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Jüdische Rundschau · 1929-08-07 · Heft 61 (7.8.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 61 (7.8.1929)
Date
1929-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 392 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 61, 7. VIII. 1929 cs nicht tun, dann sagen Sie heute nein. Dann werde ich Sie anklagen vor der jüdischen öeschichte und vor dem jüdischen Qott, daß eine große Zeit eine kleine Generation gefunden hat. (Langandauernder Beifall.) Schluß der Sitzung 12 Uhr nachts. IX. Sitzung, Donnerstag, 1. August, vormittags. Die Generaldebatte wird fortgesetzt. Zuerst spricht Gluska (Jemenit), der sich über Zurücksetzung der ,emeniten beschwert und die Lage der Juden im Jemen, die sehnsüchtig auf Auswanderung warten, schildert. Sodann spricht Dr. F. Bernstein (Holland), der bekannte zionistische Theoretiker, der insbesondere die Frage der spezifischen Funktion des Zionismus nach Gründung der Agency erörtert und vor einer Verwässerung der zionistischen Ideologie warnt. Es folgt dann der zweite Turnus der Fraktionsredner. Diese sind: Farbstein (Misraehi), Buber (Hitachduth), Berl Kaznelson (Poale Zion), Oroßmann (Revisionist), Soloweitschik (Radikaler), sowie Vertreter einiger Landsmannschaften der Allgemeinen Zionisten. Farbstein (Misraehi) äußert Besorgnisse wegen der Jewish Agency, in welcher es schwer sein werde, unsere Forderungen immer mit voller Schärfe auszusprechen. Unser Ziel muß der Judenstaat bleiben, den Arabern werden wir nicht Unrecht tun. Dr. Weizmanns Rede war nur ein Ausdruck der politischen Schwäche. Redner erörtert dann die politischen Beschwerden wegen der Zurücksetzung des Hebräischen, wegen der Infiat-Böden und vor allem wegen der Klagemauer. Schließlich beschwert er sich über das mangelnde Verstandnis der Exekutive für religiöse Erziehung. Martin Bubers Rede Dr. Martin Buber (Hitachduth): Ich gehöre nicht zu denen, welche der Erweiterung der Jewish Agency mit sorgenfreiem Herzen entgegensehen. Die Sorgen aber, 'die ich habe, rfnd nicht solcher Art, wie man sie einer politischen Machen- Schaft gegenüber hat, sondern solcher Art, wie man sie einer historischen Tatsache gegenüber hat. Es ist nicht etwas gemacht worden. Es hat sich etwas vollzogen. Der Aufbau Palästinas ist eine so gewichtige geschichtliche Realität geworden, daß er — nicht Menschen, sondern die ganze Judenheit nunmehr als sein Subjekt fordert, in der ganzen Judenheit Verantwortungsbewußtscin anruft. Das bedeutet, daß sich zugleich von da aus, von dieser Anforderung aus, innerhalb der Judenheit, welche wir die nichtzionistische nennen und die ebensowenig homogen ist wie wir selbst, daß sich innerhalb dieser Judenheit ein Differenzierungsprozeß zu vollziehen begonnen hat. Das Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses können wir noch nicht absehen. Das sogenannte nichtzionistische Judentum ist in Fluß geraten, und zwar von Pa- Iästina, von Zion aus. Das bedeutet aber für uns eine sehr ernste Sorge, die hier noch nicht zum Ausdruck gekommen ist, und diese zum Ausdruck zu bringen, betrachte ich als meine Aufgabe. Die neue geschichtliche Situation hat für uns eine sehr ernste Problematik. Das Basler Programm ist in die Balfour- Deklaration inkorporiert worden, die Balfour-Deklaration in das Mandat, das Mandat in die Jewish Agency-Verfassung. In bezug auf die faktische Arbeit in Palästina als eine Arbeit an dem Nationalheim gibt es nunmehr nur noch die jüdische Gemeinsamkeit. Für das Galuth haben auch wir in der ganzen Zelt, in der wir wirken, noch keine einheitliche Formulierung gefunden. Der Aufbau Palästinas ist nun nicht mehr unsere Sache und wir fragen: was ist nun unsere Sache? Wie können wir in diese Koalition treten und uns