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Jüdische Rundschau · 1929-08-09 · Heft 62 (9.8.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 62 (9.8.1929)
Date
1929-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 02. 9. Vni. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 397 Um diese Siedlungen, die schon bestehen, zu entwickeln und zur Gesundung zu bringen, müssen an verschiedenen Orten Bodenparzellen gekauft werden. Man könnte dieses Problem vielleicht auch in einer anderen Form entscheiden, gegen welche jedoch mein und meiner Kollegen Gewissen ganz entschieden spricht, nämlich in der Form, daß die Zahl der Siedler in den Kolonien verkleinert wird. Diese Form aber können wir nicht akzeptieren, denn der Jude, welcher ins Land gekommen ist, muß mit Boden versorgt werden und darf die Kolonie nicht verlassen. (Beifall.) So ist denn der Zukauf von Boden eine wichtige Frage der Konsolidierung. Ucber den zweiten Punkt des Bodenkaufprogramms, der besprochen und in der Presse behandelt wurde, werde ich mich kurz fassen: Es ist die Sorge um die alten und die neu gegründeten Kolonien in der Ebene Saron von Haifa bis Gaza, wo sich die Pflanzungskoloriien in großem Maßstabe entwickeln. Dort muß in dieser oder jener Form die Arbeiterschaft mit Boden versorgt werden. Unter Arbeitersrhaft verstehe ich nicht diese oder jene Gruppe. Für den Keren Kajemeth und den Kongreß ist es gleichgültig, welche Anschauungen diese Arbeiterschaft hat. Wer arbeitet und arbeiten will, hat volles Recht darauf, mit einer Bodenparzelle versorgt zu werden. Nach der Bodenfrage ist die zweite . schwierigste Frage die der jüdischen Arbeit. So wie wir ohne Boden kein Land haben werden, werden wir auch ohne jüdische Arbeit kein Land haben. Um all den Reibungen ein Ende zu machen, genügt es nicht, darüber zu sprechen und zu schreiben, sondern man muß das Leben so gestalten, daß für den jüdischen Arbeiter die Möglichkeit entsteht, in den Kolonien zu arbeiten, und daß der Arbeiter die Sicherheit hat, daß er früher oder später selbständiger Kolonist wird. Ferner wurde schon längst auf dem Kongreß beschlossen — leider wurde dies bis zum heutigen Tage nicht durchgeführt —, in der Nähe von Tel-Awiw und Jerus a I e m Arbeitersiedelungen zu errichten. Für Haifa bildet das kein schweres Problem. Dort wird diese Siedlung früher oder später auf dem Boden der Haifa-Bay errichtet werden. Aber in Tel-Awiw und Jerusalem, in denen sich eine große Zahl von ständigen Arbeitern befinden, muß Boden für * Siedlungen gekauft werden, damit sich die Arbeiter ein Häuschen und eine kleine Wirtschaft unweit der Stadt errichten können. Aber auch das ist mit großen Ausgaben verliunden. Wenn wir das nicht jetzt ausführen, wird es später kaum möglich sein. Ferner muß in den Zentren des Landes, welche mit der schnellen Entwicklung des Landes in der nachsten Zukunft in verschiedenen Formen Zusammenhängen, Boden durch den K. K. L. reserviert werden. Ich denke nicht an Boden für die Kolonisation von morgen und übermorgen, sondern für die spätere Zukunft. Wir wollen nicht, daß die drei Zentren des Landes, wo sich das ökonomische Leben entwickeln wird, uns für immer verloren gehen. Das Minimum, das wir brauchen, ist eine Million Pfund netto. Und nun werden manche sagen, wenn die erwähnten Fragen das Problem des Keren Kajemeth sind, glauben Sie denn, in solcher Form das Problem lösen zu können? Ich glaube nicht, daß dies die Lösung ist, es ist aber der Anfang der Lösung. Einen anderen Weg gibt es nicht. Manche werden gewiß sagen, wenn der