Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 56 (19.7.1929)
- Date
- 1929-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 56, 19. VH. 1929 JUIDWGWE RÜNWCHAÜ Sehe 359 hi das Technikum eine Hochschule? ln Nr. hl der ,Jüdischen Rundschau״ haben wir einen Bericht über den Streit veröffentlicht, der zwischen, einem Teil der Lehrerschaft des Technikums in Haifa und der Verwaltung ausgebrochen ist. Wir haben darauf hingewiesen, daß dieser Streit zwar vielfach durch allerhand persönliche Momente geschürt wurde, jedoch einen sachlichen Hintergrund hat, nämlich die Frage des Charakters des Technikums, oh es eine Hoch schule oder mehr eine gewerbliche Fachschule sein soll, bzw. irgendein Mitteltypus. Wir haben im jenem, Artikel keine eigene, Ansicht geäußert, sondern lediglich die Argumente beider Parteien in kurzer Zusommenfassung einander gegenübergestellt und hinzugefügt, daß die Zionislische Organisation, wie schwierig die Entscheidung auch sein mag, sich doch nicht passiv verhalten und der Entscheidung nicht aus dem Weg gehen darf. Betreffs des konkreten Konflikts, der zum Austritt der vier Lehrer Baerwald, Badian, Großmann (nicht, wie der Druckfehler- Die Zukunft des Technikums Von Ing. Paul Grünberger, Jerusalem. Die Frage, welchen Charakter das Hebräische Technikum In Zukunft tragen soll, wird dem kommenden Zionistischen Kongreß zur Entscheidung vorliegen und ist Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen in den technisch interessierten Kreisen Erez-Israels. Es gibt zwei Anschauungen: Technische Hochschule oder Technikum als Ziel einerseits (hauptsächlich vertreten durch die Lehrer und Schüler des Technikums) und technische Mittelschule oder Gewerbeschule andererseits (vertreten von den meisten Ingenieuren und Architekten). Ueber die Grenzen des Landes sind bisher nur die Befürworter des Hochschulgedankens vernehmbar geworden; die oft sehr einleuchtenden Argumente der andern Gruppe wurden bis jetzt im Auslande nicht gehört. Wieviel wurde bei uns über die Notwendigkeit der Berufsumschichtung gesprochen und geschrieben. Wenn wir aber einmal Ausbildungsmöglichkeiten für unsere Jugend schaffen können, die wir einer späteren Berufsumschichtung nicht aussetzen möchten, vergessen wir schnell alle guten Lehren und Grundsätze und versuchen, die bekannte Pvramide wieder auf die Spitze zu stellen. Wir übernehmen das ganze Erziehungssystem, nachdem wir, aber nicht in Hinblick auf Palästina, erzogen wurden, und das, einmal begonnen, selbstverständlich als krönenden Abschluß des Weges von der Volksschule über die Mittelschule der Hochschule bedarf. Wir vergessen vor allem, daß das abgeschlossene Hochschul- Studium einer allerletzten Krönung bedarf: nämlich der Mögliehkeit, das erworbene Wissen im Lande nutzbringend verwerten zu können. Es dürfte immerhin einen brauchbaren Vergleichswert ergeben, wenn wir feststellen, auf wieviele Einwohner in einem hochentwickelten und industriereichen Lande wie z. B. in der Tschechoslowakei eine technische Hochschule entfällt. Wir haben dort für 15 Millionen Einwohner fünf technische Hochschulen (die Zahl ist dazu noch irreführend hoch, weil es In Prag und Brünn je zwei parallel arbeitende Hochschulen für Tschechen und Deutsche gibt). Wollten wir in Palästina eine Technische Hpppischule erjtajfen,,,so würije das!;Jwdgujen».'’ daß wir für vier mal weniger Einwohner (Gesamtzahl nicht nur Juden!) eine solche für notwendig halten; für sehr dringend notwendig, denn wir können bekanntlich nur knapp das Notwendigste schaffen; und die Schaffung und Erhaltung einer richtig arbeitenden Hochschule ist eine gar kostspielige Sache*). 