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Jüdische Rundschau · 1929-07-25 · Heft 57-58 (25.7.1929) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 57-58 (25.7.1929)
Date
1929-07-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 57/58, 25. VII. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 373 Gegensatz zu einer sozialen Bodenpolitik — bezeichnet haben1), lieli eben solche siedlungspolitischen Momente dufter acht und ging nicht darauf aus, Boden in der Nihe der Kolonien zu er• werben. Man beruhigte sich damit, daß die Kolonien schon selbst für die Vergrößerung ihres Bodenareals sorgen und die Juden dort das Werk der üeulath-Haarez mit eigenen Mitteln׳ fördern würden; der Keren Kajemeth habe daher an der Er- Werbung solcher Ländereien kein Interesse. Da die Böden in und um die bestehenden Kolonien sehr teuer sind und infolgedessen die Anzahl der dort ausgelösten Dunam selbstverständlieh kleiner wäre, wollte man vom Gesichtspunkte der ״reinen Geulath-Haarez“ aus keine Böden erwerben, die weniger zur, Vergrößerung des jüdischen Bodenbesitzes beitragen würden als vielmehr zur Erhöhung der Anzahl der jüdischen Arbeiter und zur Sicherung der Arbeitsgelegenheiten in den Kolonien. Der Keren Kajemeth hat es unterlassen, in der Nähe der älteren Kolonien Bodenreserven zu schaffen, die damals noch zu billigen Preisen zu haben waren; und so stehen wir der Situation gegenüber, daß wir dort gar keinen nationalen Boden haben. Der Besitz des Keren Kajemeth an Boden in oder neben den alten Kolonien ist nahezu Null. Der Erwerb der paar hundert Dunam bei Beer Jakob, Ness Zion usw. während der letzten Jahre war zufälliger Natur und diente zur Vergrößerung dieser kleinen Siedlungspunkte. In der Nähe großer Kolonien aber, die als Reservoire für die Aufnahme jüdischer Arbeiter gelten können, besitzt der Keren Kajemeth so galt wie gar keinen Boden. Wenn man sich durch die Entwicklung der Dinge doch gezwungen sah, Land zu erwerben, ergaben sich schwere Problerne, deren Lösung sich bei der Ansiedlung der jüdischen Arbeiter infolge der Notwendigkeit, daß die für die Errichtung von Arbeiterwohnstätten verwendeten Böden sich im Zentrum der Kolonie befinden, beinahe unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellten. Diese Schwierigkeiten sind vor allem eine Folge der Preise, die für in den Kolonien selbst liegende Grundstücke verlangt werden, und die in Orten wie Petach Tikwa oder Rechobath eine recht bedeutende Höhe erreichen. In Petach Tikwa nimmt die Steigerung derselben ein Tempo an, das dem in den Städten ähnlich ist und in mancher Hinsicht an Tel-Awiw erinnert. Hätte eine richtige Bodenpolitik für den Ankauf von Ländereien in der Nähe der bestehenden oder auch entstehenden jüdischen Siedlungen rechtzeitig gesorgt, stünde man jetzt nicht vor der Notwendigkeit, so hohe Preise zahlen zu müssen. Die Entwicklung unseres Siedlungswerkes wird uns in Zukunft täglich vor ähnliche Probleme stellen, und es wäre klug, jetzt nachzuholen, was wir bisher versäumt haben: größere Bodenkomplexe in der Nähe der jüdischen Siedlungen in den Besitz des Keren Kajemeth zu bringen. Man soll nicht aus dem Auge verlieren, daß die großen jüdischen Pflanzungskolonien odeT Siedlungspunkte wie Chedera, durch die Entwichlung des Orangenbaues einer glänzenden Zukunft entgegengehen und sich in schnellem Tempo vergrößern werden. Viel jüdisches Kapital wird dahin fließen und große Arbeitsgelegenheiten schaffen. Das alles