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Jüdische Rundschau · 1929-07-16 · Heft 55 (16.7.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 55 (16.7.1929)
Date
1929-07-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 352 JU1DISCHC RUNDSCHAU Nr. 55, 16. VII. 1929 vor einigen Tagen meinen 70. Geburtstag gefeiert haben. Das harmonische Milieu und die freundlichen Ansprachen haben mir wirklich wohlgetan, und ich möchte mich hierdurch nachtrifflieh sowohl bei den Veranstaltern des gelungenen Festes als auch bei den Festrednern nochmals äufs herzhehtte bedanken. Auch alle Teilnehmer an dem Fest, die ich seitdem ge* sprechen habe, waren einstimmig der Ansicht, daß es ein send* ner Abend gewesen sei. Gleichzeitig möchte ich den Stiftern der schönen Festgabe sowohl in meinem Namen als auch in dem der Hebräischen Universität, der sie zugute kommen wird, meinem verbindlichsten Dank Ausdruck verleihen. Mit ausgezeichneter Hochachtung O. Warburg. Eduard Spranger Uber jüdische Haltung Vor kurz.cm veranstaltete -- wie die ״C.-V.-Zeitung“ mitteilt — die Deutsch-Jüdische Jugendgemeinschaft Berlin einen Ausspracheabend über Kulturprobleme der deutsch-jüdischen Jugend. Besondere Bedeutung erlangte der Abend durch die Teilnahme des bekannten Berliner Pädagogen und Philosophen Professor Eduard Spranger. Nach dem Hauptreferat von Dr. Ernst Heinrich Seligsohn führte Prof. Spranger (der ״C.-V.- Zeitung“ zufolge) u. a. aus: ״... Für die jüdische Jugend besteht keine andere Aufgäbe, als ihre Verwurzelung im Judentum so stark wie möglich zu machen. Das schließt die Teilnahme an der allgemeinen Entwicklung nicht aus. Im Gegenteil: nur wer etwas Eigenes zu geben hat, kann Tn der Welt wirken. Die Gestaltung des Verhältnisses zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen ist noch im Werden. Der Kampf, der sich auf dem Boden des Geschäftslebens oder der Politik abspielt, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist die Auseinandersetzung in der Geistes welt. Hier läßt sich ein erfreuliches Verhältnis feststellen; denn gerade der gebildete Nichtjude empfindet für eine bestimmte Art jüdischen Wesens Sympathie, so daß er zu seinem Freundeskreis meist Juden zählt. Einer anderen Art von Juden bringt er Abneigung entgegen. Der Unterschied der Wirkung beruht auf dem Grade der Echtheit, die der einzeine Jude besitzt. Nicht eine selbstverständliche Naivitat, vielmehr eine gesunde Selbstsicherheit muß an die Stelle von Gekränkt sein oder gar Minderwertigkeitsgefühlen treten. Um so stärker wird auch die Wirkung der jüdischen Eigenart auf die Umwelt sein.“ Die Ausführungen Professor Sprangers sind auch für uns außerordentlich interessant, well sie eine Bestätigung der zionistischen These sind, daß nur bewußte Betonung des Judentums und stolzes Bekenntnis zu ihm auch die Neben- Wirkung haben kann, die Achtung vor Juden und Judentum zu erhöhen und dadurch einen Modus vivendi zwischen Juden und Nichtjuden zu schaffen. ״Abwehr des Antisemitismus“ als Selbstzweck muß vergeblich sein und In den allermeisten Fällen sogar die Achtung vor jüdischer Würde vermindern. Wir wissen nicht, ob in der Diskussion, die offenbar eine interne Veranstaltung war, auch der Zionismus erwähnt wurde, Prof. Spranger hat bereits bei früheren Anlässen sich sehr verständnisvoll über den Zionismus geäußert. Daß in einer nichtziotiistischen jüdi- '-'5scher»■ Jugendveranstaltung heute einederarrige Stellungnahme möglich ist, unld daß in diesen Kreisen den in der ״C.