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Jüdische Rundschau · 1929-07-19 · Heft 56 (19.7.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 56 (19.7.1929)
Date
1929-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 300 JÜEDISGHE R0WWSC¥m״Ü Nr. 50, l9.VTI.t929 Jedenfalls steht für Europa eines fest, und das dürfte wohl auch für Palästina Geltung haben, daß man in der Praxis auf etwa 10 bis 20 Ingenieure und Techniker höchstens einen aka» demischen Ingenieur benötigt. Werden mehr Akademiker ausgebildet, so hat das zur Folge, daß diese Ueberzahl von Akademikern niemals Stellungen erreichen kann, für die auch nur annähernd eine akademische Vorbildung nötig gewesen wäre. Diese Menschen sind dann mit sich und mit der Welt unzufrieden und fühlen sich mit Rech( betrogen, während sie mit einer Mittcisclnilausbildung ihr Schicksal mit Zufriedenheit und Befriedigung tragen würden. Nun die Geldfrage. Eine Hochschule, wenn sie es nicht mir dem Namen nach sein will, erfordert den zehn- bis zwanzigfachen Geldaufwand einer Mittelschule. Soll nun die Juderiheit der Welt diese großen Summen aufbringen, um auch in Palästina ein unglückliches, unzufriedenes, akademisches Profetariat großzuziehen? Oder sollen diese Geldopfer gebracht werden, um Akademiker auszubilden, die sich an untergeordnete Stellungen anpassen oder nach Aegypten oder in die Türkei auswandern oder gar das akademische Proletariat Europas vergrößern? Gewiß, das Technikum in Haifa war eine gute und schöne Leistung des Zionismus, aber nicht als Hochschule! Als solche war sie wahrscheinlich auch nie gedacht. Der Platt war vielmehr, eine Anstalt zu schaffen, die im Anschluß an die übrigen Schulen technisch begabten Schülern eine Faehausbildungsmög- Iichkeit bietet und sich in eine handwerkliche Abteilung, in eine niedere und eine höhere technische Schule gliedert. ... Zum Schluß seien einige Sätze aus einer Denkschrift angeführt, die der Verein deutscher Ingenieure in der Frage von Hochschtrlneugriindungen kü Sich herausgegeben hat. ״Das Ueberangebot der von den Hochschulen Kommenden führt natürlich dazu, daß viele Akademiker Stellhingen annehmen müssen, die in keinem Verhältnis zu ihrer Vorbildung und zu dem Aufwand stehen, den ihre Berufsausbildung erfordert hat.“ Dann heißt es weiter: ״Nicht Schulzeugnisse und die damit verknüpften Berechtigungen allein, sondern in erster Linie die wirkliehen praktischen Leistungen müssen nach wie vor für die Be- Wertung im Ingenieurberuf maßgebend sein.“ Diese Sätze sollten wir Juden, die von jeher sehr dazu neigen, akademische Grade zu überschätzen, ganz besonders beherzigen. Die Orangensaison 1928/29 In einem Aufsatz über die vergangene Orangensaison In Palästina gibt I. Rokach, der leitende Direktor der koope• rativen Gesellschaft ״Pardeß“ in Jaffa-Tel-Awivv, in der Zeitschritt ״Hadar“ einen Ueberblick über den kommerziellen Verlauf dieser Saison sowie eine Reihe von Ziffern über die Höhe der Verschiffungen, die erzielten Preise usw. In dem Artikel heißt es u. a,: Der außerordentlich günstige Stand der Orangenblüte am Beginn der letzten Saison versprach ein sehr ertragbringendes Jahr. Durch starke Ostwinde am Beginn des Sommers wurde jedoch ein erheblicher Teil der Blüte zerstört. Die Befürchtungen, daß dadurch die Ernte sehr leiden würde, haben sich im Verlauf der Saison bestätigt. Der gesamte Orangenexport betrug während der Saison 1928/29 nur etwa 1600000 Kisten, d. i. um 500 000 Kisten weniger als in der vorhergehenden Saison und 750000 Kisten weniger als in der Saison 