Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 57-58 (25.7.1929)
- Date
- 1929-07-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 360 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 57/58, 25. VII. 1929 Kongreß « Rundschau Der Hers!-Tag — Agency und Reformen — Probleme der Demokratie — Politik and Verwaltung —* PaUUHna* Exekutive and Parteien — Für starke Führung RW, Berlin, 24. Juli. in den 25 Jahren, die seit Herds Tode verstrichen sind, ist viel über Herd geredet und geschrieben worden. Die Zio* nistische Bewegung, die von Herr! zwar nicht geschaffen wor* den war, aber durch ihn eine neue eigenartige Form erhielt, hat mit Recht das Leben dieses Mannes als ihren kostbarsten Besitz gehütet. Denn sein Leben war Bezeugung der Sache. Durch sein Da-Sein hat er das Volk entflammt, ihm ein neues Selbstgefühl und Lebensgefiihl gegeben. Die Herzl-Eplsodc war eines der zutiefst aufwühlenden Erlebnisse des jüdischen Volkes. Seine Nachwirkungen bleiben bestehen, auch wenn die Generation, die ihn noch sah — im nächsten Mai wäre er siebzig Jahre alt geworden —, langsam schwindet. Diese nationale Erinnerung, die im Volksbewußtsein fortlebt, Ist, abgesehen von allen anderen Wirkungen, ein verbindendes, nationsbildendes Element. Herzl — das ist gemeinsamer Besitz des ganzen Zionismus, ja des ganzen Volkes, unabhängig von der Beurteilung von Einzelheiten seines Denkens, dem auch heutige Zionisten durchaus nicht kritiklos gegenüberstehen sollten. Herzl teilt das Schicksal jedes Großen, daß er Kleineren immer wieder als Piedestal und Aushängeschild dienen muß. Die Gefahr, daß sein Name und die Verehrung für ihn zur viel beschwätzten Phrase wird, kombiniert sich mit der nirht geringeren Gefahr, daß man ihn beschwört, um die Auto* rität dieser oder jener eigenen Ansicht zu bekräftigen. Darum sollte man den Mut haben, auszusprechen, daß die Richtigkeit einer Ansicht oder einer Politik keineswegs dadurch bestätigt wird, daß man nachweist, Herzl habe an dieser oder jener Stelle das Oleiche oder etwas Aehnliches gesagt. Auch Herzl konnte irren, und er hat oft geirrt. Auch war die Situation, vor der er stand, eine von der unseren grundverschiedene. Es war die Vorstufe zionistischer Verwirklichung; eine ideologisehe Position, die die Realitäten des wirklichen Palästina nicht zu kennen brauchte. Heute hat der Zionismus mit diesen Reaiitäten zu tun. In dem Vierteljahrhundert seit Herzls Tod Sind tiefgreifende Veränderungen in der ganzen Welt und im Judentum vor sich gegangen. Der Zionismus hat vielfach an vorherzische Traditionen angeknüpft. Seine geistigen Wirkungen auf das Judentum sind unermeßlich gewesen. Das jüdische Bewußtsein hat sich grundlegend verändert. Und wir stehen heute auch bereits am Anfang einer Veränderung der politisehen Struktur des Judentums, die ein Vierteljahrhundert fast stabil geblieben war. Das Jüdische Nationalheim ist eine Tatsache geworden, der Kampf ist entschieden, alte Gegensätze * können abgebaut werden, etwas Neues ist im Werden. Es wird jetzt oft gesagt, wir brauchten eine Erneuerung und Auffrischung der Bewegung; man wird aber diese Parole nicht in zu engem Sinne verstehen dürfen־, es geht um mehr als um Erhöhung der Parteischlagkraft, es geht um die schöpferische Lebensfähigkeit des Volkes, um eine wirkliche Renaissance, von der wir heute da und dort bescheidende Anzeichen sehen. - * •. .