Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 55 (16.7.1929)
- Date
- 1929-07-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 55,!6. VII. 1028 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 353 Zur Konferenz der Wizo Wie wir bereits gemeldet haben, wird am, 22. Juli in Zürich die Weltkonferenz der Zionistischen Frauenorganisation (Wizo) eröffnet. Die Konferenz, die mehrere Tage in Anspruch nehmen wird, vürd ein Bild der Tätigkeit dieser Organisation auf den verschiedenen Gebieten, vor allem ein Bild der Fortschritte ihrer PatäslinaarbcU, geben. H'1> haben in der ,,Jüdischen Rundschau" wiederholt im Rahmen unscres Frauenblattes über die Tätigkeit, der und auch ihres deut* 5chm Landesverbandes berichtet. Wir zweifeln nicht, daß besonders unsere Leserinnen der kommenden Konferenz mit großem Interesse cntgegenschen. innerhalb der Wizo haben sich organisatorische Prohie mc dadurch ergeben, daß bereits vor ihrer Gründung und unabhängig von ihr, eine Reihe von Frauenorganisationen mit verwandten Zielen in einzelnen lländern existierten. Eine besondere Schwierigkeit bildet ferner das Verhältnis zwischen den selbständigen Frauenorganisationen Palästinas und der In Palästina arbeitenden Wizo. Bekanntlich beschäftigen diese organisatorischen Fragen seil langer Zeit die in dm verschiedenen Verbänden organisatorisch tätigen Frauen, während die weitere ()Öffentlichkeit begreiflicherweise itieniger Interesse für derartige Fragen hat, and nur wünschen kann, daß die, bestehenden Differenzen möglichst schnell beigelegt werden und der positiven Arbeit nicht im Wege stehen. Wir haben anläßlich dar Wizo-Konferenz eine Reihe von Beiträgen und Zuschriften erholten, die diesen Organitalionsfragen gelten. Es ist verständlich, daß bei solchen Gelegenheiten sieh gerade diejenigen zu Worte melden, die mit der bestehenden Ordnung unzufrieden sind. Wir gehen im folgenden drei dieser Einsendungen auszugsweise in ihren wesanU liehen Teilen wieder, wobei wir bemerken, daß diese Veröfj&ntlichung keineswegs eine Stellungnahme der Redaktion bedeutet■ Red. Palästinensische Frauenorganisationen und Wizo Von vielen zionistischen Frauengruppen werde ich ersucht, ihnen einen Bericht über den derzeitigen Stand der Beziehun* gen meiner Organisation, der Histadruth naschim 1 brioth und darüber hinaus der Moazat-ha-irgunim zur Wizo zu geben. Da ich nicht imstande bin, alle diese Anfragen im einzelnen zu beantworten und da es mir überdies passender erscheint, meine Auffassung der Lage in aller Oeffentllchkeit bekannt zu geben, habe ich die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ gebeten, mir den Raum für eine solche Darstellung zur Verfügung zu stellen. Wie bekannt, bemüht sich die Histadruth Naschim I brioth seit Jahren, eine Einigung mit der Wizo zustände zu bringen. Die größte Notwendigkeit für eine solche Einigung sieht die H. N. I. in folgendem: Sie betrachtet mit Genugtuung das Bestreben der wizo, eine Organisation der zionistischen Frauen aller Länder zu schaffen, und die Geldaufbringung unter den Frauen zu vereinheitlichen. Dieses Streben möchte sie in keiner Weise stören. Sie kann aber auf eine Sonderpropaganda im Auslande nur dann verzichten, wenn ihr die mittel, die sie durch den Verzicht auf eigene Propaganda verliert, durch die Wizo garantiert werden. Hierzu braucht sie ein bindendes Abkommen mit der Wizo, das ihr einerseits die zur Erhaltung und zum Ausbau ihres sozialen Werkes notwendigen Mittel sichert und ihr andererseits — da sie andere Aufgaben als die Wizo hat, nämlich