1926/27. Durch den wnvorgesehenen Ernteausfall erlitten in erster Reihe die Händler großen Schaden, die die Früchte zur Zeit der Blüte gekauft und wegen der günstigen Aussichten seinerzeit sehr hohe Preise bewilligt hatten, Die ersten Verschiffungen erzielten in England wie alljährlich gute Preise. Die daraufhin vorgenomwene Erhöhung der Verschiffungen, die zum Teil durch Versendung minderwertiger Früchte erzielt wurde, bewirkte ein Fallen der Preise bis unter 8 Shilling per Kiste. Die Exporteure in Jaffa gründeten nun ein Komitee, das die zur Verschiffung kommenden Quantitäten für Jeden Dampfer regulieren sollte. Dank den energischen Maßnahmen des Komitees war noch vor den Feiertagen eine starke Erhöhung der Preise ln England zu verzeichnen, zu der allerdings auch die Influenza-Epidemie in England beitrug, da man der Orangenkur günstige Heil- Wirkung gegen diese Krankheit zuschreibt. Nach einigen Schwankungen trat ein starker Rückgang der Preise ein. Der Durchschnittspreis für die ganze Saison stellte sich jedoch immer noch aut 10 Shilling pro Kiste. Der Rückgang der Ausfuhr hat in erster Linie den englischcn Markt betroffen, da dort 500 000 Kisten weniger abgesetzt wurden als im Vorjahre, Dagegen haben die Verschlffungen nach den Ländern des europäischen Kontinents in der letzten Saison erheblich zugenommen. Trotz der geringen Ernte nahm der Import von Jaffaorangen allein nach Deutschland um 50000 Kisten zu. Der Verfasser hebt mit Genugtuung hervor, daß durch die besondere Sorgfalt, die dem Export nach Deutschland gewidmet wurde, dorthin keine grünen Früchte zum Versand kamen und daher dort auch der schlechte Eindruck, der durch solche Versendüngen in England verursacht wurde, vermieden wurde. Die Preise waren aut dem deutschen Markt Im allgemeinen nicht so hoch wie in England, doch Immer noch fahr einträglich. Der Verfasser gibt schließlich noch interessante Ziffern über das Einkommen Palästinas aus der Orangenkultur. Der Durchschnittspreis für sämtliche Quälitätsklassen (abgesehen von den für Abfall erzielten Preisen) betrug 525 Mil. Der Nettopreis, der für eine Kiste Orangen erzielt wurde, stellt sich nach Abzug von 175 Mil für Ernte, Verpackung, Transport und Manipulation Im Hafen auf 350 Mil oder 7 Shilling ״am Baume“. Nimmt man diesen Preis als Basis, so kommt man für das ganze Land zu einer Reineinnahme von 726,300 Pfund. —---— , Jüdische Arbeiter bei Regienntgsarbeiten Am 7. Juli sprach in Tei-Awiw bei einer Landesberatung der Arbeiterorganisation Herr Frumkin über die Lage auf dem Arbeitsmarkt und Herr Halperin über die Einwanderung. Herr Frumkin hat dabei die Resultate der Verhandlungen zwischen der Palästina-Exekutive und der Arbeiterorganisation einerseits und der Regierung andererseits wegen der Beschäftigung von jüdischen Arbeitern bei den Regierungsarbeiten berichtet. Die Regierung hat der Palästina-Exekutive mitgeteilt, daß sie beschlossen hat, die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, damit bei den verschiedenen öffentlichen und Bauarbeiten, die sie im Jahre 1929 in Bezirken mit jüdischer Bevölkerung durchführen wird, wie die Straße Mescha--Afulebt, die Strafte Har Hakarmei—Hadar Hakarmel, die Drainage der Kischonmündung und die Gebäude in Tel-Awivv, Haifa usw., nur jüdische Arbeiter beschäftigt werden. Diese Arbeiten werden auf etwa öt) 000 Pfund zu stehen kommen, Ebenso hat sich die Regierung einverstanden erklärt, eine beträchtliche Anzahl von jüdischen Arbeitern bei der Strafienarbeit von Kilkillje und der Reparatur des Jaifaer Hafens