bewahren? Wie können wir in diese Koalition treten, ohne das Volk, ohne die neue Volksgeneration, ohne die Jugend zu verlieren? Und das, bedeutet zugleich; ohne unsere Michtigkeit In der Koalition zu schwächen. Wir sagen, wir müßten 1'n dieser Stunde die Jugend befragen, ob sic mit uns geht. Aber ich sage Ihnen, es steht so, daß die Jugend uns befragt: wo steht ihr, wohin führt ihr? Und da müssen wir uns wenigstens einen Augenblick der Selbstbesinnung aufsparen und uns klarmachen: was bedeutet diese Situation für uns? Es gibt in bezug auf das nationale Problem und die nationale Wirklichkeit nicht etwa zwei Grundanschauungen, wie wir gewöhnlich sagen, sondern drei. Die eine Grundanschauung, die der sogenannten Nichtzionisten, meint: Israel ist weniger als eine Nation im modernen Sinn. Die zweite Anschauung meint, Israel sei identisch mit einer Nation, und die dritte sagt: Israel ist mehr als eine Nation, d. h. die nationalen Merkmale im Sinne des modernen Völkerbegriffs gehen wohl auch in die Wirklichkeit Israels ein, aber sie erschöpfen nicht sein Wesen. Israel ist ein einzigartiges Gebilde, das wohl den Charakter einer Nation im modernen Sinne einschließt, aber dadurch nicht begriffen wird, vielmehr ein eigenes Gesetz in sich trägt. Zwischen denen, welche der zweiten, und denen, welche der dritten Anschauung sind, gibt cs nun schon einen langen geistigen Kampf. Aber es ist ein Kampf, der bisher ohne Konsequenzen für den Zionismus war. Nunmehr aber, in dieser neuen Situation, hängt von dem weiteren Gang und von dem Ausgang dieses Kampfes das Schicksal des Zionismus ab. Zionismus ist etwas anderes als jüdischer Nationalismus. Mit großem Recht heißen wir Zionisten und nicht jüdische Nationalisten. Zionismus ist Bekenntnis zu einer Einzigkeit, ״Zion" ist kein Gattungsbegriff wie ״Nation“ oder ״Staat“, sondern ein Name, die Bezeichnung für etwas Einzigartiges und Unvergleichliches. Es ist auch keine bloße geographische Bezeichnung wie Kanaan oder Palästina, sonaern es ist von jeher ein Name für etwas, was an einem geographisch bestimmten Orte des Planeten werden soll. Was einst werden sollte und was immer noch werden soll: in der Sprache der Bibel — die Stadt des Königtdtns Gottes über alles Mcnschenvolk. Wer sich in Wahrheit zu Zion bekennt, bekennt sich wohl zu einer nationalen Tatsache, aber mehr noch als dieses: m ciaer übernationalen Aufglfbe. Es ist das Lebensgesetz Israels, das wir aus jeder Seite unserer Geschichte ablesen können: für Israel ist Selbstbehau ptung zu w c 11 i g. Die Selbstbehauptung muß mit einer Hingabe an eine überselbstischc Sache verknüpft sein, um deren willen dieses Selbst erhalten wird. Die Parole des Sacro Egoismo, die vom modernen Nationalismus ausgegeben worden ist, gilt für uns nicht. Gewiß tut die gesunde' Selbstliebe einer Gruppe ebenso not, wie dem einzelnen. Aber diese Selbstliebe darf nicht wie bei den meisten modernen nationalen Bewegungen in Selbstsucht der Gruppe ausarten. Gleichviel wie der Weg der anderen ist: für uns gilt nicht bloß ideologisch, nicht bloß auf der moralischen Ebene, sondern auf der Ebene des Lebens, der Wirklichkeit jeder Stunde: wenn wir nicht mehr als das Leben wollen, gewinnen wir auch das Leben nicht. Wenn Sie mich fragen, wie steht es mit den anderen, so kann ich jetzt nicht darüber reden, aber eine Hoffnung ausdrücken: der kommende Nationalismus wird, hoffe ich, anders aussehen, als der gegenwärtige. Es dämmert ein Nationalismus auf, für den Nationalismus nicht Ziel, sondem Voraussetzung ist. Und es ist die Hoffnung meines Herzens, als Zionist, daß der wahre Zionismus der Vortrupp, der Pionier, der Chaluz dieses neuen Nationalismus ist. Es gibt eine richtige und eine falsche Auffassung der Mission. Wir haben nicht den Gedanken unserer Berufung