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Jüdische Rundschau · 1929-08-02 · Heft 60 (2.8.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 60 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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S'ffte m JUFDISCHE RUNDSCHAU hi decken, und Ich weiß, daß es gar nicht damit zusammen• hängt, ob Vertreter der Arbeiterschaft oder andere Guppen m der Exekutive sitzen. Das hat man uns aber als Maßstab gegeben: das Budget. Nun, das Budget hat immer traurig• ausgesehen. Und wenn von einer Vertrauenskrise gesprochen werden kann, so befindet sich die gegenwärtige Exekutive in diesem Kongreß in einer sehr schweren Vertrauenskrise. (Bei• fall links.) Und nun will ich kurz einige Fragen der Politik streifen und als erste Frage ein Problem streifen, das bisher merkwürdigerweise nicht mit aller notwendigen Offenheit von dieser Tribüne berührt worden ist, das ist das Problem Rußland. Wieder sind zwei Jahre vergangen und diese zwei Jahre sind beinahe schon die letzten von zehn Jahren, wo unsere Bewegung in Rußland Verfolgungen, Einkerkerungen, Verbannu11gen; Deportationen in Poiit-Isoiatoren ausgesetzt ist. Die Sache ist die: Wir müssen uns entschließen, diese Frage aus der Ebene der feierlichen Proteste im Dämmerlicht formeller Sitzungen herauszunehmen und sie ganz offen und deutlich in die Ebene der politischen Aktion der Zionistischen Organi- Station zu übertragen. (Beifall.) ich habe versucht, teilweise mildem amerikanisch-jüdischen Kongreß, teilweise auf andern politischen Wegen, eine solche Aktion einzulelfen. Ich habe, nachdem das Borah-Inferview stattfand, mich an die Lon• doner Exekutive gewandt. Und die Exekutive hat mir im Januar 1028 geantwortet, daß sie gerade nach Rußland ge• schrieben habe, uni sich Material zu besorgen, ob es wirklich in der letzten Zeit Verhaltungen in Rußland gab, und auf der Basis dieses Materials werde sie ihre Bemühungen einleiten. Das war acht Jahre nach dem Massenarrest der russischen Zionisten. Es sind wieder Monate vergangen, und es ist nichts geschehen. Ich wundere mich, daß gerade politische Zionisten ein Moment übersehen. Es gehen jetzt die Verhandlungen um die neue Anknüpfung der Beziehungen zwischen England und Rußland, Ich bin der letzte, der sich einredet, daß’in diesen Verhandlungen zwischen Rußland und England diese Dinge eine Rolle spielen können. Aber für die Zionistische Welt• Organisation ist gerade der Moment des Wicderankniipfcns der diplomatischen Verhandlungen ein Moment, den wir nicht voriibergehen lassen dürfen. (Beifall.) Jetzt einiges zur Palästinapolifik. Wir haben aus dem Bericht van Weizmann, an dem wir, ich persönlich und meine Freunde, in diesem Augenblick nur sehr ungern Kritik üben, da wir wissen, wie die politische Arbeit durch die Abwesenheit Prof. Weizmanns erschwert wurde, gehört, daß wirklich auf gewissen Gebieten der politischen Arbeit wichtige Erfolge erzielt wurden, wie auf dem Gebiet der öffentlichen Arbeiten, des Schulbudgets und auch des Sanitäfshudgets. Wir haben die Unterhandlungen nach der Weizmannsihen Methode .,suaviter in modo, fortiter in re“, mit Würde und Bestimmt• heit, aber fest in den Sachen, die wir zu vertreten haben, geführt und wir haben diese Erfolge erzielt. Dag zeigt uns, was zu erreichen wäre, wenn wir heute zu einem Ausbau und zu einer systematischen Führung unserer Aktionen kommen könn׳ ton. Es läßt sich nicht leugnen, daß heute lange noch nicht alles glatt ist, insbesondere in dem Verhältnis zur Administration und zur Bevölkerung Palästinas. Nach einem eben eingetroffenen Telegramm gibt es schon wieder Anfänge arabi• scher Bauten am Kofel Maarawf, welche wieder gewisse Er• regung unter den Juden Jerusalems erzeugen. Zur Palästinapolltik muß noch eines bemerkt werden: Ich glaube, daß, abgesehen von allen diesen Fragen der admini• strativen Routine, im Lande sich