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Jüdische Rundschau · 1929-08-02 · Heft 60 (2.8.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 60 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 60, 2. VIII. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 38S Wir stehen vor der großen Aufgabe, auf die Invasion des Privatkapitals zu antworten, wie auch auf die Versuche des internationalen Kapitals, sich für Erez-Israel zu interessieren. Wir können das nur durch die Verstärkung des nationalen Kapitals erreichen, durch Errichtung von Landwirtschaft auf nationalen Grundlagen. Die Landwirtschaft soll Erez- Israel in einen großen Arbeitsplatz für die jüdischen Massen verwandeln. Es soll das große Wart Herzig erfüllt werden, daß der Zionismus zu einer großen Arbeitsgelegenheit für das jü* disehe Volk werden wird. Und bei dieser Gelegenheit sollte man nicht vergessen, daß der Grundstein dieses Aufbaus 25 Jahre hindurch die jüdische Arbeiterschaft gewesen ist und es noch für weitere Generationen bleiben wird. (Lebhafter Beifall.) Schluß der Sitzung 11 Uhr 15 abends. V. Sitzung, Dienstag, 30. Juli, vorm. Abraham Goldberg (Amerika, spricht jiddisch): Ich habe das Glück, im Namen der amerikanischen Zionisten zu sprechen. Es gilt bis jetzt allgemein, daß Amerika das Land ist, das Geld liefert. Aber Sic begehen eine Sünde, wenn Sie über Amerika sprechen und es in Ihren Gedanken nur mit Geld verknüpfen. Wenn Sie die geistige und kulturelle Rolle des amerikanischen Judentums nicht verstehen, werden Sic nicht uns schaden, sondern dem Zionismus. Dieser Kongreß soll eine Umwertuntg der Werte durchführen. Dann möge er auch eine Acnderung der Meinung über Amerika vornehmen und möge die eigenartige jüdische Mischung erkennen, deren nur Amerika fähig ist. In Amerika hat sich das Wunder vollzogen, daß Ost und West im Judentum sich vereinigt haben. So ist ein jüdischer Typus entstanden, der nicht dogmatisch, sondern praktisch, dabei aber romantisch und sentimental ist. Sie haben jetzt vier Millionen Juden, welche die größte Kraft im Aufbau von Erez Israel werden können, wenn Sie uns die Sympathien geben, welche wir verlangen. Herr Arlosoroff hat sehr viel in Amerika gelernt. Seine Rede war im großen und ganzen genommen eine Verteidigungsrede. Man konnte in ihr Einflüsse aus Amerika merken. Man behauptet, daß wir uns mit den Arbeitern zanken. Wir sind die Bourgeoisie. (Zwischenrufe von der Linken: In Basel.) fn Amerika sind wir doch die besten Freunde. Wenn wir nach Europa kommen, beginnt der Streit. Wir werden von dem Kriegsgeist beeinflußt, der hier herrscht. Was aber Amerika selbst anbetrifft, so gibt es keinen Ort in der Welt, wo der Arbeiter so sehr geschätzt wird wie in Amerika, lind auch derjenige, der zum Kapitalisten wird, denkt immer daran, daß er einst ein Proletarier war. Wenn unsere Kapitalisten, die Geld für Palästina hergeben, selbst nach Palästina gehen werden (und man sollte sich bemühen, daß sie nach Palästina gehen), so werden sie nicht gegen den Arbeiter kämpfen. Der Streit hatte nur einen Grund. Wir sagten: Arbeiter, ja, Landarbeiter gewiß, aber man sollte auch die lndustrie und den Handel nicht gering schätzen. Denn wenn die Juden allein in Palästina wären, wäre es nicht so schrecklieh. Da es aber Araber gibt, so werden diese zu Kaufleuten werden, wenn wir es nicht wollen, und bei jenen wird das ganze Geld bleiben. Wir sind ungemein zufrieden damit, daß Ruppin in seinem Vortrag neben der Landarbeit auch von der Industrie und dem Handel gesprochen hat. Alle sozialen Reformen finden bei uns die beste Stütze. Aber wir sind nicht dogmatisch, bei uns