Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 57-58 (25.7.1929)
- Date
- 1929-07-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 57/58, 25. VII. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 367 über die es kaum Meinungsverschiedenheiten gibt, ohne Mißton vonstatten gehen kann. # Das Verhältnis zwischen der Exekutive und der Arbeiter• Organisation ist leider ein äußerst gespanntes geblieben. Die Arbeiterorganisation ist der Meinung, daß alles Wesentliehe in dieser Kongreßperiode von ihr geleistet wurde und die Exekutive nur gestört hat; während die Exekutive, ohne die positiven Seiten der von der Arbeiterschaft ausgehenden Initiative zu würdigen, die Forderungen der Arbeiterorganisation durchwegs für einem bloß agitatorischen Bedürfnis entsprungen hält, mit den ernsten Grundsätzen einer verantwortlichen Finanzpol'itik nicht in Einklang zu bringen. Es scheint uns eine Hauptaufgabc des Kongresses zu sein, diese psychologische Situation des gegenseitigen Mißtrauens, die im Verlauf der beiden Jahre auch noch mit allerhand Affekten belastet wurde, abzubaucn. Eine Zusammenarbeit von Palästina-Exekutive und Arbeiterschaft ist ein unerläßliches Erfordernis unserer Palästinaarbeit, und sic müßte auch für die Zukunft wieder gesichert werden, ob sie nun in der Zusammensetzung der Exekutive einen formellen Ausdruck iindet oder nicht. Die Kon- . nfration aller zionistischen Kräfte, die Schaffung einer auf eine breite Mehrheit gestützten Leitung ist eine Forderung, die beinahe von allen Gruppen vertreten wird; soweit wir sehen, sind nur die polnische Gruppe Eth Liwnoth und die Amerikaner in diesem Punkt zurückhaltender, ln Deutschland z. B. sind bei den Kongrcßwahlcn sämtliche Parteien für eine Koalitions-Exekutive cingetreten. Vielleicht ist unter der Oberfläche der öffentlichen Diskussion der Gegensatz gar nicht so erheblich, w׳enn erst der wirkliche Wille zu einer nationalen Einigung bestünde. Aber Koalition ist ein politisches und kein administratives Prinzip, und die Schwierigkeit, einen großen Verwaliungsapparat, wie ihn nun einmal die Arbeit der Palästina- Exekutive darstellt, kraft eines politischen Prinzips zu regieren, bleibt bestellen, wer immer in der Leitung sitzen mag. Der Kongreß wird daher einen Weg finden müssen, um die reine Wirtschaftsverwaltung von der politisch zusammengesetzten Leitung abzulösen. Einen Weg hierzu zeigt der seit Jahren von Dr. Ruppin vertretene Plan eines selbständigen Kolonisationsinstitutes, für dessen Durchführung vielleicht auch der Moment der Agency-Erweiterung günstig ist. * Würde auf geeignete Weise die Vermischung von Verwalfung und Politik, die der englische Sachverständige Sir John Campbell in seinem Gutachten als die größte Gefahr jedes Kolonisationswerkes hinstellt, ausgeschlossen, dann könnte sich die Koalition aller zionistischen Strömungen auch viel fruchtbarer in der Bewegung auswirken. Denn gerade die Sonderverbände verfügen über eine Reihe von Persönlichkeiten mit außerordentlichem zionistischem Elan, die mit dem Zionismus lebendig verwachsen sind und deren Teilnahme an der verantwortlichen Leitung der Bewegung einen wesentlichen Zuschuß an lebendiger Kraft, Erfahrung und Volkstümlichkeit bedeuten würde. Sowohl in Palästina, das immer mehr in die Gefahr geistiger Richtungslosigkeit kommt, als auch im Galuth, wo nach diesem Kongreß eine energische Zusammenfassung der zionistischen Energien und eine große Attacke auf die noch außenstehenden Teile des jüdischen Volkes notwendig ist, muß eine Leitung da sein, die Führung ist und nicht nur Exekutive. Die Funktionen der Exekutive als ausführendes Verwaltungsorgan werden zum großen Teil auf die Agency-Exekutive übergehen. Der Zionismus aber braucht darüber hinaus noch eine Leitung, die nicht Agency-Exekutive