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Jüdische Rundschau · 1929-08-20 · Heft 65 (20.8.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 65 (20.8.1929)
Date
1929-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 65, 20.VIIU92Ö JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 421 Die Programm-Aussprache im Council Am zweiten Sitzungstag der Jewish Agency fand, wie wir bereits berichteten, eine Aussprache im Plenum des Council über die nächsten Aufgaben der Agency statt. Wir geben nachstehend in Ergänzung unserer früheren Mitteilung eine zusammenfassende Darstellung dieser Aussprache. Sie begann mit einem Referat von Dr. Weizmann der das Arbeitsprogramm der Agency für die nächsten fünf Jahre umriß. Zunächst wies er auf den Bericht der Palestine Survey Commission hin und wiederholte die dort formulierten Forderungen an die Mandatarmacht Den wichtigsten Punkt bildet die Forderung, daß die Regierung die Kolonisation unterstütze lind den Juden Staatslindereien in Palästina zur dichten Besiedlung zur Verfügung stelle, wozu die Regierung gemäß dem Mandate verpflichtet ist. Es sei jedoch nicht abzusehen, wann die Regierung solche Staatsländerelen würde hergeben können. Das gute Land befindet sich bereits in Privatbesitz; solches Land müsse man zu hohen Preisen kaufen. Man müsse von der Regierung fordern, daß sie die seit langem beschlossene und auch schon begonnene Katastrierung des Bodens beschleunige. Auch ein Teil der Beisan böden, die den Arabern gegeben wurden, deren Bearbeitung die Araber aber noch nicht in Angriff genommen haben, da sie den Boden gar nicht brauchen, müßte nach Vereinbarung mit den arabischen Besitzern für eine jüdische Kolonisation zur Verfügung stehen. Die landwirtschaftlich beschäftigten Bewohner müßten 25 bis 30 ״> der jüdischen Bevölkerung ausmachen. Auch auf anderen Gebieten — fährt Dr. Weizmann fort — gibt die Mandatarmacht noch nicht den vollen Umfang der gebührenden Unterstützung. In letzter Zeit trägt sie zwar einen Teil des Budgets des jüdischen Erziehungswesens, aber durchaus nicht in genügendem Maße. Und auch im Gesundheitswesen trägt sie nur indirekt zu den Ausgaben bei, obwohl auch die Survey-Commission das Gesundheit®- wesen als eine Aufgabe der Regierung betrachtet. In der Stärkung der jüdischen Industrie sind einige Fortschritte, speziell auf dem Gebiete des Zoll- und Tarifwesens, erreicht worden, bei ausgiebigerer Unterstützung durch die Regierung dürfte man eine weit größere industrielle Entwicklung in Palästina erwarten. Die Verhandlungen mit der Regierung werden oft dadurch erschwert, daß die Regierung mit fertigen Verordnungen oder Gesetzesvorschlägen kommt. Eine engere Zusammenarbeit der Regierung mit der Agency würde die Arbeit wesentlich erleichtern. Unter den praktischen Aufgaben der Agencv hebt Dr. Weizmann die Schaffung geschlossener jüdischer Siedlungen hervor, Heute liegen im Emek und in der Gegend um den Tiberias-See sowie an der Küste, die Hauptpunkte der jüdischen Kolonisation. Es bedarf nur Verhältnismäßig wenig Bodens, um diese Gebiete zu einem großen Ring jüdischer Siedlungen zusatnmenzuschließen. Die notwendigste Tat der Jewish Agency muß die Schaffung einer Bodenreserve sein, die dem jüdischen Nationalfonds zur Verfügung zu stellen ist. Da die landwirtschaftliche Kolonisation die Basis der Kultur ist, und die Grundlage unseres ganzen Lebens in Palästina die Schaffung eines starken jüdischen Bauernstandes ist, ist die Landwirtschaft unsere entscheidende Aufgabe. in einem kleinen Land wie Palästina ist es wesentlich, auf den Gebieten, wo eine Siedlung möglich ist, das Maximum von Menschen anzusiedeln. Hierfür kommt in erster Linie die Küste in Betracht, da sie fruchtbar ist und die Palastina-OrSttge, die immer größeren Absatz findet, dort (?edeiht. Heute strömt eine große Menge jüdischen Kapitals in diese Gegend. Sosehr wir diese Art Privatkolonisation begrüßen, so muß doch klar sein, daß eine Garantie für dichte Besiedlung nur dann gegeben ist, wenn der Boden dem N.