־׳ ׳• ׳ ״'I -Am &' p<tpsh|g '.yerzls tritt der XVI. :K!0B'gt«8‘.ziiap!n»n, '< * der eine neue Phase der Bewegung einleiten muß. Daß dieser Kongreß die Erweiterung der Jewish Agency beschließen wird, ist heute bereits außer Zweifel. In diesem Punkt also sind keine Ueberraschuiigen zu erwarten, und Dr. Welzmann, der in einem noch immer stark angegriffenen Gesundheitszustand, gegen den Willen seiner Aerzte, am Kongreß teilnehmen wird, wird den vollen Erfolg seiner vor sechs Jahren begonnenen Politik sehen können. Der Kongreß wird ohne große Schwierigkeit dem Wunsche der Aerzte, daß Dr. Weizmann sich jede erdenkliche Schonung auferlegt, Rechnung tragen können, da aller Voraussicht nach Weizmanns Person diesmal nicht mehr in den Kampf gezogen werden wird. Die Tatsache der Erweite• rung der Agency ist ja entschieden. Damit beginnen freilich erst die praktischen Probleme akut zu werden. Denn trotz allen Formeln weiß noch niemand recht, wie die künftigen neuen Organe Im wirklichen Leben aussehen werden. Sie zu gestatten, erfordert überlegene staatsmännische Kunst. Der Kon* greß wird bei seinen Beschlüssen stets vor Augen haben müssen, daß cs hier nicht um Theorien geht, sondern um ein Schema, das Leben annehmen soll. Aber wenn der Moment nicht verloren sein soll, dann muß er ausgenützt werden zur Neugestaltung auf der ganzen Linie. Die Erweiterung der Agency schafft einen neuen Apparat im wesentlichen für die Bewältigung der praktischen Palästina-Arbeit, die vor allem eine wirtschaftliche Funktion ist. Wird aus dem bisherigen zionistischen Gesamtkomplex auf diese Weise ein Teil herausgelöst, so muß der Kongreß dafür sorgen, daß auch die andern Gebiete, vor allem Politik und Organ!- saflon, mit neuen Impulsen erfüllt werden. ♦ Unsere Politik hat sich bisher fast nur auf konkrete Ver* Handlungen mit der Mandatarmacht und Gewinnung von Freunden in verschiedenen Teilen der Welt beschränkt. Dies ist gewiß sehr wichtig, aber nicht minder wichtig Ist eine aktive Orientpolitik, insbesondere arabische Politik, die wtrtgehend vernachlässigt wurde. Immer mehr bricht sich die Ueber* Zeugung Bahn, daß die Herstellung von Beziehungen zu ver* schledenen arabischen Kreisen und Schichten, die Förderung des gegenseitigen Verständnisses, die Schaffung gemeinsamer Interessengebiete zwischen Juden und Arabern, eine deinentare Notwendigkeit des Zionismus ist. Die aktuellen Fragen der Palästina-Politik, auf die gerade vor einigen Tagen die dem englischen Kolonialamt nahestehende Zeitschrift ״Near East״ hingewiesen hat, werden von der zionistischen Oeffentlkhkeit gern ignoriert, z. B. die Frage der Volksvertretung. Wie in früheren Jahren ist auch jetzt die zionistische Politik durch völlige Passivität charakterisiert, so daß die Gefahr von Ueberraschungen naheliegt. Der Kongreß sollte den Ausbau des politischen Apparates vor allem im Orient ernstlich in Angriff nehmen; dies kann aber nur dann zum Erfolg führen, wenn gleichzeitig Instrumente geschaffen werden, um die jüdische Meinung selbst zum Verständnis der politischen Rea- Iitäten zu erziehen. Ein englischer Publizist schrieb vor dttiger Zelt, eine größere Klarheit des Zieles ln Palästina sei erforderlich; die Juden müßten Wirklichkeitsslnn zeigen und nicht gefühlsmäßige Wunschpolitik machen. ״Sentimentalität allein hat noch nie einen Staat gegründet; aber sie hat oft Versuche zum Scheitern gebracht.“ Im heutigen Stadium unserer, Entwicklung tut uns ein freier und wahrer Blick not, Ueberwindung jedes Illusionismus und Ausschaltung aller Hy* sterie aus der realen Politik. Wir sollen auch uns selbst nicht Die Tagesordnung 1. Eröffnungssitzung. Sonntag, 28. Juli, 4.30 Uhr nach mltta gs. 1. Eröffnung des Kongresses durch den Präsidenten der Zio* nistiscfien Organisation, Dr. Ch. Weizmann. 2. Begrüßungen. 