Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 62 (9.8.1929)
- Date
- 1929-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 398 JUEDISOHE RUNDSCHAU Nr. 62, 9. Vffl. 1929 führe, bei denen die Palästina-Exekutive um HUfe angegangen wurde: lokale Selbstverwaltung, Industrie und Steuer* wesen. Es Ist allgemein bekamt, daß die Palistina-Regfefuiig den Entwurf einer Verordnung über die örtliche Selbstver* waltung publizierte, der die Stellung der lokalen Behörden aufs schwerste traf. Diese Verordnung wurde zurückgezogen, und obwohl nicht behauptet wird, daß dies in vollem Umfange der Intervention der Palästina-Exekutive zu verdanken ist, so ist es wenigstens teilweise das Ergebnis dieser Inter* ventipn. Die Exekutive fand die junge Industrie Palästinas in einer sehr schwierige« Lage vor, die teilweise das Ergebnis ihrer eigene« Fehle# war, 11t der Hauptsache aber der Tat- Sache zuzuschreiben War, daß die Regierung die Wichtigkeit der industriellen Entwickluug und die ihr obliegende Pflicht zur Förderung dieser Entwicklung nicht verstand. Die Palästifia-Exekuwe machte es sich zur Aufgabe, die Regierung davdn zu überzeugen, daß die Industrie in Palästina eine reale Zukunft habe, die jedoch nur durch eine umfassende und großzügige Tarifpolitik gewährleistet werden könne. Die Spezialfrage der Zollbeziehungen mit Syrien wurde in einer für die palästinensischen Verhältnisse befriedigenden Weise gelöst. Der palästinensische Zolltarif wurde mit der Richtung auf Schutz und Entwicklung der palästinensischen Industrie reformiert. Es ist der Palästina-Exekutive noch nicht gelungen, die Refieruitg davon zu überzeugen, da» Industrie und Handel in em Ausschuß für Zollfragen vertreten sein müßten, aber dieser Board empfängt gern derartige Vertreter und sympathisiert mit ihren Forderungen, und der Leiter des betreffenden Departements der Palästina-Exekutive ist mit der Regierung in engem und ständige!» Kontakt Es hat sich Kritik dagegen erhoben, daß das Budget für Handel und Industrie sehr herabgesetzt worden ist. Ater es war in den letzten Jahren hauptsächlich deshalb so angeschwollen, weil es die verschiedensten Arten von Krediten und sonstigen Ausgaben umfaßte, die die Erfahrung als ungerechtfertigt erwiesen hat. Andererseits stand der Beamte dieses Dejjartemeirts den industriellen und kommerziellen Kreisen zur Verfügung und fungierte häufig als Verbindungsoffizier zwischen diesen Kreisen und der Regierung. In bezug auf industrielle Kredite hat die Zionistische Exekutive weder die Mittel noch die Absicht, die Politik der Kreditgewährung fortzusetzen. Es existiert eine große Anzahl Von Kreditinstitutionen, deren Arbeitsgebiet hier liegt. Teilweise als Resultat der Initiative der Exekutive haben diese Kreditinstitutionen ihre Tätigkeit koordiniert und als Ergebnis davon konnte der Zinsfuß erheblich herabgesetzt werden. Ein Wichtiges Element der industriellen Entwicklung ist die Sicherung harmonischer Beziehungen zwisenen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Diese Harmonie ist eine Bedingung für die Investierung neuen Kapitals in der palästinensischen Industrie. Die Zionistische Exekutive kann ihre Autorität auf diesem Gebiete einsefzen, aber über die Art, in der das zu geschehen habe, gab es zwei sich bekämpfende Theorien. Die eine Theorie ging dahin, daß die Zionistische Palästina-Exekutive souverän festsetze, wie die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu sein haben, und daß sich die Exekutive bemühe, diese BedWgungen den interessierten beide« Seiten aufzuerlegen. Diese Theorie ist herrlich einfach, und hat nür den einen Fehler, daß sie nicht funktionieren wird. Die