aufgegeben, sondern wir haben ihn geläutert. Wir haben erkannt, daß wir die nationale Konsolidierung vollziehen müssen, um einer übernationalen Aufgabe willen. Aber hüten wir uns, diese Aufgabe als eine Idee über dem Leben zu errichten und zu ihr verehrend aufzuschauen. Diese Aufgäbe wird zur Lüge, wenn sie zu einem unverbindlichen Prinzip über dem Leben wird, das begeisternd und beruhigend zugleich wirkt. Diese Aufgabe muß beunruhigend, aufrtthrend sein und sie muß sich im Volksleben und der Volksarbeit Stunde um Stunde manifestieren. Verehrter Kongreß! Das Ist kein neuer Zionismus, das ist der Zionismus aller unserer geistigen Führer, von Moses Heß, Achad Haam, der Zionismus von Herzls AJtneuland t|11d der Zionismus A. D. Gordons. Und noch etwas, um es ganz deutlich zu machen: hüten wir uns, auch wenn wir dies anerkennen, etwa zu sagen: gewiß, das ist etwas, was wir später realisieren werden, aber zunächst müssen wir doch uns die Garantien für unser Leben schaffen. Nichts ist schlimmer als ein solches Früher und Später. Sie kennen unsere Jüdische Lehre: allen, die umkehren, welche die Teschubah vollziehen, wird voll Gott verziehen. Nur dem nicht, der da sagt: Ich werde sündigen, dann bleibt mir ja noch immer die Teschubah übrig. Dem wird nicht verziehen. Ich will es jetzt menschlich ausdrücken: wer um des Guten willen das Böse getan hat, zerstört die eigene Seele so, daß er nicht mehr fähig sein wird, das Gute zu tun. Das gilt für den einzelnen so wie für die Gemeinschaff. Aber, verstehen Sie mich recht, ich spreche nicht von der Moral; ich sage, es ist politisch schlecht; im Sinne der Erreichung von Zwecken. Freilich, im Sinne einer großen Politik, die nicht bloß den Zweck des nächsten Augenblicks will, sondern den Zweck der Zeit. Es ist mit Zweck und Mittel dicht so, daß der Zweck vom Mittel unabhängig ist. Der Zweck heiligt nicht das Mittel, aber das Mitte! verkehrt den Zweck, indem es den Zweck verdrängt. Was mit einem des Zweckes unwürdigen Mittel erreicht wird, hat nicht mehr den Charakter des ursprünglichen Zweckes, sondern es hat den Charakter des angewandten Mittels angenommen: das Mittel färbt ab aut den Zweck. Wenn Sie nun die Frage nach der Sicherung stellen: Wenn wir nun nicht die übliche Machlpolitik mitmachen, wie sichern wir uns dann? Wie sichern wir den Jischuw, das beginnende Voiksland in Palästina? — so sage ich: keine Sicherung, die wir erdenken könnten, ist so real, wie diese Macht im Geiste, die neue Formen des Völkerlebens stiftet, neue Beziehungen zwischen den Nationen vorlebt, einen echten Bund zwischen Orient und Okzident bereiten hilft und von da aus, von dieser Arbeit und auf ihrem Grunde, mit den Zukunftselementen aller Völker sich verbindet. Ich erinnere mich daran, was ein großer deutscher Oelehrter, Max Weber, mir einmal über den Zionismus gesagt hat: ״Wenn ihr einen kleinen Staat neben den anderen kleinen Staaten errichtet, so wird er mit diesen kleinen Staaten an der Peripherie der Geschichte stehen und mit ihnen belanglos bleiben, bis er mit ihnen hinweggespült wird. Aber wenn es geschähe, daß ihr eine geistige Macht aufrichtet, dann würde sie im Kern der Geschichte bleiben, wie einst euer Jerusalem und später unser Rom, und sie « würde dauern.“ Noch einmal: nicht ein Früher und Später, sondern: wenn wir nicht jetzt und hier in den Bedingungen und Ent- Scheidungen unserer alltäglichen Stunde damit beginnen, werden wir cs nie erfüllen. Das halte ich für die einzige wahre Antwort an die heutige Jugend des jüdischen Volkes. Nicht eine nationalistische Assimilation, die den anderen Nationalismen nachhinkt, sondern eine nationale Chaluziuth, die den anderen Nationalismen bahnbrechend voranseftreitet. Ich kann hier nicht ausführen, wie dies aut allen Oebieten des Lebens anzuwenden ist Es gibt keine allgemeinen Formeln. Jeder wird an der Stelle, wo er steht, Tag un» Tag, die Verantwortung erfahren, ^ber zwei große Bei» spiele ■möchte.