3. Gedenkrede anläßlich des 25. Todestages Theodor Herzig, Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Exekutive: ״Theodor Herzl und die Zionistische Organisation“. II, Sitzung (Vormlttagssltzung). Montag, 29. 7., 9,30 Uhr vorm, bis 1,30 Uhr nachm. 4. Wahl des Kongreßpräsidiums. 5. Bericht des Kongreßgerichtes über das Ergebnis der Kon* greßwahlen. Berichterstatter: Vorsitzender des Kongreß* Seriehtes, Herr S. Gronemann.!eferat Dr. Arthur Ruppin: ״Die Bedeutung Palästina* für die Zukunft der Juden“. 7. Referat Dr. Chaim Weizmann: ״Rechenschaftsbericht und Programm“. III. Sitzung (Nachmlttagasitzung). Montag, 29. Juli, 3.30 bis 6.30 Uhr nachmittags. 8. Wahl des Resolutions-Ausschusses. 9. Referat Felix Rosenblftth, Mitglied der Exekutive: ״Die Verfassung der Jewish Agency4‘. 10. Referat Prof. Dr. S. Broaetsky, Mitglied der Exekutive: -Die Aufgaben der Zionistischen Organisation in der Zukunft“. IV. Sitzung (Abendsttzung). Montag, 29. Juli, 8.30 bis 11.30 Uhr abends. 12. Fortsetzung der Generaldebatte über die Referate zu 7., 9. und 10. V. Sitzung (Vormlttagssltzung)» Dienstag, 30. 7., 10 Uhr vorm, bis 1,30 Uhr nachm. 13. Nachruf des Präsidenten der Exekutive, Herrn Nahum So* koiow, auf die seit dem letzten Kongreß verstorbenen Zionisten. 14. Wahl der Kongreß-Kommissionen. 15. Fortsetzung der Debatte über die Referate zu 7., 9. und 10. VI. Sitzung (NachndttagsaRm^). Dienstag, 30. Juli, 3.30 bis 7 Uhr nach mittags. 16. Fortsetzung und Schluß der Generaldebatte über die Referate zu 7., 9. und 10. Am Dienstag abend treten die Kommissionen zu Ihren konstituierenden Sitzungen zusammen. VII. Sitzung (Vormlttagssltzung). Mittwoch, 31.7., 9,30Uhr vorm, bis 1,30 Uh mach m. 17. Referat Harry Sacher, Mitglied der Exekutive: ״Die Pa- Hstlna-Aribeit der Zionistischen Organisation“. 18. Referat Dr. Arthur Hänike, gescharafOhrenden Direktors des Keren Hajessod: ״Aufgaben und Arbeitsprogramm des Keren Hajessod“. 19. Referat M. M. Ussischkin, Vorsitzenden des Direktoriums des Keren Kalemetb LeJkrael! ״Erfolge und Aussichten des Keren Kajemeth“. 20. Debatte über die Referate zu 17 bis 19. VIII. Sitzung (Nachmttfagssttzung). Mittwoch, 31. Juli, 3.30 bis 6.30 Uhr nachmittags. 21. Kommtssionsbericht über die Verfassung der Jewish Agency und Abstimmung. Der Abend des Mittwoch bleibt für die Sitzungen der Kommissionen reserviert. IX. Sitzung (Vormittagssitzung). Donnerstag,1.8., 9,30 Uhr vorm, bis 1,30Uh r nac h m. 22. Fortsetzung und Schluß der Debatte über die Referate zu 17 bis 19. Donnerstag nachmittag finden Kommissions-Sitzungen statt. Donnerstag abend finden wegen des Schweizerischen Nationalfeiertages (Bundesfest) keine Sitzungen statt. X. Sitzung (Vormlttagssltzung). Freitag, 2. 8., 930 Öhr vorm, bis 1,30 Uhr nachm. 23. Berichte von Kommissionen. XI. Sitzung (Nachmittagssftzung). Freitag, 2. 8., 9,30 Uhr vorm, bis 1,30 Uhr nachm. 24. Berichte von Kommissionen. Sonnabend, den 3. August, finden Sitzungen der Kongreßgruppen und des Resolutions-Ausschusses statt. Sonntag, den 4. August, finden nur Sitzungen der Kommissionen statt. XII. Sitzung (Vormlttagssltzung). Montag, 5. 8., 930 Uhr vorm, bis 1,30 Uhr nachm. 25. Referat Izchak Grünbaum: ״Aufgaben und Organisierung der hebräischen Kulturarbeit In der Galuth“. 26- Debatte über das Referat zu 25. 27. Berichte von Kommissionen Und Abstimmungen. XIII. Sitzung (Nachmittagssitzung). Montag, 5. August, 4 bis 12 Uhr nachmittags. 28. Berichte von Kommissionen und Abstimmungen. XIV. Sitzung (Vormlttagssltzung). Dienstag, 6. 8., 10 Uhr vorm, bis 1,30 Uhr nachm. 29. Referat: ״AHjah und Hachscharah“. Referent wird noch bekanntgegeben. 30. Debatte über das Referat zu 29. 