andere Theorie geht dahin, daß sich die Palästina-Exekutive bemühen solle, die beiden Parteien zusammenzubringen und ein Abkommen zwischen ihnen ZU erleichtert!. Diese Auffassung hat die Exekutive akzeptiert. Unter ihren Auspizien fanden in Tel- Awiw eine Reihe von Konferenzen zwischen dem Industriellen- Verband »ad der Histadroth statt, als der«# Resultat ein votlltufiges MirtKtiM »*hbfcrfuHriNrt ־•rWiN14i Wir hoffen, daß ähnliche Abkommen auch zwischen Unternehmern und ihren Arbeitern und schließlich auch zwischen den Kolonisten und den landwirtschaftlichen Arbeitern abgeschlossen werden mögen. Ohne behaupten zu wollen, daß die Frage der jüdischen Arbeit auf dem Lande bereits eitter endgültigen Lösung nahe sei, kann doch gesagt werden, daß die Spannung zwischen dem jüdischen Kolonisten undl dem jüdischen Arbeiter nachgelassen hat, daß die Zahl der jüdischen Arbeiter auf dem Lande zunimmt und daß diese Entwicklung wenigstens zu einem Teile dem Einflüsse der Palästina-Exekutive und dem ihr entgegengebrachten Vertrauen zuzuschreiben ist. Die Palästina-Exekutive hat sich mit der Eisenbahn- Politik beschäftigt Und die Regierung wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Eisenbahnen ein wichtiges Instrument für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sind und Sn weitem Umfange diesem Zwecke dienstbar gemacht werden sollten. Obwohl bisher keine greifbaren Resultate errungen wurden, ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß diese Ansicht vorn wirklichen Charakter einer Eisenbahnpolitik ständig Boden gewinnt. Die Palästina-Exekutive hat jüngst dem Eisenbahndlfektorium ein diesbezügliches Memorandum unterbreitet und erhielt die Einladung, einer Sitzung des Direktoriums beizuwöhne« Und dort ihre Ansichten zu vertreten. Von allen Problemen des Jischuw, mit denen die Palästina- Exekutive zu tun hatte, war keines so schwer und drohend wie das der Arbeitslosigkeit. Es gab 7000—8000 Arbeitslose und außerdem eine große Reihe mittelloser Persollen, die nicht zu den arbeitenden Klassen gehörten. Wenigstens zwei großzügige Vorschläge zur Lösung des Arbeits- Iosenproblems wurden der Exekutive gemacht: Der eine ging dahin, durch einen Appell £ 200000 aufzubringen, der andere, man solle die Aufbringung von £ 365000 zwecks Ansiedlung der Arbeitslosen auf dem Lande versuchen. Beide Vorschlage wurden zurückgewiesen, weil nicht die leiseste Hoffnung aut Aufbringung einer derartigen Stimme bestand. Die Ansicht der Palästina-Exekutive in dieser Frage girtf dahin, daß diese Frage nicht nur von der Exekutive allein gelöst werden könne, sondern daß »eben der Exekutive eine Reihe von anderen Faktoren beteiligt werden müßten, wie die anderen in Palästina arbeitenden Organisationen, die Regierung und der Jischuw selbst. Die Pica, die Palestiite Ecoiiomic Corporation und der Keren Kajemeth, letztere# teilweise unter dem Einfluß der Palästina-Exekutive, beteiligten sich ifi der Tat att der Lösung des Problems. Es gelang der Palästina-Exekutive, die Regierung zu überreden, daß sie einen Teil der Verantwortung auf sich nahm, und in dieser Beziehung gebührt ein spezieller Dank Lora Plumef, der diese Frage ZU seiner persönlichen Angelegenheit machte. Die Zionistische Organisation als solche brachte für diesen Zweck erhebliche Mittel auf. Langsam wurde der Jischuw dazu gebracht, seine Verantwortlichkeit und seine Fähigkeit zur Beteiligung an der Lösung des Arteitslosenproblems zu verstehen. Es ist einfache Gerechtigkeit, hier daran zu erinnern, daß ohne die unermüdliche« Anstrengungen der Histadruth Bur wenig hätte erreicht Wffaett Rönnen. Heute gibt es keine Wirkliche Arbeitslosigkeit mehr in