebene positive Förderung dieses Unternehmens durch die Mandatarmacht, wird England seine Aufgabe in Palästina nicht lösen können. Es bleibt abzuwarten, ob das britische Kolonialamt diese Lehre aus den Vorgängen der letzten Woche ziehen wird. Die einzigartige Aufgabe, die das Problem Palästina enthält, erfordert eine Mischung von Festigkeit und Mäßigung, die nur in höchster Staatsmannskunst zu finden ist Die Schwierigkeit, aber auch die Möglichkeit der Lösung des Problems liegt in dieser Anwendung hoher staatsmännischer Weisheit. *, Im ״Berliner Bömen-Courier“ vom 28. August wird die Stellungnahme ein« zurzeit in Deutschland befindliehen deutschen Palästinensers wiedergegeben, aus der wir folgendes entnehmen: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die wirkliche Schuld für diese traurigen Vorfälle die Palästinaverwaltung trifft. Die Zentralregierung i» London hat ihre Pflicht erfüllt; sie hat mit tunlicher Beschleunigung Streitkräfte gesandt, denen es ohne Zweifel gelingen wird, in wenigen Tagen der Bewegung Herr zu werden. Schuld jedoch hat die Palästina- Verwaltung, die, um das Mildeste zu sagen, jeden Vorausblick hat vermissen lassen und trotz aller Warnungen abgewartet hat, bis es zu spät war. Was auf seiten der Araber die Hauptrolle spielt, ist zunächst religiöser Fanatismus. Man glaubt, insbesondere in der politisch-unreifen Bauembevölkerung, daß die Juden die mohammedanischen Heiligtümer anzutasten gewillt sind. Es bedarf aber keiner ausdrücklichen Feststellung, daß hier offenbar lang zurückgedrängte nationale Ressentiments zum Ausdruck gekommen sind. Die große Mehrzahl der arabischen Bevölkerung ist eben leider rin Spielball in den Händen einiger ehrgeiziger und verantwortungsloser Politiker, durch die sie seit Jahren gegen die friedliche Aufbauarbeit aufgehetzt wird. Was wird weiter geschehen? Wir sind, wie gesagt, davon überzeugt, daß die Unruhen in Kürze ihr Ende finden werden. Das jüdische Aufbauwerk Im Lande, das den Arabern keinen Schaden und ihnen im Gegenteil auf so vielen Gebieten Förderung und Nutzen bringt, wird wieder aufgenommen werden. Das Problem der Klagemauer muß gelöst werden. Die Juden haben niemals die Rechte oder Gewohnheiten der Araber beeinträchtigen wollen, werden aber mit demselben Nachdruck darauf bestehen, daß man die ihren nicht antastet Der Platz vor der Klagemauer muß den Juden zu ungestörter Gebets- Übung überlassen bleiben. Ohne Zweifel wird es die Londoner Zentralregierung für notwendig halten, eine Untersuchung über die Vorgänge anzustellen. Das Blut, das geflössen ist, darf die jüdisch-arabische Versöhnung nicht verhindern, die nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist und den Prozeß des Wiederaufbaus von Palästina beschleunigen wird. * Die Berliner ״Rote Fahne״ überschreibt fn ihrer Nummer vom 27. August die Nachricht aus Palästina: ״Eingeborene Araber schießen Faszisten nieder“. In den Mitteilungen selbst heißt es dann: ״Die Kämpfe zwischen den arabisehen Eingeborenen und den jüdischen zionistischen Eindringlingen in Jerusalem dauern fort/‘ Mit Behagen wird 1f»«n mitgeteilt, wie die Araber trotz des mörderischen Maschinengewehrfeuers der Polizei in mehrere jüdische Vorstädte rindrangen und eine große Zahl Juden töteten. An diese Mitteilungen knüpft die Redaktion der ״Roten Fahne“ die folgende Bemerkung: ״Diese Kämpfe sind eine Folge der brutalen imperiaEstisehen Unterdrückungspolitik, die die jüdischen Kolonisten unter dem Schutze