bedeutet einen Zustrom von Arbeitern in die Kolonien, unter der Voraussetzung allerdings, daß ihnen die Ansiedlung ermöglicht wird. Die erste Vorbedingung hierfür aber ist freier Boden. Reserven nationalen Bodens müssen überall vorhanden sein, wo Möglichkeiten einer intensiven Siedlungsarbeit gegeben sind. In solchen Fällen »11 der Keren Kajemeth sich auch nicht scheuen, höhere Preise zu bewilligen, da für Böden, die sich» für intensive Kulturen eignen und eine dichtere Ansiedlung gestatt;n, höhere Preise gezahlt werden können. Vom Standpunkt der reinen Geulath-Haarez allerdings ist der Erwerb solcher Böden wenig zu empfehlen, da die Dunamzaht naturgemäß nur eine geringe sein kann. Wir glauben aber, daß die bedeutenderen Sieahmgsmöglichkeiten und die auf diesen Ländereien mögliche größere Dichte der Bevölkerung die Zahlung höherer Preise rechtfertigen. Die Geldanlage kann auch bei höheren Preisen rentabel werden, wen» ׳durch» sie eine größere*'Ansethl Menschen mit dem Boden verwurzelt werden.... Die tiefen Zusammenhänge zwischen Boden - und Siedlungspolitik dürfen nie aus den Augen verloren werden. Daraus soll aber keineswegs die Konsequenz gezogen werden, die Boden- und Siedlungs- Politik im engen finanziellen Sinne miteinander zu verbinden, wie es diejenigen tun, die sagen: Wenn keine Mittel zur Finanzierung der Ansiedlung vorhanden sind, so darf auch kein Boden erworben werden, unadie für den Bodenkauf verfügbaren Mittel mögen lieber für die dringenderen Kolonisationsarbeiten Ver- Wendung finden. Es gibt nichts Falscheres als diese enge Auffassung. Bodenpolitik wird nicht unter dem Gesichtspunkt des heutigen Tages, eines oder einiger Jahre, sondern unter ganz großen Aspekten und weitem Horizont geführt. Unsere Boden- Politik muß auf Jahrzehnte, wenn nicht aut noch längere Zeit hinaus, vorausbestimmt sein. Zur Politik in Palästina Eine Aeußerang von ״Near East“ Die englische Wochenschrift ״The Near Eastand Ind i a“ befaßt sich in ihrer letzten Nummer in mehreren redaktionellen Artikeln mit Palästina und dem bevorstehenden Zionistenkongreß. Anläßlich der Abreise von Sir John Chancellor wird auf aas Problem der Einrichtung irgendeiner Art von B e - völkerungsvertretung in Palästina hingewiesen. ״Die arabische Forderung“, so schreibt das Blatt, ״soll angeblich von einer Anzahl britischer Beamter unterstützt werden — man muß jedoch bedenken, daß Palästina geradezu das klassische Land des Tratschs ist. Es ist jedoch sicher, daß in gewissen jüdisehen Kreisen sich eine beträchtliche Unruhe zeigt angesichts der Möglichkeit, den Arabern einen gewissen Teil der von ihnen gewünschten Selbstverwaltung zu gewähren. Ob bei diesen Verhandlungen etwas herauskommen wird, ist zweifelhaft, aber wenn die Araber Palästinas in irgendeiner Weise die Baifour-Dcklarationhinnehmen, kann inan schwer einsehen, wie ihnen weiterhin ein Parlament verweigert werden kann. Wie die Dinge liegen, scheint es unwahrscheinlich, daß den Arabern ihr Wunsch erfüllt wird, und seltsamerweise würde die Mehrzahl der Zionisten wünschen, daß die Dinge weitergehen wie bisher, d h., daß die Araber bei ihrer Ablehnung der Half our-Deklaration verharren. Nach jüdischer Ansicht ist es viel besser, die vereinigte aber bisher machtlose Gegnerschaft des arabischen Volkes zu haben als einen Gesetzgebenden Rat, welcher in harmloser Verkleidung das Jüdische Nationalheim schädigen könnte.... Die Ergebnisse der Besprechungen l) Siehe: ״Geulath-Haarez und Bodenpolitik“ in meiner Schritt ״Probleme der Bodenpolitik in Palästina“, S. tT—25, Jüdischer Verlag, Berlin, 1925. zwischen dem Oberkommissär und dem Kolonialamt werden mit außerordentlichen» Interesse erwartet.