Keren Kajemeth das Bodenproblem nicht lösen kann, dann wird es die Privatinitiative lösen. Es gibt extreme Leute, die entschieden dagegen sind, daß Privatkapital in Erez-israel Boden kauft. Ich gehöre nicht zu diesen extremen Leuten, aber ich sage folgendes: Der Privatmann, der in Erez-Israel Boden kauft, muß unter die nationale Kontrolle gestellt werden, damit drei Momente gesichert werden: 1. daß der Boden auch in der Zukunft jüdischer Boden bleibt (Beifall); 2. daß sich auf diesem Boden eine jüdische Arbeiterschaft entwickelt (Beifall); 3. daß dieser Boden nicht ein Objekt für Spekulation wind. (Beifall.) Wenn dte Exekutive die Möglfchkeit finden Vlrt, die Kontrolle in bezug auf die erwärmten drei Momente auszuführen, so ist es gut, sonst ist dieser Kauf schädlich. Aber um dies selbst bei einer richtigen Kontrolle zu erreichen, müssen wir einen starken Keren Kajemeth besitzen, der die Bodenpolitik im Lande führt. Und wenn wir entsprechende Anstrengungen machen, dann werden wir zum nächsten Kongreß nicht wie diesmal■ mit einer Vergrößerung um 40 Prozent kommen können, sondern mit einer vielfachen Vergrößerung. Was ich von Ihnen verlange, ist, Enthusiasmus für unsere Arbeit in die zionistische Welt und In die gesamte jüdische Welt hineinzutragen. Wenn wir mit großer Freude und Begeisterung an die Arbeit des Keren Kajemeth herantreten werden, so hoffen wir auch, aut dem Wege unserer alten Sammlungen viel größere Einkünfte als dieses Jahr zu haben. Dennoch ist dies keine Antwort auf meine Forderung nach einer Million Pfund. Ich habe gedacht,daß man für diesen Fall eine ganz neue Form der Sammlung finden müsse. Es entstand , aber die Befürchtung, daß dadurch der Keren Hajessod geschädigt werden könnte. Dr. Weizmann denkt, daß uns unsere neue Partnerschaft die notwendigen Summen für den Bodenkauf schaffen wird. Selbstverständlich werden wir froh sein, wenn dies der Fall sein wird. Aber was soll geschehen, wenn dieser Fall nicht eintreten wird? Auch dann, glaubt Dr. Weizmann, wird es eine Möglichkeit geben, auf einem neuen Wege in Amerika größere Summen für den Keren Kajemeth aufzubringen, und er wird selbst darüber sprechen. Es ist nicht viel Neues, was ich Ihnen gesagt habe, aber die alten Worte sind immer neu. Ein jeder von Ihnen, der weiß, was jetzt in Erez-Israei vorgeht, und der begreift, daß unser Gebäude nicht in der Luft erbaut werden kann, ist überzeugt, daß wir in der nächsten Zukunft viel größere Bodenkomplexe in unseren Händen haben müssen. Und daß es für uns in den nächsten zwei Jahren nur eine einzige Forderung geben kann: Geulah titnu laarez. (Lebhafter Beifall.) Del. Maxa N o r d a u (Revisionistin) verlangt zu einer persönlichen Erklärung das Wort und beginnt zu verlesen: Ich hatte am vorigen Donnerstag meine Demission als Delegierte dem Präsidenten des Kongresses schriftlich bekannt gegeben. Meine Gegenwart in einer derart amorphen Versammlung schien mir vollkommen zwecklos. Meine Freunde haben mich veranlaßt, diese Demission zurückzu• nehmen. Ich halte cs für nötig, hier auszusprechen, was ich fühle und welche Gründe mich zu meinem Entschluß bestimmt haben. Wir sind zu einem zionistischen Kongreß geladen worden. Wo ist er? Wir sollten über die Jewish Agency diskutieren und sind vor ein fait accompli gestellt worden (Unruhe). Wir haben alle gehört, wie der Präsident der Organisation uns selbst gebeten hat, keine Zeit zu verlieren damit, daß wir Details diskutieren, sondern einfach die Sache anzunehmen, oder abzulehnen. Wir sind da, um eine Komödie zu spielen. (Unruhe. Rufe: Das ist eine Entweihung des Kongresses! Auch Nordaus Tochter soll nicht so reden!) Vors. Präs. Sokolow: Wir haben im Präsidium beschlossen, Frau Maxa Nordau das Wort zu einer persönliehen Erklärung zu erteilen. Ich nahm an, sie wolle über persönliche Dinge sprechen und nicht über die Jewish Agency. Es ist mir sehr unangenehm, aber es ist Pflicht des Vorsitzenden, die Rednerin aut die Regeln des Kongresses aufmerksam zu machen. Jetzt kann über die Agency nicht gesprochen werden. Delegierte Maxa Nordau: Ich wurde als Delegierte gewählt und habe das Recht, im Namen der tunesischen Juden zu sprechen, die wie ich denken. (Starke Unruhe im Saal. Beifall bei den Revisionisten.) Es tut mir leid, aber ich muß über die Frage der Agency sprechen, ich habe eine persönliche Erklärung abzugeben. Vizepräsident Motzkln : Ich glaube, daß das, was Frau Nordau sagen will, nur im Rahmen der Debatte über die Agency gesagt werden kann. Eine ״persönliche Erklärung“ kann ein Delegierter abgeben, wenn er persönlich beleidigt wurde und in seiner eigenen Sache sprechen will. Ich glaube nicht, daß Sie persönlich beleidigt wurden. Darum schlage ich dem Präsidenten vor, daß Sie jetzt nur persönlieh sprechen und in der Debatte über die Agency Ihre Meinung darüber sagen. (Unruhe im ganzen Saal.; Delegierte Maxa Nordau : Also gut, man soll nicht über die Agency sprechen, weil man wahrscheinlich fürchtet, dah ich etwas gegen die Agency sagen werde. (Langandauernde Unruhe im ganzen Saal. Schlußrufe.) Ich verlangte das Wort zu einer persönlichen Erklärung über eine Frage, die mich persönlich interessiert. (Oelächter. Rednerin erklärt sich schließlich bereit, in der Debatte über die Agency das Wort zu verlangen.) Weizmann über Keren Kajemeth Präsident Weizmann (von lebhaften Ovationen etnpfangen): Ich möchte nur mit einigen Worten das berühren, was Ussischkin mit seinem ausführlichen Referat Ihnen vorgetragen hat. Es besteht kein Zweitel, daß vielleicht eine der größten und wichtigsten Fragen, die heute vor uns stehen, der Aufbau einer Landreserve und die Abrundung unseres Besitzes ist und besonders die Ansiedlung derjenigen Arbeiter, die schon seit vielen Jahren im Lande leben und denen es ein Lebensziel geworden ist, sich so bald als möglich anzusiedeln. Wenn man heute durch das Land fährt und insbesondere den Orangengürtel betrachtet, so geschieht das, wenn ich so sagen darf, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits sieht man jüdischen Besitz, der täglich und rapid wächst, andererseits jedoch besteht, so scheint mir, gerade in diesem Oürtel die Gefahr, daß sich Latifundien entwickeln. Palästina erträgt es nicht, daß auf Böden, die in privaten Besitz kommen, Latifundien entstehen. Ich ehöre nicht zu denjenigen, die sagen, daß Privatleute keinen öden kaufen dürfen. Aber von unserem Standpunkte aus ist es entscheidend, daß auf 200 Dunam Orangenboden, die in privaten Besitz kommen, vielleicht nur eine oder zwei Familien angesiedelt werden und außerdem nur eine Anzahl Saisonarbeiter vorübergehend beschäftigt ist. Würde diese Fläche in den Besitz des Nationalfonds kommen, so könnten sich auf 200 Dunam Boden vielleicht 15 oder 20 Familien dauernd ansiedeln. Infolgedessen ist es vom kolonisatorischen Standpunkte aus eine Verschwendung, wenn der Boden nicht in die Hände des Nationalfonds gelangt. Ich brauche nicht aut die Gefahren einzugehen, die Ussischkin geschildert hat. Ich glaube, die Exekutive und ich persönlich haben alles, was in unserer Möglichkeit war, getan, wenn eine kleine oder große Aktion des