ist. Es ist uns daher fraglich, ob die Anschauung, die Zionistisehe Exekutive müsse mit dem zionistischen Teil der Agency- Exekutive identisch sein, unbedingt zu akzeptieren ist. Es ist eine Zweckmäßigkeitsfrage. Wenn man so eifrig für Stärkung der Bewegung, für die Erfüllung der lange vcrnachlässigten Erziehungsarbeit, für eine Erneuerung des Kontaktes zwischen Zionistischer Organisation und der aus allen Quellen des jüdischen Geistes hervorströmenden Renaissancebewegung cintritt, dann muß man auch Sorge tragen, daß diese Aufgaben wirklich positiv erfüllt werden ünd nicht nur als Postulate figurieren. Es wäre zu wünschen, daß der Kongreß diese Gesichtspunkte nicht aus dem Auge verliert. Hier ist zwar kein Stoff für lange Debatten, aber ein um so fruchtbareres Gebiet für die wirkliche Arbeit, * Denn wir dürfen niemals vergessen, daß eine neue Gene- ■ation heranwächsf, der die Verbindung der Zionsidee mit den geistigen und sittlichen Idealen eines freien, seiner selbst bewußt gewordenen Judentums nicht mehr so selbstverständlieh ist wie den Menschen, die am Anfang standen und die erste Begeisterung durchlebten. Palästina ist eine vielfach prosaische Angelegenheit geworden, mit Rechnungen, Budgets, geschäftlichen und persönlichen Mißerfolgen, mit allen Begleiterscheinungen eines leiderfüllten Erdenlebens, mit allen Zeugnissen menschlicher Schwächen. Der Streit um das Ob der Palästina-Sache ist völlig unaktuell geworden. Junge Mensehen, die jetzt aufwachsen, werden sich kaum mehr darüber ereifern. Wir stehen in einer Zeit des Uebergangcs, wo Palästina in den Mittelpunkt des Judentums tritt und. die Fürsorge für das Jüdische Nationalheim zu einer verbindenden Kraft ersten Ranges im Judentum wird. Was nun ist Zionismus? Was er im Grunde immer war: die bewußte Form der jüdisehen Sehnsucht nach höherer Menschlichkeit, menschlicherem Dasein, die in ihrem Zentrum den Glauben und noch an ihrer Peripherie die Energien erzeugt, die das neue Gemeinwesen in Palästina aufbauen können. Die Parole, die vom Kongreß ausgehen muß, ist die Entfaltung des Zionismus als einer großen geistigen und ethischen Macht, als der jüdischen Art der Humanität, im Gegensatz zu jener falschen Humanität, in deren Namen die Assimilation ihr Ressentiment des auf Humanität anderer Angewiesenen auslebte. Der Zionismus ist seiner Idee nach Bewußtsein und Gewissen des Judentums, er ist der Gestalter des jüdischen Lebens der Zukunft. Vertretung der Palästina ■Exekutive Die ״Ziko“ (Jerusalem) meldet: Im Laufe der letzten Tage sind aus Palästina sämtliche Mitglieder der Zionistischen Exekutive und ihre leitenden Beamten zum Kongreß abgefahren. Während ihrer Abwesenheit wird Herr Braude, der Leiter der Abrechnungsabteilung der Zionistischen Exekutive, als Generalsekretär fungieren. Die Herren S. Hoofien, Direktor der Anglo Palestine Company, Jaffa und Rechtsanwalt Horowitz, Jerusalem, haben sich bereiterklärt, als ehrenamtliehe Berater zu fungieren und vorkommendenfalls im Namen der Zionistischen Exekutive mit der Regierung zu verhandeln. Herzls Brief an das jüdische Volk Dieser ״Brief an das jüdische Volk", der als ״Herzls Testament“ bezeichnet worden ist, stammt aus der Zeit der Uganda-Diskussion zwischen VI. und VU. Kongreß, kurz vor Herzls Tode. Der Brief ist faksimiliert wiedergegeben im 2. Band des ״Jüdischen Lexikon“ (Jüd. Verlag, Berlin). Der Weg spaltet sich und die Spaltung gehl mitten durch des Führers Brust. Daraus sind die Konsequenzen zu ziehen. Als ich auf brach, war ick nur ein Jndemtaatler, ich bin ein Chowew Zion geworden. Für mich gibt es keine andere Lösung der Volksfrage, die man die Juden frage nennt, als Palästina. Aber daneben kann und darf ich nicht übersehen, daß es in der Judenfrage auch ein Element von bitterstem Elend gibt, welches