die Fürsorge für Mutter und Kind, während die Wizo sich die fachliehe Ausbildung von Frauen und Mädchen zum Ziel gesetzt hat — sie nicht in ihrem Charakter als autonome Organisation behindert. Nachdem der von der H. N. I. propagierte Gedanke eines• Council als einigendes Band zwischen ihr, der Wizo und der Moazat-ha-Poaloth sich bei den zionistischen Frauen aller Länder durchgesetzt hatte, verlangte die Berliner Wizo-Tagung die Durchführung des Council bis zur nächsten Konferenz. Schritte, die in Palästina von beiden Seiten zur Durchführung dieses Planes gemacht wurden, blieben erfolglos. Die Mitglieder der Londoner Wizo-Exekutive, die Frauen Weizmann, Sieff und Eder entschlossen sich daher bei ihrer Anwesenheit in London, selbst Verhandlungen mit den palästinensischen Frauenorganisationen zu pflegen. An diesen Verhandlungen nahmen Vertreterinnen der europäischen und der palästinensischen Wizo-Exekutive, der Wizo Arazith (des in Tel-Awiw bestehenden Wizo-Vereins )und der Moazah-ha-Poaloth einerseits sowie 5 Vertreterinnen der 4. N. J. und der Moazat-ha-Irgunim, an die sie gebunden ist, teil. Der ganze erste Verhandlungstag war der Frage gewidmet, ob am Council H. N. J. oder Moazat-ha-irgunim teilnehmen solle, da letzteres von den palästinensischen Vertreterinnen, die einer Zusammenfassung aller palästinensischen Frauenvereine eine große moralische Bedeutung beimessen, gefordert wurde. Gegen den Protest von Mitgliedern der Wizo Arazith wurde schließlich die Moazat-ha־!rgunim als Teilnehmer am Council anerkannt. Dann wurde über das Wesen des Council und seine Aufgaben beraten, der nach Auffassung der Wizo-Exekutive ein Instrument der Wizo sein soll, die der Wizo-Konferenz Vorschläge für ihre künftigen Arbeiten in Palästina zu machen hat Am zweiten Verhandlungstage machten die Londoner Wizo- Mitglieder den Vorschlag, «laß die Wirft das volle Budget für das Säuglingsheim übernimmt, das in Zukunft im Namen der Wizo una FL N. J. unter Leitung eines Komitees aus beiden Organisationen geführt werden soll. Dagegen sollte sich die H.. N. J. zum Verzicht auf die Errichtung ähnlicher Institute und die Moazat-ha-irgunim zum Verzicht auf jede Propaganda im Auslande verpflichten. Dieser Vorschlag erschien den palästinensischen Frauen unannehmbar. In einer dritten Sitzung machte Frau Sieff folgende Vorschlage: Die Moazat-ha-Irgunim bildet zusammen mit Wizo und Moazat-ha-Poalot einen provisorischen Council. Diesem wird eine Liste der Institute der in der Moazah vereinigten Organisationen vorgelegt, und die Wizo wählt daraus ein oder einige der in ihr Arbeitsgebiet passenden Institute. Diese werden gemcincam von Wizo und H. N. J. (Frau Sieff glaubte, sich in bezug auf die Institute auf H. N. J. beschränken zu können) geführt, werden aber nur von der Wizo finanziert. Hierfür verdichtet die Moazat-ha-Irgunim auf eigene Propaganda im Auslande. Am Council nehmen Moazat-na-Irgunim, Wizo Arazith und Moazat-ha-Poalot mit gleicher Stimmenzahl teil, außerdem eine Vertreterin der Wizo-Exekutive ohne Stimmrecht. Die Vertreterinnen der H. N. J. und Moazat-ha-irgunim nahmen diese Vorschläge als Verhandlungsbasis an mit folgenden Bedingungen: 1. Das Budget, d'as die Wizo als Entgelt für den Verzicht eigener Propaganda der Moazah garantiert, darf nicht so bemessen sein, daß es den palästinensischen Org!nisationen jede Möglichkeit eines Ausbaues ihres sozialen Werkes raubt. 2. Um das moralisch wertvolle Prinzip der eigenen Verantwortiiehkeit Palästinas für seine Institute weiter zu verfolgen, gibt die Wizo für Institute, an denen sie sich beteiligt, 75°/0, die palästinensische Organisation 25 0/0 des Budgets. 