Nationalfonds vor sich ging, um sie tatkräftig zu unterstützen. Nun ist hier ein Programm von einer Million Pfund für die Abtragung der Schulden, für die Assanierung und für neue Käufe erörtert worden, lind ich glaube, daß der ganze Kongreß mit mir einer Meinung ist, daß das nur ein Programminimum ist. Es ist die erste Etappe auf einem langen schwierigen Wege der Landerwerbung. Wir haben Erfahrung im Geldsammeln und die Zlonistische Organisation tut ihr möglichstes, um für die beiden Fonds, den Keren Hajessod und den Keren Kajemeth, zu sammeln. Es kann aber nur erfolgreich gesammelt werden, wenn sich die beiden Fonds nicht gegenseitig das Wasser abgraben. Jeder der beiden Fonds!tat seine Methoden. Die ז Methoden •Ijitren;ijclTinr gijdßfeif lind ganze*ri*wlMft ״;NatÜrlich wäre es eine radikale, rationelle Lösung der ganzen Frage, wenn neue Geldquellen entdeckt werden könnten. Denn unsere Mittel, die wir in den sieben oder acht Jahren zu erhalten vermochten, sind immerhin in gewisser Weise beschränkt. Wir wissen ganz genau; was ein Land geben kann, und es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn ein Land 100000 Pfund geben kann und man 70000 Pfund für den Keren Kajemeth nimmt, eben 30000 Pfund für den Keren Hajessod bleiben, oder umgekehrt. Es ist richtig, daß speziell in Amerika die Möglichkeiten für den Keren Kajemeth noch lange nicht erschöpft sind. Dort war (ich will hier nicht Kritik üben) der Keren Kajemeth nicht immer aut dem riehtigen Wege. Heute sind Ansätze gemacht worden, um in Amerika die Arbeit des Keren Kajemeth zu verstärken und weiter erfolgreich zu wirken. Nun glaube ich — und man muß immer Optimist sein —, daß es uns gelingen wird, in der neuen Konstellation, die wir, wie ich hoffe, auf diesem Kongreß schaffen werden, neue Geldquellen zu erschließen, und daß von seiten der Jewish Agency auch eine große Aktion eingeleitet werden wird, um die nötige Bodenreserve autzubauen. Wie Sie schon wissen, gehört es zu den Grundsätzen der Verlassung der Jewish Agency, daß jeder Erwerb von Boden durch sie automatisch einen Erwerb von Boden durch den Nationaifond bedeutet. Hier ist also, glaube ich, in erster Reihe der Hebel anzusetzen. Sollte es aber, was ich nicht hoffe, doch nicht gelingen, diese neuen Quellen zu erschließen, so glaube ich, daß es unsere Pflicht ist, eine Spezialanstrengung für den Keren Kajemeth zu machen. Um konkret zu sein: In Amerika wird ein ungeheures Maß von Energie autgewendet werden müssen, um das Geld für das neue Budget zu schaffen. Trotzdem glaube ich, daß in Amerika, wenn der Drive für den Keren Hajessod zu Ende ist, ein zweiter Drive gemacht werden soll, und daß liier, wenn alles richtig vorbereitet ist, Bedeutendes geleistet werden kann. Ussischkin ist mit mir darin einig, daß alle Maßregeln ergriffen werden sollen, damit diese zwei Drives nicht einander entgegenarbeiten und stets erst, wenn der eine Drive beendet ist, der neue beginnen soll. Das bedeutet nicht, daß der Keren Kajemeth-Drive warten muß, bis der Keren Hajessod-Drive im ganzen Lande vorüber ist. Die Ausdehnung Amerikas gestattet es, daß der Keren Kajemeth- Drive schon beginnen kann, wenn in einigen Städten der Keren Hajessod-Drive vorüber ist. Ich bin überzeugt, daß wir alle Anstrengungen machen müssen, um neue Quellen zu erschließen, denn die alten Quellen haben ein gewisses Maximum, das schwer zu überschreiten ist, so daß, was der eine Fonds gewinnt, leicht der andere verliert. Es ist eine bittere Erfahrung, daß, wenn für zwei Fonds gesammelt wird, der Sammler oft die Antwort