größere politische Probleme an unserm Horizont abzuzeichnen beginnen. Eines der größten und ernstesten ist die Kon st i t utio n des werdenden palästi• iiensiseheit Gemeinwesens, ich berühre diese Frage nicht, w«# ■ich׳■׳ •■glaube, Aß uns«־® .Lag«. In ■״bezug־; auf״ diese •׳Frage• sich seit dem vorigen Kongreß verschlechtert hatte. Im Gegen• teil — die Mandatskommiislon des Völkerbundes hat sich auf eine arabische Petition hin mit dieser Frage beschäftigt, und ich glaube, daß sie dabei unsere Stellung sich zu eigen gemacht hat. Aber es ist keine Politik von unserer Seite, wenn wir uns einfach auf allen Oebieten treiben lassen. Vielleicht soll man über diese Dinge schweigen, aber man soll sich auch vorbereiten. In seiner Rede hat Präsident Weizmaitn bereits die Frage der außenpolitischen Disziplin erörtert und ich kann mich da• 11er kurz fassen. Es ist merkwürdig, aber charakteristisch, daß gerade aus dem Kreisen, die uns den Weg Theodor Herzls lehren wollen, Bestrebungen kommen, auf die man mit der Forderung einer straffen außenpolitischen Disziplin antworten muß, Es sind Befürchtungen laut geworden, daßauchvonlinks die Gefahr solcher separatistischer politischer Abkommen droht, und ich will gleich sagen, daß Jen und meine Freunde auch hier gegen politische Separataktionen, gegen Verhandeln linker zionistischer Parteien mit Regierungsstellen sind, solange uns nicht die Zionistische Organisation die Führung der politischen Geschäfte anvertraut hat. Ich bin auch hier gegen eine Moral mit doppeltem Boden. Und jetzt komme ich zun» zentralen Punkt, der J ewish A g e n c v , und ich will Ihnen da zunächst einmal sagen, daß wir es für verfehlt halten, wenn man die Agency wie ein Schema einer Konstitution, Wie ein organisatorisches Skelett betrachtet, Man muß sie betrachten als einen sozialen Prozeß im Judentum, in dem fortlaufend ganz neue unvorhergesehene Kräfte in den Kreis der PalästfiwAufbaUarbeit einbezogen werden. Ais dieser Prozeß einsetzte und die Palästina- Arbeiterbewegung sicli in dieser Frage hinter Weizinann stellte, da gab es Del manchen Verwunderung, und sie fragten: Wie könnt Ihr nicht die Gefahr sehen, die in dieser Sache liegt? Werdet Ihr nicht die ersten sein, die von ihr ge• troffen werden? Und Ich habe damals schon geantwortet: wir stellen uns in diesen Prozeß ein, erstens weil wir iltti nicht fürchten, weil wir wissen, daß die Leberts macht dei^jüdisehen Arbeit im Palästina-Aufbau so stark ist, daß sie sich durchsetzen muß bei allen, die überhaupt aktiv an Palästina teilnehmen wollen. Zweitens weil wir von dem Heldentum des Tartarin de Tarascon nichts halten, von jenem, der bei sich zu Hause mit reinen Prinzipien sitzen bleibt und Siege und Triumphe feiert, ohne sich vom Schreibtisch zu erheben. Wir haben immer gesagt, wenn es Heldentum gibt, dann muß sich im Kampf bewähren, was unsere Idee wert ist. Wir werden in der Jewish Agency das Gold der Idee des arbeitenden Palästina bewähren! Das Spiel um die R es 111 u t i o n s k 1 a u s e 1 ist sehr merkwürdig. Ich lasse mich nicht davon überzeugen, daß der Auflösungsklausel eine so welthistorische Bedeutung zukommt. Sollte einmal die Katastrophe eintreten und dieser Prozeß abgerissen werden, dann ist dies nur denkbar als eine schwere und sehr gefährliche politische Krise des Gesamtwerkes. An einem solchen Tage wird man doch nicht sagen können, daß diese Krise sich in diesen und nicht in anderen Geleisen abspielen muß. Es war für mich eigentlich das letzte Urteil über die Stellung der Opposition zur Agency, als ihre Argumente anfingen, rein juristisch zu werden. Wo in der politischen Diskussion juristische Argumente beginnen, ist die Sache schwach. Sechs Jahre hindurch haben wir nur Vorprobleme der Agency diskutiert, nicht die wahren Probleme der Agencv, die am 11. August 1920 plötzlich vor uns stehen werden und die heißen: .wastun wir, wie wollen