3. Die Wizo- Konferenz soll darüber entscheiden, ob wirklich der Council der palästinensischen Frauenorganisationen auf der Wizo-Konferenz der zionistischen Frauen keine direkte Vertretung haben soll. Auf diese Gegenvorschläge war bis zu meinen letzten Nachrichten aus Palästina eine Antwort der Wizo nicht erfolgt. Es muß hier noch gesagt werden, daß die Vertreterinnen der H. N. I. diese Verhandhwgsbwis angenommen haben, um endlich dem unfruchtbaren Streit ein Ende zu machen, obgleich sie in diesen Bedingungen eine Garantie für die gesunde Weiterentwicklung dessen, was in Palästina so hoffnungsvoll begonnen wurde: der selbständigen Organisierung der palästinensischen Frauen zu verantwortlicher sozialer Arbeit keines* wegs sehen. Ohne Annahme ihrer Gegenvorschläge erscheinen jedenfalls die Vorschläge kaum annehmbar. Vor allem erwarten die Palästinenserinnen von den Zionistinnen der anderen Länder, daß sie auf einer direkten Vertretung des Councils auf der Wizo-Konferenz bestehen, da sonst die eigenartige Lage entsteht, daß zirka 5000 organisierte, zum allergrößten Teile zionistische Frauen, für immer von den Beratungen der Zionistinnen aller Länder ausgeschlossen bleiben, wähnend ihre Vertreterinnen t. B. im Weltbund jüdischer Frauen Sitz und Stimme haben. Selbst wenn die Bedingungen der H. N. I. und Moazat-ha- Irgunim angenommen werden, bleibt die Situation in Palästina schwierig. Nachdem die H. N.!. nun einmal bereits als große Landesorganisation besteht, ist kein Spielraum für eine zweite Landesorganisation - was die bisher nur in Tel-Awiw bcstehende Wizo Arazith ja werden soll — vorhanden, und das Nebeneinander der beiden muß zu einem ewigen Widerstreit führen. Solange die Arbeitsgebiete von Wizo und H. N. I. ganz getrennt waren, bestand vielleicht eher die Notwendigkeit für zwei verschiedene Organisationen. Heute, wo auch die Wizo für soziale Arbeit Propaganda macht, müßten logischerweise dies ist die Meinung der Unterzeichneten — Moazat-ha-Poalot und Histadruth Naschim Ibrioth oder Moazat-ha-Irgunim gemeinsam die palästinensische Wizo ersetzen. Helene Hanna Thon (z. Zl. Starnberg). Die Organisation der Wizo Nachstehende Ausführungen sind (in gekürzter Form) einem längeren Aufsatz entnommen, den uns Frau Dr. S. fl. Polak van Cleef in» Narnm des ,Jüdischen Frauenvereins für praktische Palästina-Arbeit in Holland)‘ zusendet. Eine Frage, die die bevorstehende Wizokonferenz stark beschäftigen wird, betrifft das Verhältnis der zionistisehen und der neutralen Frauenfederationen In der Wizo. Schon seit einigen Jahren kämpft die Wizo mit diesem Problem; die Vorschläge, die die Kommission zur Beseitigung der Schwierigkeiten macht, sind unzureichend und Würfen eine noch größere Verwirrung hervorrufen als augenblicklich schon herrscht. Was bedeutet eigentlich in einer sogenannten Zionistischen Organisation die Unterscheidung zwischen zionistischen und neutralen Mitgliedern und die au! dieser Verschiedenheit basierende Abhaltung von zwei verschiedenartigen Konferenzen, auf denen die positive Macht in Händen des Zionistischen Blocks liegt? Was bedeutet für eine zionistische Frauen- Organisation die Schaffung eines ״Councils“ in Palästina, worin neben Abgeordneten der Histadruth Arzith (Wizo in Palästina) auch Mitglieder der Histadruth Naschim (der auf sözialem Gebiet «beitenden Frauen) und der Moazath Hapöaloth <der Arbeiterinnenorganisation vertreten sind, so daß die WiZo auch die Arbeit