zu beschäftigen. Die Regierung hofft, daß auch bei ihren anderen Arbeiten jüdische Arbeiter beschäftigt werden, Ueber die Arbeiten beim Hafenbau in Haifa verhandelt die palästinensische Regierung noch mit der Regierung in London über die Art, wie die Verwirklichung des Versprechens jüdischer Arbeit und angemessenen Lohnes durchgcfünrt werden soll. Inzwischen beabsichtigt die Regierung, demnächst eine Gruppe von jüdischen Arbeitern zur Probe bei dem Haienbauarbeiten zu beschäftigen. Die Kongreßwahlen In der Tschechoslowakei Von unserem Korrespondenten. h.1. Prag, 13. Juli' 1920. Die Hauptwahlkommission in Mähr.-Ostran hat in der am 11. d. M. stattgefundenen Sitzung folgendes Wahlergebnis festgestellt: Abgegeben wurden im ganzen 6877 Stimmen gegen 5757 Stimmen bei den Wahlen zum letzten Kongresse, lieber 40% der Schekelzahler haben sich demnach an den Wahlen zum XVI. Zionistenkongresse beteiligt. Auf die Liste der Radikalen entfielen 995 Stimmen und 1 Mandat (bei den letzten Wahlen 1584 Stimmen und 2 Mandate), auf die gemeinsame Liste der Allgemeinen Zionisten und des arbeitenden Erez-Israel 4180 Stimmen und 7 Mandate, davon 2 Vertreter der Arbeiterschaft (letzthin 3591 Stimmen und 6 Mandate), Misrachi 1162 Stimmen und 1 Mandat (582 Stimmen, 1 Mandat), Revisionisten 540 Stimmen, kein Mandat. Aus dem Wahlergebnis ist ersichtlich, daß die überwältigende Majorität der tscnecho- Slowakischen Zionisten abermals jenen Wahlgruppen ihre Stimme gegeben hat, die sich eindeutig hinter die von der derzeitigen zionistischen Exekutive geführte Politik stellen und diese auch am kommenden Kongresse zu unterstützen bereit erklärt haben. Die Gruppe der Allgemeinen Zionisten hat u. a, in ihr Programm auch die Forderung nach Er- Weiterung der derzeitigen Exekutive durch alle jene Gruppen aufgestellt, die ernstlich zur Uebernahme der Mitverantwortung entschlossen sind. * Nach den Mitteilungen der Hauptwahlkommission für Jugoslawlen gilt die einzige eingereichte Einheitsliste mit Dr. David AI k a 1 a y - Belgrad an der Spitze als emstimmig gewählt. Auf Jugoslawien entfallen vier Delegierte, von denen einer die Jugend und die linksgerichteten Gruppen repräsentiert. Bei den Wahlen in Lettland wurden insgesamt 3121 Stimmen abgegeben, davon erhielten die Liste der Vereinigten Arbeiterparteien Hitachduth und Zkmisten-Sozialisten 1240. die der Revisionisten 1082 Stimmen. Lettland wird auf dem Kongreß durch Professor Laserson (Hitachduth) und Dr. Hoffmann (Revisionist) vertreten sei«, Auf einer Wahlversammlung in Kopenhagen wurde einstimmig die Liste der Allgemeinen Zionisten mit dem Spitzenkandidaten Dr. Werner Bloch, Berlin, für Dänemark gewählt. Richter Julian W. Mack, der einzige Delegierte der amerikanischen zionistischen Opposition für den XVI. Zionistenkongreß, teilt mit, daß er nicht zum Kongreß gehen werde, an seine Stelle tritt Harry Friedenwaid. Jacob de Haas, neben Mack der geistige Führer der opposltionelien ״Herzl-Zionisten“ fährt ebenfalls zum Kongreß. Agency-VertrdBug Hr Ulanen Kowno, 16. Juli, (J,T, A.) In Kowno wurde die erste Palästina-Konferenz der litauischen Juden abgehsHen, an der sich über 100 Vertreter der zentralen jüdischen Organ!