-V.- Zeitung“ zitierten Ausführungen Sprangers offenbar zugestimmt wird, dürfen wir als ein interessantes und erfreuliches Zeichen der Zeit begrüßen. SemesterseMoB In Jerusalem Universitätstagung in Zürich, 18. August Jerusalem, 12. Juli. (J.T.A.) Dr. J. L. Magnes, der Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem, hat am 10. Juli bei der Semester-Schlußfeier eine Ansprache gehalten, in der er folgende Mitteilungen machte: Die Universität wurde im Wintersemesfer von 241, im Sommersemester von 219 Studenten besucht. In zwei Jahren werden die ersten Graduierten-Prüfungen stattfinden. Die Kinder von Felix Warburg haben Stipendien für öffentliche Gesundheit, die Boston Palestine Scholarship Association hat ein Stipendium für Philosophie, die Sigma Alphamu Fraternity eines für Studium der Klassiker errichtet, und der frühere amerikanische Botschaft«• in der Türkei, Elkus, hat einen Preis für Rhetorik gestiftet. Vom 18.—-23. August werden in Zürich Beratungen des Akademisehen Rates und des Kuratoriums der Hebräisehen Universität stattfinden. Zur Erwägung steht u. a. die Errichtung von Kursen für Nichtgraduierte in Biologie und einer Schule für Graduierte in subtropischer Medizin, wozu außer dem bisherigen Budget von 51 000 Pfund noch ein Zusatzbudget von 18 000 Pfund notwendig ist. Es wurde beschlossen, den von der jüdischen Gein e i n d e Berlin bewilligten jährlichen Zuschuß von 15 000 M. für einen Lehrstuhl für soziale Wissenschaften mit Dank an-!!nehmen. Der Adolf Weißmann• Gedächtnisf onds für Förderung der Musik in Palästina hat seine Wirksamkeit begonnen. Es wird beabsichtigt, einen Wald und einen Botanischen Garten an der Universität aus Anlaß des 70. Oe* hurtstags von Professor Otto Warburg, anzulegen. Df. Magnes reist im Herbst nach Amerika. / Ein Ludwig Mond-Lehrstuhl Ifir Chemie? Jerusalem, 12. Juli. (J. T. A.) Hier verlautet, daß Lord Melchett und sein Bruder Robert Mond die Absicht haben, an der Hebräischen Universität in Jerusalem einen Lehrstuhl für Chemie zu errichten, der den Namen ihres verstorbenen Vaters, des einst berühmten Chemikers Ludwig Mond führen soll. Die ״Imperial Chemical Industries“ (engl. Chemie-Trust, deren Vorsitzender Melchett ist) erhalten seit Mai am Laboratorium für angewandte Chemie der Universität eine Asslstentin, Irma Jaffe, und leisten der Universität ein Entgelt für die benutzten Materialien. Frankreich und die Tote Meer-Konzession London, 14. Juli. (J. T. A.) Reuter verbreitet eine Mitteilung, in der hinsichtlich der Pressemeldungen, daß die Französische Regierung der britischen Regierung als der Mandatarmacht Palästinas zur Kenntnis gebracht hat, daß sic die Frage der Gültigkeit einer von französischen Staatsangehörigen noch vor dem Kriege erhaltenen Konzession zur Ausbeutung der Kalischätze des Toten Meeres vor den Haager Internationalen Gerichtshof z u bringen bcabsichtige, erklärt wird, daß die britische Regierung niemals die Gültigkeit dieses Vorkriegsanspruchs anerkannt hat. Die britische Regierung hat auf den Vorschlag der französischen Regierung, die Angelegenheit vor den Haager Gerichtshof zu bringen, noch keine Antwort erteilt Der Palästina * Beridki der britischen Regierung Besserung der Lago gegen Jahresende und Oeffnung der Tore für Neueinwanderung. Genf, 5. Ja«. (J.T.A.). Die britische Regierung als die Mandatarmacht Palästinas hat der