ist es einmal so und dann wieder anders. Wenn man uns ein praktisches System zeigt, uns beweist, daß die kommunistischen Kolonien Palästina aufbauen werden, dann kann ich euch versichern, daß wir sie unterstützen werden, aber die Amerikaner glauben nicht, daß das ein pralctisdier Schritt ist. Statt aus der ganzen Kolonisation ein Ex• periment zu machen, wollen wir, daß Sie ein Kolonisations- Experiment machen. Ich erinnere an die Sache Soskin, für die v ir Geld hergegeben haben. Wäre sie gelungen, dann hätten wir noch etwas derartiges gemacht. Es gibt keine schärferen Kritiker der englischen Regie* rimg, als wir es sind. Man muß kritisieren und einen anderen Weg finden. Jetzt haben wir einen neuen Schritt gemacht mit der'Jewish Agency. Der Zionismus in Amerika ist auf dem Wege zu einer Wandlung. Er wird es nicht nur in Amerika sein, sondern auch ln Palästina. Del. Jabotinsky (Revisionist, spricht deutsch): Im Entwurf der Konstitution der erweiterten Agency finden wir eine gute englische Sitte: Zuerst kommen Definitionen der Worte. Ich glaube, auch wir sollten damit beginnen. Was Ist National* heim? Soweit ich es verstehe, hat dieses Wort in der jüdischen Volksseele bloß eine Bedeutung: es ist ein Nationalstaat, ein Staat mit einer überwiegenden jüdischen Mehrheit. Und ich glaubte, in dem Bewußtsein des jüdischen Volkes hat das Wort ״öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte“ nur diese Bedeutung. Was bedeutet Palästina? Palästina ist ein Gebiet, dessen hauptsächlichste geographische Charak* tcristik darin besteht, daß der Strom joraan nicht etwa an der Grenze, sondern in der Mitte dieses Gebietes fließt. Was bedeutet Zionismus? Zionismus bedeutet nicht etwa eine Bestrebung dem leidenden jüdischen Volke einen morali* sehen Stützpunkt, einen Trost in Palästina zu geben. Stets hat das Wort Zionismus bedeutet: die tatsächliche Lösung der politischen, der ökonomischen und der kulturellen Tragödie von vielen Millionen. Darum bedeutet der Zionismus nicht bloß das Streben, in Palästina eine Mehrheit zu schaffen, sondern: Platz 711 schaffen in Palästina für Millionen Juden auf beiden Seiten des Jordans. Wissenschaftler mögen sich streiten, ob die Sache möglich ist oder nicht, und wie lange es dauern wird, bis sie verwirklicht sein kann. Die Volksseele aber will nur dies. Der Charter oder das Mandat ist eine Verpflichtung der zivilisierten Welt, eine Verpflichtung einer großen Nation, mit ihrem Ehrenwort unterschrieben, nicht: uns freundlich zu behandeln, sondern: sie ist ein feierliches Versprechen, in Palästina ein Kolonisationsregime zu schaffen, so daß die ganze Regierung und das ganze Verwaltungssystem darauf gerichtet werden soll, die Länder auf beiden Seiten des Jordans für den Empfang großer Massen vorzubereiten und zu erschließen. Heute weiß jeder, was man vielleicht vor vier Jahren und vor zwei Jahren nicht ganz verstanden hat: diese Frage wird nicht mit einem Quantum von Geld gelöst. Der wirkliche Aufbau des Landes wird nicht auf dem Wege der nationalen Kapitalsammlung, sondern durch die freiwillige Mobilisierung von individuellen Kapitalien geschaffen. Und es ist eine Tatsache, daß die freiwilligen Kapitalien nur dorthin gehen, wo die politischen Voraussetzungen es gestatten. Nimmt man zum Beispiel die wichtige Frage des Boaenkaufs, so sind wir heute schon weit vön. der Auffassung entfernt, die noch im Jahre 1925 bei uns herrschte, daß, wenn man für fünf Pfund einen Dunam bekommt, man für 590 Pfund 100 Dunam kaufen kann. Heute versteht man schon, daß die Sache viel komplizierter ist und daß der Preis des Landes^ vor allem von der Bodenpolitik