- satlonen und Institutionen Litauens, wie Verband der Volksbanken, die Verbände der Kaufmännischen-, der Handwerker- und der Landwirte-Verelne, Vertreter der jüdischen Gemeinden u. a, m. beteiligt haben. Die Konferenz nahm einstimmig eine Resolution an, in der das Abkommen zwischen Dr. Weizroamt und Louis Marshall betreffend die Erweiterung der Jewish Agency begrüßt wird. Zum Vertreter des litauischen Judentums im niaitzlonistisehen Teil des Council der Jewish Agency wurde einstimmig der Direktor der Jüdischen Zentralbank Dr. Origer! W o! f, zu seinen Stellvertretern wurden Bankdirek» tor Dr. M, Krewer und der Industrielle Nurok gewählt. Als nichtzionistischer Vertreter Jugoslawiens Im Council der Jewish Agency wurde von der Exekutive des Oemeindebundes Jugoslawiens der Großrabbiner Jugoslawiens, Dr. Isak Aikalay, gewählt. Am 30, Juli findet in R i g * die Palästinakonferen? der I e 11» ländischen Juden zur Wahl eines Vertreters in den juchtzionistischen Teil des Council der Jewish Agency statt. Al» Kandidaten kommen in Betracht der gegenwärtig in Lettland lebende berühmte russische Rechtsanwalt und Verteidiger von Beilis A. Grusenberg und der Profess«■ der lettländische« Universität Saul Minz. Palästinenser beim InternaQonalesi Jagendtreüen Weltkongreß der jüdisch-sozialistischen Jugend Wien, 14. Juli. (J. T, A.) Zu dem hier stattfindenden inter* nationalen Jugendtreffen, veranstaltet von der sozialistischen Jugendinternationale, sind 30 Mitglieder palästinensischer Ju» gendorganisationen eingetrpffen, Außerdem beteiligten sich an dem Jugendtreffen einige hundert poale-zionistische Jugendlieh« aus Wien und aus allen Lindern Europas. Ein Mitglied der palästinensisch-sozialistischen Jugendgnippe begrüßte die bei der Eröffnung des Jugendtreffens auf dem Heldenplatz anwesenden 50 000 Jugendlichen in hebräischer Sprache, Die hebräischen Worte wurden durch das Megaphon über den ganzen Platz getragen; gleichzeitig wurde auf dem Burgtor die Fahne der jüdisch-sozialistischen Jugend Palästinas gehißt. Jn dem an die Eröffnung sich anschließenden Zug erregt die palästinensische Gruppe großen Aufsehen und gab zu Sympathiekundgebungen Anlaß, Die jungen Palästinenser zogen durch die Stadt In blau-wetßerKleidung und sangen hebräische Lieder. Im Anschluß an das internationale Jugendtreffen begann am 15. Juli der Weltkongreß der jüdiaeh-sozia- Hstischen Arbeiterjugend. Auf der Tagesordnung stehen zionistische und sozialistische Probleme, Fragen der Chaluzbewegung, Pfadfinderwesen und Arbeiteriport, In PalSstins werte■ keile le&rer enflsssen Der Verband der hebräischen Lehrer Palästinas gab zu Ehren von Miß Henrietta Szofd, Mitglied der Zionistischen Exekutive, die sich zur Teilnahme am XVI, ZlonistenkangreB nach Zürich begeben hat, einen Empfang, ln dessen Verlauf Miss Szold die Lage des zionistischen Erziehungswesens darlegte und ausführte, daß das zionistische Schulsystem noch immer nicht auf ein er ge!ic he rten materiellen Grundlage ruht und daß noch viel Arbeit und Opfer erforderlich sein werden, bevor die Sicherheit erreicht sein wird. Dennoch habe sie die Freude, mitteilen zu können, daß ln diesem Jahre die Lehrer der hebräischen Schulen nicht mehr wie in früheren Jahren vor Beginn des neuen Verwaltung!- jahrcs die übliche Kündigung, ule der Exekutive freie Hand sichern soll, erhalten werden. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde von Lemberg hat mit 6 gegen 5 zionistische Stimmen Dr. C h a j e s, einen Führer der assimilatorischen Richtung, an Stelle des zurückgetretenen Professors Allerhand zum Präsidenten der Gemeinde gewählt Die Zerstörung Jerusalems Von | H'ä'it's ׳Delbrück “| Unter dem Titel ״Die Weltgeschichte für Alle“ erscheint im Verlage Otto Stollberg, Berlin, auf Gruud der grossen ״Weltgeschichte“ von Hans Delbrück ein Geschichts-Volksbuch (S EM). Mit Erlaubnis des Verlages sind wir in der Lage, das Kapitel ״Die Zerstörung Jerusalems“ p/m Vorabdruck ןu bringen Es wird gewiss interessieren, wie der soeben verstorbene grosse Historiker das jüdische Altertum sah. Red. Vespasiait war mit der Niederwerfung eines jüdischen Aufstandes beschäftigt, als die syrischen Legionen ihm den Purpur verliehen. Wie ist der jüdische Krieg entstanden? Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil hatte das Judentum eine neue Verfassung angenommen. Die Juden bildeten einen Kirchenstaat mit einem Hohenpriester an der Spitze, hatten ihre religiöse Selbständigkeit, standen aber unter der politischen Oberhoheit der Perser. Dieser Zustand änderte sich auch nicht, als die persische Herrschaft nach Alexanders Siegen durch die mazedonische und nachher durch die ägyptische ersetzt wurde. Die Juden behielten unter Alexander und unter den hellenistischen Ptolemäern Ihre religiöse Sonder- Stellung; sie erfreuten sich bei den Griechen einer besonderen Wertschätzung. Eine große jüdische Diaspora breitete sich über den ganzen Orient aus, besonders in den großen Städten AegyPtens, Syriens, Kleinasiens. Die Griechen fanden hier das Ideal vollendet, das ihre großen Philosophen sich vom Staate und Volke gebildet hatten. Die Juden waren in den Augen der Griechen ein Volk von lauter Philosophen; der jüdische Weltgott zeigte große Verwandtschaft mit dem höchsten geistigen Wesen, von dem Plato, Aristoteles und die Stoiker gesprochen hatten; die strenge Lebensordnung, welche die Juden sich in der Verbannung gegeben hatten, erinnerte die Griechen an die pythagoreische Lebensweise und an den Bund, den der alte Philosoph gegründet hatte. Anderselts fanden auch die Juden, daß die Anschauungen des Aristoteles ihren religiösen Ueberzeugungen nicht unähnlich seien; sie lernten die griechische Sprache, übersetzten für die der hebräischen Sprache nicht mehr mächtigen Diaspora-Gläubigen das Alte Testament ins Griechische und schrieben die apokryphen Bücher sogar schon im Urtext griechisch. Die Septuaginta, im dritten und zweiten vorchristlichen Jahrhundert entstanden, brachte die hellenische Welt mit der altteatamentlichen Offenbarung ln Verbindung. Eine Aenderung trat ein, als Antiocht» III. von Syrien, der später von den Römern bei Magnesia besiegt wurde, sich Judäas bemächtigte (198). Er und seine Nachfolger verfolgten das Judentum in Palästina, verboten den Jahwe* dienst, die Sabbatfeier und die Beschneidung, und zwar aus politischen Gründen, weil nämlich die altgläubigen Juden nach wie vor zu Aegypten hielten, während die Syrer an der helle« nistischen Partei der Juden eine Stütze fanden. Die Priesterschaft und die fromme Bauernschaft empörten sich über diese Bedrückungen unter der Führung des Mathatias und seiner fünf Söhne, deren bedeutedster Judas Makkabäus war. Die Makkabäer erkämpften ihrem Volke, indem sie den ägyptischsyrischen Gegensatz und dynastische Parteiungen im Seleukiden» reiche ausnutzten, die religiöse und politische Freiheit, Als das Seleukiden-Reich sich auf löste, machten die Juden durch gemietete Söldner auch Eroberungen, gerieten aber dadurch in Konflikt mit dem Wesen der geistlichen Gemeinde. Der Patriotismus des regierenden Priestertums führte zu einer bedenklichen Verstrickung in rein weltliche Angelegenheiten; dagegen eiferten die Frommen im Lande, die von den Regie» renden statt Soldaten, Bündnissen und Kriegen das Wirken für den Kuftus ww das Geist? forderte«.'150 eofsliifdSit dirpar» feien der Sadducäer und der Pharisäer, die Anhänger der hm* rarehischen Regierungspartei und der