gegenwärtig In Genf zusammengetretenen Ständigen Mandatskommission des Völkerbunds einen Bericht über die Lage und Arbeit in Palästina im Verlauf des Jahres 1928 übergeben, der ln seinen Hauptziigen die folgenden Feststellungen macht: Die wirtschaftliche Lage in Palästina war während des Berichtsjahres nicht befriedigend. Trockenheit und Heuschreckeninvasion drückten aut die Landwirtschaft, die Wirkungen der Viehseuche des Jahres 1926 waren noch nicht überwunden. Regenknappheit im Winter 1927/28 und heiße Luftströmungen zu Frühlingsbegiren verschuldeten zu einem großen Teil den Rückschlag in den Winter- und Sommerernten im nördlichen Distrikt und in der Jerusalemer Region. Die Lage der Landwirte war ernst genug, um ein großes maß von Hilfe seitens der Administration zu rechtfertigen. Jn Einzelfällen wurde die Leistung des Zehent, der durch eine entsprechende Steuer abgelöst ist, fast ganz erlassen; wo der Rückschlag weniger ernst war, wurde die Zehent-Leistung zum Teil gestundet. Ferner beschloß die Administration, in solchen f allen auf Zahlung von Raten für landwirtschaftliche Anleihen nicht zu drängen. Von Zinsenberechnung für verzögerte Zahlungen des abgelösten Zehent wurde abgesehen. Diese Maßnahmen wurden ergänzt durch positive Hilfeleistung in der Form der Vergebung von Baranleihen und von Warenvor- Schüssen an Landwirte im Gesamtbeträge von 20000 Pfund, die aus der Ernte 1929 zuzüglich 5 ״> Zinsen rückzahlbar sind. Die jüdischen Bauern erhielten Anleihen im Ausmaß von £ 2500. beiter nicht zugelassen werden Nach anderer Richtung hin litt Palästina in den Winter- und Vorfrühlingsmonaten immer noch unter den Nachwirkungen der unökonomischen Einwanderung von 1925. Nachdem zu Beginn des Jahres 1928 5000 jüdische Arbeitslose gezählt wurden, durfte eine neue Zuwanderung ungelernter Arbeiterr nicht zugelassen werden. Die Zionistische Exekutive Palästinas steht der Situation mit Zuversicht gegenüber. Sie war mit Hilfe anderer jüdischer Institutionen in der Lage, einen wesentliehen Teil von Arbeitslosen bei Unternehmungen unterzubringen, was eine Ausgabe von 25000 Pfund erforderlich machte.. Auf diese Weise war es der Exekutive möglich geworden, Ende März die Arbeitslosenunterstützung einzustellen. Die Administration ihrerseits griff dem normalen Programm der öffentlichen Arbeiten vor und führte gewisse Hilfsarbeiten durch, außerdem wurde eine Anzahl von Arbeitslosen von privaten Unternehmungen absorbiert. Dies alles hatte zur Folge, daß eine Krisis vermieden wurde und es zum Jahresende nur noch etwa 1700 Arbeitslose gab. Hand in Hand nilt diesen Maßnahmen war etae Aus- Wanderungsbewegung solcher Elemente festzusteilen, für die keine Aussicht bestand, sich in befriedigender Weise in Palästina zu verwurzeln. Unökonomische Unternehmungen wurden entweder geschlossen oder auf gesünderen Grundlagen wieder errichtet Gleichzeitig war eine positive Entwicklung in mehreren Richtungen zu verzeichnen. Die Zahl der O r a n g e n- Plantagen und der Umfang desaufgeforstetenOebi et es erhöhten sich. Fabriken erweiterten ihre Betriebsanlagen und erhöhten ihren Absatz. Die Bautätigkeit wurde erneuert! der Touristenverkehr ausgedehnt. Gegen fcnde des ״*־jaWi5 #«* --«Bf Stadftinritniger 'mmtrmg1■ «webt/ w־'daß man sich entschied, die EinWttBdentng von Arbeitskräften zu begünstigen. Was die politische Atmosphäre betrifft, ging das Jahr in Ruhe vorüber, wie das gleiche auch in dem Bericht für 