der englischen Bajonette und Maschinengewehre seit Jahren in Palästina ausüben. Die arabische einheimische Bevölkerung wird von der jüdischen Bourgeoisie, die sich überall als die Herren des Landes aufspielt, in unerhörter Weise ausgebeutet und verfolgt. Besonders hat sich unter dem Schutze Englands die zionistische faszistische Bewegung entwickelt. . . . Große Scharen Eingeborener strömten nach Jerusalem, um Vergeltung an den Faszisten zu üben, die dann auch nicht ausblieb. Wir begrüßen auf das lebhafteste die heldenhaften Kämpfe, die die arabische Bevölkerung gegen die Zionisten, die Zutrelber und Agenten der raubgierigen englischen Imperialisten in Palästina, führen. Wir senden diesen Kämpfern unsere heißen, revolutionären Grüße, und sind überzeugt, daß die Kommunistische Partei Palästinas Ihre Arbeit zur Herüber- Ziehung der jüdischen proletarischen Massen ln die Kampffront gegen die jüdischen Ausbeuter und gegen die faszlstisehen Zionisten verstärken wird. Gemeinsame Klassen Inter• essen verbinden das jüdische Proletariat In Palästina, sowie das Proletariat der ganzen Welt mit den kämpfenden arabischen Eingeborenen. Diese gemeinsamen Klasseninteressen erfordern den unversöhnlichen Kampf gegen die zionistischen Ausbeuter in Palästina, ebenso wie gegen das zionistische Ausbeutergeslndcl der übrigen kapitalistischen Welt!“ * Da» 11״ *mburger Israelitische Familienblatt'* lehreibt u. ״Die tmverminderbare Verantwortung trägt die englische Palästinaverwaltung, die in ihrer unbegreiflichen Verblendung, trotz monatelangen Warnens aller Kenner der Verhältnisse, die Augen schloß, Beamte, die an früheren Unruhen die Schuld traf, zu strafen unterließ und, unzugänglich jeder Kritik und allen Protesten, nichts Geeignetes tat, um die Gescheitnisse der tragischen letzten Woche im Keime zu ersticken. Sie brauchte eine ganze Woche, bis sie das Selbstverständliebste der Welt tat und den Belagerungszustand über Jerusalem verhängte. Die Ruhe, die in Jerusalem unter dem Druck von Ppnzerautns, Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen endlich eingetragen ist, gleicht in verhängnisvoller Weise der Ruhe eines Friedhofs. Auf der Regierung lastet die Verantwortung, wenn das Jüdische Palästinawerk, dem gerade in diesen Tagen durch die Jewish Agency Juden aller Richtungen ihre Sympathien zuwenden, durch die letzte Woche um Jahre und vielleicht um ein Jahrzehnt zurückgeworfen ist. Welche Tragik liegt nicht darin, daß diese Ereignisse unmittelbar eintraten, nachdem man hoffen durfte, daß die überparteiliche Agency׳ dem Aufbau des jüdischen Palästina ungeahnte Kräfte zuführen würde ... Die Befriedung zwischen Juden und Arabern, die dem Lande bitter nottut, wird nur eine neue Palästinaregierung, die mit besserem Verständnis und taktvollerer Politik als die jetzige die wahren Bedürfnisse der Bevölkerung fördert, herbeiführen. Eine ihrer ersten Aufgaben aber wird es sein, in der arabischen Bevölkerung Palästinas die Kenntnis der wirklichen, friedliehen Grundlagen des jüdischen Koloni* sationswerkes und der Vorteile zu verbreiten, die das Bemühen um jüdische Siedlungen im Heiligen Lande auch für seine nichtjüdischen Bewohner mit sich bringt.