“ ״Eines der Resultate“, fährt das Blatt fort, ״die sich aus der Vertretung der Nichtzionisten, insbesondere ameri* kanische Juden, in der Jewish Agency ergeben dürften, ist eine Verichärlung der Kritik gegenüber der Mandatarmacht. Auch vor dem Zionistenkon grell ist deutlieh eine Tendenz erkennbar, zu vergessen, was die Mandatarmacht für die Jude» in Palästina getan hat, und 79t unterstreichen, was sie nicht getan hat Sogar über den Oberkamtnissär, der zuerst von den Zionisten als ein praktischer Mann begrüßt wurde, der dem Nationalheim einen neuen Autschwung geben wird, sagt man Jetzt bittere Dinge..., Wer die Einzelheiten der Lage In Palästina kennt, dem wird derartige Kritik von Maßnahmen, die in der Hauptsache der Verbesserung der Verwaltungsmaschinerie dienen sollen, sonderbar erscheinen. Sie ist aber symptomatisch. Viele Juden begreifen offenbar noch nicht, daß das, was britische Beamte in Palästina zu tun berufen und bemüht sind, eine höchst schwierige und ungewöhnliche Aufgabe ist, insbesondere Tür Engliiwfer., Eine Vorzugsbehanalung für eine Minorität — oder, wenn man will, das Treuhändertum einer Handvoll Juden in Palästina für die 15 Millionen Juden der Welt — ist weder eine Vorstellung, deren Gerechtigkeit leicht einzusehen ist, noch eine Pflicht, die leicht durchzuführen ist. Manchmal möchte man meinen, daß das jüdische Volk, sogar die Juden, welche die palästinensische Staatsbürgerschaft angenommen haben, in Wirklichkeit das Haupthindernis für die Verwirklichung des britischen Ideals im Heiligen Land sind: der Schaffung eines p a - listinensisehen Volkes, welches in Begriffen des Landes und nicht in Begriffen von Religion una Volkstum denkt. Für einen Philosophen ist die Idee, daß die Juden in Palästina nicht eine gewöhnliche Minorität, sondern mindestens in der Theorie die Vertretung ihres ganzen Volkes sind, eine relativ einfache Sache; ganz anders aber für den lokalen britisehen Beamten, der sozusagen zwischen der kleineren und größeren Gerechtigkeit zu unterscheiden hat. Und doch haben diese Beamten ihre Arbeit 90 bewunderungswürdig vollführt, daß sie keiner Verteidigung bedürfen. Es wäre daher zu wünsehen, daß die jüdisch-nationale Presse mit ihren Angriffen auf deren Antisemitismus aufhörte — eine seltsame Bereichnung, wenn man sie auf ein Land anwendet, das fast gänzlich von Semiten bewohnt wird.“ Der Schlußabschnitt des Artikels ist dem Kongreß gewidmet, wobei betont wird, daß die Depression in Palästina vorüber ist, und obwohl auch in Zukunft Rückschläge möglich sind, habe doch die Bewegung eine schwere Prüfzeit mit gutem Erfolg überstanden, sei sogar innerlich gefestigt und in ihrem psychologischen und moralischen Zustand gesünder geworden. Auch die Verwirklichung der Agency-Erweiterung trage dazu bei, die Zionisten in Zürich in guter Stimmung zusammentreten zu lassen. Die Türkei und der Zionismus (Ein Wort an den 16. Zionistenkongreß.) Von Rudolf Rosensohn. Konstantinopel, Anfang Juli 1929. Zwei Länder werden auf dem 16. Zionistenkongreß nicht vertreten sein. Sowjetrußland und die Türkei. Was die Unterdrückung unserer Bewegung in Sowjetrußland anbelangt, wurde bereits darüber viel in der zionistischen Presse und Oeffentlichkeit gesprochen. Trotzdem ist aber dagegen von