1927 vermerkt wurde. Die wachsende gegenseitige Toleranz zwischen Juden und Arabern wurde nur durch den unseligen Zwischenfall am Versöhnungstag an der Klagemauer in einem gewissen Maße verzögert. Keinerlei Schritte wurden ergriffen, um eine repräsentative gesetzgebende Körperschaft zu errichten. Das Hauptmerkmal in dar Entwicklung des Jüdischen Nationalheims ist der Bericht der von der Zionistischen Organisation gemeinsam mit den Führern der nichtzionistischen Juaenheit Amerikas eingesetzten Joint Survey Comm i 8 s i 0 n. Das von dieser Kommission 1927 nach Palästina entsandte Komitee der Sachverständigen unterbreitete Vorschlage zur Schaffung einer praktischen Entwicklungsbasis für die Landwirtschaft, für Verwaltung des Nationalheims, für Finanzen und Einwanderung. Auf Grund dieser Vorscniäge stellte die Kommission einen Bericht her, der die Grundlage der Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten an der Entwicklung Palästinas zu sein hat. Als Erwiderung auf den ersten Punkt im Fragebogen der Ständigen Mandatskommission: Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um das Land unter solche politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen zu stellen, die die Errichtung des Nationaiheims für das jüdische Volk sichern? — verweist die Regieurng auf die bereits gegebenen Erklärungen und fügt hinzu: Mit Aegypten wurde, hauptsächlich auf Veranlassung und zum Nutzen der jüdischen Tabakpflanzer, ein Handelsabkommen mit Meistbegünstigungs- Klauseln hinsichtlich Zolltarife geschlossen. Zum Besten Palästinas wird an dem Handelsvertrag mit Jugoslawien festgehalten. 2178 jüdische Einwanderer kamen im Berichtsjahre nach Palästina. Auf Ersuchen der Jewish Agency gewahrte die Administration 600 Einwandererzertifikate auf Grund der Arbeitsliste für das am 1. Oktober begonnene Halbjahr. 4500 Bürgerschaftszertifikate wurden jüdischen Einwanderern gewährt. Im Dezember wurden weitere Vergünstigungen an jüdische Industrien in Form eines neuen Tarifs von Importschutzzöllen und einer neuen Liste von zollfreien Rohmaterialien gewährt. Das Standing Committee für Handel und Industrie und die Ausschüsse für Hafen, Wege und Eisenbahn kamen den jüdischen industriellen und landwirtschaftlichen Unternehmungen entgegen. Die Regierung bewilligte dien Schulen der Jewish Agency einen Jahreszuschuß von £ 20.000. Zwei weitere jüdische Unterrichtinspektoren wurden 1928 eingestellt. Etwa £ 1000 wurden anderen jüdischen Schulen gewahrt Die Regierung gab £ 4000 für Vollendung des Stadt Hospitals von Tel-Awiw aus und trägt für eine dreijährige Dauer jährlich £ 2000 zu der Erhaltung dieses Hospitals bei. In Verbindung mit jüdischen Aerzten traf die Regierung vorbeugende gesundheitliche Vorkehrungen innerhalb des Komplexes jüdischer Siedlungen im Tale Jesreel. Ehe Regierung führte Arbeiten zur Abnilfe jüdischer Arbeitslosigkeit durch und bewilligte £ 350 der Pica für die Herstellung eines Weges von einer ihrer Kolonien nach der Eisenbahn. Der Beginn der Landvermessung und die nochmalige Abschätzung städtischen Besitztums sind administrative Maßnahmen von beträchtlicher Wichtigkeit für die jüdischen Einwohner; die Landvermessung wird jene Sicherheit von Urkunde und Besitz schaffen, 011 ne die eine landwi tschaftliehe Entwicklung schwierig ist; die städtische Besitztumsaufnahme wird mit den Ungleichhdten der veralteten tür* kischen Schätzung auf räumen. Das Statement der Regierung