Palästifla, und obwohl diese glückliche Lösung in weitem Umfange de# natürliche« wirtschaftlichen Entwicklung Zu verdanken ist, kann die Palästina-Exekutive einigen Anteil an der Lösung des Problems für sich In Anspruch nehmen. Auf dem Gebiete der Kolonisation hatte die Palästina-Exekutive die schwere Bürde einer verfahrenen Situation,,zu tragen. Kaum eine der bestehenden Kolonien war fertiggestellt, und in den letzten Monaten vor Beginn der Tätigkeit der neuen Exekutive waren eine große Reihe neuer Kolonien in Angriff genommen werde«, für den» Fertig- Stellung keinerlei Mittel existierten. Etas Aeußerste, was die Palästina-Exekutive ln dieser Lage hoffen durfte, war, dl• Bestehende bis zu dem Augenblicke tu erhalten״ wo Mitte! für die Fertigstellung und Konsolidierung der Siedlungen auf* gebracht werden könnten. Die Schwierigkeiten der Exekutive vergrößerten sich durch die teilweise oder vollkommene Mißeinte in einer großen Reihe von Siedlungen int letzten Jahre. Die Palästina-Exekutive vermochte in der Tat die bestehenden Siedlungen aufrecht zu erhalten und einen kleine«, einen sehr kleinen Schritt zu ihrer Konsolidierung zu machen. Man muß verstehen, daß eine Politik der Gründung zahlreicher Siedlungen, deren Fertigstellung sich dann über eine Reihe von Jahfen ausdehnt, die Kolonisten zu Leiden und die Zionistische Organisation ZU finanziellen Verlusten verurteilt Es ist die dringendste Aufgabe der Organisation, die bestehende« Siedlungen fertig zu machen, und nach Ansicht der Palästina-Exekutive sollte diese Aufgabe jeder andCren vorangehen, bie Besteuerungsfrage gehört zu den Lebenstragen der Kolonisation. Die Politik der Regierung ist, an Stelle des Zehnten und der anderen Besteuerungen der Landwirtschaft eine einfache Landsteuer zu setzen. Offenbar hängt alles vom Charakter dieser einfachen Landsteuer ab. Die Palästina-Exekutive hat keine Gelegenholt vorübergehen lassen, ohne der Regierung die nach ihrer Meinung wichtig» Prinzipien einer Steuerreform in Palästina darztdegen. Efte Palästina-Exekutive hat eine umfassende Uelffef• sicht über die bestehenden Siedlungen und eine genaue Schätzung über die Kosten der Konsolidierung für jede einzelne Siedlung aufgestellt. Es scheint uns gelungen zu sein, f:«Wisse Ersparnisse durchzuführen, so daß die Kosten zu- Bnftiger Kolonisation wesentlich herabgesetzt werden können. Der XV. Kongreß legte der Palästina-Exekutive die Verpflichtung auf, die Verträge mit den Siedlungen bis zum 1. Mai 1928 abzuschließen. Dies ist der Palästina- Exekutive nicht gelungen. Das Problem ist ein doppeltes: Trotz eines gegenteiligen Versprechens hat die Histtdmth die Statuten der Kwuzoth in einer Form registrieren lassen, die von der Palästina-Exekutive vorher nicht gebilligt worden war und uns nicht akzeptabel erschien. Es wurden lange Verhandlungen über die Verbesserung dieser Statuten geführt. Es schien, daß mit den Vertretern der Siedler eine Verstäadiguttg erzielt sei Aber dam wurde diese Verständigung der Allgemeinen Organisation der Siedler zur Ratifikation vorgelegt, und diese schlug Aenderangen vor, die der Palästina- Exekutive unannehmbar erschienen. Was die Bestimmungen der Verträge Selbst anbetrint, sö ist bisher über die Grundfrage des Zinsfußes und der Zahlungstermine keine Verständlgimg erreicht worden. Die Palästina-Exekutive verlängt einen Zinsfuß von 21/2״/# und die Siedler bestehen auf einem solchen von 2 In dieser ganzen Frage der Verträge mit den Siedlungen bemühte sich aie Palästina-Exekutive, so großzügig wie möglich Zu sein und ging mit ihren Konzessionen bis an die Grenze des Mögliche«. Sie bedauert aufs tiefste, daß eine Verständigung nicht