■ ich Ihnen geben: p§ sind nicht .Beispiele, es sind die zwei großen Bezirke der Verwirklichung in Palästina, in der äußeren und in der inneren Politik. Das eine ist die Araberfrage. Ich darf von Ihnen beanspruchen, daß das, was ich sage, in ganz ernster Klarheit des Blicks auf das, was ist, gesagt wird, in seiner ganz harten und grausamen Schwierigkeit, die es bietet. Und ich sage trotzdem, daß sich auch hier in unserer Mitte eine nationale Assimilation breitmacht. Erinnern wir uns daran, nein, wir brauchen uns nicht zu erinnern, jede Stunde unseres Lebens trägt das Zeichen davon, wie die anderen Völker uns angesehen haben und allerorten noch ansehtn, als das Fremde, als das Niedrige. Hüten wir uns davor, das, was uns fremd und nicht genügend bekannt ist, als das Niedrige anzusehen und so zu behandeln! Hüten wir uns, dag, was uns widerfahren ist, nunmehr selbst zu tun! Gewiß, immer* Wieder betone ich, Selbstbehauptung ist cp selbstverständliche Voraussetzung aller unserer Handlungen; aber sie ist nicht enug; es gehört, um ein einfaches Wort zu sagen, auch hantasie dazu, die Fähigkeit, sich die Seele des andern, des Fremden, vorzustellen — denken Sie, was die Bibel sagt über die Seele des Knechtes. Meine Verehrten, ich kann dieses Bekenntnis hier nicht verschweigen. Es war für mich erschreckend in Palästina, wie wenig wir den arabischen Menschen und sein Leben kennen. Ich täusche mich nicht, ich lüge mir nicht vor, daß gegenwärtig eine Intercssenharmonic zwischen den Arabern und uns Bestünde oder einfach hergcstellt werden könnte. Aber dennoch, bei aller ernsten Interessenverschiedenheit, die nicht bloß aus IHusion und nicht bloß aus Politik kommt, bei all dem ist — und ich wäge jedes meiner Worte eine gemeinsame L a n - des politik möglich, weil dort und hier dieses Land ge- 1 i ebt wird, und die Zukunft dieses Landes gewollt wird, also gemeinsam geliebt und gemeinsam gewollt wird. Und darum ist es möglich, für dieses Land gemeinsam zu arbeiten. Viele von uns sagen: wir wollen nicht majorisiert werden, und ich sage es mit ihnen. Aber ich möchte nicht immer wieder zwischen diesen Worten, daß wir nicht majorisiert werden wollen, die Worte lesen müssen: sondern wir wollen majorisieren. Es muß heißen: wir wollen nicht majorisiert werden und wir wollen nicht majorisieren. ׳׳ Aber meine Verehrten, mißverstehen Sie mich nicht. Verlangen Sie keine Rezepte von mir in einer Sache, welche die ernste Beantwortung bei tausend kleinen Entscheidungen verlangt. Nicht Deklarationen wollen wir abgeben, nicht allgemeine Resolutionen, sondern die ernste Wirklichkeit jeder Stunde soll zeigen, wie wir es meinen. In der Praxis selbst,, in der Politik, in der Kultur, in der Gesellschaft und in der Beziehung von Mensch zu Mensch. Ich will diesem Gedanken bloß einen praktischen Ausdruch hier geben. Ich möchte Vorschlägen, oder wenn es geht beantragen, daß als Zeichen hierfür eine ständige Kommission in Palästina eingesetzt werde, die als beratendes Organ der Palästina-Exekutive bei allen die Araberfrgge berührenden Angelegenheiten zu fungieren hat. Manchen ist dieses widerwärtig. Für mich und diejeniegn, welche diese historische Situation so ernst nehmen wie ich und die nicht mit Phrasen darauf antworten, für die ist es der Anfang einer Epoche, die nicht mehr deklariert, sondern handelt; ohne Rezepte; denn für das wirklich verantwortliche Handeln gibt es eine Richtung, aber kein Rezept. Ich will noch kurz über einen sehr wichtigen Punkt sprechen. Es ist die Frage der Erziehung der Jugend i n P a 1 ä s t i!1 a. Icji glaube, daß ich in aller meiner Arbeit