hinsichtlich der Beisan-Böden war dazu bestimmt, die Erwerbung überschüssiger!Fichen für jüdische kolonisierende Körperschaften In dieser fruchtbaren Region zu erleichtern. Ein wertvoller Fortschritt wurde in der Organisation der jüdischen Gemeinde erzieh. Die Veröffentlichung der Register der Mitgliedschaft fand Januar 1929 statt Bezüglich des Punktes im Fragebogen, In welcher Weise die Jewish Agency die Administration beraten hat, wird festgestellt, daß die Jewish Agency Vorstellungen bezüglieh Lanawlrteschutz, Unterricht, Zölle, Ablösung des Zehent, städtische Grundsteuer, Eisenbahnverordnung und Revision der Verordnung betreffend die Einwanderung won Personen mit eigenen Mitteln unterbreitet hat. Sie legte fauch den Bericht der Joint Survey Commission zur Erwägung vor. Die Berichte der Experten bilden eine meisterliche und erschöpfende Uebersicht über die wirtschaftlichen Verhältnisse besonders auf dem Gebiete landwirtschaftlicher Kolonisation und enthalten unzählige autoritative Anregungen und Vorschläge von unmittelbar praktischem Wert. Die Jewish Agency legte der Administration nahe, 600 neue Arbeiter für das Halbjahr Oktober 1928 bis März 1929 einwandern zu lassen; dies wurde gewährt. Die Jewish Agency gab im ersten Vierteljahr 1928 £ 29.300 für Arbeitslosenunterstützung aus. Keineinziger arbeitsloser Jude fiel den Regierungsfonds direkt zur Last. Die Jewish Agency verteilte Saatgut- Anleihen an die jüdischen Siedlungen, die von der Administration als Hilfsmaßnahmen gegen Mißernte und Trockenheit im Norddistrikt gewährt wurden. Die Jewish Agency übernahm auch den Bau von Gebäuden in jenen Siedlungen mit einem Kostenaufwand von £ 16.000, um den Farmern Arbeit zu beschaffen. Ferner führte die Jewish Agency in direkter und indirekter Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Institutionen öffentliche Arbeiten zur Beschäftigung von Arbeitslosen, die eine Ausgabe von etwa einer Viertelmillion Pfund erforderlich machten, durch. Im April stellte man die Arbeitslosenunterstützung ein. Für wirtschaftliche und soziale Dienste gab die Jewish Agency von Oktober 1927 bis September 1928 £ 715.000 aus. Insgesamt hat die Jewish Agency seit November 1917 rund sieben Millionen Pfund ln Palästina verausgabt. Eine wesentliche Arbeit wurde durch unabhängige wirtschaftlichc Institutionen entfaltet: Die Zentralbank der Kooperativen gewährte in dem am 31. August 1928 abgeschlossenen Jahre Anleihen an Gesellschaften und kooperative Gruppen in der Gesamthöhe von £ 96.431, die den Gesamtbetrag ihrer gewährten Darlehen in sechs Jahren auf £ 551.174 gebracht haben, wovon 60«/״ landwirtschaftlichen Zwecken dienten. Sie gewährte ferner von Oktober 1927 bis August 1928 £ 29.847 an indirekten Anleihen. Oie palästinensische Hypotheken- und Kredit-Bank gewährte 1928 £ 75.651 für Bodenkauf, Arbeiteransiedlung und Hypotheken- Anleihen an Bauern. Die von der Jewish Agcncv begründeten oder kontrollierten Schulen wurden 1928 von 19 449 Schülern (1927: 18 611) besucht. In den Hospitälern der Hadassah waren 1928 10 3'9 Patienten untergebracht; Etwa 120000 Patienten wurden in Dorfkliniken und Armen-Apotheken behandelt. Das Jahresbudget der Hadassah betrug £ 118.534, wozu ,die Jewish Agency £ 86.000 beisteuerte. Die Arbeiter-Krankenkasse zählt 14679 Mitglieder; ihr Jahresbudget ist £ 45.781, wozu die Jewish Agency £ 13 656 beisteuerte. Die Jewish Agency erbaute ein neues Hospital in