31. Berichte von Kommissionen und Abstimmungen. XV. Sitzung (Nachndttagssitzung). Dienstag, 6. August, 3.30 bisSUhrabends. 32. Berichte von Kommissionen und Abstimmungen. 33. Wahl der Exekutive, des Aktions-Comitös, der zionislisehen Vertreter in der Jewish Agency, des Kongreßgerichtes, des Ehrengerichtes, des Kongreßanwaltes und der Revisoren. 34. Schluß des Kongresses. lfel1il!ll!!llllllllll'IHII1:1UilHI!ll!11m1IM)HHIIIII!lllllllll 111111111 idealisieren, und werden vielleicht leichter zu einer Verstand!- gung mit andern kommen, wenn wir kritischer gtgen uns selbst sind. * Ein Beispiel zu dem eben Gesagten bringt uns sofort auf das Gebiet der Organisation. Der Zionismus hat sich mit Recht viel darauf zugute getan, daß er Im Judentum die Formen der modernen Demokratie eingeführt hat. Der demo* kratlsche Betrieb wurde geradezu ein Kriterium für die Fort* geschrittenheit des Volkes, für seinen Eintritt in die europäisehe Welt. M(t Geringschätzung blickte man auf Völker, die noch nicht so weit sind. Man kann z. B. in palästinensischen Zeitungen immer wieder spöttische Bemerkungen über die Parlamente oder sonstigen Vertretungen der Araber finden. Und dennoch haben wir Juden bisher gar nicht den Beweis erbracht, daß wir zur Demokratie fähig sind. Denn zur Demokratie gehören nicht nur Wahlen und parlamentarische Debatten, sondern vor allem die Einsicht in die Grenzen der Macht und der Anwendbarkeit dieses Apparates. Ohne Selbstbeherrschung, ohne das ständige Bewußtsein der Verantwortlichkeit jedes Teiles gegenüber der gesamten Nation, kann es keine Demokratie geben. Wir alle wissen, daß unser Kongreß in seiner heutigen Form kein vollkommenes Instrument demokratischer Selbstregierung Ist. Wir hatten vor kurzem ein noch krasseres Beispiel dafür, wieviel wir auf diesem Gebiet noch zu lernen haben: Die letzte Tagung der Assefath Niwcharim in Tel-Awiw — unseres ״Parlamentes“ — mußte allgemein als ein beschämendes Ereignis empfunden werden. Es liegt im Wesen des Parlamentarismus, daß eine gewaltsame Beendigung parteitaktischer Konflikte unmöglich ist, daraus aber läßt sich nur die eine Folgerung ziehen, daß wirkliche Demokraten solche Konflikte nicht auf die Spitze treiben dürfen, weil sie sonst ihrer Sache gar nicht nützen können, sondern nur den parlamentarischen Organismus zerstören. Hoffentlich wird der Kongreß nicht das Schauspiel der Assefah wiederholen. Aber auch sein Pariamenfarismus muß noch viel elastischer werden als er bisher war; man müßte versuchen, die mit dem Anwachsen der Fraktionen verbundene Vorherrschaft der Parteibürokratien durch organisatorische Reformen, vor allem aber durch eine Stärkung der wahren Demokratie, die der führenden Persönlichkeit in liberaler Weise Betätigungsfreiheit gibt, zu paralysieren. In dieser Hinsicht können wir von den angelsächsischen Völkern viel lernen; und es gilt auch für uns, was Stresemann vor einiger Zeit in seiner überaus wirkungsvollen Rede im deutschen Reichstag ausgeführt hat: daß die Krise des Parlamentarismus zu einer Vertrauenskrise führen maß, wenn nicht Besinnung und Selbstbeherrschung Platz greifen und die Parteien ihre Ambition«) bezähmen. Man erweist Institutionen keinen Dienst, wenn man ihre Anwendung übertreibt und sich an Dogmen klammert; sie müssen vielmehr dauernd durch das wirkliche Leben kontrolliert werden, und wir sollten auch unsere örganisatorischen Formen rechtzeitig selbst weiter entwickeln, bevor die Entwicklung sich ohne uns« Zutun Bahn bricht. * Die gefährliche Wippe des einseitigen parlamentarischen Denkens zeigt sich auch bei der Anwendung des Begriffs der Demokratie an einem