1Die Zahl gibt zu denken, und es müßte ein viermal größerer Bedarf an wissenschaftlich geschulten Kräften, (die wir kurz Ingenieure nennen wollen) in den kommenden Jahrzehnten in Palästina nachweisbar sein, verglichen mit Mitteleuropa, um die Hochschulgründung zu rechtfertigen. Die nüchterne Betrachtung der Zukunftsmöglichkeiten aber zeigt, daß auch bei einem sehr raschen Tempo des Aufbaues der Bedarf an Ingenieuren recht spärlich sein wird. Greifen wir einige der wichtigsten Beispiele heraus. Vor allem das Baubüro der Zionistischen Organisation. Derzeit ist beinahe keine Bautätigkeit; das Programm für die nächste Bauperiode sieht Bauten im Umfange von etwa 100 000 Pfund vor. Wese Erweiterung der Bautätigkeit erfordert aber keineswegs eine Erweiterung des sehr bescheidenen Ingenieurstabes des Baubüros. Hingegen wird eine nicht unbeträchtliche Zahl von technischen Hilfskräften (die wir kurz Techniker nennen wollen) zur Leitung und Ueberwachung der Arbeiten notwendig sein. Sodann die Regierungsarbeiten. Das Bauprogramm der Regierung für die nächsten zehn Jahre ist viel umfangreicher als in den vergangenen Jahren. Daraufhin wurden jetzt die Baubüros der Abteilung für öffentliche Arbeiten erweitert, eine Ausschreibung von zwei Architekten- und einer Maschineningenieurstelle war in den englischen und palästinensischen Zeitungen veröffentlicht mit dem ausdrücklichen Vermerke, daß Mitglieder der englischen Ingenieurvereine, d. h. Engländer, bevorzugt werden. Selbst für den Fall, daß die Regierung sich entschließen sollte, die Absolventen unseres Technikums denen englischer Schulen gleichzustellen, wird im günstigsten Falle der jährliche Bedarf an Ingenieuren in keinem nennenswerten Verhältnis zur Absolventenzahl einer Technischen Hochschule stehen. Es wurden auch 3—4 Ingenieure als zeitweilige Unterbeamte eingestellt und damit ist der Bedarf auf Jahre hinaus gedeckt. Größer und stetig wachsend ist auch hier der Bedarf an Technikern. Die Regierung ist in der angenehmen Lage, ihn zum Teil von erfahrenen, längere Zeit im Lande tätigen Ingenieuren und Architekten decken zu können, die zu untergeordneten Arbeiten bereit sein müssen, falls sie es nicht vorziehen, das Land zu verlassen. Einige solche Zeichnerstellen erhielten auch Absolventen des ersten abgeschlossenen Kursus des Haifaer Technikums. Die Anhänger des Hochschul-Gedankens bringen neuestens gerade dies als eines Ihrer Hauptargumente: daß die meisten dieser Absolventen nach und nach Arbeitsstellen gefunden haben. Daß diese Stellen, von, ganz vereinzelten Ausnahmen abgesehen, keine Ingenieurstellen sind, sondern *) Interessant sind in dieser Beziehung Aeußerungen Prof. Dr. Siedlers in einem Referat (Baustoffe und Bauweisen) über die Verhältnisse an der größten deutschen technischen Bückingsstatte, der Technischen Hochschule in Berlin: ״Vieles kann nicht geschehen und wird nicht geschehen deshalb, weil die Mittel, die zur Entwicklung dieses Hochschulbetriebes notwenffig sind, für die Einrichtung der Baulaboratorien, für Versnchsfelder usw. nicht vorhanden sind und anscheinend nicht geschaffen «roden kämen." leufel in Nr. 52 daraus machte, Grünberg) und Neumann aus dem Lehrer-Rat geführt hat, haben wir gleichfalls jede Stellungnahme unsererseits vorderhand zurückgcslcllt und nur gefordert, daß eine objektive Untersuchung durchgeführt wird. Inzwischen, hohen verschiedeni Veröffentlichungen in dieser Sache dazu geführt, daß der administrative Leiter des Technikums, Herr Pernner, eine Beleidigungsklage gegen den früheren Direktor Ingenieur Hecker überreicht hat. Dieser Prozeß wird wohl nur die Frage der persönlichen Aktionen des Herrn Pcwsner, die. von Hecker ah inkorrekt bezeichnet worden waren, klären, ist jedoch für dos Gesamtprohlem belanglos und enthebt die Zionistische Organisation nicht ihrer Aufgabe einer gründliehen Prüfung. Auch ein uns neuerdings von den vier Lehrern zum Abdruck übersandtes neues Memorandum, das sich gegen das heutige Kuratorium wendet, bringt kein wesentlich neues Material und keinen Zeichner-, bestenfalls Technikerstellen, wird übersehen. Kann sich unsere an finanziellen Mitteln so arme Bewegung wirklich den Luxus erlauben, den sich kein Staat der Welt sonst