zu lindern die philantropischen Vereine sich unfähig gezeigt haben. Da ah ein Zwischenresultat unserer Bewegung sich die Möglichkeit hier abzuhelfen, gezeigt hat, halte ich mich einfach nicht für berechtigt, das abzulehnen. Um so weniger, ah in dem letzten Respiro seit dem VI. Kongreß trotz aller meiner ehrlichen Bemühungen, von denen ich dem VII. Kongreß Rechenschaft legen werde, nicht gelungen ist, unserem Ziele näher zu kommen. Es gab Momente, in denen ich wohl etwas hätte ausrichten können, wenn meine Rufe nicht wie die eines Schiffbrüchigen (London, Mai 190t) verhallt wären. Man hat mir nicht geglaubt und nicht geholfen. Allein konnte ich’s nicht machen. Ich werde in späterer Zeit die Einzelheilen, die Verantwortungen, klarstellen. Heule muß ick sagen, daß auf absehbare Zeit nichts in Palästina zu machen ist. ״Weil ihr nicht wolltet, bleibt es für diese Zeit ein Märchen.“ Aber weil wir beisammen sind, wollen wir wenigstens für die Not was tun und das Volk weiter wecken und die Geweckten stärken. Das geht nur, wenn man festen Boden hat. Aber dahin kann ich nicht mit, weil ich ein Chowew Zion bin. Nur wenn alle Chowewi mit uns sein wollten, könnte ich die schwere Mälze des Monomachen weitertragen, Ostafrika leiten. Kommt es zur Spaltung, so bleibt mein Herz bei den ■Zionisten und mein Verstand bei den Afrikanern. Das ist ein solcher Konflikt, daß ich ihn nur durch meinen Rücktritt lösen kann. Ich verlasse dann die Bewegung im materiellen Erfolg, und das ist gestaltet. Ich habe nach meinen bescheidenen Kräften einige Organe dem geweckten jüdischen Volke geschaffen. Ich gehe auch durchaus nicht verbittert oder unzufrieden ab. Wohl wurde ich vielfach bekämpft und geschmäht, aber da auch meine schlimmsten Feinde mir nie nachsagen konnten, daß ich in dieser Bewegung materielle Vorteile für mich gesucht oder gefunden halle, so ■׳korm^tch~dle'״An‘gfdffB~g^ti^mK~ertrtgen. * 1 ־ ־ ׳ : ’ Hingegen wurde ich reich, weit über Gebühr und Verdienst belohnt durch die Liebe meines Volkes, wie sie in solchem Ausmaße selten Leuten, zuteil wurde, die viel mehr Anrecht darauf hatten ah ich. Mir kommt nichts heraus. Es ist ein gutes Volk. Aber leider auch ein tief Unglück- Hohes Volk. Gott helfe ihm weiter! mimmiinmmmimmmmmMimmitmnmimmmmimraiiimnmwiwimmmimimimmmiMimitmtmmiimwimm Die Sitzung der Mandatskommission beendet Genf, 21. Juli. (J. T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat soeben ihre 15. Session beendet. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, hat die Mandatskommission die Petition des Jerusalemer Waad Hair Haaschkenasi und der Agudas Jisroel betreffend Knesseth Israel (Organisation der jüdischen Gemeinden Palästinas) auch diesmal nicht in Behänd- Jung gezogen. Bekanntlich haben die Petenten seinerzeit um Verschiebung der Behandlung bis zur Bestellung ergänzenden Materials ersucht. Da aber aas Material bis heute nicht zugestellt worden ist, hat es die Kommission für wichtig befunden, die Behandlung dieser Petition bis zu einem Zeitpunkt zu verschieben, an dem der Wunsch der Petenten genauer umrissen sein wird. Bezüglich der arabischen Petitionen zur Frage des Kotei Maarabi (Klagemauer) ist die Kommission zu dem gleichen Beschluß gekommen, wie in der letzten Session: es wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die Mandatarmacht energische Schritte unternehmen wird, um die beiden Parteien zu einer Uebereinstimmung zu bringen. Das Protokoll der Sitzungen und die Schlußfolgerungen der Mandatskommission werden wie gewöhnlich erst nach Zusammentreten des Völkerbundsrates, dem sie unterbreitet werden, veröffentlicht werden. Colonel Wedgwood kommt nach Zürich? London, 18. Juli. (J. T. A.) Colonel Wedgwood, Mitglied des Unterhauses, erklärt, daß er dem XVI. Zionistenk 0 n g r e ß i n Zürich