-F. gehört. In den nächsten Jahren dürfte auch die städtische Kolonisatlon, d. h. die Anregung der Privatinitiative in Industrie und Handel, einen großen Aufschwung nehmen. Palästina kann eine Brücke weiden, auf der Handelsbeziehungen auf allen Seiten der Welt angeknüpft werden. Eine starke iüdische Gemeinschaft wird in diesem Verkehr eine große Rolle spielen. Der Hafenbau in Haifa und das neue zum Teil bereits fertiggestellte Elektrizitätswerk bedeuten die Eröffnung dieser neuen Entwicklung des Landes. Für den Anfang dürfte es möglich sein, entsprechend der Berechnung der Survev Commission jährlich tausend Familien, d. s. 4000 bis 5000 Seelen auf dem Lande anzusiedeln. Mit den anderen Einwandererkategorien zusammen käme man zu einer Immigration von 15000 bis 20000 Seelen jährlich, also von!00 000 in den nächsten 5 Jahren. Für die Ansiedlung von 1000 Familien jährlich würde ein Budget von 700 000 Pfund genügen, da für eine Familie ungefähr 600 bis 700 Pfund notwendig sind, ein Teil der Kosten aber aus eigenen Mitteln fließen würde. Lee Frankel« Korreferat Dr, Lee K• Frankel gibt Erläuterungen zum Bericht der Survey Commission. Die arabische Bevölkerung, so führt er aus, wachse trotz der jüdischen Einwanderung viel stärker als die jüdische. Nur ein Zehntel von Palästina sei jüdisches Land, neues Land müsse zu hohen Preisen gekauft werden. Einem Import von 25 Millionen steht ein Export von nur 6 Millionen gegenüber. Bei intensiver Förderung der Industrie können Produkte fabriziert werden, die einen Gewinn abwerfen. Die Orange sei als die wichtigste Industrie zu betrachten, aus der, wenn man sie richtig durchführt, jährlich 50, vielleicht sogar 100 Millionen Dollar erzielt werden können. Das Tote Meer müsse noch gründlich untersucht werden, da es nach Ansicht von Experten auch Oel enthält Auch der Touristenverkehr ließe sich noch sehr heben. Es ist aber notwendig, daß man ein Programm auf viele Jahre im voraus festlegt. Es muß eine Wirtschaftsorgan i• satfon auf geschäftsmäßiger Grundlage gegründet werden. Jetzt wo die jewish Agency gebildet ist, müssen wir in viel größeren Ziffern danken, als der von der Commission nufgestellten 1 Million Pfund pro Jahr. Die alten Finanzinstitutionen müssen entweder zusammengefaßt oder ein neues F inanzinstitut gegründet werden. Es haben sich bereits zwei Männer bereit erklärt, in ein solches Institut, das vielleicht 10 bis 15 Millionen Pfund erfordern wird, je 500000 Dollar zu investieren: Lord Melchett und Felix M. Warburg. (Beifall.) Felix M* Werburg führt aus, e* hange vom Vertrauen, das durch die neue Verbindung von Zionisten und Nicht• zionisten in der Welt gewonnen wird, ab, wie weit da« Programm von Dr. Weizmann durchgeführt werden kann. Vor allem sei es notwendig, Landkäufe rascher durchzuführen, weiter das Problem der Kleinindustrie zu lösen. Die Industriellen müssen helfen und tun es bereits zum Teil schon, wie die Palestine Economic Corporation beweist. Die Industrie wird weiter wachsen, wenn sie konsequent auf geschäftlicher Basis entwickelt wird. Wichtig Ist ferner, die Arbeiterschaff auf das Land zu ziehen und sie dort fest/uhalten, indem man ihr das Leber! möglichst anziehend gestaltet. Der Arbeiter, der im eigenen Hause lebt, und dessen Famiiic mitwirtschaften kann, wird lernen, ökonomisch zu handeln, er wird Laad «werben und auch Grundbesitzer werden können. Die Funkflonäre der Agency In der Schlußsitzung des Council am 