zionistischer Seite bis jetzt wenig, um nicht zu sagen nichts, geschehen. Anders steht cs mit dem Schicksal des türkischen Zionismus. Darüber wurde weder geschrieben noch gesprochen*) und erst recht1 ׳tIchts,;־uhterf»ö®tüe«,:'t>B«r־|tee^' Scniqk#ai zw erleiehtCrfc, Al! dies ׳wurde versäumt, zti einer Zfeit, wo hier fh det Türkei die Verhältnisse ganz anders als in Sowjetrußland lagen, wo bei energischen und ernsten Schritten Aussichten auf Erfolg vorhanden sind. Die türkische Judenschaft ist für die nationale Bewegütig nicht zu unterschätzen. Die Konstantinopler jüdische Gerneinde War in der Vergangenheit für das sephardrsche Judentum ungefähr das, was Odessa für das russische. Zum 12. Zionistenkongreß entsandte die Türkei 5 Delegierte als Vertreter von über 8000 Schekelzahlern. Für zionistische Verhältnisse ist das ein Rekord, der vielleicht nur von Bulgarien übertroften wurde. Nirgends in der jüdischen Welt entfallen auf eine Bevölkerung von 100000 Menschen über 8000 Schekolim. Es ist eine wertvolle Erscheinung in unserer Bewegung, die Total!- tat der jüdischen Bevölkerung eines Landes als integralzionistisch zu empfinden und wirken zu sehen. Diese zugleich seltene und wertvcllle Erscheinung konnte in den ersten Nachkriegsjahre!» in der Türkei beobachtet werden. Leider war sie von allzu kurzer Dauer und heute ist in der Türkei nichts von dieser glanzvollen nahen Vergangenheit zu spüren. Im Gegenteil, das türkische Judentum steht hoffnungslosvordem Untergang. Kulturell, national und auch wirtschaftlich sind heute alle Perspektiven für eine Rekonvaleszenz, geschweige eine Weiterentwicklung, so gut wie ganz geschlossen. Es ist nicht das Ziel dieses Artikels, die heutige Lage der türkischen Judenheit in ihrer Vielseitigkeit zu schildern. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dem 16. Kongreß von privater Seite ein ausführliches Memorandum darüber zugebeu. Was mit diesen Zeilen bezweckt wird, ist einfach die Aufmerksamkeit der zionistischen öffentlichen Meinung auf die Wege und Möglichkeiten einer Wiederflott m a c h u n g der zionistischen Bewegung in der Türkei hinzuweisen. Seit der türkischen Revolution begann für das türkische Volk eine Epoche nationaler Konsilidierung. Jahrhunderte hindurch war es mit allen seinen Interessen ein Spielzeug in fremden Händen. Nun kam die Reaktion und sie fand ihren Ausdruck in einer reaktionären Politik gegen alle Fremden, die irgendwie noch in der Türkei, sei es auf wirtschaftlichem oder kulturellem Gebiet, eine Rolle zu spielen glaubten. Es wurde eine Politik gegen die geringen und elementaren Freiheiten der Minderheiten eingeschlagen und selbstverständlich durfte die jüdische Minderheit keine Ausnahme bilden, schon aus dem Grunde, da die geringste Ausnahme als Prä zed en z für weitere Zugeständnisse angesehen werden konnte. Das einzige Bestreben der Machthaber der Türkei war und ist noch heute, die Kraft und Wirkung der Minoritäten ganz zu paralysieren. Es Wird weiter alles darangesetzt, die Minderheitsschule» zutürkifizieren; die Statuten der jüdischen Gemeinde liegen schon jahrefang in den Ministcriumsschränken unbestätigt. Und eine ganze Reihe anderer Maßnahmen bezweckt einzig und allein, jede Aktivität, Konsolidierung und Verstärkung der Minderheiten zu *) ln der ״Jüd. Rundschau“ wurden die Verhältnisse in der Türkei wiederholt ausführlich dargesMt — A. d. R. unterdrücken. Und all dies aus Angst, die Fremden, die den Türken heute noch überlegen