als Gast beiwohnen und die Gelegenheit wahrnehmen werde, für die Idee der Umwandlung des Mandatslandes Palästina in das Siebente Dominion des British Empire zu wirken. In einem Aufsatz im ״Manchester Guardian“ teilt Wedgwood mit, es gelte vor allem, das englisch e Volk davon zu überzeugen, wie wichtig es für das britische Reich sei, Palästina als ein sich selbst regierendes Dominion innerhalb der Grenzen des Reiches anzuerkennen. ״Wenn wir noch zwanzig Jahre warten, Hs wir uns vergegenwärtigen, daß eine Zusammenarbeit zwischen Palästina und England für beide Teile eine Notwendigkeit ist, so werden wir dort dieselbe Kampfstimmung vorfinden, wie sie heute in Indien und Aegypten gegen uns besteht“. Die Hauptredaktion der ״Jüdischen Randschau“ wird für die Zeit des Kongresses nach Zürich ▼erlegt. Die Adresse in dringenden Angelegenheiten lautet: Redaktion Jüdische Rundschau, Zürich, Zionistenkongreß. Gro$e Herzl •Feier in London Ansprachen von Lord Mclchett, Sir Herbert Samuel, Stephen S. Wlse und Nahum Sokolow. .Am 18. Juli veranstalteten die Londoner Zionisten und Palästina-Freunde eine Herzl-Gedäehtnisfeier. Es war die eindruckvollste Londoner Veranstaltung seit der Feier der Baifour-Deklaration. Den Vorsitz führte Lord Melchett, Präsident der englischen zionistischen Föderation, der in seiner Eröffnungsansprache ein Bild der Persönlichkeit Herzls umriß, seine großen staatsmännischen Fähigkeiten charakterisierte und darauf hinwies, wie die Persönlichkeit dieses großen Führers sich in der Entwicklung der zionistischen Bewegung seit der Schaffung des Basler Programms bis auf den heutigen Tag ausprägt. Als zweiter Redner sprach — von der Versammlung stürmisch begrüßt — Sir Herbert Samuel. Ich weiß, sagte er, in der modernen Geschichte nichts Erhebenderes und Begeisternderes als das Leben Theodor Herzls und als die neue Entwicklung in Palästina, die einen Triumph der großen Idee Herzls bedeutet. Herzl war ein Mann, der tief in die Zukunft blicken und eine Entwicklung voraussehen konnte. Was würde er vor 25 Jahren gesagt haben, wenn er vorausgesehen hätte, daß Palästina im Verlaut einer einzigen Generation zu einer öffentlich-rechtlich gesicherten jüdischcn Heimstätte werden wird und daß große Industrie- Zentren im Lande entstanden sind, daß die Juden in Palästina 12 Millionen Pfund investiert haben und daß die hebräische Kultur wieder erwacht ist? Hätte doch Herzl die Verwirk- Hebung seiner Träume noch selbst erlebt! Und das alles ist ja nur ein Anfang jener Anstrengungen und Opfer, die das jüdische Volk dem Aufbau Palästinas weiht. Finanziehe Opfer sind vielleicht leichter zu tragen, als die Opfer, die die jungen Juden in den traurigen Tagen der arabischen Angriffe gebracht haben. Es sollen heute auch der Namen Trumpeid ors und die Namen seiner Genossen in Ehren genannt werden. Sir Herbert Samuel Sprach mit Worten höchsten Lobes von der Ergebenheit, dem Idealismus und dem Kampf des jüdischen Arbeiters, der die Zivilisation Palästinas zur Blüte bringt. Es gibt eine Richtung im Zionismus, fuhr Sir Herbert Samuel fort, die will, daß Palästina das ״Siebente Dominion“ des britischen Reiches wird. Ohne auf die Vorteile und Nachteile dieser Idee hier einzugehen, möchte ich nur erklären, daß ich vom jüdischen, vom britisehen und vom internationalen Standpunkt aus diese Idee ablehne; aber die Anhänger dieser Idee sollten heute in Gemeinschaft mit uns an dem Aufbau einer starken Jewish Agency, die alle Parteien und Richtungen im Judentum einschließt, mitwirken. Dr. Weizmann hat Weitblick gezeigt, als er alle Teile des Judentums eingeladen hat, sich im Zeichen des Aufbauwerks in Palästina zu vereinigen und als er die Hälfte der Sitze im Council der Jewish Agency jenen Kreisen zugestanden hat, die in ihrer Mehrheit bisher wenig für