“ * Eine arabische Aeoßcrang? Da» ״Berliner Tageblatt", da* am Donnerstag die Darlegungde! »ioni»ti1chen Standpunktes durch Dx. B ileski veröffentlichte (1. die Wiedergabe fn unserer heutigen Nommer), bringt ara Freitag, dem 30. d. M-. ein* Darlegung des ״arabiseben Standpunktei" von arabischer Seite. Im Gegensatz zu Bileskis Artikel ist dieser nicht gezeichnet, so daß sich schwer feststeilen läßt, ob dieser Artikel wirklich von repräsentativer arabischer Seite stammt. Der Artikel stellt den Konflikt zwischen Juden und Arabern vorwiegend als einen Kampf ums Brot dar. Er klagt dann aber die Ablehnung der arabischen Forderung auf >‘§chiffuwg*״e{tt«a •Rari'am’ini'aK fit Palastta*;‘ u»d׳״fthrt "ftfrti ״Was aber den Unwillen der Araber aufs höchste steigerte, war eine Erklärung in dem zionistischen ״Palestine Weekly“, die in dem aufreisenden Satz gipfelte: Eine jüdische Regierung wird gemäß den Versprechungen der britischen Regierung damit ihre Arbeit krönen, daß sie für ״Palästina“ den ursprünglichen Namen des Landes ״Judäa“ einführen wird. In Verbindung damit berichteten die arabischen Blätter in nicht mißruverslehender Deutlichkeit über die Agitationen Jabotinslys, der in allen Hauptstädten des Landes flaminende Hetzreden loszulassen pflegte." Der Artikel schließt: ,,Die traurigen Tage werden hoffentlich recht bald vorübergehen und in Zukunft sich nicht wiederholen, schon aus dem Grunde nicht, weil der kommende Mann —- Sir Herbert Samuel —«, der von Arabern und Juden verehrt wird, ea sich vor allem angelegen »ein lassen wird, daß mit der Unterbringung des eingewanderten Juden der Araber nicht vernachlässigt werde." Die Vermutung liegt nahe, daß dieser Artikel von einem deutsch erzogenen christlichen Araber stammt, der seit einiger Zeit in Deutschland sich aufhält, jedoch keine wirklichen Beziehungen zur arabischen Welt hat. Vor Beginn der Kämpfe Die Gefahr de« Klagemauer Streifes Ein Artikel von Beülnson im ״Dawar“ Im ״Da wat״ vom 20. August veröffentlichte M. Bei 1 ins o n unter der Ueberschrift ״Politische Rechnung“ einen Artikei über die politische Lage in Palästina. Die betreffende Nummer der Zeitung ist die letzte hier eingetroffene. Der Artikel scheint uns die Situation vor Ausbruch der Kämpfe und die Anschauung eines großen Teiles der Judenschaft treffend wiederzuspiegeln. Wir geben daher den Inhalt im folgenden wieder. Beilinsoa weist einleitend auf die Entstehung der neuen Protestbewegung des Jischuw gegen die Ent- Wicklung der Klagernauer-Angeiegenneit hin und betont dem Mangel an Fähigkeit bei den Beamten der Regierung, die Sicherheit im Lande aufrecht zu erhalten und Konfliktstoffe aus der Welt zu schaffen. Das Klagemauerproblem, das zu den vielen Fragen im Lande gehört, die einer Lösung bedürfen, müsse besonders sorgfältig behandelt werden. Ebenso wie viele andere mit der Einwanderung der Juden in Palästina entstehenden Fragen nicht von heute auf morgen gelöst werden könnenj so sei auch bei der Klagemauerfrage nicht mit einer sofortigen Lösung zu rechnen, um so mehr, als es sich Wer um eine ganz besonders schwierige und komplizierte Angelegenheit handelt Die Klagemauer ist nämlich aas einrige Objekt in Palästina, das zu einem religiösen Zusammenstoß der Nationen in Palästina führen kann. Gewiß ist auch sonst bei der Lösung irgendwelcher Schwierigkeiten rin friedlicher Ausgleich der Interessen herbeizuführen, aber «1 ist feradezu ein elementares Gebot der Vernunft, eden Konflikt in der religiösen Sphäre zu vermeiden. Der Grund für diese Vorsicht ist leicht rinzusehen. Die palästinensischen Araber sind zurzeit noch keine Nation in dem üblichen Sinne des Wortes. Das Band, das sie untereinander verknüpfe, ist in erster Linie ein religiöses; (die christlichen Araber seien eine