gezeigt habe, daß ich die ungeheure Wichtigkeit der nationalen Formen des Judentums zu würdigen weiß. Ich weiß, was die Erneuerung der hebräischen Sprache bedeutet Und dennoch sage ich: die Formen sinfi zu wenig; ja die Formen können sogar destruktiv wirken, wenn keine Gehalte da sind. Gewiß, es ist selbstverständliche Voraussetzung, daß Hebräisch gesprochen wird; aber damit fängt es erst an. Jetzt entsteht erst die Frage der Fragen: was wird in dieser Sprache von dort aus gesagt? Es genügt nicht, Erneuerung zu sagen und es formell zu meinen, man muß Erneuerung so ernst nehmen, daß, so sehr wie von der Tradition nährende tragende Kräfte ausgingen, sie nun auch von der Emeuenmg ausgehan als eine Richtung des Lebens. Ich will einen modernen Ausdruck gebrauchen. Ich wünsche als riehtunggebend für die hebräische Erziehung einen hebräischen Humanismus im realsten Sinn. Ich sage dies nicht als etwas, was man der Entwicklung überlassen muß, sondern was bestimmend sein soll für das Programm, die Lehrpläne, die Orgapisation der Schulen und der ganzen Erziehung. Ich habe den Zustand der Jugend in Palästina ein wenig kennen gelernt und ich darf nicht verschweigen, daß es auch hier furchtbar viel Sacro Egoismo gibt. Was ich unter Humanismus verstehe, ist, daß die Jugend in Palästina den Weg von der nationalen Assimilation des Sacro Egoismo zur nationalen Chaluziuth geführt werde: daß sie erzogen werde zu einer geschichtlichen Menschheitsaufgabe des neuen Judentums, an dem wichtigsten Orte des bedrohten Planeten, an dem ewigen Tor zwischen Asien und Europa. (Starker Beifall.) Begrünung der Schweiz Vors. Motzkin! Heute ist ein nationaler Feiertag für die Schweiz, das Fest der Vereinigung und das Fest des Fortbestandes. Daß bei uns für solche Feiertage Verständnis besteht, beweist unsere ganze Haltung in all den Jahrtausenden, die Tatsache, daß wir den Auszug aus Aegypten noch immer feiern, nachdem wir noch zweimal aus Palästina vertrieben wurden. Es ist ein Verständnis für die Idee. Wir tagen in diesem Lande bereits zum neunten Male. Wir haben hier manche schweren und manche schönen Kongresse erlebt. Und wir sind immer in gebührender Weise empfangen worden. Es war dies die Sympathie für unsere Idee. Der richtige legitime Nationalismus beginnt erst dann, wenn man Verständnis hat für den Nationalismus anderer. Ich glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich unseren Gruß und unsere Sympathie der Schweiz, dem Schweizer Volk, den Schweizer Völkern zum Ausdrucke bringe. Ich bitte um Ihre Ermächtigung, dies dem Kanton Zürich, der Bundesregierung und dem Volkerbund zum Ansdruck bringen zu dürfen. (Allgemeiner Beifall.) In Anbetracht dieses Feiertages findet heute nachmittag keine Sitzung statt. Die Debatte wird fortgesetzt. Berl Kaznelson (Poale Zion) betont, den Arbeitern käme es nicht an auf Sitze in der Exekutive, sondern auf einen stärkeren und schöpferischen Zionismus. Redner greift sodann die Palästina-Exekutive an wegen ihres Systems, das er durch eine Reihe von Beispielen illustriert. Er beschuldigt die Exekutive, die N.-F.-Anleihe in Amerika verschleppt zu haben, bis sie verpaßt wurde. Sie habe auch gegen den Erwerb 1 der Haifa Bay gekämpft. Man verbiete dem N.