erzielt Wurde, denn es ist klar, daß keine n eue Kolonisation stattfinden kann, bis dies« Frage befriedigend gelöst ist. 11. Mit der Organisation verbundene Probleme. Das erste der mit der Organisation Verbundenen Probleme, das sich der Exekutive aufdrängte, War die dringende Not- Wendigkeit der Sanierung der Finanzen der Zionistisehen Organisation. Seit Jahren überschritten die Ausgaben der Organisation die Einnahmen. Schulden, vor allem schwebende Wechselschulden, wurden angehäüfi, der Kredit der Organisation war tief gesunken, und die Lehrer- und Beamtenfgenälter waren viele Monate im Rückstände. Vor allem wegen s Versagens der Zioniste« in der ganzen eit und besonders it» :AmLmik ihnen übernommenen Verpflichtungen konnte die Sanierung der Finanzen nicht vollständig durchgeführt werden. Dennoch Wurde die Schuld erheblich vermindert, vor allem die schwetende Schuld, der Kredit der Palästina-Exekutive wurde wieder hergestellt und bis zum Monat Juni wurden die Rückstände der Beamten- und Lehrergehälter nachgezahlt. Es steht zu Befürchten, daß durch das Fehlen entsprechender Einnahmen in den letzten Monaten des Jahres eine Wendung zum Schlechteren eintrete» wird. Die Palästina-Exekutive stand vor der Tatsache, daß zwei wichtige private Institutionen, die American Zion Commonwealth (Amzic) und die G esell sch af t Me sehe k, zusammengebrochen waren. Wir konnten gegenüber ihrem Schicksal nicht desinteressiert bleiben. Der Konkurs dieser Ge- Seilschaften hätte den Konkurs der Zionistischen Organisation von Amerika bedeutet, sowie den Rückfall weiter Bodenstrecken, aüf dä|en schon jüdisch« Siedlungen begonnen worden Waren, an die arabischen Vorbesitzer. Die Zionistische Organisation hat trotz ihrer eigenen finanziellen Schwierigkeitett die Aufgabe der Liquidierung der Amzlc übernommen. Die Zionistische Organisation hat in dieser Angelegenheit sehr schwere finanzielle Opfer gebracht, aber andererseits hat sie den guten Namett der Zionistischen Organisation von Amerika gerettet und den Verlust jüdischen Landes und jüdischer Sied* lungen an die Araber verhindert. Auf dem Gebiete des Erziehungswesens ist es uns trotz der finanziellen Schwierigkeiten gelungen, das bestehende Schulsystem zu erhalten und auszubauen. Miss Szold hat uns die Dienste eines ergebenen und erfahrenen Direktors des Erziehungswesens, Dr. Berkson, gesichelt Das Budget des Erziehungsdepartements konnte nur dank der beträchtlichen Summen, die Miss Szold privat für diese Zwecke aufbrachte, balanciert werden. Die hergebrachte Organisation des Erziehungswesens ist sehr Unbefriedigend. Miss Szold und Dr. Berkson haben einen Reformplan ausgearbeitet, der dem Kongreß zu ernstester Erwägung vorgelegt werden wird. Einige Schritte wurden unternommen, um die Kosten unseres Gesundheitsdienstes ohne Herab- Setzung seiner Leistungen zu reduzieren: (Hier folgt eine Auseinandersetzung mit der Verwaltung des I. N. F. ähnlich wie in der vorigen Rede Sachers.) HL Mit der Regierung verknüpfte Probleme. Ich habe bereits eine Reihe von Angelegenheiten berührt, in denen die Palästina-Exekutive bei der Regierung interveniert hat, aber es lohnt sich vielleicht, einige Worte über die allgemeine Politik zu sagen, die die Palästina-Exekutive in dieser Richtung verfolgt har. Unserer Ansicht nach fttüß die Grundlage für Einfluß auf die Regierung in der Schaffung und Aufrechterhaltung gegenseitige» Vertrauens!fegen. (Weitere Ausführungen zu diesem Gegenstand sind in der vorigen Rede wiedergegeben.) * Nach Sachers Referat folgt das Referat von Dr. Häntke über ״JeWish Agency Und Keren Hajessod“. Das Referat werden wir nachtragen. Nach Hantke Spricht Ussischkin. Die