kleine Minorität), ln allen übrigen Lebensgebieten sind die Beziehungen der Araber untereinander sehr lose, nur nicht in diesem Punkte! Die Konsequenz für uns lautet: Wenn wir nicht zu einer Sammliaig und zu einem Aufgebot aller Kräfte in der ganzea mos״ lemischen Welt Anlaß geben wotlen, wem wir ihre Einigung um die radikalen Extremisten vermeiden wollen, dann dürfen wir diese ganze Angelegenheit nur mit äußerster Vorsicht berühren. Millionen von Mohammedanern stehen bereit, um sich religiös um den kleinen Kern antizionistischer Araber zu scharen und ihnen ein gefügiges Werkzeug zur Errichtung ihrer politischen Pläne zu sein. Die Intereisengegensätze und Konflikte, «He mitunter bei Bodenkäufen, bei dem Kampfe um die Rechte des jüdischen Arbeiters usw. auftret«, sind meist lokal begrenzt Fast Immer kann man ohne große Schwierigkeiten eine Lösung erreichen. Aber wenn man die ganze arabische Masse als eine Einheit gegen sich finden wolle, die man nicht durch Zugeständnisse auf anderen Gebieten befriedigen körnte, dann fef cöe Klagemauer-Angelegenheit der Anlaß dam Die KUgemaoer Ist heute zu einer fundamentalen Frage der paUronenslsdien Politik geworden, obwohl sie eigentlich für die moslemische Welt keine religiöse Bedeutung hat Schon einige Male Ist ta letzter Zelt Gelegenheit gewesen zu verfolgen, welche Ergebnisse bei einer Mißachtung dieser Situation erzielt wurden. Im vergangenen Herbst hat man gegen den uns damals verübten Schimpf an der Klagemauer protestiert, in allen Fermen, die bei uns bei solchen Gelegen- Helten üblich seien: Artikel, Resolutionen, Volksversammlungen, Telegramme nach London und Genf. Nach wenigen Tagen schon kam eine Oegenbewegung im ar attischen Lager auf. Auch dort das gleiche: Artikel, Telegramme Resolutionen, Versammlung«, und ebenso wie bei uns, ein Uebergreifen der Bewegung bis weit üb«* & Lande* grenz« hinaus, bis nach dem Iraq und Indien einerseits und Tunis und Algerien andererseits. London und Genf sahen vor sich zahllose Telegramme von beiden Nationen. Was taten sie? Sie haben weder unsere Forderungen noch die Forderungen der Araber erfüllt, sondern bestimmt, daß zunächst alles unverändert bleiben müsse und rar die Zukunft unter Zustimmung der beiden Völker ein Ausweg gefunden werden müsse. Inzwischen sind auch wir etwas zurückgewichen, haben unsere Versammlungen und Aktion« unterbrochen und sind, nachdem seihst der Z November friedlich verlief, zu ttiwerm ruhig« Leb« ztrtckgdcehrt. Es ist töricht und niederträchtig zugleich zu behaupten, daß ״die Furcht der nationalen Institution« die Bewegung esstickt“ habe (Anspielung auf einen Satz in dem Flugblatt des Klagemauer-Komitees ״Lema’an ha-Kotri“ —׳ Ad.it »J.R.“) Daran Ist kein Wort wahr. Alles, was von 'unserer Seite geschehen konnte, ist gesebeb« und noch rin« Schritt weiter zu gehen, hätte sicher Blutvergießen bedeutet. Wir sind gezwungen gewes«, zurückztiweichen, und « hat uns naturgemäß eine Schwächung unserer Posttkm ringetragen. Nun ist das neue Uebel über uns gekommen, die Er— riehtung einer neuenTüre in der Sritenwand an der Wagemauer. Wir haben uns wiederum sdebt mit einem schriftliehen Protest und Telegramm« nach London und Oenf begnügt, sondern Demonstrationen aut d« Straßen veranstaltet, in Jerusalem 1 Wie vorauizuseh« war, entstand wiederum auf der arabisch« Seite die Oegenbewegung mit noch ernsteren Ergebnissen als im letzt« Jahre. Eta noch schwereres Unrecht Ist uns zugefügt wem« Unsere Feinde unter den Arabern gewannen engeheuer an Kraft und Prestige, wurden wiederum zu ״Rettern des Volkes“ und den Führ«! wurde am Vorab«d der Wahlen zum Obersten Moslemisch« Rat die «־wünschte Gelegenheit gegeben, sich in ihrer starte «schottert« Position glänzend zu rehabilitier«. Wen« man sagt, daß diese Bewepng künstlich sei, daß man mit Vorbedacht aHe natürlichen Instinkte gegen uns wachrufe, so ändert das nichts an den Mw־ak.tischei.