das Palästinawerk getan haben. Dies ist gewiß ein Opfer, aber die Zionisten betrachten ihr Ziel als wichtiger als jede Organisationsform. Die Jewish Agency wird durch wahren Aufbaugeist die Entwicklung Palästinas beschleunigen. — Zum Schluß erklärt der Redner, er erhoffe für die Zukunft der ganzen Welt noch viel von dem relegiösen Genius des Judentums. Herzl hatte diesen großen universalistischen Glauben an die jüdische Berufung. Dr. Stephen S. Wise schilderte Theodor Herzl als den Wundermann, der schlummernde Kräfte weckt und verborgene Energien zur Auslösung bringt. Er hat dem jüdischen Volke gezeigt, wie es sich selbst sein Heim scharfen soll. Als Ich, sagte Wise, am Vorabend der Verkündung der Baifour-Deklaration zusammen mit Brandeis den Text der Deklarafion vom Präsidenten Wilson empfing, war ich tief ergriffen von diesem englischen Akt. Nichtsdestoweniger möchte ich sagen, daß unbeschadet unseres Vertrauens zu England wir stets über die jüdischen Interessen in Palästina gegenüber der Mandatarmacht wachsen müssen. Es wurde ein Telegramm von Dr. Weizmann verlesen, in welchem er bedauert, der Gedächtnisfeier fernbleiben zu müssen. Es folgte die Verlesung einer Kundgebung von Nathan Straus. Den Abschluß des Abends bildete eine Ansprache Nahum Sokofows, der den Lebensweg Theodor Herzls zeichnete und schilderte, wie Herzl in der Zeit der Dreyfus-Affäre und der neuen Welle des Antisemitismus zu seinem Judentum zurückfand, aus diesem Zurückfinden die großen Konsequenzen zog und zur Verkündung der Idee des modernen Zionismus schritt. Ein neuer politischer Sekretär Wie die Ziko mittcilt, ist Mr. Namier zum Nachfolger des politischen Sekretärs der Zionistischen Organisation, Mr. L. Stein, der von seiner Stellung zurückgetreten ist, ernannt worden. Mr. Namier hat sich als Schriftsteller und Historiker einen guten Namen erworben. Sein Buch ״The Structure of Potitics and the Accession ot George III“ hat in politischen und wissenschaftlichen Kreisen Englands sehr günstige Aufnahme gefunden. Am 22. März d. J. wurde Mr. Namier von dem damaligen Ministerpräsidenten Mr, Baldwin «ingeladen, als Mitglied in die königliche Schatzkommission einzutreten. EHese Kommission setzt sich aus sechs sachverständigen Parlamentsmitgliedern und sechs Historikern und Gelehrten (Nichtpariamentariern) zusammen. Mr. Namier zählte zu der zweiten Gruppe. * Diese kurze Mitteilung der ״Ziko“ bestätigt, was jnoffiziell seit längerer Zeit bekannt war: es vollzieht sich ein Wechsel auf einem der wichtigsten zionistischen Posten. Der neue politische Sekretär Namier, über dessen frühere Tätigkeit die ״Ziko“-Meldung einiges mitteilt, hat bereits während des Krieges der zionistischen Sache Dienste geleistet. Er bringt eine gute Kenntnis des englischen politischen Lebens und der politischen Persönlichkeiten mit, und cs ist zu hoffen, daß das zionistische Amt bei ihm in guten Händen sein wird. Mit großem Bedauern sieht die zionistische Welt Herrn Leonard Stein, einen der fähigsten zionistischen Beamten, aus dem zionistischen Dienst scheiden. Stein hat das schwierige Amt eines politischen Sekretärs seit dem Kriegsende versehen, nachdem er zuvor in der Zionist Commission tätig ge* wesen war. Dank seiner großen juristischen und politischen Bildung konnte er alle großen Dokumente und Eingaben, oft sehr schwieriger Natur, mit größter Präzision und Klarheit verfassen, wobei er stets die größte Objektivität der Dar- Stellung und ״commonsense“ zeigte. Stein, der im zionistischen Lager auch oft befehdet wurde, ist einer der energischesten Mitarbeiter Dr. Weizmantis bei Ausarbeitung des Agency-Planes gewesen. Keren Hajessod-Eingänge im Juni Im Verlauf des Monats Juni sind beim Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem an Spenden 31.765 Pfund eingegangen.