wir es erreichen, daß aus der Agency das große Instrument des Ralästiaa-Aafbaos wir״*, das Instrument systematischer Einwanderung, systematischer Ko- Ionisation, systematischer Finanzierung? Damit fangen die wahren Agency-Probleme erst an. Es ist nicht gut, daß wir in der Hitze der acht Kongreßtage an diu Klärung dieser Probleme herangehen müssen. Einige der Grundfragen möchte ich hier feststellen. Unser erstes Bestreben muß darauf gerichtet sein, daß die Agency so wie die Zionistische Exekutive in Palästina die zentrale Agentur der nationalen Kolonisation Im Lande bleibt. Es besteht bei der Wirtschaftspsychologie der neuen Partner die ernste Gefahr, daß sich Anschauungen geltend machen, wie jene von den ״Dingen und Bedingungen“, daß die Agentur sich damit begnügen könnte, Bedingungen für die Wirtschaftsarbeit zu schaffen, die Wirtschaftsarbeit selbst aber, die Aufbautatigkeit, den Prozeß der Einwanderung der freien Initiatiative der einzelnen überlassen könnte. Ich glaube, daß wir nicht nur die Jahre 1924/25 nicht vergessen sollten, jene wahnwitzige Weile der Bodenspekulation, da die Zionistisehe Exekutive nicht mehr Herr der Situation war. Wir sollen auch nicht vergessen, was im Verlauf der letzten zwei Jahre in der Orangeiizone geschehen ist. Diese Expansion geschieht frei und anarchisch. Aus der Erfahrung können wir lernen, welche Gefahren lauern, wenn die Agencv nicht die Leitung hat, wenn sie nicht Dinge schafft. Dazu muß sie große Mittel haben. Man muß die Frage der Methoden der Finanzpolitik aufwerfen. Die Arbeit für die Fonds ist die erste zionistische Pflichterfüllung, ich glaube aber, daß wir in Ergänzung zu all dem dazu kommen müssen, unsere Methoden ernst zu überprüfen. Es wäre verfehlt, den Augenblick zur Eröffnung internationaler Kredite für die Kolonisation in Palästina durch das Medium der Agency und im Namen der Agency vorübergehen zu lassen. Icn weiß nicht, ob Sie beachtet haben, daß es in den letzten beiden Jahren Versuche gegeben bat, eine An• leihepoiitik zu führen. Zunächst Versuche auf internationalem Boden, wegen deren die Zionistische Organisation, vor allem Dr. Jacobsoh n, dankbar sein sollte. Ich glaube, daß dieser erste Versuch nicht zu Ende geführt wurde, weil vom britischen Schatzamt gewisse Bedenken erhoben wurden. Ein anderer Versuch, die amerikanische Bodenanleihe, scheiterte vor allem an der Unzulänglichkeit unserer eigenen Organisatioiismaschinerie. Es müssen vielleicht 70 Versuche mißlingen, bis der 71. gelingt. Auch Regierungen von ganz großen Staaten in Osteuropa z. B. haben lange verhandeln und ihren ganzen diplomatischen Apparat spielen lassen müssen, bis sie erreicht haben, was sie brauchten. Ich glaube, daß wir erade aus den Erfahrungen der letzten beiden Jahre lernen önnen und lernen müssen, daß wir uns hier auf einem richti• gen Wege befinden, wenn wir der Agency von Anfang an sagen: Ihr wollt Business-Methoden, die Business-Methoden für eine Volkskolonisation sind internationale Kredite. Wir werden in einigen Tagen in den Council der Agency einziehen. Ich wünsche, daß die zionistische Hälfte in diesen Council ohne Mentalreservationen kommt, ohne Hintergedanken, mit dem besten Willen der Welt. Dennoch müssen wir uns darauf besinnen, daß es Fälle geben könnte, wo ein geschlossenes Auftreten der Zionisten von Wichtigkeit sein wird, wo eine einheitliche und geschlossene Haltung der Zionisten in der Jewish Agency zum zionistischen Gesetz werden muß. Ich glaube nicht, daß man das roh schematisch machen kann. Es kann sich glr nicht darum handeln, im fanzen und großen zu sagen, wir stimmen als eine geschlossene raktion unter Fraktionszwang. Das ist eine Sache, die sicher vom Standpunkt der Entwicklung der Dinge abzulchnen ist, Aber über folgendes müssen wir uns doch nicht hinweg• täuschen. Wir alle hoffen, daß mit dem Prozeß der Agency neue Entwicklungen kommen werden. Ich