dieser beiden letztgenannten Frauenorganisationen in ihr Programm aufnehmen wird? Eine spezielle Frauenorganisation hat innerhalb der Zionistischen Weltorganisation die von Anfang an Männern und Frauen gleiche Rechte eingeräumt hat, keine Existenzberechtigung. Jede Zionistische Frau hat die Pflicht im Rahmen der Zionistischen Organisation ihre Aufgabe zu erfüllen. Wie sie dieser Aufgabe (ihren weiblichen Eigenschaften entsprechend) am besten gerecht wird, Ist ihre Sache; aber eine besondere Frauenpolitik kann und darf nicht geführt werden. Diese Meinung wird durch die Tatsachen bekräftigt. Die Wizo nämlich, die sich ״Zionistische Frauenorganisation“ nennt, umfaßt neben den zionistisch eingestellten Frauen eine große Anzahl von Mitgliedern, die einen neutralen Standpunkt einnehmen, und die sie durch unzählige Kompromisse zu vereinigen trachtet. Für dieses Problem wird sie niemals eine Lösung finden, so lange sie sich nicht selbst von Grund auf reorganisiert. Es ist die Aufgabe einer Frauenorganisation, den konstruktiv-nationalen Aufbau durch die Frau in Palästina zu leiten und zu unterstützen. In einer solchen Organisation müssen zionistische und nichtzionistische Frauen auf vollständig neutraler Grundlage Zusammenarbeiten können, weil sie auf kein politisches Ziel hinarbeitet. Die Institutionen, die die Wizo in Palästina errichtet hat, erfüllen mit einer geringen Ausnahme den durch uns geforderten Zweck: konstruktiv nationale Frauenaufbau-Arbeit. Die Organisation selbst muß jedoch für ihre Gründungen verantwörtlich sein und bleiben und nicht einzelne oder mehrere davon einem Landesverband übertragen, wie das mit der landwirtschaftlkhen Schule in Nahalal und der Lehrfarm In Ness Zionall der Fall gewesen ist. Hierin liegt eine doppelte Gefahr: die Verantwortlichkeit der Organisation für die gesamte Frauen-Aufhau-Arbeit wird geschwächt, und es besteht ferner die Möglichkeit, daß eine Federation durch unvorhergesehene Ereignisse außerstande ist, ihren Verp Richtungen nachmkommen, wodurch die ganze Gründung verloren gehen kann. Und das ist ein Geefanr, der wir unser Werk in Palästina nicht aussetzen dürfen. Es sceint uns verkehrt zu sein, durch die Bildung eines Councils die Zusammenarbeit mit den sozial arbeitenden Frauen und der Arbeiterinnenorganisation in Palästina anzustreben. Für die soziale Arbeit muß die palästinensische Frau selbst sorgen, notfalls unter Heranziehung von individueller ausländischer Unterstützung; aber niemals eine Frauenorganisation, deren Zweck Aufbau-Arbeit ist. An dem Aufbau muß das ganze jüdische Volk, auch im Galuth, teilnehmen; die soziale Arbeit muß ln Palästina selbst geschehen. Nur so kann sich ein gesunder Zustand entwickeln. Von einem Zusammenarbeiten mit der Arbeiterinnenorganisation, die einen ganz bestimmten Endzweck vor Augen hat. muß abgesehen werfen; dieser Organisation kann und darf auch keine materielle Unterstützung zugewendet vverfen. Wir verwerfen die Bildung eines Councils, in welchem Frauen der Wizo, der Histadruth Naschim und der Moazath Hapaoloth Sitz und Stimme haben sollen, weil dieser Council notwendigerweise Anlaß geben würde zur Zusammenarbeit auf sehr verschiedenen Gebieten, zum Abweichen von dem einmal gestellten Ziele und zu mannigfachen Konflikten. Die Wizo will zu viel beginnen. Sie will zionistisch sein, zionistische Politik und Propaganda führen und daneben Frauen jeder Richtung umfassen, selbst solche, die soziale Galuth-Arbeit auf ihrem Programm haben. In Palästina will sie sich nicht auf die nationale Aufbauarbeit