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Jüdische Rundschau · 1929-08-20 · Heft 65 (20.8.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 65 (20.8.1929)
Date
1929-08-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 422 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 65, 20. VIII. 1929 wollen wir, sondern eine Stärkung- Bodenpolitik ist Vorbedingung. Bodcnkatife von Privaten in Palästina können außerordentlich verdienstvoll sein, aber eine Tat des Judentums ist nur der Erwerb von Boden für das Judentum. Und hier muß Spekulation ausgeschaltet werden. Die sonstige menschliche Wirtschaftstätigkeit bedarf aber noch der ״Spekulation‘• im Sinne der freien Entfaltung der Energien. Wenn hier die Corporation eingreift, tut sie ein verdienstvolles Werk und man muß ihr Freiheit der Ent- Wicklung geben. Wir aber können nur von der Land- Wirtschaft aus aufbauen. Daher will ich den Wunsch aussprechen, daß von allenSeiten und nach allen Kräften der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth von uns gefördert werden. Diese müssen die einzigen Fonds der Jewish Agency sein. Der Hauptteil ihrer Tätigkeit ist die Bereitstellung des Landes, seine Nutzbarmachung, seine Urbarmachung und seine Besiedlung. Ben-Gurion (Achduth Avodah) erklärt als Endziel der jüdischen Arbeiter den jüdischen sozialistischen Staat 1n Erez- Israel. In der praktischen Arbeit aber geht die Arbeiterschaft mit allen Teilen des jüdischen Volkes zusammen, weil sie irn Aufbau Erez-Jisraeis eine historische Notwendigkeit für das Leben des gesamten jüdischen Volkes erkennt. Ben-Gurion verteidigt das Postulat des nationalen Bodens und vor allem das Recht der organisierten jüdischen Arbeiter, Hermann Struck wendet sich an die Tagung im Namen des Misrachi, der von Anfang an für die Erweiterung der Jewish Agency, allerdings auf dem Wege eines jüdischen Weltkongresses für Erez-Israel eingetreten sei, und spricht den Wunsch aus, daß alles geschehen werde, um den baldigen Beitritt auch derjenigen jüdischen Gemeinschaft in die Agency herbeizuführen, die ihr heute noch nicht angeschlossen ist. Damit ist die Aussprache beendet. In einer kurzen Schlußrede geht Wcizmann auf die Aeußerungen der einzelnen Redner ein, hierauf wird die Sitzung geschlossen. Robert Stricker SO Jahre Nun sind auch diejenigen jungen Leute, die nach Herzls Tode in der Zionistischen Organisation aktiv und in der Folge führend auftraten, Fünfzigjährige. Bei Robert Stricker kann man das nicht gut glauben. Aussehen und Temperament dieses Mannes lassen ihn viel jünger erscheinen. Robert Stricker ist nur als mährischer Jude, der nach Wien verpflanzt wurde, zu begreifen. Einerseits die zähe Energie der mährischen Juden, ihre Freude an Kampf und Bewegung, andererseits das gelernte Wienertum, welches sich in Raunzerei äußert, hinter dem jedoch tiefe Menschlichkeit verborgen ist. Man pflegt aus Courtoisie von vielen Jubilaren zu schreiben, daß es nicht in ihrem Sinne liegt, wenn man sie feiert. Bei Stricker ist es aber unzweifelhaft, daß Glückwünsche und feierliehe Worte in ihm ein Gefühl des Unbehagens hervorrufen. Er haßt Kinkerlitzchen, und zwar ganz aufrichtig. Ihm sind rauhe Worte viel sympathischer. Darum sei rundwegs erklärt, daß Robert Stricker intolge der Integrität seines Charakters, der Energie seines, jahrelangen Kampfes gegen Lauheit, Unechtheit und kriecherischen Geist sich große Verdienste um unsere Sache erworben, daß er aber andererseits infolge seiner Rauheit, seiner Rücksichtslosigkeit