Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 66 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 66, 23. VIII. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 425 Die Konferenz der Wizo Von Margarete Turnowski-Pinner. Die fünfte Konferenz der Wizo hatte über zwei Fragen zu entscheiden, welche für die Weiterentwicklung der zionistisehen Frauenarbeit von größter Bedeutung ist. Sie sollte die endgültige Form für die Einordnung der Neutralen in die Wizo finden und mußte den Weg zu einer Vereinheitlichung der palästinensischen Frauenarbeit durch die Gründüng des seit langem verlangten Frauen-Advisory- Council (Kat) bannen. Diese zwei zentralen Probleme beherrschten die Debatten und ließen alle übrigen Fragen zurücktreten. Nur wer die Sitzungen des Plenums und der Kommissionen verfolgte, empfand die Intensität, mit der die Konferenz arbeitete. Die Berichte der Exekutive, deren Inhalt aus dem gedruckt vorliegenden Tätigkeitsbericht zum großen Teil bekannt war, wurden zunächst durch eine schwache Debatte abgelöst. Nur bei dem Referat von Frau Esther Smoira, der die Exekutive als Expertin für die soziale Arbeit in Palästina das Wort gab, zeigte sich in heftigen Zwischenreden palästinensischer Delegierter die Gegensätzlichkeit der An- Behauungen. Der Kampf gegen die Ueberlassung von Sonderarbeits gebieten an die einzelnen Förderationen ist von grundsätzlicher Bedeutung, scheint aber bei der augenblickliehen Situation der Wizo nur da praktisch werden zu können, wo unbedeutende Gruppen Sonderarbeiten verlangen. Die Stellung der Wizo zu der Zionistischen Organisation — eine für die Weiterentwicklung außerordentlich wichtige Frage — ist von der organisatorischen Form der Wizo und ihrer Stellung zu den Neutralen so stark abhängig, daß sie zunächst zurückgestellt werden mußte. Das lebhafteste Interesse fanden die Referate über den Ausbau der Propaganda. Es war ein großer Fehler der Konferenz, daß sich auf ihr keine Möglichkeit fand, die hier gegebenen Anregungen ausreichend zu diskutieren und zu praktischen Ergebnissen zu führen. Trotz der Verschiebung der Schlußsitzung von Freitag auf Sonntag abend erwies sich der zur Verfügung stehende Zeitraum als viel zu eng für eine ausreichende Klärung der wichtigsten Fragen. Auch das Referat über die Zusammenarbeit der Wizo mit dem Kontinental-Ve rband zionistischer Mädchenvereiniguugen fand seine Erledigung nur in einer schwachen Resolution. Es war keine Zeit, klare Richtlinien für die Art der Cooperation aufzustellen. Noch peinlicher zeigte sich der Zeitmangel in der letzten, sehr ungenügenden Dur c h be - ratung des Budgets. All diese Fehler erklären sich aber, wenn man weiß, daß die meisten Delegierten mit dem festen Entschluß zur Konferenz gekommen waren, in der Council- und Neutralen« frage Klarheit zu schaffen. Die Wizo wurde — entsprechend ihrem Namen — als zionistische Frauenorganisation gegründet. Die Ent- Wicklung führte aber dazu, daß sie eine Reihe von Organ!« sationen in sich aufnahm, die, ähnlich dem deutschen ״Kulturverband“, einen erheblichen Prozentsatz von nicht« zionistischen Mitgliedern umfassen. Diese Föderationen fungieren im wesentlichen als Geldsammelapparate und treiben nur im beschränkten Maße Palästina-Propaganda, ohne zionistisch bewußt zu sein und ohne ihre Frauen für das Leben in Palästina oder für eine allgemeine zionistische Arbeit zu erziehen. Dieser Widerspruch im Wesen der Wizo führte zu so großen Schwierigkeiten, daß man überall den Zwang empfand, eine klare Entscheidung zu treffen. W i c verschieden die Wege waren, auf denen eine Lösung gesucht wurde, zeigen die drei zu dieser Frage eingereichten Resolutionen. Als erstes lag der Kon- *ferenz der Antrag der Viererkommission vor. Wie seinerzeit mitgeteilt wurde, hatte die Viererkommission im März