glaube, daß dieser Prozeß in der Zukunft In der Richtung der Demokratisierung der Agency gehen wird und dann auch alle Vorsichtsmaßnahmen vielleicht überflüssig weiden. Aber wir dürfen doch heute nicht vergessen, daß in der Agency auf der einen Seite die gewählten und beauftragten Abgeordneten einer großen demokratischen Volksorganisation und auf der anderen Seite unsere Partner sitzen werden, die nach bestem Wissen und Gewissen unsere Partner geworden sind. Wir müssen den Schluß ziehen, daß es doch Fälle geben kann, wo diese Geschlosscnheit der Zionistischen Weltbewegung eine Notwendigkeit sein wird, Ich will mich noch ganz kurz auf einen Vorschlag beziehen, zu dem wir auf dem vorigen Kongreß die Initiative genommen habet! und der von der Exekutive aus gebilligt wurde, die Bildüng der interfraktionellen zionistischen Organisationen, ich glaube nicht, daß wir darin weiterkommen werden, solange diese Fragen dem freien Belieben der 0rum»ft über• lassen bleiben. Wenn der Kongreß etwas Ernstes für die Organisation unternehmen will, so ist es die Lösung dieser Frage, den Zusammenschluß der Zionisten aller Linder durchzuführen. Das muß Aufgabe dieses XVI. Kongresses sein, der am Vorabend^er Jewish Agency tagt. (Lang andauernde Ovationen.) Ing. Kaplansky (Poale Zion, spricht jiddisch): Ich werde als langjähriges Mitglied im Finanz- und Wirtschaftsrat über die Finanzen der Zionistischen Organisation sprechen. Dr. Weizmann hat uns erklärt, daß es der Exekutive gelungen ist, die Schulden der Exekutive und des Keren Hajessod um 150 000 Pfund zu verkleinern. Die Wahrheit ist, daß nach dem Finanz• bericht der Exekutive von dem Defizit, mit welchem wir zum Basler Kongreß gekommen sind und das damals auf 160 000 Pfund geschätzt worden ist, 60 000 Pfund vor einem Jahr und 30 000 Pfund bis zum Mai dieses Jahres abgezahlt worden sind. Was der Keren Hajessod an Schulden abgezahlt hat, ist keine Leistung der Exekutive, Er hat dies regelmäßig im Rahmen seines Budgets wie in früheren Jahren getan. Ist es keine Tat- Sache, daß die Exekutive genötigt gewesen ist, Anleihen bei unserer eigenen Bank aufzunehmen und daß die Schulden bei dev Bank um 42000 Pfund gewachsen sind, daß in derselben Zeit die Schulden des Keren Hajessod gestiegen sind? Der Keren Hajessod hat im letzten Jahre ohne direkte Autorisation vom Äktions-Comitö iteue Verpflichtungen von einer Viertelmillion Pfund übernommen. Wenn wir uns diese Tatsache vor Augen halten, wird es uns klar, daß das Werk der finanziellen Gesundung der zionistischen Bewegung ein wenig anders aussieht, als die Zionistische Exekutive es in der Presse, in Erklärungen und hier darzustellen sucht. Warum gibt man Erklärungen ab, welche den Eindruck machen, daß wir vor zwei Jahren in einer Krise und einem Niedergang des Keren Hajessod standen? Die Wahrheit ist, daß der Keren Hajessod seinen höchsten Einnahmestand von 580 000 Pfund im Jahre 1927 erreicht hat und daß in den letzten zwei Jahren ein bedauerlichcr Rückgang in den Einnahmen unserer Fonds, er• folgt ist, die Wahrheit ist, daß die finanzielle Konsolidierung, welche die Exekutive als ihre Hauptleistung betrachtet, leider nicht gelungen ist. Wir haben kleinere Einnahmen und größere Verpflichtungen als vor zwei Jahren. . Wir haben uns sehr gefreut über Weizmanns aufrichtige Worte der Anerkennung für die Geduld, die Ausdauer der jü• dischen Arbeiterschaft in einer Zeit großer Leiden, da die Zukunft des ganzen jüdischen Volkes auf dem Spiele stand. Die Haltung der Verantwortlichkeit hat die Arbeiterschaft nicht nur in den letzten Jahren, sondern auch früher mitten in der Krisis vor dem Basler Kongreß gezeigt. Wie hat man der Arbeiterschaft auf ihre Haltung geantwortet? Damit, daß man die Arbeiterschaft von jedem Einfluß auf die zionistisehe Bewegung »usschloB, ,Viele von denen, die für # Nr. 60, 2. VIII. 1929 . |..... . - — ־ ־-““־־''■■ _ diese