und manchmal auch seiner Verbohrtheit, wider sein beste Wollen, Schaden angerichtet hat. Als einer, der seit Jahrzehnten die Auszeichnung genoß, zuerst Strickers Schüler, dann sein bescheidener Mithelfer und später sein aufrichtiger Verehrer zu sein, darf ich es ihm ruhig sagen, daß er vielleicht darum, weil er zufällig in Wien lebte, seine hohen Gaben nicht so fruchtbringend für die ihm teure Sache des Zionismus zu verwenden vermochte, wie es wünsehenswert gewesen wäre. Immerhin: Stricker gehört zu den am meisten bekannten und geachteten Persönlichkeiten der Zionistischen Weltorganisation. Er wird von vielen abgelehnt, aber von allen geschätzt Wir sind, trotz aller Gegensätze, eine einzige große Familie. Und wenn eines unserer bedeutendsten Familienmitglieder Geburtstag feiert, so wenden sich ihm die herzlichsten Wünsche aller Angehörigen zu. Wir begrüßen Robert Stricker, wünschen ihm viele Jahrzehnte fruchtbarer Tätigkeit im Dienste unseres Volkes, das nicht so viel so treue und verläßliche Söhne zählt, wie Robert Stricker es stets gewesen ist. Moses Waldmann. Der Orangen-Import nach Deutschland Im Jahre 1928 wurden 8180000 Kisten Orangen nach Deutschland importiert. Davon kamen 7000000 Kisten aus Spanien, 919000 aus Italien, 143 000 aus Palästina, 42000 aus Südafrika, 22 000 aus Frankreich, 19 000 aus Brasilien und 12 000 aus den Vereinigten Staaten. Palästina, das vor dem Kriege keine Orangen nach Deutschland exportierte, steht heute unter den Orangen-Importländern nach Deutschland an dritter Stelle. Der Export nach Deutschland wäre überdies noch größer gewesen, wenn Palästina alle deutschen Bestellungen hätte ausführen können. Die Kooperative ״Pardess“ beabsichtigt, den Versand der Orangen-Kisten nicht mehr in Jaffa, sonderen über Haifa vorzunehmen. BevSIkeruags* Statistik Palästinas Die Zahl der palästinensischen Einwohner betrug nach einer Regierungsschätzung am 30. Juni 1929: 816064 Seelen. Die nachfolgende Tabelle enthält Einzelheiten über die Bevölkerungsbewegung im 2. Quartal 1929. BevoU kerungs• Schätzung per 30. 6, 29 Gebt Total 2. Quar־ tal 1929 irten Jährlich pro 1000 der Bev. Tode Total 2. Quar » tal 1929 sfälle Jährlich pro 1000 der Bev- Säuvl sterblic Ins«», lodesfälle unt. 1 Jahr ngs• hkeit Todes* fälle pro 1000 Ge. bürten Christen 80 225 672 33,59 335 16,74 135 200.89 Mohammedaner 572 443 7 589 53,17 3 900 23,7t 1 767 23233 Juden 154 330 1263 3232 432 2ג 11 155 122,72 andere 9066 102 45,12 52 23,00 20 1%,07 Tötet 816 064 9626 47,31 4 719 23,16 2 077 215,77 Die Vereinigung der Arbeiterparteien Das Referendum, das unter den Mitgliedern der Partei ״H a p o e 1 H a z a i r“ über die Frage des Zusammenschlusses mit der Partei ״Achduth Awodah“ veranstaltet wurde, ergab 85 % der Stimmen für den Zusammenschluß, 10 °/0 dagegen, während sich 5 ס/יי der Stimme enthielten. Das Referendum unter den Mitgliedern der ״Achduth Awodah“ hat, wie gemeldet, ein Resultat von 82 0/0 für den Zusammenschluß ergeben, so daß die Vereinigung der beiden Parteien nunmehr definitiv gesichert ist. _ (Ziko.) Kleine Nachrichten Der High Commissioner für Palästina, Sir John Robert Chancellor, wird am 28. August nach Palästina zurückkehren. (Ziko.) Der Pflanzenpathologe der landwirtschaftlichen Versuchs- Station der Zionistischen Exekutive, Dr. J. Reichert, wird die Versuchsstation auf dem Ende September in London stattfindenden Empire Mycology Congress vertreten. Dr. Reichert wird auf dem Kongreß zwei Vorträge über palästinensische Pflanzenkrankheiten