gestattet, Poliere, Zeichner, Werkmeister und Bautechniker mit Hochschulbildung zu versehen? Die sonstigen technischen Arbeitsmöglichkeiten im Lande spielen gegenüber den genannten eine kleine Rolle. Sowirdz.B. die R u t e n b e r g - Elektrifizierung, die ihrem Ausbau entgegensieht, keineswegs die Begründung einer elektrotechnisehen Abteilung an einer Hochschule rechtfertigen. Man frage doch nach der Zahl der Ingenieure, die bei einem Ueberlandnetz ähnlichen Umfanges beschäftigt sind. Auch hier dasselbe Bild: einem verhältnismäßig großen Bedarf an Monteuren, Elektrikern und anderen technischen Kräften steht eine verschwindend kleine Zahl von Ingenieuren gegenüber. Aehnlieh sind die Verhältnisse bei allen anderen technischen und industriellen Unternehmungen privaten und öffentlichen Charakters im Lande. Es werden gewiß technische Arbeiten kommen, die schwierige Probleme überwinden müssen, z. B. die Arbeiten am Toten Meere, der Hafenbau. Für die Leitung soleher Arbeiten zieht man überall und wird es auch bei uns tun müssen, Spezialisten heran. Die Anhänger des Hochschulgedankens, denefi die angeführten Umstände mehr oder weniger bewußt sind, bringen häufig die Möglichkeit einer Unterbringung eines Teiles der Absolventen in den Nachbarländern vor. Aus vorstehenden Angaben hat sich zur Genüge ergeben, wie schwierig es ist, im Lande des Mandates genügend Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen; um wieviel schwieriger wird dies in den Nachbarländern sein. Jede größere Unternehmung bevorzugt naturgemäß Ingenieure aus ihrem Heimatsland und bringt sie auch meist gleich zu Beginn einer neuen Arbeit mit. Indessen gilt auch hier das gleiche, das über den Bedarf an technischen Hilfskräften für Palästina gesagt wurde. Das gleichfalls gerne in die Diskussion gebrachte Argument, denjenigen jüdischen Studenten, denen der Numerus clausus in ihren Heimatländern das technische Studium unrnöglieh macht, misse eine Technische Hochschule in Erez Israel so Schön' dieser Gedankte sein mag, praktisch von keinem Wert. Die ״Heimatländer" werden das an einer palästinensischen Hochschule erworbene Diplom nicht anerkennen — denn wozu haben diese Länder den Numerus clausus eingeführt? Doch nur, um den Juden die Ausübung dieser Berufe unmöglich zu machen. Bleibt also nur Palästina, über dessen kleines Aufnahmevermögen wir oben geschrieben haben.; , Die angeführten Beispiele haben uns gezeigt, daß der Bedarf an Ingenieuren die Gründung einer Technisehen Hochschule keineswegs rechtfertigt. Uns fehlen infolge unserer wirtschaftlichen Golusstruktur keineswegs Ingenieure, wohl aber alle übrigen Arten von technischen Kräften, geschulte Vorarbeiter, Poliere, Bauführer, Werkmeister, Monteure. Jeder Ingenieur, der im Lande praktisch tätig war, hat den Mange! an solchen Kräften schmerzlich gefühlt. Zwar fanden sich häufig genug unter unseren Arbeitern aufgeweckte und intelligente Jungen, denen man die Aufgaben übertrug, die sonst nur alten erfahrenen Praktikern übergeben werden. Aber wieviele Fehler wären vermieden worden, wieviel Nationalvermögen wäre erspart geblieben, wenn diese Nothelfer die notwendige Ausbildung gehabt hätten. Die Lage ist ganz klar und eindeutig: es gibt zu viele Ingenieure, der Bedarf wird nicht merklich wachsen, Nachschub aus dem Golus ist jederzeit möglich; es gibt nicht genügend Techniker aller anderen Abstufungen, an denen der Bedarf stetig wichst, Einwanderung solcher Kräfte ist nicht zu erwarten. Was ist daraus zu folgern? Es gibt nur eine Antwort: keine Technische,Hoch schule. Keine künstliehe Schaffungvon Intelligenzproletariat. Da die realen Gegebenheiten keine Möglichkeit für die Gründung einer Hochschule zulassen, begeben sich die Vertreter des Hochschulgedankens auf ein anderes Gebiet*): ״Der jüdische Student konnte und kann sich nicht damit begnügen, die technischen Wissenschaften auf dem Wege der ihnen gegebenen Formel zu erhalten, wie es auf den technischen Mittelschulen geschieht, sondern er will die wissenschaftliche Entwicklung und Ableitung dieser Formel begreifen und so imstande sein, in jedem Fall der Praxis selbständig den Weg der Lösung zu finden. Dazu kommt naturgemäß, daß er fühlt, wie die höhere akademische technische Bildung ihn als Menschen hebt und befreit und ihm auch im Wettbewerb des Lebens bessere Verdienstraöglichkeiten schafft.