sind, könnten wieder die türkische Nation unterjochen. Auch der Zionismus fiel als Opfer der Antiminaritlten-Politik. Hier aber spielte noch ein Moment mit, nämlich der Umstand, daß Palästina früher dem Ottomanisehen Imperium gehörte. Natürlich ist dieses Moment sentimentaler Natur, und wenn es vor 4 oder 6 Jahren ins Kalkül gezogen werden mußte, hat es heute schon ganz oder zumindest einen großen Teil seines Wertes eingebütit. & läßt sich dies auch mit Beispielen illustrieren. Die Türkei hat soeben mit Frankreich Verhandlungen bezüglich schwebender türkisch-syrischer Fragen abgeschlossen. Syrien wie auch Palästina gehörte dem türkischer* Imperium an, die Türkei mußte aber dies vergessen Und mit Frankreich als Mandatarmacht über Syrien Verband- Jungen einleiten. Dies beweist, daß erstens die Vergangenheit liquidiert wurde und zweitens, was von nicht minderer Bedeutung ist, daß die Türkei, obwohl sie nicht Mitglied des Völkerbundes ist, Frankreich als Mandatarmacht anerkennt. Uebrigens geht diese Anerkennung aus dem Lausanner Vertrag hervor. Es dringt sich also die Frage auf: Konnte nicht das englische Colonial Office als Mandatarmacht über Palästina die Anerkennung eines Teiles •des palästinensischen Mandates, des Statuts der ״Jewish Agency“ durch die türkische Behörde ermöglichen? Ich glaube, daß dies der einzige Weg für die Legalisierung der zionisüsch-palastinazunl rischen Bewegung in der Türkei ist. Es sind auch Anzeichen dafür vorhanden, daß die Türkei im Prinzip nichts dagegen hätte. Es sind 6 Jahre vergangen, viele schwebende Fragen sind inzwischen endgültig gelöst worden und das wichtigste: auf dem Wege der Konsolidierung der türkischen Nation ist man ein entscheidendes Stück weitergekommen. Wenn damals die türkische Parole war: Konsolidierung um jeden Preis, ist sie heute: Rehabilitierung unseres moralischer» und wirtschaftlichen Kredites im Ausland, d. 11. die Türkei hat mit Recht die größte Ambition, vor dem Auslande als ein demokratischer Staat zu erscheinen. Dieses psychologische Moment muß heute von dem Zionismus aus genutzt werden. Es bleibt noch die Frage offen, ob eine Legalisierung der zionistischen Bewegung in der Türkei vom türkischen Standpunkt nicht im Gegensatz zu der Antiminoritäten-Politik der türkischen Regierung stellt. Und darüber hinaus, ob sie nicht als Präzedenz für eine neue Bewegung zwischen den anderen Minoritäten ausgenutzt werden könnte. Ich habe absichtlich in diesem Artikel das Wort ״zionistisch“ immer begleitet von dem Epitheton ״palästinazenfrisch“ verwendet. Denn die von mir vorgeschlagene Intervention bezieht sich n u r auf die Legalisierung der zionistischpalästinensischen Arbeit. Eine solche Forderung unter den oben geschilderten Umständen, hat Aussicht auf Erfüllung. Würde aber die Forderung au dt in bezug auf die zionistische G alut harbeit aufgestellt, so könnte damit auch die Erfüllung der ersten Forderung gefährdet werden. Damit will ich nicht die Wichtigkeit, besonders für die Türkei, der Galutharbeit, Schul- und Gemeindepolitik unterschätzen. Dies aber würde die türkische Regierung heute um keinen Preis bewilligen, nicht so sehr ans Angst, daß die jüdische Minderheit irgendwie dte Türkei zu unterjochen suchen würde, vielmehr aber aus dem Willen, keinen Präzedent für die anderen Minderheiten, hauptsächlich die griechischen und armenischen, zu schaffen. Ich bin fest überzeugt, daß eine ernste und gewichtige Intervention seitens des Colonial Office, ausgehend