halten. (Ziko.) Sommerlager nnd Bondestag des Jang-Jüdischen Wanderbundes Der J. J.W.B. veranstaltete in den großen Ferien dieses Jahres zwei Lager seiner Mittleren und Jüngeren auf der Jugendburg Öberweser bei Hameln. Es beteiligten sich an den beiden Lagern 300 junge Menschen. Das Mittlerenlager sah im wesentlichen seine Arbeit in der Behandlung zionistischer Ideologie, während das Jüngeronlagor Wert auf die Behandlung zionistischer Tagesfragen und Probleme des Gruppenlebens legte. Vor allem aber schuf das Jüngerenlager eine gut gelungene, geschmackvolle Ausstellung des Keren Kajemeth. Beide Lager führten in möglichst großem Maße die Autonomie und Selbstverwaltung der Lagertcilnchmer durch. — Im Anschluß an die Lager begann dann nach einer Tagung des Bundesrates am 4. August der Bundestag, bei dessen Eröffnung Benarie vom Wclthechaluz das Palästinareferat — nach einer kurzen Begrüßung von Moscheh Brachmann — hielt. Neben den Begriißungen des K, K. L., der Poale Zion und verwandter Organisationen kam ein Gruß der Olim des Bundes aus Palästina zur Verlesung. Der Abend des ersten Tages war mit dem Referat Hermann Gradnauers und einer sehr gut aufgebauten hebräischen Feier ausgefüllt. Der Berliner Chor trug wesentlich zum Gelingen dieses Abends durch seine hebräischen Lieder bei. Der Bundestag leistete im übrigen folgende Arbeit: Referat Dr. Zweiliog, Redakteur des sächsischen Volkshlaltes, Thema: ,,Die Lage der sozialistischen Bewegung in der W e I t"; Arbeitsgemeinschaft Dr. Lubinslsi: ״Zur Begründüng des Zionismus“; Arbeitsgemeinschaft Dr. Steinberg: ״Di« Soziale Lage der Juden in der Welt und ihre Aufgaben“; Bundrsreferat Moscheh Brachmann: ,,Entwicklungsmöglirhkeilen des Bundes"; parallel mit diesen Arbeitsgemeinschaften, die für die Mittleren und Aelteren eingerichtet waren, liefen zwei Arbcifs- Gemeinschaften der Jüngeren, und zwar: Rudi Nobel: ״Das jüdische Volk und sein Boden"; Julie Thal er: ״Besondere Epochen der jüdischen Geschieht e". Die Arbeitsgemeinschaften von Lubinski und Steinberg sind als besonders gelungen zu bezeichnen. Das Referat von Zweiling war zwar sachlich gut, aber zu sehr parteimäßig aufgebaut und für den anwesenden Kreis nicht berechnet. Die Jüngeren waren im besonders starken Maße au der der K. K. L.-Arbeit gewidmeten A.G. beteiligt. Der Bundestag selbst erreichte seinen Höhepunkt mit der guten Debatte über die bfmdischon Fragen, die vor allem die Form der Erweiterung des Bundes, sowie seine evtl, größere Bindung an die sozialistische Weltbewegung berührten. Der Bundestag unterschied sich in manchem von früheren, so vor allem dadurch, daß ihm wohl rlcr Elan des vorjährigen fehlte, der die Nachricht von der Möglichkeit, neuer Alijali gebracht hatte. Er leistete andererseits ein großes Maß ernster, sachlicher Arbeit und war dadurch bedeutungsvoll, daß sich an ihm /.um dritten Male der Alijah-Kibuz des Bundes konstituierte, ein weiterer starker Beweis seiner Palästinaverbundenheit. Der Bundestag, der bei einer Beteiligung von 700 Menschen am 6. August geschlossen wurde, nahm die vom Bundesrat ausgearbeiteten Richtlinien für dio weitere Arbeit an und wählte auf dessen Vorschlag: Moscheh Brachmann, Heini Schupler, Rudi Nobel, und Ernst Bloch in die neue Bundesleitung. N. Vermischtes Berliner Zionistische Vereinigung. Da eine Anzahl von Kongreßdelegierten noch nicht nach Berlin zurückgekehrt ist, werden die Berichtveranstaltungen über den Kongreß und die konstituierende Sitzung des Council in der Zeit vom 9. bis 