“ Auch die Lehrerschaft des Technikums, die von ihrem Beruf die idealste Auffassung hat, ist, da sie sich nur aus Akademikern zusammensetzt, gar nicht in der Lage, technischen Mitteischulunterricht zu geben, wenn sie ihr Bestes geben will“. Die Frage der Lehrerschaft, die gar nicht in der Lage ist, technischen Mittelschulunterricht zu geben, wenn sie ihr Bestes geben will, wollen wir nicht erörtern. Es ist dies jedenfalls kein sehr triftiger Grund für die Ausgestaltung des Technikums zur Hochschule. Zugegeben, daß ein Teil unserer Jugend den Drang nach wissenschaftlicher Erforschung der Grundlagen seines zukünftigen Berufes in sich fühlt, so muß es unsere Situation verwehren, auf Kosten der notwendigsten Bedürfnisse Palästinas diesen Drang nach wissenschaftlicher *) Prof. Alex Bärwald. Monatsschrift Palästina XII. Jahrg. Heft ijü. Gesichtspunkt hei, den wir nicht schon in dem Artikel in Nr. Iti mitgetrilt hätten. In Nr. 31 der ״Jüdischen Rundschau" wurde ein Aufsatz von Architekt Baerwald veröffentlicht, der siel, mit Entschiedenheit für den Typus einer Technischen Hochschule uusspridil. (Dies scheint übrigens sachlich keineswegs nur der Standpunkt der vier ״rebellieren.- den“ Lehrer m sein, sondern auch der großen Mehrheit der übrigen Lehrer.) Zu diesem Aufsatz sind uns eine Reihe von Aeußerungen zugegangen, die wir aus Raummangel bisher noch nicht veröffentlichen konnten. Da wir glauben, daß durch Rncrwntd die Befürworter der ״Hochschule ' ausreichend zu Worin gekommen sind, gehen wir nachstehend zwei grgneriwhc Aeulierungcn wieder, und zwar die Ausführungen eines Palästinensers, sowie einige Stellen aus einem Artikel eines in Deutschland lebenden Fachmanns, der in der allgemeinen Stellungnähme sich mit dem ersten Aufsatz fast vollständig deckt. Red. Ausbildung als Fundament unseres einzigen technischen Insti* totes zu postulieren. Uebrigens sollte die technische Mittelschule keineswegs nur fertige Formeln geben, der Unterricht kann auch dort den besonders begabten Schüler zum selbständigen tieferen Eindringen in die Grundlagen der Wissenschaft anregen. Wenn alljährlich an zwei bis drei der befähigsten Absolventen der Mittelschule Stipendien verliehen werden, um ihnen das Studium an einer der großen europäischen Technischen Hochschulen zu ermöglichen, so ist damit das Beste erreicht, was im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Mittel getan werden kann, um den Kontakt mit den letzten Errungenschaften aufrechtzuerlialfen. Vor allem aber brauchen wir jetzt im Lande Männer, die im richtigen Augenblick zupacken können, selbst wenn sie nicht die letzten Formeln kennen, die dem Geschehen zugründe liegen. Darum werden auch solche Leute allgemein anerkannt, geschätzt und — gut bezahlt. Denn auch auf diesem Markte herrschen Angebot und Nachfrage, die ״besseren Verdienstmöglichkeiten“. So zahlt z. B. die Regierung einem erstklassigen (jüdischen) Bauführer doppelt soviel, 40 Pfund monatlich, als durchschnittlich der (jüdische) wissenschaftlich gebildete Ingenieur bei ihr erhält, trotzdem dieser Mann keine Hochschule und auch kein Technikum absolviert hat. Ich will ausdrücklich darauf hinweisen, daß ich nicht über die Frage: Hochschule oder Technikum sprechen wollte. Beide steuern auf ein Ziel zu, das nicht in Betracht kommt. Ob einfachere oder schwierigere Aufnahmebedingungen, ob drei- oder vierjähriges Studium, ob dreifache Integrale oder bloß ״Grundbegriffe höherer Mathematik“ — das kann nicht die Frage sein. Ich spreche für die technische Mittelschule, Gewerbeschule. S1' e brauchen wir, besonders da wir wohl auf lange Zeit hinaus nur eine technische Lehranstalt werden haben können. Es ist hohe Zeit, daß der Kongreß den einzig richtigen Beschluß faßt und die Leitung des Technikums anweist, die von ihr, in vollständiger Verkennung der wahren Lage unternommenen Versuche in der Richtung zur Hochschule einzustellen timrm ־«# Bähft&rtfcftiß? 