Ort, wo er nichts zu schaffen hat. In den letzten Jahren wurden bei uns häufig Institute aller Art, vor allem auch Verwaltungsbehörden, in demolcn• tischer Weise zusammengesetzt. Üeberall machten die Par* teien als solche ihren Anspruch auf Vertretung geltend. Dadurch wird die politische Diskussion in alle Fragen der praktischen Arbeit hineingetragen. Die Beschlüsse des vorigen Kongresses, zusammen mit der Wahl der neuen Palästina-Exe• kutive, sollten vor allem in dieser Hinsicht eine Aenderung bringen. Es ist auch wirklich zum Teil geglückt, die Verwaltung des Palästinawerkes zu rationalisieren. Die Palästina- Exekutive hat, trotz ihrer finanziell ungünstigen Lage und der außergewöhnlichen Widerstände, die sie im Jischuw fand, erhebliche Erfolge aufzuweisen, die, dem Wesen der Sache nach, nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, da sie weniger in Neuschöpfungen als in der Verhütung größerer Uebel bestehen. Gerade weil die Palästina-Exekutive in diesen zwei Jahren Ihrer Tätigkeit maßlos angegriffen wurde, besteht die Verpflichtung, such diese guten Seiten hervorzuheben. Die gegenwärtige Exekutive hat sich das Recht gewahrt, jede Sache selbständig zu prüfen und unabhängig zu beurteilen, ohne sich um Zeitungsartikel und andere Druckmittel zu kümmern. Ungeachtet der Frage, ob die Entscheidüng der Exekutive stets richtig war — in vielen Fällen erwies sie sich als richtig —, Ist diese Methode der Behandlung der Dinge ein Fortschritt. Leider hat man in Palästina, wenigstens soweit dessen öffentliche Meinung Sprachrohre besitzt, für den Wert einer solchen unabhängigen Betrachtungsweise noch wenig Verständnis, was gleichfalls mit der falschen Auffassung von Demokratie zusammenhingt. # Das Ziel der neuen Exekutive war eine größere Selbstindlgkeit und Wirtschaftlichkeit aller Unternehmungen und Betriebe. Das Ist bis zu einem gewfssen Grad erreicht worden. Ebenso wie die jetzt stark anwachsende Privatwirtschaft in Palästina kann auch die nationale Kolonisation nur dann Bestand haben, wenn sie auf gesunden wirtschaftlichen Grundlagen ruht. Die Hauptvoraussetzung für den Ausbau der nationalen Kolonisation und für eine Kontrolle der Privatwirtschaft ist die große Bodenreserve, von deren Notwendigkeit auch das Manifest Dr. Welzmanns spricht. Die Arbeiterschaft hat diese Parole mit besonderem Enthusiasmus ausgegeben; sie will den Kongreß zu einem ״Kongreß des Keren Kajemeth“ machen. So wichtig aber die Bodenfordemng ist, so darf man nicht ver* gessen, daß vor allem das Palästina-Budget sichergestellt werden muß, da sonst mich die Arbeiterkolonien in sehr mißliche Lage kämen. Die Probleme des Keren Kajemeth werden fraglos den Kongreß beschäftigen müssen, schon mit Rücksicht auf die In Palästina jüngst ausgebrochenen Konflikte wegen einiger kleiner Bodenkäufe, die vom Direktorium beschlossen, von der Exekutive jedoch untersagt wurden. Man wird die Frage aufrollen: Welcher Boden Ist zu kaufen? In diesem Zusammenhang ergeben sich organisatorische Probleme von größeren Aspekten, vor allem Fragen der Planmäßigkeit und der einheitUchen Kolonisationsleitung. Auch die Frage der Zusammen- Setzung des Nationalfonds-Dfirektoriums, aus dem infolge der Ueberspantmng des Parteisystems vor einigen Jahren wertvolle Persönlichkeiten ausgeschlossen wurden, während das Gremium selbst sich in eine Interessenvertretung der Parteien zu verwandeln droht, bedarf der Revision. Es wäre zu wünschen, daß alle diese Fragen auf dem Kongreß durch Zutun aller Beteiligten ein« befriedigende Lösung finden, damit die Pro- Idaiuieniflg der gesteigerten Bedeutung des Keren Kajemeth,