der Regierung abhängt. Ein Nichtzionist ist jemand, der Sympathien für den Z10* nismus haben mag oder auch nicht und der, wenn er klug und fair ist, alle unsere Notwendigkeiten versteht, der vielleicht auch wirklich mit uns sympathisiert und bis zu einem gewissen Grad wirklich helfen wird. Der Zionist aber ist derjenige, der mit der Verwirklichung dieses Ideals steht und fällt, der Mißerfolge mitgemacht hat ohne Zahl, der 25 Jahre lang nur von Mißerfolgen lebt und der trotz alledem an den Erfolg glaubt. Auch wenn ihm Wissenschaftler täglich bewiesen, daß die Sache absurd sei, hat er daran geglaubt, and er siebt und lütt mit (km Erfolg der aäoaistischen Sache. Betrachtet man von diesem Standpunkt aus die heutige Lage im Lande, so kommt man zu traurigen Erfahrungen. Ich möchte nicht die Sache im Lichte eines Oroßzionismus betrachten, sondern bloß im Lichte der bescheidenen politischen Resolutionen des XV. Zionistenkongresses. Die Lage in Palästina, von diesem bescheidenen Standpunkt aus betrachtet, wird durch drei Beispiele charakterisiert: Erstens die Geschichte von der Klagen!auer. Das ist eine Antwort auf die Forderung, unsere würde zu respektieren. Ich will nur ein Detail hervorheben. Hätte die palästinensische Regierung nur zweieinhalb Stunden abgewartet, bis cs dunkel wird, bis die Juden nach Hause gehen, hätte sie dann meinethalben den Schamasch bestraft und den Rabbiner vor Gericht gezogen; aber das jüdische Gefühl und die jüdische nationale würde war in den Augen dieser Herren nicht wert, zweieinhalb Stunden zu warten. Und der Gouverneur von Jerusalem sitzt noch heute an seiner Stelle und nach einigen Wochen kommt wieder der heilige Tag, und es ist mir unangenehm zu prophezeien, was das Ende sein wird. Was die bescheidenen Forderungen zur Bodenpolitik betrifft: nichts Erfreuliches zu berichten. Der Kataster wird wenigstens siebzehn Jahre dauern, bis wir die Frage steilen können, was herauskommt. Das Land, das man den Arabern in Beisan geschenkt hat, unter dem Vorwand, daß sie ohne den Boden nicht leben können, erlaubt man ihnen jetzt, den Juden zu verkaufen. Und so wird dieses Geschenk Samuels zu Bodenspekulation verwendet. Ich sage nicht daß Herbert Samuel das beabsichtigt hat, ich sage aber, daß er und seine Regierung einen großen Leichtsinn begangen haben. Aber es gibt außerdem die fnfiat-Geschichte. Eine solche Gefahr wie diese Sache ist uns in Palästina noch nicht vorgekommen. Die ganze Hälfte des Bodens der Kolonie Chederah, gerade diese Kolonie, die man unter solchen Kämpfen ausgebaut und am Leben erhalten hat, wird bestritten. Es ist das Recht der Beduinen, jedes Stück Boden zu bestreiten. Es wäre auch das Recht der Regierung, der Kolonie zu sagen, die Beduinen behaupten, daß'sie Besitzrechte haben. Die englische Regierung aber bestreitet nicht die Besitzfrage, sondern die Eigentums frage. (Zwischenruf H. Sacher: Haben Sie die Kuscbane gesehen?) Ich habe die Kuschane gesehen. In jedem Lande muß derjenige, der fordert, den Beweis führen. Die englische Regierung hat aber von den Kolonisten verlangt, daß sie, die die Kuschane haben, den Beweis führen. Und da die Kolonisten sich wehren, bekommen sie einen Brief von der Regierung, dessen Kopie ich der Politischen Kommission zeigen werde. Es wurde kundgemacht: wenn die Kolonisten von Chedera sich binnen zehn Tagen nicht fügen, vor Gericht zu beweisen, daß die Kuschane wirklieh auch diesen Teil von Infiat einschließen, so wird die Re- Sterling selbst im Gerichtswege der Kolonie Chedera die Sanddünen nehmen. Wenn die Sanddünen der Regierung gehören, dann hat sie das Recht, sie zu nehmen, aber dies aus* zunützen