erhält, man habe bereits für den anderen etwas gegeben, und in Wirklichkeit hat der Betreffende manchmal für keinen etwas gegeben. Das muß vermieden werden und infolgedessen müssen sich die beiden Fonds über ihre Arbeit einigen. Mit diesem Vorbehalt will ich, soweit dies In meinen Kräften liegt, alle Anstrengungen machen, um besonders in Amerika für den Keren Kajemeth größere Summen zu erhalten. Es liegt der Fall Kanada vor, wo wirklich eine gewaltige Anstrengung für den Keren Kajemeth gemacht worden ist. Dies hat temporar den Keren Hajessod heruntergedrückt, aber ich glaube, daß sich das ausgleichen wird. Ich ergreife noch die Gelegenheit, auf einen Punkt einzugehen, der von größter Wichtigkeit ist. Ussischkin sagte mit Recht, daß wir wenigstens beim Keren Kajemeth gewiß sind, daß unser Hauptprinzip; jüdische Arbeit aut jüdischem Boden, gesichert ist Und er verlangt irgendeine Kontrolle von seiten der Exekutive, daß auch aut Privatböden diese Prinzipien eingehalten werden. Das ist ein frommer Wunsch. Heute gibt es Böden in Palästina, die in jüdischen Händen bind und deren Eigentümer manchmal große Namen tragen, wo es doch keine jüdischen Arbeiter gibt. Wir können da nur einen moralischen Druck ausüben. Dieser Druck wird um so stärker sein, je stärker wir selbst sind und je stärker der Nationalfonds ist. Aber eine Kontrolle auszuüben, ist die Exekutive leider heute nicht in der Lage. Ich glaube, mit diesen Worten zur Klärung beigetragen zu haben und hoffe, daß im nächsten Jahre eine große Arbeit für den Keren Kajemeth eingeleitet werden wird. (Lebhafter Beifall.) Schluß der Sitzung 7.15 Uhr. Die Paläsiinadebaüe XII. Sitzung, Montag, den S. August, nachm. Erziehung«- und Gesundheiisfragcn Miß Szold führt in Ergänzung der gedruckt vorliegenden Berichte aus: Die Gesundheitsfürsorge der Exekutive habe Erfolge gezeitigt. Die Sterblichkeit, insbesondere der Säuglinge, sei erheblich gesunken, die Typhusfälle hätten stark abgenommen. Die Exekutive arbeite für die Bekämpfung vor allem der Malaria, des Trachoms, sowie der ansteckenden Krankheiten, sie suche in ständigen und nicht erfolglosen Bemühun* gen, die Regierung zu bewegen, ihre passive Haltung aufzugeben und in der Gesundheitsfürsorge aktiv mitzuarbeiten. Träger dieser Arbeit werden die Regierung, die lokalen Verwaltungen und erst in dritter Reihe die Institutionen des Jischuw sein können. Ungeachtet der Erfolge habe die Exekutive Ersparnisse erzielt und die Arbeit auch qualitativ zu heben vermocht. Miß Szold bestreitet, die Exekutive habe das Erziehungswesen der Regierung ausgeliefert. Dagegen prüfe sie natürlich deren Vorschläge und akzeptiere sie, wenn sie ihr nützlich erscheinen. Auch wenn die Regierung die Erziehungstätigkeit der Zionistischen Organisation in mancher Hinsicht unterstütze, so müsse doch ihre ungerechte Politik, die Subvention nach dem Verhältnis der jüdischen Bevölkerung zur arabischen und nicht nach der Zahl der Schüler zu gewähren, bekämpft werden. Die Grundlagen des zionistischen Erziehungswerkes sind administrative Einheit und pädagogische Autonomie gegenüber äußeren Einflüssen und innerjüdisch gegenüber den verschiedenen Schulkategorieu. Rednerin beschuldigt den Misrachi, sich gegen die administrative Einheit versündigt zu haben und belegt dies an Hand von Beispielen aus den Kolonien. Auch die Linke habe diese Einheit verletzt, indem sie keinen Vertreter ins Erziehungsdepartement sandte. Die Zionistisehe Organisation sei die Eigentümerin der zionistischen Schulen und habe daher nicht nur die Pflicht, die Lehrer