ds. Js. in Berlin getagt und in einer langen!und sorgfältigen Arbeit versucht, die Stellung der Neutralen innerhalb der Wizo zu klären. Die Anregung für die von der Viererkommission gefaßten Beschlüsse war von Frau Steiner in Prag ausgegangen und gründete sich auf die Erfahrungen der tschechischen Gruppe. Ihre wesentlichsten Vorschläge waren: Zionistinnen und Nichtzionistinnen werden innerhalb der einheitlichen Organisation deutlich geschieden, indem die Zionistinnen einen speziellen erhöhten Organisations-Beitrag an die Wizo-Zentrale in London abführen. Die Wizo-Konferenz zerfällt in eine nur von den zionistischen Delegierten beschickte Vorkonferenz, welche die organisatorischen und propagandistischen Fragen regelt, und eine spezielle Palästina« und Budgetkonferenz, bei welcher auch die Vertreterinnen der nichtzionistischen Mitglieder der Wizo Stimmrecht haben. Dieser Vorschlag wurde nur von der tschechisehen Förderation weitervertreten. Alle übrigen Delegierten, auch die ursprünglichen Mitglieder der Viererkommission, fühlten, daß er unzureichend war. Die Heraushebung einer speziellen Gruppe aus einer einheitlichen Organisation und die Trennung der Delegierten in Ganz- und Halbberechtigte, wurde allgemein angegriffen. fm Gegensatz zu den Vorschlägen der Viererkommission hatte die österreichische Föderation eine Resolution eingereicht, deren Hauptpassus lautet: ״Die Wizo als Weltverband zionistischer Frauen darf in ihre Reihen nur zionistisch-organisierte Frauen aufnehmen. Die Exekutive der Wizo wird aufgefordert, unter Wahrung des Charakters der eigenen Organisation, mit anderen Frauenverbänden, welche an der Palästina-Arbeit interessiert sind, in Fühlung zu treten und eine Rahmenorgani sation zu schaffen, in welcher einzelne nalästinafreundliche Frauenverbände, ihrer Stärke und Mitarbeit entmsmmm .& mmmm. m₪₪m *liiÄi wmm j DU NAM 75000 sprechend, vertrete« sein sollen. Diese so za schaffende Rahmenorganisation soll in Form eines erweiterten Council organisiert werden, in welchem den neutralen Frauenverbänden äußersten Falles bis zu 50°/« der Stimmen eingeräumt werden können, wobei der Präsidentin der Wizo auch das Präsidium des erweiterten Council Vorbehalten sein muß. Die 5. Konferenz beschließt, den Namen für die Welt- Organisation in ״Women’s Interritorial Zionist Organization“ umzuändern, da der bisherige Titel, ״Women’s International Zionist Organization“ im Widerspruch mit dem nationalen Charakter der Wizo steht/‘ (Der letzte Passus wurde später einstimmig angenommen) im extremen Widerspruch zu dieser österreichischen Resolution steht die von Frau Polak van Cleeff vertretene Resolution der hollin dischen Föderation der Wizo: ״Die 5. Wizo-Konferenz, erwägend, daß eine Organ!־ sation zionistischer Frauen In der Zionistischen Welt-Organisation unnötig und unerwünscht ist, da Frauen als Mitglieder dieser Organisation alle Rechte besitzen, daß die Wizo im Gegensatz zu ihrem Namen sowohl zionistische als nichtzionisusche Frauen umfaßt, daß sie sich ausschließlich aut Iconstruktiv-nationale Aufbau-Arbeit in Palästina durch die Frau beschränken soll, beschließt, daß die Wizo sich umbilde zu einer Weltorganisation jüdischer Frauen, welche Mitarbeit an dem nationalen Aufbau Palästinas durch die Frauen als Ziel hat.