Politik verantwortlich sind, daß man in der Arbeiter- Schaft einen Sündenbock für das sah, was andere Teile der Bewegung verbrochen hatten, schämen sich jetzt und wollen, man solle vergessen. In der Politik muß man nicht alles veressen. Will man die Atmosphäre in der Bewegung gesund alten, dann muß man feststellen, wer an der Vergiftung der Atmosj>häre schuld ist. Die Exekutive erzählt, sie habe sich für die Abschaffung der Arbeitslosenunterstützung und für die Zuziehung der Regierung bei der Liquidation der Arbeitslosigkeit eingesetzt. W i r mußten hartnäckig für diese Politik gegen die Palästina-Exekutive kämpfen. Nicht die Exekutive hat dieses schwere Pro- Wem mit Unterstützung der Arbeiterschaft gelöst, sondern die Krisis der Arbeitslosigkeit wurde liquidiert einzig durch den heroischen Kampf der Arbeiterschaft, einen defensiven und offensiven Kampf gegen Exekutive und Regierung zusammen. Ich komme zur Haltung der Exekutive gegenüber dem Berieht der Survey-Kommission. Der Bericht war eine Kriegserklärung gegen die Arbeiterschaft in Palästina, ein Versuch, die Grundlagen der zionistischen Bewegung zu zerstören. Wie hat auf diesen Versuch, den Zionismus seiner sozialen Ideen zu berauben, der neue Kurs im Zionismus geantwortet? Er hat nicht nur den Bericht akzeptiert, sondern ihn sogar als eine Basis für die Tätigkeit der zionistischen Bewegung allein hinnehmen wollen. Ich will nun einige Bemerkungen zu den Erklärungen des Präsidenten über die Erweiterung der Agency machen. Ich will nicht leugnen, daß die Londoner Exekutive sich loyal bemüht hat, die Beschlüsse der Aktions-Comite-Sitzungen durchzuführen und daß die Hauptpunkte, für welche wir gekämpft haben, in der Konstitution der Agency gesichert sind. Wir betrachten die Art, wie die Vertretung der jüdischen Gemeinschäften in verschiedenen Ländern zusammengesetzt wird, als provisorisch. Wir wissen, daß sie sehr weit ist von wahrer Demokratie, vom Ausdruck des Willens der Volksmassen. Ich komme nun zu dem positiven Programm Dr. Weizmanns. Für jeden, der Dr. Weizinann heute gehört hat, ist es klar, daß er das Ohr an die Erde geiegt und die Not Erez-Israeis, die Not der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas vernommen hat. Ich konnte aber das Gefühl nicht loswerden, daß Dr. Weizmanns positive Programmpunkte indirekte Polemiken gegen seine eigenen Mitarbeiter, gegen die Palästina• Exekutive sind. Nehmen wir zum Beispiel das Problem der Bodenreserve, sicher ein Problem, darin wir alle uns durchaus einig sein werden. Aber was tat in den letzten Jahren die Palästina-Exekutive, um dem Nationalfonds zu helfen, eine solche Bodenreserve zu schaffen? Um nur ein Beispiel anzuführen — wir wissen, daß der große Akt, dem Nationalfonds das Hinterland von Haifa zu sichern, nicht mit der aus vollem Herzen kommenden Zustimmung der Zionistischen Exekutive in Jerusalem zustande gekommen ist. Nehmen wir einen zweiten Punkt von Dr. Weizmanns Programm: die Notwendigkeit, die jüdische Arbeit in der neuen Plantagen-Zone zu sichern, dort, wo sich jetzt die Bemühungen der neuen Welle des jüdischen Privatkapitals konzentrieren. Wie hat sich die Palästina-Exekutive zu dieser Notwendigkeit verhalten? Wir räumen ein — sie hatte kein Geld, aber sie hatte die Möglichkeit, symbolisch den guten Willen zu zeigen, denn es gab Gelegenheiten, die nicht mit Geld, sondern mit Verstand und gutem Willen auszunützen waren, Die Palästina-Exekutive hat nichts dergleichen getan. Betrachten wir nun einen dritten Punkt des Programms Dr. Weizmanns, die Konsolidierung der bestehenden Kolonien. ich möchte wissen, warum die Kontrakte mit unseren Arbeitersiedlern, die schon anfangs 1928 hätten erledigt sein sollen, nicht durchgeführt sind. Aut jder anderen Seite aber sind Schritte gemacht worden, welche sehr weit von einer Konsolidierung entfernt sind. Um nur eines zu erwähnen — es wurden gewisse