Tiberias, die Arbeiter-Krankenkasse erbaut ein Hospital in der Nähe von Afuleh. Die Zionistische Organisation bat ihre ■Verhandlungen Über Erweiterung der Jewish Agency fortgeführt und die Regierung hierüber auf dem laufenden gehalten. Hinsichtlich des Punktes Im Fragebogen: Welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die jüdische Einwanderung zu erleichtern, heißt es in dem Bericht: Von den 1928 nach Palästina gekommenen Einwanderern, die. die Erlaubnis zu ständigem Aufenthalt erhielten, waren 2178 (70״׳״) Juden. 300 jüdischen politischen Flüchtlingen samt Familien wurde di« Einreise gestattet. Ein wesentlicher Fortschritt ist in der Jewish Agency- Kolonisation zu verzeichnen: drei neue Siedlungen im Jordantale und in der Ebene Jezreei wurden bei einem Kostenaufwand von £31.000 vollendet; Gebäude wurden mit einem Kostenaufwand von £ 34.000 errichtet. Die!restitutio für Bodenerwerb der Jewish Agency erwarb rund 30000 Dunam Boden und brachte ihren Bodenbesitz auf insgesamt 250000 Dunam. Sie besitzt ferner 3300 Dunam Wald. Jewish Agency führte in der oberen Region des Jordan Entwässerung®- und Ürbarmachungsarbelten mit einem Kostenaufwand von £ 16000 durch. Die Pica machte 6300 Dunam der Kabbara-Sümpfe kulturfähig. Auf die im Fragebogen enthaltene Frage, ob besondere Erleichterungen an Juden zum Erwerb der palästinensisehen Bürgerschaft gewährt wurden, wird geantwortet: Es wurden besondere Erleichterungen in der Ge- Währung von Nat-Reisedokumenten und Visen an in Palästina gebürtige Personen, die im Auslande wohnen, eingeführt; so wurde vielen Juden denen es nicht gelang, auf Grund des Nationalitätengesetzes die Bürgerschaft zu erlangen, die Rückkehr nach Palästina ermöglicht, wo sie für die Naturalisation die nötige Qualifikation erlangen konnten, in solchen Fällen sind Vergünstigungen gemäß Artikel 7 (5) des Gesetzes vorgesehen. 1928 wurden nach diesem Verfahren fünf Juden naturalisiert. Beamte der Administration wurden in entfernte jüdische Dörfer gesandt, um Bewerbungen um Naturalisation an Ort und Stelle entgegenzimehmen. Ende des Jahres 1928 gab es in der palästi nensi- 9 Ischen Polizei 18 jüdische Offiziere und fünf jüdische Unteroffiziere und Gemeine. Von den jüdischen Offizieren waren 15 bei der Distrikts-Polizei, einer bei der Stadt-Polizei und zwei im Gefängnisdienst. Die Gesamtstärke der Polizeimacht betrug 2143 Personen, unter denen 1293 Offiziere und Gemeine Moslemiten waren. — In der transjordanisclien Grenzmacht dienten ein jüdischer Offizier und 26 jüdische Unter- Offiziere und Gemeine. Die Oesamtstärke dieser Macht ist 677, worunter 8 Offiziere und 340 Unteroffiziere und Gemeine Moslemiten waren. Es wurden 58 Rekruten neu geworben, darunter 29 arabische Moslemiten, 16 Clrkassier, 7 arabische Christen und öjuden. Die Etawandenuigg'Zerttllliate Jerusalem, 12. Juli. (J.T. A.) Die Palästina-Regierung hat beschlossen, der Zionistischen Exekutive die gesamten für das Halbjahr April-Oktober d. J. bewilligten 2400 Einwandererzertifikate für Chaluzim-Einwanderung zur Verfügung zu stellen und Personen, die als Touristen ins Land kamen und hier dauernd verblieben sind, nicht — wie früher beabsichtigt — in diese Zahl cinzuschließen. (Damit sind sämtliche Forderungen der Zion. E x e k u t i v e, die sie bezüglich der Verfügung der Regierung über die Zertifikate gestellt hatte, erfüllt worden. - A. d. R.)

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