־»FP1lß»«n;Ädit»«r.-SÄÄB־;<%v; W» Für jede kriegerische Auseinandersetzung Jag« die Ursachen letzten Endes in klein« und niedrigen politischen Rechtiungen. Die Folgen des Zusammenstoßes sind die gleieben, mag es sich um künstlich heraufbeschworene oder natürliche Bewegung« gehandelt hab«. Werden wir endlich aus dies« Vorgang« eine Lehre ziehen? So fragt der Verfasser zum Schluß seiner Ausführungen. Werden wir nicht einsehen, daß es unter unseren kolonisatorischen und politisch« Frag« eine gibt, die nicht auf der Straße gelöst werden kann, nicht durch Versammlungen und öffentliche Demonstrationen? Die Dinge sind heute soweit gediehen, daß wir eine vollständige Lösung der Klagemauerfrage in diesem AugenbHck rieht verlangen können, da uns gegenwärtig niemand eine solche Lösung bieten kann. Die Klagemauer ist nicht ta der Hand der Engländer, so daß wir sie von innen auf Grund ihrer Macht- Stellung fordern könnten; auch wenn sie dazu bereit wären, müssen wir auf dieses Geschenk verzichten. Ke Klagemauer Ist heute ln der Hatul der arabisch« Führer Int Lande zu einem Instrument des Einflusses und der Beherrschung der Massen geworden. Unsere Aufgabe ist heute vor allem eine ruhige Atmosphäre in der Klagemauerfrage zu «streben. Monate, ja vielleicht Jahre werden vergeh«, bis man die Ereignisse des letzt« Herbstes und der letzt« Tage vergessen wird. Der Status quo, der mit aller Schärte gewahrt werden muß, muß auf lange Zeit hinaus maßgebend sein. Ke Regierung müsse mit einem Maximum an Vorsicht dafür sorg«, daß die jüdisch« Rechte nicht verletzt werden. Wenn nach einiger Zeit die Aufregung gewichen und die Klagemauer an Bedeutung hinter andern Frag« zurückgetreten sein wird, dann wird es Zeit sein, eine vollständige Lösung für das Problem zu such«, aber durch Verhandlungen und mcht auf der Straße, inzwischen liege auf den verantwörtlichen Instanzen die Pflicht, mit all« Mitteln für die Wahrung des status quo zu sorg«, wobei der Jischuw sich mit innerer Ksziplin und Geduld wappnen und den Verstand über die Gefühle herrschen lass« muß. Die Sympathien der ägyptischen Presse Die ״Jüdische Rundschau“ erhielt von ihrer Korrespondentin, Frau Gerda Arlosoroff-Goldberg, die sich auf der Rückreise nach Palästina befindet, ein Telegramm vom 28. August aus Port Said, worin mltgeteilt wild, daß von dort die telephonische und telegraphische Verbindung mit Palästina unterbrochen ist Ke ägyptische Presse, heißt es weiter, drückt ihre Sympathien mit den kämpfenden Arabern aus um! nimmt Stellung gegen den Zionismus. Frau Arlosoroff ist am 29. d. M. in Tei-Awfw eingetroffen. Proteste der AlHaaee Israeiite Paris, 29. August. (J. T. A) Ke Alliance Israeiite Universeile und der Oberrabbiner von Frankreich, Dr. Israel Le vi, haben an den High Commissioner in Palästina Telegramme gesandt, in welchen zum Ausdruck gebracht wird, daß die Handlungsweise der Palästina-Regierung am jüdischen Versöhnungstage, wo britische Polizei die betenden Juden an der Klagemauer attackierte, Geschehnisse wie heute möglich gemacht hat.