14. d. M• wurden, wie teilweise bereits in der vorigen Nummer telegraphisch berichtet, folgende Funktionäre der Jewish Agency einstimmig gewählt: Präsident der Jewish Agency Dr. Chalm Weizmann, Präsident der Zionistischen Organisation. Vorsitzende des Council der Jewish Agency Louis Marshall und Lord Melchett. Vorsitzender des Administrativkomitees Felix Warburg. Ehrenpräsident der Jewish Agency Baron Edmond de Rothschild. Administrativ - Komitee a) Zionistischer Teil: Morris Rothenberg, New York Judge William M. L e w i s, Philadelphia A. J. Fr ei man, Ottawa Lord Melchett, London M. M. Ussischkin, Jerusalem Kurt Blu men f eld , Berlin Dr. Leon Reich, Lwow Lazar Margulies, Bucureati Dr. BertholaFelwel, London Leo Motzkln, Paris Hesehel Farbstein, Warschau Gedalja Bub lick, New York Rabbi Aron Teitelbaum, Jerusalem Abraham Harzfeld, Tel-Awiw David Remez, Tel-Awiw Berl Locker, New York Dr. Chaim Arlosoroff, Tel-Awiw Elieser Kaplan, Tel-Awiw Nahum Twersky, Tel-Awiw Dr. Max Soloweitschik, Berlin b) Nichtzionistischer Teil: Dr. Cyrus Adler, Philadelphia James Becker, Chicago Meyer Elsässer, Los Angeles Dt. Lee K. Frankel, New York Alexander Kahn, New York Herbert Lehmann, Albany Louis M a r s 11 a 11, New York Felix M. Warburg, New York Robert Boilack, Paris Major H. L. Nathan, London O. E. d'AvfgdorOoldsmid, London Dr. Go Id f la m, Warschau Dr. Schleicher, Lwow Dr. Karl Halpern, Stanislau Direktor Oscar Wassermann, Berlin Dr. L. Baeck , Berlin Dr. W. Flldermann, Bukarest Senator Grusenberg, Reval Dr. Joseph Popper, Prag Dr. Immanuel Lö w, Szegedin. Ferner wurden für den zionistische n Teil bereits folende Ersatzmitglieder nominiert: Bernhard Rosenlatt, New York, Isidor D. Morrison, New York, Abra- Ham Leibowltz, New York, Mrs. Edward Jacobs, New York, Leonhard Stein, London, Israel M. Sieff, London, Simon Marks, London, S. Wolofskv, Montreal, Dr. Benzion Mossinsohn, Tel-Awiw, Mrs. Scnosehanah Persitz, Tel-Awiw, Salman Schocken, Zwickau, Dr. Georg Haip e r n , Hamburg, Joachim Neiger, Tarnow, Leon L e w i t e, Warschau, Adolf Bernhard, Bucuresti, Dr. Josef Rufeisen, Mähr.-Ostrau, Isaac A. Naiditsch, Paris, Haim F archy, Sofia, Dr. Schmarja Levin, Tel-Awiw, Jehoschuah Suprasky, Tel-Awiw, Moscheh S c h a pi ro , Jerusalem, Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin, Rabbi Wolf Gold , New York, Abraham S t a w i s k i, Elimelech N e u f e 1 d , Warschau, Rabbi S. Brod, Liono, Salman Rubaschow, Tel-Awiw׳, Berl Kaznelson, Tel-Awiw, Baruch Zuckermann, New York, Mcir Brown, New York, Anselm Reis, Warschau, M. J a r b I u m , Paris, Dr. Georg Landauer, Berlin, Lewi Schkolnik, Tel-Awiw, Arjeh Tartakower, Lodz, Dr. Abraham Silberschein, Lwow, Chajim Grünberg, New York, Miß Ada Fischmann, Tel-Awiw׳, Dr. Nalium Gold mann, Berlin, Dr. Emil Margulies, Leitmeritz. * Von Baron Rothschild aus Paris ist nachstehendes Telegramm eingetroffen: ״Tief ergriffen durch Ihr Telegramm danke ich aufrichtig Ihnen sowie den anderen hervorragenden Mitgliedern der Counciltagung, die mitunterzeichneten. Ich bin glücklich, daß ich mich dem großen Werke Erez-Israels widmen durfte, welchem die Schaffung der Agency mit Gottes Hilfe volle Entfaltung und glückliche Zukunft sichern wird. Mit lebhaftem Gefühl von Stolz und Dankbarkeit nehme ich das Ehrenpräsidium an. Edmond deRothschiid. * Auf Vorschlag Dr. Weizmanns wurde der ehemalige politische Sekretär der Zionistischen Organisation, der sich um das Zustandekommen der Agency und die Ausarbeitung der Verfassung große Verdienste erworben hat, Leonard Stein, zum ,,Honorary Counsel“ (Ehren-Anwalt) der Jewish Agency gewählt. ..1...uiiiiiiinnn.. Der nächste Redner, C0J. Kisch, dem dir Vorsitzende zur Geburt seines Sohnes Glückwünsche ausspricht, spricht