der Frau beschränken, sondern strebt darnach, durch den Council alle Frauenarbelt an sich zu bringen oder darin Mitbestimmungsrecht zu erhalten. Wir Frauen müssen auf die beste Art und Welse mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln die Frauen in Palästina für den Aufbau erziehen und sie heranbilden zu Frauen, die geschult sind für die Arbeit auf dem Lande und in der Staat, befähigt für ihre Aufgabe, bekannt mit den besonderen Anforderungen, die das Land an sie stellt und mit der Sorge für das Heranwachsende Geschlecht Wenn die Wizo, die ״Women International Zionist Organisation“, sich, den Tatsachen entsprechend, ln eine ״Warnen International Jewish Organisation“ reorganisieren wird, dann wird sie zu einer Organisation erblühen, die alle jüdischen Frauen umfassen und bei ihnen Teilnahme und Liebe für die nationale Arbeit erwecken kann. Nur dann kann der nationale Aufbau durch die Frau auf klarer Grundlage und im vollen Umfang erfolgen. Für den Jüdischen Frauenverein für praktische Palästinaarbeit in Holland Dr. S. fl. Polak van Cleef f. Der Council Das Folgende ist der (gekürzte) Schlußteil eines längeren Aufsat.-rs, dm wir leider aus Raummangel nicht vollständig abdrucken können. Wir glauben, daß aus den hier wiedergegebenen Absätzen die Anschauungen der Verfasserin Mar hervorgehen. Red. Was ist der Council in der jetzt vorgeschlagenen Form? Ein vom Gesichtspunkt der Wizo-Arbeit durchaus folgerichtig, aufgebautes Hilfsinstrument (und folgerichtig Ist von dieser Ein- Stellung aus auch die Hervorhebung der Histadruth Naschim anstatt der Moazah). Ein Hilfsinstrument mit beratender Stimme — man könnte sagen, mit einer, wegen des langen Instanzenweges, den seine Vorschläge zu gehen haben, nur sehr schwachen beratenden Stimme. Dieser Wunsch der Wizo nach engerem Zusammenhang tn i t und objektiver Orientierung durch Palästina ist außerordentlich anerkennenswert. Aber mir scheint, eine Spitzenorganisation von über 10000 palästinensischen Frauen hatte weitere Aufgaben, die stärker nach innen gerichtet sein müßten. Der Council der palästinensischen Frauen müßte eine autonome Spitzenorganisation sein. Mit starker Betonung der Kulturarbeit unter den Frauen, die heute wegen der Zersplitterung der Kräfte arg vernachlässigt wird, mit kon zeittrierfer Aufmerksamkeit für die brennenden Fragen der Er- Ziehung der Heranwachsenden Generation und der notwendigen Schulreform. In sein Programm gehört die Betonung der sozialen Arbeit, das Wort in seinem weiten Begriff als Arbeit an der Gesellschaft und dementsprechend als Arbeit an den schwachen Elementen dieser jüdischen Gesellschaft in Palästina, Aus dem Kreis dieses Councils müßte die Politisierung der Palästinenserin ausgehen, ihre Erziehung zum verantwortungsvolien Mitglied der Gemeinschaft. Im Council müßten — solange andere Instanzen unseres unentwickelten Gemeinwesens dafür nicht eintreten - alle sozialpolitischen Bestrebungen einen starken Rückhalt haben, die Sicherung der Arbeite• bedingungen und ihre wirksame Kontrolle, Berufsberatung, Berufsschulung und Arbeitsvermittlung für die Frau. Vom Council aus müßten alle Tendenzen gestärkt werden, die auf eine Erleichterung des ökonomischen Kampfes der Frau hinzielen, ihre Entlastung durch Umschulung, Wohnerleichterung, Sorge für das Kind. All dies unter dem Gesichtspunkt der eigenen und gegenseitigen Hilfe, niemals als Feld für fremden Betätigung»■ willen. Aber gerade diese Selbstverantwortung würde eine Korpersehaft scharfen helfen, die der idealste Ratgeber sein könnte. So