und die Kolonisten zu zwingen, das ist eine Prozedur jenseits von Kultur und Oeslttung. Das unangenehmste daran ist der Zustand des Gerichtswesens in Palästina. Das ver* frauensvolle Bewußtsein: ״Es, gibt Richter" wunde uns in Palästina untergraben. Ein klassischer Beweis dafür Ist die unfaßbare Entscheidung in der Sache des Juden, dem trotz dreijähriger Seßhaftigkeit in Palästina die Naturalisation mit der Begründung verweigert wurde, daß seine Frau seit zwei Jahren nach Italien verreist sei. Die Berufung an das Appel* lationsgericht war nutzlos. ‘ Man hat schon auf dem letzten Kongresse von offizieller Seite, insbesondere in der Politischen Kommission, Bacchanalien der Selbsfgerecbtigkeit gefeiert, indem man immer wieder sagte: alle Klagen des Jischuw sind Unbegründet. Das wird wohl jetzt wieder geschehen. Aber alle Leumundszeugnisse, die man der Gesetzgebung in Palästina ausstellt, nüizen nichts; , es gibt in Palästina schlechte Gesetze aus der Türkenzeit her, die die heutige Verwaltung übernommen hat, und es gibt schlechte Gesetze, die die heutige Regierung gemacht hat. Soeben erhalte ich ein Telegramm aus Tel-Awiw, in welchem auf das schöne türkische Gesetz hingewiesen wird, das noch immer in Geltung ist, daß man nämlich für Geldschulden Ins Gefängnis kommt. Und ich werde aufgefordert, dahin zu wirken, daß wenigstens die Exekutive dieses Gesetz nicht gegen ihre Schuldner benütze. Die Verwaltung Palästinas ist, selbst abgesehen vom Zionismus, abgesehen von unserem großen Ideal, schon vom Standpunkte der bescheidensten Forderungen. vom Standpunkte des gewöhnlichen zivilisierten Bürgergefühls keine gute Verwaltung. Es Ist kein System, welches England Ehre macht, kein erstklassiges, nicht einmal ein zweit* und drittklassiges. Jeder Jude In Palästina mit Ausnähme der wenigen offiziellen Verteidiger sagt dasselbe: Palästina Ist schlecht verwaltet. Nun hat der Kongreß gewisse Forderungen gestellt und es erhebt sich die Frage: Warum sind diese Forderungen nicht erfüllt worden? Ich gebe Ihnen hier eine Antwort wieder, die ich von einem bedeutenden Christen erhalten habe. Sie lautete: Resolutionen, die man auf das Papier schreibt, haben keine Bedeutung. Bedeutung hat nur, in wessen Hände man die Ausführung dieser Resolutionen legt. (Beifall.) Zwei Manifestationen hat der vorige Kongreß gemacht: Reso- Iutionen auf Panier, und die Wiederwahl einer Leitung, die auf demselben Kongreß erklärt hafte, sie werde ihre Taktik nicht ändern. Und jetzt kommt, um das Wort eines hervorragenden Zionisten, das vor zwei fahren gesagt wurde, zu wiederholen, die jährliche Rede. Wieder Ist alles fn Grdnung. alles befriedigend: Eine Administration, die uns ganz günstig gegeniibersteht, ein High Commissbner, wie es Sir John Chancellor Ist, ein netter, guter, kluger Herr, unter dessen Herrschaft eben die Infiat-Gesehichte angefangen hat, die hier gar nicht erwähnt wurde. Alles ist in Palästina in Ordnung und man murmelt "bloß, man sei nicht ganz zufrieden. Es ist nutzlos, Resolutionen anzunehmen, nutzlos wohl mich, Reden zu halfen, nutzlos zu protestieren, nutzlos zu hoffen, wenn Sie die Leitung in den Händen von Herren halten, welche nicht eine Minute anhören können, daß man eine eng- Iische Administration kritisiert, in den Händen von Leuten, die mit eiserner Disziplin kühl und schweigend aßes aushaiten können, die aber, wenn man etwas gegen die heilige britische Administration sagt, sofort ihre Ruhe verlieren. Man könnte sagen, daß es heute neue Möglichkeiten gibt, weil die Regierung in England sich geändert hat. Täuschen wir uns nicht: die freundlichste Regierung kann nicht