Aufgaben des Keren Kajetneth Referat Ussischkin Unsere Einkünfte ln den zwei Jahren seit dem letzten Kongreß betragen brutto 550000 Pfund, d. h. wir haben unsere Position bewahrt, sind aber nicht vorwärts gekommen. In einzelnen Ländern sind die Eingänge sehr gestiegen. Leider gibt es andere Länder, wo die Eingänge gefallen sind. Dann gibt ca solche, wo sie sieh nicht geändert haben. Redner schildert dann die Resultate in draelnan Hoden. Wir haben in diesen zwei Jahren unsere Sammeltätig- Mit in derselben Art Wie früher geführt, durch Propaganda, Broschüren und dergleichen. Uebefdles aber haben wir Tn der abgelaufenen Periode noch eine spezielle Propagandaart eingeführt! Wir haben in unserem Zentralbüro eine Ab- Teilung für die Jugend geschaffen. Dafür haben wir eine besondere Bibliothek geschaffen und überdies den Weg gefunden, den meisten Schulen Material zuzuschicken, durch welches die Jugend zur Liebe und zum Verständnis für die Arbeit am Aufbau unseres Landes erzogen werden soll. Diese Arbeit hat, wie alles, was begonnen wird, noch viele Fehler. Einer der Hauptfehler, den wir selbst kennen und doch bis heute nicht beseitigen konnten, ist dieselbe Frage, die es In unterem ganzen Leben gibt, die Sprachenfrage. Hs heute haben wir alle Materialien für die Jugendarbeit nur in hebräisch gedruckt. Doch das genügt nicht Wir bekommen von allen Ländern der Welt Aufforderungen, dies« Bibliothek auch in verschiedenen anderen Sprachen, welche die Hauptsprachen unserer Jugend sind, herauszugeben, besonders in englischer und deutscher Sprache. In dieser Riehtung haben wir noch nichts unternommen, aber das ist eine reine Geldfrage. Jetzt gehe ich zum zweiten, wichtigsten Teil unserer Arbeit über, nämlich zu dem, Wa9 wir in den letzten Zwei Jahren im Lande selbst geschaffen und welche Verj»fliehtunge n Wir übernommen haben. Es wird Immer davon gesprachen, daß der Keren Kajemeth mit Verpflichtungen überlastet ist. Das ist richtig, doch ich möchte bemerken, daß unsere Verpflichtungen nach Ablauf der letzten zwei Jahre dieselben, vielleicht noch kleiner sind als zu Beginn dieser zwei Jahre. Trotz der verkleinerten Verpflichtungen haben wir doch In den letzten zwei Jahren das geschaffen, was ich später aufzählen Werde. Es wäre selbstverständlich am rationellsten und für die Direktoren des Keren Kajemeth am leichtesten, das Geld zu haben und nachher erst die Arbeit zu beginnen. Es wäre auch das Gesündeste, Beste und Vernünftigste. Aber unser ganzes Leben ist nicht vernünftig, und darum sind Unsere Handlungen unvernünftig für die, welche nichts haben. Was haben wir in diesen zwei Jahren erworben? Wir , haben in diesen zwei Jahren unser Bodeneigentum Um mehr als 40״/» vergrößert. Wir haben an 100 000 Dumm erworben. Vorerst einige kleine Parzellen im Pflanzungsgebiet von Jehuda (2500 Dunam), dann haben wir einen kleinen Anfang gemacht im Emek Hajarden, wo wir 1500 Dunam erwarben. Wir haben auch unseren Besitz im Emek Jesreel um 22000• Dunam ausgedehnt. Im Zentrum des Pflanzgebietes haben wir eine große Tat Vollbracht. Wir haben hier 48000 Dunam erworben, wovött wir 33 500 schon erhalten haben und 15 000 in den nächsten Monaten bekommen werden. Wir verdanken die Möglichkeit dieses Erwerbes der großen Spende der Juden Kanadas, und ich erlaube mir, den anwesenden Delegierten von Kanada, insbesondere Herrn Freimann, mit großer Freude zu dieser Leistung zu gratulieren. Der zweite große Erwerb ist in der Haifa-Bay. Wir haben schon vor 31/2 Jahren 11 000 Dunam erworben, dieses Jahr noch 22000 Dunam gekauft und sind jetzt Herren von 33000 Dunam, d. i. zwei Drittel der ganzen Haifa-Bay. Wir haben in diesen zwei