12. September stattfinefen. Nähere Mitteilungen erfolgen noch. בית העם העברי. ברלין ־שרלוטנבורג. רחוב גרולמו 36 (טלפון: ביסטרק 0284. ביום ד׳ חמשה עשר באב 21.1 אוגוסגס בשעה שמונה וחצי בערב שיחה על הנושא: "החנוך בארץ ישראל ובגולה" הפותחים בשיחה: ד״ר ב. מוס יגוון ומד ב י יגל. מכותים ישתתפו מר ברכוו ועוד טורים מארץ ישראל. אורחים רצויים. Vom Hebräischen Klub. Nach der Hochsommerpause beginnt der Beth Am Iwri wiederum seine öffentliche Tätigkeit. Am Mittwoch, dem 21. August, 81/3 Uhr abends, findet in den Räumen des Beth Am eine Aussprache über ״Die jüdische Erziehung in Palästina und in der Diaspora“ statt. Referieren werden Dr. B. Mossinson und Herr Beigel. An der Debatte werden teilnehmen Herr S. Berkus und andere Lehrer aus Palästina. Gäste willkommen. Die Ingenieur-Schule Altenburg/Thür., die als erstklassige Ausbildungsstätte für künftige Maschinen-, Elektro-, Automobil- und Flagzeugingenieure bekannt ist, gab in diesen Tagen den Prospekt über das 3/4. Schuljahr aus, der allen Interessenten־ auf Anforderung kostenfrei zugestellt wird. — Din Laboratorien der Anstalt wurden wesentlich erweitert. — Das Wintersemester 1939/30 beginnt am 10. Oktober. K. J. V. Niederlassungsmöglichkeit besteht in westdeutscher Kleinstadt für Rechtsanwalt. Zu Nachhilfe- und Privatunterricht sind Bundesbrüdor bereit. Studierende der Technischen Hochschule für mehrmonatige Nebenbeschäftigung gesucht. Assistentenstelle zu vermitteln in Schlesien für Zahnarzt. Auskunft zu erhalten im K.J. V., Charlottenburg, Bleibtreustraße 50. Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise. Wir suchen für Maschinenbauer, insbesondere mit Kenntnissen der chemisch-technischen Branche, sowie für Elektrotechniker und Chemiker, Stellen. — Einige Ingenieure mit Erfahrungen im Bau von Förderanlagen und Hebezeugen von größerem Werk gesucht. — Meldungen an die Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise, Abteilung für Akademiker. Berlin N, Auguststr. 17 (Tel. Norden 7085—7087 und g130). Jüngerer Korrespondent zur Führung der Organisationskorrespondenz, Propaganda u. Reklame von großer Aktiengesellschaft für Berlin per sofort gesucht. Herren, die ähnliche Posten bereits mit Erfolg bekleidet haben, wollen sich bewerben unter C. ■44:52■ bei der Jüdischen Rundschau, Berlin W 15, Meinekestraße!</ צו empfiehlt •ich *ur Anfertigung eleganter nnd einfacher Damen Garderoben zu soliden Preisen Berlin W62 Lutherstraße 47 Gsrth.111 Fernsprecher: (B 5) Barbarossa 7838 FESTDICHTUNGEN Aktuett! Toasts / Tawiiefler / uortrsge!״<!;. Fistzeitaigsn ✓ auttaorangin viduell verfaß! 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Josef Thalia'Theater Geecfaloeeeae Gee.ll.cb.lt Lasisptelhans Da wirrt ■leb Seif fttea Komödie Freadlgee ErelgeJe Theater am Bfllotfplafz Barlla, wir •r weint aad laebl Kleines Theater Naü »dar trockra Udifspicl-Theater Spielpläne vom 20. bis 23. August •Ieria-Palast Kopf hoch, Baby! Dia'Palast am Zoo Mfinarr obaa Barai HarfOrslcndamm Steckbrieflich verfolgt Ela-Pavillon Meisterwerke der Kemerr: Pari# / Drarraawa and die Wand.r der Unterwelt Hammeriitfitsplele Adira Mrrcotte Universum SckicksmlKwtr!•! Verantwortlicher Redakteur: Dr• Siegfried Kaaowitz, Berlin N* Verlag Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W 15. Verantwortlich für den Inseratenteil: R. Sega!, Berlin •Wilmersdorf, Anz. Verw. Jüdische Rundschau G. m. b. HL» Berlin W15, Meinekcstr. 10. Druck von Siegfried Scholem, Berlin «Schöneberg

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