päpstiicher sei als der Panst. sie kann nicht mehr geben, als man verlangt. Alle Manifestationen werden uns nichts nützen, wenn die Leitung Leuten übertragen ist. die nicht einmal abgeschwächte Zionisten sind, sondern überhaupt nicht Zionisten. Man sucht ihnen einzureden, daß es keinen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten gebe, daß die Ideale ihre Bedeutung verloren haben, daß verschiedene Men* sehen dieselbe Arbeit tun können, daß zwischen Leistungsfähigkeit, Leistungsanstrengung, Ausdauer einerseits und idealen andererseits keine Brücke und keine Verbindung besteht, daß die ideellen Werte, die Erziehung, die Begeisterung, Tradition, der Nationalismus keine Bedeutung haben. Bei all diesen Worten kommt es nicht darauf an, was geschrieben ist, sondern wie man es interpretiert. Bis heute haben nur Nichtjuden die Balfour-Deklaration klein interpretiert. Jetzt kommen Nichtzionisten. die an den Zionismus nicht glauben, keine Jüdische Nationalität wollen, aber jene Worte sagen können, weil sie doch nichts bedeuten, zum Großzionismus nicht verpflichten. So groß und so gefährlich ist der Unterschied, daß alle das f&hkn. Auch die Nichtzionisten fühlen es «»1 dämm decken sie s'fch sorgfältig und suchen jede Möglichkeit der 'Majorisierung auszuschlleßen. Was ist aus den Forderungen des 14. Kongresses geworden? Zunächst die ungeschriebene Forderung: der Goldregen. telegraphiert, das Budget müsse auf 27 Prozent gekürzt werden? Weil der Drive in Amerika nicht gelungen ist. Und nun die geschriebenen Bedingungen. Der Präsident, der von uns gewählt wird, sollte Präsident der Agency sein, wenn sie zusammenkommt. Nein, Revision, jeder Kat aas Recht, einen andern Kandidaten vorzuschlagen, ln wichtigen Fällen können die Zionisten anders stimmen, als der Kongreß beschlossen hat. Die Praxis .־ der Kongreß wußte, warum er darauf bestand, daß an Stelle der Vertreter in der Agency ständige Ersatzmänner treten können. Auch das wurde nicht angenommen. Das Provisorium: Der Kongreß hat dabei ehrlich gehandelt. Und doch ist daraus nichts geworden. Man hat von der Re* gierang einen Brief erhalten, der das Gefährlichste ist, was wir erlebt haben. Wenn die Agency zusammenbricht, dann wird die Regierung prüfen, ob die Zionistische Organisation nach der Meinung der Mandatarmacht geeignet ist! Bis heute bestand die Zionistische Organisation als Agency, man prüfte ihre Eignung nicht. Der Moment des Bruchs wird der sein, wo die Zionisten radikale Forderungen stellen und in diesem Moment wird die Regierung sie prüfen. Noch ein Wort. Ich schäme mich beinahe es zu sagen. Der 14. Kongreß, der armselige, hat noch eine Sicherung verlangt, die Demokratie. Die Demokratie mag gut oder schlecht sein, ich glaube, obwohl die Demokratie in Rußland und in Italien und in vielen Ländern bestritten wird, ist für uns Juden die Demokratie die einzige Möglichkeit, ein Appellationsgericht zu haben. Wir können uns dann an die Volksmassen wenden. Wie der Wahlmodus heute aussieht, wissen doch die verschie* denen Herren, die aus vielen Ländern kommen. Aber die Grundlage für den Wahlmodus fehlt. Ich bin kein polnischer und kein amerikanischer Jude. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in beiden Ländern ist die gleiche. Aber das eine bekommt 44 Mitglieder und das andere 13. Warum? Weil jenes ein reiches Land ist und dieses ein armes. Weil das Unglückliehe Land, das am meisten Nutzen hat von Palästina, Palästina braucht und die meisten Immigranten, das heißt, die meisten Kapitalien nach dem Lande bringt, bekommt es nur 13. Wenn auch die Mehrheit des Kongresses für die erweiterte Agency ist, die Sicherungen müßte man doch prüfen. Darum hat man etwas Präzedenzloses getan, Am 11. August versammeln sich bereits die Nichtzionisten. In der parlamentarischen Geschichte anderer Völker gibt es kein Beispiel für ein solches fait accompli. Wir Revisionisten suchen hier zu verlangen, daß die Angelegenheit in die Kommission zurückgeht und daß weiter verhandelt wird. Aber es Ist zu spät. Man schlägt dem Kongreß eine schlechte Sache vor und seine Hände sind schon gebunden. Im Namen des zionistischen Gewissens sagen wir an diesem Scheidewege, vor der Geschichte und unserem Oewissen: Non possumus. (Langandauernder Beifall bei den Revisionisten und stürmische Ovationen auf den Galerien.) * Nach Jabotinsky sprach Suprasky (Nationalbür־ gerliche Vereinigung Palästina), sodann Grünbanm (Radi* kale). Hierauf wird die Vormittagssitzung geschlossen. Diene* tag nachmittag sprechen Rabbi Slotnik (Kanada), Morris Myer (England), Blumenfeld (Deutschland), Bernhard (Rumänien). In der Abendsitzung sprechen Dr. Schwarz• hart (Westgalizien), Dr. Leon Reich (Ostgalizien) und Dr, Stephan Wise. Den Bericht über diese Sitzungen werden wir in der nächsten Nummer nachtragen. Mittwoch ist für die Konstituierendem Sitzungen der Kom* missionen reserviert. Mittwoch abend *oll die Generaldebatte, ihren Abschluß finden. * Zürich, 1. August (telephonisch). Mittwochabend - Sitzung Weizmanns Antwort Im Laufe des Mittwoch haben sich die Kommissionen konstituiert. Zu Vorsitzenden der Kommissionen wurden gewählt: Dr. Ringel (politische Kommission), Kaplansky (Kolonisationskommission), Dizengoff (Budgetkommission), Jawnieli (Kommission für Erziehung), Aron Barth (Organisationskonimission). In der Nachtsitzung von Mittwoch auf Donnerstag wurde die Generaldebatte fortgesetzt. Es sprachen noch Glücksohn (Palästina), Hin des (Polen), Jean Fischer (Belgien), Schmarja Lewin und Ussischkin. Ussischkin kritisierte scharf die politische Lage, besonders betonte er das gegen die Juden verübte Unrecht in der Angelegenheit der Klagemauer, in welcher gerade heute alarmierende Berichte hierher gelangt sind. Ussischkin erklärte es auch als ein falsches Gerücht, daß jemand den Keren Kajemeth gegen die Agency ausspielen wolle. Nach Ussischkin kommt um 11 Uhr abends Weizmann zu Wort. Seine Rede ist von starker Leidenschaft und macht einen tiefen Eindruck. Er wendet sich gegen die Hauptredner der Opposition. Die Exekutive, die man wegen der politischen Lage angreift, könne nicht auf dem Kongreß so reden wie Ussischkin oder Wise, und man soll das nicht von ihr fordern. Es sei nicht richtig, daß die Exekutive Tatsachen falsch dargestellt oder verschwiegen habe. Sie hat wahrheitsgemäß berichtet, daß auf gewissen Teilgebieten Fortschritte gemacht, auf anderen keine Erfolge erzielt wurden. Protestreso- Iutionen oder wilde Angriffe gegen die Mandatarmacht werden nicht zum Ziel führen. Unser Vorwärtsschreiten kann nur in allmählichem schweren Ringen vor sich gehen. Unsere politische Stellung hängt ab von unserer eigenen Kraft und von der öffentlichen Meinung der Welt Daher müssen wir einerseits unsere Wirtschaftliehen Positionen im Lande stärken, andererseits auch darauf Rücksicht nehmen, daß die öffentliche Meinung der Welt, wie sie sich in politischen Gremien darstellt, die englische Regierung milder beurteilen wird als wir. Weizmann antwortet dann ausführlich auf die Augriffe gegen die Exekutive wegen ihrer angeblichen Untätigkeit gegenüber den Zionistenverfolgungen in Rußland. Jede Aktion habe sich hier als vergeblich erwiesen» weil Rußland sich über die öffentliche Meinung

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