“ Während also die Vorschläge der Viererkommission einen Weg finden wollten, um Zionistinnen und Nichtzionistinnen innerhalb der Wizo zu vereinigen, vertraten die Oesterreicher den Standpunkt, daß die Wizo rein zionistisch sein und nur in eine Art von Arbeitsgemeinschaft mit pro-palästinensischen Frauenverbänden treten sollte. Die Holländer verlangten dafegen die Auflösung der Wizo als Wizo (man pflegte auf er Konferenz von Streichung oder Beibehaltung des ״Z“ zu reden) und ihre Umbildung in einen großen aiiumfassenden jüdisch-propalästinensischen Frauenverband. Von einer Reihe von Gruppen wurden Ergänzungen zu den vorliegenden Hauptvorschlägen gegeben. Es handelte sich zum Teil um Abänderungsvorschläge auf Grundlage der Beschlüsse der Viererkommission, zum Teil um Vorschläge der Namensänderang (z. B. in ״Wizo und Palästina-Frauenwerk“). Nur ganz wenige Länder, z. B. Polen, erklärten den bestehenden Zustand als den für ihre Arbeit günstigsten. Da die Entscheidung der Neutralenfrage für die Fntwick- Iung der meisten Föderationen lebenswichtig ist, entschloß man sich nur sehr schwer, den endgültigen Antrag von Frau Löwenherz (Oesterreich), anzunehmen, der die nochmalige Einsetzung einer Kommission zur Klärung der Organisation.■;- frage verlangte. Man tat es trotzdem, weil es unmöglich erschien, die extrem-entgegengesetzten Meinungen in der kurzen Zeit der Konferenz zu klären Trotz dieser Hinausschiebung des endgültigen Beschlusses enthält die Annahme der Resolution Löwenherz aber bereits eine Entscheidung, denn mit ihr wurden die ersten Sätze der österreichischen Resolution als verbindlich angenommen. Es ist dadurch ausgesprochen, daß der zionistische Grundcharakter der Wizo unbedingt zu wah* ren ist. ״Di e Heranziehung der nichtzionistisehen Frauen, bzw. deren Verbände und Organisationem zur Palästina-Arbeit ist erwünscht und wird von der Konferenz wärmstens begrüßt. Diese Kooperation darf jedoch unter keinen Umständen die zionistisehen Grundlagen der Wizo erschüttern.“ Der gefaßte Beschluß führt damit einen wesentlichen Schritt vorwärts bei dem Aufbau einer geschlossenen zionistischen Frauen-Weltorganisation, die als solche erweiterte Möglichkeiten zur Heranziehung neutraler Verbände hat. * Die zweite entscheidend wichtige Frage, die Schaffung eines Frauen-Advisory -Council in Palästina, veranlaßte so heftige Kämpfe, daß die sich gegenüberstehenden Gruppen innernalb der Wizo-Exekutive ihre Weiterarbeit zeitweise von den hier gefaßten Beschlüssen abhängig machten. Die Teilnehmer der Baseler Konferenz erinnern sich an die scharfen Gegensätze, die in jener Zeit der palästinensischen Krisis zwischen den Vertreterinnen der ״sozialen Arbeit“ und der ״aufbauenden Arbeit“ in Palästina bestanden. Ganz langsam haben sich die Begriffe hier geklärt, so daß die Möglichkeit zu einem Ausgleich gegeben war. Frau Smoira stellte unsere gesamte zionistische Aufgabe als ein bevölkerungspolitisches Problem dar, das auf der einen Seite die Frage der Einwanderung, auf der anderen Seite die Frage der Erhaltung und Vermehrung der bereits eingesessenen palästinensischen Bevölkerung zu lösen habe, und damit die soziale Arbeit, und besonders das Hilfewerk für die Kinder, ebenso notwendig mache wie die Erziehung der Einwanderer , zur produktiven Arbeit Die Entscheidung der 5. Wizo-Konferenz ging schließlich dahin, daß die Wizo die Verantwortung für wesentliche Teile des Programms der Histadruth Naschim mitübernahm. Sie hat sich vor allem verpflichtet, das Kinderheim in Jerusalem und die Tageskrippe In Tei-Awiw (die bedeutendsten, vom Ausland finanzierten Schöpfungen der Histadrath) zu finanzieren. Die Verwaltung erfolgt gemeinsam durch die Wizo und die Histadrath Naschim. Dieser Beschluß verlangte eine entscheidende und grundlegende Erweiterung des bisherigen Programms d e r W i z o. Er stieß darum auch jetzt auf sehr große Widerstände und setzte sich nur darum durch, weil ein großer Teil der Konferenzteilnehmer die Vereinheitlichung der Palästina-Propaganda und Palästina-Samm- Iung im Gaiuth unbedingt wünschte. Die Histadrath Naschim hatte bisher Mittel aus dem Gaiuth (vor allem aus Kanada, Deutschland, England und der Schweiz) bekommen. Sie wäre ohne die Budgetübernahme durch die druth Naschim für das Kinderhilfswerk hätte aber eine außerordentliche Schädigung für