über das politische Fundament der Tätigkeit der Agency, als dessen integrierenden Bestandteil er die öffentliche Sicherheit betrachtet, die jetzt Im Lande herrscht. In der Nachmittagssitzung wird fortgesetzt. Dr. Schmarjahu Levln hält eine zündende Anspräche, worin er betont, die Id«e sei das Primäre und nicht das Geld. Der Keren Hajessod ist ein Kind der Idee. Die ״Nichtzionisten" sind heute von denselben Motiven getrieben, die uns vor 40 Jahren zu Palästina führten. Nach 10 oder 15 Jahren werden wir vielleicht den Keren Hajessod nicht mehr brauchen. Die Arbeit wird leichter werden, well wir neue Energien bekommen haben. Dr. Arlosoroff! Wenn ich zu dieser Versammlung als Vertreter der jüdischen Arbeiter-Organisation Palästinas spreche, so bedauere ich, daß hier das Hebräische nicht die beherrschende Sprache sein kann, Die Sprache des jüdischen Arbeiters In Palästina ist die hebräische. Ich spreche hier im Namen der Chaluzim und Chaluzoth. Sie sollen wissen, daß das arbeitende Palästina sich entschlossen hinter die Politik der Erweiterung der Jewish Agency gestellt hat. Wir taten das, weil wir an die Macht des jüdischen Pioniers und seine Arbeitsenergien glauben. Ohne jüdische Arbeit ist das Wort von der Heimstätte ein leeres Wort. Es gibt in den Grenzen des Palästina, an das wir denken, weite Bodenflächen, die für geschlossene Ansiedlung in Betracht kommen. Die von Frankel vorgeschlagene neue Korporation kann zu einem wichtigsten Instrument werden, wenn sie eingegliedert wird in den ganzen Wirtschaftsplan der Jewish Agency. Kurt Blumenfeld: Wenn wir heute hier zusammen sitzen, so wissen wir, daß wir mehr als zehn Jahre diesem Augenblick entgegengearbeitet haben. In dem Jahre nach dem Kriege hat sieh manches im jüdischen Leben ereignet. Es gibt heute eine von allen anerkannte Judenfrage. Es gibt Reine Möglichkeit der Erneuerung des Judentums in den Ländern der Diaspora, — eine solche Möglichkeit gibt es nur Im freien Erez-Israel. Als oberste kontrollierende und regelnde Instanz steht die Jewish Agency da für das palistinenslsche Leben. Zehntausende stehen bereit, nach Erez-Israel zu gehen, um Bürger dieses Landes zu werden. Wir müssen es diesen Menschen möglich machen, hier die Basis ihres Lebens zu finden. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Investment-Corporation und Keren Hajessod. Der Keren Hajessod ist ebenso wie der Keren Kajemeth für lange Jahre die Voraussetzung für die Ermöglichung der Investition großer Kapitalien in Palästina. Wir kommen als Fordernde in die Agency. Auch Sie haben das Recht, von uns zu fordem, daß wir für diese Arbeit alles tun. Aber wir habe״ das Recht zu fordern, daß Sie die gesamte Verantwortung nicht nur in Versammlungen tragen, sondern im Leben, sozusagen jeden Tag. Wir stehen vor unendlichen Aufgaben, wir stellen heute nur ein Minimalprogramm auf. Wir wollen eine Kampfgenossenschaft für schwere Zeiten, in denen die Gemeinsamkeif sich zu bewähren hat. Wir wollen ein Leben in Freiheit in Palästina schaffen und den Beginn der vollen Verwirklichung des von Ihnen akzeptierten Baseler Programms. Prof. Dr. Lipmann, der bekannte Agronom und Sachverständige der Survey Commission, äußert sich dann über Fragen der Bodenpolitik und Landwirtschaft. Er pflichtet den Empfehlungen bei, die Dr. Granovsky in seinem kürzlich erichfenenen Buch ln Kommentierung des Berichtes der Survey Commission gibt, wonach das Eigentum an palästinensischem Boden auf die Dauer in! Eigentum des jüdischen Nationalfonds bleiben sollte. Weitblickende Wirtschaftler und Soziologen erkennen an, daß der Boden ein natürliches Produktionamittel ist und sein Bearbeiter das Recht hat, so lange darauf zu wohnen, als er die Fruchtbarkeit des Landes