86• nottfwicffgen *&.׳־ zulenken. Gegen eine Hochschule Von Prof. Rosenfeld, Nürnberg. Wie schon oben erwähnt, können wir aus dem Artikel von Prof, Rosenfeld nur einzelne Gedankengänge wiedergeben. ... Die Ausführungen des Herrn Regierungsbaumeister Baerwald sind jedenfalls kaum geeignet. Zweifelnde zu bekehren. Zunächst wird behauptet: ״da sämtliche Lehrer aus technischen Hochschulen hervorgegangen und gar keinen anderen als akademischen, d. n. Hochschulunterricht geben können — —.“ Ist dem Berichterstatter nicht bekannt, daß nur eine ganz winzig kleine, äußerst strenge Auslese der Hochschulabsolventen in Europa als für ein Hochschullehramt geeignet befunden wird; und, daß die Lehrer aller technischen Mittelschulen, meistens sogar auch alller niederen Schulen Vollakademiker sind und sehr wohl und mit bestem Erfolg nichthochschulmäßigen Unterricht erteilen? Dann kommt der alte Fehler — der Sprung von der technischen Hochschule zur Handwerkerschule, als wenn nicht auch noch Zwischenschulen da wären. In Wirklichkeit aber haben sich beispielsweise in Deutschland, den Bedürfnissen der technischen Praxis entsprechend, drei technische Schulstufen entwickelt und sich sehr wohl bewährt: die Hochschulen zur Ausbildung von Diplomingenieuren, die höheren technischen Lehranstalten zur Ausbildung von Ingenieuren und niedere technische Schulen (nicht Handwerker- und Fortbildungsschulen) zur Ausbildung von Zeichnern und Technikern. Die Hochschulen verlangen Abitur, die höheren technischen Schulen sechs Mittelschulklassen und eine zweijährige Praxis und die niederen Schulen Volksschulvorbildung und eine vier- und mehrjährige praktische Tätigkeit. Die Studienzeit beträgt an den Hochschulen vier, an den höheren Schulen 21/2 und an den niederen Schulen 1V2 bis 2 Jahre.... ... Der Satz ״für unsere jüdische Jugend ist das Beste gerade gut genug“ gilt auch für die nichtjüdische Jugend und muß für alle Grade der Ausbildung gelten! Jedenfalls wird und muß der Unterricht auch an dyn technischen Mittelschulen so gegeben werden, daß der Absolvent auch neue Aufgaben, für die er keine Formeln auswendig gelernt hat, aus ihrem Wesen zu erkennen und ihre Lösung neu und selbständig zu finden“ imstande ist. Daß Mittelschüler da in der Regel versagen, ist eine Behauptung, die sich mit den Erfahrungen, die man in Deutschland mit Mittelschülern seit vielen Jahrzehnten gemacht hat, durchaus nicht begründen läßt. Ob Absolventen in der Praxis versagen oder nicht, das ist viel weniger vom Grad der Vorbildung als vom Grad der persönlichen Befähigung ah• hängig. Der Unterschied in der Mittel- und Hochschuiausbildüng besteht darin, daß die Hochschule die Vorbildung zu vermittein hat, die Ingenieure, persönliche Eignung vorausgesetzt, in leitenden Stellungen großer Betriebe, bei hochtheoretischen Arbeiten und als Forscher benötigen, während die technische Mittelschule Ingenieure für die Alltagspraxis vorzubilden hat. Das Leben aber, oder besser gesagt, die persönliche Fähigkeiten, sich Im Leben zur Geltung zu bringen, verwischt diese Grenze oft ganz gewaltig. Zum Teil rücken Mittelschüler, ja sogar Praktiker mit noch geringerer Vorbildung, in leitende Stellungen auf, während Hochschüler in ganz untergeordneten Stellungen alt werden. Nur ein Beispiel: erst kürzlich wurde ein Mittelschulabsolvent zum Hochschulprofessor berufen, 8er selbst niemals eine Hochschule besucht hat! Glaubt etwa Herr Baerwald, daß, seit es Handelstiochschulen in Deutschland gibt, nur Diplomkaufleute im Kaufmannsberuf zur Geltung kommen werden?