die Einheitlichkeit der zionistischen t Frauenarbeit bedeutet Sie hätte daneben für den gesamten Zionismus schädigend gewirkt, denn sie wäre als ״Wohltätigkeitsaktion“ von allen denjenigen ausgenutzt worden, die das nationale Aufbauwerk im Lande ablehnen. Nach der Budget- Übernahme durch die Wizo ist die Histadrath Naschim verpflichtet, keinerlei spezielle Sammlungen im Ausland vorzunehmen und alle Geldmittel, die ihr von Organisationen des Gaiuth zufließen, durch die Hände der Schatzmeisterin der Wizo gehen zu lassen, (Nur in Palästina selbst ist die Histadrath Naschim weiter berechtigt, Gelder für soziale Fürsorge zu sammeln und nach eigenem Ermessen auszugeben.) Durch diesen Beschluß ist in weitgehendem Maße die Einheit der Sammlung garantiert. Die der Wizo durch diese Regelung entstehende Neubelastung ist nicht erheblich und bei einiger Anstrengung der Gruppen tragbar. Urbi et orbi Von Moses Waldmann. Zürich, 15. August 1929. * aH«® *um Nutzen, den Juden xur Ehre und der Welt als Beitrag dessen, was wir an kultureller Arbeit leisten können« Friede! Friedei deo Fernsten und Nächsten. (Weumaans Schlußworte). Schluß-Sitzung der Council -Tagung. In der Mittagspause hatte das Büro, vor allem der Liebling derjenigen, die das Getriebe der inneren Kongreßmaschinerie kennen, Viktor Zaitschek aus Brünn, der Herr der Vervielfältigungen, welcher den größten Teil der Kongreßwochen im ״Printing-Room“ des dunkeln Kellers verbracht hatte, auf der Estrade an der Stelle, wo sonst Jour- «allsten saßen, einen Tisch hingestellt, davor einen Teppich gebreitet, einen pompösen Sessel aufgebaut und vor den Tisch einen Blumenkorb placiert. Man erwartete die Annähme der Agency-Verfassung und die darauffolgende Unter- Zeichnung des in jahrelangen mühevollen Verhandlungen zustände gekommenen Dokumentes. Von der großen Stirnwand blickte auf die Versammlung Theodor Herzls Bildnis hernieder, welches in der Eröffnungssitzung wohl darum nicht zu sehen war, weil man die Majestät des toten Führers nicht eher zur Schau stellen wollte, bevor nicht der Pakt geschlossen war. Louis Marshall betritt den Saal, gefolgt von den anderen Genossen im Präsidium und am Vorstandstisch. Er liest Namen vor, deren Wahl er der Versammlung empfiehlt. ״Ai, Ai, Ai,“ so tönt es aus den Reihen der Council-Mitglieder. Dieses ״Ai“ soll eine altenglische Form für ״Yes“ (jal sein. Die Namenslisten sind genehmigt. Chaim Weizmann ist erster Präsident der Agency. Das war ja Voraussetzung. Trotzdem erschallt nach vollzogener Wahl spontan dankbarer Jubel. Und dann verlas Louis Marshali, dem das Lautsprechen ungeachtet seiner 73 Jahre gar so leicht fällt, den Text der Konstitution mit leiser, monotoner Stimme. Wer weit hinter!hm auf der in Stufen ansteigenden Estrade oder ganz weit Im Saale vor ihm sitzt, hat den Eindruck, daß Marshall, sicherlich kein Ostjude, in aller Hast, als ob er auf den Jahrmarkt eilen müßte, das Morgengebet heruntersage. Schließlieh ist die Verlesung zu Ende. Marshall kehrt vom leisen Rezitativ zum Lautsprechen zurück und fragt: ״Wer ist für die Annahme der verlesenen Verfassung?“ ״Ai, Ai, Ai“, von allen Seiten hallend, ist die Antwort. Und dann bricht der Beifallssturm los. Der Vertrag ist perfekt. Israel hat Frieden geschlossen, Gelobt sei der König der Könige, daß wir das erlebt haben1 * Der große Augenblick ist gekommen. Was beraten und beschlossen wurde, soll nun durch feierliche Unterschrift bekräftigt werden als ein Gesetz, das man sich freiwillig gegeben und dessen Lasten man freiwillig auf sich genommen hat. Zuerst kommt der zionistische Vertragspartner, repräsentiert in seinen Führern Weizmann und SokoTow. Beide unterschreiben. Als Weizmann seinen Namen unter das Dokument gesetzt hatte, will der Jubel kein Ende nehmen. Er, der jahrelang für die Idee des