erhält und es zum Nutzen der Gesamtheit verwendet Der in Palästina vorhandene Boden umfaßt rund 25 Millionen Dunam Land, wovon etwa 10 0'״ bewässerbar sein dürften. Wir haben zwei Wirtschaftstypen zu unterscheiden, bewässerte und unbewässerte Wirtschaft, wobei der erste Typus insbesondere durch Citruspflanzungen, Orangen, Gemüse usw. repräsentiert wird. Die Entwicklung der Küstenebene und die Wohlfahrt der jüdischen Kolonien könnten ernstlich gefährdet werden, wenn nicht alles getan wird, um den Ruf der palästinensischen Orange zu schützen. Und es wird eine Aufgäbe der Jewish Agency sein, die Bemühungen des Land- Wirtschaftsdepartements der palästinensischen Regierung in dieser Hinsicht zu unterstützen. Großer Wert ist auch dem lebenden Inventar zuzumessen, wie es die Exekutive heute bereits tut. Vor allem muß die Rinderrasse in Palästina verbessert werden, ln bezug auf den Bodenkauf darf man über der Küstenebene im Emek das Hügelland nicht vergessen, das für die Entwicklung von Waldungen und damit auch für die auf chemischen Prozessen beruhenden Industrien von großer Bedeutung ist. Das Hügelland sollte Regierungsboderi bleiben, aufgeforstet und der Bevölkerung, insbesondere der jüdischen, langfristig verpachtet werden.' Bodenmangel führt zu der in allen zivilisierten Ländern beobachteten Landflucht und bewirkt so eine große soziale Gefahr. Wenn er auch nicht der Ansicht sei, daß die iüdische Landwirtschaft in Palästina nach dem Maßstabe bäuerlicher Wirtschaft durchgeführt werden soll, so befürworte er doch, eine Lebenshaltung zugrunde zu legen, die es der jüdischen Bevölkerung und insbesondere ihren Kindern ermöglicht, auf dem Lande zu bleiben. M. M. Ussischkin gibt der Zufriedenheit Ausdruck über die Stellungnahme von Frankel und Warburg zu der Frage des Bodens. Wir haben bloß 6 »0׳ des Mandatsgebietes erworben. Wenn wir das kulturfähige Land in Betracht ziehen, so haben wir nur 1 ö 0/0 des Landes. Die Regierung hat gar nicht soviel Boden selbst zu vergeben, aber sie muß den Kauf erleichtern, ln Beisaii hat die Regierung den Arabern mehr gegeben als sic brauchen; die Araber spekulieren mit dem Boden. Das ist ungerecht. Die Jewish Agency muß den ersten Schritt tun, um diese Politik zu ändern. Dr. Nahum Goldmann erklärt im Namen der Radikalen, daß diese ihre Bedenken gegen die Agency-Politik nicht fallen lassen, aber sich entschlossen haben, mit voller Loyalität und Vertrauen mitzuarbetten. Wir hoffen, daß die Entwicklung auch die niditzionistischen Delegationen dieses Councils auf den Weg der jüdischen Volks- Bewegung und großer demokratischer Prinzipien führen wird, daß ein Tag־ kommen wird, wo man nicht mehr von Fiftv- Fifty spricht, sondern wo die Juden aller Länder ihre Repräsentanten für diese Tribüne und diese große Bewegung zum Aufbau von Erez-Israel wählen werden. Wenn Herr Oscar Wassermann erklärt hat, es solle hier nichts getan werden, was den Enthusiasmus der jüdischen Jugend und der jüdischen Masse verletzen würde, so nehmen wir diese Erklärung in vollem Umfange auf. Wir werden eintreten für die Qedanken eines souveränen jüdischen Gemeinwesens in Palästina und für bessere soziale Ordnung. Die neue Investment- Corporation muß sich der Jewish Agency unterstellen. Oscar Wassermann führte ungefähr aus: Erez-Israel ist aus einer theologischen Idee Wirklichkeit geworden. Man hat uns aber Erez-Israel gegeben ohne Erez (Heiterkeit.) Jetzt müssen wir Erez (Boden) schaffen. Ussischkin hat tausendmal recht, wenn er sagt, daß es die Aufgabe der Jewish Agencv sei, mit allen Kräften und Mitteln dafür einzutreten, eine Bodenreserve zu schaffen. Nicht eine Schwächung des Keren Hajessod und des Kerea .Kajemeth

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