Jahrett auch etwas in bezug auf den Erwerb vöfi Boden für städtischeAnsiediung Jerusalem zur ,Gründung der Mädchfenwirtschäft. Der erste »KräL A«feih«-«n»üglfeht ,dfe;«ft* dir kanischen ״Palestine Economic Corporation“ gewährt wurde/ Außer Bodenkauf haben wir uns aber auch mit anderen Aufgaben befaßt, die in unserem Arbeitskreis liegen. Wir haben Amtliorationsarbeiten für ca. 20 000 Pfund durchgeführt, insbesondere in der Kischon-Gegend, um die Böden für die Ansiedlung zu sanieren. Ferner haben wir ca. 30000 Pfund für Wasserbeschaffung in den verschiedenen Kolonien ausgegeben. Nun kommt unsere Arbeit für Pflafizungen und Aufforstung, für die wir ca. 10 000 Pfund verausgabt haben. Ich möchte nur den berühmten Anfang des Balfour- Waldes erwähnen. Der größte Teil unserer Eingänge, fast 90f•«', kommen von kleinen Spenden 11er. Leider habe ich nicht die Möglichkeit, von vielen großen Einzelspenden im Laufe der letzten zwei Jahre zu berichten. In dieser Periode haben wir nur eine große Einzelspende in der Höhe von 900Ö Pfund von Lord Melchett für den Kauf des!!Haifa- Bay-Bodens bekommen. (Beifall.) Und nun gehe ich zu der Arbeit in der Zukunft über. Es ist mir jetzt viel leichter, meinen Vortrag ZU halten, als vor zwei, vier oder sechs Jahren. Was nicht die Vernunft bewirkt hat, das hat die Zeit bewirkt. Man Hat erkannt, daß die Frage des Keren Kajemeth und die Frage des Bodens im Zentrum aller unserer Fragen stellt, weil jeder fühlt, daß, wenn er von diesem Kongreß mit schönen Resolutionen, mit Beschlüssen über die Jevvish Agency, mit der Garantierung des Budgets des Keren Hajessod weggeht und die Frage des Bodens unter unseren Füßen nicht gelöst wurde, daß dann auf diesem Kongreß nichts erreicht worden ist. Es ist die Frage, von welcher die Zukunft unseres Gebäudes, die Zukunft unseres Volkes abhängt: wer wird Herr des Bodens sein, der Jude oder der Nichtjude? Was in einem solch kleinen Lande, wie es Palästina ist, geschaffen werden kann, das können wir schaffen, aber wenn wir nicht den Boden haben, dann ist alles verloren, ich glaube, daß dieses Gefühl jetzt in unserer Welt, besonders ln Erez-Israel, bei allen in gleicher Weise Vorhanden ist. Und die Aufgabe dieses Kongresses ist es, nach einer Entscheidung dieser Frage zu suchen. Ich habe in meiner Eigenschaft als Direktor des Nationalfonds das Programm des Direktoriums de!■ Exekutive vorgelegt und sie hat diesem Programm im allgemeinen zugestimmt. Wir haben uns eia Minimalprogramm für die nächsten zwei Jahre festgesetzt. Um dieses Minima!-»rög־ämm durchzufühlen, ist für die nächsten zwei Jahre ein Nettobetrag von einer Million Pfund erforderlich. Das ist eine Einnahme, welche mehr als dreimal sojeroß ist als die bisherige. Ke Summe von einer Million Pfund kann meiner Uebemugung nach aufgebracht werden, wenn die zionistische Welt die gehörige Anstrengtmg macht. Von dieser Summe müssen in erster Linie unsere Verpflichtungen der letzten zwei Jahre bezahlt werden, ferner unsere AmeliorislefungsarBeiten und die Assanierung in der Ebene Saron und der Halta-Bay beendigt werden. Dann jedoch müssen nette Käufe erfolgen, über die Ich hier nur ganz allgemein sprechen werde, da die diesbezüglichen Resolutionen der Kolomsationskommission vorliegen und nach eingehender Beratung dem Kongreß vorgelegt werden. Der erste Teil der neuen Käufe muß im Emek Jesreel erfolgen, wo wir in den letzten acht Jahren unsere Siedlungen angelegt haben. Zur Konsolidierung dieser neuen Siedlungen braucht man nicht nur Inventar, sondern auch Boden. In der Abteilung für Kolonisation bei der Exekutive wird jetzt die Frage der Bodeneinheit für jede einzelne Siedlerfamilie studiert