Zahlen genannt, welche für die Konsolidierung notwendig sind. Diese Zahlen sind viel kleiner als die des Konsolidationsplanes, welcher dem vorigen Kongreß vorgelegt wurde. Man will offenbar den Eindruck machen, daß die Konsolidierung billiger geworden ist. Wenn man beide Pläne vergleicht, so wird man sehen, daß gewisse Punkte, welche die frühere Exekutive aufbauen wollte, aus dem Programm ausgefallen sind. Die Exekutive hat versucht, die Kolonisation billiger zu machen, indem sie die Siedlurigspläne, gewisser Punkte verkleinert hat, und zwar besonders der״Kwuzoth-Wirtschäften. Das ist der Ausdruck einer Tendenz, die in der Tätigkeit der Exekutive nicht geleugnet werden kann, die kollektivistische Kolonisationsform in Erez-Israel zu verkleinern. Ich will zum Schluß einige Worte sagen über die Politik im engeren Sinne des Wortes. Ich halte das bei der heutigen politischen Situation für meine besondere Pflicht, jetzt, da die Regierung der Mandatarmacht sich in den Händen einer Partei befindet, mit der wir durch die Bande einer internationalen Solidarität und Gemeinschaft verbunden sind. Es ist wahr, daß die zionistische Bewegung Freunde in allen Parteien Englands hat, aber es ist ein großer Unterschied zwischen der Freundschaft der Labour-Party und der Freundschaft anderer Parteien. In der Labour-Party haben wir nicht einzelne Freunde, Die Arbeiterpartei als solche hat nicht einmal, sondern bei verschiedenen Gelegenheiten ihre Freundschaft mit dem Palästinavverk, mit den Bestrebungen der jüdischen Arbeiterschaft ausgedrückt. Deswegen haben wir Grund, mit besonderen Hoffnungen und Erwartungen der neuen Phase der englischen Politik in Palästina entgegenzusehen. Ich glaube nicht, daß man sensationelle Entwicklungen erwarten darf, aber wir־ hoffen, daß viele der Klagen über das Regime der Palästinaverwaltung unter der Herrschaft der Arbeiterregierung Wegfällen werden. Ich will nur einen wichtigen Fragenkomplex hervorheben, die ökonomische Politik der Palästina-Regierung. Ich erwarte eine Umstellung des Systems, das bisher geherrscht hat. Ich habe dieses System zu einer anderen Zeit una an einem andern Orte als das 'System einer unfreundlichen Neutralität und einer fiskalischen Exploitation des jüdischen Kolonisation- Werkes bezeichnet. Wir erwarten, daß unter dem Regime der Arbeiterregierung die Politik der unfreundlichen Neutralität einer Politik aktiver Unterstützung unseres Werkes und sympathischer Behandlung unserer gerechten Forderungen weichen wird. Zum Schlüsse noch ein Wort über die letzte politische Bemerkung von Weizmann. Im Namen meiner Partei will ich sagen, daß mir dieser Appell zur Disziplin undzurWahrung der Autorität der Organisation entweder unverständlich oder überflüssig erscheint. Der Weltverband Poale Zion führt seit Jahren als Teil der internationalen Arbeiterschaft seine Aufklärungsarbeit unter der Arbeiterbewegung der Welt und auch unter der englischen Arbeiterbewegung durch. Ah ein Teil dieser Arbelterschait stehen wir seit Jahren in Verbindung mit der Arbeiterpartei Englands. Diese Verbindung darf nicht nur dann ein Objekt von Komplimenten von seiten des Kongresses sein, wenn die Arbeiterpartei Englands in der Opposition ist, sondern diese Tätigkeit wird auch gut und nützlich bleiben müssen, wenn die Arbeiterpartei an der Regierung ist. Unsere Verbindung mit der englischen Arbeiterpartei kann nicht in dem Moment aufhören, wenn diese Partei die verantwortliche Stellung der Regierung einnimmt. Wir klären die Arbeiterpartei und durch sie die Regierung auf. Damit wollen wir die offizielle Stellung der Exekutive als Jewish Agency egenüber der Regierung nicht antasten. Die offiziellen Forcrungen, die wir an die Regierung stellen, werden durch die Exekutive gestellt, wenn sie mit uns übereinstimmt, oder durch die englische Arbeiterpartei allein.

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