zu bezahlen, sondern auch das Recht, für eine gesunde pädagogische Entwicklung zu sorgen. Ueber die Verwcndüng der verschiedenen Fonds dürfte nur eine einzige Institution, und zwar die Zionistische Exekutive, verfügen. Immer noch fehle es an einem richtigen Erziehungs Statut, vor allem müsse die Erziehung von jeder Politik freibleiben. Rednerin erklärt, die religiöse Erziehung des Jischuw sei trotz der Abmachungen von 1920 zwischen Exekutive und Misrachi kein Monopol des Misrachi, vielmehr trage die Exekutive auch hierfür die volle Verantwortung. Zum Schlüsse versicherte Miß Szold, auch sie wünsche einen hebräischen Humanismus in Palästina, wie Buber ihn vorgeschlagen habe, sie erkenne aber, daß die Vorbedingung hierfür die Schaffung der administrafivea Einheit des zionistischen ErzJehungswerkes sei Raw Ostrowsky (Misrachi) wendet sich gegen die Auffassung von Miß Szold in der Schulfrage. Die Autonomie der Schulen bedeute für den Misrachi eine Lebensfrage. Er fordere kein Geld, sondern lediglich die Möglichkeit, sein Schulwerk zu erhalten. Die Zionistische Organisation solle tolerant sein und nicht die einzige religiöse Partei verdrängen. Baraz (Hitachduth) polemisiert besonders gegen Sacher. Das Regime der Exekutive habe Aehnlichkeit mit der Beamtenherrschaft der Rothschildschen Administration von vor 20 Jahren. Die Worte Sachers, daß sich das Verhältnis zwischen Kolonisten und Arbeitern gebessert hätte, sind nicht richtig. Die Vorgänge in Petach Tikwah zeugen gegen ihn. Auch in bezug auf die Verträge mit den Siedlern, die bisher noch nicht abgeschlossen wurden, trifft die Schuld nicht die Arbeiterschaft, sondern die Exekutive, die durch Einmischung in innere Angelegenheiten der Siedlungen die endgültige Lösung dieser Frage verhindert habe. Remez (Poale Zion) wirft der Exekutive vor, die palästinensische Arbeiterschaft dauernd entmutigt zu haben. In den schlechtesten Zeiten aber mußte die Arbeiterschaft allein durchhalten. Auch in politischen Fragen habe die Exekutive versagt, z. B, bei Bekämpfung der Ausweisungspolitik der Regierung. Soskin (Revisionist) macht eine Reihe Bemerkungen zu Kolonisationsproblemen und betont, eine Massenkolonisation sei nicht durch eine Jewish Agency, sondern nur durch eine große Anleihe zu erreichen. Schocken (Governor des K. K. L.) hält cs für einen Fehler der Exekutive, daß sie die Verträge mit den Siedlern noch nicht abgeschlossen habe. Die Zionistische Organisation besitze nur eine Finanzverwaltung, aber kein Kolonisations-Departement. Sofort nach dem Kongreß müsse ein Fachmann mit der Leitung der Kolonisation betraut werden. Darüber hinaus wiederhole er seine frühere Forderung, daß ein besonderes Wirtschafts-Aktions-Comite eingesetzt werde. Redner verteidigt die deutschen Zionisten gegen die im Kongreß erhobenen Vorwürfe und weist darauf hin, daB gerade sie von Anfang an den Kereh Hajessod-Gedanken geradlinig bis zw Jewish Agency fortentwickelt hätten. Dr. Goldmann (Radikaler) führt aus, in der Panikstim• *tnung des Kongresses sei zum ersten Male eine Exekutive gegen den geschlossenen Willen des palästinensischen Jischuw ge• wählt worden. Sie hätte eine Rettungsexekutive sein sollen, Tatsache sei aber, daß der Jischuw die Krise zum größten Teile aus eigener Kraft überwunden habe. Noch nie habe sich eine Exekutive in einer solchen Isolation befunden wie die gegenwärtige. Dies komme daher, daß sie ihre Aufgaben dort für vollendet hält, wo die «gartUchen Probleme des I S,fe!l ■ :־ ׳ ׳ s 1: r .;;*M■

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