ungefähr müßte der ideale Council tuttebeii. Diese weitergesteckten Ziele hätten nicht verhindert, daß man als Teilarbeit auch die Aufgaben einführt, die man dem neu beschlossenen Council zuschreibt. Aber die gar zu enge Begrenzung der Council-Aufgaben, von der man ausging, trug die Gefahr in sich, das gegenseitige ״Vertrauen zu lähmen und die Rivalität persönlicher und sachlicher Art auf engem Raum auteinanderstoßen zu lassen. Doch es hieße einen Teilerfolg gefährden, wenn man den eingeschränkten Council, von dem in schwieriger Annäherung bereits ein gewisses Bild entstanden ist, ganz ablehnen würde. Nur darf man, wenn wirklich an die Ausführung des Beschlusses gegangen wird, diese Form nur als ein organisatorisches Gerüst betrachten, um den Herum sich der umfassendere, vollkommenere und lebendigere Council kristallisieren soll. Lotte Hanemann. Heinrich Loewes 60. Geburtstag Wir haben schon in der vorigen Nummer aus der Feae eines alten Freundes und Mitkämpfers Heinrich Loewes kurz die Persönlichkeit des sechzigjährigen ewig jungen zionistischen Brausekopfs Heinrich Loewe gewürdigt, ln welchem Maße Loewe weit über den Kreis seiner zionistischen Freunde beliebt ist, beweisen die zahlreichen Ehrungen, deren Gegenstand «r an seinem Geburtstage war. Die großen Berliner Tageszeitengen, u. a. Tageblatt und Vossische Zeitung, würdigten Loewes wissenschaftliche Verdienste auf dem Gebiete der jüdischen Folklore. Die jüdische Presse Deutschlands beeilte sich, Loewes Wirken im Gemeindeleben der deutschen Juden hervorzuheben. Seine Mitarbeiter in der Berliner Jüdischen Gemeinde, in der Heinrich Loewe wegen seiner begeisternden Rednergabe und seiner jüdisch-historischen Kenntnisse allgemeine Wertschätzung auch bei Gegnern genießt, erschienen am Geburtstage in seiner Wohnung, um namens der Fraktionsgenossen Glückwünsche darnibringen. Die Fülle der an Loewe gelaufen Glückwünsche machte es unmöglich, die Namen aller derjenigen zu nennen, die des Jubilars an seinem Ehrentage gedacht hatten. Loewe ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie jung die Betätigung in einer idealistischen Bewegung zu erhalten vermag. Unermiidlieh und jugendfrisch bleibt Heinrich Loewe wie in der Zeit des vorherzlschen Zionismus eine der stärksten propagandistisehen Potenzen der jüdischen Renaissance in Deutschland. Wenn im deutschen Judentum im Laufe der letzten Jahrzehnte trotz aller zersetzenden Tendenzen doch eine erfreuliche Wendung zum Besseren, wenn auch bei einem der Zahl nach noch immer ungenügenden Teile der Judenheit festzustellen ist, so ist diese Tatsache nicht zuletzt dem Feuergeist Heinrich Loewe zu danken, der die Kunde vom jüdischen Volkserwachen durch alle Gemeinden Deutschlands und nicht nur Deutschlands trug. Noch einmal bringen wir dem Jubilar zu seinem Geburtstage die herzlichsten wünsche seiner engeren Freunde und Gesinnung*- genossen dar. Me Sinierung der Stadtverwaltung In Tel-Awiw Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Regierung Palästinas vorläufig zugestimmt, außer den 29 000 Pfund, die vor kurzem aus der Saiuld der Stadtverwaltung in Tel-Awiw abgesehrfeben wurden, weitere fällige 45 000 Pfund abzuschreiben. Der Entschluß der Regierung ist auf einen Antrag der Zionistischen Exekutive zurückzuführen, die sich ihrerseits bereit erklärte, 30000 Pfund, die die Stadt Tel- Awiw der Zionistischen Organisation schuldet, zu löschen. Der Rest der Gesamtschuld der Stadt Tel-Awiw wird, wie es heißt, für eine zehnjährige Dauer bei Zahlung von jährlich 25000 Hund amortisiert werfen.