alljüdischen Zusammenschlusses kämpfte, hat nun sein Ziel erreicht. Zum dritten Male in seinem Leben ist ihm ein großer Wurt gelungen. Zuerst erlangte er die Balfoitr- Deklaration, dann lud er die ganze Welt zur Eröffnung der Universität auf den Skopusberg in Jerusalem, und schließlich zog und zerrte er in zäher Energie Fernstehende, Widerstrebende, Halb- und Dreiviertelwillige in den Bann seines Wollens. ln der ersten Konzeption aller drei Taten mag vielleicht etwas von Hasardeurtum gelegen haben. Großes Hasardeurtum ist aber auch geniale Intuition. Und schließlich kommt es auf die glückliche Hand an. Chaim Weizmann hat diese glückliche Hand. Und das wiegt schwer, schwerer noch als große Begabung. (Napoleon pflegte von Generalen zu sagen, die Ihm als besonders fähig empfohlen wurden, daß er sie trotzdem nicht brauchen könne, weil sie Pechvögel sind.) Aller guten Dinge sind drei, und das dritte gute Ding ist jetzt gelungea Weizmann empfindet das, und innerlich so bewegt, wie man ihn In diesen drei Wochen mit ihren Spannungen und ihrem Auf und Ab kein einziges Mal gesehen hatte, gibt er eine Erklärung ab. Er sagt, es falle ihm schwer, sein Empfinden in Worte zu kleiden. Er drückt die Hoffnung aus, daß schon in den nächsten Jahren die Früchte dieser Vereinbarung bemerkbar sein werden und schließt mit den Worten, daß nicht nur den Juden, sondern auch der Weit aus unserem Tun Nutzen und Ehre erfließen werden. ״Friede, Friede, den Fernsten und Nächsten Urbi et orbi! So spricht nur einer, der das Bewußtsein hat, eine Sache zu vertreten, die nicht nur einer Gruppe von Menschen, nicht nur einem Volke, sondern der ganzen Menschheit gilt. Das soll und darf von uns nie vergessen werden. In einem Augenblick, wo wir in unserer Arbeit einen Gipfelpunkt erklommen haben, fliegen unsere Gedanken ins Allmenschliche und Ewige. Unser ideal ist nicht nur Normalisierang und Umformung unseres Volkes, nach dem Ebenbilde anderer Völker, unser Sehnen zieht in weiteste Fernen, denn unser Adel verpflichtet. Einem Volke, dessen Individualität seit Jahrtausenden geformt ist, ziemt es nicht, nur sich zu sehen. Unbewußt wirkt messianischer Geist in all unserem Tun. ״Ihr sollt mir sein ein heilig Volk von Priestern.“ Nicht nur, um euch selbst zu genügen, sondern um beispielgebend der Menschheit voranzuschreiten. Es liegt vielleicht Hochmut und Ueberhebung in derartigem Denken. Wenn aber überhaupt ein Volk auf Grund vollbrachter Leistungen sich anmaßen darf, so zu denken und zu fühlen, dann haben die Juden den größten Anspruch darauf. Nach den Zionisten kamen die Vertreter der Judenheiten der einzelnen Länder an die Reihe. Dem Uneingeweihten mochte es Vorkommen, als ob zuerst die Sieger unterschrieben hätten und dann die Besiegten ihre Unterschrift unter den angenommenen Vertrag setzten. In Wahrheit gab es in diesem Falle weder Sieger noch Besiegte. Es war lediglich ein Sichfinden, ein Zusammenschluß, der im tiefsten Grunde des Herzens von allen ersehnt war und dessen Durchführung nur darum so schwer gefallen ist, weil viele Stämme unseres Volkes in der Leidenszeit der Diaspora hinter den Sambation verschwanden und die gemeinsame Sprache verloren. Die Unterzeichnung war das Ueberschreiten des Sambation und alle Stämme Judas trafen sich auf diesem Podium, vor diesem Tisch und setzten durch ihre Bevollmächtigten die Unter- Schrift unter den Pakt ihrer Wiedervereinigung. Alle Stämme! Das Wort soll stehen bleiben. Wohl weiß ich, daß noch einzelne Teile unseres Volkes sich femhalten bis auf den heutigen Tag. Ich bin aber tief überzeugt, daß die aktivsten und zukunftfreudigsten, die ungebrochenen und innerlich freien Schichten des jüdischen Volkes, nunmehr im Zeichen Zions vereinigt sind. Was noch fehlt, wird unweigerlich den Weg za uns finden oder wird antergehai.