von den in diesem Artikel geschilderten Voraussetzungen, zum Erfolg führen wird. Schreiber dieser Zeilen ist ein entschiedener Oegner der erweiterten ״Jewish Agency“. Dies hindert ihn aber nicht, daran zu erinnern, daß im Augenblicke, wo ein Wunsch des Mandates in Erfüllung geht, die günstige zeitliche Voraus- Setzung für diese Intervention gegeben ist. Das Mandat wünscKt, daß naf h Möglichkeit plle Telle de# jüdischen Volkes an dem Aufbau Palästinas teilriehmen. Wenn dieser Wunsch heute durch die Erweiterung in Erfüllung geht, so ist es Aufgabe der Mandatarmacbt dort, wo Hindernisse aut detn Wege der Erfüllung dieses Wunsches stehen, diese zu beseifigen. Konkreter gesprochen heißt dies: daß die Mandatarmacht auf Ersuchen der Jewish Agency (ungeachtet, ob sie schon erweitert ist oder nicht) Schotte bei der Türkei unternimmt, zu dem Zweck, die Teilnahme der türkischen Judenheit an der Arbeit der Jewish Agency durchzusetzen. Ich glaube aber auch, daß keine geeignetere Instanz für die Erhebung dieser Forderung vorhanden ist, als der zionistische Kongreß und darum sind diese Worte an ihn gerichtet. Tafjung des Verbandes Ort Dr. Henry Moskowitz, der Vorsitzende der Exekw״e von ״ORT“ in Amerika, eröffnete am Sonntag, dem 21. j <i, die Session des internationalen Rates des Verbandes zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden ״ORT“, bei Anwesenheit von etwa 30 Mitgliedern des Rates, die sämtliche Länder Ost-Europas und die Vereinigten Staaten Amerikas repräsentieren. Dr. Leo Bramson erklärte, die Tätigkeit des Verbandes, die bis jetzt sich hauptsächlich auf die landwirtschaftliche Kolonisation trttd die berufliche Ausbildung konzentrierte, müsse jetzt durch eine ausgedehnte Aktion für die Industrialisierung der jüdischen Bevölkerung Ost-Europas erweitert werden. Der Generalsekretär des Verbandes, Herr Aronson, konnte in seinem Bericht für das Arbeitsjahr 1928/1920 bedeutende Erfolge in der ״ORT“- Arbeit feststellen. Die landwirtschaftliche Tätigkeit des Verbandes erstreckte sich im Berichtsjahre auf 141 Orte mit insgesamt 4727 Familien mit mehr als 20000 Seelen. Der Gesamtumfang des Bodenbesitzes dieser Familien beträgt 39 064 Desjatin. Die Gesellschaft unterstützt und betreut 73 Anstalten für berufliche Ausbildung mit insgesamt 7242 Schülern. Der Bericht befaßte sich auch mit den organisatorischen Fragen. Die Organisation habe an Umfang und Festigkeit gewonnen. Eine rege Tätigkeit entfaltete die Abteilung D e u t s c 111 a!1 d , die heute 37 Ortsgruppen zählt, ln den letzten sechs Monaten erbrachten die Sammlungen der Abteilung rund 63 000 Mark. Felix Wcltsch gibt unter dem Titel ״Land der Gegen sitze“ im Verlag der Selbstwehr, Prag, die Eindrücke seiner Palästinareise die er im Frühjahr 1928 zusammen mit Max Brod und Chefredakteur Dr. Blau unternommen hat. Es sind Reisebriete-Feuilletons, die mit leichtem Humor und tiefem Ernst die Wirkung Palästinas auf den Touristen darstellcn. Nicht aktuelle politische Streifragen werden erörtert, sondern einfach Erlebnisse erzählt, die Grundtatsachen des Landes wie Klima, Landschaft, Bewohner geschildert, wobei genug Raum für die dem Verfasser eigene, philosophisch vertiefte nachdenklieh« Betrachtung bleibt. Das anspruchslose Büchlein wird sicher viele» Lesern Freude bereiten. ־ ןv». ***״ Es gibt nichts Besseres! **f c* t*m eit* detxj Üfifl l< ott ne wen fn b ri/v Tctngrerrti iinde f ‘Ijsgk *IIP

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