-F. kleine Bodenkaufe, wolle aber, er solle die Amzic-Böden übernehmen, damit diese Institution saniert werde. Die Exekutive habe die starke Hand nur gegen die Arbeiter bewiesen. Bei der Vernichtung der Selbstverwaltung von Tel-Awiw sei die Exekutive untätig gewesen. Den Rest der Debatte werden wir in zusammenfassender Form nachtragen. X. Sitzung, Freitag, 2. August, nachmittags. Im weiteren Verlauf der Generaldebatte gelangt Dr. AI• fr cd Klee (Deutschland) zu Wort. Dr. Klees Rede Dr. A. Klee: Ich möchte zunächst einen kleinen Irrtum berichtigen, der Ussischkin gegenüber Blumenfeld passiert ist. Blumenfeld hat nicht gegen irgend jemand polemisiert und nicht auseinandersetzen wollen, daß ins Keren Kajemeth-Direktorium Persönlichkeiten gewählt sind, die von einer Gruppe abhängig sind, er hat nur im allgemeinen ausgeführt, daß der Umstand, daß wir Körperschaften nach Partei gesichtspunkten besetzen, häufig dazu führen kann daß sehr wertvolle Persönlichkeiten unserer Bewegung ausfallen und wir dadurch in der Besetzung der leitenden Posten unserer Organisation ärmer werden. Brbdetsky hat darauf hingewiesen, daß in ganz anderem Maße als bisher die Organisationsarbeit in den Vordergrund unserer Arbeit treten muß. Ich möchte diesen Gedanken unterstreiche«, besonders in dem Augenblicke, da wir uns an- Schicken, in die Agency zu gehen. Es ist völlig richtig, daß eine starke Zionistische Organisation Voraussetzung erfolgreicher Arbeit in der Agency ist. Ich möchte bei dieser Gelegenheit eine sehr wichtige Organisation erwähnen, unsere Turnbewegung. Seit alters her, von HerzJ und Nordau an, ist sie mit uns verbunden. Der Makkabi-Weltverband ist heute wieder eine achtunggebietende Organisation, und Ich bin überzeugt, ejaß er unter seiner tatkräftigen Führung ein wichtiger Faktor in der Renaissancebewegung unseres Volkes sein wird; er muß von uns die nötige Unterstützung erhalten. Es ist unsere Aufgabe, alle Positionen im jüdischen Leben der Gegenwart mit unseren Gedanken zu erfüllen. Die Konstituierung der neuen Jewish Agency darf auf keinen Fall dazu führen, den Kampf um die Machtpositionen im jüdischen Leben, insbesondere den Kampf um die jüdischen Gemeinden aufzugeben. Es ist viel leichter, dafür Sorge zu tragen^ daß der Gedanke der jüdischen Renaissance durchgesetzt werde, wenn wir die Gemeinden in unseren Händen haben oder doch als richtunggebender Faktor in ihnen sitzen. Ich glaube, in dieser Beziehung auf die Verhältnisse in unserer Berliner Gemeinde hinweisen zu dürfen. Darf ich daran erinnern, weiche Mühe HcrzI sich gab, die Herren der Ica für unsere Palästina-Gedanken zu gewinnen? Dadurch, daß die Berliner Jüdische Gemeinde von uns entscheidend beeinflußt wird, ist es zum ersten Male möglich geworden, In den Rat der Ica einen Zionisten zu schicken. Die Ica hat in Palästina, in Judäa und Galiläa ernste Interessen, und es ist nicht gleichgültig, mit welchem Nachdruck diese behandelt werden. Ich glaube, daß die Möglichkeit bestehen muß, das Palästina-Programm der Ica zu erweitern, und daß es darum gut sein wird, wenn im Conseil der Ica recht viele Herren sein werden, die mit unserer Arbeit möglichst eng verbunden sind. Es muß der Tag kommen, wo es keine jüdische Gemeinde gibt, welche nicht ihren Beitrag an den Keren Hajessod zahlt. Und wenn wirinderBerlinerJüdischenGemeinde ein Katheder an der Hebräischen Universität in Jerusalem geschaffen haben, das den Namen ״Lehrstuhl der Berliner Jüdischen Gemeinde“ führt, so scheint mir dies auf dem Wege der Verbindung des Gemeindelebens mit Pa- Iästina ein verheißungsvoller Anfang zu sein. Das Finanzinstrument der Jewish Agency wird, wie bekannt, der Keren Hajessod sein. Ich glaube aber, daß darüber hinaus vielleicht die Möglichkeit bestehen wird, für kulturelle Aufgaben in Palästina besondere F%nds zu haben. Ich glaube, daß es möglich sein wird, von den jüdischen Gemeinden der Welt Beitrage für den Schulaufbau in Palästina zu bekommen. Hebräijpe Erziehung in Palästina ist eine Angelegenheit, für welche die Juden in aller Welt reges Interesse zeigen, es bedarf nur systematischer Arbeit. Wir gehen mit Zuversicht in die Jewish Agency hinein. Aber wir dürfen keinen Augenblick vergessen, daß wir heben dieser gemeinsamen Arbeit mit den Nichtzionisten

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