religiös-sittlichen ideale, die Weltlichen und die Geistlichen. In dem hohenpriesteriiehen Königtum der Makkabäer oder Hasmonäer kamen auch ttnfähige Leute auf den Thron; neben den sieh auch untereinander befehdenden Hastnonäern, in deren Streitigkeiten Pompe ju* eingriff, kam eine Hausmeierfamlüe empor, die Idutnäer, denen schließlich durch Pompejus im Anschluß an den Mithridatisehen Krieg das Königtum übertragen wurde, Um die Parteigänger der Hasmonäer für sich zu gewinnen, heiratete der Idumäer Herodes eine Frau aus hasmonäiaehem Geschlecht, Marianne, Herpdes beschränkte die Macht der Hohenpriester auf die Leitung Im Obersten Rat, dem Synedrium. Als unter den Söhnen des Herodes Zwistigkeiten ausbrachen, machten die Römer Judäa zp einer römischen Provinz (7 n. Chr.) und ließen es durch römische Prokuratoren verwalten; ein solcher Landpfleger war Pontius Pilatus. Das Ergebnis ist also, daß die Juden ihre politische Selbständigkeit wieder verloren und unmittelbar durch die Römer regiert wurden, daß sie aber ihre religiöse Freiheit behielten. Die Römer übten die Herrschaft mit dem größten Entgegen» kommen; sic suchten zwischen den politischen Hoheitsansprüchen des RÖmertums und den religiösen Rechten des Juden» tums zu vermitteln, Die Anbetung einer Kaiserstatue wurde unter Caüguli nicht verlangt. Die römische Herrschaft war zwar eine politische Fremdherrschaft, aber keine religiöse Gewajtherrschaft. Die Juden lebten unter ähnlichen Zuständen wie zur Zeit der Perser, Mazedonier und Ptolemäer, Dennoch empfanden sie diese Verhältnisse jetzt anders. Der Heiden» zunehmende Empfindung der religiös-geistigen Ueberlegenhe! erzeugten eine Stimmung, die das weine Judenvolk zu der Vor■ Stellung brachten, sie könnten die Fremdherrschaft abwerfen, wenn sie nur wollten. Die Juden fühlten sieh als das auserwählte Volk Gottes; wie könne es Gottes Wille sein, daß sie unter der Herrschaft der Heiden stünde״? Träger dieser frommen Stimmung waren die Pharisäer; sie hielten die Messiashoffnung aufrecht. Um das Selbstgefühl der Juden richtig einzueehätzen, muß man sich gegenwärtig halten, daß allmählich *nicht weniger als 7»/« der ganzen römischen Be» völkerung jüdisch geworden sind, das sind etwa fünf Millionen Seelen. Anderseits hatte sich im römischen Volke ein starker Anti» semitismus herausgebildet. Die Weigerung jüdischer Sklaven, am Sabbat zu arbeiten und mit anderen Sklaven zusammen zu essen wurde als Ueberheblichkeit ausgedeutet. Die Verachtung des dürftigen römischen Götzendienstes wurde auch als eine Herabsetzung der griechisch-römischen Bildung aufgefaßt. Un» möglich kannten die Römer ihre altüberlieferte Kultur von einem asiatischen Völkchen als bloße Geistesverirrung ansehen lassen■ So machten sich Immer wieder die Heiden das Ver» gnttgen, den jüdischen Kultus zu verhöhnen, und so kam es ZU ununterbrochenen Reibungen; die Streitigkeiten führten tag» täglich zu Zwischenfällen. Jahrzehntelang wurde der Haß gegen das Judentum geführt. Man haßte sie nicht bloß, man fürchtete sie auch; die Welt wurde in den Augen der ־ Römer von Jahr zu Jahr jüdischer, Die Juden zogen alle ihre Kinder auf, während die heidnischen Völker viele aussetzten, und da» Proselytentum griff immer weiter um sieh. Niehl überlegte Führung, sondern der Fanatismus der Massen, der durch seinen Sohn Titus niedergeschlagen. Die Juden hatten das gegenseitige Kräfteverhältnis vollständig verkannt. Jeru» salem wurde zerstört, das Volk über dl« ganze Erde verstreut. _! :

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